Der Gedenktag „Maria, Mutter der Kirche“ ist ein noch relativ neuer Feiertag im liturgischen Kalender der Kirche. Papst Franziskus hat ihn im Jahr 2018 für die ganze Kirche eingeführt. Das entsprechende Dekret wurde am 11. Februar 2018 veröffentlicht, am Gedenktag unserer Lieben Frau von Lourdes. Dieser Tag wird jedes Jahr am Montag nach Pfingsten gefeiert. Damit wollte der Papst zeigen, dass die Gegenwart der Gottesmutter untrennbar mit der Geburt der Kirche verbunden ist.
Predigt: Maria – Mutter der Kirche
Liebe Brüder und Schwestern!
Noch erfüllt uns die Freude des Pfingstfestes. Wir haben gefeiert, wie der Heilige Geist auf die Apostel herabkam und aus ängstlichen Menschen mutige Zeugen Christi machte. Und gleich am nächsten Tag richtet die Kirche unseren Blick auf Maria – die Mutter Jesu – und nennt sie „Mutter der Kirche“.
Das ist kein zufälliger Zusammenhang.
Denn Maria war mitten unter den Aposteln, als sie im Abendmahlssaal auf den Heiligen Geist warteten. Sie betete mit ihnen. Sie stärkte sie durch ihren Glauben. Dort, wo die Kirche geboren wurde, war auch Maria anwesend.
Schon unter dem Kreuz hat Jesus uns Maria zur Mutter gegeben. Im Johannesevangelium hören wir die Worte Jesu:
„Frau, siehe, dein Sohn!“
Und zum Jünger sagte er:
„Siehe, deine Mutter!“
In diesem Jünger dürfen wir uns alle selbst erkennen. Jesus wollte nicht, dass seine Kirche ohne Mutter bleibt. So wie Maria Jesus mit Liebe begleitet hat, so begleitet sie auch die Kirche auf ihrem Weg durch die Geschichte.
Maria ist Mutter der Kirche, weil sie Mutter Christi ist. Christus aber ist das Haupt der Kirche, und wir sind seine Glieder. Wo Christus ist, dort ist auch seine Kirche. Und wo Christus geboren wird, dort ist Maria nicht fern.
Die Kirche ist nicht nur eine Organisation oder Institution. Sie ist Familie Gottes. Und jede Familie braucht eine Mutter. Eine Mutter, die verbindet, die tröstet, die zuhört, die Hoffnung schenkt.
Genau das tut Maria.
Wie oft haben Christen in schweren Zeiten Zuflucht bei Maria gesucht! In Kriegen, Verfolgungen, Krankheiten und persönlichen Nöten haben Menschen den Rosenkranz gebetet und gespürt: Eine Mutter verlässt ihre Kinder nicht.
Maria drängt sich niemals in den Mittelpunkt. Sie zeigt immer auf Jesus. Bei der Hochzeit zu Kana sagte sie:
„Was er euch sagt, das tut.“
Das ist auch heute ihre Botschaft an die Kirche. Nicht Maria steht im Zentrum unseres Glaubens, sondern Christus. Aber Maria hilft uns, Christus besser zu verstehen, ihm näherzukommen und ihm treu zu bleiben.
Gerade heute braucht die Kirche den mütterlichen Geist Mariens:
mehr Liebe statt Härte,
mehr Demut statt Stolz,
mehr Gebet statt Oberflächlichkeit,
mehr Vertrauen in Gott statt Angst.
Maria sammelt die Jünger um sich. Sie führt nicht auseinander, sondern zusammen. Sie schafft Einheit. Deshalb ist sie wirklich die Mutter der Kirche.
Vielleicht fühlen wir uns auch manchmal wie die Apostel vor Pfingsten: unsicher, müde oder mutlos. Dann dürfen wir zu Maria gehen. Sie kennt den Weg des Glaubens. Sie hat selbst Dunkelheit, Leid und Schmerz erlebt. Aber sie blieb Gott treu.
Bitten wir heute die Gottesmutter:
Maria, Mutter der Kirche,
begleite den Papst, die Bischöfe, die Priester und alle Gläubigen.
Beschütze unsere Familien, unsere Pfarren und Gemeinschaften.
Hilf uns, auf den Heiligen Geist zu hören
und treue Jünger deines Sohnes zu sein.
Amen.