Hl.Mauritius und Gefährten Mt 10,28-33
Gott, unser Herr, der retten und vernichten kann, sei mit euch.
Der heilige Mauritius gehört zu den bekanntesten Märtyrern des frühen Christentums im deutschsprachigen Raum, und sein Name ist mit einem der eindrücklichsten Zeugnisse kollektiven Glaubensmutes verbunden: dem Martyrium der Thebäischen Legion.
Gott liebt uns. Deshalb brauchen wir uns nicht zu fürchten und dürfen ihm voll vertrauen.
Jesus, du hast aller Versuchung widerstanden. Herr, erbarme dich unser.
Du hast die bösen Geister besiegt. Christus, erbarme dich unser.
Durch deinen Tod hast du allen das Leben geschenkt. Herr, erbarme dich unser.
Die historische Überlieferung, die vor allem auf Bischof Eucherius von Lyon aus dem 5. Jahrhundert zurückgeht, berichtet Folgendes: Im späten 3. Jahrhundert, unter Kaiser Maximian, diente in der römischen Armee eine Legion, die ihren Ursprung in der Thebais im oberen Ägypten hatte – einer Region, die zu dieser Zeit bereits stark christianisiert war. Diese Legion, schätzungsweise sechstausend Mann stark, war unter dem Befehl des Offiziers Mauritius nach Gallien verlegt worden, in das Gebiet des heutigen Wallis in der Schweiz, nahe der Stadt Agaunum, dem heutigen Saint-Maurice-en-Valais.
Kaiser Maximilian befahl seiner Armee, an heidnischen Opferriten teilzunehmen und anschließend Christen in der Region zu verfolgen. Die Thebäische Legion verweigerte beides. Mauritius sprach für seine Männer: Sie seien bereit, dem Kaiser in allem zu dienen, was mit ihrem Gewissen vereinbar sei – aber heidnische Götter anzubeten und unschuldige Mitbürger zu verfolgen, das könnten sie nicht. Sie seien Soldaten, aber zuerst Christen.
Maxilians Reaktion war brutal und systematisch. Er befahl die Dezimierung der Legion – das heißt, jeden zehnten Mann hinrichten zu lassen – in der Hoffnung, den Widerstand zu brechen. Die Überlebenden hielten stand. Eine zweite Dezimierung. Wieder hielten sie stand. Schließlich ordnete der Kaiser die Hinrichtung der gesamten Legion an. Die Männer sollen die Waffen niedergelegt haben und den Tod empfangen haben, ohne Widerstand zu leisten.
Mauritius wurde zusammen mit seinen Offizieren Exuperius und Candidus als Erster hingerichtet. Ihr Festtag ist der 22. September, wahrscheinlich im Jahr 286.
Die historische Frage, ob das Martyrium in dieser Größenordnung tatsächlich so stattfand, ist unter Historikern umstritten. Ein Massenmartyriums einer ganzen Legion ist schwer zu belegen, und die Überlieferung enthält legendäre Züge. Aber der historische Kern – dass christliche Soldaten in dieser Region den Märtyrertod starben, weil sie den Befehl zur Verfolgung von Christen verweigerten – gilt als historisch glaubwürdig.
Was die Geschichte des Mauritius unabhängig von den historischen Detailfragen so bedeutsam macht, ist ihre theologische und ethische Aussage: Es gibt Befehle, die ein Mensch nicht ausführen darf. Nicht, weil er feige ist, sondern weil er ein Gewissen hat. Die Thebäische Legion hat nicht rebelliert, nicht gekämpft, nicht die Flucht ergriffen. Sie hat einfach Nein gesagt – und dieses Nein mit dem Leben bezahlt.
Diese Haltung hat durch die Jahrhunderte Wirkung gezeigt. Franz von Assisi sah in Mauritius ein Vorbild für die Verbindung von militärischer Tugend und christlichem Zeugnis. Der selige Franz Jägerstätter war ein österreichischer Bauer, der im Zweiten Weltkrieg den Kriegsdienst für Hitler verweigerte und 2007 seliggesprochen wurde. Er berief sich auf dasselbe Prinzip: dass der Gehorsam gegenüber Gott und dem Gewissen dem Gehorsam gegenüber menschlicher Autorität vorgeht, wenn diese Autorität zum Bösen zwingt.
Die Verehrung des heiligen Mauritius ist im deutschsprachigen Raum außerordentlich lebendig. Zahlreiche Städte, Kirchen und Bistümer tragen seinen Namen oder haben ihn als Patron – darunter das Bistum Saint-Maurice in der Schweiz, die Stadt Magdeburg mit ihrem Dom, der ihm geweiht ist, und viele Orte in
Österreich, der Schweiz und Deutschland. Er ist Patron der Infanterie, der Soldaten, der Weber und der Färber, und in manchen Regionen auch Patron gegen Gicht und Ohrenschmerzen.
Die Abtei Saint-Maurice d’Agaune im Wallis, die über dem Ort seines Martyriums errichtet wurde, ist eine der ältesten christlichen Kultstätten des Abendlandes. Sie besteht als Kloster bis heute ununterbrochen – seit dem 4. Jahrhundert, als Bischof Theodor von Octodurus dort die ersten Märtyrergräber ausbauen ließ.
Mauritius und seine Gefährten erinnern uns daran, dass der Glaube keine Privatangelegenheit ist, die man sauber von den anderen Lebensbereichen trennen kann. Er formt das Gewissen. Und ein geformtes Gewissen gerät irgendwann in Konflikt mit einer Welt, die andere Maßstäbe anlegt. In diesem Moment zeigt sich, was wirklich gilt.
Gott liebt uns. Deshalb brauchen wir uns nicht zu fürchten und dürfen ihm voll vertrauen.
Die Bosheit der Welt kann uns nicht mehr schaden, wenn wir den Frieden des Herrn besitzen. Wir bitten ihn.
Selig, wer sich zu Jesus Christus bekennt und aufgenommen wird vom Vater im Himmel.
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