Jesus Christus,der uns durch sein Kreuz ewiges Leben erworben hat, sei mit euch.
Liebe Schwestern und Brüder, wir erhöhen heute das Kreuz. Wir schmücken es, wir vergolden es, wir stellen es in die Mitte.
Das ist eigentlich absurd.
Das Kreuz war kein Schmuckstück. Es war das grausamste Hinrichtungswerkzeug der Römer. Ein Marterpfahl für Sklaven und Aufrührer. Ein Ort der Schande, an dem man langsam und öffentlich erstickt.
Jesus, du bist am Kreuz erhöht worden.Herr,erbarme dich unser.
Du hast für uns das Kreuz getragen.Christus,erbarme dich unser.
Du wirst wiederkommen im Zeichen des Kreuzes.
Niemand hätte ein Kreuz um den Hals getragen. So wenig würden wir heute einen elektrischen Stuhl als Kette tragen.
Und genau das feiern wir: Dass Gott dieses Zeichen der tiefsten menschlichen Niederlage genommen und umgedreht hat. Nicht weggenommen – umgedreht.
Die drei Blicke aufs Kreuz Das Wort Gottes heute gibt uns drei Blicke, um das zu verstehen.
Der erste Blick: Der Blick, der heilt. – Numeri 21
Israel murrt in der Wüste. Gott schickt Feuerschlangen. Viele sterben. Dann sagt Gott zu Mose: „Mach eine eherne Schlange und erhöhe sie an einem Pfahl.“ Wer sie anschaut, wird leben.
Die Menschen müssen auf das schauen, vor dem sie am meisten Angst haben. Sie müssen auf ihr eigenes Gift schauen. Und im Anschauen werden sie heil.
So ist es mit dem Kreuz. Wir wollen wegsehen vom Leiden. Vom Scheitern. Von unserer Schuld, unserer Krankheit, unserem Tod. Das Kreuz zwingt uns hinzusehen. Aber es sagt: Schau hindurch. Dahinter bin ich.
Der zweite Blick: Der Blick nach unten. – Philipper 2
Paulus singt einen uralten Hymnus: Christus war Gott gleich – und er hielt nicht daran fest. Er stieg hinab. Wurde Mensch. Wurde Sklave. Gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz.
Wir denken, Gott erhöht sich. Gott beweist, Gott siegt. Aber Gott erhöht sich, indem er sich erniedrigt. Das ist die Logik des Kreuzes.
Darum heißt das Fest nicht „Kreuzverherrlichung“, sondern „Kreuzerhöhung“. Nicht wir erhöhen das Kreuz. Gott hat im Kreuz seinen Sohn erhöht, gerade weil er ganz nach unten gegangen ist.
Frage für uns: Wo in meinem Leben ist gerade unten? Wo ist mein persönliches Kreuz? Krankheit, Sorge um die Kinder, eine zerbrochene Beziehung, Erschöpfung im Beruf. Genau dort, sagt Paulus, ist Gott schon gewesen. Tiefer als du fallen kannst, ist er schon gefallen, um dich dort aufzufangen.
Der dritte Blick: Der Blick nach oben. – Johannes 3
Jesus sagt zu Nikodemus: „Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm das ewige Leben hat.“
Am Kreuz passiert keine Niederlage. Da passiert Liebe. „So sehr hat Gott die Welt geliebt.“
Das Kreuz ist kein Zahlautomat, bei dem Gott bezahlt werden musste. Das Kreuz ist die letzte Konsequenz der Liebe. Gott sagt: „Ich gehe dir nach bis ins Letzte.“ Bis in den Tod. Damit du weißt: Es gibt keinen Ort mehr ohne mich. Nicht einmal das Grab ist gottlos.
Was heißt Kreuzerhöhung heute? Was heißt es also, das Kreuz zu erhöhen? Drei ganz konkrete Dinge:
Das Kreuz wieder aufrichten. In unseren Wohnungen, in unseren Schulen, ja, in unseren Herzen. Nicht als Dekoration, sondern als Widerspruch. Gegen die Lüge, wonach nur Starkes, Schönes und Erfolgreiches zählen.
Das eigene Kreuz annehmen. Nicht suchen, nicht romantisieren. Aber auch nicht weglaufen. Mein Kreuz tragen heißt: Ja sagen zum Leben, das mir gegeben ist, mit seinen Wunden. Und darauf vertrauen, dass Gott es verwandeln kann.
Die heilige Edith Stein hat gesagt: „Das Kreuz ist das wieder aufgerichtete Heilszeichen. Wer es im Glauben anschaut, wird leben.“
Zum Kreuz für andere werden. Menschen brauchen Menschen, die bleiben, wenn es schwer wird. Die nicht nur bei der Party dabei sind, sondern auch am Krankenbett und im Trauerhaus. Kreuzerhöhung heißt: Ich werde selbst ein bisschen Halt für andere schaffen.
Schluss: Am Ende bleibt ein einfaches Bild.
Auf den Ikonen wird das Kreuz oft als Lebensbaum dargestellt. Totales Holz, das plötzlich grünt und blüht.
Das ist unsere Hoffnung heute. Was tot aussah, lebt. Was Schande war, ist Herrlichkeit. Was Ende war, ist Anfang.
Darum lasst uns aufstehen und das Kreuz erhöhen – nicht nur hier in der Kirche, sondern auch in unserem Leben.
Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.
Im Namen Jesu Christi,der durch sein Kreuz die Welt gerettet hat,wagen wir zum Vater zu beten.
Das Kreuz,einst ein Zeichen der Schande,hat uns den Frieden gebracht.Deshalb bitten wir.
Selig, die gerettet werden durch Jesus Christus,der für uns am Kreuz erhöht worden ist.
Gott möchte in unser Leben eintreten. Es ist gut, wenn wir zu Gott sagen: „Gott, tritt in mein Leben ein.“ Wenn wir das zu Gott sagen, müssen wir es auch wirklich glauben. Dabei ist eine richtige Beziehung zu Gott notwendig. Wenn wir Angst haben oder einer Person nicht vertrauen, lassen wir sie nicht in unser Leben. Wir errichten gleichsam eine Plexiglasscheibe.
Jesus hat oft Dinge gesagt, denen wir im Grunde nicht glauben. Offen sagen wir das jedoch nicht. Jesus hat klar gesagt: Um was auch immer ihr in meinem Namen bitten werdet, das wird Gott euch geben. In Wirklichkeit aber haben wir kein Vertrauen darauf, dass Gott uns das gibt, worum wir ihn bitten. Über das Wort Gottes müssen wir meditieren, damit wir Jesus in einem anderen Licht sehen. Es genügt nicht, sich nur mit religiösen Erlebnissen zu sättigen. Gefühle sind flüchtig. Wir müssen alles dafür tun, dass das Wort Gottes in unserem Leben wirksam wird.
Oft sind wir vom Denken anderer Menschen beeinflusst; ihnen vertrauen wir mehr als Jesus. Ich nenne ein Beispiel. Jesus hat mehrfach vom ewigen Leben gesprochen. Er sprach in Gleichnissen. Seine Lehre bestätigte er durch Wunder. Und dennoch gibt es Menschen, die sagen: Nun ja, wer weiß, ob das wahr ist – und diese Menschen vermögen Zweifel in unser Leben zu säen, und am Ende glauben wir ihnen mehr als Jesus. Und das Paradoxe daran ist: Diese Menschen haben keinerlei Beweise für ihre Behauptungen.
Noch ein weiteres Beispiel. Ein bestimmter Pastor in der Slowakei sagte in einem Vortrag: „Ich versichere Ihnen, dass Jesus im Allerheiligsten Sakrament nicht gegenwärtig ist.“ Und so muss der Mensch eine Entscheidung treffen: Entweder glaubt er Jesus oder diesem Pastor. Aber hier darf der Mensch fragen: Auf welcher Autorität beruht diese Aussage des Pastors? Hat er damit nicht seine Kompetenzen überschritten?
Für viele Menschen ist es ein Problem, dass sie das Wort Gottes nicht in seiner Fülle annehmen. Sie nehmen nur das an, was ihnen passt. Wir können nicht wollen, dass Jesus in unser Leben eintritt, wenn wir seine Lehre nicht annehmen – oder sie nur teilweise annehmen.
Jesus Christus,der Gutes tat und unser Leben retten wollte,sei mit euch.
Die heilige Notburga wurde um das Jahr 1265 in Rattenberg am Inn in Tirol geboren, in eine einfache Familie hinein. Ihr Leben ist das Leben einer Frau, die nie eine bedeutende Stellung innehatte, nie ein Kloster gründete, nie eine große Organisation aufbaute. Sie war Dienstmagd. Und in dieser schlichten Aufgabe wurde sie heilig.
Jesus,du hast allen Gutes getan und geholfen.Herr, erbarme dich unser.
Du hast geheilt,was verwundert und zerstört war.Christus,erbarme dich unser.
Du kamst,als der Herrscher über Leben und Tod.Herr, erbarme dich unser.
Notburga trat als junges Mädchen in den Dienst des Grafen Heinrich von Rottenburg auf Schloss Rottenburg bei Jenbach in Tirol. Dort arbeitete sie zunächst in der Küche. Was sie auszeichnete, war ihre Gewohnheit, die Speisereste nicht wegzuwerfen, sondern heimlich an die Armen und Bettler weiterzugeben, die vor dem Schloss warteten. Das war keine Kleinigkeit. Sie riskierte damit ihren Dienst, ihre Sicherheit, ihren Unterhalt.
Als die erste Gräfin starb und Graf Heinrich eine neue Frau heiratete, änderten sich die Verhältnisse auf Schloss Rottenburg grundlegend. Die neue Gräfin Ottilia duldete Notburgas Freigebigkeit gegenüber den Armen nicht. Sie befahl, die Speisereste den Schweinen zu geben, nicht den Bettlern. Notburga weigerte sich innerlich, gehorchte äußerlich soweit es ihr Gewissen erlaubte – und wurde schließlich entlassen.
Sie trat daraufhin in den Dienst eines Bauern im Dorf Eben am Achensee. Dort lebte sie einfach, arbeitete treu und hielt an ihrer Frömmigkeit fest. Die Legende, die sich um sie am stärksten festgesetzt hat, ist die des Samstagnachmittags: Als die Ernteglocke läutete und der Bauer wollte, dass die Knechte trotz des beginnenden Sonntags noch weiterarbeiteten, soll Notburga ihre Sichel in die Luft geworfen haben mit den Worten: „Mein Herr, die Sichel soll da hängen, bis der Sonntag vorüber ist.“ Und die Sichel blieb – der Überlieferung nach – in der Luft hängen, als sichtbares Zeichen, dass der Sonntag dem Herrn gehört und nicht der Arbeit.
Diese Geschichte ist mehr als eine fromme Legende. Sie ist Ausdruck einer tiefen Überzeugung, die Notburgas ganzes Leben durchzog: Es gibt Grenzen, die der Mensch nicht überschreiten darf – Grenzen, die Gott selbst gesetzt hat. Der Sonntag gehört Gott. Die Würde des Armen gehört Gott. Das Gewissen gehört Gott. Und keine menschliche Autorität, sei es die Gräfin oder der Bauer, kann diese Grenzen aufheben.
Gegen Ende ihres Lebens kehrte Notburga nach Schloss Rottenburg zurück. Graf Heinrich hatte seine zweite Frau verloren, bereute die Ungerechtigkeiten, die Notburga erlitten hatte, und rief sie zurück. Sie kehrte zurück – ohne Bitterkeit, ohne Vorwürfe. Diese Rückkehr ohne Groll ist vielleicht das Stille und Tiefste an ihrer Geschichte.
Sie starb um das Jahr 1313. Ihrem letzten Willen entsprechend wurde ihr Leichnam auf einen Wagen gelegt und die Ochsen sollten ohne Lenkung gehen, wohin sie wollten. Sie blieben an der Kirche von Eben am Achensee stehen. Dort wurde Notburga begraben, und dort steht bis heute die Wallfahrtskirche, die ihren Namen trägt und zu den bekanntesten Wallfahrtsorten Tirols gehört.
Papst Pius IX. bestätigte ihre Verehrung 1862. Ihr Festtag ist der 14. September. Sie ist die Patronin der Dienstboten, der Bauern, der Mägde und Knechte, der arbeitenden Menschen überhaupt. In Tirol und Bayern ist ihre Verehrung bis heute lebendig.
Was uns Notburga heute zu sagen hat, ist vielleicht gerade deshalb so aktuell, weil ihr Leben so unspektakulär war. Sie hat keine Schlachten gewonnen, keine Bücher geschrieben, keine Orden gegründet. Sie hat ihren Alltag gelebt – mit Treue, mit Mitgefühl für die Armen, mit dem Mut, Nein zu sagen, wenn das Gewissen es verlangte. Sie zeigt uns, dass Heiligkeit kein Privileg der Großen und Mächtigen ist. Sie wächst dort, wo ein Mensch das Kleine treu tut – und dabei Gott nicht aus den Augen verliert.
Jesus Christus kam als der verheißene Messias.In seinem Namen beten wir zum Vater.
Gott will das Gute und nie das Böse.Deshalb dürfen wir um seinen Frieden bitten.
Selig,die Jesus Christus und seiner Macht begegnen und das Heil des ewigen Lebens empfangen.
Liebt eure Feinde, tut Gutes und leiht, wo ihr nichts zurückerhofft! So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein. › Lk 6,35
Was Jesus von uns verlangt, mag unmöglich erscheinen. Aber das Bewusstsein, dass Er uns zuerst geliebt hat, führt uns dazu, dieselbe Liebe mit allen teilen zu wollen. Man sagt, die Rede von den Seligpreisungen sei wie ein Selbstporträt Jesu. Und auf besondere Weise lässt sie sein Herz erkennen – das Herz des Sohnes, der alles vom Vater empfangen hat –, wenn er lehrt, wie die Lebensweise derer sein soll, die ihm nachfolgen.
Du hast uns die Barmherzigkeit des Vaters verkündet.Herr,erbarme dich unser.
Du hast immer Böses mit Gutem vergolten.Christus,erbarme dich unser.
Du hast deine Feinde geliebt und ihnen verziehen.Herr,erbarme dich unser.
Wenn wir Kinder des Höchsten werden wollen, haben wir ein klares Vorbild: Barmherzigkeit, Vergebung, Versöhnlichkeit und Liebe auch zu den Feinden. In Jesus, besonders in seinem Leiden, erstrahlt diese Haltung auf erhabene Weise: die stille und betende Hingabe seines Lebens zeigt seine Lehre in Taten. Auch jetzt, sitzend zur Rechten des Vaters, erweist er den Sündern unendliche Barmherzigkeit und ist immer bereit zu vergeben. Er ist der Sohn des Höchsten. Sein Ziel ist jedoch sehr hoch. Es scheint ein unerreichbares Ideal zu sein.
