Kategorie-Archiv: Andere
11. Sonntag A Mt 9,36-10,8
Jesus Christus, der zu uns kommt, um uns von Sünde und Schuld zu heilen,sei mit euch.
Die Ernte ist groß, aber die Arbeiter sind wenige.“ Dieser Satz Jesu klingt wie eine nüchterne Feststellung. Aber wenn wir genauer hinhören, entdecken wir darin weder Klage noch Resignation. Es ist ein Satz voller Dringlichkeit – und voller Vertrauen.
Jesus sagt diese Worte weder im Hörsaal noch in einem ruhigen Gespräch mit seinen Jüngern. Er sagt ihr, nachdem er durch die Städte und Dörfer gezogen ist, nachdem er die Menschenmenge gesehen hat – erschöpft, orientierungslos, wie Schafe ohne Hirten. (Mt 9,36) Das griechische Wort, das Matthäus hier verwendet, ist „splanchnizesthai“ – ein Wort, das nicht einfach Mitleid bedeutet, sondern ein tiefes körperliches Erschüttertsein, ein Bewegtsein aus dem Innersten. Jesus sieht die Menschen und ist im tiefsten Innern getroffen. Das ist der Ausgangspunkt der ganzen Rede.
Was ist diese Ernte? Es sind die Menschen selbst – nicht als Objekte der Bekehrung, sondern als Menschen, die nach Gott dürsten, oft ohne es selbst zu wissen. Die Ernte ist reif – das bedeutet, die Menschen sind bereit. Sie warten. Sie suchen. Vielleicht wissen sie nicht einmal, wonach sie suchen. Aber Jesus sieht es. Er sieht die Sehnsucht hinter der Erschöpfung, die Hoffnung hinter der Orientierungslosigkeit.
Und dann tut er etwas Überraschendes. Er bittet nicht zuerst um mehr Arbeiter. Er sagt zuerst: „Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“ (Mt 9,38) Das Gebet kommt vor der Sendung. Das ist kein Zufall. Es ist eine theologische Aussage: Die Mission gehört Gott. Wir sind nicht die Initiatoren. Wir sind die Gesandten. Und wer gesandt wird, muss zuerst beten – muss zuerst verstehen, dass er nicht aus eigener Kraft geht, sondern getragen von dem, der ihn schickt.
Dann ruft Jesus die Zwölf zusammen und sendet sie aus. Und die Liste dessen, was sie tun sollen, ist bemerkenswert: Kranke heilen, Tote auferwecken, Aussätzige reinigen, Dämonen austreiben. Das sind keine spirituellen Metaphern. Das sind konkrete Taten der Befreiung. Das Evangelium, das sie verkünden sollen, ist kein abstraktes Lehrgebäude – es ist eine Wirklichkeit, die das Leben verändert, die Menschen aus ihrer Not herausführt, die Würde wiederherstellt, wo sie zerbrochen war.
Und dann der entscheidende Satz: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ (Mt 10,8) Dieser Satz ist das Herzstück der Sendung. Was wir haben – den Glauben, die Gnade, die Erfahrung Gottes – das ist kein Verdienst. Es ist ein Geschenk. Und Geschenke sind nicht dazu da, gehorcht zu werden. Sie sind dazu da, weitergegeben zu werden.
Liebe Schwestern und Brüder, dieser Text stellt uns eine ernste Frage. Nicht nur: Gibt es genug Priester, genug Diakone, und genug Ordensleute? Die Frage ist tiefer: Bin ich bereit, mich senden zu lassen? In meiner Familie, in meiner Pfarrei, in meinem Beruf – dort, wo ich jeden Tag bin, ist Ernte. Dort warten Menschen, die Orientierung suchen, die Trost brauchen, die jemanden suchen, der ihnen zeigt, dass das Leben einen Sinn hat.
Der heilige Paulus schreibt: „Wie sollen sie glauben, wenn sie nicht gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?“ (Röm 10,14) Das ist keine Kritik. Es ist eine Einladung. Die Ernte wartet nicht auf perfekte Arbeiter. Sie wartet auf bereitete Herzen.
