An die Auferstehung glauben

Nach dem rasanten Wirtschaftswachstum der 90er Jahre befand sich Argentinien um die Jahrtausendwende am Rande einer Krise, die im Jahr 2002 in den Staatsbankrott mündete. Die Situation ähnelte in vielerlei Hinsicht der unseren. Dank der Wirtschaftsreformen zu Beginn der 90er Jahre war Argentinien zu einem äußerst interessanten Land für ausländische Investoren geworden. Es kam zu einem großen Aufschwung, und die Mittel- und vor allem die Oberschicht wurde reich. Der Aufschwung brachte jedoch eine Menge Korruption auf allen Ebenen mit sich. Diese kümmerte aber niemanden, solange es der Wirtschaft gut ging. Doch die Blase platzte.

Bergoglio sagte als neuer Erzbischof von Buenos Aires im Jahr 2000 während des feierlichen Te Deum, das anlässlich des Nationalfeiertages in Anwesenheit der gesamten Regierung gefeiert wurde, im Zusammenhang mit der drohenden Krise: „Die Reden, die ich in Zusammenhang mit diesem Thema höre, gleichen Grabreden. Alle trösten die Hinterbliebenen, aber niemand glaubt an die Auferstehung.“

Was bedeutet es, an die Auferstehung zu glauben? Der Mensch glaubt meist an sich selbst. Er glaubt an seine eigene Vorstellung. Er glaubt an das, was er planen kann, er glaubt an das, wo er eine angemessene Macht zum Handeln sieht. Da sagt er sich: Wenn das gelänge, wenn er mich erhören würde, wenn er zu Hilfe käme, wenn es gelänge, Geld aufzutreiben. Das alles sind Dinge, die eintreten können, aber nicht müssen. Wir glauben aber, dass sie eintreten werden. Der Glaube an die Auferstehung ist etwas anderes. Etwas mehr.

Der heilige Paulus spricht im Römerbrief vom Glauben Abrahams: „Er hat gegen alle Hoffnung voll Hoffnung geglaubt“ (Röm 4,18). Menschlich gesehen ist es in einem solchen Alter schon unmöglich, ein Kind zu haben, und dennoch geht er. Er erhielt den Befehl von Gott: „Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen“ (Gen 12,1-2). Und Abraham zog weg. In ähnlicher Weise erhielt er den Befehl: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort als Brandopfer dar auf einem der Berge, den ich dir nennen werde.“ (Gen 22,2) Und er stand auf und ging. Beide Befehle stellen Abraham vor eine Aufgabe, die ihn menschlich übersteigt. Keiner von beiden gibt ihm die Sicherheit, dass sich die Verheißung erfüllen wird oder dass die Situation besser sein wird als die jetzige. Und doch geht er. Er nimmt sie als Wirklichkeit an. An die Verheißung geht er heran wie an eine Tatsache, die bereits gegenwärtig ist. Gerade diese Haltung deutet an, was es bedeutet, an die Auferstehung zu glauben. An die Verheißung Gottes heranzugehen wie an eine Wirklichkeit, die bereits eingetreten ist. Wenn wir jemanden versichern wollen, dass wir unser Wort halten werden, sagen wir: „Betrachte es als schon geschehen“. So versichert uns auch Gott.

Sich auf den Weg zu Christus zu machen und zu glauben, dass dieser Weg da sein wird, dass er begehbar sein wird, dass ich ihn bewältige, dass ich mich nicht verirre. Oft, wenn wir jemandem einen Weg erklären, stellt sich die betreffende Person den Ort vor. „Du kommst zu einem roten Tor“, „ja, ich weiß, wo das ist“, „dann biegst du links ab und du wirst eine große Thuja sehen“. „Moment mal, ich habe dort noch nie eine Thuja gesehen. Das finde ich sicher nicht…“ Wir haben Sicherheit, solange wir eine Vorstellung haben, aber in die Ungewissheit zu gehen, dazu haben wir keine Lust.

Warum ist es so schwer, an die Auferstehung zu glauben?

Wir leben in einer Zeit, in der schon gestern zu spät war. Eine aktuelle Nachricht ist nach einer Stunde schon alt. Auf alles wollen wir sofort eine Antwort haben, in allem wollen wir sofort Klarheit haben. So wirkt auch die Versuchung. Sie greift unsere unmittelbaren Begierden an und verspricht sofortige und schnelle Erfüllung. Das setzt uns also unter Druck. Wenn unser Wunsch nicht sofort befriedigt wird, sind wir enttäuscht, verärgert, fühlen uns betrogen und verlassen. In einer solchen Situation ist es unangenehm zu verharren, und deshalb suchen wir sofort einen Ausweg. Etwas, das uns sofort aufmuntert, auf andere Gedanken bringt, Hoffnung gibt. Sobald Gott also nicht sofort handelt, neigen wir dazu, von ihm wegzugehen und dort zu suchen, wo sofort alles einfach und schnell geht. Ähnlich gilt das auch in zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn unsere Bitte nicht sofort erhört wird, sind wir enttäuscht, denken, dass man uns nicht liebt, und wollen anderswo Hilfe suchen.

Die Auferstehung geschieht jedoch am dritten Tag. Der dritte Tag ist der Tag des Eingreifens Gottes. Es ist dann, wenn sich die Leidenschaften bereits beruhigt haben, wenn das Grab schon versiegelt ist und wenn schon alle nach Hause gegangen sind. Es ist schon nachdem wir eine, zwei schlaflose Nächte durchlebt haben, nachdem wir es geschafft haben, innezuhalten und die Dinge mit Abstand zu betrachten, wenn wir schon auf dem Weg der Annahme sind. Außerdem geschieht die Auferstehung in der Stille. Sie gelangt nicht sofort zu jedem. Zuerst erfahren jene von ihr, die mit ihr rechnen, die an sie glauben und ihr entgegengehen. Deshalb erscheint er zuerst Maria Magdalena, die zum Grab geht. Sie löst nicht die Frage, wie und wer den Stein wegwälzt. Sie geht dorthin, weil sie bei Jesus sein will. Der dritte Tag ist der Tag des Eingreifens Gottes.

Was bedeutet es also, an die Auferstehung zu glauben? Von der Hoffnung auszugehen wie von einer Wirklichkeit. Auf sein Problem zu schauen, als wäre es schon gelöst. Damit so zu arbeiten, als wäre es schon Vergangenheit. Sich auf den Weg zu machen und zu glauben, dass dieser Weg da sein wird.

Habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass, als ich die Dinge abgegeben habe, aufgehört habe, auf sie zu drängen, sie sich zu lösen begannen?
Welches sind meine hoffnungslosen Situationen? Was bedrückt mich und wo sehe ich keinen Ausweg?
Was bedeutet es, auf meine Situation schon als gelöst zu schauen?
Kann ich geduldig warten?

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