Archiv für den Monat: August 2026
Du hast über alle Bosheit gesiegt. Herr,erbarme dich unser.
Maria Aufnahme in den Himmel Lk 1,39-56
Gott,der Mächtige,der Großes an Maria getan hat, sei mit euch.
Heute begegnen wir einem Geheimnis, das uns übersteigt. Die Jungfrau Maria wurde ganz in den Himmel aufgenommen. Dies ist nicht nur ihr persönlicher Triumph, sondern die Geschichte einer Frau, die himmlische Herrlichkeit erlangte. Es ist ein Zeichen für dich. Es zeigt, dass Gottes Liebe stärker ist als der Tod, dass die Gnade alle Grenzen unserer Welt überwindet und dass das letzte Wort in deinem Leben nicht das Grab, sondern das Leben sein wird.
Du hast Maria zum Gleichbild deiner Kirche gemacht. Herr,erbarme dich unser.
Du hast deine Mutter mit aller Gnade erfüllt. Christus,erbarme dich unser.
Du hast in Maria alle Verheißungen verwirklicht. Herr,erbarme dich unser.
Predigt.
Stell sie dir unter dem Kreuz vor. Du siehst eine Mutter, die unsägliche Schmerzen erleidet, aber zugleich die erste Jüngerin, die Gottes Willen mit absolutem Vertrauen annahm, obwohl sie ihn nicht verstand. Es war kein Weg ohne Leiden, sondern ein Weg des unnachgiebigen „Fiat“ – mir geschehe nach deinem Wort. Dieses „Fiat“ kostete sie Tränen, Schweigen und den Mut, standhaft zu bleiben, als andere fielen. Und heute siehst du sie im Himmel – nicht als ferne Königin auf einem Thron, sondern als lebendige Mutter, die dich beim Namen kennt und für dich Fürsprache einlegt. Ihre Aufnahme in den Himmel ist ein Vorbild für deine Hoffnung. Es erinnert dich daran, dass auch du berufen bist, den Weg des Kreuzes und der Auferstehung zu gehen.
Was bedeutet das für dich? Dass dein Leben, mit all seinen Schwierigkeiten und seiner Schönheit, Teil derselben Reise ist. Jedes „Ja“ , das du zu Gott sagst , jede Annahme von Schmerz, jeder Schritt des Glaubens sind Steine, auf denen du dem ewigen Leben entgegengehst.
Doch sei gewarnt: Marias Weg zum Himmel war kein Weg der Passivität . Sie saß nicht da und wartete darauf, dass Gott sie zu sich nahm. Sie lebte nicht mit gefalteten Händen und dem Satz: „Gott wird schon für uns sorgen.“ Ihr Leben war eine ständige Bewegung: Sie eilte zu Elisabeth, als sie sie brauchte; sie hielt unter dem Kreuz stand, als andere flohen; sie betete mit den Aposteln, als niemand wusste, was als Nächstes geschehen würde. Es gab darin keinen Hauch von Bequemlichkeit , wie wir sie heute so oft wählen.
Und hier ist deine Herausforderung: Der Himmel beginnt nicht erst nach dem Tod. Der Himmel beginnt heute. Der Himmel beginnt heute mit jedem deiner kleinen Jas, mit jedem Schritt des Glaubens und mit jeder Tat der Liebe. Du fliegst nicht in den Himmel – du gehst in den Himmel. Und dieser Weg besteht aus Tausenden kleiner Entscheidungen, durch die du lernst, mehr zu lieben als gestern. Maria, deine Mutter, lehrt dich, dass Glaube nicht bedeutet, passiv auf eine himmlische Belohnung zu warten, sondern mutig mit Gott hier und jetzt zu gehen.
Und wenn du müde wirst, schau zu ihr – sie weiß bereits, wie es ist, nach Hause zu kommen. Und eines Tages, wenn deine Zeit gekommen ist, wird sie dir entgegenkommen, um dich zu ihrem Sohn zu führen.
Jungfrau Maria, aufgenommen in den Himmel, bitte für uns.
In Maria hat Gott alle Verheißungen erfüllt. So dürfen wir voll Vertrauen zum Vater beten. Um diesen Frieden beten wir.
Selig, die Gott glauben und empfangen, was Gott verheißen hat
Maria, die gesegnet war unter allen Frauen,lebte im Frieden mit Gott.
20.Sonntag im Jahreskreis A Mt 15, 21-28
Jesus Christus, der allen Menschen zu helfen bereit war, die zu ihm kamen,sei mit euch.
Im Evangelium gibt es Menschen, die Jesus nur einmal begegnen und danach wieder aus der biblischen Erzählung verschwinden. Wir kennen nicht einmal ihren Namen. Und trotzdem hinterlassen sie einen tiefen Eindruck.
Zu diesen Menschen gehört die kanaanäische Frau aus dem heutigen Evangelium.
Wir wissen nur wenig über sie. Sie ist eine Fremde; sie gehört nicht zum Volk Israel. Aber wir wissen etwas sehr Wichtiges: Sie ist eine Mutter, die um ihr Kind kämpft. Ihre Tochter leidet schwer. Und weil sie ihrem Kind selbst nicht helfen kann, sucht sie Jesus auf.
Jesus, du bist zu den Kindern des Hauses Israel gesandt. Herr, erbarme dich unser.
Du hast keinen zurückgewiesen, der zu dir kam. Christus, erbarme dich unser.
Du hast deine Apostel zu allen Völkern ausgesandt. Herr,erbarme dich unser.
Sie ruft:
„Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.“
Und dann geschieht etwas, das uns überraschen kann:
Jesus antwortet ihr kein Wort.
1. Wenn Gott schweigt
Vielleicht ist gerade dieser Satz für viele Menschen der schwierigste in heutiger Evangelium.
Die Frau bittet. Sie leidet. Sie glaubt. Und Jesus schweigt.
Warum?
Wir können nicht jedes Detail dieser Begegnung erklären. Aber wir können darin eine Erfahrung wiedererkennen, die viele gläubige Menschen kennen: Wir beten – und Gott scheint zu schweigen.
Vielleicht haben wir selbst schon darum gebetet:
„Herr, mach diesen Menschen gesund.“
„Herr, hilf meinem Kind.“
„Herr, bring Frieden in unsere Familie.“
„Herr, hilf mir in dieser schwierigen Situation.“
„Herr, zeige mir, was ich tun soll.“
Und wir haben gebetet – vielleicht nicht nur einen Tag, sondern auch Wochen, Monate oder sogar Jahre.