Bitten wir heute um diese Bereitschaft – und um den Mut, dorthin zu gehen, wohin uns Gott schickt, auch wenn der Weg unbekannt ist und die Ernte größer erscheint als unsere Kräfte.
Da wir angewiesen sind, in aller Not den Vater zu bitten, wagen wir zu ihm zu beten.
Das Himmelreich ist nahe und verkündet uns den Frieden. Deshalb dürfen wir den Herrn bitten.
Selig, die dem Guten Hirten folgen dürfen,wenn er kommt ,die Ernte heimzuholen.
Heiligstes Herz Jesu Mt 11,25-30
Herz Jesu, durchbohrt von der Lanze,für unsere Sünden,sei mit euch.
Im Museum der Helden befinden sich einige Werke des Künstlers Jean-Georges Cornélius aus dem 20. Jahrhundert. Ein Bild spricht Bände: Gott ist unser Vater. Es scheint so vieles zusammenzufassen, was die zeitgenössische Theologie versucht hat, über die Realität des Kreuzes im Herzen des trinitarischen Lebens Gottes auszudrücken. Dieses Bild kommt ohne Worte und ohne ausgefeilte philosophische Theologie aus. Es zeigt schlicht den gekreuzigten Christus in den Armen des Vaters – ein traditionelles künstlerisches Motiv. In einem zutiefst persönlichen Augenblick zwischen Vater und Sohn fängt das Bild eine zarte, herzerwärmende und zugleich herzzerreißende Ambivalenz ihrer Nähe ein: Die Liebe war spürbar und greifbar, doch wie bei jedem Elternteil, der ein leidendes und sterbendes Kind in den Armen hält, ist der Schmerz beider deutlich sichtbar.
Jesus,du durchschaust die Herzen und Gedanken aller Menschen.Herr,erbarme dich unser.
Du kennst unsere Wege und all unser Tun. Christus,erbarme dich unser.
Du urteilst nicht nach dem äußeren Schein. Herr,erbarme dich unser.
Jesus am Kreuz ist ein kraftvolles Bild dieser bedingungslosen Liebe Gottes zu uns. All dies wird wunderbar vom Bild des Heiligsten Herzens Jesu eingefangen. Hier sehen wir Jesus sagen: „Seht, mein Herz!“ Es brennt vor Liebe zu euch und zur ganzen Welt. Mein Herz ist offen, um sich ganz mit euch zu vereinen. In der katholischen Kirche gibt es die Legende, dass der Soldat, der die Seite Christi durchbohrte – der Überlieferung nach als heiliger Longinus bekannt ist –, eine plötzliche Bekehrung erlebte, als das Blut Jesu am Schaft der Lanze auf seine Hände floss und er sich mit den Händen die Augen berührte. Die Wahrheit über unseren Herrn, die dem Soldaten Longinus zuvor verborgen geblieben war, wurde ihm augenblicklich klar. Vom Dunkel ins Licht, von der Pflicht zur freien Entscheidung, vom Hass zur Liebe – das verhärtete Herz des Soldaten vereinigte sich augenblicklich mit dem Heiligsten Herzen Jesu.