Jesus ist der Weg, so definiert er sich für uns. Und sein Wort ermahnt nicht nur, tröstet oder übermittelt eine Botschaft, sondern ist vor allem Gnade. Dieses heldenhafte Verhalten, das von den Jüngern verlangt wird, ist nicht unmöglich. Man muss es im Glauben annehmen, im Glauben darüber nachdenken, es sich zu eigen machen, davon überzeugt sein, dass alles möglich ist für den, der glaubt. Dann werden wir ihm folgen können, Ihn nachahmen, Ihn als unmittelbare Referenz in unserem täglichen Verhalten in den Beziehungen zu unseren Nächsten, im Familienleben, in der Arbeit, im öffentlichen Leben haben. Und wir werden diese Welt wirklich verändern, die so voller Gleichgültigkeit und Konfrontation ist.
Alle Schuld uns erlassen werden,wenn wir einander vergeben.Deshalb beten wir zum Vater.
Wir wollen nicht richten,sondrn einander vergeben,damit wir den Frieden des Herrn empfangen.
Selig,die Böses mit Gutem vergelten und reicht beschenkt werden am Tag der Vergeltung.
Jesus Christus,der seligpreist,die ihm auf seinem Weg folgen,sei,mit
Petras Claver wurde 1580 in Verdú in Katalonien geboren, in eine einfache bäuerliche Familie hinein. Er studierte bei den Jesuiten, trat in den Orden ein und reiste 1610 nach Südamerika – nach Cartagena de Indias, dem heutigen Kolumbien. Cartagena war damals einer der größten Sklavenhäfen der Welt.
Hier kamen die Schiffe aus Westafrika an, beladen mit Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen über den Atlantik transportiert worden waren. Viele überlebten die Überfahrt nicht. Die, die ankamen, waren erschöpft, krank, verängstigt, ihrer Sprache und ihrer Heimat beraubt.
Du hast die Armut und die Not dieses Lebens ertragen.Herr,erbarme dich unser.
Du hast Schmach und Tod auf dich genommen.Christus,erbarme dich unser.
Du hast nicht die Ehre der Welt ,sondern den Willen des Vaters gesucht.
In diesen Hafen ging Petrus Claver – nicht einmal, nicht gelegentlich, sondern vierzig Jahre lang, bis er selbst zu krank war, um zu gehen. Er wartete auf die Schiffe. Wenn sie einliefen, stieg er als einer der Ersten an Bord, hinab in die Laderäume, wo die Menschen unter dem Deck zusammengepfercht lagen. Er brachte Nahrung, Medizin, Kleidung. Er reinigte Wunden. Er hielt sterbende Menschen in den Armen.
Er nannte sich selbst „Sklave der Sklaven für immer“ – und das war keine rhetorische Geste. Es war eine rechtliche und spirituelle Selbstverpflichtung, die er bei seiner Profess ablegte. Er verstand seinen Dienst nicht als Wohltätigkeit von oben herab, sondern als Dienst an Christus selbst, der ihm in jedem dieser geschundenen Gesichter begegnete.
Was Petrus Claver tat, war in seiner Zeit nicht selbstverständlich – nicht einmal in kirchlichen Kreisen. Die Sklaverei war rechtlich anerkannt, theologisch legitimiert, wirtschaftlich unentbehrlich für die Kolonialgesellschaft. Petrus Claver hat die Sklaverei als Institution nicht formal bekämpft – das lag nicht in seiner Macht – aber er hat das getan, was er konnte: Er hat die Würde jedes einzelnen Menschen, der durch diesen Hafen kam, mit seinem ganzen Leben bezeugt. Er hat gezeigt, dass dieser Mensch, der wie eine Ware behandelt wurde, ein Kind Gottes ist.
Er taufte in vierzig Jahren Tätigkeit schätzungsweise dreihunderttausend Menschen – eine Zahl, die kaum zu begreifen ist. Aber hinter dieser Zahl stehen keine abstrakten Seelen, sondern Gesichter, Namen, Geschichten. Petrus Claver lernte mit Hilfe von Dolmetschern die Sprachen seiner Schützlinge, um ihnen das Evangelium in ihrer eigenen Sprache verkünden zu können. Er wollte nicht über sie hinwegsprechen. Er wollte mit ihnen sprechen.
Sein Dienst beschränkte sich nicht auf die Ankunft der Schiffe. Er besuchte die Sklaven auf den Plantagen, in den Bergwerken, in den Gefängnissen. Er setzte sich für ihre menschenwürdige Behandlung ein, oft gegen den Widerstand der Plantagenbesitzer und mancher Vertreter der Kolonialgesellschaft. Er war nicht beliebt bei den Mächtigen. Er war geliebt bei den Ohnmächtigen.
In seinen letzten vier Lebensjahren war er durch eine lähmende Krankheit an sein Zimmer gefesselt. Ein Mann, der vierzig Jahre lang täglich unterwegs gewesen war, lag nun still. Und die Art, wie er diese Ohnmacht erlebte, sagt vielleicht am meisten über ihn aus. Er klagte nicht. Er betete. Und wenn Sklaven zu ihm kamen, um ihn zu besuchen – diejenigen, denen er gedient hatte – empfing er sie mit derselben Würde, mit der er ihnen immer begegnet war.
Er starb am 8. September 1654. Die Stadtgesellschaft von Cartagena, die ihn zu Lebzeiten oft ignoriert oder belächelt hatte, gab ihm ein großes Begräbnis. Papst Leo XIII. sprach ihn 1888 heilig, im selben Jahr wie seinen Ordensbruder Alphons Rodriguez, der ihn einst als junger Mann zur Missionsarbeit ermutigt hatte.
Freude ist und verheißen und der große Lohn des Himmels.So wagen wir zum Vater zu beten.
Damit wir den Tag des Herrn in der Freude erleben,die und verheißen ist,wollen wir den Herrn um seinen Frieden bitten.
Selig,die den Weg der Nachfolge Christi gehen und Freude empfangen im Reich des Vaters.
Die Apostel hatten mit Jesus schon allerhand erlebt. Sie hatten seine Wunder gesehen. Nun waren sie mit ihm an einem einsamen Ort, zusammen mit etwa 5.000 Männern, ohne Frauen und Kinder zu zählen. Die Apostel wollen die Situation lösen und machen ihren Meister darauf aufmerksam, der sich offenbar ein wenig – und zwar ziemlich lange – vergessen hat, er solle das Volk entlassen, damit es sich etwas zu essen kaufe. Darauf stellt Jesus sie vor eine anspruchsvolle Aufgabe – gebt ihr ihnen zu essen! Das ist euer Problem, löst es! In dieser Herausforderung haben sie die Möglichkeit, die Schwierigkeit der Aufgabe persönlich zu erfahren. Es ist nicht nur Theorie, eine Geschichte, von der sie hören und über die sie irgendwo zu Hause in bequemer Umgebung diskutieren. Es ist eine Aufgabe, die sie betrifft und die sie übersteigt.
Jesus will sie so zum Mittelpunkt des Geschehens machen, damit sie sich persönlicher bewusst werden, welche Macht er hat. Die Erfahrung der Brotvermehrung vertieft ihr Vertrauen in Jesus noch mehr. Wohl deshalb haben sie kein Problem zu gehorchen und ins Boot zu steigen. Als Fischer mussten sie wissen, welche Gefahr in einer nächtlichen Fahrt liegt, wenn nach Sonnenuntergang die abgekühlte Luft vom Land über das Wasser drängt. Vielleicht wurde ihnen in dem Moment das Risiko gar nicht bewusst, sie steigen einfach ein und überlassen sich ganz den Anweisungen des Meisters.
Doch der Wind kam. Schwierigkeiten traten auf, und sie kämpfen nun um ihr Leben. Was ging ihnen durch den Kopf? Wie viele von ihnen sagten sich wohl – „aber ich wusste doch, dass das unvernünftig, unmöglich, riskant ist. Doch als Jesus es sagte, gehorchte ich. Schließlich sind auch die anderen gegangen. Dieser Meister muss immer in allem recht haben! Er lässt sich nichts sagen! Ja, er hat recht, er ist ein großartiger Prediger und es ist schön, was er sagt, aber vom praktischen Leben versteht er nichts! Ich hätte einfach bei dem bleiben sollen, was ich kenne und kann!“ Das ist die typische Versuchung, die jedes Mal auftaucht, wenn wir uns entscheiden, dem Herrn nachzugehen, wenn wir die Sicherheit der eigenen Erfahrung verlassen und ein Risiko eingehen. Der Herr hat nämlich eine interessante Eigenschaft – er gibt sich nie zufrieden. Er will immer mehr. Er will uns immer näher zu sich ziehen. Wenn er uns schließlich gewonnen hat, gibt er sich nicht zufrieden, sondern will unsere Erfahrung mit ihm auf eine noch höhere Ebene führen. Deshalb lässt er zu, dass sich die Dinge verkomplizieren.
Die Apostel erleben starken Wind. Sie konnten auf ihren Meister wütend sein, der sie in diese Situation gebracht hat. Und plötzlich geht Jesus vorüber. Er geht auf dem Wasser. In solchen Situationen irritiert uns die Gegenwart Gottes eher. Wenn du da bist, dann löse unser Problem, warum gehst du da auf dem Wasser umher! Tu etwas zu meiner Rettung oder geh weg! Sei nicht wie ein Gespenst hier! Einmal habe ich schon auf dich gehört, und was habe ich davon?!
Tatsächlich können uns in solchen Situationen gut gemeinte Ratschläge einen Bärendienst erweisen: „So darfst du nicht denken, Gott ist doch gut, er wollte dir nichts Böses. Wenn du in so eine Lage gekommen bist, dann nur, weil du ihn falsch verstanden hast.“ Ein solcher Rat hilft nicht. Ich lenke nur den ganzen Zorn auf Gott gegen mich selbst um – ich bin unfähig, hätte ich mehr gebetet, mehr vertraut, besser unterschieden… Wenn wir den Zorn nicht gegen uns selbst richten, zeigen wir uns als Meister billiger Antworten auf Lebenssituationen: „Sicher will der Herr damit dies und jenes sagen…“
Doch wir ahnen nie, was der Herr damit beabsichtigt. Oft erfahren wir es erst im Rückblick. Es ist völlig klar, was der Herr erreichen will. Er will in das Boot unseres Lebens einsteigen und es beruhigen. Er will uns noch näher kommen, er will unsere Schuhe anziehen und in ihnen gehen. Das ist das Geheimnis der Fleischwerdung und der Geburt. Die Apostel erlebten die Brotvermehrung und erkannten, dass sie sich mit Jesus vor nichts zu fürchten brauchen. Aber sie hatten es noch nicht geschafft. Jesus beschloss, ihnen mehr zu geben. Er lädt sie zu einer neuen Erfahrung ein. Und so führt uns Gott bis zur völligen Vereinigung mit ihm, mit seinem Willen. Das Ziel ist also klar. Doch wir haben keine sofortige Antwort darauf, was er mit dieser konkreten Situation bezweckt. Ein Meister, der das Material bearbeitet, verrät nicht immer, was er gerade tut…
Versuchen wir nun, über diesen Text nachzudenken, ohne ihn sofort auf unser eigenes Leben zu beziehen (darauf, was er mir durch meine unruhigen Kinder, ein weiteres Kind, den Verlust der Arbeitsstelle, Krankheit, Konflikt in der Ehe, Spannungen bei der Arbeit sagen will…). Versuchen wir, das Prinzip von Jesu Vorgehen wahrzunehmen, ohne darin gleich eine konkrete Antwort auf unsere Lebenssituation zu sehen. Billige und schnelle Antworten hindern Gott nämlich daran, mit uns in die Tiefe zu gehen.
Gott,unser Vater,der aus der Sünde der Menschen das Heil zu wirken vermag,sei mit euch.
Heute feiern wir die Geburt der Jungfrau Maria. Wenn ein Kind geboren wird, wissen wir meistens noch nicht, was sein Leben alles bringen wird. Es ist ein Anfang, der in der Stille, in der Zerbrechlichkeit, in kleinen Schritten verborgen ist. Und doch sieht die Kirche in Marias Geburt bereits die Morgenröte des Heils.
Du hast Maria zu deiner Mutter erwählt.Herr,erbarme dich unser.
Du hast Maria mit der Fülle der Gnade ausgestattet.Christus,erbarme dich unser.
Du bist Mensch geworden im Schoß der Jungfrau.Herr,erbarme dich unser.
Es ist der Moment, in dem am Horizont der Geschichte der erste klare Strahl erscheint, der die Ankunft der Sonne – Christi – ankündigt.
Maria ist ein Zeichen dafür, dass Gott niemals vergisst. Schon im Paradies hat er verheißen, dass die „Frau“ und ihre Nachkommenschaft einst über die Schlange siegen werden. Nach Jahrhunderten des Wartens kommt ein Kind, in dem sich dieses Versprechen zu erfüllen beginnt. Die Geburt Mariens ist daher der Beweis, dass Gott treu ist. Und dass seine Zeit immer zur rechten Stunde kommt, auch wenn es uns scheint, als verzögere sich alles.
Doch dieses Fest ist nicht nur eine Erinnerung an ein historisches Ereignis. Es ist auch eine Erinnerung für dich. Denn auch dein Leben ist eine Gabe, auch deine Geburt ist kein Zufall. So wie Maria von Gott einen Auftrag erhalten hat, so hast auch du in seinem Plan deinen Platz. Gott hat dich erwählt, damit durch dich Hoffnung, Güte, Liebe kommen. Vielleicht nicht in großen Taten, sondern in den alltäglichen Schritten, die du im Glauben gehst.
Maria ist groß dadurch, dass sie bereit war, „Ja“ zu sagen. Das ist das Geheimnis ihres Lebens – ein einfaches und völliges „Ja“ zu Gott. Und darin liegt für dich die Herausforderung: dass du dich nicht scheust, dich Gott in deinen kleinen wie großen Entscheidungen zu öffnen. Auch du kannst ein Ort sein, an dem Gott in diese Welt eintritt.
Wenn wir heute ihre Geburt feiern, dann bedenke: Gott liegt an den Anfängen. Auch in deinem Leben kann etwas Neues beginnen. Dort, wo es scheint, dass es keine Hoffnung mehr gibt, kann neues Leben geboren werden. Dort, wo Leere ist, kann Gott den Samen der Zukunft legen. Die Geburt Mariens ist der Beweis, dass Gott auch die dunkelste Nacht zum Leuchten bringen kann. Und so danken wir heute für Maria – dafür, dass sie unsere Mutter ist, dass sie uns zu Jesus führt. Und bitten wir sie, uns zu lehren zu glauben, dass auch unser kleines „Ja“ Wert hat und dass mit Gott selbst in unseren schwachen Anfängen eine große Geschichte beginnen kann.