Aber scheinbar kam keine Antwort.
Dann entsteht in uns die Frage: Warum schweigt Gott? Hört er mich überhaupt? Hat mein Gebet einen Sinn?
Das heutige Evangelium gibt uns keine einfache Erklärung für jedes Schweigen Gottes. Aber es zeigt uns, wie wir damit umgehen können.
Die Frau geht nicht weg.
Das ist entscheidend.
Sie hätte sagen können: „Wenn Jesus mich nicht hören will, dann gehe ich eben.“
Aber sie bleibt.
Ihr Glaube hängt nicht davon ab, ob Jesus sofort das tut, was sie möchte.
Das ist bereits ein großer Glaube.
2. „Herr, hilf mir!“
Auch die Jünger werden ungeduldig. Sie möchten diese Frau loswerden. Aber sie kann nicht entmutigt werden.
Sie kommt näher, fällt vor Jesus nieder und sagt:
„Herr, hilf mir!“
Drei kurze Worte.
Und vielleicht gehören sie zu den erhabendsten Gebeten der ganzen Heiligen Schrift.
Herr, hilf mir!
Es gibt Situationen, in denen wir keine langen Gebete brauchen. Es gibt Situationen, in denen wir auch keine langen Gebete mehr sprechen können.
Ein Mensch sitzt am Krankenbett eines geliebten Menschen und weiß nicht, wie es weitergehen soll:
Herr, hilf mir!
Eltern machen sich Sorgen um ihr Kind:
Herr, hilf ihm! Herr, hilf ihr!
Ein Mensch erhält eine schlechte Nachricht:
Herr, hilf mir!
Jemand fühlt sich einsam und verlassen:
Herr, hilf mir!
Ein Mensch weiß nicht, welche Entscheidung richtig ist:
Herr, hilf mir!
Ein solches Gebet braucht keine schönen Formulierungen. Es kommt direkt aus dem Herzen.
Und Gott schaut nicht zuerst darauf, wie schön wir beten. Er schaut darauf, ob unser Herz zu ihm spricht.
3. Der Glaube wird geprüft
Doch auch nach diesem Gebet wird es für die Frau nicht sofort leichter.
Jesus sagt:
„Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.“
Für unsere Ohren klingt dieser Satz hart. Er steht im Zusammenhang mit der besonderen Sendung Jesu zu Israel. Aber die Frau lässt sich auch jetzt nicht abweisen.
Sie antwortet:
„Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“
Was für eine Antwort!
Sie beginnt nicht zu streiten. Sie wird nicht beleidigt. Sie geht nicht weg.
Sie sagt im Grunde:
Herr, ich vertraue so sehr auf deine Güte, dass mir sogar ein Krümel deiner Gnade genügt.
Sie verlangt nichts aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Verdienste.
Sie vertraut allein auf die Barmherzigkeit Jesu.
Und genau hier sagt Jesus:
„Frau, dein Glaube ist groß.“
4. Was ist ein großer Glaube?
Wir denken manchmal, ein Mensch mit großem Glauben habe niemals Zweifel.
Aber das stimmt nicht.
Großer Glaube bedeutet nicht, immer alles zu verstehen.
Großer Glaube bedeutet nicht, niemals Angst zu haben.
Großer Glaube bedeutet auch nicht, dass Gott jeden Wunsch sofort erfüllt.
Der große Glaube dieser Frau besteht darin, dass sie Jesus nicht loslässt.
Auch wenn Jesus schweigt – bleibt sie.
Auch wenn die Jünger sie wegschicken möchten – bleibt sie.
Auch wenn sie eine schwierige Antwort bekommt – bleibt sie.
Sie hält sich an Jesus fest.
Vielleicht könnten wir sagen:
Glaube bedeutet nicht, dass wir immer Gottes Wege verstehen. Glaube bedeutet, dass wir Gott vertrauen, auch wenn wir seine Wege nicht verstehen.
Das ist leicht gesagt und manchmal sehr schwer zu leben.
Solange alles gut läuft, ist es relativ leicht zu glauben.
Wenn wir gesund sind, wenn die Familie zusammenhält, wenn unsere Pläne gelingen und unsere Gebete erhört werden, können wir leicht sagen:
„Gott ist gut.“
Aber was geschieht, wenn das Leben anders kommt?
Wenn Krankheit kommt?
Wenn ein Mensch stirbt?
Wenn eine Ehe zerbricht?
Was, wenn ein Kind einen Weg geht, der uns große Sorgen bereitet?
Was, wenn wir jahrelang beten und keine Veränderung sehen?
Gerade dann beginnt jener Glaube, den uns die kanaanäische Frau zeigt:
Herr, ich verstehe dich nicht – aber ich gehe nicht weg.
5. Eine Mutter bittet für ihr Kind
Es gibt noch etwas sehr Bewegendes im heutigen Evangelium.
Diese Frau bittet nicht um etwas für sich selbst.
Sie bittet für ihre Tochter.
Ihre Liebe führt sie zu Jesus.
Vielleicht können sich gerade Eltern und Großeltern darin wiederfinden.
Wie viele Eltern machen sich Sorgen um ihre Kinder!
Und wie viele Großeltern beten um ihre Enkelkinder!
Manche sagen vielleicht:
„Mein Sohn glaubt nicht mehr.“
„Meine Tochter geht nicht mehr zur Kirche.“
„Meine Enkelkinder wurden zwar getauft, aber Gott spielt in ihrem Leben kaum eine Rolle.“
„Ich habe versucht, mit ihnen darüber zu sprechen, aber sie wollen davon nichts hören.“
Was können wir tun?
Wir können einen erwachsenen Menschen nicht zwingen zu glauben.
Wir können niemanden mit Gewalt zu Gott bringen.
Aber eines können wir immer:
Wir können diesen Menschen im Gebet vor Jesus bringen.
Genau das tut die Frau im Evangelium.
Ihre Tochter ist nicht einmal bei Jesus. Die Mutter kommt stellvertretend für sie.
Das ist für dich.
Und vielleicht ist Fürbitte eine der schönsten Formen der Liebe.
Wenn ich für einen anderen Menschen bete, sage ich zu Gott:
Herr, dieser Mensch ist für mich bedeutsam. Ich kann nicht alles für ihn tun. Ich kann sein Leben nicht kontrollieren. Aber ich vertraue dir an.
Vielleicht beten manche von uns schon seit vielen Jahren für einen bestimmten Menschen.
Dann sagt uns das heutige Evangelium:
Gib nicht auf.