Die Geschichte der Bekehrung des heiligen Longinus gibt uns einen Einblick in unsere Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu, eine Verehrung, die uns hilft, unser Herz mit seinem Herzen in Einklang zu bringen und so symbolisch seine Liebe mit unserer zu verbinden. Diese Betrachtung führte den heiligen Longinus dazu, sein Leben der Liebe Christi zu weihen, und inspirierte unzählige andere, es ihm gleichzutun. Wenn wir das Heiligste Herz Jesu erkennen, erfahren wir seine Tugenden und Lehren, sein inneres Leben und seine unendliche Liebe. Wir erleben, wie unser Leben verwandelt wird, so wie es der heilige Longinus erfahren hat. Nicht nur heute, sondern immer wollen wir uns an Jesu Gebet erinnern: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, denn es hat dir wohlgefällig gewesen.“
Lasst uns danach streben, was unserem himmlischen Vater gefällt: sein Verlangen nach unserem Heil. Er möchte jeden in seine Gemeinschaft aufnehmen. Wir sind auf dem Weg und werden dabei häufig geprüft. Wir alle können uns die Corona-Prüfung vorstellen. Was wird sie zeigen? Was wird sie in uns auslösen: Angst? Wut? Frustration? Rebellion? Murren und Klagen? Verzweiflung?Falsches Vertrauen in Menschen und menschliche Lösungen? Verleumdung und Beleidigungen der Verantwortlichen? Untätigkeit? Resignation? Vielleicht nicht alles, aber doch einiges davon hat sich in unserer Haltung gezeigt. Was wäre das Ergebnis der christlichen Prüfung? Es wäre gut, im Einklang mit dem Wort Gottes. Geben wir Corona nicht einmal die Chance, uns in nörgelnde, ungeduldige und spirituell lethargische Wesen zu verwandeln! Werfen wir unser Vertrauen, unsere Dankbarkeit und unseren Eifer für das Gute nicht weg! Vertrauen wir auf Gott in uns selbst.
Gottes Treue verplichtet uns. Im Vertrauen auf seine Treue wagen wir, zum Vater zu beten.
Wo menschliche Treue versagt,kann der Friede nicht bleiben. Wir bitten den Herrn ,uns den Frieden zu erhalten.
Selig, die in der Treue ausharren bis ans Ende und aufgenommen werden in das Reich des Vaters
Hl. Barnabas,Apostel
Liebe Schwestern und Brüder,
die Kirche feiert heute den heiligen Barnabas – einen Mann, dessen Name in der Apostelgeschichte immer wieder auftaucht, oft im Schatten des Paulus, und dennoch eine Gestalt von eigenem Gewicht und eigener Leuchtkraft. Barnabas ist kein Apostel im engsten Sinne – er gehörte nicht zum Kreis der Zwölf. Und dennoch nennt ihn die Schrift ausdrücklich Apostel. Das sagt uns etwas Wichtiges: Apostolat ist keine Frage des Titels, sondern des Zeugnisses.
Sein eigentlicher Name war Josef. Die Apostel gaben ihm den Beinamen Barnabas, was laut der Apostelgeschichte „Sohn des Trostes“ bedeutet. (Apg 4,36) Ein Name, der nicht zufällig gewählt wurde. Er beschreibt einen Menschen, der die Gabe hatte, andere aufzurichten, zu ermutigen und ihnen Vertrauen zu schenken. In einer Zeit, in der die junge Kirche von außen verfolgt und von innen durch Misstrauen geschwächt wurde, war diese Gabe unschätzbar.
Das erste große Zeugnis des Barnabas ist ein Akt der Großzügigkeit: Er verkaufte ein Stück Land und legte den Erlös den Aposteln zu Füßen. (Apg 4,37) Es ist eine kleine Notiz, fast beiläufig erwähnt. Aber sie zeigt: Dieser Mann hielt nichts für unantastbar, wenn es darum ging, der Gemeinschaft zu dienen. Die Kirche lebte damals von solchen Gesten – von Menschen, die bereit waren, loszulassen.
Dann kommt der Moment, der vielleicht am meisten über Barnabas aussagt. Paulus, der ehemalige Verfolger der Christen, kommt nach Jerusalem. Die Gemeinde hat Angst vor ihm – zu frisch sind die Erinnerungen an seine Grausamkeit. Niemand will ihn empfangen. Niemand traut ihm. Nur Barnabas geht auf ihn zu, nimmt ihn an und führt ihn zu den Aposteln. (Apg 9,27) Ohne Barnabas hätte Paulus möglicherweise keinen Zugang zur Kirche gefunden. Es ist eine der stillen Scharnierszenen der Kirchengeschichte – ein Akt des Vertrauens, der alles veränderte.