Zum Vater aller Menschen,der die Sünder liebt und heimruft in sein Erbarmen,lässt uns voll Vertrauen beten.
Der Herrn,der alles erfüllt, wollen wir um den Frieden bitten.
Selig,die mit Gott leben in dieser Welt und Erlösung finden am Letzten Tag.
Jesus Christus,der Gutes tat und unser Leben retten wollte,sei mit euch.
Wir stehen in einer Szene voller Spannung: Ein Sabbat, ein Synagogenraum, ein Mann mit einer verdorrten Hand, eine schweigende Menge – und Jesus. Die einen warten auf ein Wunder, die anderen auf einen Fehler. Doch Jesus stellt eine einfache, entlarvende Frage: Ist es am Sabbat erlaubt, Gutes zu tun oder Böses? Leben zu retten oder zu verderben? Dann heilt er – und legt damit das Herz Gottes frei.
Jesus ,du hast allen Gutes getan und geholfen.Herr, erbarme dich unser.
Du hast geheilt,was verwundet und zerstört war. Christus, erbarme dich unser.
Du kamst als der Herrscher über Leben und Tod. Herr,erbarme dich unser.
1) Was geschieht hier wirklich?
– Der Sabbat: Von Gott geschenkte Ruhe, Schutzraum für Würde und Leben. Kein Tag der Starre, sondern der Freiheit.
– Der Mann: Seine Hand ist verdorrt – er ist eingeschränkt, abhängig, wahrscheinlich sozial an den Rand gedrängt. Er steht symbolisch für alles, was in uns und um uns vertrocknet ist: Mut, Hoffnung, Beziehungen, Glauben.
– Die Wächter der Ordnung: Sie „lauern“, ob Jesus das Gesetz bricht. Es ist die Tragik religiösen Eifers, wenn das Gesetz wichtiger wird als der Mensch.
– Der Blick Jesu: Er lässt den Mann „in die Mitte treten“. Jesus stellt den Menschen in den Mittelpunkt des Gesetzes – und entlarvt die Hartherzigkeit, die sich hinter frommer Korrektheit versteckt.
– Das Wunder: „Strecke deine Hand aus!“ Die Heilung geschieht durch ein vertrauendes Tun. Der Sabbat bekommt seinen Sinn zurück: Er ist Tag der Wiederherstellung.
2) Jesu Frage, die uns richtet
„Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses? Leben zu retten oder zu verderben?“
– Es gibt Zeiten, in denen Nichtstun zu Schaden wird. Wer helfen kann und es nicht tut, verfehlt das Herz Gottes.
– Gutes tun ist nicht nur erlaubt – es ist geboten. Barmherzigkeit ist kein Notfallknopf, sondern der Pulsschlag des Gesetzes.
– Die Frage Jesu stellt unsere Prioritäten klar: Regeln dienen dem Leben. Wenn Regeln gegen das Leben arbeiten, brauchen sie heilende Korrektur.
3) Die verdorrte Hand – ein Spiegel
– Persönlich: Wo ist in mir etwas verdorrt? Eine Beziehung, die ich aufgegeben habe? Eine Vision, die ich klein geredet habe? Ein Gebet, das verstummt ist?
– Gemeinschaftlich: Wo ist unsere Gemeinde, unsere Kirche, unsere Gesellschaft gelähmt? Durch Angst vor Fehlern, durch Formalismus, durch die Sorge, „was die Leute sagen“?
– Jesus stellt uns in die Mitte – nicht um zu beschämen, sondern um zu heilen. Heilung beginnt, wo wir uns zeigen lassen und hören: „Strecke deine Hand aus!“
4) Wie Heilung geschieht
– Hören: Das Wort Jesu durchschneidet die Atmosphäre der Angst. Es ruft uns heraus aus der Zuschauerrolle.
– Vertrauen: Der Mann tut, was er scheinbar nicht kann – und genau darin liegt die Gnade. Glaube ist oft ein erster, kleiner, gehorsamer Schritt.
– Handlung: Die ausgestreckte Hand wird zum Zeichen: Barmherzigkeit ist sichtbar. Liebe schreibt sich in Taten ein.
– Konflikt: Nach der Heilung „gerieten sie außer sich vor Zorn“. Wer heilt, riskiert Widerstand. Doch Christen sind nicht berufen zur Konfliktvermeidung, sondern zur Treue.
5) Was heißt das konkret für uns?
– Der Mensch zuerst: In allen Diensten der Kirche, in Leitung, Liturgie und Struktur – die Frage Jesu soll vor jeder Entscheidung stehen: Dient es dem Leben? Dient es dem Menschen?
– Der Sabbat als Heilraum: Unsere Sonntage sollten Menschen erleichtern, nicht belasten. Räume der Begegnung schaffen, Einsame sehen, Familien entlasten, Helfende stärken.
– Mut zur Mitte: Wer an den Rand gedrängt ist – Kranke, Alte, Menschen mit Behinderung, Geflüchtete, Alleinerziehende, Verschuldete – gehört in die Mitte unserer Aufmerksamkeit.
– Barmherzigkeit als Ordnung: Regeln sind wichtig, aber sie sind Diener, nicht Herren. Pastoral bedeutet, nach Wegen zu suchen, nicht nach Vorwänden.
– Heilige Unruhe: Wenn uns Not begegnet, lassen wir uns stören – vom Kalender, von Gewohnheiten, vom „So war’s immer“. Heilung hat Vorrang.
6) Drei kleine Schritte für die Woche
– Sieh hin: Suche diese Woche bewusst einen Menschen auf, dessen „Hand verdorrt“ ist – einsam, müde, überlastet. Ein Besuch, ein Anruf, eine konkrete Hilfe.
– Strecke dich aus: Tu einen Schritt im Vertrauen, wo du dich blockiert fühlst – ein Gespräch, eine Entschuldigung, ein Neuanfang im Gebet.
– Schütze den Sabbat: Gestalte einen Teil des Sonntags als Raum der Wiederherstellung – kein To-do, sondern: Gebet, Dank, Gemeinschaft, eine Tat der Güte.
7) Ein Wort an alle, die heilen
– An Pflegende, Ärztinnen, Seelsorger, Lehrkräfte, Ehrenamtliche, Eltern: Ihr tragt Sabbat in den Alltag, wenn ihr Leben schützt. Gott sieht euren verborgenen Dienst.
– An jene, die Widerstand erfahren, wenn sie Gutes tun: Ihr seid in guter Gesellschaft. Bleibt sanft und standhaft. Die Frucht gehört Gott.
8) Evangelium für die Hartherzen – auch in uns
Die Gegner Jesu sind nicht „die anderen“. Hartherzigkeit wohnt auch in uns: in schnellen Urteilen, im Festhalten am Recht, in der Angst, Kontrolle zu verlieren. Jesus heilt nicht nur Hände, er heilt Herzen. Er lädt uns ein, die Mitte zu wechseln: vom Gesetz als Selbstzweck zur Liebe als Ursprung und Ziel.Schluss
Am Ende steht kein Gesetzesbruch, sondern die Erfüllung des Gesetzes: Liebe. Jesus stellt den Menschen in die Mitte, damit Gott verherrlicht wird. Heute spricht er auch zu uns: „Strecke deine Hand aus.“ Strecke aus, was verdorrt ist. Strecke dich aus nach Gott. Strecke die Hand zum Nächsten. Im Ausstrecken beginnt die Heilung.
Kurzes Gebet
Herr Jesus Christus, du Herr des Sabbats,
heile, was in uns verdorrt ist.
Gib uns den Mut, Menschen in die Mitte zu stellen,
die Weisheit, Regeln dem Leben zu unterordnen,
und die Liebe, die handelt, auch wenn es kostet.
Lass unseren Sonntag zum Raum der Wiederherstellung werden
und unsere Gemeinde ein Ort deiner Barmherzigkeit.
Amen.
Gott,unser Vater,der alle unsere Bitten hört und keines seiner Kinder vergisst,sei mit euch.
Es gibt Menschen, deren bloßer Name etwas auslöst. Mutter Teresa von Kalkutta ist eine solche Gestalt. Kaum jemand auf der Welt – ob gläubig oder nicht – bleibt gleichgültig, wenn ihr Name fällt. Sie hat etwas berührt, das tiefer liegt als religiöse Überzeugungen oder kulturelle Grenzen. Sie hat das Menschlichste im Menschen berührt: die Sehnsucht danach, dass das Leiden eines Menschen jemandem nicht gleichgültig ist.
Du hast uns gelehrt,wie wir zum Vater beten sollen.Herr,erbarme dich unser.
Du weißt,was uns rettet,und schenkst,was uns hilfst.Christus,erbarme dich unser.
Du kennst den Weg,der zum Leben führt.Herr,erbarme dich unser.
Agnes Gonxha Bojaxhiu wurde 1910 in Skopje geboren, im heutigen Nordmazedonien, als Kind einer albanischen Familie. Schon als junges Mädchen spürte sie eine tiefe Anziehung zu Gott und zur Missionsarbeit. Mit achtzehn Jahren verließ sie ihre Familie, reiste nach Irland zu den Loretoschwestern und von dort nach Indien. Sie sollte ihre Mutter nie wiedersehen. Das war der erste Preis, den sie zahlte – still, ohne Drama, als wäre es selbstverständlich.
In Kalkutta unterrichtete sie jahrelang an einer Mädchenschule. Es war ein geordnetes Leben, ein beschütztes Leben hinter Mauern. Und dann, am 10. September 1946, auf einer Zugreise nach Darjeeling, geschah das, was sie selbst als „Ruf im Ruf“ bezeichnete. Eine innere Stimme, eine Gewissheit: Verlass das Kloster. Geh zu den Ärmsten der Armen. Diene Christus in den Leidenden.
Das war keine leichte Entscheidung. Es dauerte Jahre, bis die Kirche ihr die Erlaubnis gab. Und als sie schließlich in die Slums von Kalkutta ging – allein, ohne Geld, ohne Organisation, nur mit einem weißen Sari mit blauem Rand – wusste niemand, was daraus werden würde. Sie selbst wusste es nicht.
Was dann entstand, kennt die Welt. Die Missionarinnen der Nächstenliebe, die heute in über 130 Ländern wirken. Häuser für Sterbende, für Leprakranke, für verlassene Kinder, für die, die niemand will. Mutter Teresa sammelte die Menschen auf, die auf der Straße lagen und starben – nicht um sie zu heilen, denn das konnte sie oft nicht, sondern damit sie nicht allein sterben mussten. Damit ein Mensch, der sein ganzes Leben wie ein Tier gelebt hatte, wenigstens einmal wie ein Mensch behandelt wurde. Wie ein Kind Gottes.
Sie sagte einmal: „Nicht alle von uns können große Dinge tun. Aber wir können kleine Dinge mit großer Liebe tun.“ Das ist der Kern ihrer Botschaft. Nicht die Größe der Tat zählt. Die Größe der Liebe, mit der sie getan wird. Ein Glas Wasser, gereicht mit Würde. Eine Hand, die eine andere hält im Sterben. Ein Lächeln, das sagt: Du bist nicht vergessen.
Und hier liegt der theologische Kern ihres Lebens, der uns heute trifft. Mutter Teresa hat Christus nicht in den Kirchen gesucht – obwohl sie tief fromm war und täglich die Eucharistie feierte. Sie hat ihn auf der Straße gefunden. In dem ausgemergelten Gesicht eines Sterbenden, in den Augen eines verlassenen Kindes, in den Händen eines Leprakranken. Sie lebte das Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium mit einer Radikalität, die uns beschämt und begeistert zugleich: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
Für sie war das keine fromme Metapher. Es war wörtliche Wahrheit. Wenn sie einen Sterbenden aufhob, hob sie Christus auf. Wenn sie eine Wunde verband, verband sie die Wunden Christi. Das gab ihr Kraft für das, was menschlich gesehen kaum zu ertragen war – die tägliche Konfrontation mit Elend, Schmerz und Tod in einem Ausmaß, das die meisten von uns sich nicht vorstellen können.
Aber dann ist da noch etwas, das wir nicht verschweigen sollten, weil es Mutter Teresa erst ganz menschlich und ganz groß macht. Nach ihrem Tod wurden ihre Briefe und Tagebücher veröffentlicht, und die Welt war überrascht: Mutter Teresa hatte jahrzehntelang eine tiefe innere Dunkelheit erlebt. Gott schien ihr fern. Das Gebet fühlte sich leer an. Die Freude, die sie nach außen ausstrahlte, war nicht das Ergebnis eines ununterbrochenen geistlichen.
Jesus Christus hat uns das Erbarmen Gottes verkündet. Im Vertrauen auf sein Wort beten wir zum Vater.
Gott kennt unsere Not.Er will uns in Frieden leben lassen.So dürfen wir ihn bitten.
Selig, die dem Erbarmen Gottes begegnen und seinem Reich zugezählt werden.
Das Herz, das nicht aufhört zu lieben,sei mit euch.
Jeden ersten Freitag im Monat lädt uns die Kirche ein, innezuhalten und den Blick auf das Herz Jesu zu richten. Nicht auf seine Worte allein, nicht auf seine Taten allein – sondern auf den Ursprung von allem: auf sein Herz. Denn das Herz ist in der Sprache der Bibel nicht einfach ein Organ. Es ist der Ort, wo ein Mensch wirklich er selbst ist. Wo seine tiefsten Entscheidungen fallen, wo seine Liebe wohnt, wo sein Wille seinen Ursprung hat.
Jesus,du hast uns das neue Leben gebracht und wirst es vollenden.Herr, erbarme dich unser.
Du kamst um die Menschen mit dem Vater zu versöhnen.Christus,erbarme dich unser.
Du hast die neue Welt und die neue Zeit angekündigt.Herr,erbarme dich unser.
Und das Herz Jesu ist ein Herz, das nie aufgehört hat zu lieben.
Der Prophet Hosea lässt Gott sprechen mit einer Zärtlichkeit, die uns überrascht: „Mein Herz wendet sich gegen mich, mein Mitleid lodert auf“ (Hos 11,8). Das ist kein distanzierter Gott, der von oben herabschaut auf eine Menschheit, die er erschaffen hat und wieder vergessen möchte. Das ist ein Gott, dessen Innerstes bewegt wird. Dessen Herz sich wendet. Dessen Liebe nicht kalt bleibt, auch wenn der Mensch sich abwendet.
