Verklärung des Herrn Mt 17,1-9

 

 

Jesus Christus, der sich in lichtvoller Herrlichkeit seinen Jüngern offenbarte, sei mit euch.

Es gibt Momente im Leben, die uns für einen Augenblick aus dem Alltag herausreißen. Momente, in denen wir etwas ahnen, das überwältigender ist als wir selbst. Ein Sonnenuntergang über den Bergen, die Stille nach einem langen Gebet, das Gesicht eines geliebten Menschen im Licht der Morgensonne. Solche Momente sind Geschenke. Sie tragen in sich eine leise Verheißung: Es gibt mehr, als unsere Augen gewöhnlich sehen.

Jesus, du warst unter den Menschen als der verborgene Gott. Herr,erbarme dich unser.

Du hast deine Herrlichkeit vor den Aposteln enthüllt. Christus, erbarme dich unser.

Du willst uns dereinst deine Herrlichkeit schauen lassen. Herr,erbarme dich unser.

Die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor ist ein solcher Moment – aber von unvorstellbarer Tiefe. Jesus nimmt Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen hohen Berg. Und dort geschieht etwas, das die drei Jünger bis ins Mark erschüttert: „Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht“ (Mt 17,2). Für einen kurzen Augenblick hebt sich der Schleier. Das, was immer schon da war – die göttliche Herrlichkeit Jesu – wird sichtbar. Die Jünger sehen keinen anderen Jesus. Sie sehen denselben Jesus, aber nun mit geöffneten Augen.

Das ist der Kern dieses Geheimnisses: Jesus verändert sich nicht auf dem Berg Tabor. Er offenbart sich. Die Herrlichkeit, die aufleuchtet, war schon immer in ihm. Schon im Stall von Bethlehem, beim Gespräch mit der Samariterin am Brunnen, schon beim Brotvermehrungswunder, schon in den stillen Nächten des Gebetes. Immer war er der Sohn Gottes. Aber die Jünger hatten Augen, die noch lernten zu sehen.

Und neben ihm erscheinen Mose und Elija – die beiden bedeutenden Säulen des Alten Bundes. Mose, der das Gesetz empfangen hat, und Elija, der bedeutsame Prophet. Sie sprechen mit Jesus. Worüber? Der Evangelist Lukas verrät es uns: über seinen Exodus, seinen Weggang aus Jerusalem (vgl. Lk 9,31). Das bedeutet: Schon auf dem Berg der Herrlichkeit steht das Kreuz im Raum. Die Verklärung ist kein Ausweichen vor dem Leiden. Sie ist Licht mitten auf dem Weg zum Kreuz. Gott sagt seinen Jüngern gleichsam: „Seht, wer dieser ist, dem ihr folgt.“ Damit ihr nicht verzweifelt, wenn die Dunkelheit kommt.

Petrus, überwältigt von dem, was er erlebt, sagt impulsiv: „Herr, es ist vortrefflich, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen“ (Mt 17,4). Er möchte diesen Moment festhalten, einfrieren und für immer behalten. Das kennen wir. Wenn etwas schön ist, wollen wir es bewahren. Aber Gott kann nicht eingeschlossen werden. Die Herrlichkeit ist kein Besitz, den man sich sichert. Sie ist ein Geschenk, das uns trägt, damit wir weitergehen.

Dann kommt die Wolke, und aus ihr ertönt die Stimme des Vaters: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören“ (Mt 17,5). Das ist die eigentliche Botschaft des Tabor. Nicht: Bleibt hier. Sondern: Hört auf ihn. Folgt ihm. Auch wenn der Weg nach Jerusalem führt. Auch wenn er durch das Kreuz geht.

Und dann – als sie aufschauen – sehen sie nur noch Jesus allein. Mose ist weg, Elija ist weg. Nur Jesus bleibt. Das ist kein Zufall. Das Gesetz und die Propheten haben ihre Erfüllung gefunden. Von nun an ist Jesus das Wort, auf das wir hören. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (vgl. Joh 14,6).

Liebe Schwestern und Brüder, auch wir haben unsere Tabor-Momente. Augenblicke, in denen wir Gott nahe spüren, in denen das Gebet leicht wird und wir mit Sicherheit wissen: Er ist da. Diese Momente sind kostbar. Aber Gott gibt sie uns nicht, damit wir stehenbleiben. Er gibt sie uns, damit wir gestärkt weitergehen. Damit wir in den dunklen Tälern des Lebens nicht vergessen, was wir auf dem Berg gesehen haben.

Die Verklärung ist Gottes Geschenk für unsere Schwachheit. Er weiß, dass wir Licht brauchen, um durch die Dunkelheit zu gehen. Er weiß, dass wir Kraft brauchen, um das Kreuz anzunehmen. Und so zeigt er uns auf dem Tabor, wer Jesus wirklich ist – damit wir ihm vertrauen können, auch wenn wir ihn nicht mehr leuchten sehen.

Bitten wir um die Gnade, solche Augen zu bekommen. Augen, die auch im Alltag die Herrlichkeit Gottes ahnen.

Jesus, der geliebte Sohn, ist unser Mittler beim Vater. In seinem Namen dürfen wir beten.

Licht und Glanz umgaben den Herrn in seiner Verklärung. Damit wir in seinem Frieden bleiben, bitten wir ihn.

Selig, die Gottes Nähe suchen und ihn schauen dürfen von Angesicht zu Angesicht.

Amen.