Jesus Christus,der uns durch sein Kreuz ewiges Leben erworben hat, sei mit euch.
Liebe Schwestern und Brüder, wir erhöhen heute das Kreuz. Wir schmücken es, wir vergolden es, wir stellen es in die Mitte.
Das ist eigentlich absurd.
Das Kreuz war kein Schmuckstück. Es war das grausamste Hinrichtungswerkzeug der Römer. Ein Marterpfahl für Sklaven und Aufrührer. Ein Ort der Schande, an dem man langsam und öffentlich erstickt.
Jesus, du bist am Kreuz erhöht worden.Herr,erbarme dich unser.
Du hast für uns das Kreuz getragen.Christus,erbarme dich unser.
Du wirst wiederkommen im Zeichen des Kreuzes.
Niemand hätte ein Kreuz um den Hals getragen. So wenig würden wir heute einen elektrischen Stuhl als Kette tragen.
Und genau das feiern wir: Dass Gott dieses Zeichen der tiefsten menschlichen Niederlage genommen und umgedreht hat. Nicht weggenommen – umgedreht.
Die drei Blicke aufs Kreuz Das Wort Gottes heute gibt uns drei Blicke, um das zu verstehen.
Der erste Blick: Der Blick, der heilt. – Numeri 21
Israel murrt in der Wüste. Gott schickt Feuerschlangen. Viele sterben. Dann sagt Gott zu Mose: „Mach eine eherne Schlange und erhöhe sie an einem Pfahl.“ Wer sie anschaut, wird leben.
Die Menschen müssen auf das schauen, vor dem sie am meisten Angst haben. Sie müssen auf ihr eigenes Gift schauen. Und im Anschauen werden sie heil.
So ist es mit dem Kreuz. Wir wollen wegsehen vom Leiden. Vom Scheitern. Von unserer Schuld, unserer Krankheit, unserem Tod. Das Kreuz zwingt uns hinzusehen. Aber es sagt: Schau hindurch. Dahinter bin ich.
Der zweite Blick: Der Blick nach unten. – Philipper 2
Paulus singt einen uralten Hymnus: Christus war Gott gleich – und er hielt nicht daran fest. Er stieg hinab. Wurde Mensch. Wurde Sklave. Gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz.
Wir denken, Gott erhöht sich. Gott beweist, Gott siegt. Aber Gott erhöht sich, indem er sich erniedrigt. Das ist die Logik des Kreuzes.
Darum heißt das Fest nicht „Kreuzverherrlichung“, sondern „Kreuzerhöhung“. Nicht wir erhöhen das Kreuz. Gott hat im Kreuz seinen Sohn erhöht, gerade weil er ganz nach unten gegangen ist.
Frage für uns: Wo in meinem Leben ist gerade unten? Wo ist mein persönliches Kreuz? Krankheit, Sorge um die Kinder, eine zerbrochene Beziehung, Erschöpfung im Beruf. Genau dort, sagt Paulus, ist Gott schon gewesen. Tiefer als du fallen kannst, ist er schon gefallen, um dich dort aufzufangen.
Der dritte Blick: Der Blick nach oben. – Johannes 3
Jesus sagt zu Nikodemus: „Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm das ewige Leben hat.“
Am Kreuz passiert keine Niederlage. Da passiert Liebe. „So sehr hat Gott die Welt geliebt.“
Das Kreuz ist kein Zahlautomat, bei dem Gott bezahlt werden musste. Das Kreuz ist die letzte Konsequenz der Liebe. Gott sagt: „Ich gehe dir nach bis ins Letzte.“ Bis in den Tod. Damit du weißt: Es gibt keinen Ort mehr ohne mich. Nicht einmal das Grab ist gottlos.
Was heißt Kreuzerhöhung heute? Was heißt es also, das Kreuz zu erhöhen? Drei ganz konkrete Dinge:
Das Kreuz wieder aufrichten. In unseren Wohnungen, in unseren Schulen, ja, in unseren Herzen. Nicht als Dekoration, sondern als Widerspruch. Gegen die Lüge, wonach nur Starkes, Schönes und Erfolgreiches zählen.
Das eigene Kreuz annehmen. Nicht suchen, nicht romantisieren. Aber auch nicht weglaufen. Mein Kreuz tragen heißt: Ja sagen zum Leben, das mir gegeben ist, mit seinen Wunden. Und darauf vertrauen, dass Gott es verwandeln kann.
Die heilige Edith Stein hat gesagt: „Das Kreuz ist das wieder aufgerichtete Heilszeichen. Wer es im Glauben anschaut, wird leben.“
Zum Kreuz für andere werden. Menschen brauchen Menschen, die bleiben, wenn es schwer wird. Die nicht nur bei der Party dabei sind, sondern auch am Krankenbett und im Trauerhaus. Kreuzerhöhung heißt: Ich werde selbst ein bisschen Halt für andere schaffen.
Schluss: Am Ende bleibt ein einfaches Bild.
Auf den Ikonen wird das Kreuz oft als Lebensbaum dargestellt. Totales Holz, das plötzlich grünt und blüht.
Das ist unsere Hoffnung heute. Was tot aussah, lebt. Was Schande war, ist Herrlichkeit. Was Ende war, ist Anfang.
Darum lasst uns aufstehen und das Kreuz erhöhen – nicht nur hier in der Kirche, sondern auch in unserem Leben.
Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.
Im Namen Jesu Christi,der durch sein Kreuz die Welt gerettet hat,wagen wir zum Vater zu beten.
Das Kreuz,einst ein Zeichen der Schande,hat uns den Frieden gebracht.Deshalb bitten wir.
Selig, die gerettet werden durch Jesus Christus,der für uns am Kreuz erhöht worden ist.
Amen.