Archiv für den Monat: Juni 2026
12. Sonntag A im Jahreskreis Mt 19,26-33
Jesus sagte: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten können, die Seele aber nicht töten können.“ Dieser Satz Jesu klingt auf den ersten Blick wie eine Einladung zur Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod. Aber wenn wir genauer hinhören, entdecken wir das Gegenteil: Es ist eine Einladung zur tiefsten Freiheit, die ein Mensch erreichen kann.
Jesus,du hast ohne Furcht dein Wort verkündet. Herr,erbarme dich unser.
Wenn wir dir dienen, bist du unser Mittler und Anwalt beim Vater. Christus,erbarme dich unser.
Da hast du uns nichts verschwiegen, was uns den Weg weisen kann. Herr,erbarme dich unser.
Jesus spricht diese Worte zu seinen Jüngern, die er aussendet – in eine Welt, die sie nicht immer freundlich empfangen wird. Er verheimlicht ihnen das nicht. Er sagt ihnen klar: Ihr werdet auf Widerstand stoßen, auf Ablehnung, vielleicht auf Verfolgung. Und genau in diesem Moment sagt er dreimal hintereinander: „Fürchtet euch nicht.“ Das ist kein naiver Optimismus. Das ist eine Aussage über die Wirklichkeit, die tiefer reicht als das, was wir mit den Augen sehen.
Das Schlüsselwort des gesamten Abschnitts ist „Offenbarung“. „Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was euch ins Ohr geflüstert wird, das verkündet auf den Dächern.“ (Mt 10,27) Das Evangelium ist keine Geheimlehre für Eingeweihte. Es ist eine Botschaft, die ans Licht will – nicht, weil sie laut sein muss, sondern weil sie wahr ist. Und die Wahrheit trägt in sich selbst die Kraft, sich auszubreiten.
Aber dann stellt sich die entscheidende Frage: Was hält uns davon ab, diese Wahrheit zu bezeugen? Jesus nennt es beim Namen – die Furcht vor dem Urteil der Menschen. „Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde ich vor meinem himmlischen Vater verleugnen.“ (Mt 10,33) Das ist ein harter Satz. Aber er ist kein Drohwort. Er ist eine Beschreibung der inneren Logik des Glaubens: Wer Gott kennt und ihn verbirgt, verliert etwas von sich selbst. Wer das Licht in sich trägt und es versteckt, lebt im Widerspruch zu dem, was er ist.
Liebe Schwestern und Brüder, Jesus fragt uns heute: „Vor wem habe ich Angst?“ Wessen Urteil bestimmt mein Leben mehr als Gottes? In welchen Situationen schweige ich, wo ich sprechen sollte – in der Familie, im Beruf, unter Freunden –, weil ich die Reaktion der anderen fürchte? Die Angst bei der Glaubensbekennung kann auf verschiedene Weise angegangen werden. Es ist wichtig, eine fundierte Kenntnis des eigenen Glaubens zu haben. Studien,Diskussionen und das Lesen religiöser Texte können helfen, Unsicherheiten zu reduzieren. Der Austausch mit Gleichgesinnten oder das Finden einer unterstützenden Gemeinschaft kann Ängste mindern. Das Teilen von Erfahrungen und das Gefühl der Zugehörigkeit stärken das Vertrauen. Das Sprechen über Ängste und Zweifel in einem vertrauten Rahmen, sei es mit Freunden, Familienmitgliedern oder einem Seelsorger , kann entlastend wirken. Teilnahme an Glaubensgemeinschaften oder an Veranstaltungen, die positive emotionale Erfahrungen bieten, kann helfen, Ängste abzubauen. Regelmäßige Selbstreflexionen und persönliche Gebete können helfen, innere Ruhe zu finden und die eigene Überzeugung zu festigen.
Jesus setzt der Furcht vor den Menschen eine andere Wirklichkeit entgegen – die Fürsorge des Vaters. „Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters.“ (Mt 10,29) Das ist keine sentimentale Tröstung. Das ist eine theologische Aussage von großer Tragweite: Die Welt ist nicht dem Zufall überlassen. Jedes Leben, auch das kleinste und Unscheinbarste, steht unter dem Blick Gottes. Und wer unter diesem Blick steht, muss den Blick der Menschen nicht fürchten.
„Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.“ (Mt 10,30) Dieser Satz ist einer der intimsten im ganzen Evangelium. Gott kennt uns nicht nur als Masse, nicht nur als Menschheit, nicht nur als Gläubige – er kennt uns in unserer unverwechselbaren Einzelheit, in unserer Verletzlichkeit, in unserem Kleinsein. Und wer so bekannt ist, muss sich nicht verstecken.
Das Bekenntnis zu Jesus Christus ist keine einmalige Entscheidung, die wir irgendwann in der Vergangenheit getroffen haben. Es ist eine tägliche Haltung – die Bereitschaft, zu dem zu stehen, was wir glauben, auch wenn es unbequem ist, auch wenn es kostet, auch wenn niemand applaudiert.
Bitten wir heute um den Mut des Bekenntnisses. Wir bitten nicht um den Mut zum Lärm und zur Selbstdarstellung. Wir bitten um den stillen, beharrlichen Mut eines Menschen, der weiß, dass er gekannt und geliebt ist und deshalb frei ist.
In der Ehrfurcht vor Gott,die uns Jesus Christus geboten hat,wagen wir, zum Vater zu beten.
Damit der Herr sich vor dem Vater zu uns bekennen kann,wollen wir ihn um seinen Frieden bitten.
Selig,die den Herrn Jesus Christus vor den Menschen bekennen und ihn als Anwalt beim Vater im Himmel finden.
Donnerstag der 11.Woche im Jahreskreis Mt 6,7-15
Gott, der allen vergibt,die selbst zu vergeben bereit sind, sei mit euch.
Sie haben ein Gespräch mit Ihrem Chef. Wahrscheinlich fragen Sie sich: „Was soll ich sagen? Wie bringe ich zum Ausdruck, was mir wichtig ist?“ Gott steht über allen menschlichen Vorgesetzten. Er ist gewiss viel größer als sie alle zusammen. Das lässt mich fragen: Wie spreche ich mit Gott? Welche Worte kann ich finden, wenn ich mit ihm spreche? Zunächst einmal ist die Anrede entscheidend: „Vater“. Christen sind Gottes Kinder. Denn Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz alles beseitigt, was zwischen Gott und ihnen stand. Deshalb müssen Nachfolger Jesu Gott nicht wie einen Chef ansprechen, der hinter einem großen Tisch sitzt und den man nur über eine Sekretärin erreichen kann.
Jesus,du hast mit all deinem Tun den Namen des Vaters geheiligt. Herr,erbarme dich unser.
Du hast uns erlöst von aller Sünde und Schuld . Herr,erbarme dich unser.
Du hast in allem den Willen des Vaters erfüllt. Christus,erbarme dich unser.
Du hast uns erlöst von aller Sünde und Schuld. Herr,erbarme dich unser.
Stattdessen können sie direkt mit Gott sprechen, wie mit einem guten Vater. Das Erste, was Jesus seinen Jüngern lehrt, ist: „Ihr könnt Gott alles erzählen.“ Ihr könnt ihm alles anvertrauen. Und ihr könnt vollkommen ehrlich und offen sein. Er hört euch. Er wird sich um euch kümmern, so wie ein guter Vater sich um seine Kinder kümmert. Die einzelnen Sätze des Vaterunsers eignen sich auch für das persönliche Gebet. Wir können sie als Vorbild für ein frei formuliertes Gebet sehen. Wir beten das Vaterunser in verschiedenen „Rollen“.
Wir beten als Untertanen. Dein Reich komme. Dein Reich sei in meinem Herzen, Gott, gestalte mich.
Wir beten als Demütige. Dein Wille geschehe. Aber will ich wirklich Gottes Willen? Wir beten als Bedürftige. Gib uns heute unser tägliches Brot. Das tägliche Brot und alles andere kommen von Gott. Wir haben nichts aus eigener Hand. Er sorgt für uns!
Lasst uns als Sünder beten. Vergib uns unsere Sünden. Wasche unsere Sünden ab. Lasst uns aufrichtig beten. Wenn mir vergeben würde, könnte ich lernen, anderen zu vergeben. Lasst uns als Schwachen beten. Führe uns nicht in Versuchung. Versuchungen und Prüfungen werden kommen. Wenn ich mit ihm vereint bin, beschützt er mich!
Lasst uns als Hilflose beten. Erlöse uns vom Bösen. Nur er kann uns reinigen und verwandeln. Das Gebet schafft Nähe, eine tiefe, persönliche und intensive Nähe zu Gott. Aber das Gebet schafft auch Distanz. Im Gebet treten wir zurück und legen unsere Angelegenheiten in Gottes Hände. Im Gebet reflektieren wir über unsere Erfahrungen. Wir teilen uns mit ihm und vertrauen ihm unser Innerstes an. Wir bringen das wieder ins Gleichgewicht, was zuvor Macht über uns zu erlangen suchte.
Früher benutzten Schulen große Landkarten im Geografie- oder Geschichtsunterricht. Sie wurden aufgehängt, und die Schüler mussten einen bestimmten Ort finden. Um ihn zu finden, war es hilfreich, kurz innezuhalten und sich einen besseren Überblick zu verschaffen. Genauso ist es im Gebet: Im Gespräch mit Gott halte ich inne und gewinne einen klareren Blick auf mein Leben. Bei der spirituellen Erneuerung stellte der Priester verschiedene Formen der Meditation und des Gebets aus der christlichen Tradition vor. Am Abend sahen sie einen Ausschnitt aus dem Film „Into the Great Silence“: eine Dokumentation über das Leben der Kartäuser. Abgesehen von einem kurzen Interview am Ende gibt es keinen Dialog. Der Film zeigt ausschließlich das stille, gebetsvolle Leben des strengsten kontemplativen Ordens der katholischen Kirche. Wie bekannt, sind die Kartäuser Einsiedler, die den Großteil ihres Lebens in Stille verbringen.
