Jesus Christus, der zu uns kam als Sohn der Jungfrau Maria, sei mit euch.
Heute feiert die Kirche den Weihetag der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom, einer der ältesten und bedeutendsten Marienkirchen der Welt. Dieser Festtag lädt uns ein, nicht nur auf ein Steinbauwerk zu schauen. Er lädt uns auch ein, auf das Geheimnis zu schauen, das diese Kirche in sich trägt: Maria, die Mutter des Herrn, die Wohnung des lebendigen Gottes.
Jesus, du hast Maria als deine Mutter auserwählt. Herr, erbarme dich unser.
Du hast Maria zum Urbild deiner Kirche gemacht. Christus, erbarme dich unser.
Du hast in Kana die Bitte deiner Mutter erfüllt. Herr,erbarme dich unser.
Die Legende erzählt, dass Papst Liberius im 4. Jahrhundert eine Vision hatte, in der ihm die Gottesmutter erschien und ihn bat, an der Stelle, an der im August Schnee fallen würde, eine Kirche zu errichten. Tatsächlich soll am 5. August auf dem Esquilinischen Hügel Schnee gefallen sein. So entstand die Basilika, die später den Ehrennamen „Schneekirche“ erhielt – „Santa Maria della Neve“. Was uns diese Legende sagen will, ist tief: Gott handelt durch das Unerwartete. Er schreibt seine Botschaft manchmal in den Sommer-Schnee, damit wir aufhorchen und glauben.
Die Basilika Santa Maria Maggiore ist aber vor allem mit einem bedeutsamen Ereignis der Kirchengeschichte verbunden: dem Konzil von Ephesus im Jahr 431. Dort wurde Maria feierlich als „Theotokos“ – als Gottesgebärerin – anerkannt. Das war keine bloße theologische Debatte. Es war eine tiefe Aussage über Jesus Christus selbst: Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch, und Maria hat den wahren Sohn Gottes unter ihrem Herzen getragen. Papst Sixtus III. ließ daraufhin die Basilika als Dankes- und Siegeszeichen dieses Konzils prachtvoll ausbauen.
Was bedeutet das für uns heute? Maria ist nicht nur eine historische Gestalt, sondern auch Mutter. Mutter Christi und Mutter der Kirche. Sie ist jene Frau, die das Wort Gottes nicht nur gehört, sondern es in ihrem Leib aufgenommen und der Welt geschenkt hat. Wenn wir heute diese Kirche feiern, feiern wir eigentlich das Geheimnis der Menschwerdung – Gott, der Mensch wurde, geboren von einer Frau, geboren unter dem Gesetz, damit wir die Kindschaft empfangen (vgl. Gal 4,4-5).
Die Basilika in Rom bewahrt bis heute eine besondere Reliquie: Holzstücke aus der Krippe von Bethlehem. Ein schlichtes Zeichen, das uns daran erinnert, dass Gott sich in die ärmsten Verhältnisse hineingebunden hat. Nicht in einen Palast, sondern in einen Stall. Nicht auf einen Thron, sondern in eine Krippe. Maria hat dieses Kind angenommen, gepflegt und geliebt. Und sie lädt auch uns ein, Christus anzunehmen – in unserem Alltag, in unserer Familie, in unserer Gemeinde.
Ein Kirchengebäude ist niemals nur Stein und Mörtel. Es ist ein Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, ein Ort, an dem Gott unter seinem Volk wohnt. Jede Kirche, die wir betreten, trägt das Geheimnis der Gegenwart Gottes in sich. Und Maria, nach der so viele unserer Kirchen benannt sind, erinnert uns daran: Auch wir sind berufen, Gott in uns Wohnung nehmen zu lassen. Auch wir sollen – wie sie – sagen können: „Mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38).
Bitten wir heute die Gottesmutter, dass sie uns auf diesem Weg begleite. Dass sie uns lehre, das Wort Gottes aufzunehmen, es im Herzen zu tragen und es in unserem Leben sichtbar zu machen. Dann wird auch unser Leben zu einem Ort, an dem Gott wohnt – zu einer lebendigen Kirche, gebaut nicht aus Stein, sondern aus Glauben, Hoffnung und Liebe.
Da wir das Wort Gottes gehört haben, wollen wir uns bereitmachen, an seinem Tisch teilzunehmen und zum Vater zu beten.
Maria, die ganz im Frieden ihres Sohnes lebte,erwirke uns den gleichen Frieden, wenn wir zum Herrn beten.
Selig,die Gottes Wort befolgen und wie Maria eingehen in seine Herrlichkeit.