Hl. Vitus Joh 15,18-21

Jesus Christus, den die Welt nicht kennt und verworfen hat,sei mit euch.

Die Kirche feiert heute den heiligen Vitus – einen Heiligen, dessen Name vielen vertraut ist, dessen Leben aber in einem Dunkel liegt, das wir ehrlich benennen müssen. Die historischen Quellen über Vitus sind spärlich und von Legenden durchwoben. Was wir mit Sicherheit sagen können: Er war ein junger Märtyrer aus der Zeit der Christenverfolgungen, wahrscheinlich aus Sizilien, der um das Jahr 303 unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod für seinen Glauben erlitt. Sein Gedenktag am 15. Juni gehört zu den ältesten des römischen Kalenders – ein Zeichen dafür, dass die Kirche seine Verehrung sehr früh als echt und wertvoll anerkannt hat.

Jesus, du hast Besessene geheilt.Herr,erbarme dich unser.

Du hast Sünde und Tod überwunden.Herr,erbarme dich unser.

Was uns die Überlieferung über Vitus erzählt, ist die Geschichte eines Kindes – eines jungen Menschen, der im Glauben aufwuchs, obwohl sein eigener Vater dagegen war. Der Vater war Heide, die Amme des Kindes aber Christin, und sie pflanzte den Glauben in das Herz des kleinen Vitus. Das ist ein Bild, das uns heute etwas zu sagen hat: Der Glaube pflanzt sich oft nicht durch große Institutionen fort, sondern durch einzelne Menschen, die in der Stille das Wesentliche weitergeben – eine Großmutter, ein Lehrer, ein Freund, der im richtigen Moment das richtige Wort sagt.

Als der Vater von der Bekehrung seines Sohnes erfuhr, versuchte er alles, um ihn vom Glauben abzubringen. Und hier zeigt die Überlieferung etwas Wichtiges: Vitus blieb standhaft – nicht aus Sturheit, nicht aus Rebellion, sondern weil er etwas gefunden hatte, das tiefer war als die Erwartungen seiner Familie. Der Glaube war für ihn keine Meinung, die man wechseln kann. Er war in der Mitte seines Lebens.

Vitus gehört zu den vierzehn Nothelfern – jenen Heiligen, die die mittelalterliche Frömmigkeit als besondere Fürsprecher in den größten Nöten des Lebens verehrte. Er gilt als Patron gegen Epilepsie und Nervenkrankheiten, gegen den Tanz des heiligen Vitus, wie man die Chorea früher nannte. Dieser Zusammenhang zeigt etwas Tiefes: Die Menschen wandten sich in ihrer körperlichen und seelischen Not an ihn, weil sie in ihm einen Zeugen sahen, der selbst durch die tiefste Not gegangen war und dabei nicht zerbrochen war.

Der Prager Veitsdom, eine der bedeutendsten gotischen Kathedralen Europas, trägt seinen Namen – ein Zeichen dafür, wie tief die Verehrung des heiligen Vitus in der mitteleuropäischen Frömmigkeit verwurzelt ist. Kaiser Karl IV. ließ die Kathedrale im 14. Jahrhundert ausbauen und machte sie zum Herzstück des böhmischen Königreichs. Heilige werden nicht zufällig zu Patronen von Kathedralen und Königreichen – sie werden es, weil etwas in ihrem Leben eine bleibende Wahrheit verkörpert, die einer ganzen Gemeinschaft Orientierung gibt.

Liebe Schwestern und Brüder, was können wir von Vitus lernen? Vielleicht vor allem dies: Der Glaube ist keine Selbstverständlichkeit, die uns einfach zufällt. Er muss empfangen, gepflegt und bezeugt werden – oft gegen den Widerstand der Umgebung, oft in Situationen, in denen es einfacher wäre, nachzugeben. Vitus war ein Kind, als er dieses Zeugnis abgab. Das erinnert uns daran, dass Mut im Glauben keine Frage des Alters ist, sondern eine Frage der Wurzeln.

Und es erinnert uns an unsere Verantwortung gegenüber den Jüngeren – gegenüber Kindern, Jugendlichen, Menschen, die am Anfang ihres Glaubenswegs stehen. Was wir Ihnen weitergeben, kann Ihr Leben formen. Die namenlose Amme des Vitus hat das getan. Sie hat nicht gewartet, bis die Umstände besser wurden. Sie hat einfach weitergegeben, was sie selbst hatte.

Bitten wir heute um die Fürsprache des heiligen Vitus. Mögen wir im Glauben standhaft bleiben, auch wenn es uns etwas kostet. Und möge uns der Mut finden, das Wesentliche an die, die nach uns kommen, weiterzugeben.

Da Gott uns aus dieser Welt erwählt  hat, dürfen wir es wagen,im Vertrauen auf Christi  Wort zum Vater zu beten.

Damit wir in einer friedlosen Welt den Frieden finden,wollen wir beten.Selig, die der Welt widerstehen und an Gottes Wort festhalten bis zum letzten Tag.