Die abschließende Auswertung ergab, dass die Bilder der Kartäuser den größten Eindruck hinterließen. Für die Schüler, die nicht unbedingt streng katholisch waren, war dies ein wahrer Beweis für die Gegenwart Gottes. Man kann in solcher Abgeschiedenheit nicht wirklich glücklich sein, wenn man sich in ihr nicht mit jemandem verbunden fühlt. Und dieser Jemand muss Gott sein. Klaus Hemmerle bietet für diese Fastentage ein Gebet an. Es genügt, einen Rosenkranz in der Hand zu halten oder einfach eine Ikone der Jungfrau Maria zu betrachten: „Herr, ich gebe dir meine Unruhe, damit du mein Friede seist. Ich gebe dir meine Arbeit, damit du mein Teil wirst. Ich gebe dir mich selbst, damit du mein Leben bist. Möge meine Einkehr keine Flucht sein, sondern eine Begegnung mit dir im Herzen Mariens.“
Ohne viele Worte wollen wir zum Vater beten,wie Jesus Christus uns gelehrt hat.
Wir wollen uns mit allen versöhnen, den Nahen und den Fernen, damit Gott uns seinen Frieden geben kann.
Selig, die einander vergeben und Vergebung finden werden im Gericht.
Mittwoch der 11.Woche Mt. 6,1-6,16-18
Jesus sagt: „Sei vorsichtig und tue deine guten Taten nicht, damit die Leute dich bewundern …” (Mt 6,1).
Jesus spricht die Tatsache an, dass er seine Frömmigkeit auf das Innere seines Lebens konzentrieren muss, auf die ursprüngliche Natur seiner Taten und Selbstlosigkeit. Jesus sprach oft gegenüber den Pharisäern. Was tun wir alles, damit die Menschen uns bewundern?
Christus, du bist gekommen die Welt zu heilen. Herr erbarme dich unser.
Du hast Krankheit und Tod überwunden. Christus,erbarme dich unser.
Du kennst unseren Glauben,hilf unserem Unglauben. Herr, erbarme dich unser.
Pharisäern haben viel Gutes getan, doch Jesus kritisieren sie. Wir müssen beachten, dass Jesus nicht die guten Taten an sich kritisierte, sondern ihre böse Absicht mit der sie tun. Sie waren stolz. Jesus weist darauf hin, dass es den Pharisäern nicht um die Feier Gottes geht, sondern um ihren eigenen Ruhm. Sie taten gut dafür, um das Volk sie zu loben. Jesus sprich auch zu uns: „… Wenn du Almosen gibst,sollst du nicht lassen vor dir posaunen ,wie die Heuchler tun.. (Mt 6,2).
Das reicht uns, um zu verstehen, dass sie für ihre Taten bereits belohnt wurden und dennoch keine weitere Belohnung von Gott erhalten werden. Uns wird jedoch beigebracht, wie man das Richtige für den guten Christus tut: „Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte Hand tut, damit deine Almosen verborgen bleiben. Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird es dir vergelten“ (Mt 6,3–4). Gott möchte, dass wir ohne Zeugen handeln, denn er ist überall gegenwärtig und der schönste Zeuge unserer Liebe. Er möchte, dass wir aus selbstloser Liebe handeln. Das bedeutet, dass wir hier auf Erden nicht auf etwas warten, sondern nur in der Ewigkeit. Bereits hier auf Erden wollen wir ein Team sein, das Gott lobt. Wenn wir mehr beten wollen, dann suchen wir einen Ort, an dem wir im Gespräch mit Gott wirklich allein sind. Denn das Wort des Herrn Jesus ist wahr: „Dein Vater,der in das Verborgene sieht,wird dir es vergelten. (Mt 6,4).
Prüfen wie unser Gewissen – was ist das mit unserer Frömmigkeit, unseren Gebeten, unseren Sakramenten? Zielen sie immer auf unser Wihung, Bereicherung oder darauf ab, damit die Leute uns zu sehen? Wie viel versuchen wir Gott im Gebeten, in der Taten der Liebe zu widmen , ohne Anspruch auf Belohnung. Will ich nicht fromm sein vor mir selbst? Amen.
Als Schwestern und Brüdern des Herrn und aller seiner Heiligen lasst uns nun zum Vater beten.
Jesus selbst hat die seligpriesen ,die den Frieden bringen. Deshalb bitten wir.
Gott, hat nicht nur Worte ewigen Lebens,er ist uns das Brot ewiges Leben geworden
Hl.Benoo,Bischof von Meißen Joh 14,1-6
Jesus Christus,der hingegangen ist,uns einen Platz im Haus des Vaters zu bereiten, sei mit euch.
„Vor 900 Jahren starb Bischof Benno. Schon bald nach seinem Tod kamen zahlreiche Pilger an sein Grab und verehrten ihn als Heiligen. Sein Grab im Meißner Dom galt als eine wundertätige Stätte.“
Jesus,du hast niemandem in dieser Welt geschadet. Herr,erbarme dich unser.
Du hast Spott und Verfolgung ertragen.Christus,erbarme dich unser.
„Um das Jahr 1270 ließ Bischof Withego I. die Gebeine Bennos erheben und in ein Hochgrab mitten im neu gebauten Dom umbetten. Damit erkannte der Bischof die Verehrung Bennos als Heiligen in seinem Bistum an. Bei der Erhebung der Gebeine fand man auch den Bischofsstab, den ich bei diesem festlichen Gottesdienst trage.“
„Wir haben die Aufgabe, Salz der Erde zu sein; das heißt mit unserem Glauben in die Welt von heute hineinzuwirken und sie im Geist des Evangeliums mitzugestalten“
„So ist St. Benno unser gemeinsamer Heiliger geworden. Er ist ein Band, der unsere beiden Diözesen Dresden-Meißen und München und Freising verbindet. Er verbindet uns nicht nur; er ist auch unser gemeinsamer Schutzherr und Helfer, auch in unserer Zeit.“
Was würde Benno predigen? Die Themen seines Lebens
Wenn man aus Bennos Leben eine Predigt ableiten will, wären das die Kernpunkte:
-
Treue in unruhigen Zeiten
Benno lebte im Investiturstreit zwischen Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. Er wurde 1075 sogar gefangen genommen, weil er sich nicht am Feldzug des Königs gegen die Sachsen beteiligte. 1085 wurde er von der Mainzer Synode gebannt und verlor zeitweise sein Bistum. Trotzdem wirkte er später als Vermittler.
Predigtthema: Gott treu bleiben, auch wenn politische Macht das Gegenteil verlangt. -
Mission und Aufbau
Benno war „Glaubensbote bei den Wenden“ und sorgte für den Bau der romanischen Basilika in Meißen, die 1073 fertiggestellt wurde.
Predigtthema: Kirche heißt immer auch: bauen, pflanzen, für die nächsten Generationen sorgen. -
Demut und Dienst
Er stammte wohl aus einer Grafenfamilie, wurde Mönch in St. Michaelis in Hildesheim, Priester, Abt und Hofkaplan. 1066 wurde er Bischof von Meißen.
Predigtthema: Leitungsamt ist Dienst, nicht Herrschaft. -
Da Jesus Christus unser Fürsprecher beim Vater ist, dürfen wir in seinem Namen mit vollem Vertrauen beten.
-
Die Wohnungen des Vaters sind Wohnungen des Friedens. Damit wir Anteil daran erhalten, bitten wir.
-
Selig,deren Herz ohne Angst ist und die Wohnung im Haus des Vaters.
Hl. Vitus Joh 15,18-21
Jesus Christus, den die Welt nicht kennt und verworfen hat,sei mit euch.
Die Kirche feiert heute den heiligen Vitus – einen Heiligen, dessen Name vielen vertraut ist, dessen Leben aber in einem Dunkel liegt, das wir ehrlich benennen müssen. Die historischen Quellen über Vitus sind spärlich und von Legenden durchwoben. Was wir mit Sicherheit sagen können: Er war ein junger Märtyrer aus der Zeit der Christenverfolgungen, wahrscheinlich aus Sizilien, der um das Jahr 303 unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod für seinen Glauben erlitt. Sein Gedenktag am 15. Juni gehört zu den ältesten des römischen Kalenders – ein Zeichen dafür, dass die Kirche seine Verehrung sehr früh als echt und wertvoll anerkannt hat.
Jesus, du hast Besessene geheilt.Herr,erbarme dich unser.
Du hast Sünde und Tod überwunden.Herr,erbarme dich unser.
Was uns die Überlieferung über Vitus erzählt, ist die Geschichte eines Kindes – eines jungen Menschen, der im Glauben aufwuchs, obwohl sein eigener Vater dagegen war. Der Vater war Heide, die Amme des Kindes aber Christin, und sie pflanzte den Glauben in das Herz des kleinen Vitus. Das ist ein Bild, das uns heute etwas zu sagen hat: Der Glaube pflanzt sich oft nicht durch große Institutionen fort, sondern durch einzelne Menschen, die in der Stille das Wesentliche weitergeben – eine Großmutter, ein Lehrer, ein Freund, der im richtigen Moment das richtige Wort sagt.
