Jesus Christus,der uns auf dem Weg des Kreuzes vorangegangen ist,sei mit euch.
Die Kirche stellt uns heute einen Mann vor, dessen Leben eine einzige radikale Suche war – eine Suche nach Gott in der Stille, in der Einsamkeit, in dem, was die monastische Tradition „Wüste“ nennt. Der heilige Romuald von Ravenna, Gründer der Kamaldulenser, lebte im zehnten und elften Jahrhundert, und sein Leben liest sich wie eine Geschichte der immer tieferen Abkehr von der Welt – nicht aus Weltverachtung, sondern aus einer Liebe zu Gott, die keine Halbheiten kannte.
Jesus, du lebtest verborgen in Nazareth . Herr,erbarme dich unser.
Du gingst in die Einsamkeit zum Gebet. Christus,erbarme dich unser.
Du hast auf Reichtum und Würde verzichtet. Herr,erbarme dich unser,
Romuald wurde um das Jahr 952 in Ravenna, in eine adlige Familie, geboren. Sein Vater war ein Mann der Welt – und er war es zunächst auch. Die Wende kam durch ein traumatisches Erlebnis: Romualds Vater tötete in einem Streit um den Besitz einen Verwandten. Der junge Romuald war dabei. Dieser Moment brach etwas in ihm auf. Er zog sich für vierzig Tage in ein Benediktinerkloster zurück, um für seinen Vater Buße zu tun – und blieb. Nicht weil er musste, sondern weil er in der Stille des Klosters etwas fand, das er nirgendwo sonst gefunden hatte.
Aber das Klosterleben seiner Zeit reichte ihm nicht aus. Er suchte etwas Radikaleres – die Einsamkeit der Eremiten, die Tradition der ägyptischen Wüstenväter, jener Männer und Frauen des vierten und fünften Jahrhunderts, die in die Wüste gingen, um Gott ungeteilter Weise begegnen zu können. Er lebte jahrelang als Wanderer, zog durch Italien, lebte in Höhlen und verlassenen Orten und suchte immer die größere Stille.
Um das Jahr 1012 gründete er in Camaldoli in der Toskana eine Gemeinschaft, die das Beste beider Traditionen verbinden sollte – das gemeinsame Leben der Benediktiner und die Einsamkeit der Eremiten. Die Kamaldulenser leben in Einzelzellen, die um eine gemeinsame Kirche angeordnet sind. Sie beten gemeinsam, aber sie leben in der Stille der Einsamkeit. Es ist eine Lebensform, die sagt: Gott findet man nicht im Lärm, aber auch nicht im bloßen Rückzug – sondern in der Gemeinschaft von Stille und Gebet.
Was ist die Botschaft Romualds für uns heute? Wir leben in einer Welt, die Stille fürchtet. Jede freie Minute wird gefüllt – mit Musik, mit Nachrichten, mit dem Scrollen durch Bilder und Meldungen, die keine Spur hinterlassen. Wir haben verlernt, mit uns selbst zu sein. Und damit haben wir oft auch verlernt, mit Gott zu sein.
Romuald hat sein Leben darauf verwendet, einen Raum der Stille zu schaffen – für sich und andere. Er wusste, was die Wüstenväter wussten: dass Gott nicht im Sturm spricht, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer – sondern in der Stimme des sanften Schweigens, wie es der Prophet Elija erfahren hat. (1 Kön 19,12) Diese Erfahrung ist nicht nur München vorbehalten. Sie ist eine Einladung an jeden Menschen.
Die kurze Regel Romualds, die er seinen Mönchen hinterlassen hat, beginnt mit den Worten: „Sitz in deiner Zelle wie im Paradies.“ Das ist keine Weltflucht. Es ist die Überzeugung, dass der Mensch, der gelernt hat, in der Stille bei Gott zu sein, auch mitten in der Welt ein Paradies trägt – eine innere Mitte, die ihn hält, wenn alles um ihn herum schwankt.
Liebe Schwestern und Brüder, wir werden heute nicht in eine Einsiedelei ziehen. Aber wir können etwas von Romualds Weisheit in unser Leben nehmen – einen täglichen Moment der Stille, in dem wir aufhören zu reden und anfangen zu hören. Einen Moment, in dem wir nicht produzieren, nicht konsumieren, nicht funktionieren – sondern einfach da sind, vor Gott, so wie wir sind.
Der heilige Romuald lebte fast hundert Jahre – er starb um 1027 im hohen Alter, allein in seiner Zelle, wie er es sich gewünscht hatte. Sein Leben war ein langer Weg in die Tiefe. Bitten wir heute um seine Fürsprache, dass auch wir den Mut finden, in die Stille zu gehen – und dort zu entdecken, dass wir nicht allein sind.
Da wir in Jesus Christus das Fundament unseres Lebens gelegt haben,dürfen wir voll Vertrauen zum Vater beten.
Um Frieden wollen wir bitten, da wir dem Tag des Gerichtes entgegehen.
Selig,wer Christus folgt auf dem Weg des Kreuzes und hingelangt zur Auferstehung.