Barnabas und Paulus wurden dann gemeinsam von der Gemeinde in Antiochia ausgesandt – die erste große Missionsreise, der Beginn der Ausbreitung des Evangeliums in die griechisch-römische Welt. Antiochia war kein zufälliger Ausgangspunkt. Dort wurden die Jünger Jesu erstmals Christen genannt. Dort begann etwas Neues – eine Kirche, die über die Grenzen des Judentums hinauswuchs.
Liebe Schwestern und Brüder, was können wir von Barnabas lernen? Er war kein großer Redner wie Paulus. Er war kein Visionär, dem Christus auf dem Weg erschien. Er war ein Mann der zweiten Reihe – und gerade darin liegt seine Größe. Er erkannte das Potenzial in anderen, bevor es sichtbar wurde. Er öffnete Türen, die verschlossen schienen. Er schenkte Vertrauen, wo Misstrauen herrschte.
Die Kirche braucht immer wieder solche Menschen – Menschen, die nicht im Rampenlicht stehen wollen, sondern anderen den Weg freimachen. Menschen, die trösten können, weil sie selbst wissen, was es bedeutet, getragen zu werden. Menschen, die loslassen können, was ihnen gehört, damit andere wachsen können.
Der heilige Barnabas ist der Patron der Großmut und des Vertrauens. Bitten wir heute um seine Fürsprache – dass auch wir die Gabe empfangen, in anderen das Gute zu sehen, bevor es alle sehen, und ihnen den Raum zu geben, den sie brauchen, um es zu entfalten.
Donnerstag der 10.Woche Mt 5,20-26
Jesus,der sagte: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen, sei mit euch.“
Jesus kritisiert nicht das Gesetz an sich, sondern eine zu enge, äußerliche Erfüllung. Jesu Ruf zielt tiefer: nicht nur korrekt handeln, sondern auch das Herz verwandeln lassen. Nicht Mindeststandards, sondern das Mehr der Liebe.
Jesus, du kamst zu uns als der Bote des ewigen Vaters. Herr,erbarme dich unser.
Du bist das Gericht, das in diese Welt gekommen ist. Christus,erbarme dich unser.
Du prüfst und kennst die Gesinnungen der Herzen. Herr, erbarme dich unser.
-
Vom Verbot des Mordes zur Pflege des Herzens: „Ihr habt gehört: Du sollst nicht töten.“ Ich aber sage euch: Wer seinem Bruder zürnt…“ Jesus führt das Gesetz an seine Wurzel zurück. Mord beginnt nicht erst mit der Tat, sondern mit dem verfestigten Groll, dem verächtlichen Wort, dem inneren Abwerten. Worte wie „Raka!“ oder „Du Narr!“ mögen uns fern erscheinen, aber ihr Geist lebt fort: Spott, Hohn, Häme, das schnelle Urteil in Gesprächen, am Stammtisch, in Kommentaren. Jesus weist darauf hin: Was wir im Herzen nähren, prägt, was wir tun. Ein vergiftetes Herz vergiftet Beziehungen – und schließlich die Gemeinschaft.
-
Warum Jesus so scharf spricht: Es geht nicht um moralische Spitzfindigkeit, sondern um die Würde des Anderen. Jeder Mensch trägt Gottes Ebenbild. Verachtung verletzt nicht nur den Nächsten, sondern auch unsere Gottesbeziehung. Wo ich den anderen entwürdige, verschließe ich mich dem Blick Gottes, der ihn liebt. Darum die Dringlichkeit: „Versöhne dich schnell mit deinem Bruder.“ Es ist ein Ruf zur Freiheit. Wer vergibt, wird frei – von der Last des Grolls, der uns fesselt.
-
Gottesdienst und Versöhnung „Wenn du deine Gabe zum Altar bringst und dir einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort… und versöhne dich zuerst.“ Das ist provozierend: Gott stellt die Versöhnung über das religiöse Ritual. Unser schönster Gesang, die andächtigste Teilnahme – all das ist hohl, wenn wir am Herzen festhalten, was uns trennt. Liturgie und Leben gehören zusammen. Der Altar ruft uns zur Versöhnung – und die Versöhnung führt uns zum Altar zurück, damit unsere Gabe wahrhaftig wird.
