Wie soll meine Zusammenarbeit mit Gott aussehen?
Manchmal stellen wir uns die Beziehung zu Gott so vor, als müsste Gott alles tun. Wir beten, bitten um seine Hilfe und warten darauf, dass er unsere Schwierigkeiten löst. Ein anderes Mal verhalten wir uns genau umgekehrt: Wir planen alles selbst, verlassen uns auf unsere Fähigkeiten und erinnern uns erst dann an Gott, wenn wir nicht mehr weiterwissen.
Der christliche Glaube zeigt uns jedoch einen anderen Weg. Gott möchte weder ohne uns handeln noch sollen wir ohne ihn leben. Er lädt uns zu einer Zusammenarbeit ein. Der heilige Paulus drückt diesen Gedanken mit bemerkenswerten Worten aus: „Denn wir sind Gottes Mitarbeiter“ (1 Kor 3,9).
Was bedeutet es aber konkret, ein Mitarbeiter Gottes zu sein?
1. Gott macht den ersten Schritt
Unsere Zusammenarbeit mit Gott beginnt nicht bei uns, sondern bei ihm. Gott ruft, schenkt seine Gnade, öffnet Möglichkeiten und gibt uns Kraft. Unsere Aufgabe besteht darin, auf sein Wirken zu antworten.
Ein schönes Beispiel dafür ist Maria. Bei der Verkündigung erfährt sie, was Gott mit ihr vorhat. Gott zwingt sie jedoch nicht. Er wartet auf ihre freie Antwort: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38).
In diesem Augenblick begegnen sich Gottes Gnade und die Freiheit des Menschen. Genau darin liegt das Geheimnis unserer Zusammenarbeit mit Gott.
Auch in unserem Leben spricht Gott nicht immer durch außergewöhnliche Zeichen. Oft spricht er durch sein Wort, durch unser Gewissen, durch Menschen, die uns begegnen, durch unsere Pflichten und manchmal sogar durch Schwierigkeiten. Die erste Frage lautet deshalb nicht: „Was will ich tun?, sondern: Herr, was willst du von mir?
2. Beten und zugleich handeln
Mit Gott zusammenzuarbeiten bedeutet nicht, passiv zu warten. Ein Mensch kann nicht sagen: „Ich habe gebetet, jetzt muss Gott alles erledigen.“
Wenn ein Bauer um eine gute Ernte betet, muss er trotzdem den Acker bearbeiten und den Samen aussäen. Wenn Eltern für ihre Kinder beten, müssen sie ihnen gleichzeitig Zeit, Liebe und ein gutes Beispiel schenken. Wenn wir um Frieden bitten, müssen wir selbst bereit sein zu vergeben und den ersten Schritt zur Versöhnung zu tun.
Das Gebet ersetzt also nicht unser Handeln. Das Gebet soll unser Handeln verwandeln.
Wir könnten es so ausdrücken: Ich bete, als würde alles von Gott abhängen, und ich arbeite mit vollem Einsatz, weil Gott auch meine Hände, meinen Verstand, meine Fähigkeiten und meine Zeit gebrauchen möchte.
3. Meine Talente gehören zu Gottes Plan
Jeder Mensch hat Fähigkeiten erhalten. Der eine kann gut sprechen, ein anderer zuhören. Einer kann organisieren, ein anderer Menschen trösten. Manche besitzen große intellektuelle Fähigkeiten, andere haben die besondere Gabe, Güte und Frieden auszustrahlen.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Welche Fähigkeiten habe ich?, sondern vielmehr: Wofür verwende ich sie?
Talente können dem eigenen Ego dienen. Sie können aber auch zu Werkzeugen Gottes werden.
Vielleicht kann ich einem einsamen Menschen Zeit schenken. Vielleicht kann ich jemanden ermutigen, der den Mut verloren hat. Vielleicht kann ich durch meine Arbeit etwas Gutes schaffen. Vielleicht kann ich einem Menschen vergeben, der mich verletzt hat.
Dann geschieht etwas Großes: Gott wirkt durch mich.
4. Zusammenarbeit mit Gott verlangt Vertrauen
Wir möchten gerne wissen, wie alles ausgehen wird. Gott zeigt uns aber gewöhnlich nicht den ganzen Weg. Oft zeigt er nur den nächsten Schritt.
Abraham wusste nicht genau, wohin Gott ihn führen würde. Mose wusste nicht, wie alle Schwierigkeiten seines Auftrags gelöst werden sollten. Maria wusste nicht, was ihr Ja alles mit sich bringen würde. Die Apostel wussten nicht, wohin ihr Weg mit Jesus führen würde.
Sie mussten lernen zu vertrauen.