In Jesus Christus ist dieses Herz Gottes sichtbar geworden. Es hat Gestalt angenommen, hat geatmet, hat geweint. Als Lazarus starb und Maria weinte, weinte auch Jesus (vgl. Joh 11,35). Als er Jerusalem sah, weinte er über die Stadt (vgl. Lk 19,41). Als er die Menge sah, erschöpft und ohne Hirten, war er im Innersten bewegt. Das griechische Wort dafür – splanchnizesthai – beschreibt eine Erschütterung, die bis in die Eingeweide geht. Kein oberflächliches Mitgefühl. Eine Bewegung aus der Tiefe.
Dieses Herz hat am Kreuz seinen letzten Schlag getan. Und als der Soldat mit der Lanze die Seite Jesu öffnete, flossen Blut und Wasser heraus – Zeichen der Taufe und der Eucharistie, Zeichen einer Kirche, die aus dem geöffneten Herz Christi geboren wurde. Das Herz Jesu ist also nicht nur Symbol. Es ist Quelle. Aus ihm kommt alles, was uns trägt und nährt.
Die heilige Margareta Maria Alacoque berichtete von einer Erscheinung, in der Christus ihr sein Herz zeigte – umgeben von Flammen, mit einer Dornenkrone, mit einer Wunde. Und er sagte ihr: Dieses Herz hat die Menschen so sehr geliebt – und empfängt von so vielen so wenig Gegenliebe. Das ist keine Klage, die uns erdrücken soll. Es ist die Klage eines Liebenden, der sich nach Begegnung sehnt. Gott ist nicht gleichgültig. Er wartet. Er klopft an. Er sucht.
Aber der Herz-Jesu-Freitag ist nicht nur ein Tag der Betrachtung. Er ist eine Einladung zur Prüfung. Nicht zur Selbstquälerei, sondern zur ehrlichen Frage: Wie steht es mit meinem Herz? Ist es offen oder hat es sich verschlossen – durch Enttäuschungen, durch Erschöpfung, durch die Gleichgültigkeit, die sich einschleicht, wenn man viel gibt und wenig zurückbekommt?
Jesus lädt uns nicht ein, mit einem perfekten Herzen vor ihn zu treten. Er lädt uns ein, mit einem ehrlichen Herzen vor ihn zu treten. Mit dem Herz, wie es gerade ist – müde vielleicht, kalt vielleicht, voller Fragen vielleicht. Denn sein Herz ist groß genug, um unser kleines, wundes Herz aufzunehmen und neu zu wärmen.
Der heilige Franz von Sales, der geistige Vater der Herz-Jesu-Spiritualität in ihrer sanften Form, schrieb: „Ein Herz, das Gott liebt, liebt alles in Gott und um Gottes willen.“ Das ist die Frucht dieser Andacht. Nicht eine fromme Gewohnheit, die neben dem Leben läuft. Sondern eine Verwandlung des Herzens, die das ganze Leben durchdringt – die Art, wie wir mit den Menschen umgehen, wie wir mit unserer Zeit umgehen, wie wir mit unseren Fehlern umgehen.
Bitten wir heute darum, dass das Herz Jesu unser Herz berührt. Dass wir lernen, mit seiner Sanftmut auf die Menschen zu schauen, die uns begegnen. Dass wir lernen, mit seiner Geduld auf uns selbst zu schauen. Und dass das Feuer seiner Liebe, das nie erlischt, auch in uns neu entfacht wird – heute, an diesem Freitag, und von hier aus in alle Tage unseres Lebens.
Mit Jesus Christus ist eine neue Zeit der Gnade gekommen.In seinem Namen und Auftrag dürfen wir zum Vater beten.
In unserer Mitte bleibt,der uns als Hochzeitsgäste geladen hat.Um seinen Frieden dürfen wir bitten.
Selig,die das neue Gewand empfangen haben und eingehen zur Hochzeit des Lebens.
Jesus Christus,um den sich das Volk drängte,um Gottes Wort zu hören,sei mit euch.
Der Evangelist Lukas hat eine besondere Kühnheit. Er setzt die Streitigkeit der Jünger darüber, wer von ihnen der Größte sei, unmittelbar in den Kontext des letzten Abendmahls. Jesus hat gerade das Brot gebrochen und den Kelch gereicht. Er hat von seinem Leib gesprochen, der hingegeben wird, von seinem Blut, das vergossen wird.
Du hast uns berufen,dir auf deinem Weg zu folgen.Herr,erbarme dich unser.
Du gibst uns Erfolg,wo unsere Kraft nicht gelingt.Christus, erbarme dich unser.
Du kennst unsere Sünde und schenkst uns dein Heil.Herr,erbarme dich unser.
Und in dieser Stunde – in dieser heiligsten Stunde – streiten die Jünger darum, wer unter ihnen der Erste ist. Das ist kein Zufall bei Lukas. Es ist ein Spiegel. Und dieser Spiegel zeigt uns etwas Unangenehmes: Wie nah Selbstsucht und Eucharistie beieinander liegen können. Wie leicht wir die heiligsten Momente mit unseren kleinsten Impulsen vermischen. Jesus reagiert nicht mit Empörung. Er reagiert mit Geduld und mit einer Klarheit, die bis heute nichts von ihrer Schärfe verloren hat. „Die Könige der Völker herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch soll es nicht so sein.“ Dieser Satz ist eine der radikalsten Aussagen des ganzen Evangeliums.
Das Wort „dienen“ klingt in unseren Ohren manchmal nach Unterwerfung, nach Selbstaufgabe, nach dem Verlust der eigenen Würde. Aber im Mund Jesu ist es das Gegenteil. Dienen aus Freiheit ist die höchste Form menschlicher Größe. Wer dient, weil er muss, ist Sklave. Wer dient, weil er liebt, ist frei. Und Jesus dient, weil er liebt – den Vater und die Menschen, denen er begegnet. Diese Liebe ist keine Schwäche. Sie ist die stärkste Kraft, die es gibt. Und dann kommt ein Satz, der uns überraschen kann.
Jesus wendet sich an die Jünger und sagt: „Ihr seid es, die in meinen Versuchungen bei mir ausgeharrt habt.“ Das ist ein bemerkenswertes Wort. In der Stunde, in der sie gerade gestritten haben, sagt er ihnen: Ihr habt ausgeharrt. Er sieht nicht nur ihr Versagen. Er sieht ihre Treue. Er sieht das Gute, das in ihnen ist, auch dort, wo sie struikeln. Das ist der Blick Jesu auf den Menschen – kein Blick, der das Schwache übersieht, aber auch kein Blick, der nur das Schwache sieht. Und auf dieses Ausharren folgt eine Verheißung: „Ich vermache euch das Reich, wie mein Vater es mir vermacht hat.“ Das griechische Wort, das hier verwendet wird, ist dasselbe, das auch für ein Testament verwendet wird. Jesus hinterlässt ihnen etwas. Er vererbt ihnen das Reich. Nicht weil sie es verdient hätten – sie haben gerade noch gestritten – sondern weil er es will. Weil Gnade nicht auf Verdienst beruht, sondern auf Liebe. Liebe Schwestern und Brüder, dieser Text trifft uns dort, wo wir wirklich sind. Nicht in unseren frommen Momenten, sondern in unseren menschlichen Momenten. In den Momenten, in denen wir uns fragen, ob unsere Arbeit gesehen wird. In denen wir vergleichen, wer mehr Anerkennung bekommt. In denen wir spüren, wie der Wunsch nach Bedeutung, nach Wichtigkeit, nach dem ersten Platz in uns aufsteigt – manchmal mitten in den heiligsten Situationen unseres Lebens. Jesus verurteilt diesen Wunsch nicht. Er verwandelt ihn.
Ohne Gott ist unsere Mühe vergebens und ohne letzte Erfolg.Deshalb wagen wir zum Vater zu beten.
Gott wirft seine Netze aus.Er hat uns eingefangen in die Gemeinschaft seiner Kirche,in der wir um den Frieden bitten.
Selig,die sich vor Gott als Sünder bekennen und seine erbarmende Liebe finden
Jesus Christus,der überall das Evangelium von Reich Gottes verkündete ,sei mit euch.
Die Menschen suchen Jesus und möchten ihn festhalten.
Das ist verständlich. Sie haben seine Wunder erlebt. Sie möchten ihn bei sich behalten.
Doch Jesus sagt:
„Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkünden; denn dazu bin ich gesandt worden.“
Du hast auf allen deinen Wegen dein Wort verkündet.Herr,erbarme dich unser.
Du hast Kraft gesucht im Gebet mit dem Vater.Christus,erbarme dich unser.
Du hast allen geholfen,die glaubend zu dir kamen.
Jesus lässt sich nicht besitzen.Das Evangelium ist nicht nur für einige wenige Menschen bestimmt. Christus ist für alle gekommen.Hier liegt auch ein Auftrag an die Kirche und an jeden Christen.
Wir dürfen unseren Glauben nicht nur für uns selbst behalten. Wenn wir erfahren haben, dass Gott uns liebt, vergibt, trägt und neue Hoffnung schenkt, dann sollen auch andere Menschen davon erfahren.
Oft verkünden wir Christus durch kleine Dinge: durch Geduld, durch Vergebung, durch ein gutes Wort, durch Aufmerksamkeit für einen einsamen Menschen, durch Hilfsbereitschaft oder dadurch, dass wir keine Angst haben zu sagen: „Ich glaube an Gott.“
Das heutige Evangelium zeigt uns einen wunderbaren Rhythmus christlichen Lebens:
Jesus kommt zu den Menschen. Jesus heilt. Jesus zieht sich zum Gebet zurück. Und Jesus geht weiter, um anderen die Frohe Botschaft zu bringen.
Jesus Christus heilte die Menschen von den verschiedensten Leiden.In seinem Namen beten wir zum Vater.
Die Dämonen nannten den Herrn mit seinem Namen.Seinen Frieden fanden sie nicht.Um den Frieden bitten wir.
Selig,die Gottes Heil empfangen haben und eingehen in das Reich seiner Herrlichkeit.
In Kapitel 12 der Apostelgeschichte lesen wir von der ersten Verfolgung der Christen. Herodes ließ den ersten Apostel, den Bruder des Johannes, Jakobus, töten. Petrus ließ er ins Gefängnis werfen. In der Nacht weckte ihn ein Engel des Herrn und befreite ihn. All diese Ereignisse spielten sich ab, nachdem die Apostelgeschichte das Wirken der Apostel, vor allem des Petrus unter den Juden, geschildert hatte. Kapitel 13 beginnt bereits mit der Darstellung des Wirkens des heiligen Paulus. Die Zäsur zwischen diesen Teilen bildet der sehr interessante Vers 24. Es ist eine einfache, vielleicht ganz unauffällige Feststellung: „Aber das Wort Gottes breitete sich aus und nahm zu.“ Mancherorts wird es so übersetzt: „Das Wort Gottes wuchs und vermehrte sich.“ Der griechische Text verwendet die Wörter „auxanō“ und „plēthunō“. Ich lade Sie ein, bei diesem Satz innezuhalten. Das Substantiv ist hier das Wort Gottes, und die Verben sind Ausbreitung und Wachstum. Haben Sie schon einmal gesehen, wie das Wort Gottes wächst? Meist wachsen Menschen, jemand nimmt zu, vermehrt sich. Aber hier heißt es, dass das Wort Gottes wächst und sich vermehrt.
Es lohnt sich, dafür etwas Zeit zu nehmen. Das Wort Gottes wirkt, es hat Macht, es verwandelt und bewirkt Wachstum. Oft haben wir Bedenken, was wir jemandem sagen sollen, der uns in Frage stellt, der nach unserer Meinung oder nach der Lehre der Kirche fragt. Werde ich ihm antworten können? Werde ich es erklären können? Wird er es verstehen? Ich verstehe es ja selbst nicht ganz genau! Was also sagen, welche Worte finden? Wir vergessen jedoch, dass nicht unser Wort die Macht hat, sich zu verbreiten und zuzunehmen, nicht unser Wort verwandelt, sondern Gottes Wort. Warum scheuen wir uns, mit dem Wort Gottes zu argumentieren? Die Apostel hatten nichts anderes als das Wort Gottes und den Glauben, dass, wenn sie dieses Wort verkünden, es den Menschen verwandeln wird. Wir sind also eingeladen, über die Kraft des Wortes nachzudenken. Es hat die Macht zu verwandeln.
Natürlich ist die Verkündigung an andere erst der zweite Schritt. Machen wir uns bewusst, wie das Wort mich selbst verwandeln könnte. Wie berührt es mich? Wenn es mich nicht berührt, warum nicht? Was hindert mich? Ich ertappe mich oft dabei, dass ich beim schnellen Lesen die Texte der Heiligen Schrift überspringe – das kenne ich doch schon, jetzt habe ich keine Zeit, jetzt brauche ich schnell eine Information. Doch das Wort Gottes ist keine Information, die ich kennen soll, sondern eine Formung, die in mir wachsen und sich vermehren kann. Wie alles Lebendige braucht es, um wachsen zu können, geeignete Bedingungen. Deshalb bemühen wir uns, auch durch das Leben in den Zellen, diese Bedingungen zu schaffen.
Aber das ist noch nicht alles. Das wirklich Interessante entdecken wir beim Blick in den griechischen Text. Jede Übersetzung ist auch Auslegung, und durch die Übersetzung geht vieles verloren. Darum lässt sich Exegese nur aus den Ursprungssprachen betreiben. Wissen Sie, wo diese beiden Wörter „auxanō“ und „plēthunō“ in der Schrift noch nebeneinander vorkommen? Die erste Übersetzung der Heiligen Schrift aus dem Hebräischen ins Griechische wurde noch vor der Geburt Christi angefertigt. Sie wurde von siebzig Rabbinern erstellt; daher heißt sie Septuaginta – die Übersetzung der Siebzig, abgekürzt LXX. Und die Septuaginta verwendet diese Wörter nebeneinander im Buch Genesis. Bei der Erschaffung des Menschen lesen wir in Gen 1,28: „Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch…“ Das Wort Gottes bewirkt und erreicht genau dasselbe wie Mann und Frau in ihrer Vereinigung. Es schenkt Leben, macht fruchtbar, vermehrt sich…
Am liebsten würde ich nun nichts weiter hinzufügen, sondern Sie einfach staunen lassen über diese Schönheit. Dennoch füge ich einige Wege hinzu, auf denen sich dieser Gedanke entfalten lässt. Bitte nehmen Sie sich Zeit dafür und kehren Sie in persönlichem Gebet zu diesem Thema zurück, um über diese Zusammenhänge nachzusinnen.