-
„Schnell dich versöhnen“ – die Gunst der Stunde. Jesus sagt: „Schnell“. Warum? Weil Zeit Wunden vernarben, aber auch verhärten kann. Wer lange wartet, baut innere Mauern. Heute – nicht irgendwann – ist der Tag, einen Schritt zu tun: ein Anruf, ein Satz, ein Brief, vielleicht nur: „Es tut mir leid.“ Versöhnung ist nicht immer sofortige Einigkeit. Aber sie ist die Entscheidung, den anderen nicht an seine Schuld festzunageln, sondern ihm Raum zu lassen, neu zu beginnen – so wie Gott es mit uns tut.
-
Eine größere Gerechtigkeit – die Logik des Reiches Gottes Die „größere Gerechtigkeit“ ist nicht mehr Regeln, sondern mehr Liebe. Sie wächst aus der Erfahrung, dass Gott uns zuerst in Christus versöhnt hat. Am Kreuz hat er die Mauer der Feindschaft niedergerissen. Wer daraus lebt, muss nicht mehr Recht behalten, sondern kann Frieden stiften. Christliche Gerechtigkeit ist nicht die Bilanz der Fehler, sondern die Tat der Barmherzigkeit. Sie rechnet nicht kleinlich, sondern schenkt großherzig.
-
Konkrete Schritte
-
Prüfen: Wo trage ich Groll? Gegen wen? Nennen wir den Menschen vor Gott beim Namen.
-
Beten: „Herr, gib mir ein mildes Herz und die richtigen Worte zur richtigen Zeit.“
-
Handeln: Einen ersten Schritt setzen – auch wenn der andere „etwas gegen mich hat“. Nicht warten, bis der andere beginnt.
-
Sprache hüten: Keine Beschämung, kein Spott. Kritik ja – aber ohne Verachtung. Worte können heilen.
-
Grenzen achten: Versöhnung heißt nicht, Unrecht zu verharmlosen. Manchmal braucht es Klärung, Schutz und einen Dritten als Brücke. Doch selbst dann kann das Herz loslassen.
-
Hoffnung für Verletzte Manche sagen: „Ich kann nicht vergeben.“ Dann fängt die Versöhnung damit an, Gott die Unmöglichkeit hinzuhalten. Vergebung ist oft ein Weg, kein Moment. Gott überfordert nicht; er begleitet. Vielleicht ist der erste Schritt nur, nicht länger schlecht über den anderen zu reden. Gott schenkt die Gnade, weiterzugehen, wenn die Zeit reif ist.
-
Eucharistie als Schule der Versöhnung In jeder Messe hören wir: „Gebt einander ein Zeichen des Friedens.“ Das ist kein höflicher Einschub, sondern das Evangelium in Bewegung. Wir empfangen den, der unser Friede ist. Er macht aus Fremden Geschwister. Von seinem Tisch gesandt, sind wir berufen, Frieden zu tragen: in unsere Familien, an unsere Arbeitsplätze, in unsere Nachbarschaften, auch in die digitale Welt.
Schluss, liebe Schwestern und Brüder, Jesus ruft uns heute nicht zu einer strengeren Fassade, sondern zu einem weicheren, erneuerten Herzen. Die größere Gerechtigkeit beginnt im Verborgenen: im Gedanken, im Wort, in der Entscheidung, den ersten Schritt zu tun. Bitten wir um den Mut zur Versöhnung – schnell, konkret, heute. Dann wird unsere Gabe auf dem Altar wahrhaft Lob Gottes und unser Alltag zum Ort seines Reiches.
Wir sind auf dem Weg zum letzten Gericht. Mit vollem Vertrauen wagen wir, zum Vater zu beten.
Wenn wir ohne Zögern Frieden mit unserem Gegner schließen, dürfen wir Gott um seinen Frieden bitten.
Selig, die einander vergeben und Versöhnung finden werden beim Vater.
