Heilige Schutzengel Mt 18,1-5.10

„Gott,der Herr, der seine Engel sendet als Schutz und Beistand für die Menschen,sei mit euch.

Kennst du deinen Schutzengel?“ Wenn man Kinder das fragt, nicken sie sofort. Wenn man Erwachsene fragt, wird es still. Viele von uns haben den Schutzengel irgendwo in der Kindheit zurückgelassen, zwischen dem Abendgebet „Abends, wenn ich schlafen geh“ und alten Bildern an der Schlafzimmerwand.

Scharen der Engel dienen dir. Herr,erbarme dich  unser.

Du sendest Engel als deine Boten. Christus,erbarme. dich unser.

Du hast uns Engel zum Schutz gegeben. Herr,erbarme dich unser.

Die Kirche aber hat ihn nicht zurückgelassen. Heute feiert sie ihn. Und das ist kein nostalgisches Kinderfest. Es ist ein Fest des Glaubens an die Nähe Gottes.

In der ersten Lesung sagt Gott: „Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Weg.“ Gott weiß: Der Weg ist gefährlich. Der Weg durch die Wüste damals für Israel, der Weg durch unser Leben heute, ist kein Spaziergang. Es gibt Umwege, Versuchungen, Erschöpfung. Und deshalb geht Gott nicht nur mit, er geht vor uns. Der Schutzengel ist das Zeichen dafür, dass Gott uns nicht ins Ungewisse schickt und dann von oben zuschaut. Er stellt uns einen Begleiter an die Seite.

Und im Evangelium sagt Jesus den schärfsten Satz zu diesem Fest:

„Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines Vaters.“

Was sagt Jesus da?

1. Jeder Mensch hat ein Angesicht, das Gott ansieht. Du bist nie nur eine Nummer, nie nur Leistung, nie nur das, was andere über dich denken. Dein Engel sieht Gott. Das heißt übersetzt: Du hast eine unzerstörbare Würde. Auch wenn du dich klein fühlst, am Rand, schuldig, gescheitert – im Himmel kennt man dein Gesicht. Dein Engel ist dein Anwalt vor Gott.

2. Schutzengel schützen nicht vor allem Leid, sondern im Leid. Wir haben die falsche Vorstellung, der Engel sei wie ein Airbag, der jeden Unfall verhindert. Dann müssten wir enttäuscht sein. Schaut auf das Leben: Krankheit, Unfall, Trauer gibt es trotzdem. Aber der Engel bewahrt uns vor etwas Tieferem: davor, dass wir auf dem Weg verloren gehen. Er hält unser Herz offen für Gott, er flüstert uns das Gute ein. Manchmal ist es dieser unerklärliche Gedanke: Ruf ihn an. Geh beichten. Vergib. Halte durch. Das ist oft die Stimme des Engels.

3. Wir sollen selbst zum Schutzengel werden. Wer einen Engel hat, hat auch einen Auftrag. Jesus sagt: Verachtet die Kleinen nicht. In jedem Kindergarten, in jeder Schule, in jedem Pflegeheim in Amstetten sitzen diese „Kleinen“ – Menschen, die Schutz brauchen. Ein Kind, das niemand abholt. Ein Nachbar, der vereinsamt. Ein Jugendlicher, der keinen Halt hat. Gott hat keine anderen Hände als unsere. Er will, dass wir für andere das werden, was unser Engel für uns ist: einer, der vorangeht, der behütet, der nicht verurteilt.

Vielleicht ist heute ein guter Tag, um dieses alte Gebet wieder hervorzuholen. Nicht als kindliche Formel, sondern als Glaubensbekenntnis eines Erwachsenen:

Engel Gottes, mein Beschützer, dir hat Gottes Liebe mich anvertraut. Erleuchte, beschütze, führe und leite mich. Amen.

Dass du behütet bist, heißt nicht, dass dir nichts passiert. Es heißt: Du fällst nie tiefer als in Gottes Hand. Und diese Hand hat einen Namen in deinem Leben. Heute dürfen wir ihn wieder beim Namen nennen: Mein Schutzengel.

Gott erhört die Bitten seiner Kinder. Deshalb wagen wir zu beten.

Engel sind die Boten des Friedens. Wir bitten den Herrn um seinen Frieden.

Selig, die dem Schutz der Engel vertrauen und Gottes Angesicht schauen werden.

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