Gott,unser Herr, von dessen Gesetz nicht der kleinste Buchstabe verlorengeht,sei mit euch.
Die Kirche feiert heute den heiligen Cyrill von Alexandrien – einen der größten Theologen der Kirchengeschichte, einen Mann von unerschütterlicher Überzeugung, der bereit war, für die Wahrheit des Glaubens alles einzusetzen. Sein Leben war kein ruhiges Gelehrtenleben. Es war ein Kampf – ein theologischer Kampf, der die ganze Kirche bewegte und dessen Früchte wir bis heute feiern.
Jesus,du kamst als Sohn des ewigen Vaters. Herr,erbarme dich unser.
Du bist Mensch geworden aus der Jungfrau Maria. Christus,erbarme dich unser.
Du hast am Kreuz Maria deine Mutter genannt. Herr,erbarme dich unser,
Cyrill wurde um das Jahr 376 in Alexandrien geboren und wurde 412 Patriarch dieser bedeutenden Stadt – eines der wichtigsten kirchlichen und intellektuellen Zentren der damaligen Welt. Er war ein Mann von scharfem Verstand, tiefer Frömmigkeit und – das dürfen wir ehrlich sagen – auch von einem starken, manchmal unbequemen Temperament. Die Geschichte kennt ihn nicht als sanften Mystiker, sondern als leidenschaftlichen Kämpfer für die rechte Lehre.
Der Kern seines theologischen Lebenswerks war die Frage: Wer ist Jesus Christus wirklich? In seiner Zeit lehrte Nestorius, Patriarch von Konstantinopel, dass in Christus zwei getrennte Personen zu unterscheiden seien – eine göttliche und eine menschliche. Die Konsequenz dieser Lehre war weitreichend: Maria wäre dann nur die Mutter des Menschen Jesus, nicht die Mutter Gottes. Cyrill erkannte sofort, was auf dem Spiel stand. Wenn Christus in zwei Personen gespalten wird, zerfällt auch das Heilswerk. Wer uns rettet, muss zugleich vollständig Gott und vollständig Mensch sein – in einer einzigen Person.
Cyrill kämpfte für diesen Glauben mit allem, was er hatte. Er schrieb theologische Abhandlungen, führte eine umfangreiche Korrespondenz mit Bischöfen, Mönchen und dem Papst und setzte alles daran, dass das Konzil von Ephesus im Jahr 431 die Wahrheit des Glaubens klar aussprach. Das Konzil tat es: Maria ist Theotokos – Gottesgebärerin. Das ist kein frommer Titel für Maria. Es ist eine Aussage über Christus – dass derjenige, den sie geboren hat, wirklich Gott ist.
Was bedeutet das für uns? Der heilige Cyrill lehrt uns, dass der Glaube keine unverbindliche Meinung ist, die man je nach Zeitgeist anpassen kann. Es gibt Wahrheiten, die das Fundament tragen – und wenn das Fundament erschüttert wird, bricht alles zusammen. Die Frage, wer Jesus Christus ist, ist keine akademische. Sie ist die entscheidende Frage des Lebens. Denn wenn Christus nicht wirklich Gott ist, dann ist seine Auferstehung keine Befreiung aus dem Tod. Wenn er nicht wirklich Mensch ist, hat er unsere Not nicht wirklich geteilt. Nur wenn beides wahr ist, ist das Evangelium wirklich eine frohe Botschaft.
Cyrill hat diese Wahrheit nicht nur verteidigt, sondern auch gründlich durchdacht und ausgelegt. In seinen Kommentaren zum Johannesevangelium zeigt er, wie die ganze Schrift auf Christus hinweist, wie das Alte Testament im Neuen seine Erfüllung findet, wie das Wort Gottes Fleisch annimmt und damit die ganze Schöpfung von innen her verwandelt.
Liebe Schwestern und Brüder, der heilige Cyrill starb im Jahr 444 – nach einem langen Leben im Dienst der Kirche und der Wahrheit. Papst Leo XIII. erklärte ihn 1882 zum Kirchenlehrer. Sein Gedenktag am 27. Juni erinnert uns jedes Jahr daran, dass der Glaube Klarheit braucht. Es geht nicht um Schärfe um der Schärfe willen, sondern um die Bereitschaft, für das Wesentliche einzustehen, auch wenn es unbequem ist.
Bitten wir heute um seine Fürsprache – dass wir den Glauben, den wir empfangen haben, wirklich verstehen, ihn mit dem Herzen bejahen und mit dem Leben bezeugen. Denn Christus, für den Cyrill so leidenschaftlich eingetreten ist, ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.
Damit wir Salz der Erde werden und mithelfen, die Welt zu verwandeln,wollen wir den Vater um seinen Beistand bitten.
Das Gesetz Gottes ist unsere Aufgabe. Die Erfüllung des Gesetzes bringt uns den Frieden, um den wir bitten.
Selig,die Gottes Gebote erfüllen und groß sein werden im Himmelreich.