Weltgebetstag um die Bewahrung der Schöpfung. Lk 4,31-37

Am 1. September lädt die Kirche weltweit ein zum Gebet für die Bewahrung der Schöpfung. Dieser Tag ist nicht entstanden aus einem politischen Programm oder aus dem Zeitgeist. Er ist entstanden aus einer tiefen theologischen Überzeugung: Die Erde, die wir bewohnen, gehört nicht uns. Sie ist uns anvertraut. Und was anvertraut ist, trägt Verantwortung mit sich.

Dein Wort und seine  Taten zeigten von göttlicher Macht.

Die bösen Geister haben dich als den Heiligen Gottes erkannt.Christus,erbarme dich unser.

Du kamst,um alle Menschen von der Schuld zu erlösen.Herr,erbarme dich.

Im Buch Genesis lesen wir, dass Gott den Menschen in den Garten gesetzt hat, „um ihn zu bebauen und zu hüten“ (Gen 2,15). Zwei Verben, die zusammengehören: bebauen und hüten. Der Mensch ist kein passiver Bewohner der Erde. Er ist ihr Mitgestalter. Aber er ist auch ihr Hüter – nicht ihr Herr. Der Unterschied ist entscheidend. Ein Herr verfügt nach eigenem Gutdünken. Ein Hüter trägt Verantwortung vor jemandem, der größer ist als er selbst.

Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika Laudato si aus dem Jahr 2015 diesen Zusammenhang mit einer Klarheit beschrieben, die viele aufgerüttelt hat. Er schreibt: „Die Erde, unsere gemeinsame Heimat, gleicht einer Schwester, mit der wir das Leben teilen, und einer schönen Mutter, die uns in ihre Arme schließt.“ Das ist keine sentimentale Metapher. Es ist eine theologische Aussage. Die Schöpfung ist nicht Kulisse unseres Lebens. Sie ist Mitgeschöpf. Sie hat eine Würde, die ihr von Gott verliehen wurde, bevor der Mensch überhaupt existierte.

Und diese Schöpfung leidet. Das ist keine Behauptung von Aktivisten. Es ist eine Beobachtung, die wir alle machen können – in den Nachrichten, in unserem eigenen Erleben der Jahreszeiten, in den Berichten aus Ländern, die von Dürren, Überschwemmungen und dem Verlust ihrer Lebensgrundlagen betroffen sind. Familien in der Demokratischen Republik Kongo, Bauern in Zentralafrika, Mütter, die ihre Kinder nicht mehr ernähren können, weil die Ernte ausgeblieben ist – das sind keine abstrakten Statistiken. Das sind Menschen, denen die Schöpfung unter den Händen wegbricht, weil wir mit ihr nicht sorgfältig umgegangen sind.

Aber der Weltgebetstag um die Bewahrung der Schöpfung ist kein Tag der Anklage. Er ist ein Tag des Gebetes. Und das ist keine Flucht aus der Verantwortung – es ist ihr tiefster Ausdruck. Denn wer wirklich betet, stellt sich vor Gott hin mit der Wahrheit. Mit der Wahrheit über die Welt, wie sie ist. Mit der Wahrheit über sich selbst, über die eigenen Gewohnheiten, über den eigenen Anteil an dem, was schiefläuft. Und mit der Bitte um Weisheit und Kraft, anders zu leben.

Der heilige Franz von Assisi, nach dem Papst Franziskus seinen Namen gewählt hat, hat die Schöpfung nicht als Problem gesehen, das gelöst werden muss. Er hat sie als Lobgesang gesehen. Sein Sonnengesang – „Laudato si, mi Signore“ – preist Bruder Sonne, Schwester Mond, Bruder Wind, Schwester Wasser. Franz sah in jedem Geschöpf einen Widerschein der Herrlichkeit Gottes. Und wer die Herrlichkeit Gottes liebt, kann nicht gleichgültig sein gegenüber dem, was sie widerspiegelt.

Das ist vielleicht der tiefste Ansatz, den dieser Tag uns anbietet. Nicht Angst als Triebkraft, nicht schlechtes Gewissen als Motor – sondern Liebe. Die Liebe zu Gott, die sich ausweitet auf das, was er geschaffen hat. Die Liebe zum Nächsten, die sich ausweitet auf den Nächsten, den wir nie sehen werden – der in zwanzig Jahren geboren wird und eine Erde erben wird, die wir ihm hinterlassen.

Paulus schreibt im Brief an die Römer: „Die ganze Schöpfung seufzt und liegt in Geburtswehen bis zum heutigen Tag“ (Röm 8,22). Das ist ein erstaunlicher Satz. Die Schöpfung seufzt – nicht als hätte sie versagt, sondern als würde sie auf etwas warten. Auf die Offenbarung der Kinder Gottes, wie Paulus sagt. Das bedeutet: Wenn wir als Kinder Gottes leben – verantwortungsvoll, liebevoll, weise – dann antworten wir auf das Seufzen der Schöpfung. Dann sind wir Teil der Antwort Gottes auf eine Welt, die auf Erlösung wartet.

Jesus Christus ist gekommen,alle Bosheit zu überwinden.In seinem Namen beten wir zum Vater.

Jesus Christus Vertrieb die bösen Geister,damit wir den Frieden finden.Um seinen Frieden bitten wir.

Selig ,die von aller Bosheit befreit  sind und Gottes Heil empfangen werden.

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