Wir wissen nicht, wann und auf welche Weise Gott wirkt.
Manchmal verändert Gott die Situation.
Manchmal verändert er den Menschen, für den wir beten.
Und manchmal verändert Gott uns selbst, während wir beten.
Aber kein Gebet, das aus echter Liebe gesprochen wird, ist sinnlos.
6. Die Grenzen der Menschen und die Weite Gottes
Die Frau ist eine Kanaanäerin, eine Fremde.
Für die Menschen ihrer Zeit gab es klare Grenzen: Dieses Volk und jenes Volk, die eigenen Leute und die Fremden.
Doch am Ende hören wir aus dem Mund Jesu nicht:
„Du bist eine Fremde.“
Sondern:
„Dein Glaube ist groß.“
Das ist bemerkenswert.
Gott sieht tiefer als wir Menschen.
Wir Menschen sehen Herkunft, Sprache, Nationalität, gesellschaftliche Stellung und Vergangenheit.
Gott sieht das Herz.
Wir teilen Menschen manchmal rasant ein:
Dieser gehört zu uns.
Jener gehört nicht zu uns.
Dieser ist gläubig.
Jener ist ungläubig.
Dieser ist gut.
Jener ist schlecht.
Aber wir wissen nicht, was im Herzen eines Menschen geschieht.
Vielleicht finden wir manchmal großen Glauben dort, wo wir ihn überhaupt nicht erwarten.
Und vielleicht möchte uns Jesus gerade durch solche Menschen etwas lehren.
7. Nicht nur glauben, wenn Gott gibt
Liebe Schwestern und Brüder,
am Ende können wir uns selbst eine Frage stellen:
Warum glaube ich eigentlich an Gott?
Glaube ich nur, solange Gott meine Wünsche erfüllt?
Bete ich nur, solange ich eine schnelle Antwort bekomme?
Oder kann ich bei Gott bleiben, auch wenn ich ihn nicht verstehe?
Die kanaanäische Frau zeigt uns einen Glauben, der nicht sagt:
Gott muss tun, was ich will.
Ihr Glaube sagt:
Ich vertraue darauf, dass bei Jesus Barmherzigkeit zu finden ist. Deshalb gehe ich nicht weg.
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft des heutigen Evangeliums.
Es kann in unserem Leben Momente geben, in denen wir nicht verstehen, warum Gott etwas zulässt.
Vielleicht finden wir keine Antwort auf die Frage „Warum?“.
Dann dürfen wir wenigstens wissen, wohin wir gehen können.
Zu Christus.
Und wenn uns alle anderen Gebete zu schwer werden, bleiben uns die drei Worte der kanaanäischen Frau:
„Herr, hilf mir!“
Herr, hilf mir, wenn mein Glaube schwach wird.
Herr, hilf mir, wenn ich deine Wege nicht verstehe.
Herr, hilf mir, wenn ich Angst vor einem Menschen habe.
Herr, hilf mir, wenn ich schon lange bete und keine Antwort erhalte.
Herr, hilf mir, nicht aufzugeben.
Herr, hilf mir, dir zu vertrauen.
Die Frau aus dem heutigen Evangelium hat Jesus nicht losgelassen.
Sie kam.
Sie bat.
Sie blieb.
Sie vertraute.
Und schließlich hörte sie die wunderbaren Worte:
„Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst.“
Bitten wir heute den Herrn um einen solchen Glauben.
Nicht um einen Glauben, der auf jede Frage eine Antwort hat.
Sondern um einen Glauben, der auch in dunklen Stunden sagen kann:
Herr, ich verstehe nicht alles.
Aber ich vertraue dir.
Ich gehe nicht weg.
Ich bleibe bei dir.
Jesus Christus, Gottes Sohn,war allen zu helfen bereit. Im Vertrauen auf ihn wagn wir zum Vater zu beten.
Damit unser Glaube wachse und wir nicht zu den Verlorenen gehören, bitten wir den Herrn um seinen Frieden.
Selig, deren Glaube groß ist und die Gott heilt von aller makel und Schuld der Sünde.
Hl. Pontinus und hl. Hippolit
—
Jesus Christus, den die Welt gehasst und verfolgt hat,sei mit euch.
Die Kirche gedenkt heute zweier Männer, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten – und die dennoch gemeinsam in den Tod gegangen sind. Pontianus und Hippolyt: ein Papst und sein ehemaliger Gegner. Ihre Geschichte ist nicht nur die Geschichte des Martyrius. Sie ist eine Geschichte der Versöhnung, die teurer war als alles, was Worte ausdrücken können.
Jesus,du hast dein Reich Menschenhänden anvertraut. Herr,erbarme dich unser.
Du leitest und führst deine Kirche. Christus, erbarme dich unser.
Du rettest deine Kirche aus aller Not. Herr,erbarme dich unser.
Pontianus wurde um das Jahr 230 Bischof von Rom, also Papst. Er führte die Kirche in einer Zeit, die von innen wie von außen bedroht war – von theologischen Streitigkeiten und von der wachsenden Feindseligkeit des römischen Staates gegenüber den Christen. Hippolyt war ein anderer: ein gelehrter Theologe, der bedeutendste Kirchenschriftsteller seiner Zeit in Rom, der die Schriften der Apostel und der frühen Kirchenväter kannte wie kaum ein anderer. Aber Hippolyt war auch ein Mann mit scharfen Kanten. Er war überzeugt, dass die Kirche in der Frage der Buße zu nachsichtig sei und Sündern zu leicht die Rückkehr ermögliche. Und aus dieser Überzeugung heraus hatte er sich von der offiziellen Kirche getrennt und eine eigene Gemeinschaft geführt – er gilt als erster Gegenpapst der Kirchengeschichte.
Zwei Männer also, die in Spannung, vielleicht sogar in Feindschaft zueinander standen. Und dann kam Kaiser Maximinus Thrax an die Macht, der die Christenverfolgung neu entfachte. Im Jahr 235 wurden beide verhaftet – Pontianus und Hippolyt, der Papst und sein Gegner – und zur Zwangsarbeit in die Bergwerke Sardiniens deportiert. Sardinien war damals als Ort bekannt, von dem man nicht zurückkehrte. Die Bedingungen in den Minen waren mörderisch: Hitze, Hunger, schwere körperliche Arbeit, keine medizinische Versorgung.