Mittwoch der 10.Woche Mt 5,17-19
Jesus Christus, der sagt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten aufzuheben.
Mit diesen Wort sagt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten aufzuheben.“ en stellt sich Jesus mitten in die große Tradition Israels – nicht als Revolutionär, der alles Bisherige wegwirft, sondern als derjenige, der dem Gesetz seinen eigentlichen Sinn zurückgibt.
Jesus,du hast alles nach dem Willen des Vaters getan. Herr,erbarme dich unser.
Du führst das Werk des Vaters zur Vollendung. Christus,erbarme dich unser.
Du kennst in allem den Willen des himmlischen Vaters. Herr,erbarme dich unser.
Das war damals eine provokante Aussage. Viele seiner Zeitgenossen sahen in Jesus genau das – einen, der die Tradition untergräbt, mit den Sabbatvorschriften nachlässig umgeht, mit Sündern isst und die Grenzen des Erlaubten immer wieder überschreitet. Und nun sagt er selbst: „Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben. Wie ist das zu verstehen?
Das Schlüsselwort ist „erfüllen“. Im griechischen Originaltext steht „plēroō“ – ein Wort, das nicht nur „vollenden“ bedeutet, sondern auch „zum Überfließen bringen“ und „mit Inhalt füllen“. Jesus nimmt das Gesetz nicht weg. Er füllt es mit seinem eigentlichen Gehalt. Er zeigt, was das Gesetz wirklich gemeint hat, bevor es durch menschliche Auslegung, äußerliche Observanz und endlose Detailvorschriften zur Last wurde.
Der heilige Augustinus hat das so formuliert: „Das Alte Testament ist im Neuen enthüllt, das Neue Testament ist im Alten verhüllt.“ Das Gesetz war nicht falsch. Es war unvollständig – wie ein Versprechen, das noch auf seine Erfüllung wartet. Jesus ist diese Erfüllung.
Was bedeutet das konkret? Jesus verschärft das Gesetz nicht einfach, sondern vertieft es. Im weiteren Verlauf der Bergpredigt wird er sagen: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht töten. Ich aber sage euch: Wer seinem Bruder auch nur zürnt, der ist dem Gericht verfallen.“ Das ist keine strengere Vorschrift. Das ist eine Einladung, tiefer zu schauen – nicht nur auf die Tat, sondern auf die Haltung des Herzens, aus der sie entspringt.
Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen äußerer Gesetzeserfüllung und dem, was Jesus meint. Man kann alle Gebote halten und dennoch ein kaltes Herz haben. Man kann alle Vorschriften befolgen und dennoch dem Nächsten gegenüber gleichgültig bleiben. Das Gesetz in seiner äußeren Form schützt vor dem Schlimmsten. Aber es kann das Herz nicht verwandeln. Das kann nur die Liebe.
Und genau das ist der Kern der Botschaft Jesu: Er erfüllt das Gesetz, indem er es auf seine tiefste Wurzel zurückführt – auf die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Alles andere ist die Entfaltung dieser einen Grundwahrheit.
Liebe Schwestern und Brüder, Jesus sagt auch: „Wer auch nur eines dieser kleinsten Gebote auflöst und die Menschen so lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein.“ Das klingt streng. Aber es ist in Wirklichkeit eine Einladung zur Ernsthaftigkeit. Der Glaube ist kein Buffet, bei dem wir uns aussuchen, was uns passt. Er ist eine Einheit – eine Lebensweise, die aus der Mitte kommt und dorthin führt, die Christus selbst ist.
Fragen wir uns heute: Lebe ich meinen Glauben von innen oder von außen? Halte ich Gebote aus Gewohnheit oder aus Überzeugung? Kenne ich den Geist hinter dem Buchstaben?
Jesus ist nicht gekommen, um uns das Leben schwerer zu machen. Er ist gekommen, um uns zu zeigen, was Freiheit wirklich bedeutet – nicht die Freiheit von Gott, sondern die Freiheit in Gott, die Freiheit eines Herzens, das liebt, weil es geliebt ist.
