Hl.Bartholomeus,Apostel Joh 1,45-51

Auf Michelangelos Fresko „Das Jüngste Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle steht Jesus in der Mitte als Richter über die Lebenden und die Toten. Zwei Märtyrer, die einen schrecklichen Tod erlitten haben, sitzen auf Wolken zu Füßen Jesu. Auf der einen Seite befindet sich der heilige Laurentius, der auf einem Rost zu Tode gemartert wurde, und auf der anderen Seite der heilige Bartholomäus, dem bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wurde. In der einen Hand hält er fest das Messer, mit dem er gehäutet wurde, während aus seiner anderen Hand seine eigene abgezogene Haut von Kopf bis Fuß herabhängt. 

Du hast Helfer gesucht,dein Werk fortzusetzen.Herr.Herr,erbarme dich unser.

Du hast von deinen Aposteln alles gefordert.Christus,erbarme dich unser.

Du hast den Aposteln die Throne des Himmels verheißen.Herr,erbarme dich unser.

Wie fand Bartholomäus, der auch mit Natanael gleichgesetzt wird, die Kraft, sich nicht nur seiner Kleider, sondern sogar der Haut seines ganzen Körpers berauben zu lassen? Alles begann an jenem Tag, als er unter einem Feigenbaum ruhte. Sein Freund Philippus kam zu ihm und sagte außer Atem: „Wir haben den gefunden, über den Mose geschrieben hat: Jesus von Nazaret, den Sohn Josefs.“ Natanael antwortete: „Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?“ Seine Skepsis schien nicht unbegründet, denn gerade die Menschen von Nazaret gehörten zu den Ersten, die Jesus töten wollten, indem sie ihn von einem Abhang hinabstürzen wollten.

Eine erste Quelle von Natanaels Mut war die Freundschaft. Philippus forderte ihn auf: „Komm und sieh!“ Philippus sah „Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs“. Natanael aber kam und erkannte in Jesus den „Sohn Gottes, den König von Israel“. Der eine half dem anderen, Christus näherzukommen. Jeder konnte durch den Glauben seines Freundes im eigenen Glauben wachsen.

Eine weitere Quelle von Natanaels Mut war die persönliche Zuwendung Jesu und seine Liebe zu ihm: „Noch bevor dich Philippus rief, als du unter dem Feigenbaum warst, habe ich dich gesehen.“ Die Begegnung mit Jesus, dessen Kenntnis seiner Person so tief und persönlich war, überwand seine Skepsis. Freundschaft, ermutigende Worte und die Liebe Christi zu ihm gaben Bartholomäus schließlich den Mut, ein Martyrium zu ertragen, das uns bis heute mit Ehrfurcht erfüllt.

Auf Michelangelos Fresko des Jüngsten Gerichts ist niemand allein. Die Heiligen helfen einander, zum Himmel emporzusteigen, während die Dämonen die Verdammten in die Tiefe hinabziehen. Wie Bartholomäus und Philippus wollen auch wir versuchen, einander auf dem Weg zu Gott zu helfen.

Wie sollen wir das Kompliment verstehen, das Jesus dem Apostel Bartholomäus macht? Jesus begrüßt Natanael mit den Worten: „Sieh, ein echter Israelit, an dem kein Falsch ist.“ Jesus bezeichnet Natanael damit als einen aufrichtigen Menschen, als jemanden, der bereit ist, einen neuen Ruf anzunehmen und sich von Gott in die Zukunft führen zu lassen. Er ist ein Mensch ohne Falsch und Hinterlist. Natanael erhält damit ein Lob, wie es keinem anderen zuteilwurde, und dieses Wort konnte ihn sein ganzes Leben lang begleiten und stärken. Es ist ein wahrhaft großes Kompliment.

Jeder Mensch hört gerne ein Kompliment. Doch der Wert eines Kompliments hängt wesentlich davon ab, von wem es kommt. Ein Kompliment von einem schlechten Menschen würde uns wenig bedeuten, ebenso wenig eines, das nur aus unaufrichtiger Schmeichelei hervorgeht. Wenn aber ein solches Lob vom Herrn selbst kommt, dann ist es wahrhaftig eine große Ehre.

Natanael war ein echter Israelit. Er war nicht falsch. Er war kein Heuchler. Das zeigt sich auch in seiner Reaktion auf die Worte Jesu. Ein aufrichtiger Glaube, der aus einem offenen Herzen und aus der ehrlichen Suche eines Menschen hervorgeht, gefällt Gott. Wenn uns der Charakter Natanaels gefällt, dann wollen auch wir Gott aufrichtig suchen – und dadurch werden auch wir ihm gefallen. Philippus sagte zu Natanael einfach: „Komm und sieh!“ Überzeuge dich selbst!

Den eigenen Glauben zu leben und ihn weiterzugeben – ja, gerade so kann sich der Glaube auch heute verbreiten. Die nächste Generation sollte an uns erkennen können, wie sehr die Botschaft Jesu uns durchdrungen und zum Handeln bewegt hat. Die Generation unserer Kinder und Enkel sollte den Heiligen Geist in uns, in unserem Leben und in unserem Handeln entdecken können. Sie sollte sehen, wie der Heilige Geist Menschen verändert und zum Guten führt.

Sie sollte erkennen können, dass Gott nicht fern und untätig ist, sondern durch Menschen machtvoll in dieser Welt wirkt. Wenn die christliche Tradition heute an Bedeutung verliert, dann müssen wir uns auch selbst fragen: Haben wir vielleicht zu selten gesagt: „Komm und sieh! Überzeuge dich selbst!“ Ist das, was andere bei uns sehen, vielleicht nicht überzeugend genug? Haben wir möglicherweise Jesus selbst aus den Augen verloren? Der Glaube kann nur dann tief und wirksam werden, wenn er sich auch den Zweifeln stellt und sie überwindet.

Die Geschichte von der Berufung des Jüngers Natanael endet mit einer Anspielung auf die Jakobsleiter: „Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.“

Für uns könnte dies bedeuten: Wir wollen immer wieder neu entdecken und bezeugen, dass die Worte und Taten Jesu Bestand haben, ihre Bedeutung nicht verlieren und unüberbietbar bleiben: seine Lehre, seine Gleichnisse, seine Hingabe, sein Einsatz des eigenen Lebens für die Seinen – und auch für uns.

Mögen uns die Worte des Evangeliums unter die Haut und bis tief ins Herz gehen, damit eines Tages auch aus dem Mund Jesu ein Wort des Lobes über uns zu hören ist: „Vater, das ist dein Sohn, das ist deine Tochter, die die Gnade meiner Erlösung nicht ungenutzt gelassen haben.“

Jesus Christus hat uns den Schatz des ewigen Lebens verheißen.Im Vertrauen auf sein Wort dürfen wir zum Vater beten.

Der kostbarste Schatz,den wir auf dieser Erde finden können,ist der Friede Gottes. Um ihn bitten wir.

Selig,die den Schatz des Lebens finden und Erben des himmlischen Reiches sind.

Bitten wir gemeinsam mit dem heiligen Bartholomäus um die Gnade, noch Größeres sehen zu dürfen: die Herrlichkeit des Reiches Gottes und durch Christus im Heiligen Geist für immer Anteil an der Liebe des Vaters zu haben.

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