Hl.Johanna Franziska von Chantal Mt 18,15-20

 

Jesus Christus, der  mitten unter uns ist, wenn zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind,sei mit euch.

Es gibt Menschen, deren Heiligkeit nicht trotz ihrer Wunden entsteht, sondern durch sie. Die heilige Johanna Franziska von Chantal ist eine solche Gestalt. Ihr Leben liest sich nicht wie eine fromme Legende aus fernen Zeiten. Es liest sich wie das Leben einer Frau, die wirklich gelebt hat – mit Freude und Schmerz, mit Liebe und Verlust, mit tiefer Treue und tiefen Erschütterungen.

Jesus,du bist gekommen,um Mensch  zu sein unter  den Menschen. Herr,erbarme dich unser.

Du hast uns  untereinander zu Brüdern und Schwestern gemacht.Christus,erbarme dich unser.

Du hast uns gelehrt ,zum Vater im Himmel zu beten. Herr,erbarme dich unser. 

Johanna Franziska Frémyot wurde 1572 in Dijon in Frankreich in eine adelige Familie hineingeboren. Sie heiratete jung den Baron Christoph von Chantal, und die Ehe war, soweit wir wissen, eine wirklich glückliche. Sie hatten sechs Kinder, lebten auf ihrem Gut, und Johanna führte den Haushalt mit Umsicht und Güte. Sie war nicht nur Herrin des Hauses, sondern auch Mutter der Armen auf ihrem Gut – sie sorgte für die Kranken, die Bedürftigen, die Menschen am Rand.

Dann kam im Jahr 1601 der Einbruch. Ihr Mann wurde bei einem Jagdunfall tödlich getroffen – von einem Freund, der ihn versehentlich erschoss. Johanna war achtundzwanzig Jahre alt. Sie hatte vier überlebende Kinder. Und sie stand vor einer Wahl, die das Innerste eines Menschen prüft: Bitterkeit oder Vergebung. Sie vergab dem Mann, der ihren Mann getötet hatte. Nicht als leere Geste. Als innere Entscheidung, die sie Kraft kostete und die sie vor Gott traf.

Diese Fähigkeit zur Vergebung war kein Zeichen von Schwäche. Sie war das Fundament, auf dem das Weitere wachsen konnte. Denn Johanna trug von diesem Moment an eine tiefe Sehnsucht in sich – eine Sehnsucht nach Gott, die sie nicht mehr losließ.

Ein paar Jahre nach dem Tod ihres Mannes begegnete sie dem heiligen Franz von Sales, dem Bischof von Genf. Diese Begegnung veränderte ihr Leben. Franz von Sales war ein Mann von außergewöhnlicher Sanftheit und Tiefe – ein Seelsorger, der wusste, dass Heiligkeit nicht nur für Klöster und Klausuren bestimmt ist, sondern für jeden Menschen in seinem Alltag. Zwischen ihm und Johanna entstand eine der bedeutendsten geistlichen Freundschaften der Kirchengeschichte – eine Freundschaft, die auf Briefen, Gesprächen, gegenseitigem Vertrauen und einem gemeinsamen Traum beruht.

Dieser Traum war die Gründung einer neuen Ordensgemeinschaft. Im Jahr 1610 gründeten Franz von Sales und Johanna Franziska in Annecy die Heimsuchungsschwestern – die Visitantinnen. Der Name kommt von der Heimsuchung Marias bei Elisabeth: eine Frau, die aufbricht, um einer anderen beizustehen. Das war das Charisma dieser Gemeinschaft. Nicht strenge Askese, nicht Abschottung von der Welt, sondern Sanftmut, Demut und liebende Zuwendung. Franz von Sales wollte eine Gemeinschaft für Frauen, die körperlich nicht in der Lage waren, die harten Anforderungen anderer Orden zu erfüllen – Witwen, Kranke, Ältere. Eine Gemeinschaft, in der die Liebe die Regel ist.

Johanna führte diese Gemeinschaft mit großer Kraft. Sie gründete in ihrem Leben über achtzig Klöster. Sie reiste, organisierte, schrieb, leitete – und betete. Immer betete sie. Und sie tat das alles nicht aus Stärke, die sie nie verlassen hätte. Sie tat es trotz tiefer innerer Dunkelheit, trotz Zeiten, in denen Gott ihr fern schien, in denen das Gebet trocken war und der Glaube sich anfühlte wie ein leeres Wort. Sie hat diese Dunkelheiten nicht versteckt. Sie hat sie getragen – und ist trotzdem weitergegangen.

Besonders bewegend sind der Tod ihres Sohnes im Krieg und der frühe Verlust ihrer Tochter. Johanna kannte das Leid nicht nur aus Büchern. Sie kannte es aus dem Innersten ihres Lebens. Und dennoch schrieb sie in einem Brief: „Gott ist gut. Ich glaube das. Auch wenn ich es nicht fühle.“

Dieser Satz ist vielleicht das Tiefste, was sie uns hinterlassen hat. Glaube ist Treue. Die Treue, die sagt: Ich gehe weiter, auch wenn der Weg dunkel ist. Ich halte fest, auch wenn ich nicht sehe. Ich liebe, auch wenn es mich kostet.

Johanna Franziska von Chantal starb 1641, erschöpft und zugleich erfüllt. Papst Pius XII. sprach sie 1767 heilig.

Liebe Schwestern und Brüder, diese Frau ist uns heute nicht deshalb nahe, weil ihr Leben leicht war. Sie ist uns nahe, weil es schwer war – und weil sie trotzdem nicht aufgehört hat zu glauben, zu lieben und zu dienen. Sie zeigt uns, dass Heiligkeit kein Zustand der Vollkommenheit ist, den man irgendwann erreicht. Sie ist ein Weg, den man täglich neu beginnt.

Bitten wir heute um ihre Fürsprache – dass auch wir lernen, in den dunklen Stunden unseres Lebens nicht zu fliehen, sondern zu bleiben. Zu bleiben bei Gott, bei den Menschen, bei der Liebe, die trägt, auch wenn sie kostet.

Gott,der Herr, hat Mitleid mit uns Sündern. So wagen wir voll Vertrauen,zum Vater zu beten.

In Christus hat Gott die Welt  mit sich versöhnt. Um den Frieden Jesu Christi bitten wir.

Selig, die auf Erden von aller Schuld gelöst sind und frei sind für  das Reich des Vaters,

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