Dienstag der 19.Woche Mt 19,27-29

Jesus Christus,der sich  freut  über jeden , der umkehrt zum Vater,sei mit euch,

Petrus traut sich, das zu fragen, was die anderen nur denken. Und was wir uns vielleicht nicht trauen zu fragen.

Kurz zuvor war der reiche junge Mann da. Fromm, anständig, erfolgreich. Er wollte wissen: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen? Und Jesus sagt ihm: „Verkaufe alles, gib es den Armen und folge mir nach.“ Da geht der junge Mann traurig weg. Er kann nicht loslassen.

Und die Jünger schauen zu. Sie haben es ja getan. Fischerboote am See zurückgelassen, Zolltisch stehen lassen, Familie, Sicherheit. Und jetzt kommt diese ehrliche, fast kindliche Frage von Petrus: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür zuteil?“

Jesus, du  kamst zu uns  in der Vollmacht des Vaters. Herr,erbarme dich  unser.

Du hast Macht über alles Tun der Menschen. Christus,erbarme dich unser.   

In deinem Wort  ist  das  Gericht  über alles  Leben. Herr,erbarme dich unser.

Ist das die Berechnung? Lohnt sich das? Ist Petrus ein Geschäftsmann des Glaubens?

Ich glaube, es ist viel menschlicher. Es ist die Frage: Sieht Gott das eigentlich? Zählt das, was wir aufgeben? Hat unser kleines, oft so unvollkommenes Nachfolgen überhaupt eine Zukunft?

Jesus schimpft nicht. Er antwortet. Und seine Antwort ist größer, als Petrus je gedacht hätte.

Drei Zusagen stecken darin:

1. Nachfolge hat einen Preis. Jesus nimmt das ernst.

Jesus sagt nicht: „Ach, war doch nicht so schlimm.“ Er sagt: Ja, ihr habt Häuser, Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder und Äcker verlassen. Er zählt es auf. Er weiß: Nachfolge kostet etwas.

Vielleicht mussten auch wir schon etwas verlassen um Jesu willen. Nicht immer dramatisch. Manchmal ist es die Bequemlichkeit am Sonntagmorgen. Manchmal die Angst, als altmodisch zu gelten, wenn man sagt: „Ich bete, ich gehe in die Kirche, ich glaube.“ Manchmal ist es ein Haus, eine Karriere, die wir anders gestalten, weil wir ehrlich bleiben wollen. Manchmal sind es Menschen, die unseren Weg nicht mehr mitgehen.

Gott rechnet das nicht klein. Er sieht es.

2. Wer um Jesu willen loslässt, bekommt hundertfach wieder – und zwar schon jetzt.

Das ist das Überraschende. Jesus vertraut nicht nur auf den Himmel. Er sagt: Wer verlässt, der empfängt es hundertfältig.

Wie geht das? Wer sein kleines Haus, seine kleine Blase, seine Blutsfamilie verlässt um Jesu willen, der bekommt eine neue, viel größere Familie. Das haben die ersten Christen erlebt. Sie hatten kein eigenes Dach mehr über dem Kopf, aber in jedem Dorf stand eine Tür offen. „Komm herein, Bruder! Komm herein, Schwester!“

Wer nachfolgt, verliert sein enges Leben und gewinnt ein weites Leben. Er bekommt hundert Brüder und Schwestern – in der Gemeinde. Hundert Häuser, in denen er willkommen ist. Hundert Tische, an denen er mitessen darf. Das Reich Gottes ist keine Verlustrechnung. Es ist ein Tausch von eng gegen weit, von wenig gegen Fülle.

Fragen wir uns ehrlich: Haben wir das noch? Erleben Menschen, die zu uns kommen und alles zurücklassen mussten, bei uns eine hundertfache Heimat? Oder sind wir eine verschlossene Gesellschaft?

3. Und am Ende: Das ewige Leben.

Jesus endet nicht beim Hundertfachen. Er sagt: „…und wird das ewige Leben ererben.“

Das ist die letzte Klammer. Alle Häuser verfallen irgendwann. Alle Äcker verdorren. Alle Familienbande zerreißen am Ende durch den Tod. Aber wer an Jesus hängt, hat eine Zukunft, die über den Tod hinausgeht.

Petrus fragte: Was wird uns dafür zuteil? Und Jesus antwortet: „Ihr werdet mit mir auf dem Thron sitzen.“ Ihr werdet nicht Verlierer sein, sondern Mitregenten. Eure kleine Geschichte wird Teil seiner großen Erzählung der Wiedergeburt der Welt.

Darum ist die Predigt heute keine Moralpredigt: „Verlasst mehr!“ Sondern eine Ermutigung: Gott vergisst keinen Schritt, den du für ihn gegangen bist. Keine Träne, kein Verzicht, kein einsames „Ich folge trotzdem“.

Der reiche Jüngling ging traurig weg, weil er viel hatte und es festhielt. Petrus und die anderen gingen freudig weiter, weil sie wenig hatten und es losließen – und dafür alles gewannen.

Was hältst du heute noch fest, das dich traurig macht? Und wo könntest du heute loslassen, um hundertfach zu empfangen?

Da wir Gott und seinen Sohn Jesus Christus nicht zu fürchten  brauchen, wagen wir, zum Vater zu beten. 

In der  Not unseres Lebens finden wir  den Frieden beim Herrn, der uns nahe ist.

Selig, die haben Vertrauen und aus aller Not Rettung finden.


Gebet:

Herr Jesus Christus,
du hast alles verlassen um unseretwillen.
Du hast den Thron der Herrlichkeit für das Kreuz verlassen.
Lehre uns, dir nachzufolgen – nicht aus Berechnung,
sondern aus Liebe.
Schenke uns Mut loszulassen
und Glauben, deine Fülle zu empfangen,
hier und in Ewigkeit. Amen.

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