Jesus Christus, der allen Menschen zu helfen bereit war, die zu ihm kamen,sei mit euch.
Im Evangelium gibt es Menschen, die Jesus nur einmal begegnen und danach wieder aus der biblischen Erzählung verschwinden. Wir kennen nicht einmal ihren Namen. Und trotzdem hinterlassen sie einen tiefen Eindruck.
Zu diesen Menschen gehört die kanaanäische Frau aus dem heutigen Evangelium.
Wir wissen nur wenig über sie. Sie ist eine Fremde; sie gehört nicht zum Volk Israel. Aber wir wissen etwas sehr Wichtiges: Sie ist eine Mutter, die um ihr Kind kämpft. Ihre Tochter leidet schwer. Und weil sie ihrem Kind selbst nicht helfen kann, sucht sie Jesus auf.
Jesus, du bist zu den Kindern des Hauses Israel gesandt. Herr, erbarme dich unser.
Du hast keinen zurückgewiesen, der zu dir kam. Christus, erbarme dich unser.
Du hast deine Apostel zu allen Völkern ausgesandt. Herr,erbarme dich unser.
Sie ruft:
„Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.“
Und dann geschieht etwas, das uns überraschen kann:
Jesus antwortet ihr kein Wort.
1. Wenn Gott schweigt
Vielleicht ist gerade dieser Satz für viele Menschen der schwierigste in heutiger Evangelium.
Die Frau bittet. Sie leidet. Sie glaubt. Und Jesus schweigt.
Warum?
Wir können nicht jedes Detail dieser Begegnung erklären. Aber wir können darin eine Erfahrung wiedererkennen, die viele gläubige Menschen kennen: Wir beten – und Gott scheint zu schweigen.
Vielleicht haben wir selbst schon darum gebetet:
„Herr, mach diesen Menschen gesund.“
„Herr, hilf meinem Kind.“
„Herr, bring Frieden in unsere Familie.“
„Herr, hilf mir in dieser schwierigen Situation.“
„Herr, zeige mir, was ich tun soll.“
Und wir haben gebetet – vielleicht nicht nur einen Tag, sondern auch Wochen, Monate oder sogar Jahre.
Aber scheinbar kam keine Antwort.
Dann entsteht in uns die Frage: Warum schweigt Gott? Hört er mich überhaupt? Hat mein Gebet einen Sinn?
Das heutige Evangelium gibt uns keine einfache Erklärung für jedes Schweigen Gottes. Aber es zeigt uns, wie wir damit umgehen können.
Die Frau geht nicht weg.
Das ist entscheidend.
Sie hätte sagen können: „Wenn Jesus mich nicht hören will, dann gehe ich eben.“
Aber sie bleibt.
Ihr Glaube hängt nicht davon ab, ob Jesus sofort das tut, was sie möchte.
Das ist bereits ein großer Glaube.
2. „Herr, hilf mir!“
Auch die Jünger werden ungeduldig. Sie möchten diese Frau loswerden. Aber sie kann nicht entmutigt werden.
Sie kommt näher, fällt vor Jesus nieder und sagt:
„Herr, hilf mir!“
Drei kurze Worte.
Und vielleicht gehören sie zu den erhabendsten Gebeten der ganzen Heiligen Schrift.
Herr, hilf mir!
Es gibt Situationen, in denen wir keine langen Gebete brauchen. Es gibt Situationen, in denen wir auch keine langen Gebete mehr sprechen können.
Ein Mensch sitzt am Krankenbett eines geliebten Menschen und weiß nicht, wie es weitergehen soll:
Herr, hilf mir!
Eltern machen sich Sorgen um ihr Kind:
Herr, hilf ihm! Herr, hilf ihr!
Ein Mensch erhält eine schlechte Nachricht:
Herr, hilf mir!
Jemand fühlt sich einsam und verlassen:
Herr, hilf mir!
Ein Mensch weiß nicht, welche Entscheidung richtig ist:
Herr, hilf mir!
Ein solches Gebet braucht keine schönen Formulierungen. Es kommt direkt aus dem Herzen.
Und Gott schaut nicht zuerst darauf, wie schön wir beten. Er schaut darauf, ob unser Herz zu ihm spricht.
