Jesus Christus, der uns retten wird aus aller Drangsal dieser Welt ,sei mit euch.
Die Kirche gedenkt heute der ersten Märtyrer der Stadt Rom – jener namenlosen und namentlich bekannten Menschen, die im Jahr 64 nach Christus unter Kaiser Nero ihr Leben für den Glauben hingaben. Es sind keine großen Einzelgestalten, deren Biographien wir kennen. Es ist eine Gemeinschaft von Zeugen – und gerade darin liegt ihre besondere Botschaft für uns.
Jesus, du hast uns auf den Weg des Kreuzes gerufen. Herr,erbarme dich unser.
Du hast das Blutzeugnis der Märtyrer angenommen. Christus,erbarme dich unser.
Du gibst deiner Kirche stetes Wachstum . Herr,erbarme dich unser.
Alles begann mit dem großen Brand Roms im Juli des Jahres 64. Nero, der Verdacht auf sich zog, den Brand selbst gelegt zu haben, brauchte einen Sündenbock. Er fand ihn in den Christen – einer kleinen, noch wenig bekannten Gemeinschaft, die in Rom lebte. Der Historiker Tacitus beschrieb sie als „Anhänger des Christus“, eines Mannes, der unter Pontius Pilatus in Judäa hingerichtet worden war. Tacitus selbst hielt das Christentum für einen „verderblichen Aberglauben“, aber er bezeugte zugleich, dass die Christen unschuldig waren und dass ihre Hinrichtungen selbst bei der heidnischen Bevölkerung Roms Mitleid erweckten. Das ist ein bemerkenswertes Zeugnis – die Grausamkeit der Verfolgung war so offensichtlich, dass selbst jene, die dem Glauben fernstanden, Erbarmen empfanden.
Was geschah mit diesen Menschen? Tacitus beschreibt es mit erschreckender Sachlichkeit: Sie wurden in Tierhäute genäht und von Hunden zerfleischt, sie wurden gekreuzigt, sie wurden als lebende Fackeln in Neros Gärten verbrannt. Es sind Bilder, die uns erschaudern lassen. Und doch – hinter jedem dieser Menschen stand ein Leben, ein Name, eine Geschichte, eine Liebe zu Christus, die stärker war als die Angst vor dem Tod.
Wir kennen die meisten dieser Namen nicht. Das ist kein Zufall und kein Verlust. Es ist vielmehr ein Zeichen: Diese Märtyrer stehen nicht als Einzelhelden da, sondern als Gemeinschaft. Sie sind das Bild der Kirche selbst – eines Leibes, in dem nicht der einzelne Name zählt, sondern die gemeinsame Zugehörigkeit zu Christus. Der heilige Paulus schreibt: „Ob wir leben, leben wir für den Herrn, ob wir sterben, sterben wir für den Herrn. Ob wir also leben oder sterben, wir gehören dem Herrn.“ (Röm 14,8) Diese Worte haben die ersten Märtyrer Roms mit ihrem Blut unterschrieben.
Was trägt uns dieses Gedenken heute? Zunächst eine nüchterne Erinnerung: Der Glaube hatte von Anfang an einen Preis. Die Kirche wurde nicht aus Sicherheit und Bequemlichkeit geboren. Sie wurde im Feuer geläutert – buchstäblich, in jenen Nächten in Neros Gärten. Und diese Verwurzelung im Martyrium ist kein dunkles Kapitel, das wir hinter uns lassen wollen. Es ist die Grundlage, auf der alles steht. Tertullian, der Kirchenschriftsteller des zweiten Jahrhunderts, hat es so formuliert: „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Christen.“ Wo Zeugen sterben, wächst die Kirche.
Aber das Martyrium ist nicht nur ein historisches Phänomen. Es hat viele Gesichter. Das blutige Martyrium – das Zeugnis mit dem Leben – ist die äußerste Form. Aber es gibt auch das weiße Martyrium des Alltags. Es umfasst die tägliche Entscheidung, dem Glauben treu zu bleiben, auch wenn es kostet, auch wenn es missverstanden wird und auch wenn die Umgebung andere Wege nahelegt. Jeder Mensch, der in seiner Familie, in seinem Beruf und in seiner Gemeinschaft für Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe einsteht, trägt etwas von diesem Zeugnis in sich.
Liebe Schwestern und Brüder, die ersten Märtyrer Roms haben uns etwas hinterlassen, das keine Flamme zerstören konnte: die Überzeugung, dass Christus stärker ist als der Tod. Sie haben es nicht mit Worten gesagt. Sie haben es mit ihrem Leben bewiesen. Und diese Überzeugung trägt die Kirche bis heute.
Bitten wir heute um ihre Fürsprache – dass auch wir in unserem viel ruhigeren, viel sichereren Leben die Treue bewahren, die sie in der äußersten Not bewiesen haben. Und dass wir nie vergessen, auf welchem Fundament wir stehen.
Da wir der Bedrängnis dieser Welt ausgeliefert sind, wollen wir den Vater um seinen Schutz und Beistand bitten.
Kriege erschüttern die Erde. Den Frieden finden wir nur in Gott, wenn wir beten.
Selig sind die, die standhaft bleiben bis zum Ende und gerettet werden.