Gott hat keines seiner Gebote aufgehoben. In Treue zu seinem Wort wagen wir zu beten. Wer
Gott und sein Gesetz kennt, kann in ihm den Frieden finden. Dazu bitten wir ihn.
Selig, die Gottes Gebote in allem treu erfüllen und groß sein werden im Himmelreich.
Hl.Ephräm der Syrer, Diakon, Kirchenlehrer Lk 6,43-45
Jesus Christus,der kommen wird,damit wir ihm öffnen, sei mit euch.
Die Kirche stellt uns einen Mann vor, der aus einer Welt stammt, die uns fremd erscheint. Er stammt aus Syrien. Er stammt aus Syrien, das anders dachte,anders betete und andere sang als wir. Und dennoch berühren seine Worte uns nach siebzehn Jahrhunderten unmittelbar.Das ist kein Zufall. Das ist das Zeichen eines echten Lehrers des Glaubens.
Jesus,du hast die Ehre des Vaters gesucht. Herr,erbarme dich unser
Du hast dich in allem auf den Vater berufen. Christus,erbarme dich unser.
Du hast deine Apostel für ihre Aufgabe geschult. Herr,erbarme dich unser.
Ephräm wurde um das Jahr 306 in Nisibis geboren, einer Stadt an der Grenze zwischen dem Römischen Reich und dem Perserreich – ein Ort der Begegnung, aber auch des Konflikts. Er wuchs in einer christlichen Familie auf, empfing die Taufe als junger Mann und wurde Diakon. Priester wurde er nie – und doch zählt er zu den bedeutendsten Theologen der alten Kirche. Papst Benedikt XV. Er erklärte ihn 1920 zum Kirchenlehrer, als Erster und bis heute Einziger syrischer Kirchenvater mit diesem Titel.
Was macht Ephräm so besonders? Er dachte nicht in philosophischen Begriffen, wie sie die griechischen Kirchenväter verwendeten. Er dachte in Bildern, in Gleichnissen, in Liedern. Er schrieb Hymnen – Tausende davon. Seine Theologie war Poesie, und seine Poesie war Theologie. Er verstand, was viele vergessen: dass der Mensch nicht nur mit dem Verstand glaubt, sondern mit dem ganzen Herzen, mit dem Leib, mit der Stimme.
Einer seiner bekanntesten Gedanken lautet: „Gott verbirgt sich im Brot wie im Dornbusch.“ Diese Parallele zwischen dem brennenden Dornbusch des Mose und dem Brot der Eucharistie ist von atemberaubender Tiefe. Gott offenbart sich in dem, was unscheinbar ist, in dem, was man leicht übersieht. Der Dornbusch brennt und verbrennt nicht. Das Brot wird gebrochen und bleibt ganz. Das Geheimnis Gottes kann nicht erschöpft werden – weder durch Feuer noch durch menschliche Vernunft.
Ephräm lebte die letzten Jahre seines Lebens in Edessa, wohin er nach der persischen Eroberung Nisibis’ geflohen war. Dort gründete er eine Schule, die sogenannte „Schule der Perser“, und wirkte als Lehrer, Dichter und Seelsorger. Als 373 eine Hungersnot über die Stadt hereinbrach, organisierte er persönlich die Hilfe für die Armen – ein alter Mann, krank und erschöpft, der dennoch nicht aufhörte, sich um die Leidenden zu kümmern. Wenige Monate später starb er.
Liebe Schwestern und Brüder, Ephräm der Syrer lehrt uns etwas, das wir dringend brauchen: dass Glaube und Schönheit zusammengehören. Dass Theologie nicht nur Wissenschaft ist, sondern auch Gesang. Dass wir Gott nicht nur begreifen, sondern auch feiern sollen – mit Worten, die das Herz bewegen, mit Bildern, die tiefer reichen als jeder Begriff.
