Gott suchen in der Arbeit des Tages
Ich war ein Bauernsohn aus dem Bayerischen Wald. Ich kannte den Pflug, bevor ich den Bischofsstab kannte. Und darum sage ich euch: Die Heiligkeit wächst nicht nur im Chor der Mönche, sondern auch auf dem Acker, in der Werkstatt, in der Schreibstube.
Jesus,du hast der Ehre des Vaters gedient. Herr,erbarme dich unser.
Dein Ziel war das Heil aller Menschen. Christus, erbarme dich unser.
Du bleibst bis ans Ende der Zeiten. Herr,erbarme dich unser.
Als ich Abt in Niederaltaich und Tegernsee war, lehrte ich meine Brüder: Ora et labora – bete und arbeite. Nicht: bete statt zu arbeiten. Nicht: arbeite ohne zu beten. Sondern beides zusammen, wie zwei Flügel, die die Seele zu Gott tragen.
Darum frage ich euch heute: Ist eure Arbeit ein Gebet? Legt ihr den ersten Hammerschlag, den ersten Federstrich, den ersten Handgriff des Tages in Gottes Hand? Wenn nicht, dann fangt morgen damit an. Weiht den Tag dem Herrn, bevor die Welt ihn euch nimmt.
2. Die Kirche bauen mit Steinen und mit Herzen
Man sagt, ich hätte viele Kirchen gebaut – in Niederaltaich, in Hersfeld, hier in Hildesheim. Stein auf Stein. Ja, das stimmt. Aber was nützt ein Dom aus Quadern, wenn die Seelen darin kalt bleiben?
Ich habe Schulen gegründet, weil ich wusste: Ein Volk ohne Wissen wird ein Volk ohne Gewissen. Ich habe den Michaelisberg erhöht, nicht damit ihr auf einen Hügel schaut, sondern damit euer Herz sich zu Gott erhebt.
So baut auch ihr! Baut an eurer Familie, Stein der Geduld auf Stein der Treue. Baut an eurer Stadt, den Stein der Gerechtigkeit auf den Stein der Barmherzigkeit. Und wenn ein Stein herausbricht – wenn Streit kommt, wenn Not kommt – dann setzt ihn mit Vergebung wieder ein. Das ist das Bauwerk, das vor Gott zählt.
3. Demütig dienen, auch als Bischof
Als Kaiser Heinrich II. mich zum Bischof machte, wollte ich fliehen. Nicht aus Feigheit, sondern weil ich wusste: Je höher das Amt, desto tiefer muss die Kniebeuge sein. Ein Bischof ist kein Fürst dieser Welt. Er ist der erste Knecht im Haus Gottes.
Darum habe ich keine goldenen Tafeln gehalten, während mein Volk hungerte. Ich bin durch die Dörfer gegangen, habe die Kranken besucht, habe selbst die Hand an den Pflug gelegt, wenn es nötig war. Denn der Hirte riecht nach seinen Schafen.
Prüft euch: Wo könnt ihr heute dienen? Der Mutter, die müde ist? Dem Nachbarn, der allein ist? Dem Bettler vor der Kirchentür? Wer dient, der herrscht – so herrscht Christus vom Kreuz herab.
4. Wachsam bleiben bis zum Ende
Ich bin alt geworden, Brüder. 78 Jahre hat mir der Herr geschenkt. Und bis zum letzten Atemzug habe ich gewacht: über mein Herz, dass es nicht träge wird; über meine Brüder, dass sie nicht lau werden; über meine Stadt, dass sie nicht Gott vergisst.
Die Welt sagt: Ruh dich aus. Gönn dir. Nimm dir. Ich aber sage euch mit dem Herrn: Wachet, denn ihr wisst weder Tag noch Stunde. Die Versuchung schläft nicht. Der Hochmut kommt auf leisen Sohlen. Die Liebe erkaltet schnell, wenn man das Feuer nicht hütet.
Darum: Haltet die heilige Messe heilig. Haltet den Sonntag heilig. Haltet euer Wort heilig. Dann hält Gott euch in Seiner Hand.
Auf dem Weg seines Lebens hat uns Christus zu sich gerufen.In seinem Namen wagen wir voll Vertrauen den Vater zu bitten.
Die Christus nachfolgen, finden in ihm Geborgenheit und Frieden. Wir bitten den Herrn.
Selig, die Christus nachfolgen und ihm auferstehen zur Herrlichkeit