Was in den Bergwerken Sardiniens zwischen diesen beiden Männern geschah, wissen wir nicht im Detail. Aber wir wissen, was daraus wurde. Hippolyt versöhnte sich mit der Kirche. Er rief seine Anhänger auf, zur Gemeinschaft mit Rom zurückzukehren. Pontianus legte zuvor das Papstamt nieder – als erster Papst der Geschichte, der freiwillig abdankte –, damit die Kirche in Rom einen neuen Bischof wählen konnte und nicht führerlos blieb. Beide starben kurz darauf an den Folgen der Haft.
Die Kirche hat beide gemeinsam heiliggesprochen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist eine Aussage. Sie sagt: Was diese beiden Männer am Ende ihres Lebens verbindet, ist größer als das, was sie getrennt hat. Die Versöhnung im Angesicht des Todes ist ihr gemeinsames Zeugnis. Und dieses Zeugnis ist vielleicht wertvoller als alle theologischen Schriften, die Hippolyt hinterlassen hat.
Was sagt uns das heute?
Zunächst dies: Streit in der Kirche ist nicht neu. Hippolyt war kein böser Mensch. Er war ein frommer, gelehrter und ernsthafter Mensch, der für die Reinheit des Glaubens kämpfte. Aber er irrte sich in der Art, wie er diesen Kampf führte. Er setzte sein eigenes Urteil über die Gemeinschaft. Er vergaß, dass die Kirche nicht die Gemeinschaft der Vollkommenen ist, sondern die Gemeinschaft der Vergebenen. Papst Pontianus, sein Gegner, hatte gesagt: Auch schwere Sünder können zur Buße und zur Vergebung kommen. Das war für Hippolyt unerträglich. Und doch – am Ende seines Lebens, in den Bergwerken Sardiniens, hat er verstanden, was er nicht verstehen wollte: dass Barmherzigkeit kein Zeichen von Schwäche ist, sondern das Herz des Evangeliums.
Und Pontianus? Er zeigt uns etwas anderes. Er zeigt uns, dass Führung manchmal bedeutet, loszulassen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Liebe zur Kirche. Er gab sein Amt auf, damit die Kirche weiterleben konnte. Das ist eine Form von Dienst, die keine Bühne braucht und keinen Applaus bekommt.
Pontianus und Hippolyt sind uns heute nahe, weil wir ihre Geschichte kennen. Die Geschichte zweier Menschen, die sich gestritten haben – und am Ende zusammen gestorben sind. Zusammen bezeugt haben, dass Christus größer ist als jede Meinungsverschiedenheit und als jede Wunde, die wir einander zugefügt haben.
Vielleicht gibt es in unserem Leben einen Hippolyt – jemanden, mit dem wir in Spannung stehen, von dem wir uns innerlich getrennt haben, weil wir überzeugt waren, im Recht zu sein. Und vielleicht lädt uns dieser Tag ein zu fragen: Ist die Überzeugung, im Recht zu sein, wirklich wichtiger als die Gemeinschaft? Ist mein Urteil wirklich das letzte Wort?
Die heiligen Pontianus und Hippolyt haben diese Frage mit ihrem Leben beantwortet. Bitten wir heute um ihre Fürsprache – dass auch wir den Mut finden zur Versöhnung, bevor es zu spät ist. Und dass wir nie vergessen: Die Kirche ist nicht unsere Kirche. Sie ist die Kirche Christi. Und er überragt alle unsere Streitigkeiten.
Gott hat uns aus der Welt erwählt. Im Vertrauen auf den Auftrag Jesu Christi wagen wir zum Vater zu beten.
Wir sind nicht Eigentum der Welt. Wir gehören Gott. Deshalb dürfen wir ihn um seinen Frieden bitten.
Selig sind die, die am Wort des Herrn festhalten und Christus im Reich des Vaters angehören.
Hl.Johanna Franziska von Chantal Mt 18,15-20
—
Jesus Christus, der mitten unter uns ist, wenn zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind,sei mit euch.
Es gibt Menschen, deren Heiligkeit nicht trotz ihrer Wunden entsteht, sondern durch sie. Die heilige Johanna Franziska von Chantal ist eine solche Gestalt. Ihr Leben liest sich nicht wie eine fromme Legende aus fernen Zeiten. Es liest sich wie das Leben einer Frau, die wirklich gelebt hat – mit Freude und Schmerz, mit Liebe und Verlust, mit tiefer Treue und tiefen Erschütterungen.
Jesus,du bist gekommen,um Mensch zu sein unter den Menschen. Herr,erbarme dich unser.
Du hast uns untereinander zu Brüdern und Schwestern gemacht.Christus,erbarme dich unser.
Du hast uns gelehrt ,zum Vater im Himmel zu beten. Herr,erbarme dich unser.
Johanna Franziska Frémyot wurde 1572 in Dijon in Frankreich in eine adelige Familie hineingeboren. Sie heiratete jung den Baron Christoph von Chantal, und die Ehe war, soweit wir wissen, eine wirklich glückliche. Sie hatten sechs Kinder, lebten auf ihrem Gut, und Johanna führte den Haushalt mit Umsicht und Güte. Sie war nicht nur Herrin des Hauses, sondern auch Mutter der Armen auf ihrem Gut – sie sorgte für die Kranken, die Bedürftigen, die Menschen am Rand.
Dann kam im Jahr 1601 der Einbruch. Ihr Mann wurde bei einem Jagdunfall tödlich getroffen – von einem Freund, der ihn versehentlich erschoss. Johanna war achtundzwanzig Jahre alt. Sie hatte vier überlebende Kinder. Und sie stand vor einer Wahl, die das Innerste eines Menschen prüft: Bitterkeit oder Vergebung. Sie vergab dem Mann, der ihren Mann getötet hatte. Nicht als leere Geste. Als innere Entscheidung, die sie Kraft kostete und die sie vor Gott traf.
Diese Fähigkeit zur Vergebung war kein Zeichen von Schwäche. Sie war das Fundament, auf dem das Weitere wachsen konnte. Denn Johanna trug von diesem Moment an eine tiefe Sehnsucht in sich – eine Sehnsucht nach Gott, die sie nicht mehr losließ.
Ein paar Jahre nach dem Tod ihres Mannes begegnete sie dem heiligen Franz von Sales, dem Bischof von Genf. Diese Begegnung veränderte ihr Leben. Franz von Sales war ein Mann von außergewöhnlicher Sanftheit und Tiefe – ein Seelsorger, der wusste, dass Heiligkeit nicht nur für Klöster und Klausuren bestimmt ist, sondern für jeden Menschen in seinem Alltag. Zwischen ihm und Johanna entstand eine der bedeutendsten geistlichen Freundschaften der Kirchengeschichte – eine Freundschaft, die auf Briefen, Gesprächen, gegenseitigem Vertrauen und einem gemeinsamen Traum beruht.
