Hl. Bernhardin von Siena,Ordenspriester, Lk 9,57-62

Jesus Christus, der in Armut kam und nichts hatte, worauf er sein Haupt legen konnte, sei mit euch.

Es gibt Menschen, die mit ihrer bloßen Anwesenheit einen Raum verändern. Der heilige Bernardin von Siena war ein solcher Mensch. Wo immer er auftrat – auf den Marktplätzen Italiens, in den Kathedralen, unter freiem Himmel vor Tausenden von Menschen – geschah etwas. Die Herzen öffneten sich. Die Feindschaften hörten auf. Das Leben veränderte sich.

Jesus, du hast die Fülle des Lebens gebracht. Herr,erbarme dich unser.

Du willst ,dass wir bis zur Vollendung wachsen. Christus,erbarme dich unser.

Du führst uns  durch  dein Wort. Herr, erbarme  dich unser.

Bernardin wurde 1380 in der Toskana geboren, in eine Zeit, die von Pest, Krieg und tiefer kirchlicher Krise geprägt war. Als junger Mann pflegte er während der Pestepidemie in Siena Kranke und Sterbende – monatelang, auf eigene Gefahr. Diese Erfahrung des Leidens und der Vergänglichkeit formte ihn tief. Er trat in den Franziskanerorden ein und wurde zu einem der bedeutendsten Prediger des 15. Jahrhunderts.

Was machte seine Predigt so außergewöhnlich? Er sprach die Sprache des Volkes. Er war kein Gelehrter, der seine Zuhörer mit Definitionen überhäufte. Er war ein Mensch, der aus dem Gebet heraus sprach und wusste, was die Menschen bewegte – IHS, die ihre Angst, ihre Hoffnung, ihre Sünde, ihre Sehnsucht nach Gott. Der heilige Johannes Kapistran, sein Schüler, schrieb, dass Bernardin stundenlang predigen konnte, ohne dass jemand wegging.

Sein bekanntestes Zeichen war das Täfelchen mit dem Monogramm Christi – IHS, den ersten drei Buchstaben des Namens Jesu im Griechischen. Bernardin trug es bei sich und hielt es am Ende jeder Predigt hoch. Er wollte damit sagen: Nicht ich bin wichtig. Nicht meine Worte sind das Ziel. Jesus Christus ist das Ziel. Diese Geste war prophetisch – in einer Zeit, in der die Kirche von Eigeninteressen und Machtstreben zerrissen war, stellte er den Namen Jesu in die Mitte.

Darin liegt eine Botschaft für uns heute. Wir leben in einer Zeit, die von Lärm erfüllt ist – von Meinungen, Bildern und– Nachrichten, die uns täglich überschwemmen. Und mitten in diesem Lärm fragt uns Bernardin: Was steht in der Mitte deines Lebens? Welcher Name trägt dich, wenn alles andere wegfällt?

Der heilige Paulus schreibt im Brief an die Philipper: „Gott hat ihn über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu.“ (Phil 2,9-10) Bernardin hat dieses Wort nicht nur gepredigt – er hat es gelebt. Sein Leben war ein einziges Zeugnis für die Kraft des Namens Jesu.

Liebe Schwestern und Brüder, nehmen wir heute von Bernardin eine einfache, aber tiefe Lektion mit: Der Name Jesu ist nicht nur ein frommer Ausdruck. Er ist eine Wirklichkeit, die trägt, heilt und befreit. Sprechen wir ihn aus – im Gebet, in der Not, in der Freude. Und lassen wir zu, dass dieser Name wirklich die Mitte unseres Lebens wird.

Damit wir tauglich werden für das Reich Gottes und den Mut finden, Christus nachzufolgen,wollen wir zum Vater beten.

Hast und Unruhe sind der Weg dieser Welt. Nur Gott kann uns Ruhe und Frieden schenken. Das erbitten wir.

Selig, die Christus folgen und nicht zurückblicken, um in seine Herrlichkeit einzugehen.