Auch wir erleben Situationen, die wir nicht verstehen. Wir fragen: Warum lässt Gott das zu? Warum hat mein Gebet scheinbar keinen Erfolg? Warum öffnet sich eine Tür nicht, obwohl ich so sehr darum gebetet habe?
Zusammenarbeit mit Gott bedeutet dann auch, sagen zu können:
Herr, ich verstehe deinen Weg nicht, aber ich möchte dir vertrauen. Zeige mir, was ich jetzt tun soll.
5. Gottes Wille bedeutet nicht immer den bequemeren Weg
Wir dürfen einen wichtigen Fehler nicht machen: Gottes Willen mit einem problemlosen Leben gleichzusetzen.
Jesus lebte vollkommen nach dem Willen des Vaters – und trotzdem führte sein Weg durch Ablehnung, Leiden und Kreuz. Auch Paulus musste Schwierigkeiten, Verfolgungen und Enttäuschungen erleben.
Darum bedeutet eine Schwierigkeit nicht automatisch, dass wir auf dem falschen Weg sind.
Manchmal zeigt sich unsere Zusammenarbeit mit Gott gerade darin, dass wir treu bleiben, obwohl etwas schwer geworden ist.
Wir fragen dann nicht nur: „Gott, warum nimmst du diese Schwierigkeit nicht weg?“, sondern auch: „Gott, was kann ich in dieser Situation lernen? Wie soll ich mich verhalten? Wie kann ich auch hier lieben?“
6. Gott braucht keine perfekten Menschen
Vielleicht denken manche: Ich habe zu viele Fehler. Ich bin nicht heilig genug. Gott kann mit mir nicht viel anfangen.
Die Bibel erzählt uns jedoch etwas anderes.
Petrus war impulsiv und verleugnete Jesus. Paulus hatte die Christen verfolgt. Mose hatte Angst vor seiner Aufgabe. Thomas zweifelte. Trotzdem machte Gott aus ihnen seine Mitarbeiter.
Gott wartet nicht darauf, dass wir vollkommen werden, bevor er mit uns etwas beginnen kann. Er beginnt mit uns dort, wo wir gerade stehen.
Entscheidend ist unsere Bereitschaft: „Herr, hier bin ich. Ich habe Schwächen und Grenzen. Aber das, was ich bin und habe, stelle ich dir zur Verfügung.“
7. Zusammenarbeit mit Gott geschieht im Alltag
Wir dürfen Gottes Willen nicht nur in außergewöhnlichen Dingen suchen. Meistens begegnet er uns in ganz gewöhnlichen Situationen.
Vielleicht besteht Gottes Wille heute darin, einen schwierigen Menschen geduldig anzuhören. Vielleicht darin, eine Arbeit gewissenhaft zu erledigen, obwohl niemand dafür dankt. Vielleicht darin, einen Kranken zu besuchen, einem Menschen Mut zu machen oder auf ein verletzendes Wort nicht mit einem anderen verletzenden Wort zu antworten.
Das geistliche Leben entscheidet sich häufig in kleinen Dingen.
Jesus sagt: „Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen“ (Lk 16,10).
Unsere Zusammenarbeit mit Gott beginnt deshalb nicht irgendwann später. Sie beginnt heute, in der Situation, in der wir uns gerade befinden.
8. Jeden Tag neu fragen
Eine einfache geistliche Übung kann uns dabei helfen. Am Morgen können wir beten:
Herr, was möchtest du heute durch mich tun? Wem kann ich heute etwas von deiner Güte zeigen? Wo brauchst du heute meine Hände, meine Worte, meine Geduld und meine Liebe?
Und am Abend können wir zurückblicken:
Herr, wo habe ich heute mit dir zusammengearbeitet? Wo habe ich mich deiner Gnade verschlossen? Was möchtest du morgen mit mir weiterführen?
So verändert sich langsam unsere Beziehung zu Gott. Gott ist dann nicht mehr nur jemand, zu dem wir kommen, wenn wir etwas brauchen. Er wird zum Begleiter unseres Lebens.
Gott und ich – gemeinsam
Vielleicht lässt sich das ganze christliche Leben in einem einfachen Gedanken zusammenfassen:
Gott möchte in meinem Leben wirken, aber er möchte es nicht ohne meine freie Antwort tun.
Er schenkt die Gnade – ich soll sie annehmen.
Er zeigt den Weg – ich soll ihn gehen.
Er schenkt Kraft – ich soll sie einsetzen.
Er ruft zur Liebe – ich soll lieben.
Er vergibt mir – ich soll anderen vergeben.
Er gibt mir Talente – ich soll sie zum Guten verwenden.
Dann wird unser Leben zu einer wirklichen Zusammenarbeit mit Gott.
Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht nur: „Was kann Gott für mich tun?“
Vielleicht sollten wir viel öfter fragen:
„Herr, was möchtest du heute gemeinsam mit mir tun?“