Als der Vater von der Bekehrung seines Sohnes erfuhr, versuchte er alles, um ihn vom Glauben abzubringen. Und hier zeigt die Überlieferung etwas Wichtiges: Vitus blieb standhaft – nicht aus Sturheit, nicht aus Rebellion, sondern weil er etwas gefunden hatte, das tiefer war als die Erwartungen seiner Familie. Der Glaube war für ihn keine Meinung, die man wechseln kann. Er war in der Mitte seines Lebens.
Vitus gehört zu den vierzehn Nothelfern – jenen Heiligen, die die mittelalterliche Frömmigkeit als besondere Fürsprecher in den größten Nöten des Lebens verehrte. Er gilt als Patron gegen Epilepsie und Nervenkrankheiten, gegen den Tanz des heiligen Vitus, wie man die Chorea früher nannte. Dieser Zusammenhang zeigt etwas Tiefes: Die Menschen wandten sich in ihrer körperlichen und seelischen Not an ihn, weil sie in ihm einen Zeugen sahen, der selbst durch die tiefste Not gegangen war und dabei nicht zerbrochen war.
Der Prager Veitsdom, eine der bedeutendsten gotischen Kathedralen Europas, trägt seinen Namen – ein Zeichen dafür, wie tief die Verehrung des heiligen Vitus in der mitteleuropäischen Frömmigkeit verwurzelt ist. Kaiser Karl IV. ließ die Kathedrale im 14. Jahrhundert ausbauen und machte sie zum Herzstück des böhmischen Königreichs. Heilige werden nicht zufällig zu Patronen von Kathedralen und Königreichen – sie werden es, weil etwas in ihrem Leben eine bleibende Wahrheit verkörpert, die einer ganzen Gemeinschaft Orientierung gibt.
Liebe Schwestern und Brüder, was können wir von Vitus lernen? Vielleicht vor allem dies: Der Glaube ist keine Selbstverständlichkeit, die uns einfach zufällt. Er muss empfangen, gepflegt und bezeugt werden – oft gegen den Widerstand der Umgebung, oft in Situationen, in denen es einfacher wäre, nachzugeben. Vitus war ein Kind, als er dieses Zeugnis abgab. Das erinnert uns daran, dass Mut im Glauben keine Frage des Alters ist, sondern eine Frage der Wurzeln.
Und es erinnert uns an unsere Verantwortung gegenüber den Jüngeren – gegenüber Kindern, Jugendlichen, Menschen, die am Anfang ihres Glaubenswegs stehen. Was wir Ihnen weitergeben, kann Ihr Leben formen. Die namenlose Amme des Vitus hat das getan. Sie hat nicht gewartet, bis die Umstände besser wurden. Sie hat einfach weitergegeben, was sie selbst hatte.
Bitten wir heute um die Fürsprache des heiligen Vitus. Mögen wir im Glauben standhaft bleiben, auch wenn es uns etwas kostet. Und möge uns der Mut finden, das Wesentliche an die, die nach uns kommen, weiterzugeben.
Da Gott uns aus dieser Welt erwählt hat, dürfen wir es wagen,im Vertrauen auf Christi Wort zum Vater zu beten.
Damit wir in einer friedlosen Welt den Frieden finden,wollen wir beten.Selig, die der Welt widerstehen und an Gottes Wort festhalten bis zum letzten Tag.
Unbefleckte Herz Mariä Lk 2,41-51
Gott,der einzige Herr,dem wir zu dienen berufen sind,sei mit euch.
Am 22. Juni 1998 wurde die Corpus-Christi-Kirche in Moyross, Limerick, durch ein Feuer zerstört. Der Schaden wurde auf 250.000 Pfund geschätzt. Man ging zunächst davon aus, dass eine umgefallene Kerze das Feuer verursacht hatte, doch eine forensische Untersuchung ergab, dass der Brand in einem Verlängerungskabel, das zur Orgel führte, ausgebrochen war. Dieses hatte sich überhitzt. Das Feuer war so heftig, dass sogar der Marmor schmolz. Die Holzstatue der Jungfrau Maria blieb jedoch erhalten, obwohl sie geschwärzt und leicht angebrannt war. Ihr Marmorsockel wurde zerstört. Auch der darüber befindliche Gipsbaldachin wurde zerstört.
Die Schäden um die Statue herum waren besonders schwerwiegend, da sie sich in unmittelbarer Nähe des Brandherds befand. Lokale Zeitungen in Limerick zitierten den Pfarrverwalter mit den Worten: „Ich kann nicht verstehen, wie die Marienstatue überlebt hat, wo doch alles andere bis auf die Grundmauern zerstört wurde.“ Der Pfarrer fügte hinzu: „Gottes Wege sind wahrlich unergründlich.“ Sie planten, die Marienstatue nach dem Wiederaufbau der Kirche wieder an ihrem ursprünglichen Platz aufzustellen. Dies geht aus Archivmaterialien vom Juli 1998 hervor.
Du hast deinem Vater mit deinem ganzen Leben gedient. Herr,erbarme dich unser.
Du kamst,um als Armer unter den Armen zu leben.Christus,erbarme dich unser.
Du hattest keinen Besitz und keine Bleibe auf dieser Erde. Herr,erbarme dich unser.
Wir alle werden mit der Erbsünde geboren. Die Taufe, durch die wir in die katholische Kirche aufgenommen werden, tilgt die Erbsünde. Heute verehren wir die Jungfrau Maria, weil sie ohne Erbsünde empfangen wurde. Vom ersten Augenblick ihres Daseins an war die Jungfrau Maria nicht von der Erbsünde befleckt, so wie die Marienstatue in Limerick vor dem Feuer geschützt war, als alles um sie herum zerstört wurde. Gott bleibt immer ein Geheimnis. Wir können versuchen, Gott mit unseren menschlichen Worten und Bildern zu beschreiben und anzusprechen. Dies sollte immer mit dem Wissen im Hinterkopf geschehen, dass Gott „groß“, „liebevoll“, „allmächtig“ und „treu“ ist. Aber wir können nicht sagen, wie Gott wirklich ist und was genau er von uns will, obwohl wir es mit Worten versuchen.
Gott erscheint in der Geschichte: in Träumen, durch Propheten, in der Schönheit der Natur und der Kultur, in den heiligen Schriften, wo Gott stets „groß“, „unermesslich“, „liebevoll“, „gütig“, „allmächtig“ und „treu“ ist. Selbst wenn wir im Einklang mit der Heiligen Schrift von Gott sprechen, ist er immer größer, anders als alle unsere Vorstellungen und Bilder. Kardinal Ratzinger betonte die Einheit mit Gott und seinem Willen: In der Sprache der Bibel bezeichnet das Herz den Mittelpunkt des menschlichen Daseins, den Zusammenfluss von Vernunft, Wille, Geist und Sinnen, in dem der Mensch seine Einheit und innere Orientierung findet.
Gemäß den Seligpreisungen ist ein „reines Herz“ ein Herz, das sich mit Gott vereint und daher „Gott sieht“. Die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens nähert sich somit einer solchen Herzenshaltung an, in der das „Fiat“ – dein Wille geschehe – zum prägenden Zentrum des gesamten Daseins wird. Wenn jemand einwenden würde, wir sollten keinen Menschen zwischen uns und Christus stellen, sollten wir uns daran erinnern, dass Paulus keine Angst hatte, zu seinen Jüngern zu sagen: „Folgt mir nach!“ Was es bedeutet, Christus nachzufolgen, lässt sich bei diesem Apostel ganz konkret nachlesen. Und ehrlich gesagt, von wem könnten wir besser lernen als von der Mutter Gottes?
Die Verehrung des unbefleckten Herzens Mariens, einschließlich Umkehr, Gemeinschaft mit Jesus Christus, Heilige Kommunion, Gebet, Rosenkranz und Meditation, bewirkt die Wandlung unserer Herzen und unseres Lebens. Eine wahre Marienverehrerin ist auch das Wort, das die Jungfrau Maria zu Lucia in Fatima sprach: „Ich werde dich niemals verlassen. Mein unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht und der Weg sein, der dich zu Gott führt.“ Durch dich, Unbeflecktes Herz Mariens, lass Gottes Barmherzigkeit über die Erde fließen und den süßen Herzschlag des Friedens wieder unsere Tage bestimmen.
Unbeflecktes Herz der Jungfrau Maria, Frau „Fiat – Ja“, auf das der Heilige Geist herabkam, finde für uns wieder Harmonie mit Gott. Stille den Durst unserer Herzen, du sprudelnder Quell der Hoffnung. Du hast die Menschheit in Jesus gewoben, so wirke auch in uns eine menschlichere Welt. Du bist unsere Wege gegangen; führe uns auf den Wegen des Lebens zu deinem Sohn.
Gott schenkt den Vögeln Nahrung und Schönheit den Blumen.Zu ihm wagen wir zu beten.
Wenn wir das Reich Gottes suchen,werden wir in ihm den Frieden finden. Wir bitten also den Herrn.
Selig,die das Reich und seine Gerechtigkeit suchen uns alles andere
11. Sonntag A Mt 9,36–10,8
Jesus Christus, der zu uns kommt, um uns von Sünde und Schuld zu heilen,sei mit euch.
Die Ernte ist groß, aber die Arbeiter sind wenige.“ Dieser Satz Jesu klingt wie eine nüchterne Feststellung. Aber wenn wir genauer hinhören, entdecken wir darin weder Klage noch Resignation. Es ist ein Satz voller Dringlichkeit – und voller Vertrauen.
Jesus, du kamst aus Mitleid in diese unheile Welt. Herr, erbarme dich unser.
Du hast deine Apostel ausgesandt und ihnen Macht über die bösen Geister gegeben. Christus, erbarme dich unser.
Du bist den Tod des Kreuzes gestorben zu unserer Erlösung. Herr,erbarme dich unser.
