Liebe Schwestern und Brüder,
heute feiern wir den Muttertag – einen Tag, an dem wir innehalten und jenen Frauen danken, die uns das Leben geschenkt haben. Doch die Kirche lädt uns ein, tiefer zu schauen als nur auf die menschliche Mutterschaft. Sie lädt uns ein, in jeder Mutter ein Abbild jener Liebe zu erkennen, die Gott selbst für uns hegt.
Im Buch der Sprichwörter lesen wir von der Frau, die ihrem Haus Kraft und Würde verleiht, die ihre Hände ausstreckt nach den Armen und deren Kinder aufstehen und sie seligpreisen. Diese Frau ist kein Ideal aus einer fernen Welt – sie ist die Mutter, die früh aufsteht, die in der Nacht wacht, die schweigt, wenn sie weinen möchte, damit ihre Kinder schlafen können.
Aber Mutterschaft ist nicht nur eine biologische Wirklichkeit. Der heilige Paulus schreibt an die Galater: „Meine Kinder, um euretwillen leide ich wieder Geburtswehen.“ Ein Mann schreibt das – und doch nennt er sich Mutter. Denn Mutterschaft bedeutet im tiefsten Sinne: für einen anderen Menschen leiden, wachsen, sich hingeben. Es ist die Bereitschaft, das eigene Leben zum Geschenk zu machen.
Und Maria – sie steht am Gipfel dieser Mutterschaft. Unter dem Kreuz, wo alle flohen, blieb sie. Nicht weil sie stark war, sondern weil Liebe nicht flieht. Jesus gibt ihr Johannes – und in ihm uns alle – als Sohn. In diesem Moment wird sie zur Mutter der ganzen Kirche, zur Mutter jedes Menschen, der nach Gott sucht.
Liebe Schwestern und Brüder, danken wir heute unseren Müttern – nicht nur mit Worten, sondern mit dem Entschluss, selbst mutterlicher zu werden: zärtlicher, geduldiger, bereiter zu vergeben. Denn die Welt wird nicht durch Macht verändert, sondern durch Liebe – jene stille, beharrliche Liebe, die eine Mutter kennt.