Gott ,unser Vater, der verherrlicht ist in seinem Sohn Jesus Christus,sei mit euch.
Liebe Schwestern und Brüder, wir befinden uns in den letzten Tagen der Osterzeit. Bald wird Pfingsten kommen. Und das Evangelium, das wir heute gehört haben, führt uns in einen ganz besonderen Moment – in das sogenannte hohepriesterliche Gebet Jesu. Jesus betet. Nicht für sich selbst – sondern für uns. Und dieses Gebet öffnet uns ein Fenster ins Herz Gottes.
Jesus, nach deiner Himmelfahrt verharrten deine Jünger einmütig im Gebet. Herr,erbarme dich unser.
Die in der Einheit mit dir leben,willst du zu gleicher Herrlichkeit führen. Christus,erbarme dich unser.
Du hast für die Kirche gebetet, dass sie in der Einheit mit dir bleibe. Herr, erbarme dich unser.
Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit dieser dich verherrlicht. (Joh 17,1) Das ist der erste Satz dieses Gebetes und zugleich ein Schlüssel zu seinem ganzen Sinn. Was bedeutet Verherrlichung hier wirklich? Nicht Ruhm im menschlichen Sinne, nicht äußere Macht, nicht Sieg über andere und auch nicht triumphierendes Auftreten. Die Verherrlichung Jesu zeigt sich im Kreuz – und in der Auferstehung. Gerade dort, wo menschlich gesehen Niederlage und Ohnmacht sichtbar werden, offenbart sich Gottes Herrlichkeit. Gott wird dort sichtbar, wo ein Mensch sein Leben für andere hingibt, wo Liebe sich bis zum Äußersten schenkt. Das ist die Logik des Evangeliums. Doch sie bleibt uns fremd, solange wir Größe mit Stärke verwechseln und Herrlichkeit nur dort erwarten, wo Menschen beeindrucken oder sich durchsetzen.
Dann sagt Jesus etwas, das uns tief berühren und lange in uns nachklingen sollte: Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. (Joh 17,3) Mit diesen Worten macht Jesus deutlich, dass ewiges Leben nicht einfach eine Belohnung ist, die man erst am Ende eines langen Weges erhält. Es ist vielmehr eine Wirklichkeit, die schon jetzt beginnt und gegenwärtig wird – und zwar in der Erkenntnis Gottes. Dieses Leben ist also nicht nur etwas Zukünftiges, sondern etwas, das bereits in der Beziehung zu Gott seinen Anfang nimmt. Und wenn in der Bibel von Erkenntnis die Rede ist, dann geht es nicht um bloßes Wissen oder um reine Information. Gemeint ist vielmehr Beziehung, Vertrautheit und Liebe. Man erkennt Gott nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen, so wie man einen geliebten Menschen erkennt: nicht durch abstrakte Definitionen, sondern durch echte Begegnung.
Der heilige Augustinus sagte: Du hast uns auf dich hin geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir. Dieses Wort bringt den Kern des heutigen Evangeliums auf den Punkt und fasst seine tiefe Aussage eindrucksvoll zusammen. Der Mensch ist nicht einfach für sich selbst gemacht und nicht nur auf sich selbst hin ausgerichtet. Er ist auf Gott hin geschaffen. Und solange er diese Beziehung nicht lebt und in ihr steht, bleibt sein Herz unruhig, leer und suchend, weil ihm das fehlt, wofür es eigentlich bestimmt ist.
Dann betet Jesus für seine Jünger: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.“ (Joh 17,11) In diesem Gebet wird sichtbar, was Jesus am Vorabend seines Todes besonders am Herzen liegt: die Einheit seiner Jünger. Einheit ist dabei nicht als äußere Gleichförmigkeit gemeint, und auch nicht als das Auslöschen von Unterschieden oder Eigenheiten. Gerade das ist unerwünscht. Gemeint ist vielmehr jene tiefe Gemeinschaft, die dort entsteht, wo Menschen in Gott verwurzelt sind und aus dieser Verwurzelung leben.
Die Kirche ist deshalb nicht vor allem eine Organisation im üblichen Sinn. Sie ist in erster Linie eine Gemeinschaft von Menschen, die denselben Glauben teilen und in dieser Verbundenheit zusammengehören. Ihre Einheit entsteht nicht aus äußerem Zwang oder aus bloßer Ordnung, sondern aus der Beziehung zu Gott, die die Menschen miteinander verbindet. Gerade in diesem gemeinsamen Glauben und in dieser Verbindung zu Gott liegt ihr innerer Zusammenhalt. Daher ist die Kirche vor allem eine Glaubensgemeinschaft, in der die Menschen miteinander verbunden sind und zusammengehören.
Liebe Schwestern und Brüder, dieses Gebet Jesu gilt auch uns, ganz unmittelbar und heute. Er betet jetzt für uns, in diesem Augenblick, in dieser Messe. Er bittet den Vater, uns zu bewahren, uns zu heiligen und uns zu einen. Auf unserem Weg sind wir nicht allein. Hinter uns und an unserer Seite steht das Gebet dessen, der den Tod überwunden hat.
Nehmen wir dieses Geschenk an – nicht als fromme Idee, sondern als lebendige Wirklichkeit. Und antworten wir darauf mit dem Einzigen, das wir geben können: unserem Ja zu Gott in diesem Leben.
Im Namen Jesu Christi, der unser Fürsprecher beim Vater ist, wagen wir zu beten.
Jesus Christus ist verherrlicht bei seinem Vater. Um seinen Frieden dürfen wir bitten.
Selig, die mit Gott eins geworden sind und in seine Herrlichkeit eingehen dürfen.