3. Der Glaube wird geprüft
Doch auch nach diesem Gebet wird es für die Frau nicht sofort leichter.
Jesus sagt:
„Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.“
Für unsere Ohren klingt dieser Satz hart. Er steht im Zusammenhang mit der besonderen Sendung Jesu zu Israel. Aber die Frau lässt sich auch jetzt nicht abweisen.
Sie antwortet:
„Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“
Was für eine Antwort!
Sie beginnt nicht zu streiten. Sie wird nicht beleidigt. Sie geht nicht weg.
Sie sagt im Grunde:
Herr, ich vertraue so sehr auf deine Güte, dass mir sogar ein Krümel deiner Gnade genügt.
Sie verlangt nichts aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Verdienste.
Sie vertraut allein auf die Barmherzigkeit Jesu.
Und genau hier sagt Jesus:
„Frau, dein Glaube ist groß.“
4. Was ist ein großer Glaube?
Wir denken manchmal, ein Mensch mit großem Glauben habe niemals Zweifel.
Aber das stimmt nicht.
Großer Glaube bedeutet nicht, immer alles zu verstehen.
Großer Glaube bedeutet nicht, niemals Angst zu haben.
Großer Glaube bedeutet auch nicht, dass Gott jeden Wunsch sofort erfüllt.
Der große Glaube dieser Frau besteht darin, dass sie Jesus nicht loslässt.
Auch wenn Jesus schweigt – bleibt sie.
Auch wenn die Jünger sie wegschicken möchten – bleibt sie.
Auch wenn sie eine schwierige Antwort bekommt – bleibt sie.
Sie hält sich an Jesus fest.
Vielleicht könnten wir sagen:
Glaube bedeutet nicht, dass wir immer Gottes Wege verstehen. Glaube bedeutet, dass wir Gott vertrauen, auch wenn wir seine Wege nicht verstehen.
Das ist leicht gesagt und manchmal sehr schwer zu leben.
Solange alles gut läuft, ist es relativ leicht zu glauben.
Wenn wir gesund sind, wenn die Familie zusammenhält, wenn unsere Pläne gelingen und unsere Gebete erhört werden, können wir leicht sagen:
„Gott ist gut.“
Aber was geschieht, wenn das Leben anders kommt?
Wenn Krankheit kommt?
Wenn ein Mensch stirbt?
Wenn eine Ehe zerbricht?
Was, wenn ein Kind einen Weg geht, der uns große Sorgen bereitet?
Was, wenn wir jahrelang beten und keine Veränderung sehen?
Gerade dann beginnt jener Glaube, den uns die kanaanäische Frau zeigt:
Herr, ich verstehe dich nicht – aber ich gehe nicht weg.
5. Eine Mutter bittet für ihr Kind
Es gibt noch etwas sehr Bewegendes im heutigen Evangelium.
Diese Frau bittet nicht um etwas für sich selbst.
Sie bittet für ihre Tochter.
Ihre Liebe führt sie zu Jesus.
Vielleicht können sich gerade Eltern und Großeltern darin wiederfinden.
Wie viele Eltern machen sich Sorgen um ihre Kinder!
Und wie viele Großeltern beten um ihre Enkelkinder!
Manche sagen vielleicht:
„Mein Sohn glaubt nicht mehr.“
„Meine Tochter geht nicht mehr zur Kirche.“
„Meine Enkelkinder wurden zwar getauft, aber Gott spielt in ihrem Leben kaum eine Rolle.“
„Ich habe versucht, mit ihnen darüber zu sprechen, aber sie wollen davon nichts hören.“
Was können wir tun?
Wir können einen erwachsenen Menschen nicht zwingen zu glauben.
Wir können niemanden mit Gewalt zu Gott bringen.
Aber eines können wir immer:
Wir können diesen Menschen im Gebet vor Jesus bringen.
Genau das tut die Frau im Evangelium.
Ihre Tochter ist nicht einmal bei Jesus. Die Mutter kommt stellvertretend für sie.
Das ist für dich.
Und vielleicht ist Fürbitte eine der schönsten Formen der Liebe.
Wenn ich für einen anderen Menschen bete, sage ich zu Gott:
Herr, dieser Mensch ist für mich bedeutsam. Ich kann nicht alles für ihn tun. Ich kann sein Leben nicht kontrollieren. Aber ich vertraue dir an.