Jesus sagt diese Worte weder im Hörsaal noch in einem ruhigen Gespräch mit seinen Jüngern. Er sagt ihr, nachdem er durch die Städte und Dörfer gezogen ist, nachdem er die Menschenmenge gesehen hat – erschöpft, orientierungslos, wie Schafe ohne Hirten. (Mt 9,36) Das griechische Wort, das Matthäus hier verwendet, ist „splanchnizesthai“ – ein Wort, das nicht einfach Mitleid bedeutet, sondern ein tiefes körperliches Erschüttertsein, ein Bewegtsein aus dem Innersten. Jesus sieht die Menschen und ist im tiefsten Innern getroffen. Das ist der Ausgangspunkt der ganzen Rede.
Was ist diese Ernte? Es sind die Menschen selbst – nicht als Objekte der Bekehrung, sondern als Menschen, die nach Gott dürsten, oft ohne es selbst zu wissen. Die Ernte ist reif – das bedeutet, dass die Menschen bereit sind. Sie warten. Sie suchen. Vielleicht wissen sie nicht einmal, wonach sie suchen. Aber Jesus sieht es. Er sieht die Sehnsucht hinter der Erschöpfung und die Hoffnung hinter der Orientierungslosigkeit.
Und dann tut er etwas Überraschendes. Er bittet nicht zuerst um mehr Arbeiter. Er sagt: „Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“ (Mt 9,38) Das Gebet kommt vor der Sendung. Das ist kein Zufall. Es ist eine theologische Aussage: Die Mission gehört Gott. Wir sind nicht die Initiatoren. Wir sind die Gesandten. Wer gesandt wird, muss zuerst beten – muss zuerst verstehen, dass er nicht aus eigener Kraft geht, sondern von dem getragen wird, der ihn schickt.
Dann ruft Jesus die Zwölf zu sich und entsendet sie. Die Liste der Dinge, die sie tun sollen, ist bemerkenswert: Sie sollen Kranke heilen, Tote auferwecken, Aussätzige reinigen und Dämonen austreiben. Das sind keine spirituellen Metaphern. Es sind konkrete Taten der Befreiung. Das Evangelium, das sie verkünden sollen, ist keine abstrakte Lehre, sondern eine Wirklichkeit, die das Leben verändert, Menschen aus ihrer Not herausführt und ihre Würde wiederherstellt.
Und dann der entscheidende Satz: „Umsonst habt ihr empfangen; umsonst sollt ihr geben.“ (Mt 10,8) Dieser Satz bildet das Herzstück der Sendung. Was wir haben – den Glauben, die Gnade, die Erfahrung Gottes – ist kein Verdienst. Es ist ein Geschenk. Und Geschenke sind nicht dazu da, sie zu behalten. Sie sind dazu da, sie weiterzugeben.
Liebe Schwestern und Brüder,
dieser Text stellt uns eine ernste Frage. Gibt es genug Priester, Diakone und Ordensleute? Die Frage geht tiefer: Bin ich bereit, mich senden zu lassen? In meiner Familie, in meiner Pfarrei, in meinem Beruf – überall dort, wo ich mich täglich aufhalte, ist Erntezeit. Dort warten Menschen, die Orientierung suchen, Trost brauchen und jemanden, der ihnen zeigt, dass das Leben einen Sinn hat.
Der heilige Paulus schreibt: „Wie sollen sie glauben, wenn sie nicht gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?“ (Röm 10,14) Dies ist jedoch keine Kritik. Es ist eine Einladung. Die Ernte wartet nicht auf perfekte Arbeiter. Sie wartet auf bereitete Herzen.
Bitten wir heute um diese Bereitschaft – und um den Mut, dorthin zu gehen, wohin uns Gott schickt, auch wenn der Weg unbekannt ist und die Ernte größer erscheint als unsere Kräfte.
Da wir angewiesen sind, in aller Not den Vater zu bitten, wagen wir zu ihm zu beten.
Das Himmelreich ist nahe und verkündet uns den Frieden. Deshalb dürfen wir den Herrn bitten.
Selig, die dem Guten Hirten folgen dürfen,wenn er kommt ,die Ernte heimzuholen.
Heiligstes Herz Jesu Mt 11,25-30
Herz Jesu, durchbohrt von der Lanze,für unsere Sünden,sei mit euch.
Im Museum der Helden befinden sich einige Werke des Künstlers Jean-Georges Cornélius aus dem 20. Jahrhundert. Ein Bild spricht Bände: Gott ist unser Vater. Es scheint so vieles zusammenzufassen, was die zeitgenössische Theologie versucht hat, über die Realität des Kreuzes im Herzen des trinitarischen Lebens Gottes auszudrücken. Dieses Bild kommt ohne Worte und ohne ausgefeilte philosophische Theologie aus. Es zeigt schlicht den gekreuzigten Christus in den Armen des Vaters – ein traditionelles künstlerisches Motiv. In einem zutiefst persönlichen Augenblick zwischen Vater und Sohn fängt das Bild eine zarte, herzerwärmende und zugleich herzzerreißende Ambivalenz ihrer Nähe ein: Die Liebe war spürbar und greifbar, doch wie bei jedem Elternteil, der ein leidendes und sterbendes Kind in den Armen hält, ist der Schmerz beider deutlich sichtbar.
Jesus,du durchschaust die Herzen und Gedanken aller Menschen.Herr,erbarme dich unser.
Du kennst unsere Wege und all unser Tun. Christus,erbarme dich unser.
Du urteilst nicht nach dem äußeren Schein. Herr,erbarme dich unser.
Jesus am Kreuz ist ein kraftvolles Bild dieser bedingungslosen Liebe Gottes zu uns. All dies wird wunderbar vom Bild des Heiligsten Herzens Jesu eingefangen. Hier sehen wir Jesus sagen: „Seht, mein Herz!“ Es brennt vor Liebe zu euch und zur ganzen Welt. Mein Herz ist offen, um sich ganz mit euch zu vereinen. In der katholischen Kirche gibt es die Legende, dass der Soldat, der die Seite Christi durchbohrte – der Überlieferung nach als heiliger Longinus bekannt ist –, eine plötzliche Bekehrung erlebte, als das Blut Jesu am Schaft der Lanze auf seine Hände floss und er sich mit den Händen die Augen berührte. Die Wahrheit über unseren Herrn, die dem Soldaten Longinus zuvor verborgen geblieben war, wurde ihm augenblicklich klar. Vom Dunkel ins Licht, von der Pflicht zur freien Entscheidung, vom Hass zur Liebe – das verhärtete Herz des Soldaten vereinigte sich augenblicklich mit dem Heiligsten Herzen Jesu.
Die Geschichte der Bekehrung des heiligen Longinus gibt uns einen Einblick in unsere Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu, eine Verehrung, die uns hilft, unser Herz mit seinem Herzen in Einklang zu bringen und so symbolisch seine Liebe mit unserer zu verbinden. Diese Betrachtung führte den heiligen Longinus dazu, sein Leben der Liebe Christi zu weihen, und inspirierte unzählige andere, es ihm gleichzutun. Wenn wir das Heiligste Herz Jesu erkennen, erfahren wir seine Tugenden und Lehren, sein inneres Leben und seine unendliche Liebe. Wir erleben, wie unser Leben verwandelt wird, so wie es der heilige Longinus erfahren hat. Nicht nur heute, sondern immer wollen wir uns an Jesu Gebet erinnern: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, denn es hat dir wohlgefällig gewesen.“
Lasst uns danach streben, was unserem himmlischen Vater gefällt: sein Verlangen nach unserem Heil. Er möchte jeden in seine Gemeinschaft aufnehmen. Wir sind auf dem Weg und werden dabei häufig geprüft. Wir alle können uns die Corona-Prüfung vorstellen. Was wird sie zeigen? Was wird sie in uns auslösen: Angst? Wut? Frustration? Rebellion? Murren und Klagen? Verzweiflung?Falsches Vertrauen in Menschen und menschliche Lösungen? Verleumdung und Beleidigungen der Verantwortlichen? Untätigkeit? Resignation? Vielleicht nicht alles, aber doch einiges davon hat sich in unserer Haltung gezeigt. Was wäre das Ergebnis der christlichen Prüfung? Es wäre gut, im Einklang mit dem Wort Gottes. Geben wir Corona nicht einmal die Chance, uns in nörgelnde, ungeduldige und spirituell lethargische Wesen zu verwandeln! Werfen wir unser Vertrauen, unsere Dankbarkeit und unseren Eifer für das Gute nicht weg! Vertrauen wir auf Gott in uns selbst.
Gottes Treue verplichtet uns. Im Vertrauen auf seine Treue wagen wir, zum Vater zu beten.
Wo menschliche Treue versagt,kann der Friede nicht bleiben. Wir bitten den Herrn ,uns den Frieden zu erhalten.
Selig, die in der Treue ausharren bis ans Ende und aufgenommen werden in das Reich des Vaters
Hl. Barnabas,Apostel
Liebe Schwestern und Brüder,
die Kirche feiert heute den heiligen Barnabas – einen Mann, dessen Name in der Apostelgeschichte immer wieder auftaucht, oft im Schatten des Paulus, und dennoch eine Gestalt von eigenem Gewicht und eigener Leuchtkraft. Barnabas ist kein Apostel im engsten Sinne – er gehörte nicht zum Kreis der Zwölf. Und dennoch nennt ihn die Schrift ausdrücklich Apostel. Das sagt uns etwas Wichtiges: Apostolat ist keine Frage des Titels, sondern des Zeugnisses.
