Taufe April

Liebe Schwestern und Brüder.

Das kleine Kind, das heute hier in die Kirche gebracht wurde, kann noch nicht sprechen, laufen oder verstehen, was hier geschieht. Gerade darin liegt das erste große Geheimnis der Taufe: Gott wartet nicht, bis wir groß, klug oder gut genug sind. Er kommt uns zuvor. Die Taufe ist nicht die Antwort des Menschen auf Gott, sondern Gottes Antwort auf den Menschen – noch bevor der Mensch überhaupt die Frage stellen kann.

Der heilige Paulus schreibt im Brief an die Römer: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben wurde.“ Nicht erworben, nicht verdient, sondern geschenkt. Darin liegt das Wesen der Taufe: eine unverdiente, bedingungslose Gabe.

Was geschieht in diesem Moment konkret? Dieses Kind wird in den Tod und die Auferstehung Jesu Christi hineingetaucht. Es stirbt symbolisch mit ihm und steht neu auf. Die Erbsünde, jene tiefe Verwundung, wird abgewaschen und an ihre Stelle tritt die Kindschaft Gottes. Von diesem Moment an ist dieses Kind nicht mehr nur ein Kind seiner Eltern, sondern ein Kind Gottes. Das ist keine fromme Metapher. Es ist eine ontologische Wirklichkeit, eine Veränderung im Innersten des Seins.

Die Eltern und Paten, die heute hier sind, übernehmen eine große Verantwortung. Sie sprechen das Glaubensbekenntnis im Namen des Kindes, denn es kann bisher nicht für sich selbst einstehen. Dies ist ein Bild für das gesamte christliche Leben: Wir sind nie allein auf unserem Weg. Es gibt immer jemanden, der für uns einsteht, uns trägt und uns vorangeht.

Es gibt einen Moment in der Taufliturgie, der besonders berührt — wenn das Kind das weiße Taufkleid empfängt. Der Priester sagt: „Du hast Christus angezogen.“ Das weiße Kleid ist kein Schmuck — es ist ein Programm. Es sagt: Dieses Kind soll so leben, dass Christus in ihm sichtbar wird. Nicht als Last, sondern als Licht.

Die an der Osterkerze entzündete Taufkerze gibt den Eltern eine stille Aufgabe mit auf den Weg: Haltet dieses Licht lebendig! Nicht durch Druck oder Zwang, sondern durch das eigene Zeugnis, durch Gebet und die ansteckende Freude des Glaubens. Kinder lernen den Glauben nicht aus Büchern, sondern aus dem gelebten Leben der Menschen, die sie lieben.

Bitten wir den Herrn, dieses Kind auf seinem langen Weg zu begleiten – durch alle Höhen und Tiefen, die das Leben bereithält. Bitten wir ihn auch darum, dass die Gnade der heutigen Taufe niemals erlischt, sondern immer weiter wächst und reift, bis zu dem Tag, an dem dieses Kind von Angesicht zu Angesicht vor dem steht, der es zuerst geliebt hat.