Dieser Traum war die Gründung einer neuen Ordensgemeinschaft. Im Jahr 1610 gründeten Franz von Sales und Johanna Franziska in Annecy die Heimsuchungsschwestern – die Visitantinnen. Der Name kommt von der Heimsuchung Marias bei Elisabeth: eine Frau, die aufbricht, um einer anderen beizustehen. Das war das Charisma dieser Gemeinschaft. Nicht strenge Askese, nicht Abschottung von der Welt, sondern Sanftmut, Demut und liebende Zuwendung. Franz von Sales wollte eine Gemeinschaft für Frauen, die körperlich nicht in der Lage waren, die harten Anforderungen anderer Orden zu erfüllen – Witwen, Kranke, Ältere. Eine Gemeinschaft, in der die Liebe die Regel ist.
Johanna führte diese Gemeinschaft mit großer Kraft. Sie gründete in ihrem Leben über achtzig Klöster. Sie reiste, organisierte, schrieb, leitete – und betete. Immer betete sie. Und sie tat das alles nicht aus Stärke, die sie nie verlassen hätte. Sie tat es trotz tiefer innerer Dunkelheit, trotz Zeiten, in denen Gott ihr fern schien, in denen das Gebet trocken war und der Glaube sich anfühlte wie ein leeres Wort. Sie hat diese Dunkelheiten nicht versteckt. Sie hat sie getragen – und ist trotzdem weitergegangen.
Besonders bewegend sind der Tod ihres Sohnes im Krieg und der frühe Verlust ihrer Tochter. Johanna kannte das Leid nicht nur aus Büchern. Sie kannte es aus dem Innersten ihres Lebens. Und dennoch schrieb sie in einem Brief: „Gott ist gut. Ich glaube das. Auch wenn ich es nicht fühle.“
Dieser Satz ist vielleicht das Tiefste, was sie uns hinterlassen hat. Glaube ist Treue. Die Treue, die sagt: Ich gehe weiter, auch wenn der Weg dunkel ist. Ich halte fest, auch wenn ich nicht sehe. Ich liebe, auch wenn es mich kostet.
Johanna Franziska von Chantal starb 1641, erschöpft und zugleich erfüllt. Papst Pius XII. sprach sie 1767 heilig.
Liebe Schwestern und Brüder, diese Frau ist uns heute nicht deshalb nahe, weil ihr Leben leicht war. Sie ist uns nahe, weil es schwer war – und weil sie trotzdem nicht aufgehört hat zu glauben, zu lieben und zu dienen. Sie zeigt uns, dass Heiligkeit kein Zustand der Vollkommenheit ist, den man irgendwann erreicht. Sie ist ein Weg, den man täglich neu beginnt.
Bitten wir heute um ihre Fürsprache – dass auch wir lernen, in den dunklen Stunden unseres Lebens nicht zu fliehen, sondern zu bleiben. Zu bleiben bei Gott, bei den Menschen, bei der Liebe, die trägt, auch wenn sie kostet.
Gott,der Herr, hat Mitleid mit uns Sündern. So wagen wir voll Vertrauen,zum Vater zu beten.
In Christus hat Gott die Welt mit sich versöhnt. Um den Frieden Jesu Christi bitten wir.
Selig, die auf Erden von aller Schuld gelöst sind und frei sind für das Reich des Vaters,
Dienstag der 19.Woche Mt 19,27-29
Jesus Christus,der sich freut über jeden , der umkehrt zum Vater,sei mit euch,
Petrus traut sich, das zu fragen, was die anderen nur denken. Und was wir uns vielleicht nicht trauen zu fragen.
Kurz zuvor war der reiche junge Mann da. Fromm, anständig, erfolgreich. Er wollte wissen: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen? Und Jesus sagt ihm: „Verkaufe alles, gib es den Armen und folge mir nach.“ Da geht der junge Mann traurig weg. Er kann nicht loslassen.
Und die Jünger schauen zu. Sie haben es ja getan. Fischerboote am See zurückgelassen, Zolltisch stehen lassen, Familie, Sicherheit. Und jetzt kommt diese ehrliche, fast kindliche Frage von Petrus: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür zuteil?“
Jesus, du kamst zu uns in der Vollmacht des Vaters. Herr,erbarme dich unser.
Du hast Macht über alles Tun der Menschen. Christus,erbarme dich unser.
In deinem Wort ist das Gericht über alles Leben. Herr,erbarme dich unser.
Ist das die Berechnung? Lohnt sich das? Ist Petrus ein Geschäftsmann des Glaubens?
Ich glaube, es ist viel menschlicher. Es ist die Frage: Sieht Gott das eigentlich? Zählt das, was wir aufgeben? Hat unser kleines, oft so unvollkommenes Nachfolgen überhaupt eine Zukunft?
Jesus schimpft nicht. Er antwortet. Und seine Antwort ist größer, als Petrus je gedacht hätte.
Drei Zusagen stecken darin:
1. Nachfolge hat einen Preis. Jesus nimmt das ernst.
Jesus sagt nicht: „Ach, war doch nicht so schlimm.“ Er sagt: Ja, ihr habt Häuser, Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder und Äcker verlassen. Er zählt es auf. Er weiß: Nachfolge kostet etwas.
Vielleicht mussten auch wir schon etwas verlassen um Jesu willen. Nicht immer dramatisch. Manchmal ist es die Bequemlichkeit am Sonntagmorgen. Manchmal die Angst, als altmodisch zu gelten, wenn man sagt: „Ich bete, ich gehe in die Kirche, ich glaube.“ Manchmal ist es ein Haus, eine Karriere, die wir anders gestalten, weil wir ehrlich bleiben wollen. Manchmal sind es Menschen, die unseren Weg nicht mehr mitgehen.
Gott rechnet das nicht klein. Er sieht es.
2. Wer um Jesu willen loslässt, bekommt hundertfach wieder – und zwar schon jetzt.
Das ist das Überraschende. Jesus vertraut nicht nur auf den Himmel. Er sagt: Wer verlässt, der empfängt es hundertfältig.
