1.Fastensonntag A 2014 Mt 4,1-11

1. Fastensonntag  A

Einleitung

Ein fünfjähriger Bub sammelte gelbe Steinchen und wusch sie im Bach. Sein Vater sagte: „Lass das, das ist nur Katzengold.“ Der Bub antwortete: „Gold kann alles sein, was einem teuer ist.“ Dieser Ausspruch ist eine wahre Aussage für das  Leben. Für diesen Buben waren eben die gelben Steine Gold. Wenn er älter wird, werden vermutlich Computerspiele Gold für ihn sein und als erwachsener Mann wird er vielleicht zu einem, von ihm geliebten Mädchen,  sagen: „Du bist mein Goldschatz“.                                                                        Schön ist es, wenn ein Mensch darauf kommt, dass Gott für ihn Gold bedeuten kann und er Jesus als sehr wichtig erkennt.  Jeder Mensch kann frei entscheiden, was in seinem Leben wichtig ist und was unwesentlich ist.  Jeder Mensch unterliegt aber auch den Versuchungen, Werte umzukehren.                                                                                 Auch Jesus musste sich entscheiden: Was ist für mich wichtig und was ist unbedeutend? Darüber erfahren wir im heutige Evangelium.

Predigt

Der Evangelist Matthäus erwähnte im eben gehörten Evangelium dreierlei Versuchungen Jesu durch den Teufel in der Wüste.                                                                                          Die erste Versuchung war die Verwandlung von Steinen in Brot.  Damit  sollte  Jesus seine Fähigkeit zeigen, die Naturgesetze zu verändern.                                                               Die zweite Versuchung war, dass Jesus sich vom Tempel herabstürzen sollte und ihm dabei ja nichts passieren könnte.  Er sollte also den Schutz Gottes ausnützen.            Die dritte Versuchung war das Angebot des Teufels, er würde ihm alles geben, wenn er vor ihm niederfällt und ihn anbetet. Er sollte also seine Liebe und seine Treue zum Vater einfach aufgeben.

Wer die Bibel kennt, weiß, dass die Verwandlung der Steine zu Brot irgendwie mit der Wanderung des jüdischen Volkes in der Wüste zusammenhängt. Das Volk fand damals jeden Morgen das Manna, obwohl sie nichts arbeiteten und sie kamen zu der Einsicht, dass es Gott sei, der dieses Wunder vollbringt und es auch wiederholen wird.   Wie kann es aber Wohlstand ohne Arbeit geben?                                                 Jesus stand auch vor dieser Frage, da er doch der verheißene Messias war. Und wie wissen, bei Jesus gab es die große Brotvermehrung und Jesus gab uns auch das eucharistische Brot. Da ist aber ein großer Unterschied zur Forderung des Satans, die Steine zu Brot zu verwandeln. Damit wollte Satan nur zeigen, dass Jesus das kann, aber dass Gott dabei unwesentlich ist. Jesu Wunder sind anderer Art, er schenkt sich uns heute noch bei jeder Heiligen Messe. Durch den Priester sagt Jesus zu uns: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ Er sagt aber auch: „Das Weizenkorn muss sterben, damit es reiche Frucht bringt.“ Jesus lädt alle Menschen zu einer Umwandlung in seinem Innersten ein. Das Angebot des Teufels birgt die Gefahr in sich, dass es genügt,  den Menschen genügend Brot, eine soziale Absicherung und  einen hohen Lohn zu geben. Ist damit auch das Heil verbunden? Nein, durchaus nicht, denn wenn Menschen noch so viel Brot haben, sie werden ohne Gott nicht das Heil erlangen. Damit wird keinesfalls ausgedrückt, dass das Brot nicht notwendig sei. Aber wir sollten bedenken, dass auch Gott und ein geistliches Leben lebensnotwendig sind.                                                                                     

Aus dem Fond der Europäischen Union kann man Geld für Schule, Kanalisation, Autobahnbau und vieles mehr bekommen, doch leider gibt es hier keine Projekte, die das religiöse und kirchliche Leben  finanziell unterstützen. Für die technische Entwicklung gibt es Geld, für die geistliche Entwicklung gibt es nichts.

 Wenn wir am Sonntag die heilige Messe besuchen, dann  zeigen wir, dass Gott für uns wichtig ist. Darüber sollten wir in dieser Fastenzeit besonders nachdenken, denn der Sinn dieser Zeit ist, dass Gott wir in unserem Leben jenen Platz einräumen sollen, der ihm gebührt.

Ich möchte auch noch eine kurze Geschichte erzählen: Eines späten Nachmittags entschlossen sich die Eltern eines Sohnes, das Basketballmatch zu besuchen, an dem er beteiligt war. Unterwegs trafen sie einen Vater, dessen Sohn ebenfalls bei diesem Basketballmatch mitspielte. Dieser Vater meinte aber, er könne wegen einer unaufschiebbaren Arbeit nicht hingehen und  zuschauen. In der Halle angekommen, stellten nun diese Eltern fest, dass keiner der Eltern oder Väter,  deren Söhne mitspielten,  zu diesem Match gekommen waren, außer dem einen, den sie unterwegs trafen. Da begannen sie ein gutes Gespräch mit jenem Vater.  Dabei fielen folgende Worte: „Es ist doch großartig, wenn wir unsere Söhne beobachten können, mit welcher Freude und welchem Einsatz sie Basketball spielen.“ Der Vater, der zuerst nicht kommen wollte, sagte darauf: „Sicherlich ist das gut, dass wir da sind. Aber vorerst habe ich eben ein wenig gezögert, weil ich meine Arbeit noch nicht vollendet hatte. “ Es entwickelte sich dann ein sehr angeregtes Gespräch, dass zutage brachte, wie oft man eigentlich die Familie wegen vermeintlich wichtigen Arbeiten vernachlässigt. Die Arbeit war scheinbar für mehrere Eltern wichtiger als das Basketballmatch ihrer Kinder. Ja, die Sehnsucht nach einem immer größeren Wohlstand treibt viele Menschen zu immer größeren Arbeitsleistungen, manchmal bis zur völligen Erschöpfung.   Jenem Vater wurden damals die Worte aus dem Buch Kohelet, Kapitel 4, Vers 6  bewusst, wo es heißt:  Besser eine Hand voll und Ruhe, als beide Hände voll und Arbeit und Luftgespinst. Arbeit kann zur Droge werden. Diese Geschichte erzählt davon, dass jeder Mensch in Versuchung gerät, immer mehr Zeit den äußeren  Aktivitäten zu widmen. Für die Familie, für das geistliche Leben bleibt dann keine Zeit mehr.

Darum möchte ich an dieser Stelle an uns alle folgende Fragen stellen: Was ist für mich wichtiger?  Ist es der materielle Reichtum oder der geistliche Reichtum? Was für einen Platz hat Gott in meinem Leben?                                 Jesus zeigte uns ganz klar den Weg. Er verwandelte nicht Steine  in Brot. Er sagte so passend, im 4. Vers des heutigen Evangeliums: “ Nicht nur von Brot lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“.

 

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