Sein eigentlicher Name war Josef. Die Apostel gaben ihm den Beinamen Barnabas, was laut der Apostelgeschichte „Sohn des Trostes“ bedeutet. (Apg 4,36) Ein Name, der nicht zufällig gewählt wurde. Er beschreibt einen Menschen, der die Gabe hatte, andere aufzurichten, zu ermutigen und ihnen Vertrauen zu schenken. In einer Zeit, in der die junge Kirche von außen verfolgt und von innen durch Misstrauen geschwächt wurde, war diese Gabe unschätzbar.
Das erste große Zeugnis des Barnabas ist ein Akt der Großzügigkeit: Er verkaufte ein Stück Land und legte den Erlös den Aposteln zu Füßen. (Apg 4,37) Es ist eine kleine Notiz, fast beiläufig erwähnt. Aber sie zeigt: Dieser Mann hielt nichts für unantastbar, wenn es darum ging, der Gemeinschaft zu dienen. Die Kirche lebte damals von solchen Gesten – von Menschen, die bereit waren, loszulassen.
Dann kommt der Moment, der vielleicht am meisten über Barnabas aussagt. Paulus, der ehemalige Verfolger der Christen, kommt nach Jerusalem. Die Gemeinde hat Angst vor ihm – zu frisch sind die Erinnerungen an seine Grausamkeit. Niemand will ihn empfangen. Niemand traut ihm. Nur Barnabas geht auf ihn zu, nimmt ihn an und führt ihn zu den Aposteln. (Apg 9,27) Ohne Barnabas hätte Paulus möglicherweise keinen Zugang zur Kirche gefunden. Es ist eine der stillen Scharnierszenen der Kirchengeschichte – ein Akt des Vertrauens, der alles veränderte.
Barnabas und Paulus wurden dann gemeinsam von der Gemeinde in Antiochia ausgesandt – die erste große Missionsreise, der Beginn der Ausbreitung des Evangeliums in die griechisch-römische Welt. Antiochia war kein zufälliger Ausgangspunkt. Dort wurden die Jünger Jesu erstmals Christen genannt. Dort begann etwas Neues – eine Kirche, die über die Grenzen des Judentums hinauswuchs.
Liebe Schwestern und Brüder, was können wir von Barnabas lernen? Er war kein großer Redner wie Paulus. Er war kein Visionär, dem Christus auf dem Weg erschien. Er war ein Mann der zweiten Reihe – und gerade darin liegt seine Größe. Er erkannte das Potenzial in anderen, bevor es sichtbar wurde. Er öffnete Türen, die verschlossen schienen. Er schenkte Vertrauen, wo Misstrauen herrschte.
Die Kirche braucht immer wieder solche Menschen – Menschen, die nicht im Rampenlicht stehen wollen, sondern anderen den Weg freimachen. Menschen, die trösten können, weil sie selbst wissen, was es bedeutet, getragen zu werden. Menschen, die loslassen können, was ihnen gehört, damit andere wachsen können.
Der heilige Barnabas ist der Patron der Großmut und des Vertrauens. Bitten wir heute um seine Fürsprache – dass auch wir die Gabe empfangen, in anderen das Gute zu sehen, bevor es alle sehen, und ihnen den Raum zu geben, den sie brauchen, um es zu entfalten.
Donnerstag der 10.Woche Mt 5,20-26
Jesus,der sagte: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen, sei mit euch.“
Jesus kritisiert nicht das Gesetz an sich, sondern eine zu enge, äußerliche Erfüllung. Jesu Ruf zielt tiefer: nicht nur korrekt handeln, sondern auch das Herz verwandeln lassen. Nicht Mindeststandards, sondern das Mehr der Liebe.
Jesus, du kamst zu uns als der Bote des ewigen Vaters. Herr,erbarme dich unser.
Du bist das Gericht, das in diese Welt gekommen ist. Christus,erbarme dich unser.
Du prüfst und kennst die Gesinnungen der Herzen. Herr, erbarme dich unser.
-
Vom Verbot des Mordes zur Pflege des Herzens: „Ihr habt gehört: Du sollst nicht töten.“ Ich aber sage euch: Wer seinem Bruder zürnt…“ Jesus führt das Gesetz an seine Wurzel zurück. Mord beginnt nicht erst mit der Tat, sondern mit dem verfestigten Groll, dem verächtlichen Wort, dem inneren Abwerten. Worte wie „Raka!“ oder „Du Narr!“ mögen uns fern erscheinen, aber ihr Geist lebt fort: Spott, Hohn, Häme, das schnelle Urteil in Gesprächen, am Stammtisch, in Kommentaren. Jesus weist darauf hin: Was wir im Herzen nähren, prägt, was wir tun. Ein vergiftetes Herz vergiftet Beziehungen – und schließlich die Gemeinschaft.
-
Warum Jesus so scharf spricht: Es geht nicht um moralische Spitzfindigkeit, sondern um die Würde des Anderen. Jeder Mensch trägt Gottes Ebenbild. Verachtung verletzt nicht nur den Nächsten, sondern auch unsere Gottesbeziehung. Wo ich den anderen entwürdige, verschließe ich mich dem Blick Gottes, der ihn liebt. Darum die Dringlichkeit: „Versöhne dich schnell mit deinem Bruder.“ Es ist ein Ruf zur Freiheit. Wer vergibt, wird frei – von der Last des Grolls, der uns fesselt.
-
Gottesdienst und Versöhnung „Wenn du deine Gabe zum Altar bringst und dir einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort… und versöhne dich zuerst.“ Das ist provozierend: Gott stellt die Versöhnung über das religiöse Ritual. Unser schönster Gesang, die andächtigste Teilnahme – all das ist hohl, wenn wir am Herzen festhalten, was uns trennt. Liturgie und Leben gehören zusammen. Der Altar ruft uns zur Versöhnung – und die Versöhnung führt uns zum Altar zurück, damit unsere Gabe wahrhaftig wird.
-
„Schnell dich versöhnen“ – die Gunst der Stunde. Jesus sagt: „Schnell“. Warum? Weil Zeit Wunden vernarben, aber auch verhärten kann. Wer lange wartet, baut innere Mauern. Heute – nicht irgendwann – ist der Tag, einen Schritt zu tun: ein Anruf, ein Satz, ein Brief, vielleicht nur: „Es tut mir leid.“ Versöhnung ist nicht immer sofortige Einigkeit. Aber sie ist die Entscheidung, den anderen nicht an seine Schuld festzunageln, sondern ihm Raum zu lassen, neu zu beginnen – so wie Gott es mit uns tut.
-
Eine größere Gerechtigkeit – die Logik des Reiches Gottes Die „größere Gerechtigkeit“ ist nicht mehr Regeln, sondern mehr Liebe. Sie wächst aus der Erfahrung, dass Gott uns zuerst in Christus versöhnt hat. Am Kreuz hat er die Mauer der Feindschaft niedergerissen. Wer daraus lebt, muss nicht mehr Recht behalten, sondern kann Frieden stiften. Christliche Gerechtigkeit ist nicht die Bilanz der Fehler, sondern die Tat der Barmherzigkeit. Sie rechnet nicht kleinlich, sondern schenkt großherzig.
-
Konkrete Schritte
-
Prüfen: Wo trage ich Groll? Gegen wen? Nennen wir den Menschen vor Gott beim Namen.
-
Beten: „Herr, gib mir ein mildes Herz und die richtigen Worte zur richtigen Zeit.“
-
Handeln: Einen ersten Schritt setzen – auch wenn der andere „etwas gegen mich hat“. Nicht warten, bis der andere beginnt.
-
Sprache hüten: Keine Beschämung, kein Spott. Kritik ja – aber ohne Verachtung. Worte können heilen.
-
Grenzen achten: Versöhnung heißt nicht, Unrecht zu verharmlosen. Manchmal braucht es Klärung, Schutz und einen Dritten als Brücke. Doch selbst dann kann das Herz loslassen.
-
Hoffnung für Verletzte Manche sagen: „Ich kann nicht vergeben.“ Dann fängt die Versöhnung damit an, Gott die Unmöglichkeit hinzuhalten. Vergebung ist oft ein Weg, kein Moment. Gott überfordert nicht; er begleitet. Vielleicht ist der erste Schritt nur, nicht länger schlecht über den anderen zu reden. Gott schenkt die Gnade, weiterzugehen, wenn die Zeit reif ist.
-
Eucharistie als Schule der Versöhnung In jeder Messe hören wir: „Gebt einander ein Zeichen des Friedens.“ Das ist kein höflicher Einschub, sondern das Evangelium in Bewegung. Wir empfangen den, der unser Friede ist. Er macht aus Fremden Geschwister. Von seinem Tisch gesandt, sind wir berufen, Frieden zu tragen: in unsere Familien, an unsere Arbeitsplätze, in unsere Nachbarschaften, auch in die digitale Welt.
Schluss, liebe Schwestern und Brüder, Jesus ruft uns heute nicht zu einer strengeren Fassade, sondern zu einem weicheren, erneuerten Herzen. Die größere Gerechtigkeit beginnt im Verborgenen: im Gedanken, im Wort, in der Entscheidung, den ersten Schritt zu tun. Bitten wir um den Mut zur Versöhnung – schnell, konkret, heute. Dann wird unsere Gabe auf dem Altar wahrhaft Lob Gottes und unser Alltag zum Ort seines Reiches.
Wir sind auf dem Weg zum letzten Gericht. Mit vollem Vertrauen wagen wir, zum Vater zu beten.
Wenn wir ohne Zögern Frieden mit unserem Gegner schließen, dürfen wir Gott um seinen Frieden bitten.
Selig, die einander vergeben und Versöhnung finden werden beim Vater.
