Hl. Pontinus und hl. Hippolit

 

Jesus Christus, den die Welt gehasst und verfolgt hat,sei  mit euch.

Die Kirche gedenkt heute zweier Männer, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten – und die dennoch gemeinsam in den Tod gegangen sind. Pontianus und Hippolyt: ein Papst und sein ehemaliger Gegner. Ihre Geschichte ist nicht nur die Geschichte des Martyrius. Sie ist eine Geschichte der Versöhnung, die teurer war als alles, was Worte ausdrücken können.

Jesus,du hast dein Reich Menschenhänden anvertraut. Herr,erbarme dich  unser.

Du  leitest und führst deine Kirche. Christus, erbarme dich unser. 

Du rettest deine Kirche aus aller Not. Herr,erbarme dich unser.

Pontianus wurde um das Jahr 230 Bischof von Rom, also Papst. Er führte die Kirche in einer Zeit, die von innen wie von außen bedroht war – von theologischen Streitigkeiten und von der wachsenden Feindseligkeit des römischen Staates gegenüber den Christen. Hippolyt war ein anderer: ein gelehrter Theologe, der bedeutendste Kirchenschriftsteller seiner Zeit in Rom, der die Schriften der Apostel und der frühen Kirchenväter kannte wie kaum ein anderer. Aber Hippolyt war auch ein Mann mit scharfen Kanten. Er war überzeugt, dass die Kirche in der Frage der Buße zu nachsichtig sei und Sündern zu leicht die Rückkehr ermögliche. Und aus dieser Überzeugung heraus hatte er sich von der offiziellen Kirche getrennt und eine eigene Gemeinschaft geführt – er gilt als erster Gegenpapst der Kirchengeschichte.

Zwei Männer also, die in Spannung, vielleicht sogar in Feindschaft zueinander standen. Und dann kam Kaiser Maximinus Thrax an die Macht, der die Christenverfolgung neu entfachte. Im Jahr 235 wurden beide verhaftet – Pontianus und Hippolyt, der Papst und sein Gegner – und zur Zwangsarbeit in die Bergwerke Sardiniens deportiert. Sardinien war damals als Ort bekannt, von dem man nicht zurückkehrte. Die Bedingungen in den Minen waren mörderisch: Hitze, Hunger, schwere körperliche Arbeit, keine medizinische Versorgung.

Was in den Bergwerken Sardiniens zwischen diesen beiden Männern geschah, wissen wir nicht im Detail. Aber wir wissen, was daraus wurde. Hippolyt versöhnte sich mit der Kirche. Er rief seine Anhänger auf, zur Gemeinschaft mit Rom zurückzukehren. Pontianus legte zuvor das Papstamt nieder – als erster Papst der Geschichte, der freiwillig abdankte –, damit die Kirche in Rom einen neuen Bischof wählen konnte und nicht führerlos blieb. Beide starben kurz darauf an den Folgen der Haft.

Die Kirche hat beide gemeinsam heiliggesprochen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist eine Aussage. Sie sagt: Was diese beiden Männer am Ende ihres Lebens verbindet, ist größer als das, was sie getrennt hat. Die Versöhnung im Angesicht des Todes ist ihr gemeinsames Zeugnis. Und dieses Zeugnis ist vielleicht wertvoller als alle theologischen Schriften, die Hippolyt hinterlassen hat.

Was sagt uns das heute?

Zunächst dies: Streit in der Kirche ist nicht neu. Hippolyt war kein böser Mensch. Er war ein frommer, gelehrter und ernsthafter Mensch, der für die Reinheit des Glaubens kämpfte. Aber er irrte sich in der Art, wie er diesen Kampf führte. Er setzte sein eigenes Urteil über die Gemeinschaft. Er vergaß, dass die Kirche nicht die Gemeinschaft der Vollkommenen ist, sondern die Gemeinschaft der Vergebenen. Papst Pontianus, sein Gegner, hatte gesagt: Auch schwere Sünder können zur Buße und zur Vergebung kommen. Das war für Hippolyt unerträglich. Und doch – am Ende seines Lebens, in den Bergwerken Sardiniens, hat er verstanden, was er nicht verstehen wollte: dass Barmherzigkeit kein Zeichen von Schwäche ist, sondern das Herz des Evangeliums.

Und Pontianus? Er zeigt uns etwas anderes. Er zeigt uns, dass Führung manchmal bedeutet, loszulassen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Liebe zur Kirche. Er gab sein Amt auf, damit die Kirche weiterleben konnte. Das ist eine Form von Dienst, die keine Bühne braucht und keinen Applaus bekommt.

 Pontianus und Hippolyt sind uns heute nahe, weil wir ihre Geschichte kennen. Die Geschichte zweier Menschen, die sich gestritten haben – und am Ende zusammen gestorben sind. Zusammen bezeugt haben, dass Christus größer ist als jede Meinungsverschiedenheit und als jede Wunde, die wir einander zugefügt haben.

Vielleicht gibt es in unserem Leben einen Hippolyt – jemanden, mit dem wir in Spannung stehen, von dem wir uns innerlich getrennt haben, weil wir überzeugt waren, im Recht zu sein. Und vielleicht lädt uns dieser Tag ein zu fragen: Ist die Überzeugung, im Recht zu sein, wirklich wichtiger als die Gemeinschaft? Ist mein Urteil wirklich das letzte Wort?

Die heiligen Pontianus und Hippolyt haben diese Frage mit ihrem Leben beantwortet. Bitten wir heute um ihre Fürsprache – dass auch wir den Mut finden zur Versöhnung, bevor es zu spät ist. Und dass wir nie vergessen: Die Kirche ist nicht unsere Kirche. Sie ist die Kirche Christi. Und er überragt alle unsere Streitigkeiten.

Gott hat uns aus der Welt erwählt. Im Vertrauen auf den Auftrag Jesu Christi wagen wir zum Vater zu beten.

Wir sind nicht Eigentum der Welt. Wir gehören Gott. Deshalb dürfen wir ihn um seinen Frieden bitten.

Selig sind die, die am Wort des Herrn festhalten und Christus im Reich des Vaters angehören.

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