Hl.Ephräm der Syrer, Diakon, Kirchenlehrer Lk 6,43-45

Jesus Christus,der kommen wird,damit wir ihm öffnen, sei mit euch.

Die Kirche stellt uns einen Mann vor, der aus einer Welt stammt, die uns fremd erscheint. Er stammt aus Syrien. Er stammt aus Syrien, das anders dachte,anders betete und andere sang als wir. Und dennoch berühren seine Worte uns nach siebzehn Jahrhunderten unmittelbar.Das ist kein Zufall. Das ist das Zeichen eines echten Lehrers des  Glaubens.

Jesus,du hast die Ehre  des Vaters gesucht. Herr,erbarme dich unser

Du hast dich in allem auf den Vater berufen. Christus,erbarme dich unser.

Du hast deine Apostel für ihre Aufgabe geschult. Herr,erbarme  dich unser.

Ephräm wurde um das Jahr 306 in Nisibis geboren, einer Stadt an der Grenze zwischen dem Römischen Reich und dem Perserreich – ein Ort der Begegnung, aber auch des Konflikts. Er wuchs in einer christlichen Familie auf, empfing die Taufe als junger Mann und wurde Diakon. Priester wurde er nie – und doch zählt er zu den bedeutendsten Theologen der alten Kirche. Papst Benedikt XV. Er erklärte ihn 1920 zum Kirchenlehrer, als Erster und bis heute Einziger syrischer Kirchenvater mit diesem Titel.

Was macht Ephräm so besonders? Er dachte nicht in philosophischen Begriffen, wie sie die griechischen Kirchenväter verwendeten. Er dachte in Bildern, in Gleichnissen, in Liedern. Er schrieb Hymnen – Tausende davon. Seine Theologie war Poesie, und seine Poesie war Theologie. Er verstand, was viele vergessen: dass der Mensch nicht nur mit dem Verstand glaubt, sondern mit dem ganzen Herzen, mit dem Leib, mit der Stimme.

Einer seiner bekanntesten Gedanken lautet: „Gott verbirgt sich im Brot wie im Dornbusch.“ Diese Parallele zwischen dem brennenden Dornbusch des Mose und dem Brot der Eucharistie ist von atemberaubender Tiefe. Gott offenbart sich in dem, was unscheinbar ist, in dem, was man leicht übersieht. Der Dornbusch brennt und verbrennt nicht. Das Brot wird gebrochen und bleibt ganz. Das Geheimnis Gottes kann nicht erschöpft werden – weder durch Feuer noch durch menschliche Vernunft.

Ephräm lebte die letzten Jahre seines Lebens in Edessa, wohin er nach der persischen Eroberung Nisibis’ geflohen war. Dort gründete er eine Schule, die sogenannte „Schule der Perser“, und wirkte als Lehrer, Dichter und Seelsorger. Als 373 eine Hungersnot über die Stadt hereinbrach, organisierte er persönlich die Hilfe für die Armen – ein alter Mann, krank und erschöpft, der dennoch nicht aufhörte, sich um die Leidenden zu kümmern. Wenige Monate später starb er.

Liebe Schwestern und Brüder, Ephräm der Syrer lehrt uns etwas, das wir dringend brauchen: dass Glaube und Schönheit zusammengehören. Dass Theologie nicht nur Wissenschaft ist, sondern auch Gesang. Dass wir Gott nicht nur begreifen, sondern auch feiern sollen – mit Worten, die das Herz bewegen, mit Bildern, die tiefer reichen als jeder Begriff.

Er hat auch eine tiefe Demut vorgelebt. In einem seiner Gedichte schreibt er über sich selbst: „Ich bin der Geringste unter den Lehrern, aber Gott hat mir eine Zunge gegeben, die loben kann.“ Das ist keine falsche Bescheidenheit. Es ist die Haltung eines Menschen, der weiß, dass alles, was er hat und kann, ein Geschenk ist.

Bitten wir heute um diese Gnade – dass auch wir Gott nicht nur mit dem Verstand suchen, sondern mit dem ganzen Herzen. Dass unser Glaube nicht trocken bleibt, sondern lebendig wird, singend, lobend, staunend vor dem Geheimnis, das uns trägt.

Da Jesus Christus uns auf den Weg des Kreuzes gerufen hat,wollen wir um Mut und Kraft  zum Vater beten.

Wenn unser  Leben gute Früchte bringt, werden wir den Frieden des Herrn empfangen. Das erbitten wir.

Selig, die zum ungeteilten Dienst vor Gott bereit sind und ihr Leben in Gott  vollenden werden.