Wie geht das? Wer sein kleines Haus, seine kleine Blase, seine Blutsfamilie verlässt um Jesu willen, der bekommt eine neue, viel größere Familie. Das haben die ersten Christen erlebt. Sie hatten kein eigenes Dach mehr über dem Kopf, aber in jedem Dorf stand eine Tür offen. „Komm herein, Bruder! Komm herein, Schwester!“
Wer nachfolgt, verliert sein enges Leben und gewinnt ein weites Leben. Er bekommt hundert Brüder und Schwestern – in der Gemeinde. Hundert Häuser, in denen er willkommen ist. Hundert Tische, an denen er mitessen darf. Das Reich Gottes ist keine Verlustrechnung. Es ist ein Tausch von eng gegen weit, von wenig gegen Fülle.
Fragen wir uns ehrlich: Haben wir das noch? Erleben Menschen, die zu uns kommen und alles zurücklassen mussten, bei uns eine hundertfache Heimat? Oder sind wir eine verschlossene Gesellschaft?
3. Und am Ende: Das ewige Leben.
Jesus endet nicht beim Hundertfachen. Er sagt: „…und wird das ewige Leben ererben.“
Das ist die letzte Klammer. Alle Häuser verfallen irgendwann. Alle Äcker verdorren. Alle Familienbande zerreißen am Ende durch den Tod. Aber wer an Jesus hängt, hat eine Zukunft, die über den Tod hinausgeht.
Petrus fragte: Was wird uns dafür zuteil? Und Jesus antwortet: „Ihr werdet mit mir auf dem Thron sitzen.“ Ihr werdet nicht Verlierer sein, sondern Mitregenten. Eure kleine Geschichte wird Teil seiner großen Erzählung der Wiedergeburt der Welt.
Darum ist die Predigt heute keine Moralpredigt: „Verlasst mehr!“ Sondern eine Ermutigung: Gott vergisst keinen Schritt, den du für ihn gegangen bist. Keine Träne, kein Verzicht, kein einsames „Ich folge trotzdem“.
Der reiche Jüngling ging traurig weg, weil er viel hatte und es festhielt. Petrus und die anderen gingen freudig weiter, weil sie wenig hatten und es losließen – und dafür alles gewannen.
Was hältst du heute noch fest, das dich traurig macht? Und wo könntest du heute loslassen, um hundertfach zu empfangen?
Da wir Gott und seinen Sohn Jesus Christus nicht zu fürchten brauchen, wagen wir, zum Vater zu beten.
In der Not unseres Lebens finden wir den Frieden beim Herrn, der uns nahe ist.
Selig, die haben Vertrauen und aus aller Not Rettung finden.
Gebet:
Herr Jesus Christus,
du hast alles verlassen um unseretwillen.
Du hast den Thron der Herrlichkeit für das Kreuz verlassen.
Lehre uns, dir nachzufolgen – nicht aus Berechnung,
sondern aus Liebe.
Schenke uns Mut loszulassen
und Glauben, deine Fülle zu empfangen,
hier und in Ewigkeit. Amen.
Montag der 19.Woche im Jahreskreis Joh 12,24-26
Jesus , der sich den Händen der Menschen ausgeliefert hat,sei mit euch.
Jesus spricht heute ein Bild aus, das jeder versteht, der je einen Garten oder ein Feld bestellt hat. Ein Weizenkorn. Klein, trocken, und Jesus sagt: Wenn es nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Früchte. Das ist ein Gesetz. Ein Gesetz, das tief in die Schöpfung eingeschrieben ist und das Jesus auf sein eigenes Leben anwendet. Er steht kurz vor seinem Leiden. Die Stunde, von der er so oft gesprochen hat, ist nun gekommen. Und statt theologische Erklärungen zu geben, zeigt er uns ein Korn.
Jesus,du kamst zum Tod und zur Auferstehung für uns .Herr,erbarme dich unser.
Du hast dich den Ordnungen dieser Welt gefügt. Christus,erbarme dich unser.
Du kamst als der Herrscher des neuen Gottesreiches
Du kamst als Herrscher des neuen Gottesreiches. Herr,erbarme dich unser.
Was bedeutet es, zu sterben wie ein Weizenkorn?
Es bedeutet zunächst, loszulassen. Das Korn, das in die Erde fällt, hört auf, Korn zu sein. Es gibt seine Form, seine Hülle, seine bisherige Gestalt. Es lässt sich von der Dunkelheit der Erde einschließen. Und genau in diesem Moment des scheinbaren Verlustes beginnt das Leben. Aus dem Inneren des Korns bricht etwas hervor, das größer ist als das Korn selbst.
Das ist das Paradox des Evangeliums, das Jesus hier in wenigen Worten ausdrückt. Wer sein Leben festhalten will, wird es verlieren. Wer es loslässt, wird es finden. Das ist keine Einladung zur Selbstzerstörung. Es ist eine Einladung zur Selbsthingabe. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Selbstzerstörung kommt aus Verzweiflung. Selbsthingabe kommt aus Liebe.
Jesus selbst geht diesen Weg. Er ist das Weizenkorn, das in die Erde fällt. Am Kreuz gibt er alles hin – sein Leben, seinen Atem, seine letzte Kraft. Und aus diesem Tod bricht die Auferstehung hervor, die Frucht, die die ganze Welt ernährt. Was auf Golgota wie eine endgültige Niederlage aussah, war in Wirklichkeit der Beginn der größten Ernte der Geschichte.
Und dann fügt Jesus etwas hinzu, das uns persönlich trifft: „Wer mir dienen will, folge mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein“ (Joh 12,26). Das ist keine abstrakte Aufforderung. Es ist eine sehr konkrete Einladung: Folge mir auf diesem Weg. Den Weg des Weizenkorns. Den Weg der Hingabe.
Liebe Schwestern und Brüder, wo ist dieser Weg in unserem Leben?
Er ist dort, wo wir auf Recht verzichten, das uns eigentlich zusteht – um des Friedens willen. Er ist dort, wo wir Zeit geben, die wir eigentlich nicht haben – weil jemand sie braucht. Er ist dort, wo wir schweigen, obwohl wir uns verteidigen könnten. Wo wir vergeben, obwohl die Wunde noch schmerzt. Wo wir dienen, ohne dass es jemand sieht oder dankt. Das sind die kleinen Tode des Alltags, die kleinen Weizenkörner, die in die Erde fallen – oft unbemerkt, oft ohne sichtbare Frucht.
Aber Jesus sagt: „Es bringt Frucht.“ Vielleicht nicht sofort. Vielleicht nicht dort, wo wir es erwarten. Vielleicht erst nach langer Zeit, in einem anderen Menschen, in einer anderen Generation. Das Weizenkorn weiß nicht, welche Ähre aus ihm hervorgeht. Es fällt trotzdem.
