Jesus Christus, der sagt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten aufzuheben.
Mit diesen Wort sagt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten aufzuheben.“ en stellt sich Jesus mitten in die große Tradition Israels – nicht als Revolutionär, der alles Bisherige wegwirft, sondern als derjenige, der dem Gesetz seinen eigentlichen Sinn zurückgibt.
Jesus,du hast alles nach dem Willen des Vaters getan. Herr,erbarme dich unser.
Du führst das Werk des Vaters zur Vollendung. Christus,erbarme dich unser.
Du kennst in allem den Willen des himmlischen Vaters. Herr,erbarme dich unser.
Das war damals eine provokante Aussage. Viele seiner Zeitgenossen sahen in Jesus genau das – einen, der die Tradition untergräbt, mit den Sabbatvorschriften nachlässig umgeht, mit Sündern isst und die Grenzen des Erlaubten immer wieder überschreitet. Und nun sagt er selbst: „Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben. Wie ist das zu verstehen?
Das Schlüsselwort ist „erfüllen“. Im griechischen Originaltext steht „plēroō“ – ein Wort, das nicht nur „vollenden“ bedeutet, sondern auch „zum Überfließen bringen“ und „mit Inhalt füllen“. Jesus nimmt das Gesetz nicht weg. Er füllt es mit seinem eigentlichen Gehalt. Er zeigt, was das Gesetz wirklich gemeint hat, bevor es durch menschliche Auslegung, äußerliche Observanz und endlose Detailvorschriften zur Last wurde.
Der heilige Augustinus hat das so formuliert: „Das Alte Testament ist im Neuen enthüllt, das Neue Testament ist im Alten verhüllt.“ Das Gesetz war nicht falsch. Es war unvollständig – wie ein Versprechen, das noch auf seine Erfüllung wartet. Jesus ist diese Erfüllung.
Was bedeutet das konkret? Jesus verschärft das Gesetz nicht einfach, sondern vertieft es. Im weiteren Verlauf der Bergpredigt wird er sagen: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht töten. Ich aber sage euch: Wer seinem Bruder auch nur zürnt, der ist dem Gericht verfallen.“ Das ist keine strengere Vorschrift. Das ist eine Einladung, tiefer zu schauen – nicht nur auf die Tat, sondern auf die Haltung des Herzens, aus der sie entspringt.
Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen äußerer Gesetzeserfüllung und dem, was Jesus meint. Man kann alle Gebote halten und dennoch ein kaltes Herz haben. Man kann alle Vorschriften befolgen und dennoch dem Nächsten gegenüber gleichgültig bleiben. Das Gesetz in seiner äußeren Form schützt vor dem Schlimmsten. Aber es kann das Herz nicht verwandeln. Das kann nur die Liebe.
Und genau das ist der Kern der Botschaft Jesu: Er erfüllt das Gesetz, indem er es auf seine tiefste Wurzel zurückführt – auf die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Alles andere ist die Entfaltung dieser einen Grundwahrheit.
Liebe Schwestern und Brüder, Jesus sagt auch: „Wer auch nur eines dieser kleinsten Gebote auflöst und die Menschen so lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein.“ Das klingt streng. Aber es ist in Wirklichkeit eine Einladung zur Ernsthaftigkeit. Der Glaube ist kein Buffet, bei dem wir uns aussuchen, was uns passt. Er ist eine Einheit – eine Lebensweise, die aus der Mitte kommt und dorthin führt, die Christus selbst ist.
Fragen wir uns heute: Lebe ich meinen Glauben von innen oder von außen? Halte ich Gebote aus Gewohnheit oder aus Überzeugung? Kenne ich den Geist hinter dem Buchstaben?
Jesus ist nicht gekommen, um uns das Leben schwerer zu machen. Er ist gekommen, um uns zu zeigen, was Freiheit wirklich bedeutet – nicht die Freiheit von Gott, sondern die Freiheit in Gott, die Freiheit eines Herzens, das liebt, weil es geliebt ist.
Gott hat keines seiner Gebote aufgehoben. In Treue zu seinem Wort wagen wir zu beten. Wer
Gott und sein Gesetz kennt, kann in ihm den Frieden finden. Dazu bitten wir ihn.
Selig, die Gottes Gebote in allem treu erfüllen und groß sein werden im Himmelreich.