Mittwoch der 10.Woche Mt 5,17-19
Jesus Christus, der sagt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten aufzuheben.
Mit diesen Wort sagt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten aufzuheben.“ en stellt sich Jesus mitten in die große Tradition Israels – nicht als Revolutionär, der alles Bisherige wegwirft, sondern als derjenige, der dem Gesetz seinen eigentlichen Sinn zurückgibt.
Jesus,du hast alles nach dem Willen des Vaters getan. Herr,erbarme dich unser.
Du führst das Werk des Vaters zur Vollendung. Christus,erbarme dich unser.
Du kennst in allem den Willen des himmlischen Vaters. Herr,erbarme dich unser.
Das war damals eine provokante Aussage. Viele seiner Zeitgenossen sahen in Jesus genau das – einen, der die Tradition untergräbt, mit den Sabbatvorschriften nachlässig umgeht, mit Sündern isst und die Grenzen des Erlaubten immer wieder überschreitet. Und nun sagt er selbst: „Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben. Wie ist das zu verstehen?
Das Schlüsselwort ist „erfüllen“. Im griechischen Originaltext steht „plēroō“ – ein Wort, das nicht nur „vollenden“ bedeutet, sondern auch „zum Überfließen bringen“ und „mit Inhalt füllen“. Jesus nimmt das Gesetz nicht weg. Er füllt es mit seinem eigentlichen Gehalt. Er zeigt, was das Gesetz wirklich gemeint hat, bevor es durch menschliche Auslegung, äußerliche Observanz und endlose Detailvorschriften zur Last wurde.
Der heilige Augustinus hat das so formuliert: „Das Alte Testament ist im Neuen enthüllt, das Neue Testament ist im Alten verhüllt.“ Das Gesetz war nicht falsch. Es war unvollständig – wie ein Versprechen, das noch auf seine Erfüllung wartet. Jesus ist diese Erfüllung.
Was bedeutet das konkret? Jesus verschärft das Gesetz nicht einfach, sondern vertieft es. Im weiteren Verlauf der Bergpredigt wird er sagen: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht töten. Ich aber sage euch: Wer seinem Bruder auch nur zürnt, der ist dem Gericht verfallen.“ Das ist keine strengere Vorschrift. Das ist eine Einladung, tiefer zu schauen – nicht nur auf die Tat, sondern auf die Haltung des Herzens, aus der sie entspringt.
Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen äußerer Gesetzeserfüllung und dem, was Jesus meint. Man kann alle Gebote halten und dennoch ein kaltes Herz haben. Man kann alle Vorschriften befolgen und dennoch dem Nächsten gegenüber gleichgültig bleiben. Das Gesetz in seiner äußeren Form schützt vor dem Schlimmsten. Aber es kann das Herz nicht verwandeln. Das kann nur die Liebe.
Und genau das ist der Kern der Botschaft Jesu: Er erfüllt das Gesetz, indem er es auf seine tiefste Wurzel zurückführt – auf die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Alles andere ist die Entfaltung dieser einen Grundwahrheit.
Liebe Schwestern und Brüder, Jesus sagt auch: „Wer auch nur eines dieser kleinsten Gebote auflöst und die Menschen so lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein.“ Das klingt streng. Aber es ist in Wirklichkeit eine Einladung zur Ernsthaftigkeit. Der Glaube ist kein Buffet, bei dem wir uns aussuchen, was uns passt. Er ist eine Einheit – eine Lebensweise, die aus der Mitte kommt und dorthin führt, die Christus selbst ist.
Fragen wir uns heute: Lebe ich meinen Glauben von innen oder von außen? Halte ich Gebote aus Gewohnheit oder aus Überzeugung? Kenne ich den Geist hinter dem Buchstaben?
Jesus ist nicht gekommen, um uns das Leben schwerer zu machen. Er ist gekommen, um uns zu zeigen, was Freiheit wirklich bedeutet – nicht die Freiheit von Gott, sondern die Freiheit in Gott, die Freiheit eines Herzens, das liebt, weil es geliebt ist.
Gott hat keines seiner Gebote aufgehoben. In Treue zu seinem Wort wagen wir zu beten. Wer
Gott und sein Gesetz kennt, kann in ihm den Frieden finden. Dazu bitten wir ihn.
Selig, die Gottes Gebote in allem treu erfüllen und groß sein werden im Himmelreich.
Hl.Ephräm der Syrer, Diakon, Kirchenlehrer Lk 6,43-45
Jesus Christus,der kommen wird,damit wir ihm öffnen, sei mit euch.
Die Kirche stellt uns einen Mann vor, der aus einer Welt stammt, die uns fremd erscheint. Er stammt aus Syrien. Er stammt aus Syrien, das anders dachte,anders betete und andere sang als wir. Und dennoch berühren seine Worte uns nach siebzehn Jahrhunderten unmittelbar.Das ist kein Zufall. Das ist das Zeichen eines echten Lehrers des Glaubens.
Jesus,du hast die Ehre des Vaters gesucht. Herr,erbarme dich unser
Du hast dich in allem auf den Vater berufen. Christus,erbarme dich unser.
Du hast deine Apostel für ihre Aufgabe geschult. Herr,erbarme dich unser.
Ephräm wurde um das Jahr 306 in Nisibis geboren, einer Stadt an der Grenze zwischen dem Römischen Reich und dem Perserreich – ein Ort der Begegnung, aber auch des Konflikts. Er wuchs in einer christlichen Familie auf, empfing die Taufe als junger Mann und wurde Diakon. Priester wurde er nie – und doch zählt er zu den bedeutendsten Theologen der alten Kirche. Papst Benedikt XV. Er erklärte ihn 1920 zum Kirchenlehrer, als Erster und bis heute Einziger syrischer Kirchenvater mit diesem Titel.
Was macht Ephräm so besonders? Er dachte nicht in philosophischen Begriffen, wie sie die griechischen Kirchenväter verwendeten. Er dachte in Bildern, in Gleichnissen, in Liedern. Er schrieb Hymnen – Tausende davon. Seine Theologie war Poesie, und seine Poesie war Theologie. Er verstand, was viele vergessen: dass der Mensch nicht nur mit dem Verstand glaubt, sondern mit dem ganzen Herzen, mit dem Leib, mit der Stimme.
Einer seiner bekanntesten Gedanken lautet: „Gott verbirgt sich im Brot wie im Dornbusch.“ Diese Parallele zwischen dem brennenden Dornbusch des Mose und dem Brot der Eucharistie ist von atemberaubender Tiefe. Gott offenbart sich in dem, was unscheinbar ist, in dem, was man leicht übersieht. Der Dornbusch brennt und verbrennt nicht. Das Brot wird gebrochen und bleibt ganz. Das Geheimnis Gottes kann nicht erschöpft werden – weder durch Feuer noch durch menschliche Vernunft.
Ephräm lebte die letzten Jahre seines Lebens in Edessa, wohin er nach der persischen Eroberung Nisibis’ geflohen war. Dort gründete er eine Schule, die sogenannte „Schule der Perser“, und wirkte als Lehrer, Dichter und Seelsorger. Als 373 eine Hungersnot über die Stadt hereinbrach, organisierte er persönlich die Hilfe für die Armen – ein alter Mann, krank und erschöpft, der dennoch nicht aufhörte, sich um die Leidenden zu kümmern. Wenige Monate später starb er.
Liebe Schwestern und Brüder, Ephräm der Syrer lehrt uns etwas, das wir dringend brauchen: dass Glaube und Schönheit zusammengehören. Dass Theologie nicht nur Wissenschaft ist, sondern auch Gesang. Dass wir Gott nicht nur begreifen, sondern auch feiern sollen – mit Worten, die das Herz bewegen, mit Bildern, die tiefer reichen als jeder Begriff.
Er hat auch eine tiefe Demut vorgelebt. In einem seiner Gedichte schreibt er über sich selbst: „Ich bin der Geringste unter den Lehrern, aber Gott hat mir eine Zunge gegeben, die loben kann.“ Das ist keine falsche Bescheidenheit. Es ist die Haltung eines Menschen, der weiß, dass alles, was er hat und kann, ein Geschenk ist.
Bitten wir heute um diese Gnade – dass auch wir Gott nicht nur mit dem Verstand suchen, sondern mit dem ganzen Herzen. Dass unser Glaube nicht trocken bleibt, sondern lebendig wird, singend, lobend, staunend vor dem Geheimnis, das uns trägt.
Da Jesus Christus uns auf den Weg des Kreuzes gerufen hat,wollen wir um Mut und Kraft zum Vater beten.
Wenn unser Leben gute Früchte bringt, werden wir den Frieden des Herrn empfangen. Das erbitten wir.
Selig, die zum ungeteilten Dienst vor Gott bereit sind und ihr Leben in Gott vollenden werden.
Montag der 10.Woche im Jahreskreis Mt 5,1-12
Jesus Christus,der uns den großen Lohn des Himmelreiches verheißen hat,sei mit euch
Als Jesus die große Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg (…), öffnete den Mund und lehrte sie.“ In den Seligpreisungen zeigt uns Jesus den Weg zum Glück. Durch sie bietet er uns Veränderung an. Eine der Veränderungen, die tiefgreifende Wandlungen bewirken und uns dazu befähigen, Gutes auf Erden zu tun.
Jesus,du hast uns das Ideal eines neuen Lebens verkündet. Herr,erbarme dich unser.
Du hast gelobt, was der Mensch nur schwer ertragen kann. Christus, erbarme dich unser.
Du hast Gewimm genannt, was uns als Verlust erscheint. Herr, erbarme dich unser.
