Dienstag der 7. Osterwoche Joh 17,1-11

Jesus Christus,dem Macht gegeben ist über alle Menschen, sei mit euch.

Was wir im heutigen Evangelium hören werden, das ist, das letzte große Gebet Jesu. Jesus weiß: In wenigen Stunden kommt Judas. Dann Gethsemane. Dann das Kreuz.

Und für wen  betet er in dieser Stunde? Für sich? Ja. Aber vor allem für uns.

Jesus, du hast  durch dein ganzes Leben den Vater verherrlicht. Herr,erbarme dich unser.

Du hast  das Werk der Rettung vollendet. Christus, erbarme  dich unser.

Du bist für  immer unser Fürsprecher beim Vater. Herr,erbarme  dich unser.


1. Jesus betet für seine Herrlichkeit – und die kommt durch uns.

„Vater, die Stunde ist da: Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche.“

Die „Stunde“ – das ist im Johannesevangelium immer das Kreuz. Das klingt erst mal verrückt. Herrlichkeit am Kreuz? Für die Welt ist das Scheitern, Schwäche, Ende.

Für Jesus ist es Herrlichkeit, weil dort sichtbar wird, wer Gott ist: einer, der sich nicht schont. Einer, der bis ins Letzte liebt.

Und dann sagt er etwas Unglaubliches: „Das ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“

Ewiges Leben beginnt nicht erst nach dem Tod. Ewiges Leben ist: Gott kennen. Jetzt. Mitten im Alltag, in Linz, im Büro, in der Familie, in der Krise. Eine Beziehung, die heute beginnt und nie mehr aufhört.

Jesus hat seinen Auftrag erfüllt: Er hat den Vater sichtbar gemacht. : „Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast.“

Frage an uns: Machen wir Gott sichtbar? Durch unser Leben, unsere Worte, unseren Umgang mit anderen? Das ist unser Auftrag, wenn wir zu ihm gehören.


2. Jesus betet für seine Leute – weil er sie dem Vater anvertraut .

„Sie waren deins, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.“

Jesus zählt auf, was die Jünger richtig gemacht haben. Dabei wissen wir: Petrus wird ihn verleugnen. Alle werden fliehen. Thomas wird zweifeln. Und trotzdem sagt Jesus: „Sie haben erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.“

Das ist Gnade. Jesus sieht nicht zuerst unser Versagen. Er sieht den Glauben, der da ist, auch wenn er klein ist.

Und dann der für uns heute wichtigste Satz: „Ich bitte für sie. Ich bitte nicht für die Welt, sondern für diejenigen, die du mir gegeben hast, denn sie gehören dir.“

Jesus betet für dich. Gerade jetzt. Im Himmel tritt er für dich ein, wenn du versagst, wenn du zweifelst, wenn du müde wirst.  Er hat sich für uns eingesetzt. Du bist nicht allein mit deinem Glauben.

„Ich bin in ihnen verherrlicht. Jesus wird sichtbar in normalen Menschen wie dir und mir. Nicht in makellosen Heiligen, sondern in Leuten, die ihr Wort halten, vergeben und hoffen, wenn es keinen Grund mehr gibt.


3. Jesus betet für unsere Einheit – weil die Welt daran Gott erkennen soll

„Ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir.“

Jesus geht. Die Jünger bleiben. In einer Welt, die sie nicht versteht. In einer Welt voller Spaltung – damals zwischen Juden und Heiden, Römern und Griechen, Sklaven und Freien. Heute zwischen politischen Lagern, Konfessionen, Generationen, Meinungen.

Und Jesus betet nicht: „Vater, hol sie da raus.“ Er betet: „Erhalte sie in deinem Namen.“ Der Name Gottes – das ist sein Wesen, seine Treue, seine Liebe. Darin sollen wir bleiben.

„Dass sie eins seien wie wir.“ Wie ist Gott eins? Vater, Sohn und Geist – verschieden, aber völlig eins im Willen, in der Liebe, im Ziel. Keine Gleichmacherei. Sondern Einheit in Vielfalt.

Das ist Jesu Test für die Kirche: Wenn wir uns streiten, wenn wir uns gegenseitig zerfleischen, dann sieht die Welt nichts von Gott. Wenn wir eins sind – nicht einig in allen Fragen, aber eins in der Liebe zu Jesus und zueinander – dann wird etwas von Gottes Wesen sichtbar.

Einheit ist kein Kuschelfaktor. Einheit ist Mission. Johannes 17,21 geht weiter: „damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“


Was nehmen wir mit?

  1. Du bist gewollt. Jesus sagt: „Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben.“ Bevor du dich für Gott entschieden hast, hat er sich für dich entschieden. Du bist kein Unfall in Gottes Reich.

  2. Du bist gehalten. Jesus betet für dich. „Heiliger Vater, erhalte sie.“ Wenn du das Gefühl hast, dass dein Glaube zu schwach ist – er trägt dich. Nicht du hältst Gott fest; er hält dich fest.

  3. Du bist gesandt. Wir bleiben in der Welt. Mit Auftrag: Eins sein. Nicht weil wir alle gleich denken, sondern weil wir zu demselben Herrn gehören. Wo kannst du diese Woche Einheit stiften? In der Familie? In der Gemeinde? Auf der Arbeit?

Jesus geht ans Kreuz. Aber er lässt uns nicht als Waisen zurück. Er gibt uns seinen Namen, sein Wort, und seinen Fürbitte-Dienst im Himmel.

Und irgendwann wird wahr, worum er am Ende von Johannes 17 bittet: „Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast.“

Bis dahin: Bleibt in seinem Namen! Bleibt beieinander. Dann wird die Welt etwas von der Herrlichkeit sehen, für die Jesus gebetet hat.

Jesus Christus hat uns  den Namen des Vaters offenbart. Nach seinem Auftrag  wagen wir zu sprechen.

Der Sohn Gottes,der Macht hat über die Menschen, kann uns seinen Frieden geben. Deshalb bitten wir.

Selig, die den einzigen und wahren Gott erkannt haben und das ewige Leben besitzen.