Die Sorge um das Wort Gottes wie die Sorge um ein Kind. Das Wort Gottes zeugt und vermehrt sich, so wie ein Kind gezeugt wird. Zunächst ist es unmerklich, es stört nur, die Frau verspürt Übelkeit, und der Mann weiß von nichts. Genauso beunruhigt das Wort manche, und andere bemerken es gar nicht. Später beginnt es zu wachsen. Es beeinflusst das Leben immer stärker. Doch es wächst nur, wenn es geeignete Bedingungen hat. Es ist etwas sehr Zartes, das Aufmerksamkeit und Schutz braucht. Die Frau muss auf vieles verzichten, auf vieles achten, damit das Kind wachsen kann. Auch das Wort Gottes kann in uns nicht wachsen, wenn wir es nicht annehmen und ihm keine Bedingungen schaffen. Ein sündhafter Lebensstil tötet das Wort. Der Mensch – bildlich gesprochen – empfängt und treibt dann ab… und es bleibt nur ein Trauma fürs ganze Leben. Welche Bedingungen sind nötig, damit in mir das Wort Gottes wachsen kann?
Die Kraft des Lebens. Wer den Prozess der Empfängnis und überhaupt irgendeinen Prozess der Fortpflanzung und des Wachstums betrachtet, muss darüber staunen, wie alles darauf ausgerichtet ist, zu leben und zu wachsen. Ein Film endet mit dem Satz: „Das Leben findet einen Weg.“ Ein gewaltiger Baum kann sich auf einem unwirtlichen Felsen festsetzen. Pinguine in der Antarktis sitzen monatelang auf ihren Eiern, während ihr Partner ins Meer geht, um zu fressen; dann tauschen sie das Ei, und das Weibchen geht fressen. Eine Buchenart in Frankreich, die eine riesige, dicht belaubte Krone hat, unter der nichts wachsen kann, vermag sich nur dadurch zu vermehren, dass Eichhörnchen die Eicheln weitertragen und als Wintervorrat vergraben. Einige davon werden vergessen und wachsen dann zu neuen Bäumen heran. Beispiele gibt es unzählige. Genau dieselbe Kraft und Erfindungsgabe hat auch das Wort Gottes…
Wie groß ist die Würde, Eltern zu sein. Die Weitergabe jedes einzelnen Lebens ist wie die Weitergabe des Wortes Gottes. Wenn Eltern ihre Berufung leben, nehmen sie Anteil am schöpferischen Werk Gottes. Sie werden seine engsten Mitarbeiter…
So wie wir uns um ein Kind kümmern, sind wir eingeladen, uns auch um das Wort Gottes zu kümmern. Für ein Kind tun wir alles, nur damit es wachsen und sich entfalten kann…
Auch wer kein Kind hat, kann fruchtbar sein – gerade in der Weitergabe des Wortes…
Wie uns die Treue zu unserer Berufung heiligt. Ich begann damit, Ihnen einen biblischen Hinweis zu geben, wie uns unser alltäglicher, scheinbar stereotyper Dienst heiligen kann. Indem wir uns bewusst machen, dass auch dieser Dienst ein Dienst am Wort ist.
Dieses Thema lässt sich weder ausschöpfen noch völlig begreifen. Man kann darüber nur staunen und daraus schöpfen. Das Wort Gottes zeugt und vermehrt sich.
Am 1. September lädt die Kirche weltweit ein zum Gebet für die Bewahrung der Schöpfung. Dieser Tag ist nicht entstanden aus einem politischen Programm oder aus dem Zeitgeist. Er ist entstanden aus einer tiefen theologischen Überzeugung: Die Erde, die wir bewohnen, gehört nicht uns. Sie ist uns anvertraut. Und was anvertraut ist, trägt Verantwortung mit sich.
Dein Wort und seine Taten zeigten von göttlicher Macht.
Die bösen Geister haben dich als den Heiligen Gottes erkannt.Christus,erbarme dich unser.
Du kamst,um alle Menschen von der Schuld zu erlösen.Herr,erbarme dich.
Im Buch Genesis lesen wir, dass Gott den Menschen in den Garten gesetzt hat, „um ihn zu bebauen und zu hüten“ (Gen 2,15). Zwei Verben, die zusammengehören: bebauen und hüten. Der Mensch ist kein passiver Bewohner der Erde. Er ist ihr Mitgestalter. Aber er ist auch ihr Hüter – nicht ihr Herr. Der Unterschied ist entscheidend. Ein Herr verfügt nach eigenem Gutdünken. Ein Hüter trägt Verantwortung vor jemandem, der größer ist als er selbst.
Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika Laudato si aus dem Jahr 2015 diesen Zusammenhang mit einer Klarheit beschrieben, die viele aufgerüttelt hat. Er schreibt: „Die Erde, unsere gemeinsame Heimat, gleicht einer Schwester, mit der wir das Leben teilen, und einer schönen Mutter, die uns in ihre Arme schließt.“ Das ist keine sentimentale Metapher. Es ist eine theologische Aussage. Die Schöpfung ist nicht Kulisse unseres Lebens. Sie ist Mitgeschöpf. Sie hat eine Würde, die ihr von Gott verliehen wurde, bevor der Mensch überhaupt existierte.
Und diese Schöpfung leidet. Das ist keine Behauptung von Aktivisten. Es ist eine Beobachtung, die wir alle machen können – in den Nachrichten, in unserem eigenen Erleben der Jahreszeiten, in den Berichten aus Ländern, die von Dürren, Überschwemmungen und dem Verlust ihrer Lebensgrundlagen betroffen sind. Familien in der Demokratischen Republik Kongo, Bauern in Zentralafrika, Mütter, die ihre Kinder nicht mehr ernähren können, weil die Ernte ausgeblieben ist – das sind keine abstrakten Statistiken. Das sind Menschen, denen die Schöpfung unter den Händen wegbricht, weil wir mit ihr nicht sorgfältig umgegangen sind.
Aber der Weltgebetstag um die Bewahrung der Schöpfung ist kein Tag der Anklage. Er ist ein Tag des Gebetes. Und das ist keine Flucht aus der Verantwortung – es ist ihr tiefster Ausdruck. Denn wer wirklich betet, stellt sich vor Gott hin mit der Wahrheit. Mit der Wahrheit über die Welt, wie sie ist. Mit der Wahrheit über sich selbst, über die eigenen Gewohnheiten, über den eigenen Anteil an dem, was schiefläuft. Und mit der Bitte um Weisheit und Kraft, anders zu leben.
Der heilige Franz von Assisi, nach dem Papst Franziskus seinen Namen gewählt hat, hat die Schöpfung nicht als Problem gesehen, das gelöst werden muss. Er hat sie als Lobgesang gesehen. Sein Sonnengesang – „Laudato si, mi Signore“ – preist Bruder Sonne, Schwester Mond, Bruder Wind, Schwester Wasser. Franz sah in jedem Geschöpf einen Widerschein der Herrlichkeit Gottes. Und wer die Herrlichkeit Gottes liebt, kann nicht gleichgültig sein gegenüber dem, was sie widerspiegelt.
Das ist vielleicht der tiefste Ansatz, den dieser Tag uns anbietet. Nicht Angst als Triebkraft, nicht schlechtes Gewissen als Motor – sondern Liebe. Die Liebe zu Gott, die sich ausweitet auf das, was er geschaffen hat. Die Liebe zum Nächsten, die sich ausweitet auf den Nächsten, den wir nie sehen werden – der in zwanzig Jahren geboren wird und eine Erde erben wird, die wir ihm hinterlassen.
Paulus schreibt im Brief an die Römer: „Die ganze Schöpfung seufzt und liegt in Geburtswehen bis zum heutigen Tag“ (Röm 8,22). Das ist ein erstaunlicher Satz. Die Schöpfung seufzt – nicht als hätte sie versagt, sondern als würde sie auf etwas warten. Auf die Offenbarung der Kinder Gottes, wie Paulus sagt. Das bedeutet: Wenn wir als Kinder Gottes leben – verantwortungsvoll, liebevoll, weise – dann antworten wir auf das Seufzen der Schöpfung. Dann sind wir Teil der Antwort Gottes auf eine Welt, die auf Erlösung wartet.
Jesus Christus ist gekommen,alle Bosheit zu überwinden.In seinem Namen beten wir zum Vater.
Jesus Christus Vertrieb die bösen Geister,damit wir den Frieden finden.Um seinen Frieden bitten wir.
Selig ,die von aller Bosheit befreit sind und Gottes Heil empfangen werden.
Denn wenn wir auf die Realität unseres Lebens blicken – Hast, Stress, Überforderung, reagieren wir meist nur auf Reize. Es scheint, als hätten wir unser Leben überhaupt nicht in der Hand, geschweige denn, dass wir es noch in die richtige Richtung lenken könnten. In der Kleingruppe treffen wir uns zwar und ermutigen einander, aber dann kommt wieder der Alltag …Darum lasst uns jetzt für einen Moment langsamer werden und uns bewusst machen, in welchen Situationen wir die Tugend der Hoffnung besonders brauchen. Ich erinnere noch daran, dass man sich eine Tugend nicht durch Drill aneignet, also nicht dadurch, dass man sich mit aller Kraft bemüht, trainiert und eine bestimmte Tätigkeit bis zur Ermüdung wiederholt, bis man sie kann. Es handelt sich auch nicht um Autosuggestion – dass ich mir einrede, was ich will; es geht nicht um positives Denken. Ebenso ist es nicht einfach nur ein göttliches Eingießen. Es gibt eine Zusammenarbeit zwischen Gott und dem Menschen, die sich nicht leicht ausdrücken lässt. Gott gibt, und dabei respektiert er die Freiheit des Menschen. Er gibt in dem Maß, in dem der Mensch fähig ist zu empfangen. Der Mensch wird durch sein Verlangen fähig. Gott gibt uns die Dinge in dem Maß, in dem wir auf ihn hoffen. Daher: Je mehr wir Gott erkennen, desto mehr lieben wir ihn – wir sind überzeugt, dass er uns Gutes will, und wenden uns darum voller Sehnsucht an ihn.
In welchen Situationen brauchen wir also am meisten die Tugend der Hoffnung? Also die innere Überzeugung, dass Gott fähig ist, uns zu helfen?
Im Streben nach Vollkommenheit. Ein guter Rat lautet: Lasst euch von niemandem und nichts entmutigen, auch nicht von euch selbst. Letzteres ist wohl das Schwierigste. Deshalb brauchen wir die Tugend der Hoffnung besonders. Ich bin kein hoffnungsloser Fall, und Gott kann sich auch unvollkommener Werkzeuge bedienen. Am Anfang erscheint uns natürlich alles einfach und erreichbar. Die erste Begeisterung ist wie ein guter Wind in den Segeln. Dann aber kommen Flaute, Sturm, Orkan … Und doch sind wir alle zur Vollkommenheit berufen.
Im Gebet. Das Gebet wird nämlich nicht durch viele Worte wirksam, sondern durch Vertrauen. Von Gott empfangen wir in dem Maß, in dem wir ihm vertrauen. Wir neigen dazu, unsere Bitten ständig zu wiederholen, bis wir sehen, dass sich etwas bewegt. Ich erinnere mich, dass mein Vater eine interessante Art hatte, Dinge zu erledigen. Wenn meine Mutter ihm etwas sagte, hatte er tausend Argumente, warum es nicht geht. Das ärgerte meine Mutter, und entweder wiederholte sie ihre Bitte oder regte sich darüber auf, wie unmöglich mein Vater sei – sie nannte ihn dann „problémabácsi“ – Onkel Problem. Aber die Sache war am nächsten Tag immer erledigt. Er murrte zwar und zählte auf, warum es nicht geht, aber er tat es doch. Ich versuchte meiner Mutter zu erklären, sie solle nicht drücken, sie solle es einmal sagen und sich verlassen – aber sie war nur ärgerlich: Wenn er es ohnehin tut, wozu dann diese Kommentare, dass es nicht geht? Ich hatte eine andere Lösung. Wenn mich meine Mutter um etwas bat, war ich entschlossen, es zu tun, aber so, wie ich es wollte, und zu der Zeit, die ich wollte. Hätte sie sich verlassen, wäre es getan worden. Dadurch aber, dass sie es noch einmal wiederholte, habe ich mich schon verhärtet. Meine Eitelkeit ließ mich nicht handeln. Denn ich konnte ja nicht zulassen, dass sie „gewonnen“ hatte. Natürlich handelt Gott nicht so unvollkommen, doch auch er erwartet von uns Vertrauen. Du hast ihm deine Bitte gesagt – dann vertraue, dass er es tut. Die übrige Zeit des Gebets widme dich dem, dich tiefer mit Gott zu vereinen und dein Leben zu verändern. Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht mehrmals bitten dürfen. Es ist schön, wenn sich die Tochter an ihren Vater schmiegt und ihn um etwas bittet. Der Vater ist bereit, ihrer Bitte sofort zu entsprechen, und doch spannt er seine Tochter ein wenig auf die Folter, weil er weiß, dass er sie sich dadurch gewinnt.
In Situationen, in denen wir in Kleinmut verfallen. Die Hoffnung wird mit einem Anker verglichen. Ein kleines Boot, von Wellen geschüttelt, hat seine einzige Hoffnung im Anker, damit es der Wind und die Wellen nicht an den Felsen zerschmettern. Auch in unserem Leben gibt es Situationen, in denen unsere Kraft in der Hoffnung liegt. Ich kann die Dinge nicht beeinflussen; ich kann nur loslassen und mich darauf verlassen, dass Gott weiß, was er tut. Gott läutert unsere Hoffnung, indem er Enttäuschung, Misserfolg, einen Zustand emotionaler Hoffnungslosigkeit zulässt. Das ist wiederum nötig, damit wir uns vom Händlergeist befreien. Bin ich mit Gott nur deshalb, weil es angenehm ist, weil er Segen gibt, weil ich Sicherheit habe? Mit dieser Haltung klagt der Satan Gott an, als sie über Ijob sprechen – „Fürchtet Ijob Gott etwa ohne Grund?“ (Ijob 1,9). Der Teufel bezichtigt uns vor Gott, wir seien nicht fähig, irgendetwas einfach aus Liebe zu tun. Wir handelten immer nur aus egoistischem Interesse. Gott aber will in uns durch Leiden echte, uneigennützige Liebe heranbilden. Ich liebe um der Liebe willen, weil ich lieben will.