Die Seligpreisungen sind eine wunderschöne Passage, die den eindrucksvollen Vorraum der Bergpredigt bildet. Jesus setzt sich als Lehrer hin, um den Menschen das göttliche Wort zu verkünden, das er vom Vater empfängt. Er beginnt mit den Worten: „Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.“ Es ist wichtig, immer wieder zu bemerken und zu staunen, dass das erste Wort, das Jesus uns bringt, die „Seligpreisungen“ sind, die „glücklich“ bedeuten. Jesus bringt uns das Wort Gottes und lehrt uns, dass er möchte, dass wir glücklich und fröhlich sind und ein erfülltes Leben führen. Dass der Weg zu Gott der Weg der Freude ist. Und mit seinem Wort zeigt er uns, welchen Weg wir gehen sollen. Wie wir leben sollen, um wahres Glück zu finden.
Wenn wir die Seligpreisungen lesen, entdecken wir einen paradoxen Weg. Jesus zeigt uns den Weg zum Glück, wo es unmöglich scheint. Hinter jeder Seligpreisung verbirgt sich der Weg der Liebe und der Weg des Kreuzes. Jesus lehrt uns, dass Liebe und Kreuz auf dieser Erde untrennbar miteinander verbunden sind. Anders gesagt: Wenn wir wahrhaft lieben wollen, müssen wir uns mit dem Kreuz identifizieren.
Jesus preist selig die Armen im Geiste, das heißt jene, die auf Gott vertrauen; die Trauernden, das heißt jene, die ihre Sünden erkennen und bereuen; die Sanftmütigen, das heißt jene, die die Fehler anderer geduldig ertragen; jene, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, das heißt jene, die in ihrem Verlangen nach Heiligkeit wachsen; die Barmherzigen, das heißt jene, die andere in ihrer Zerbrechlichkeit annehmen, ohne sie zu verurteilen; die Reinen Herzens, das heißt jene, die danach streben, dass nichts ihre Liebesfähigkeit trüben kann; die Friedensstifter, das heißt jene, die Frieden und Freude säen. Und schließlich all jene, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung ertragen, das heißt, all jene, die in der Wahrheit leben und keine Kompromisse eingehen.
In den Seligpreisungen entdecken wir das Antlitz Jesu, und wir müssen unser eigenes Antlitz entdecken. Im christlichen Leben ist es sehr hilfreich, das eigene Leben anhand der Seligpreisungen zu reflektieren. Wir sollten uns fragen: Bin ich arm? Weine ich?
Jesus Christus hat uns die Seligkeit des Himmels verheißen. In seinem Namen beten wir zum Vater.
Damit wir den Söhnen Gottes zugezählt werden, wollen wir uns um den Frieden bemühen und beten.
Selig,die Gottes Wort im Herzen bewahren und eingehen zu seinen Verheißungen.
Hl.Norbert von Xanten Lk 14,25-33
Jesus Christus, der den Grund gelegt und uns berufen hat ,sein Werk fortzuführen, sei mit euch.
Norbert von Xanten wurde um das Jahr 1080 in Xanten am Niederrhein in eine adlige Familie hineingeboren, die ihm Zugang zu Bildung, kirchlichen Pfründen und einem bequemen Leben verschaffte. Er war Kanoniker, ohne sich besonders um die Pflichten dieses Amtes zu kümmern – ein Mann der Welt, der die Vorteile des kirchlichen Standes genoss, ohne dessen Geist zu leben.
Du hast unermüdlich dein Wort verkündet. Herr,erbarme dich unser.
Du hast uns neues Leben geschenkt. Christus,erbarme dich unser.
Du erneuerst die Kirche im Heiligen Geist. Herr,erbarme dich unser.
Die Wende kam um 11:15 Uhr dramatisch, als Norbert zu Pferd ritt und ein Blitzeinschlag ihn zu Boden warf – eine Bekehrungsszene, die unweigerlich an Paulus auf dem Weg nach Damaskus erinnert. Er lag bewusstlos am Boden und hörte nach der Überlieferung die Frage: „Norbert, wohin gehst du? Kehre um und tue Gutes.“ Diese Erfahrung veränderte sein Leben von Grund auf.
Er verkaufte seinen Besitz, verteilte alles an die Armen und lebte fortan als Wanderprediger in radikaler Armut. Seine Predigten zogen große Menschenmassen an – er war ein Mann mit einer außergewöhnlichen Gabe, Menschen zu bewegen und zur Umkehr zu rufen. Päpstliche Genehmigung für sein Wanderpredigertum erhielt er 1115 von Papst Gelasius II.
Im Jahr 1120 gründete er im Tal von Prémontré in Frankreich eine neue Ordensgemeinschaft – die Prämonstratenser, auch Norbertiner genannt. Der Orden verband das kontemplative Leben mit dem aktiven Seelsorgedienst, was für die damalige Zeit eine wichtige Synthese darstellte. Die Regel des heiligen Augustinus bildete die Grundlage, ergänzt durch strenge Askese und gemeinschaftliches Chorgebet.
Norbert wurde 1126 zum Erzbischof von Magdeburg ernannt – gegen seinen Willen, wie die Quellen berichten. In Magdeburg traf er auf eine Kirche in tiefem Verfall: Klerus ohne Disziplin, Kirchengut in weltlichen Händen, religiöses Leben kaum noch erkennbar. Er reformierte unerschrocken, machte sich dabei viele Feinde und überstand mehrere Mordanschläge.
Er starb am 6. Juni 1134 in Magdeburg, erschöpft von einem Leben im radikalen Einsatz. Papst Gregor XIII. sprach ihn 1582 heilig. Sein Gedenktag ist der 6. Juni – also übermorgen. Die Prämonstratenser sind bis heute in vielen Ländern aktiv, darunter auch in Österreich, wo die Klöster Geras und Wilten zu den bekanntesten Häusern des Ordens gehören.
Was Norbert besonders auszeichnet, ist der Weg vom bequemen Kleriker zum radikalen Reformer. Es handelt sich um eine Bekehrung, die nicht bei innerer Frömmigkeit stehen blieb, sondern die ganze Lebensweise und schließlich die Kirche selbst verändern wollte.
Auf Christus, den Eckstein des Gottesreiches,sind wir aufgebaut. Deshalb wagen wir, zum Vater zu beten.
Da wir dem Gericht entgegengehen, wollen wir um den Frieden bitten.
Selig, die Gott über alles schätzen und Vollendung finden in seinem ewigen Reich
10.Sonntag im Jahreskreis A Mt 9,9-13
Jesus Christus, der zu uns kommt,um uns von Sünde und Schuld zu heilen, sei mit euch.
Das Wort Gottes an diesem Sonntag handelt von der Berufung, die wir in unserem Leben verwirklichen sollen. Jesus sah einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: „Folge mir nach!“ Er stand auf und folgte ihm. Diese Stelle aus dem Evangelium hat eine biographische Dimension der Berufung: Ein reicher Zöllner im irdischen Leben wird zu einem armen Nachfolger Jesu Christi, der ihm den größten Reichtum schenkt: das ewige Leben. Matthäus spricht hier über sich selbst, stellt seine Berufung vor und offenbart zugleich deren tiefe Bedeutung. Sein Name bedeutet „Gottes Geschenk“. In seiner neuen Berufung entdeckt er durch Jesus ein außergewöhnlich großes Geschenk und einen neuen Lebensweg. Die Begegnung mit Jesus veränderte sein Leben völlig. Lukas fügt hinzu: Er stand auf, verließ alles und folgte Jesus. Reichtum erfüllte sein Herz nicht. In seiner Bekehrung spürte er intuitiv mehr.
Jesus, du hast nicht nach unserer Sünde gefragt,sondern Vergebung gewirkt. Herr,erbarme dich unser.
Du hast mit Sündern zu Tisch gesessen und mit ihnen gegessen.Christusm erbarme dich unser.
Für unser Heil bist du gestorben und von den Toten auferstanden. Herr,erbarme dich unser.
Predigt
Matthäus, den Jesus berief, galt als öffentlicher Sünder; er befand sich in geistlicher Gefahr, doch aus dieser Lage konnte er durch die unendliche Barmherzigkeit Gottes gerettet werden. Jesu Berufung an Matthäus wandelt sich in ein gegenseitiges Geschenk, das sich im Festmahl ausdrückt, das Matthäus in seinem Haus ausrichtet. Als Jesus sich ins Haus setzte, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen mit ihm und seinen Jüngern. Jesus verstößt damit gegen die grundlegenden rabbinischen Regeln und erntet dadurch Kritik der Pharisäer. Doch genau das hatte der Lehrer beabsichtigt. Er wollte seine Jünger dazu führen, die Neuheit des Evangeliums zu verstehen und anzunehmen. Diese Neuheit offenbart sich in zwei Details: in Jesu Schlussworten des Evangeliums: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken“, und in dem Zitat aus der ersten Lesung des Propheten Hosea 6,6: „Geht hin und lernt, was es heißt: Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer; ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“ Hier wurzeln Matthäus’ biografische Erfahrungen und sein Zeugnis, die zugleich das wahre Wesen Jesu Mission treffend beschreiben.
Das Zitat aus dem Propheten Hosea, auf das Jesus die Pharisäer verweist, damit sie endlich lernen, das Alte Testament richtig zu lesen und seine zentrale Botschaft zu verstehen: Gott wendet unabhängig von der Zeit stets dieselbe Methode an – barmherzige Liebe. Zu Beginn des ausgewählten Textes aus Hosea drückt das Volk sein Bedauern und seinen Wunsch aus, Gottes verlorene Gunst zurückzugewinnen. Der Prophet geht darauf ein und nennt die Bedingungen für eine aufrichtige Rückkehr zu Gott. Das heißt, zu erkennen, dass das, was Gott dem auserwählten Volk durch die Propheten ankündigte und es dann leiden ließ, die verdiente Strafe für seine Untreue gegenüber den Geboten war. Und sich auch daran zu erinnern, dass Gott reinen religiösen Formalismus ablehnt, also religiöse Handlungen, die nicht von Liebe zu ihm und seinen Geboten, insbesondere dem Gebot der Nächstenliebe, durchdrungen sind.
