Hl.Mutter Teresa von Kalkutta Mt 25,31-40

 

 

Gott,unser Vater,der alle unsere Bitten hört und keines seiner Kinder vergisst,sei mit euch.

Es gibt Menschen, deren bloßer Name etwas auslöst. Mutter Teresa von Kalkutta ist eine solche Gestalt. Kaum jemand auf der Welt – ob gläubig oder nicht – bleibt gleichgültig, wenn ihr Name fällt. Sie hat etwas berührt, das tiefer liegt als religiöse Überzeugungen oder kulturelle Grenzen. Sie hat das Menschlichste im Menschen berührt: die Sehnsucht danach, dass das Leiden eines Menschen jemandem nicht gleichgültig ist.

Du hast uns gelehrt,wie wir zum Vater beten sollen.Herr,erbarme dich unser.

Du weißt,was uns rettet,und schenkst,was uns hilfst.Christus,erbarme dich unser.

Du kennst den Weg,der zum Leben führt.Herr,erbarme dich unser.

Agnes Gonxha Bojaxhiu wurde 1910 in Skopje geboren, im heutigen Nordmazedonien, als Kind einer albanischen Familie. Schon als junges Mädchen spürte sie eine tiefe Anziehung zu Gott und zur Missionsarbeit. Mit achtzehn Jahren verließ sie ihre Familie, reiste nach Irland zu den Loretoschwestern und von dort nach Indien. Sie sollte ihre Mutter nie wiedersehen. Das war der erste Preis, den sie zahlte – still, ohne Drama, als wäre es selbstverständlich.

In Kalkutta unterrichtete sie jahrelang an einer Mädchenschule. Es war ein geordnetes Leben, ein beschütztes Leben hinter Mauern. Und dann, am 10. September 1946, auf einer Zugreise nach Darjeeling, geschah das, was sie selbst als „Ruf im Ruf“ bezeichnete. Eine innere Stimme, eine Gewissheit: Verlass das Kloster. Geh zu den Ärmsten der Armen. Diene Christus in den Leidenden.

Das war keine leichte Entscheidung. Es dauerte Jahre, bis die Kirche ihr die Erlaubnis gab. Und als sie schließlich in die Slums von Kalkutta ging – allein, ohne Geld, ohne Organisation, nur mit einem weißen Sari mit blauem Rand – wusste niemand, was daraus werden würde. Sie selbst wusste es nicht.

Was dann entstand, kennt die Welt. Die Missionarinnen der Nächstenliebe, die heute in über 130 Ländern wirken. Häuser für Sterbende, für Leprakranke, für verlassene Kinder, für die, die niemand will. Mutter Teresa sammelte die Menschen auf, die auf der Straße lagen und starben – nicht um sie zu heilen, denn das konnte sie oft nicht, sondern damit sie nicht allein sterben mussten. Damit ein Mensch, der sein ganzes Leben wie ein Tier gelebt hatte, wenigstens einmal wie ein Mensch behandelt wurde. Wie ein Kind Gottes.

Sie sagte einmal: „Nicht alle von uns können große Dinge tun. Aber wir können kleine Dinge mit großer Liebe tun.“ Das ist der Kern ihrer Botschaft. Nicht die Größe der Tat zählt. Die Größe der Liebe, mit der sie getan wird. Ein Glas Wasser, gereicht mit Würde. Eine Hand, die eine andere hält im Sterben. Ein Lächeln, das sagt: Du bist nicht vergessen.

Und hier liegt der theologische Kern ihres Lebens, der uns heute trifft. Mutter Teresa hat Christus nicht in den Kirchen gesucht – obwohl sie tief fromm war und täglich die Eucharistie feierte. Sie hat ihn auf der Straße gefunden. In dem ausgemergelten Gesicht eines Sterbenden, in den Augen eines verlassenen Kindes, in den Händen eines Leprakranken. Sie lebte das Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium mit einer Radikalität, die uns beschämt und begeistert zugleich: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).

Für sie war das keine fromme Metapher. Es war wörtliche Wahrheit. Wenn sie einen Sterbenden aufhob, hob sie Christus auf. Wenn sie eine Wunde verband, verband sie die Wunden Christi. Das gab ihr Kraft für das, was menschlich gesehen kaum zu ertragen war – die tägliche Konfrontation mit Elend, Schmerz und Tod in einem Ausmaß, das die meisten von uns sich nicht vorstellen können.

Aber dann ist da noch etwas, das wir nicht verschweigen sollten, weil es Mutter Teresa erst ganz menschlich und ganz groß macht. Nach ihrem Tod wurden ihre Briefe und Tagebücher veröffentlicht, und die Welt war überrascht: Mutter Teresa hatte jahrzehntelang eine tiefe innere Dunkelheit erlebt. Gott schien ihr fern. Das Gebet fühlte sich leer an. Die Freude, die sie nach außen ausstrahlte, war nicht das Ergebnis eines ununterbrochenen geistlichen.

Jesus Christus hat uns das Erbarmen Gottes verkündet. Im Vertrauen auf sein Wort beten wir zum Vater.

Gott kennt unsere Not.Er will uns in Frieden leben lassen.So dürfen wir ihn bitten.

Selig, die dem Erbarmen Gottes begegnen und seinem Reich zugezählt werden.

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