In Versuchungen, wenn wir Angst haben, zu unterliegen. Fachleute sagen: Nur der hat keine Chance, ein Laster oder eine Abhängigkeit loszuwerden, der keine Hoffnung hat. Wer nicht daran glaubt, dass er der Sünde ausweichen kann, der schafft es auch nicht. Wenn man sagt: Ich würde gern, aber … Gewissheit ist die beste Hilfe für den Seiltänzer. Wenn ich mit der Angst herangehe, dass ich es nicht schaffe, dann ist es gerade diese Angst, die mich hindert, es zu schaffen. Im sittlichen Leben will der Herr uns Gewissheit geben, dass es geht, auch wenn wir uns unserer Schwachheiten weiterhin bewusst sein sollen. Deshalb rät uns Mons. Gray: „Hören Sie auf, Gott die lange und monotone Liste Ihrer Unwürdigkeit, Unfähigkeit, Armseligkeit vorzurechnen, nur um vor sich selbst Ihre Unruhe und Unsicherheit zu rechtfertigen, die wir in uns tragen.“ Dem ist nur zuzustimmen.
Manchmal stärkt Gott unser Vertrauen auf besondere Weise. Er gibt uns schon hier auf Erden Zeichen seiner Gunst. Es gibt Situationen, in denen alle Zweifel verschwinden und wir bereit sind, sogar das Leben für Christus zu geben. Für solche Situationen sollen wir unendlich dankbar sein. Sie dienen dazu, dass wir in Zeiten der Prüfung aus ihnen schöpfen. Und darum nehmen wir den Rat der Kirchenväter an: Vergiss in schlechten Zeiten das Gute nicht, damit du nicht kleinmütig wirst, und in guten Zeiten das Schlechte nicht, damit du nicht in übertriebene Selbstsicherheit verfällst.
Fragen
Wonach sehne ich mich? Sehne ich mich danach, Gnaden von Gott zu empfangen?
In welchen Situationen brauche ich die Tugend der Hoffnung? Wo halte ich am meisten an mir selbst fest und vertraue nicht, dass Gott alles in der Hand hat?
Wie sieht mein Gebet aus? Kann ich mich darin auf Gott verlassen, dass es erhört wird, oder neige ich dazu, meine Bitte ständig zu wiederholen?
Kann ich mit Vertrauen bitten wie ein Kind, das seine Eltern liebt und weiß, dass auch sie es lieben?
Welche Zusicherung, welche Stärkung habe ich in letzter Zeit vom Herrn empfangen?
Für welche Situationen bin ich ihm dankbar, und aus welchen kann ich in schweren Zeiten schöpfen?
Der heilige Paulinus von Trier – Zeuge der Wahrheit im Exil
Jesus Christus,der kommen wird,um sein Reich zu vollenden,sei mit euch.
Es gibt Heilige, die durch große Wunder bekannt werden, und es gibt Heilige, die durch große Treue bekannt werden. Der heilige Paulinus von Trier gehört zur zweiten Gruppe.
Du hast der Kirche Sein Wort hinterlassen. Herr,erbarme dich unser.
Du hast Verwirrung und Irreführung vorausgesagt.Christus, erbarme dich unser.
Du bist der Weg die Wahrheit und das Leben.Herr, erbarme dich unser.
Sein Leben ist keine Geschichte spektakulärer Ereignisse. Es ist die Geschichte eines Mannes, der in einer Zeit des Drucks und der Bedrohung einfach bei der Wahrheit geblieben ist – auch als es ihn alles kostete.
Paulinus wurde im frühen 4. Jahrhundert geboren, wahrscheinlich in Aquitanien im heutigen Frankreich. Er kam nach Trier, das damals eine der bedeutendsten Städte des Weströmischen Reiches war – Kaiserresidenz, Bischofssitz, geistliches und politisches Zentrum. Dort wurde er Diakon unter Bischof Maximinus, einem entschiedenen Verteidiger des Glaubens gegen den Arianismus. Als Maximinus starb, wurde Paulinus sein Nachfolger als Bischof von Trier – ungefähr im Jahr 349.
Er trat sein Amt in einer Kirche an, die von innen zerrissen war. Der Arianismus – die Lehre, die behauptete, der Sohn Gottes sei dem Vater nicht gleich, sondern ein geschaffenes Wesen – hatte mächtige Unterstützer gewonnen, darunter Kaiser Konstantius II. selbst. Der Kaiser versuchte, die westliche Kirche zur Verurteilung des heiligen Athanasius von Alexandria zu zwingen, des großen Vorkämpfers des Konzils von Nizäa und der Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater.
Auf mehreren Synoden wurde Druck auf die westlichen Bischöfe ausgeübt, Athanasius zu verurteilen. Die meisten gaben nach – aus Angst, aus politischem Kalkül, aus dem Wunsch, Konflikte zu vermeiden. Paulinus verweigerte die Unterschrift. Er kannte Athanasius persönlich, er kannte seine Lehre, und er war überzeugt: Diese Verurteilung wäre eine Verurteilung der Wahrheit selbst.
Die Konsequenz ließ nicht lange auf sich warten. Kaiser Konstantius verbannte Paulinus ins Exil – nach Phrygien in Kleinasien, in das heutige Zentralanatolien. Weit weg von Trier, weit weg von seiner Gemeinde, weit weg von allem, was sein Leben ausgemacht hatte. Er starb dort, im Exil, wahrscheinlich um das Jahr 358, ohne je nach Trier zurückgekehrt zu sein.
Was hat Paulinus uns zu sagen?
Zunächst dies: Es ist nicht selbstverständlich, bei der Wahrheit zu bleiben, wenn alle anderen nachgeben. Die Mehrheit der Bischöfe auf jenen Synoden waren keine schlechten Menschen. Sie waren erschöpft, sie hatten Angst, sie wollten den Frieden. Aber sie verwechselten Frieden mit Kapitulation. Paulinus sah den Unterschied. Echter Friede, der Friede Christi, kann nicht auf Kosten der Wahrheit erkauft werden. Was so aussieht wie Frieden, aber auf Lüge gebaut ist, ist kein Friede – es ist ein trügerischer Waffenstillstand, der früher oder später zusammenbricht.
Der heilige Hilarius von Poitiers, der selbst in jenen Jahren ins Exil geschickt wurde, schrieb in dieser Zeit mit bitterer Ironie: „Wir kämpfen gegen einen Kaiser, der Christus dient mit dem Mund und ihn bekämpft mit den Taten.“ Das war die Situation, in der Paulinus stand. Ein Feind von außen ist leichter zu erkennen als ein Feind, der in kirchlichem Gewand auftritt.
Und dann ist da noch etwas, das uns Paulinus lehrt: die Bereitschaft, allein zu stehen. Es ist eine Sache, die Wahrheit zu bekennen, wenn viele andere dasselbe tun. Es ist eine ganz andere Sache, sie zu bekennen, wenn man damit allein ist. Paulinus war nicht der Einzige, der widerstand – Hilarius von Poitiers, Eusebius von Vercelli, Liberius von Rom für eine Zeit – aber es waren wenige. Und jeder von ihnen musste diese Entscheidung für sich selbst treffen, in der Stille seines Gewissens, vor Gott.
Das Exil in Phrygien war kein heldenhafter Tod auf einem Schlachtfeld. Es war das langsame Sterben in der Fremde, fern der Gemeinde.
Jesus Christus ist unser Meister.Er hat uns gelehrt,wie wir in aller Not zum Vater beten sollen.
Wir bitten um den Frieden des Herrn.Wenn wir ihn besitzen,brauchen wir uns in dieser Welt nicht zu fürchten.
Selig die standhaft sind bis zum Ende und gerettet werden.
Alles,was wir haben und was wird sind kommt von Gott.Ohne ihn können wir nichts tun.Jeder Fortschritt geschieht dank seiner Gnade.Doch dieser Zustand kann uns Menschen entmutigen.Wir sind nicht gerne auf jemanden angewiesen.Ein Obdachlose denk dass er nichts tun muss.Er braucht nur die Hand ausstrecken und jemand wird sich um ihn kümmern.Gott will nicht, dass wir solche Obdachlose sind.Deshalb möchte er,dass wir auch an unserem Heil mitwirken.
Hier erscheint ein Risiko.Die Erwartung des Heiles als Verdienst für die eigenen Taten.Ein anderer Ausdruck ist der ständige Wunsch,etwas zu tun,damit wir nützlich fühlen.Gott möchte erreichen,dass wir annehmen,dass alles von ihm kommt und zugleich,dass diese Wahrheit uns nicht demütigt und nicht zur Untätigkeit führt.Deshalb lädt er uns zur Zusammenarbeit mit ihm ein.
Wie lässt sich dies am besten erreichen?Jesus empfiehlt den Weg der Kinder.Ein Kind hat keine großen Probleme.Die Eltern in Flüchtlingslager haben ihre Probleme.Während die Kinder fröhlich spielen.Auch wenn ein Kind weint,kennt es keine Hoffnungslosigkeit.
Die Puberte beginnt dort,wo diese Welt in eine Krise gerät.Der Heranwachsende verliert bereits das Vertrauen in seine Eltern.Der Heranwachsende befindet sich in einem ewigen Wiedespruch zwischen Ideal und Wirklichkeit.Heranwachsende erleben diesen Widerspruch leidenschaftlich und stürmisch.Sie wollen alles lösen.
Der Charakter des zukünftigen Menschen bildet sich danach,wie er diese Frage gelöst hat.Es gibt vier Gruppen.Der Erste ist der Idealist.Damit er seine Ideale,nicht aufheben muss,will er die Welt mit ihrem wahren Gesicht nicht sehen.Er versucht seinem Ideal zu folgen.Der Zweite ist der Spiesbürger.Er ist ein Realist.Er sieht die Wirklichkeit so deutlich,dass er jedes Ideal völlig verloren hat.Der Dritte ist Revolutionär.Er sieht sehr wohl,dass die Welt den Idealen nicht entspricht.Aber warum sollte man das alte nicht funktionierende System nicht beseitigen und eine neue Ordnung errichten?Der Vierte ist ist der Eklektiker,der Mensch der Auswahl.Auch er hat viele Ideale,doch er ist sich bewusst,dass nicht alle verwirklichen können.Deshalb wählt er eines aus,und opfert dafür alles.Dann wird er vielleicht ein großer Musiker, Wissenschaftler,oder sogar ein Heiliger.
Jeder dieser vier Typen hat seine Stärke,aber auch seine schwache Seite.Der Widerspruch zwischen Wirklichkeit und Ideal,lässt sich nicht vollständig lösen.In Christus sind alle Ideale verkörpert.
Nach der Soloejow ist der wichtigste Gegenstand der christlichen Hoffnung die Auferstehung von den Roten.Nur sie gibt der Arbeit und dem Opfer des Menschen einen wirklichen Sinn.
Wir haben immer den Wunsch, etwas zu verändern, und suchen immer nach einem adäquaten Werkzeug dafür. Nach einiger Zeit bewerten wir dann, ob sich etwas bewegt hat. Wenn nicht, suchen wir ein anderes Werkzeug. Das ist vielleicht eine völlig legitime Haltung beim Wachstum eines Unternehmens oder beim wirtschaftlichen Wachstum. Aber sie ist sehr gefährlich beim geistlichen Wachstum.
Natürlich hat auch das geistliche Leben seine eigene Wachstumsdynamik. Entweder habe ich eine größere oder eine kleinere Teilhabe am Leben Gottes. Sogar Jesus wuchs an Weisheit und Gefallen bei Gott und den Menschen (vgl. Lk 2,52). Doch hier liegt eine Gefahr. Die Hinwendung zu Gott als eine radikale Verwandlung zu betrachten, bei der der Mensch ein für alle Mal das Böse und Unvollkommene hinter sich lässt und beginnt, gut und untadelig zu leben. Manche behaupten sogar, dass ein bekehrter Mensch nicht oft zur Beichte gehen darf, weil das Heuchelei sei. Wie kann man behaupten, dass ich Gott liebe, wenn ich jede Woche dieselbe Sünde begehe? Wir sind versucht zu denken, dass geistliches Wachstum darin besteht, eine Sache zu bewältigen, um endlich etwas anderes tun zu können. Das erste Kapitel, die Lektion habe ich schon bewältigt, also kann ich mit der zweiten beginnen.
Diese Überzeugung wächst, wenn uns Informationen erreichen, dass der heilige Augustinus, der ein geradezu krankhaftes Problem hatte, treu zu sein, nach seiner Bekehrung so radikal mit der Sünde gebrochen habe, dass er nie wieder eine schwere Sünde begangen habe. Dabei wird aber vergessen, dass die Bekehrung des Augustinus kein einmaliges Ereignis war, bei dem aus einem Sünder von heute auf morgen ein Heiliger wurde, sondern ein langjähriges Suchen, Unterscheiden, Kämpfen, Fallen und Aufstehen und wieder Fallen, bis es schließlich, nach langen Jahren, dank der Gebete seiner Mutter, zur Reife kam.
Genau so versteht auch der heilige Paulus das geistliche Wachstum. Auch die getauften Korinther sind noch nicht „geistlich“, sondern immer noch „fleischlich“, sie sind im geistlichen Leben klein und unmündig (vgl. 1 Kor 3,1). Zu den Ephesern sagt er, sie sollen heranwachsen zur vollen Reife Christi (vgl. Eph 4,13). Das Ziel des geistlichen Lebens ist es nicht, ein für alle Mal etwas zu bewältigen, um endlich etwas anderes tun zu können, sondern ständig an diesem „Bewältigen“ zu arbeiten.
Die Entwicklung in der Gnade Gottes ist unsichtbar. Und doch lässt sie sich an gewissen Anzeichen erkennen. Sie zeigt sich im Handeln des Menschen, in seinem Bemühen und in seinen Sehnsüchten. Sie zeigt sich auch an der Qualität unserer zwischenmenschlichen Beziehungen. Aber Vorsicht, es ist nicht ganz einfach, diese Zeichen zu lesen. Der Böse versucht nämlich, uns vom geistlichen Wachstum abzubringen, und macht uns deshalb entweder ungeduldig, wir haben die Tendenz, uns ständig zu messen, zu vergleichen, oder er entmutigt uns durch unsere Sündhaftigkeit, die bei jedem Schritt im geistlichen Leben an die Oberfläche kommt.
Wir haben schon gesagt, dass eine der größten Gnaden Gottes ist, dass er uns nicht erlaubt, die Wahrheit über uns selbst zu sehen, unsere Sündhaftigkeit, weil wir in Verzweiflung fallen würden. Deshalb offenbart er uns unsere Sündhaftigkeit in dem Maße, in dem wir fähig sind, an seine Barmherzigkeit zu glauben und sie anzunehmen. Es ist ganz natürlich und normal, dass, wenn ein Mensch den anspruchsvollen Weg zu Gott beginnt, das Erste, dem er begegnet, seine eigene Unwürdigkeit Gottes ist. Hier kann er erschrecken und an den Anfang des Weges zurückfliehen, er kann sich auch entmutigen lassen und sich ständig nur beschuldigen und sich selbst analysieren. Oder er kann sich auf Gott verlassen und sich von ihm führen lassen. Die Wahrheit über sich selbst annehmen und auf die Liebe Gottes vertrauen.
