Herz-Jesu-Freitag Joh 10, 11-16

Jesus Christus,Davids Sohn und zugleich Davids  Herr zur  Rechten  des Vaters ,sei mit euch.

Heute ist Herz-Jesu-Freitag. Seit über 350 Jahren stellen wir am ersten Freitag im Monat das Herz Jesu in die Mitte. Nicht als süßliches Bild, sondern als Wunde. Als durchbohrtes Herz. Als Zeichen: So sehr liebt Gott.

Jesus, du  kamst als der von Gott verheißene Messias. Herr,erbarme dich unser.

Du bist der eingeborene Sohn des ewigen Vaters. Christus,erbarme  dich unser. Deine Botschaft weist uns den Weg des Heils. Herr,erbarme  dich unser.

Das Evangelium passt heute genau dazu. Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirt.“ Und dann sagt er, was diesen Hirten ausmacht: „Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe hin.“ Das ist Herz-Jesu-Theologie in einem Satz.

1. Ein Herz, das kennt
„Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.“

Wir leben in einer Zeit, in der man für Algorithmen ein Datensatz ist. Für Behörden eine Nummer. Für Social Media ein Profil. Kennen heißt hier: angeklickt, analysiert, eingeordnet.

Jesus meint etwas anderes. „Kennen“ ist in der Bibel ein Beziehungswort. Adam „erkannte“ Eva. Gott „kennt“ die Wege der Gerechten. Es heißt: Ich sehe dich. Ich weiß, wie müde du am Freitagabend bist. Ich weiß, wo du dich schämst. Ich weiß, wo du hoffst.

Das Herz Jesu ist kein Symbol für ein Gefühl. Es ist das Zeichen dafür, dass Gott ein Gedächtnis für dich hat. Du bist nicht vergessen. Dein Name ist ihm nicht egal. Am Herz-Jesu-Freitag dürfen wir uns das sagen lassen: „Ich bin gekannt.“ Mit meinem ganzen Leben.

2. Ein Herz, das kämpft
„Der Mietling aber, der nicht Hirt ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht.“

Der Mietling rechnet. Lohn gegen Risiko. Wenn es brenzlig wird, ist er weg. Wir kennen das. Systeme, die bei Schönwetter funktionieren. Freundschaften, die nur bis zur ersten Krise halten. Chefs, die Verantwortung delegieren, wenn es ernst wird.

Jesus rechnet nicht. Er sagt: „Ich gebe mein Leben hin.“ Das ist der Unterschied zwischen Vertrag und Bund. Zwischen Job und Berufung. Das Herz Jesu ist durchbohrt, weil es sich hat treffen lassen. Für uns.

Wo ist heute der Wolf? Einsamkeit ist ein Wolf. Scham ist ein Wolf. Die Stimme, die sagt: „Du bist zu wenig“, ist ein Wolf. Sucht, Zynismus, Gleichgültigkeit – sie reißen, wenn niemand dazwischengeht.

Herz-Jesu-Verehrung heißt: Ich glaube an einen Gott, der nicht flieht, wenn der Wolf kommt. Der dazwischengeht. Mit seinem Leben.

3. Ein Herz, das weitet
„Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall stammen; auch sie muss ich führen.“

Jesus denkt größer als unsere Stallmauern. Größer als „wir hier“ gegenüber „die dort“. Sein Herz schlägt auch für die, die wir nicht im Blick behalten. Die Ausgetretenen. Die Suchenden. Die Andersglaubenden. Die, mit denen ich nicht klarkomme.

Das tut weh. Denn wir hätten Gott gern exklusiv. Aber das Herz Jesu ist nicht exklusiv. Es ist durchlässig. Es weitet den Raum. „Sie werden auf meine Stimme hören. Dann wird es eine Herde und einen Hirt sein.“ Nicht: eine Uniform. Sondern: eine Stimme, die sammelt.

Herz-Jesu-Freitag fragt uns: Für wen weite ich mein Herz? Wen habe ich schon abgeschrieben, den Gott noch nicht?Drei Dinge nehmen wir mit vom Herz-Jesu-Freitag:

Konkret

1. Mich kennen lassen

Heute Abend 5 Minuten Stille. Nicht beten, nicht reden. Nur da sein und sagen: „Herr, du kennst mich. Das reicht.“

2. Nicht fliehen

Wo bin ich versucht, ein Mietling zu sein? In welcher Beziehung, Aufgabe oder Verantwortung will ich stehenbleiben, auch wenn es unbequem wird?

3. Weiten

Für wen bete ich diese Woche, der nicht „zu uns“ gehört? Name auf einen Zettel. Ins Herz Jesu legen.

Das Herz Jesu ist kein Andachtsbild für die Vitrine. Es ist ein Schlachtfeld, auf dem die Liebe gesiegt hat. Es ist der Ort, an dem der Hirt sein Leben gelassen hat, damit wir bestehen.

Und deshalb gehen wir heute nicht mit frommem Gefühl nach Hause, sondern mit einem Auftrag: Seid Menschen mit Herz. Menschen, die kennen, die bleiben, die weiten. So wie er.

Jesus Christus, unser  Herr, sitzt zur Rechten des Vaters. In seinem Namen wagen wir zu beten.

Wenn wir  festhalten am Wort Jesu Christi,werden wir  teilhaben an  seinem Frieden und dürfen beten.

Selig,die  begierig hören auf Gottes Wort und geführt werden  vom Heiligen Geist

Amen.