Vielleicht beten manche von uns schon seit vielen Jahren für einen bestimmten Menschen.
Dann sagt uns das heutige Evangelium:
Gib nicht auf.
Wir wissen nicht, wann und auf welche Weise Gott wirkt.
Manchmal verändert Gott die Situation.
Manchmal verändert er den Menschen, für den wir beten.
Und manchmal verändert Gott uns selbst, während wir beten.
Aber kein Gebet, das aus echter Liebe gesprochen wird, ist sinnlos.
6. Die Grenzen der Menschen und die Weite Gottes
Die Frau ist eine Kanaanäerin, eine Fremde.
Für die Menschen ihrer Zeit gab es klare Grenzen: Dieses Volk und jenes Volk, die eigenen Leute und die Fremden.
Doch am Ende hören wir aus dem Mund Jesu nicht:
„Du bist eine Fremde.“
Sondern:
„Dein Glaube ist groß.“
Das ist bemerkenswert.
Gott sieht tiefer als wir Menschen.
Wir Menschen sehen Herkunft, Sprache, Nationalität, gesellschaftliche Stellung und Vergangenheit.
Gott sieht das Herz.
Wir teilen Menschen manchmal rasant ein:
Dieser gehört zu uns.
Jener gehört nicht zu uns.
Dieser ist gläubig.
Jener ist ungläubig.
Dieser ist gut.
Jener ist schlecht.
Aber wir wissen nicht, was im Herzen eines Menschen geschieht.
Vielleicht finden wir manchmal großen Glauben dort, wo wir ihn überhaupt nicht erwarten.
Und vielleicht möchte uns Jesus gerade durch solche Menschen etwas lehren.
7. Nicht nur glauben, wenn Gott gibt
Liebe Schwestern und Brüder,
am Ende können wir uns selbst eine Frage stellen:
Warum glaube ich eigentlich an Gott?
Glaube ich nur, solange Gott meine Wünsche erfüllt?
Bete ich nur, solange ich eine schnelle Antwort bekomme?
Oder kann ich bei Gott bleiben, auch wenn ich ihn nicht verstehe?
Die kanaanäische Frau zeigt uns einen Glauben, der nicht sagt:
Gott muss tun, was ich will.
Ihr Glaube sagt:
Ich vertraue darauf, dass bei Jesus Barmherzigkeit zu finden ist. Deshalb gehe ich nicht weg.
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft des heutigen Evangeliums.
Es kann in unserem Leben Momente geben, in denen wir nicht verstehen, warum Gott etwas zulässt.
Vielleicht finden wir keine Antwort auf die Frage „Warum?“.
Dann dürfen wir wenigstens wissen, wohin wir gehen können.
Zu Christus.
Und wenn uns alle anderen Gebete zu schwer werden, bleiben uns die drei Worte der kanaanäischen Frau:
„Herr, hilf mir!“
Herr, hilf mir, wenn mein Glaube schwach wird.
Herr, hilf mir, wenn ich deine Wege nicht verstehe.
Herr, hilf mir, wenn ich Angst vor einem Menschen habe.
Herr, hilf mir, wenn ich schon lange bete und keine Antwort erhalte.
Herr, hilf mir, nicht aufzugeben.
Herr, hilf mir, dir zu vertrauen.
Die Frau aus dem heutigen Evangelium hat Jesus nicht losgelassen.
Sie kam.
Sie bat.
Sie blieb.
Sie vertraute.
Und schließlich hörte sie die wunderbaren Worte:
„Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst.“
Bitten wir heute den Herrn um einen solchen Glauben.
Nicht um einen Glauben, der auf jede Frage eine Antwort hat.
Sondern um einen Glauben, der auch in dunklen Stunden sagen kann:
Herr, ich verstehe nicht alles.
Aber ich vertraue dir.
Ich gehe nicht weg.
Ich bleibe bei dir.
Jesus Christus, Gottes Sohn,war allen zu helfen bereit. Im Vertrauen auf ihn wagn wir zum Vater zu beten.
Damit unser Glaube wachse und wir nicht zu den Verlorenen gehören, bitten wir den Herrn um seinen Frieden.
Selig, deren Glaube groß ist und die Gott heilt von aller makel und Schuld der Sünde.
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