Versuchen wir also, den Zustand unserer Seele nicht danach zu analysieren, wie wir uns fühlen, sondern lernen wir, uns eher auf unser Handeln, unser Bemühen und unsere Sehnsüchte zu konzentrieren. Das geistliche Leben reinigt sie. Aber nicht in dem Sinne, dass wir keine sündigen Sehnsüchte mehr haben, sondern eher in dem Sinne, dass in uns die Sehnsucht nach Gott vervollkommnet wird. Die griechischen Väter sprechen in diesem Sinne von denen, „die sich fürchten“, von denen, „die hoffen“, und von denen, „die lieben“. Den Anfänger führt die Furcht vor Gottes Strafe zum Guten. Der Fortgeschrittenere hofft auf Gottes Lohn, die Vollkommenen leben bereits aus der Liebe Gottes. Das geistliche Wachstum lässt sich also daran erkennen, dass in mir diese Sehnsucht wächst und sich vervollkommnet.
Im Westen hat sich eine andere Unterscheidung durchgesetzt. Man spricht von drei Wegen: der Reinigung, der Erleuchtung, der Vereinigung (via purgativa, illuminativa, unitiva). Auf dem Weg zu Gott ist es notwendig, sich zuerst von allem zu reinigen, was uns hindert. Dann beginnt das Wachstum in der Erkenntnis der Wahrheit. Am Ende sehnt sich die Seele dann nach der Vereinigung mit Gott.
Natürlich sind diese Stadien nicht voneinander getrennt, es sind verschiedene Seiten des geistlichen Lebens, bei denen immer eine überwiegt. Das bedeutet also, dass derjenige, der sich um die Vereinigung mit Gott bemüht, weiterhin auch um die Reinigung kämpfen muss. Die Stufen durchdringen sich und es ist schwer zu sagen, wo sich wer befindet. Deshalb dürfen wir uns nicht entmutigen lassen, wenn wir meinen, schon irgendwohin fortgeschritten zu sein und plötzlich entdecken, dass wir wieder mit den anfänglichen Versuchungen kämpfen.
Auch wenn Prediger oft zu ständigem Fortschritt, zu echter Bekehrung, zu geduldiger Arbeit an der Selbstvervollkommnung aufrufen, vergessen vernünftige geistliche Begleiter doch nicht, eine Bemerkung über die Schädlichkeit und Unvernunft unnötiger Eile hinzuzufügen. Sie sagen, dass viel Gutes vernachlässigt wird, wenn unbesonnen nur das Bessere gewollt wird.
Ein konkretes Beispiel: Es ist klar, dass das betrachtende Gebet besser ist als das mündliche Gebet. Wir wissen, dass das Gebet nicht ein Tun des Menschen sein soll, sondern die Aufgabe des Menschen ist es, so still wie möglich zu werden und Raum für Gottes Wirken zu lassen. Deshalb haben wir die Tendenz, diese Form zu verlassen und mit aller Kraft zu versuchen, über die Schrift nachzudenken, zu meditieren, zu kontemplieren. Doch dort gelingt es uns nicht und deshalb sind wir entmutigt, bis wir schließlich das Gebet aufgeben, weil es uns nach langer Zeit des Versuchens nichts bringt, ja wir sogar immer zerrissener sind. Damit aber Gott in uns beten kann, müssen wir zuerst einen langen Weg des mündlichen Gebetes gehen, bei dem vor allem unsere Aktivität präsent ist. Erst nach und nach, durch die Gnade Gottes, tritt unsere Aktivität unbemerkt in den Hintergrund und Gott beginnt in uns zu wirken. Das bedeutet aber nicht, dass, wenn ich schon meditieren kann, nicht eine Situation kommt, in der das Einzige, was ich schaffe, wieder „nur“ das mündliche Gebet und meine Aktivität ist.
Gott,der die Zeugen seiner Botschaft mit Herrlichkeit krönt,sei mit euch.
Der Maler Caravaggio floh aus Rom und landete auf einer Mittelmeerinsel mit dem Wunsch, Ritter des Malteserordens zu werden. Obwohl er kein Adliger war, gelang es ihm, dieses Ziel dank seiner künstlerischen Verdienste zu erreichen. Der Großmeister des Ritterordens bestellte bei ihm ein Bild, das als das bekannteste seiner Kunstwerke gilt. Das Motiv des Bildes war: Die Enthauptung Johannes des Täufers. Die Szene, die der Künstler Caravaggio festhalten wollte, spielte sich im Hof eines Gefängnisses ab. Die Komposition des Gemäldes ist asymmetrisch.
Die Enthauptungsszene findet sich auf der linken Bildseite. Rechts ist ein Gitter zu sehen, hinter dem zwei Gefangene entsetzt die gewaltsame Hinrichtung verfolgen. Das Drama spielt sich rechts ab, wo die Protagonisten dieser Tragödie zu finden sind. Dort steht auch eine junge Magd, die einen Korb in den Händen hält, um das Haupt des Täufers aufzunehmen. An ihrer Seite befindet sich eine alte Frau, die weint und ihre Hände ans Gesicht hält – eine Geste, mit der sie auf den Schrecken reagiert, der sich vor ihren Augen abspielt.
Der Gefängniswärter zeigt deutlich auf den Korb. Ganz rechts sieht man auch den Henker, der das Schwert in der rechten Hand hält, bereit, dem Heiligen die tödliche Wunde zuzufügen und seinen Kopf vom Körper zu trennen. Der Heilige kniet, nahe dem Tod, doch von seinem Gesicht strahlt tiefer Frieden und Gewissheit des Opfers aus. Ein sichtbarer Kontrast: Die anderen dargestellten Personen wirken resigniert, Johannes jedoch, kurz vor dem Tod, zeigt den Ausdruck einer lebendigen Persönlichkeit – wie ein wahrer Vorläufer des Herrn am Kreuz.
Caravaggio entschied sich, den Moment kurz vor der Hinrichtung darzustellen. Alles dient dazu, die Dramatik des Augenblicks zu betonen. Auch die Farbpalette. Zwischen dem vorherrschenden Braun ist das Rot sehr deutlich hervorgehoben, das teilweise Johannes‘ Körper bedeckt. Und nicht zuletzt ist es die Farbe, die den Betrachter am meisten fesselt. Rot ist die Farbe des Martyriums. Johannes der Täufer glich im Geist und Auftrag Elija. Die Rolle der blutrünstigen Königin Isebel spielte Herodias, die Ehefrau von Herodes’ Bruder Philipp. Herodes brachte sie aus Rom mit, als er den Kaiser besuchte, und brachte auch deren Tochter Salome mit.
Als Johannes der Täufer von ihrer sündhaften Beziehung erfuhr, sagte er zum König ohne Zögern: „Du darfst nicht mit ihr leben!“ Die schlaue Herodias spürte rechtzeitig, dass dieser tapfere Mann, den auch Herodes schätzte, ihre Stellung an der Seite Herodes’ gefährden könnte. Sie tat alles, um Johannes zu inhaftieren. Herodes besuchte Johannes und hörte ihm zu, aber nur mit einem Ohr. Mit dem anderen vernahm er, wie Herodias sagte: „Du kannst alles!“ Herodias war nicht zufrieden damit, dass Johannes im Gefängnis war, sie suchte die Gelegenheit, ihn zu beseitigen. Und wer sucht, der findet. Der Prophet kann zum Schweigen gebracht werden, aber nicht seine Wahrheit.
Viele haben Gewalt in ihrem Leben erfahren und wissen, wie sich das anfühlt. Es tut weh, und wir wissen, dass es nicht richtig und nicht fair ist. Das Mindeste, was wir tun können, um im Einklang mit Gottes Willen zu leben, ist, echten Mitgefühl für alle zu zeigen, die heute offener oder verborgener Gewalt ausgesetzt sind. Wir müssen für sie beten, um ihnen zu helfen, wann immer wir können. Für die Leidenden sprechen. Eingreifen, wenn wir Zeugen von Gewalt werden – im Rahmen unserer Möglichkeiten. Wir können uns immer an staatliche Behörden wenden, wenn es zu gefährlich ist, selbst einzugreifen. Schau nicht weg, wenn jemand unterdrückt oder missbraucht wird.
Und wir müssen auch ehrlich zu uns selbst sein: Wir drohen nicht gern mit Waffen und schlagen kaum jemanden mit Fäusten, aber wie oft verletzen wir jemanden nur mit unseren Worten? Wie oft verleumden wir andere, wie oft machen wir uns über Menschen lustig oder demütigen sie? Wie oft lassen wir uns von Vorurteilen gegenüber Menschen oder Gruppen beeinflussen? Wir leben in einer Welt, die noch weit entfernt ist vom himmlischen Reich. Aber das Reich Gottes wächst schon unter uns. Gottes Wille geschieht oft auf die unscheinbarste und bescheidenste Weise. Wir haben die Macht, Gottes Willen zu tun – und so dazu beizutragen, dass Gottes Reich noch mehr wächst.
Und immer, wenn wir dieses Reich Gottes erblicken und Zeugen jener Momente werden, in denen Gerechtigkeit und Frieden sich küssen und Erleichterung vom Leiden und von Gewalt kommt, hoffen wir, dass wir gedrängt werden, mehr zu tun, erfüllt von Glauben und Vertrauen in die Vision, die im Reich Gottes lebt. Im Fürbitte des Heiligen Johannes des Täufers bitten wir um die Gnade, Jesus treu nachzufolgen.
Damit wir dem Bösen entgehen und in der Treu zu Gottes Wort beharren,Wagen wir zum Vater zu beten.
Unser Leben liegt in der Hand des Herrn.Um seinen Frieden bitten wir.
Selig,die in der Prüfung bestehen und als Gottes Zeugen eingehen in sein Reich.
Heute habe ich für Sie ein etwas provokantes Thema vorbereitet. Wir alle tragen in uns den Wunsch, vollkommen zu sein, und mit diesem Wunsch lässt sich unsere Sündhaftigkeit nur schwer vereinbaren. Ich habe bereits erwähnt, dass das Schwierigste im geistlichen Leben darin besteht, die eigene Sündhaftigkeit auszuhalten und anzunehmen. Trotz jedes Fortschritts, den ich mache, trotz all meiner Bemühungen, trotz aller Gebete, Selbstverleugnungen und Vorsätze gilt, solange ich lebe und atme: Ich bin fähig zu fallen. Ich bin fähig, jede Sünde zu begehen, selbst die schlimmste. Wie kann man damit leben? Lesen wir dazu eine Begebenheit aus der Apostelgeschichte:
*Als Paulus in Korinth war, sagte der Herr nachts in einer Vision zu ihm: „Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir, niemand wird dir etwas antun. Viel Volk nämlich gehört mir in dieser Stadt.“ So blieb Paulus ein Jahr und sechs Monate und lehrte bei ihnen das Wort Gottes.*
*Als aber Gallio Prokonsul von Achaia war, erhoben sich die Juden einmütig gegen Paulus und brachten ihn vor den Richterstuhl. Sie sagten: „Dieser verführt die Menschen zu einer Gottesverehrung, die gegen das Gesetz verstößt.“*
*Als Paulus etwas erwidern wollte, sagte Gallio zu den Juden: „Läge hier ein Vergehen oder ein Verbrechen vor, ihr Juden, so würde ich eure Klage selbstverständlich annehmen. Streitet ihr jedoch über Lehre und Namen und euer eigenes Gesetz, dann müsst ihr selber zusehen. Darüber will ich nicht Richter sein.“ Und er wies sie vom Richterstuhl weg.*
*Da ergriffen alle Sosthenes, den Synagogenvorsteher, und schlugen ihn vor dem Richterstuhl. Gallio aber kümmerte sich überhaupt nicht darum. (Apg 18,9–17)*
Paulus befindet sich hier in einer ungewöhnlichen Situation. Meistens ist er derjenige, der verurteilt und bestraft wird. Er selbst berichtet, wie oft er ausgepeitscht, mit Stöcken geschlagen und gesteinigt wurde, wie oft er im Gefängnis war und Ähnliches erdulden musste. Auch hier sieht es zunächst so aus, als würde Paulus bestraft werden. Doch am Ende wird Sosthenes geschlagen – jener Mann, der gegen Paulus aufgetreten war.
Die Schrift kommentiert diese Situation nur mit einer kurzen Bemerkung. Mich persönlich würde interessieren, wie ein Regisseur diese Szene darstellen würde. Wie würde er sie inszenieren? Wie hat Paulus reagiert, und wie hätte er reagieren sollen? Versuchen wir, uns die Situation selbst vorzustellen: Wir befinden uns auf einem Platz vor dem Richter. Paulus wurde hergebracht, und man will ihn verurteilen. Plötzlich geschieht das, was wir gelesen haben: Die Menge wendet sich gegen den Ankläger. Was tut Paulus dabei? Wo steht er? Sieht er, wie Sosthenes geschlagen wird? Wie reagiert er? Wie sollte er reagieren? Warum tut er nichts? Ist es ihm gleichgültig? Freut er sich vielleicht darüber, dass diesmal nicht er geschlagen wird, sondern jemand anderer? Aber das darf doch nicht sein! Schließlich ist er Christ, und ein Christ soll sich doch nicht so verhalten! Er soll die andere Wange hinhalten, er soll dem, der ihn mit Steinen bewirft, mit Brot antworten. Das hat Christus gelehrt, und genau das hat auch Paulus selbst verkündet! Und jetzt?
Wenn ich persönlich an der Stelle des Paulus gewesen wäre, kann ich mir dieses angenehme Gefühl des Sieges und der Genugtuung gut vorstellen: Endlich hat sich die Wahrheit durchgesetzt, und diesmal leide nicht ich, sondern jemand anderer. Wahrscheinlich hätte ich nicht eingegriffen und ihm eine ordentliche Abreibung gegönnt. Schließlich – geschieht ihm recht!
Doch gleich danach kann ich mir auch die Gewissensbisse vorstellen: Ist das christlich? Wie kannst du dich so verhalten? Du hättest eingreifen müssen! Wie kannst du über Liebe sprechen und Vergebung verkünden, wenn du dich jetzt darüber freust, dass dein Ankläger geschlagen wird, und du nichts dagegen unternimmst?
Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie ein Biograph die Tugend irgendeines Märtyrers hervorheben würde, der in einer ähnlichen Situation die Angreifer zurechtgewiesen und sich schützend vor den geschlagenen Ankläger gestellt hätte. Und sofort würde in uns die Frage auftauchen: Wärst du dazu fähig? Die Antwort lautet: Natürlich nicht. Und die Folge? Hoffnungslosigkeit. Ich kann kein Heiliger werden, weil ich zu einem solchen Heldentum nicht fähig bin.
