Jesus Christus,der Macht hatte über die Geister der Unterwelt,sei mit euch,
Jesus überquert den See Gennesaret und betritt das Land der Gadarener – ein heidnisches Gebiet, die andere Seite, das Fremde. Und das Erste, was ihm dort begegnet, sind zwei Menschen, die in den Gräbern hausen, von unreinen Geistern beherrscht, von der Gesellschaft ausgestoßen, gefährlich und geächtet. Matthäus beschreibt sie knapp und ohne Sentimentalität: Niemand konnte jenen Weg passieren. Sie waren das Grauen am Rand der bewohnten Welt.
Jesus, du hast Macht über alle Bosheit dieser Welt. Herr,erbarme dich unser.
Du bist das Gericht über die Sünde dieser Welt. Christus, erbarme dich unser.
Du bist allen nahe, die in ihrer Not zu dir rufen. Herr,erbarme dich unser.
Und Jesus geht auf sie zu.
Das ist der erste und vielleicht wichtigste Zug dieser Erzählung. Jesus weicht nicht aus. Er überquert nicht nur den See – er überschreitet auch die Grenzen dessen, was als rein und unrein, als sicher und gefährlich gilt. Die Dämonen erkennen ihn sofort und schreien: „Was willst du von uns, Sohn Gottes? Bist du hierher gekommen, um uns vor der Zeit zu quälen?“ In dieser Frage steckt eine tiefe theologische Wahrheit: Die bösen Mächte wissen, wer Jesus ist – oft, bevor es die Menschen begreifen. Sie wissen auch, dass ihre Zeit begrenzt ist. Das Kommen Jesu ist bereits ihr Gericht.
Die Dämonen bitten darum, in die Schweineherde hineinzufahren. Jesus erlaubt es. Die Herde stürzt sich in den See und ertrinkt. Diese Szene hat viele Ausleger beschäftigt, und man darf sich die Frage stellen: Warum erlaubt Jesus das? Die Antwort liegt nicht in einer rationalen Erklärung, sondern im Bild selbst. Das Böse zerstört, wohin es fährt. Es kann nicht anders. Die Schweine sind nicht das Ziel – sie sind das Zeichen: Wer von den unreinen Geistern beherrscht wird, wird in den Tod getrieben. Die Befreiung der beiden Menschen ist der eigentliche Inhalt des Wunders.
Und dann kommt die erschütternde Reaktion der Stadt. Die Hirten laufen weg, erzählen alles, die ganze Stadt kommt heraus – und bittet Jesus, ihr Gebiet zu verlassen. Nicht weil sie böse wären. Sondern weil das, was geschehen ist, zu groß ist. Zu unerwartet. Zu beunruhigend. Die Begegnung mit der Macht Gottes erschüttert die gewohnte Ordnung, und der erste Impuls des Menschen ist oft nicht Dankbarkeit, sondern Angst. „Geh weg“ – das ist eine der menschlichsten Reaktionen auf das Heilige.
Liebe Schwestern und Brüder, dieser Text stellt uns eine stille, aber ernste Frage: Wie reagieren wir, wenn Gott in unser Leben eingreift und dabei die gewohnte Ordnung durcheinanderbringt? Wenn seine Gegenwart nicht bequem oder beruhigend ist, sondern fordernd und verwandelnd? Die Gadarener hatten gerade etwas Außerordentliches erlebt – zwei Menschen waren befreit worden, die als verloren galten. Und dennoch baten sie Jesus, zu gehen. Die Schweine waren ihnen wichtiger als die geheilten Menschen. Oder genauer: Die Sicherheit des Bekannten war ihnen wichtiger als das Wagnis der Begegnung mit Gott.
Das ist keine Kritik an jenen Menschen von damals. Es ist ein Spiegel, den wir uns selbst vorhalten dürfen. Wie oft sagen auch wir – nicht mit Worten, sondern mit unserem Leben – „Herr, geh weg, du störst meine Ordnung, meine Pläne, meine Gewohnheiten“? Wie oft ist uns das Vertraute wichtiger als das Befreiende?
Die beiden geheilten Männer werden in dieser Erzählung am Ende nicht mehr erwähnt. Wir wissen nicht, was aus ihnen geworden ist. Aber wir wissen, was mit ihnen geschah: Sie wurden befreit. Jesus hat sie nicht gefragt, ob sie würdig sind, ob sie glauben oder ob sie die richtige Herkunft haben. Er ist einfach auf sie zugegangen. Das ist das Bild seiner Liebe – sie sucht den Menschen dort auf, wo er ist, auch in den Gräbern, auch am Rand, auch in dem, was die Gesellschaft für hoffnungslos hält.
Bitten wir heute um die Gnade, Jesus nicht wegzuschicken, wenn er kommt – auch dann nicht, wenn sein Kommen unbequem ist und unsere gewohnte Welt in Bewegung bringt. Denn nur wer ihn einlädt, zu bleiben, erfährt, was Befreiung wirklich bedeutet.
Wir bitten Gott niemals vergebens. So wagen wir voll Vertrauen, zum Vater zu beten.
Die Bosheit dieser Welt bedroht uns alle Tage. Nur im Frieden Gottes finden wir Hilfe, um die wir bitten.
Selig, die alle Bosheit überwunden haben und dem Herrn folgen in sein Reich