Der heilige Paulus schreibt im Brief an die Philipper: „Nicht auf das Eigene sollt ihr achten, sondern auf das der anderen“ (Phil 2,4). Und kurz danach beschreibt er Christus, der sich entäußert hat, die Gestalt eines Knechtes angenommen hat und bis zum Tod am Kreuz gehorsam war. Das ist das Weizenkorn in seiner reinsten Form. Und das ist die Einladung, die auch an uns ergeht.
Es ist nicht leicht, ein Weizenkorn zu sein. Die Erde ist dunkel, die Stille des Wartens ist schwer, und die Frucht kann nicht erzwungen werden. Aber Gott ist der Herr der Ernte. Er weiß, was aus jedem Korn wird, das in Vertrauen auf ihn fällt.
Bitten wir heute um den Mut, loszulassen – was immer in unserem Leben festgehalten werden will, was uns daran hindert, uns zu verschenken. Und bitten wir um das Vertrauen des Weizenkorns, das nicht sieht, was aus ihm wird, aber trotzdem fällt – in die Hände Gottes.
Jesus Christus hat uns die Freiheit der Kinder Gottes geschenkt. In seinem Auftrag beten wir zum Vater.
Der , der uns die Auferstehung verheißen hat,wird uns die Fülle des Friedens schenken. So bitten wir
Selig, die keinen Anstoß erregen und Christus angehören ,wenn er wiederkommt.
Samstag der 18.Woche im Jahr 9,57-62
Jesus Christus, der die Macht der Dämonen überwunden hat, sei mit euch.
Auf den Straßen der Welt zu reisen und die Barmherzigkeit Christi zu verkünden, ist eine verlässliche Quelle der Freude. (…) Entschlossen geht Jesus nach Jerusalem, um die Mission zu erfüllen, die ihm sein Vater anvertraut hat und die sein Herz entflammt hat: die Himmelspforten für alle Menschen zu öffnen. Seine Schritte lassen niemanden unberührt und rufen mutige Reaktionen hervor: „Ich will dir folgen …“. Doch der Herr antwortet noch mutiger: „Wer die Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist nicht geeignet für das Reich Gottes“ (V. 62). Diese Worte erinnern an die Geschichte von Elischa im Alten Testament: Elia gibt ihm Zeit, den Pflug beiseite zu legen und sich von seinen Eltern zu verabschieden, bevor er seine Mission antritt (vgl. 1 Kön 19,20–21). Nun aber wird uns gesagt, dass Jesu Ruf noch dringlicher ist, dass keine Zeit für eine Antwort bleibt.
Jesus, du hast uns den Willen des Vaters offenbart. Herr,erbarme dich unser.
Du gibst deiner Kirche Leben und Kraft. Christus,erbarme dich unser.
Du führst deine Kirche durch Verwirrung und Not. Herr,erbarme dich unser.
Vielleicht kennen wir Filme oder Serien, in denen ein entscheidender Moment eintritt, in dem die Hauptfigur eine lebensverändernde Entscheidung treffen muss: Nimmt sie das Liebesgeständnis an? Sagt sie Ja zu den Abenteuern, die sie ihr bieten? Innerhalb weniger Minuten scheint die Geschichte eine völlig andere Wendung zu nehmen. Ähnliches geschieht in dieser Evangeliumsstelle: Jesus macht einen Vorschlag, der das Leben seiner Zuhörer prägen wird. Und auch heute noch ruft der Meister dazu auf, sich seiner Mission anzuschließen, die Welt zu bereisen und Boten seiner Barmherzigkeit zu sein. „Warum übergebt ihr euch nicht ein für alle Mal Gott … wirklich … jetzt?!“ (Hl. Josemaría, Der Weg, Punkt 902). Hier spüre ich eine heilige Ungeduld der Liebe.
Wir wissen nicht, wie die drei Personen aus dem heutigen Evangelium letztlich reagierten. Vielleicht folgten sie Jesus nach kurzem Zögern. Wie dem auch sei, die Heilige Schrift bietet uns ein vollkommenes Beispiel für eine schnelle, vollständige und begeisterte Antwort: das der Jungfrau Maria. Als der Erzengel Gabriel ihr mitteilt, dass Gott sie zu seiner Mutter machen will, fragt sie, wie ein solches Wunder geschehen kann, und nimmt ihre Mission ohne zu zögern an: „Siehe, Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1, 38).
Gott ist barmherzig und bereit,uns zu heilen. Voll Vertrauen wagen wir, zum Vater zu beten.
Der Glaube hat eine heilende Kraft und schafft Frieden und Versöhnung. So bitten wir.
Selig, denen es nicht an Glauben fehlt, damit sie alle Bosheit überwinden.
Herz-Jesu-Freitag
Herz Jesu voll Güte und Liebe, sei mit euch.
Der Herz-Jesu-Freitag ist keine fromme Gewohnheit aus vergangenen Zeiten. Er ist eine monatliche Einladung, innezuhalten und zu fragen: Wo steht mein Herz? Ist es offen oder verschlossen? Ist es warm oder gleichgültig geworden? Hat es sich durch Enttäuschungen, Bitterkeit und die Erschöpfung des Alltags verhärtet?
Jesus,du hast alle Menschen in deine Nachfolge gerufen. Herr, erbarme dich unser.
Du schenkst Leben, das alle Zeit überdauert. Christus, erbarme dich unser.
Du wirst wiederkommen in der Herrlichkeit des Vaters. Herr,erbarme dich unser.
Jesus lädt uns nicht ein, makellose Menschen zu sein. Er lädt uns ein, ehrliche Menschen zu sein – Menschen, die ihr Herz mit all seinen Wunden, seiner Kälte, seiner Schwäche vor ihn bringen. Denn sein Herz ist groß genug, um unser kleines, müdes Herz aufzunehmen und neu zu entzünden.
Der heilige Augustinus, der selbst lange Jahre mit einem unruhigen Herzen gelebt hatte, schrieb am Ende: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“ Das ist die tiefste Wahrheit des Herz-Jesu-Freitags. Nicht wir müssen zuerst etwas leisten. Wir müssen zuerst kommen. Kommen mit dem, was wir sind. Und das Herz Jesu wird das Übrige tun.
Bitten wir heute um die Gnade, unser Herz dem seinen anzunähern – damit wir lernen zu lieben, wie er geliebt hat: ohne Vorbehalt, ohne Berechnung, bis zum letzten.
