Donnerstag der 22.Woche im Jahr Lk 22,24-30

Jesus Christus,um den sich das Volk drängte,um Gottes Wort zu hören,sei mit euch.

Der Evangelist Lukas hat eine besondere Kühnheit. Er setzt die Streitigkeit der Jünger darüber, wer von ihnen der Größte sei, unmittelbar in den Kontext des letzten Abendmahls. Jesus hat gerade das Brot gebrochen und den Kelch gereicht. Er hat von seinem Leib gesprochen, der hingegeben wird, von seinem Blut, das vergossen wird.

Du hast uns berufen,dir auf deinem Weg  zu folgen.Herr,erbarme dich unser.

Du gibst uns Erfolg,wo unsere Kraft nicht gelingt.Christus, erbarme dich unser.

Du kennst unsere Sünde und schenkst uns dein Heil.Herr,erbarme dich unser.

Und in dieser Stunde – in dieser heiligsten Stunde – streiten die Jünger darum, wer unter ihnen der Erste ist. Das ist kein Zufall bei Lukas. Es ist ein Spiegel. Und dieser Spiegel zeigt uns etwas Unangenehmes: Wie nah Selbstsucht und Eucharistie beieinander liegen können. Wie leicht wir die heiligsten Momente mit unseren kleinsten Impulsen vermischen. Jesus reagiert nicht mit Empörung. Er reagiert mit Geduld und mit einer Klarheit, die bis heute nichts von ihrer Schärfe verloren hat. „Die Könige der Völker herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch soll es nicht so sein.“ Dieser Satz ist eine der radikalsten Aussagen des ganzen Evangeliums.

Das Wort „dienen“ klingt in unseren Ohren manchmal nach Unterwerfung, nach Selbstaufgabe, nach dem Verlust der eigenen Würde. Aber im Mund Jesu ist es das Gegenteil. Dienen aus Freiheit ist die höchste Form menschlicher Größe. Wer dient, weil er muss, ist Sklave. Wer dient, weil er liebt, ist frei. Und Jesus dient, weil er liebt – den Vater und die Menschen, denen er begegnet. Diese Liebe ist keine Schwäche. Sie ist die stärkste Kraft, die es gibt. Und dann kommt ein Satz, der uns überraschen kann.

Jesus wendet sich an die Jünger und sagt: „Ihr seid es, die in meinen Versuchungen bei mir ausgeharrt habt.“ Das ist ein bemerkenswertes Wort. In der Stunde, in der sie gerade gestritten haben, sagt er ihnen: Ihr habt ausgeharrt. Er sieht nicht nur ihr Versagen. Er sieht ihre Treue. Er sieht das Gute, das in ihnen ist, auch dort, wo sie struikeln. Das ist der Blick Jesu auf den Menschen – kein Blick, der das Schwache übersieht, aber auch kein Blick, der nur das Schwache sieht. Und auf dieses Ausharren folgt eine Verheißung: „Ich vermache euch das Reich, wie mein Vater es mir vermacht hat.“ Das griechische Wort, das hier verwendet wird, ist dasselbe, das auch für ein Testament verwendet wird. Jesus hinterlässt ihnen etwas. Er vererbt ihnen das Reich. Nicht weil sie es verdient hätten – sie haben gerade noch gestritten – sondern weil er es will. Weil Gnade nicht auf Verdienst beruht, sondern auf Liebe. Liebe Schwestern und Brüder, dieser Text trifft uns dort, wo wir wirklich sind. Nicht in unseren frommen Momenten, sondern in unseren menschlichen Momenten. In den Momenten, in denen wir uns fragen, ob unsere Arbeit gesehen wird. In denen wir vergleichen, wer mehr Anerkennung bekommt. In denen wir spüren, wie der Wunsch nach Bedeutung, nach Wichtigkeit, nach dem ersten Platz in uns aufsteigt – manchmal mitten in den heiligsten Situationen unseres Lebens. Jesus verurteilt diesen Wunsch nicht. Er verwandelt ihn. 

Ohne Gott ist unsere Mühe vergebens und ohne letzte Erfolg.Deshalb wagen wir zum Vater zu beten.

Gott wirft seine Netze aus.Er hat uns eingefangen in die Gemeinschaft seiner Kirche,in der wir um den Frieden bitten.

Selig,die sich vor Gott als Sünder bekennen und seine erbarmende Liebe finden 

 
 

 

 

 
 
 
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