Hl.Michael,Hl. Gabriel und Hl.Rafael,Erzengel.Joh 1,47-51

 

Jesus Christus, der Herr, über dem die Engel auf und niedersteigen, sei mit euch.

Die Kirche feiert heute ein Fest, das uns einlädt, den Blick zu weiten – über die sichtbare Welt hinaus, in jene Wirklichkeit, die unsere Augen nicht sehen, aber die der Glaube bezeugt: die Welt der Engel. Und nicht irgendwelcher Engel, sondern jener drei, denen Gott selbst in der Heiligen Schrift Namen und Aufgaben gegeben hat: Michael, Gabriel und Rafael.

Dir dienen die  Scharen der  Engel. Herr,erbarme dich unser.

Engel haben dich den Menschen verkündet. Christu, erbarme dich unser.

Engel waren Zeugen an den Höhenpunkten deines  Lebens. Herr,erbarme dich unser.

Das ist kein Zufall. In der hebräischen Tradition trägt nur jemand einen Namen, der eine Sendung hat. Und die Namen dieser drei Erzengel sind selbst schon Theologie: Michael bedeutet „Wer ist wie Gott?“ – eine rhetorische Frage, die eine Antwort enthält: niemand. Gabriel bedeutet „Gott ist mein Held“ oder „Kraft Gottes“. Rafael bedeutet „Gott heilt“. Drei Namen, drei Dimensionen des göttlichen Handelns: Einzigartigkeit, Kraft und Heilung Gottes.

Beginnen wir mit Michael. Er erscheint im Buch Daniel als der bedeutende Fürst, der für das Volk Gottes eintritt (Dan 12,1). Im Judasbrief streitet er mit dem Teufel um den Leichnam des Mose. Und in der Offenbarung des Johannes führt er den himmlischen Kampf gegen den Drachen – jenen alten Feind, der die Menschheit anklagt und verführt. „Da entbrannte im Himmel ein Kampf: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen“ (Offb 12,7).

Michael ist der Kämpfer. Nicht im Sinne kriegerischer Gewalt, sondern im Sinne jener Kraft, die sich dem Bösen entgegenstellt und nicht weicht. Die Kirche hat ihn seit den frühesten Jahrhunderten als Schutzpatron verehrt – als den, der dort steht, wo die Dunkelheit vordringt. Die Frage seines Namens – „Wer ist wie Gott?“ – ist seine Waffe. Denn wer diese Frage wirklich stellt, hat die Anmaßung des Bösen bereits durchschaut. Das Böse lügt immer: Es tut so, als hätte es die letzte Macht. Michael weiß, dass das nicht stimmt.

Gabriel tritt in der Heiligen Schrift dreimal auf – und jedes Mal an einem Wendepunkt der Heilsgeschichte. Er erscheint dem Propheten Daniel und erklärt ihm die Visionen der Endzeit. Er erscheint Zacharias im Tempel und kündigt die Geburt des Johannes an. Und dann kommt jener Moment, der alles andere überragt: Gabriel tritt zu einer jungen Frau in Nazareth und sagt: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir“ (Lk 1,28). Mit diesen Worten beginnt die Menschwerdung Gottes. Gabriel ist der Bote der Inkarnation.

Was Gabriel uns zeigt, ist die Ehrfurcht Gottes vor dem Menschen. Gott drängt sich nicht auf. Er schickt einen Boten. Er wartet auf ein Ja. Maria hätte Nein sagen können – und Gabriel hätte es weitergegeben. Das ist die Würde, die Gott dem Menschen zutraut: die Freiheit, Gott einzulassen oder nicht. Gabriel steht für die Botschaft, die immer neu an jeden Menschen ergeht: Gott möchte in dein Leben eintreten. Die Frage ist, ob du öffnest.

Rafael begegnet uns vor allem im Buch Tobit – jenem wunderbaren, fast romanhaften Buch des Alten Testaments, das die Fürsorge Gottes für den einzelnen Menschen in einer konkreten Geschichte erzählt. Rafael begleitet den jungen Tobias auf einer langen und gefährlichen Reise, ohne sich zu erkennen zu geben. Er ist der verborgene Begleiter, der Heilung bringt – für die Blindheit des alten Tobit, für die Dämonie, die Sara quälte, für die Trauer einer ganzen Familie. Erst am Ende enthüllt er sich: „Ich bin Rafael, einer der sieben Engel, die vor Gott stehen und Zutritt zu seiner Herrlichkeit haben“ (Tob 12,15).

Rafael ist der Engel der verborgenen Begleitung. Er zeigt uns, dass Gott nicht immer spektakulär eingreift. Manchmal schickt er jemanden, der einfach mitgeht – unauffällig, geduldig, heilend. Wie oft haben wir in unserem eigenen Leben Menschen erfahren, die genau im richtigen Moment da waren, ohne dass wir es geplant hätten? Die Theologie des Rafael sagt uns: Das ist kein Zufall. Gott begleitet sein Volk – manchmal durch Engel, manchmal durch Menschen, die wie Engel handeln.

Die Engel sind in unserer Zeit etwas aus der Mode gekommen – zumindest in ihrer ernsthaften theologischen Bedeutung. Man findet sie auf Grußkarten und als Dekoration, aber kaum mehr als lebendige Wirklichkeit des Glaubens. Das ist schade. Denn die Kirche bezeugt seit ihren Anfängen, dass die sichtbare Welt nicht alles ist. Dass hinter dem, was wir sehen, eine Wirklichkeit steht, die mächtiger ist als das Sichtbare. Und dass Gott diese Wirklichkeit in seinen Dienst gestellt hat – für uns.

Michael erinnert uns: Das Böse hat nicht das letzte Wort. Gabriel erinnert uns: Gott wartet auf unser Ja. Rafael erinnert uns: Wir sind nie allein unterwegs, auch wenn wir den Begleiter nicht sehen.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat in der Konstitution Gaudium et spes geschrieben, dass der Mensch nicht allein gelassen wird in seinem Weg durch die Geschichte. Das Fest der Erzengel gibt diesem Satz ein Gesicht – drei Gesichter, die aus der Schrift auf uns herabschauen und uns sagen: Kämpf. Öffne dich. Vertrau dem Weg.

Bitten wir heute um die Fürsprache der heiligen Erzengel – dass Michael uns Kraft gebe im Kampf gegen das Böse in uns und um uns, dass Gabriel uns die Bereitschaft schenke, Gottes Wort anzunehmen, und dass Rafael uns begleite auf all unseren Wegen, sichtbar und unsichtbar, bis wir am Ziel ankommen.

Zum Vater ,der die  Herzen  durchschaut und alle unsere Sorgen  und Anliegen kennt, dürfen wir  beten.

Die Engel,sind unsere Begleiter. Sie führen uns zum Frieden, um den wir den Herrn bitten.

Selig, die an den Sohn Gottes glauben und den Himmel offen sehen werden.

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