Zum Vater,ohne den nichts Gutes in dieser Welt geschieht, wollen wir beten, wie uns aufgetragen ist.
Damit wir den Mächten dieser Welt widerstehen können,wollen wir den Herrn um seinen Frieden bitten.
Selig,die sich zu Christus bekennen und zu ihm heimfinden aus der Not dieses Lebens.
19. Sonntag im Jahreskreis A Mt 14,22-33
Jesus Christus,der in die Einsamkeit des Gebetes auf den Berg ging, sei mit euch.
Heute sehen wir Jesus und Petrus im Boot. Für Jesu engste Mitarbeiter, die Apostel, die meist Fischer waren, war das Boot eine Lebensgrundlage und bot ihnen eine gewisse Gewissheit. Welch ein Glaubensimpuls muss es gewesen sein, als sie diese Gewissheit aufgaben, um Jesus zu folgen! Petrus sagte zu Jesus: „Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen.“
Jesus ,du bist Mensch geworden, um uns ganz nahe zu sein. Herr,erbarme dich unser.
Nur selten hast du ein wenig von deinem göttlichen Wesen zu erkennen gegeben.
Du hast Zeichen getan, und die Menschen haben dich nicht verstanden. Herr,erbarme dich unser.
Predigt.
Jesus sagte: „Komm!“ Petrus stieg aus dem Boot, ging auf dem Wasser und ging zu Jesus. Man kann nur auf dem Wasser gehen, wenn man aus dem Boot steigt. Das ist ein sehr einfacher Satz, aber er birgt eine tiefe Bedeutung. Für jeden von uns bedeutet er etwas anderes. Aber er ist immer damit verbunden, einige Gewissheiten aufzugeben – zugunsten der einen Gewissheit, und das ist Jesus Christus und sein Versprechen.
Und hier liegt das Problem. Denn uns erscheint das sinkende Schiff sicherer als das Vertrauen auf Gottes Gnade. Und so stellt sich eine wichtige Frage: Woran klammere ich mich, woran ich geglaubt habe? Sind es Menschen, angehäuftes Geld, ein Haus? … Sich ganz auf Gott zu verlassen und alles in seine Hände zu legen, ist alles andere als leicht. Aber genau das müssen wir lernen, denn je älter wir werden, desto mehr müssen wir aufgeben. Und im Augenblick des Todes alles. Daher ist es unsere Aufgabe, diese Hingabe zu lernen: Wenn ich dem Herrn Gott etwas gebe, lasse ich es los. Wenn ich aus dem Boot steige, halte ich mich nicht an einem meiner Freunde fest, damit er mich – falls nötig – wieder ins Boot zieht. Darin war Petrus wahrlich groß … Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich. Er begann zu sinken und schrie: „Herr, rette mich!“ Jesus streckte sofort seine Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“
Solange Petrus auf Jesus blickte, ging Petrus weiter. Selbst auf den Wellen des stürmischen Meeres. Genau! Der Verfasser des Hebräerbriefes schreibt, dass wir unser Leben mit auf Jesus gerichtetem Blick verbringen sollen, dem Urheber und Vollender des Glaubens (Hebr 12,2a). Glaube ist also nicht mein eigenes Werk. Glaube ist vor allem ein Geschenk. Wenn ich Jesus vertrauensvoll ansehe und ihm mich und alles, was mein Leben ausmacht, anvertraue, stärkt er im Gegenzug meine Fähigkeit, in diesem Glauben auszuharren. Natürlich schwächt uns Angst meist.
Ein Mensch ohne Jesus gerät immer in Panik. Doch wenn man zulässt, dass diese Angst einen lähmt, ist das fatal. Genau das ist Petrus passiert. In dem Moment, als er nicht auf Jesus, sondern auf das Um sich herum blickte. Unser Blick muss also auf Jesus gerichtet sein. Wenn wir das doch nur in unserem Alltag beherzigen könnten! Wir dürfen uns nicht ablenken lassen von Problemen und Übeln, der Verderbtheit der Welt, unseren eigenen Schwächen und allem, was uns beunruhigt, ärgert oder anders ist, als wir es uns wünschen. Wenn wir ruhig auf den leidenden Christus blicken, uns mit ihm vereinen und uns ihm hingeben könnten, wäre unser Leben einfacher. Aber das müssen wir erst lernen. Deshalb sprechen wir darüber. Denn das ist Leben aus Glauben.
„Oh, rette mich!“, rief Petrus, und der Herr rettete ihn. „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“, fragte Petrus. „
Du warst doch schon so weit gekommen, als du das Boot verlassen und diese wenigen Schritte getan hattest …“ Was sollte Petrus darauf schon erwidern? „Ja, ich bin kleingläubig …“ Es ist wichtig, dass wir uns nicht auf diejenigen verlassen, die im Boot geblieben sind. Auf Freunde, die uns helfen. Wir denken jetzt an eine Situation, in der wir uns auf den Herrn verlassen sollen. Wir müssen erkennen, dass wir selbst inmitten der größten Stürme Christus begegnen können. Dass er es ist, der dann ins Boot steigt und der Wind sich legt – wir müssen es ihm nur erlauben.
Manche von uns brauchen ihn, um aus dem Boot gezogen zu werden; andere benötigen ihn, um aus dem Wasser herausgeholt zu werden – aber es ist immer wichtig, dass wir lernen, zu vertrauen und uns in seine Hände zu begeben, so wie Jesus dies mit dem himmlischen Vater tat. Von uns wird erwartet, dass wir Menschen des Glaubens sind. Ansteckender Glaube. Glaube, der andere mitreißt. Das wird den Menschen helfen, und sie werden auf unseren Glauben vertrauen können. Doch das bedeutet, einzugestehen, dass wir ihn nicht aus uns selbst haben. Und in diesem Glauben müssen wir wachsen. Jeden Tag. Immer wieder neu. Vielleicht gestehen wir uns jetzt alle demütig ein, dass unser Glaube klein ist. Lasst uns ihn jetzt stärken, indem wir ihn gemeinsam und laut bekennen: „Ich glaube an Gott…“
Jesus hat Petrus die rettende Hand gereicht. Damit Gott unsere Hilfe in aller Not sei,beten wir zum Vater.
Damit wir nicht zweifeln und den Herrn in unserer Mitte erkennen,bitten wir um seinen Frieden.
Selig, die Gott vertrauen ohne Angst und hinfinden an das Ufer der Ewigkeit.
Verklärung des Herrn Mt 17,1-9
—