Jesus Christus,der kam zu dienen und sein Leben hinzugeben,sei mit euch.
Unser Zeitgenosse schrieb auf der Website: Letztes Wochenende waren wir im Ausland. Wir genossen das schöne Wetter, es war fantastisch. Wir schlenderten durch die Fußgängerzone der Stadt. Beim Bummeln fiel mir ein Kanaldeckel mit der Aufschrift auf: „Dieser Platz ist für Sie reserviert.“ Zu meiner Freude stellte ich fest, dass ein ganz anderer Platz für uns reserviert war – in dem Restaurant, in dem wir den Abend verbringen wollten. Doch der Kanaldeckel brachte mich zum Nachdenken: Sollte dieser Platz für mich reserviert sein? Der Ort, unter dem der Hausmüll abfließt? Ein Tor zur Unterwelt, wo geputzt werden muss? Nein, diesen Platz will ich nicht reserviert haben!
Du hast den Apostel dein Wort anvertraut.Herr,erbarme dich unser.
Du hast sie zu Zeugen deiner Auferstehung gemacht. Christus,erbarme dich unser.
Du hast sie zu Baumeistern deines Reiches berufen.Herr,erbarme dich unser.
Auf dem Rückweg las ich, dass Firmen solche Kanaldeckel als Werbefläche kaufen können. Kein Wunder, dass diese Werbefläche genutzt wird. Die Frage bleibt: Welcher Platz ist für mich reserviert? Oder gibt es überhaupt einen reservierten Platz? Muss ich ihn mir verdienen oder darum kämpfen? Genau das beschäftigte die Menschen um Jesus. Jesus hatte ja schon zum dritten Mal gesagt, dass er leiden und bald sterben würde. Als Jesus darüber sprach, äußerte die Mutter von Jakobus und Johannes ihren Wunsch, ihnen einen Ehrenplatz im Himmelreich zu sichern. Beide wollten einen festen Platz.
Auch die anderen Jünger dachten an das Himmelreich. Das erklärt auch ihren Zorn. Jeder von uns steht vor der gleichen Frage: „Wo ist mein Platz im Leben?“ Wir alle müssen diese Frage beantworten. Jesus kennt diese Frage und weiß, wie es ist, an den Rand gedrängt zu werden. Er selbst hatte keinen anderen Platz in dieser Welt, nur am Kreuz. Deshalb kehrte er zu seinem Platz zurück – zu Gott dem Vater. Auch seinen Jüngern macht er dies deutlich. Jesus weist in eine andere Richtung – nach unten. Er veranschaulicht dies – um das Bild eines Kanaldeckels zu verwenden – durch die Arbeiter, die in die Unterwelt hinabsteigen, um die Stadt von Abfall und Schmutz zu befreien. Deshalb sagt er auch an anderer Stelle: „Die Letzten werden die Ersten sein!“ Er möchte, dass wir alle die Ersten sind: die Ersten in Liebe und Dienst. Jesus fordert dies und möchte, dass wir die „himmlischen“ Gesetze hier und jetzt befolgen. Es sind die Gesetze des Reiches Gottes, das mit Jesus auf Erden seinen Anfang nahm.
Zwei Söhne des Zebedäus, Jakobus und Johannes, zogen die falsche Karte. Sie wollten einflussreich sein. Sie wollten sich Ehrenplätze im Reich Gottes sichern. Und warum auch nicht? Schließlich waren sie Jesus all die Zeit gefolgt, also konnte er ihnen gewiss einen guten Platz im Reich Gottes geben. Dies war in der Kirche jahrhundertelang üblich und ist es auch heute noch in allen Institutionen. Nur Jesus durchkreuzte hier diese Pläne. Jesus stellt eine klare Frage. Eine entscheidende Frage, auch heute noch: „Wollt ihr aus dem Kelch trinken, aus dem ich trinke?“ Aus seinem „Kelch“ zu trinken bedeutet, sein Leben anzunehmen, es vor Augen zu haben, es furchtlos anzusehen und es manchmal sogar mit Mühe zu ertragen.
Jacques Gaillot, Bischof von Évreux, beschrieb es so: Als Christen sind wir nicht berufen, das Überleben der Kirche zu sichern, sondern das Wohl und das Heil der Menschheit. Wir sind nicht Mitglieder der Kirche, um die Funktionsweise ihrer Strukturen und Institutionen zu verbessern, sondern um am Werk Jesu Christi mitzuwirken, das darin besteht, dass die Menschen Leben haben – und zwar in Fülle. Der Apostel Jakobus kam mit dieser Mission nach Spanien, um neues Leben, Leben in Fülle in Christus, zu verkünden. Das Zeugnis des heiligen Jakobus wuchs in Spanien, und mit dem Zustrom von Pilgern nach Santiago de Compostela entstand ein Netz von Straßen und Wegen. Santiago de Compostela wurde zu einem Wallfahrtsort, wo auch heute noch Hunderttausende Menschen zu Fuß zu seinem Grab pilgern. Im Namen des heiligen Apostels Jakobus bitten wir darum, dass alle Pilger durch Christus ihr Ziel erreichen: das Leben in Fülle im Reich Gottes.