Der Geist Gottes,der uns gesandt ist und der weht,wo er will,sei mit euch.
Im Anschluss an den gestrigen Gottesdienst präsentiert uns die Liturgie den zweiten Teil des Gesprächs zwischen Nikodemus und Jesus. Der Herr lädt diesen einflussreichen Juden ein, seine Denkweise aufzugeben und die Botschaft eines neuen Lebensstils „im Geist“ anzunehmen. Diese Worte überraschen Nikodemus jedoch sehr, und er fragt nur: Wie ist das möglich?
Jesus,du hast deiner Kirche den Heiligen Geist gesandt. Herr,erbarme dich unser.
Du bezeugst, was wir nicht sehen können. Christus,erbarme dich unser.
Du hast den Glaubenden das ewige Leben verheißen.Herr,erbarme dich unser.
Jesus antwortet mit einem vielleicht ironischen Unterton, dass es seltsam sei, dass der „Lehrer Israels“ in den Dingen Gottes, die doch in seinem Kompetenzbereich liegen sollten, so verwirrt sei. Er lässt ihn jedoch nicht im Ungewissen und enthüllt ihm das große Geheimnis. Im ersten Teil ihres Gesprächs hatte Jesus angedeutet, dass neues Leben durch den Heiligen Geist entstehen würde (vgl. Joh 3,5). Nun lehrt er Nikodemus, dass uns dieses Leben ebenfalls durch ihn geschenkt werden soll. Um dies zu veranschaulichen, zieht Jesus eine Parallele zur Geschichte von Mose und der ehernen Schlange (vgl. Num 21,4–9).
Damals spürte das Volk die Last seiner Wüstenwanderung und sehnte sich nach Ägypten zurück. Sie verfluchten Gott und Mose wegen ihrer schwierigen Lage. Zur Strafe für ihre Undankbarkeit sandte Gott giftige Schlangen unter das Volk, die viel Unheil anrichteten. Doch Mose bat für das Volk den Herrn, und dieser befahl ihm, eine eherne Schlange anzufertigen und sie an einer Stange hochzuhängen. Er sprach zu ihm: „Wer sie ansieht, wird leben“ (Num 21,8).
Jesus griff dieses geheimnisvolle Symbol auf, um zu zeigen, wie er uns göttliches Leben schenken möchte. So wie die eherne Schlange einst die von ihr Gebissenen heilte – eine Erinnerung an die Sünde unserer ersten Eltern –, so schenkt Jesus am Kreuz allen Leben, die „auf den blicken, den sie durchbohrt haben“ (Joh 19,37).
Die Botschaft, die Jesus Nikodemus verkündet, ist eine Einladung, das von Gott angebotene Leben anzunehmen und uns – wie die Israeliten in der Wüste – von unseren Wunden und Leiden heilen zu lassen. Deshalb ist es so wichtig, auf das zu hören, was der Herr uns heute lehrt: Das wahre Leben ist möglich, wenn wir auf den Gekreuzigten blicken und unser Herz auf ihn richten