Gott,der Herr,der unser Vater im Himmel ist und uns den Heiligen Geist geben will,sei mit euch.
Die Kirche kennt besondere Tage, an denen sie innehält und ihre Hände ausbreitet – nicht in Triumph, sondern in Bitte. Der Bittag ist ein solcher Tag. Er erinnert uns daran, dass wir nicht Herren unseres Lebens sind, sondern Empfänger. Dass hinter jedem Stück Brot, hinter jeder Ernte, hinter jedem Atemzug eine Güte steht, die nicht von uns kommt.
Jesus, du nimmst unsere Bitten an, weil du uns deine Freunde genannt hast. Herr,erbarme dich unser.
Du liebst uns, weil du uns erlöst hast. Christus,erbarme dich unser.
Du schenkst uns Hoffnung, damit wir nicht verzagen. Herr,erbarme dich unser.
Im Evangelium sagt Jesus: „Bittet, und es wird euch gegeben; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet.“ (Mt 7,7) Diese drei Worte – bitten, suchen, anklopfen – sind keine Garantie für ein bequemes Leben. Sie sind eine Einladung zur Beziehung. Gott will nicht, dass wir schweigen. Er will, dass wir kommen – mit unserer Not, mit unserer Unsicherheit, mit unserer Angst vor der Zukunft.
Der heilige Augustinus schrieb: „Du hast uns auf dich hin geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“ Der Bittag ist genau dieser Moment der Unruhe, der sich Gott zuwendet. Wir kommen nicht mit Verdiensten. Wir kommen mit leeren Händen – und das ist genug. Denn Gott füllt leere Hände, nicht volle.
In der bäuerlichen Tradition war der Bittag ein Bittgang über die Felder – die Gemeinde zog durch die Fluren, betete für die Ernte, für das Vieh, für das Wetter. Diese Geste hatte eine tiefe Weisheit: Der Mensch tritt aus dem Haus, geht durch die Schöpfung und erkennt, dass er Teil von ihr ist – nicht ihr Besitzer. Die Erde gehört Gott. Wir sind ihre Hüter.
Heute bringen wir andere Sorgen mit. Krankheit, Einsamkeit, zerbrochene Beziehungen, Unsicherheit in der Arbeit, Angst um die Kinder. Der Bittag sagt uns: Bring alles vor Gott. Nicht, weil er es nicht weiß – sondern weil das Aussprechen selbst heilend ist. Weil der Mensch, der bittet, aufhört, allein zu tragen.
Liebe Schwestern und Brüder, gehen wir heute mit offenen Herzen vor Gott. Bitten wir für uns, für unsere Familien, für unsere Gemeinde, für die Welt. Und vertrauen wir darauf, dass derjenige, der die Lilien des Feldes kleidet und die Vögel des Himmels nährt, auch uns nicht vergessen hat.
Sieben Bitten an den Vater hat uns der Herr befohlen. In seinem Namen wagen wir , zum Vater zu beten.
Zu den Früchten, um die wir bitten,gehört jener Friede, den nur Gott uns geben kann. Um ihn bitten wir.
Selig, die sich keiner Bitte verschließen und vom Vater der Barmherzigkeit erhört werden.