Jesus sagte: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten können, die Seele aber nicht töten können.“ Dieser Satz Jesu klingt auf den ersten Blick wie eine Einladung zur Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod. Aber wenn wir genauer hinhören, entdecken wir das Gegenteil: Es ist eine Einladung zur tiefsten Freiheit, die ein Mensch erreichen kann.
Jesus,du hast ohne Furcht dein Wort verkündet. Herr,erbarme dich unser.
Wenn wir dir dienen, bist du unser Mittler und Anwalt beim Vater. Christus,erbarme dich unser.
Da hast du uns nichts verschwiegen, was uns den Weg weisen kann. Herr,erbarme dich unser.
Jesus spricht diese Worte zu seinen Jüngern, die er aussendet – in eine Welt, die sie nicht immer freundlich empfangen wird. Er verheimlicht ihnen das nicht. Er sagt ihnen klar: Ihr werdet auf Widerstand stoßen, auf Ablehnung, vielleicht auf Verfolgung. Und genau in diesem Moment sagt er dreimal hintereinander: „Fürchtet euch nicht.“ Das ist kein naiver Optimismus. Das ist eine Aussage über die Wirklichkeit, die tiefer reicht als das, was wir mit den Augen sehen.
Das Schlüsselwort des gesamten Abschnitts ist „Offenbarung“. „Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was euch ins Ohr geflüstert wird, das verkündet auf den Dächern.“ (Mt 10,27) Das Evangelium ist keine Geheimlehre für Eingeweihte. Es ist eine Botschaft, die ans Licht will – nicht, weil sie laut sein muss, sondern weil sie wahr ist. Und die Wahrheit trägt in sich selbst die Kraft, sich auszubreiten.
Aber dann stellt sich die entscheidende Frage: Was hält uns davon ab, diese Wahrheit zu bezeugen? Jesus nennt es beim Namen – die Furcht vor dem Urteil der Menschen. „Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde ich vor meinem himmlischen Vater verleugnen.“ (Mt 10,33) Das ist ein harter Satz. Aber er ist kein Drohwort. Er ist eine Beschreibung der inneren Logik des Glaubens: Wer Gott kennt und ihn verbirgt, verliert etwas von sich selbst. Wer das Licht in sich trägt und es versteckt, lebt im Widerspruch zu dem, was er ist.
Liebe Schwestern und Brüder, Jesus fragt uns heute: „Vor wem habe ich Angst?“ Wessen Urteil bestimmt mein Leben mehr als Gottes? In welchen Situationen schweige ich, wo ich sprechen sollte – in der Familie, im Beruf, unter Freunden –, weil ich die Reaktion der anderen fürchte? Die Angst bei der Glaubensbekennung kann auf verschiedene Weise angegangen werden. Es ist wichtig, eine fundierte Kenntnis des eigenen Glaubens zu haben. Studien,Diskussionen und das Lesen religiöser Texte können helfen, Unsicherheiten zu reduzieren. Der Austausch mit Gleichgesinnten oder das Finden einer unterstützenden Gemeinschaft kann Ängste mindern. Das Teilen von Erfahrungen und das Gefühl der Zugehörigkeit stärken das Vertrauen. Das Sprechen über Ängste und Zweifel in einem vertrauten Rahmen, sei es mit Freunden, Familienmitgliedern oder einem Seelsorger , kann entlastend wirken. Teilnahme an Glaubensgemeinschaften oder an Veranstaltungen, die positive emotionale Erfahrungen bieten, kann helfen, Ängste abzubauen. Regelmäßige Selbstreflexionen und persönliche Gebete können helfen, innere Ruhe zu finden und die eigene Überzeugung zu festigen.
Jesus setzt der Furcht vor den Menschen eine andere Wirklichkeit entgegen – die Fürsorge des Vaters. „Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters.“ (Mt 10,29) Das ist keine sentimentale Tröstung. Das ist eine theologische Aussage von großer Tragweite: Die Welt ist nicht dem Zufall überlassen. Jedes Leben, auch das kleinste und Unscheinbarste, steht unter dem Blick Gottes. Und wer unter diesem Blick steht, muss den Blick der Menschen nicht fürchten.
„Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.“ (Mt 10,30) Dieser Satz ist einer der intimsten im ganzen Evangelium. Gott kennt uns nicht nur als Masse, nicht nur als Menschheit, nicht nur als Gläubige – er kennt uns in unserer unverwechselbaren Einzelheit, in unserer Verletzlichkeit, in unserem Kleinsein. Und wer so bekannt ist, muss sich nicht verstecken.
Das Bekenntnis zu Jesus Christus ist keine einmalige Entscheidung, die wir irgendwann in der Vergangenheit getroffen haben. Es ist eine tägliche Haltung – die Bereitschaft, zu dem zu stehen, was wir glauben, auch wenn es unbequem ist, auch wenn es kostet, auch wenn niemand applaudiert.
Bitten wir heute um den Mut des Bekenntnisses. Wir bitten nicht um den Mut zum Lärm und zur Selbstdarstellung. Wir bitten um den stillen, beharrlichen Mut eines Menschen, der weiß, dass er gekannt und geliebt ist und deshalb frei ist.
In der Ehrfurcht vor Gott,die uns Jesus Christus geboten hat,wagen wir, zum Vater zu beten.
Damit der Herr sich vor dem Vater zu uns bekennen kann,wollen wir ihn um seinen Frieden bitten.
Selig,die den Herrn Jesus Christus vor den Menschen bekennen und ihn als Anwalt beim Vater im Himmel finden.