Dies erklärt Paulus in der zweiten Lesung, wenn ein Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, und beschreibt die Merkmale dieses rechtfertigenden Glaubens. Er leitet sie aus dem Zeugnis Abrahams ab, der wider alle Hoffnung glaubte, dass Gott ihn mit dem Fortbestehen seiner Nachkommen segnen würde. Dieser Glaube Abrahams ist ohne sein Vertrauen und seine bedingungslose Liebe zu Gott nicht zu verstehen. So sollte auch der Glaube der Christen sein. Wir glauben, dass Gott Leben schenkt: Er hat Jesus von den Toten auferweckt und uns so durch sein Leben gerechtfertigt. Daher schließt der Glaube an die Auferstehung Jesu auch die Hoffnung auf unsere Auferstehung ein und wird durch unsere Liebe gerechtfertigt, mit der Gott uns unaussprechlich liebt. Wir sollten uns jetzt auf unsere Auferstehung vorbereiten, indem wir Jesus immer vollkommener nachfolgen, wie er es in der Bergpredigt zusammengefasst hat. Diese Predigt ist ein Abbild des christlichen Lebens und beginnt mit den Seligpreisungen, einem Wegweiser zum Glück.
Im heutigen Evangelium schenkt Jesus Christus allen Menschen Hoffnung, selbst den größten Sündern. Matthäus, den Jesus berief, war reich, aber es missfiel ihm, als öffentlicher Sünder zu gelten. Er sehnt sich danach, von seinen seelischen Wunden geheilt zu werden. Deshalb bietet ihm Jesus unendlich großen Reichtum und unermessliche Barmherzigkeit an, die ihn zur vollkommenen Umkehr führen werden. Jesu Ruf verwandelt sich in ein gegenseitiges Geschenk, das sich im Festmahl in Matthäus’ Haus ausdrückt, wo viele Sünder ein ähnliches Glück finden. Die selbstsicheren Pharisäer verstanden dies nicht und fragten, beleidigt, die Jünger: „Warum isst euer Meister mit Zöllnern und Sündern?“ Diese hochmütige Gefahr bedroht auch uns. Deshalb müssen wir lernen, rechtzeitig richtig zu unterscheiden und unsere Berufung richtig zu leben. Jesus kommt, um aus der Menschheit eine Familie zu schaffen. In vielen schwierigen Situationen bietet der Erlöser im heutigen Wort Gottes jedem als Heilmittel seine unendliche Barmherzigkeit an, im Zeugnis der Berufung vom Zöllner Matthäus bis zum Apostel, der im Reichtum des Evangeliums jedem, der an Jesus glaubt, die Hoffnung auf wahres Leben schenkt. Denn das Leben eines Christen sollte das Evangelium sein – die gute Nachricht in jeder Berufung.
Mit dem Heiligen Vater Franziskus können wir darum bitten, mit dem Gebet aus dem Schlusskapitel des 5. Kapitels des Schreibens „Die Freude der Liebe“ (Amoris Laetitia, 198): Jesus, Maria und Josef, in euch sehen wir den Glanz wahrer Liebe, zu euch wenden wir uns vertrauensvoll. Heilige Familie von Nazareth, mögen Gewalt, Verschlossenheit und Spaltung in den Familien nicht länger herrschen; mögen alle, die verletzt und gekränkt wurden, bald Trost und Heilung erfahren. Heilige Familie von Nazareth, mache unsere Familien auch zu Orten der Gemeinschaft und des Gebetsmahls, zu wahren Schulen des Evangeliums und zu kleinen Hauskirchen. Amen.
Da wir zu den Armen und Kranken gehören, denen Barmherzigkeit verheißen ist , wagen wir zu beten.
Da Christus gekommen ist ,die Sünder zu rufen, dürfen wir um seinen Frieden bitten.
Selig,die Jesus, dem Arzt unseres Heils,der Heil schenkt für die Ewigkeit.
Herz-Jesu-Freitag Joh 10, 11-16
Jesus Christus,Davids Sohn und zugleich Davids Herr zur Rechten des Vaters ,sei mit euch.
Heute ist Herz-Jesu-Freitag. Seit über 350 Jahren stellen wir am ersten Freitag im Monat das Herz Jesu in die Mitte. Nicht als süßliches Bild, sondern als Wunde. Als durchbohrtes Herz. Als Zeichen: So sehr liebt Gott.
Jesus, du kamst als der von Gott verheißene Messias. Herr,erbarme dich unser.
Du bist der eingeborene Sohn des ewigen Vaters. Christus,erbarme dich unser. Deine Botschaft weist uns den Weg des Heils. Herr,erbarme dich unser.
Das Evangelium passt heute genau dazu. Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirt.“ Und dann sagt er, was diesen Hirten ausmacht: „Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe hin.“ Das ist Herz-Jesu-Theologie in einem Satz.
1. Ein Herz, das kennt
„Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.“
Wir leben in einer Zeit, in der man für Algorithmen ein Datensatz ist. Für Behörden eine Nummer. Für Social Media ein Profil. Kennen heißt hier: angeklickt, analysiert, eingeordnet.
Jesus meint etwas anderes. „Kennen“ ist in der Bibel ein Beziehungswort. Adam „erkannte“ Eva. Gott „kennt“ die Wege der Gerechten. Es heißt: Ich sehe dich. Ich weiß, wie müde du am Freitagabend bist. Ich weiß, wo du dich schämst. Ich weiß, wo du hoffst.
Das Herz Jesu ist kein Symbol für ein Gefühl. Es ist das Zeichen dafür, dass Gott ein Gedächtnis für dich hat. Du bist nicht vergessen. Dein Name ist ihm nicht egal. Am Herz-Jesu-Freitag dürfen wir uns das sagen lassen: „Ich bin gekannt.“ Mit meinem ganzen Leben.
2. Ein Herz, das kämpft
„Der Mietling aber, der nicht Hirt ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht.“
Der Mietling rechnet. Lohn gegen Risiko. Wenn es brenzlig wird, ist er weg. Wir kennen das. Systeme, die bei Schönwetter funktionieren. Freundschaften, die nur bis zur ersten Krise halten. Chefs, die Verantwortung delegieren, wenn es ernst wird.
Jesus rechnet nicht. Er sagt: „Ich gebe mein Leben hin.“ Das ist der Unterschied zwischen Vertrag und Bund. Zwischen Job und Berufung. Das Herz Jesu ist durchbohrt, weil es sich hat treffen lassen. Für uns.
Wo ist heute der Wolf? Einsamkeit ist ein Wolf. Scham ist ein Wolf. Die Stimme, die sagt: „Du bist zu wenig“, ist ein Wolf. Sucht, Zynismus, Gleichgültigkeit – sie reißen, wenn niemand dazwischengeht.
Herz-Jesu-Verehrung heißt: Ich glaube an einen Gott, der nicht flieht, wenn der Wolf kommt. Der dazwischengeht. Mit seinem Leben.
3. Ein Herz, das weitet
„Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall stammen; auch sie muss ich führen.“
Jesus denkt größer als unsere Stallmauern. Größer als „wir hier“ gegenüber „die dort“. Sein Herz schlägt auch für die, die wir nicht im Blick behalten. Die Ausgetretenen. Die Suchenden. Die Andersglaubenden. Die, mit denen ich nicht klarkomme.
Das tut weh. Denn wir hätten Gott gern exklusiv. Aber das Herz Jesu ist nicht exklusiv. Es ist durchlässig. Es weitet den Raum. „Sie werden auf meine Stimme hören. Dann wird es eine Herde und einen Hirt sein.“ Nicht: eine Uniform. Sondern: eine Stimme, die sammelt.
Herz-Jesu-Freitag fragt uns: Für wen weite ich mein Herz? Wen habe ich schon abgeschrieben, den Gott noch nicht?Drei Dinge nehmen wir mit vom Herz-Jesu-Freitag:
| Konkret | |
|---|---|
1. Mich kennen lassen |
Heute Abend 5 Minuten Stille. Nicht beten, nicht reden. Nur da sein und sagen: „Herr, du kennst mich. Das reicht.“ |
2. Nicht fliehen |
Wo bin ich versucht, ein Mietling zu sein? In welcher Beziehung, Aufgabe oder Verantwortung will ich stehenbleiben, auch wenn es unbequem wird? |
3. Weiten |
Für wen bete ich diese Woche, der nicht „zu uns“ gehört? Name auf einen Zettel. Ins Herz Jesu legen. |
Das Herz Jesu ist kein Andachtsbild für die Vitrine. Es ist ein Schlachtfeld, auf dem die Liebe gesiegt hat. Es ist der Ort, an dem der Hirt sein Leben gelassen hat, damit wir bestehen.
Und deshalb gehen wir heute nicht mit frommem Gefühl nach Hause, sondern mit einem Auftrag: Seid Menschen mit Herz. Menschen, die kennen, die bleiben, die weiten. So wie er.
Jesus Christus, unser Herr, sitzt zur Rechten des Vaters. In seinem Namen wagen wir zu beten.
Wenn wir festhalten am Wort Jesu Christi,werden wir teilhaben an seinem Frieden und dürfen beten.
Selig,die begierig hören auf Gottes Wort und geführt werden vom Heiligen Geist
Amen.