Hier aber steht Paulus vor uns, der zu einem solchen Heldentum ebenfalls nicht fähig war und trotzdem ein Heiliger ist. Hier steht Paulus, der uns zeigt, dass dieser ganze Gedankengang nichts anderes als eine Versuchung sein kann. Eine Versuchung des Bösen, der uns entmutigen will. Denn er stellt uns den Weg zur Heiligkeit so dar, als wäre er für uns unerreichbar.
Was sollen wir in solchen Situationen und Versuchungen tun? Das Erste und Wichtigste ist, unterscheiden zu lernen, was Sünde ist und was keine Sünde ist. Sünde ist das, was ich bewusst und freiwillig tue. Sie betrifft also unseren Verstand und unseren Willen. Es gehören Bewusstsein und Zustimmung dazu. Unsere Gefühle und spontanen inneren Regungen gehören zunächst nicht in diesen Bereich. Sie sind einfach da. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass emotionale Reaktionen unserem bewussten Wahrnehmen zeitlich vorausgehen können. Sie sind also schon da, bevor wir bewusst darüber entscheiden können. Deshalb sind wir nicht einfach dafür verantwortlich, dass ein bestimmtes Gefühl in uns auftaucht.
Am grausamsten können wir zu uns selbst gerade dann sein, wenn wir anfangen, uns für das anzuklagen, was wir empfinden. Auf diese Weise bringt uns der Versucher in einen Teufelskreis. Ich empfinde Unruhe oder Zorn. Aber ich sage mir: Das darf ich nicht empfinden! Also verbiete ich es mir. Doch Gefühle lassen sich nicht einfach befehlen, und das Gefühl ist stärker als mein Verbot. Und schließlich bin ich auch noch auf mich selbst wütend, weil es mir nicht gelingt, meinen Zorn zu unterdrücken.
Wie gesagt: Wir sind nicht dafür verantwortlich, dass bestimmte Gefühle spontan in uns auftauchen. Deshalb ist es wichtig zu lernen, dem Versucher nicht zu erlauben, uns wegen unserer Gefühle Gewissensbisse einzureden. Verantwortlich sind wir vielmehr dafür, was wir mit diesen Gefühlen tun: ob wir sie nähren, ihnen freien Lauf lassen oder sie sogar bewusst verstärken – oder ob wir versuchen, sie anzunehmen und ihnen zugleich den Platz auf dem Rücksitz unseres Autos zuzuweisen, wo sie nicht darüber entscheiden, wohin die Fahrt geht. Sie gehören zu uns, sie fahren mit uns, aber sie steuern uns nicht.
Eine weitere wichtige Erkenntnis lautet: Ich muss nicht alles schaffen. Es gibt kaum etwas Befreienderes als die Erkenntnis: Ich muss nicht. Davor brauchen wir keine Angst zu haben. Wir meinen oft, das Einzige, was uns motiviert, sei Druck – äußerer oder innerer Druck: Du musst! Du darfst nicht! Sobald dieser Druck nachlässt, so fürchten wir, werden wir ebenfalls nachlassen und uns gehen lassen.
Ja, in vielen Bereichen funktioniert es tatsächlich so. Wenn der Chef keinen Druck mehr ausübt, lässt vielleicht auch unsere Leistung nach, weil andere innere Kräfte stärker werden. Aber in einer Beziehung gibt es noch eine andere Motivation: die Liebe. Diese Motivation müssen wir entdecken und uns von ihr leiten lassen. Deshalb ist in einer Beziehung nicht der Druck das Entscheidende. Entscheidend ist die Liebe. Wo Liebe vorhanden ist, müssen wir nicht nachlassen, selbst wenn aller Druck wegfällt.
Kehren wir also zu unserem Text zurück. Wir wissen nicht, wie wir in einer ähnlichen Situation reagieren würden. Aber wir wissen sehr genau, welche Reaktion wir von uns selbst als die „richtige“ erwarten würden. Gott aber begegnet uns nicht mit unserem Katalog perfektionistischer Erwartungen. Vielleicht erwartet er im Grunde nur eines: dass wir uns auf ihn verlassen und darauf vertrauen, dass er uns durch die konkrete Situation hindurchführt.
Die Liebe des Vaters und Jesu Christi,der unser Leher ist,sei mit euch.
Der heilige Augustinus wurde im Jahr 354 in Tagaste in Nordafrika geboren. In seiner Jugend suchte er nach Wahrheit, Glück und innerem Frieden. Lange Zeit führte er ein Leben, das ihn von Gott entfernte. Durch die Gebete seiner Mutter, der heiligen Monika, und durch die Begegnung mit dem christlichen Glauben fand er schließlich zu Jesus Christus.
Jesus,du bist unser Meister und Lehrer.Herr,erbarme dich unser.
Du hast uns den Heiligen Geist gesandte.
Du stehst und bei im Wandel der Zeit.Herr,erbarme dich unser.Im Jahr 387 empfing Augustinus die Taufe. Später wurde er Priester und im Jahr 395 Bischof von Hippo, einer Stadt im heutigen Algerien. Als Bischof kümmerte er sich besonders um die Armen, verkündete das Evangelium und verteidigte den christlichen Glauben. Er war ein außergewöhnlich kluger Lehrer und schrieb viele bedeutende Bücher.
Zu seinen bekanntesten Werken gehören die **„Bekenntnisse“** und **„Der Gottesstaat“**. In den „Bekenntnissen“ erzählt Augustinus offen von seinem Lebensweg und seiner Suche nach Gott. Ein berühmter Satz von ihm lautet:
Unruhig ist unser Herz,bis ruht es im Gott.
Augustinus starb am 28. August 430 in Hippo. Die Kirche verehrt ihn als Kirchenvater und zählt ihn zu ihren bedeutendsten Theologen. Sein Gedenktag wird am 28. August gefeiert. Er ist außerdem der Schutzpatron der Augustiner, der Drucker, Buchhändler und Theologen.
Das Leben des heiligen Augustinus zeigt, dass ein Mensch sich verändern kann und dass die Suche nach Wahrheit und Gott niemals vergeblich ist.
Jesus Christus,unser Meister und Lehrer,hat uns gelehrt,wie wir zum Vater beten sollen.In seinem Namen bitten wir.
Damit der Vater im Himmel uns seinen Frieden schenke,wollen wir ihn bitten.
Selig, die Gott mit ganzem Herzen dienen und zu den Großen des Himmelreiches gehören werden.
Nach dem rasanten Wirtschaftswachstum der 90er Jahre befand sich Argentinien um die Jahrtausendwende am Rande einer Krise, die im Jahr 2002 in den Staatsbankrott mündete. Die Situation ähnelte in vielerlei Hinsicht der unseren. Dank der Wirtschaftsreformen zu Beginn der 90er Jahre war Argentinien zu einem äußerst interessanten Land für ausländische Investoren geworden. Es kam zu einem großen Aufschwung, und die Mittel- und vor allem die Oberschicht wurde reich. Der Aufschwung brachte jedoch eine Menge Korruption auf allen Ebenen mit sich. Diese kümmerte aber niemanden, solange es der Wirtschaft gut ging. Doch die Blase platzte.
Bergoglio sagte als neuer Erzbischof von Buenos Aires im Jahr 2000 während des feierlichen Te Deum, das anlässlich des Nationalfeiertages in Anwesenheit der gesamten Regierung gefeiert wurde, im Zusammenhang mit der drohenden Krise: „Die Reden, die ich in Zusammenhang mit diesem Thema höre, gleichen Grabreden. Alle trösten die Hinterbliebenen, aber niemand glaubt an die Auferstehung.“
Was bedeutet es, an die Auferstehung zu glauben? Der Mensch glaubt meist an sich selbst. Er glaubt an seine eigene Vorstellung. Er glaubt an das, was er planen kann, er glaubt an das, wo er eine angemessene Macht zum Handeln sieht. Da sagt er sich: Wenn das gelänge, wenn er mich erhören würde, wenn er zu Hilfe käme, wenn es gelänge, Geld aufzutreiben. Das alles sind Dinge, die eintreten können, aber nicht müssen. Wir glauben aber, dass sie eintreten werden. Der Glaube an die Auferstehung ist etwas anderes. Etwas mehr.
Der heilige Paulus spricht im Römerbrief vom Glauben Abrahams: „Er hat gegen alle Hoffnung voll Hoffnung geglaubt“ (Röm 4,18). Menschlich gesehen ist es in einem solchen Alter schon unmöglich, ein Kind zu haben, und dennoch geht er. Er erhielt den Befehl von Gott: „Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen“ (Gen 12,1-2). Und Abraham zog weg. In ähnlicher Weise erhielt er den Befehl: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort als Brandopfer dar auf einem der Berge, den ich dir nennen werde.“ (Gen 22,2) Und er stand auf und ging. Beide Befehle stellen Abraham vor eine Aufgabe, die ihn menschlich übersteigt. Keiner von beiden gibt ihm die Sicherheit, dass sich die Verheißung erfüllen wird oder dass die Situation besser sein wird als die jetzige. Und doch geht er. Er nimmt sie als Wirklichkeit an. An die Verheißung geht er heran wie an eine Tatsache, die bereits gegenwärtig ist. Gerade diese Haltung deutet an, was es bedeutet, an die Auferstehung zu glauben. An die Verheißung Gottes heranzugehen wie an eine Wirklichkeit, die bereits eingetreten ist. Wenn wir jemanden versichern wollen, dass wir unser Wort halten werden, sagen wir: „Betrachte es als schon geschehen“. So versichert uns auch Gott.
Sich auf den Weg zu Christus zu machen und zu glauben, dass dieser Weg da sein wird, dass er begehbar sein wird, dass ich ihn bewältige, dass ich mich nicht verirre. Oft, wenn wir jemandem einen Weg erklären, stellt sich die betreffende Person den Ort vor. „Du kommst zu einem roten Tor“, „ja, ich weiß, wo das ist“, „dann biegst du links ab und du wirst eine große Thuja sehen“. „Moment mal, ich habe dort noch nie eine Thuja gesehen. Das finde ich sicher nicht…“ Wir haben Sicherheit, solange wir eine Vorstellung haben, aber in die Ungewissheit zu gehen, dazu haben wir keine Lust.
Warum ist es so schwer, an die Auferstehung zu glauben?
Wir leben in einer Zeit, in der schon gestern zu spät war. Eine aktuelle Nachricht ist nach einer Stunde schon alt. Auf alles wollen wir sofort eine Antwort haben, in allem wollen wir sofort Klarheit haben. So wirkt auch die Versuchung. Sie greift unsere unmittelbaren Begierden an und verspricht sofortige und schnelle Erfüllung. Das setzt uns also unter Druck. Wenn unser Wunsch nicht sofort befriedigt wird, sind wir enttäuscht, verärgert, fühlen uns betrogen und verlassen. In einer solchen Situation ist es unangenehm zu verharren, und deshalb suchen wir sofort einen Ausweg. Etwas, das uns sofort aufmuntert, auf andere Gedanken bringt, Hoffnung gibt. Sobald Gott also nicht sofort handelt, neigen wir dazu, von ihm wegzugehen und dort zu suchen, wo sofort alles einfach und schnell geht. Ähnlich gilt das auch in zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn unsere Bitte nicht sofort erhört wird, sind wir enttäuscht, denken, dass man uns nicht liebt, und wollen anderswo Hilfe suchen.
Die Auferstehung geschieht jedoch am dritten Tag. Der dritte Tag ist der Tag des Eingreifens Gottes. Es ist dann, wenn sich die Leidenschaften bereits beruhigt haben, wenn das Grab schon versiegelt ist und wenn schon alle nach Hause gegangen sind. Es ist schon nachdem wir eine, zwei schlaflose Nächte durchlebt haben, nachdem wir es geschafft haben, innezuhalten und die Dinge mit Abstand zu betrachten, wenn wir schon auf dem Weg der Annahme sind. Außerdem geschieht die Auferstehung in der Stille. Sie gelangt nicht sofort zu jedem. Zuerst erfahren jene von ihr, die mit ihr rechnen, die an sie glauben und ihr entgegengehen. Deshalb erscheint er zuerst Maria Magdalena, die zum Grab geht. Sie löst nicht die Frage, wie und wer den Stein wegwälzt. Sie geht dorthin, weil sie bei Jesus sein will. Der dritte Tag ist der Tag des Eingreifens Gottes.
Was bedeutet es also, an die Auferstehung zu glauben? Von der Hoffnung auszugehen wie von einer Wirklichkeit. Auf sein Problem zu schauen, als wäre es schon gelöst. Damit so zu arbeiten, als wäre es schon Vergangenheit. Sich auf den Weg zu machen und zu glauben, dass dieser Weg da sein wird.
Habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass, als ich die Dinge abgegeben habe, aufgehört habe, auf sie zu drängen, sie sich zu lösen begannen? Welches sind meine hoffnungslosen Situationen? Was bedrückt mich und wo sehe ich keinen Ausweg? Was bedeutet es, auf meine Situation schon als gelöst zu schauen? Kann ich geduldig warten?
Cookie Consent
We use cookies to improve your experience on our site. By using our site, you consent to cookies.
ID used to identify users for 24 hours after last activity
24 hours
_gat
Used to monitor number of Google Analytics server requests when using Google Tag Manager
1 minute
_gac_
Contains information related to marketing campaigns of the user. These are shared with Google AdWords / Google Ads when the Google Ads and Google Analytics accounts are linked together.
90 days
__utma
ID used to identify users and sessions
2 years after last activity
__utmt
Used to monitor number of Google Analytics server requests
10 minutes
__utmb
Used to distinguish new sessions and visits. This cookie is set when the GA.js javascript library is loaded and there is no existing __utmb cookie. The cookie is updated every time data is sent to the Google Analytics server.
30 minutes after last activity
__utmc
Used only with old Urchin versions of Google Analytics and not with GA.js. Was used to distinguish between new sessions and visits at the end of a session.
End of session (browser)
__utmz
Contains information about the traffic source or campaign that directed user to the website. The cookie is set when the GA.js javascript is loaded and updated when data is sent to the Google Anaytics server
6 months after last activity
__utmv
Contains custom information set by the web developer via the _setCustomVar method in Google Analytics. This cookie is updated every time new data is sent to the Google Analytics server.
2 years after last activity
__utmx
Used to determine whether a user is included in an A / B or Multivariate test.
18 months
_ga
ID used to identify users
2 years
_gali
Used by Google Analytics to determine which links on a page are being clicked