Jesus Christus, der zu uns kommt, um uns von Sünde und Schuld zu heilen,sei mit euch.
Die Ernte ist groß, aber die Arbeiter sind wenige.“ Dieser Satz Jesu klingt wie eine nüchterne Feststellung. Aber wenn wir genauer hinhören, entdecken wir darin weder Klage noch Resignation. Es ist ein Satz voller Dringlichkeit – und voller Vertrauen.
Jesus, du kamst aus Mitleid in diese unheile Welt. Herr, erbarme dich unser.
Du hast deine Apostel ausgesandt und ihnen Macht über die bösen Geister gegeben. Christus, erbarme dich unser.
Du bist den Tod des Kreuzes gestorben zu unserer Erlösung. Herr,erbarme dich unser.
Jesus sagt diese Worte weder im Hörsaal noch in einem ruhigen Gespräch mit seinen Jüngern. Er sagt ihr, nachdem er durch die Städte und Dörfer gezogen ist, nachdem er die Menschenmenge gesehen hat – erschöpft, orientierungslos, wie Schafe ohne Hirten. (Mt 9,36) Das griechische Wort, das Matthäus hier verwendet, ist „splanchnizesthai“ – ein Wort, das nicht einfach Mitleid bedeutet, sondern ein tiefes körperliches Erschüttertsein, ein Bewegtsein aus dem Innersten. Jesus sieht die Menschen und ist im tiefsten Innern getroffen. Das ist der Ausgangspunkt der ganzen Rede.
Was ist diese Ernte? Es sind die Menschen selbst – nicht als Objekte der Bekehrung, sondern als Menschen, die nach Gott dürsten, oft ohne es selbst zu wissen. Die Ernte ist reif – das bedeutet, dass die Menschen bereit sind. Sie warten. Sie suchen. Vielleicht wissen sie nicht einmal, wonach sie suchen. Aber Jesus sieht es. Er sieht die Sehnsucht hinter der Erschöpfung und die Hoffnung hinter der Orientierungslosigkeit.
Und dann tut er etwas Überraschendes. Er bittet nicht zuerst um mehr Arbeiter. Er sagt: „Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“ (Mt 9,38) Das Gebet kommt vor der Sendung. Das ist kein Zufall. Es ist eine theologische Aussage: Die Mission gehört Gott. Wir sind nicht die Initiatoren. Wir sind die Gesandten. Wer gesandt wird, muss zuerst beten – muss zuerst verstehen, dass er nicht aus eigener Kraft geht, sondern von dem getragen wird, der ihn schickt.
Dann ruft Jesus die Zwölf zu sich und entsendet sie. Die Liste der Dinge, die sie tun sollen, ist bemerkenswert: Sie sollen Kranke heilen, Tote auferwecken, Aussätzige reinigen und Dämonen austreiben. Das sind keine spirituellen Metaphern. Es sind konkrete Taten der Befreiung. Das Evangelium, das sie verkünden sollen, ist keine abstrakte Lehre, sondern eine Wirklichkeit, die das Leben verändert, Menschen aus ihrer Not herausführt und ihre Würde wiederherstellt.
Und dann der entscheidende Satz: „Umsonst habt ihr empfangen; umsonst sollt ihr geben.“ (Mt 10,8) Dieser Satz bildet das Herzstück der Sendung. Was wir haben – den Glauben, die Gnade, die Erfahrung Gottes – ist kein Verdienst. Es ist ein Geschenk. Und Geschenke sind nicht dazu da, sie zu behalten. Sie sind dazu da, sie weiterzugeben.
Liebe Schwestern und Brüder,
dieser Text stellt uns eine ernste Frage. Gibt es genug Priester, Diakone und Ordensleute? Die Frage geht tiefer: Bin ich bereit, mich senden zu lassen? In meiner Familie, in meiner Pfarrei, in meinem Beruf – überall dort, wo ich mich täglich aufhalte, ist Erntezeit. Dort warten Menschen, die Orientierung suchen, Trost brauchen und jemanden, der ihnen zeigt, dass das Leben einen Sinn hat.
Der heilige Paulus schreibt: „Wie sollen sie glauben, wenn sie nicht gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?“ (Röm 10,14) Dies ist jedoch keine Kritik. Es ist eine Einladung. Die Ernte wartet nicht auf perfekte Arbeiter. Sie wartet auf bereitete Herzen.
Bitten wir heute um diese Bereitschaft – und um den Mut, dorthin zu gehen, wohin uns Gott schickt, auch wenn der Weg unbekannt ist und die Ernte größer erscheint als unsere Kräfte.
Da wir angewiesen sind, in aller Not den Vater zu bitten, wagen wir zu ihm zu beten.
Das Himmelreich ist nahe und verkündet uns den Frieden. Deshalb dürfen wir den Herrn bitten.
Selig, die dem Guten Hirten folgen dürfen,wenn er kommt ,die Ernte heimzuholen.