Er hat auch eine tiefe Demut vorgelebt. In einem seiner Gedichte schreibt er über sich selbst: „Ich bin der Geringste unter den Lehrern, aber Gott hat mir eine Zunge gegeben, die loben kann.“ Das ist keine falsche Bescheidenheit. Es ist die Haltung eines Menschen, der weiß, dass alles, was er hat und kann, ein Geschenk ist.
Bitten wir heute um diese Gnade – dass auch wir Gott nicht nur mit dem Verstand suchen, sondern mit dem ganzen Herzen. Dass unser Glaube nicht trocken bleibt, sondern lebendig wird, singend, lobend, staunend vor dem Geheimnis, das uns trägt.
Da Jesus Christus uns auf den Weg des Kreuzes gerufen hat,wollen wir um Mut und Kraft zum Vater beten.
Wenn unser Leben gute Früchte bringt, werden wir den Frieden des Herrn empfangen. Das erbitten wir.
Selig, die zum ungeteilten Dienst vor Gott bereit sind und ihr Leben in Gott vollenden werden.
Montag der 10.Woche im Jahreskreis Mt 5,1-12
Jesus Christus,der uns den großen Lohn des Himmelreiches verheißen hat,sei mit euch
Als Jesus die große Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg (…), öffnete den Mund und lehrte sie.“ In den Seligpreisungen zeigt uns Jesus den Weg zum Glück. Durch sie bietet er uns Veränderung an. Eine der Veränderungen, die tiefgreifende Wandlungen bewirken und uns dazu befähigen, Gutes auf Erden zu tun.
Jesus,du hast uns das Ideal eines neuen Lebens verkündet. Herr,erbarme dich unser.
Du hast gelobt, was der Mensch nur schwer ertragen kann. Christus, erbarme dich unser.
Du hast Gewimm genannt, was uns als Verlust erscheint. Herr, erbarme dich unser.
Die Seligpreisungen sind eine wunderschöne Passage, die den eindrucksvollen Vorraum der Bergpredigt bildet. Jesus setzt sich als Lehrer hin, um den Menschen das göttliche Wort zu verkünden, das er vom Vater empfängt. Er beginnt mit den Worten: „Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.“ Es ist wichtig, immer wieder zu bemerken und zu staunen, dass das erste Wort, das Jesus uns bringt, die „Seligpreisungen“ sind, die „glücklich“ bedeuten. Jesus bringt uns das Wort Gottes und lehrt uns, dass er möchte, dass wir glücklich und fröhlich sind und ein erfülltes Leben führen. Dass der Weg zu Gott der Weg der Freude ist. Und mit seinem Wort zeigt er uns, welchen Weg wir gehen sollen. Wie wir leben sollen, um wahres Glück zu finden.
Wenn wir die Seligpreisungen lesen, entdecken wir einen paradoxen Weg. Jesus zeigt uns den Weg zum Glück, wo es unmöglich scheint. Hinter jeder Seligpreisung verbirgt sich der Weg der Liebe und der Weg des Kreuzes. Jesus lehrt uns, dass Liebe und Kreuz auf dieser Erde untrennbar miteinander verbunden sind. Anders gesagt: Wenn wir wahrhaft lieben wollen, müssen wir uns mit dem Kreuz identifizieren.
Jesus preist selig die Armen im Geiste, das heißt jene, die auf Gott vertrauen; die Trauernden, das heißt jene, die ihre Sünden erkennen und bereuen; die Sanftmütigen, das heißt jene, die die Fehler anderer geduldig ertragen; jene, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, das heißt jene, die in ihrem Verlangen nach Heiligkeit wachsen; die Barmherzigen, das heißt jene, die andere in ihrer Zerbrechlichkeit annehmen, ohne sie zu verurteilen; die Reinen Herzens, das heißt jene, die danach streben, dass nichts ihre Liebesfähigkeit trüben kann; die Friedensstifter, das heißt jene, die Frieden und Freude säen. Und schließlich all jene, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung ertragen, das heißt, all jene, die in der Wahrheit leben und keine Kompromisse eingehen.
In den Seligpreisungen entdecken wir das Antlitz Jesu, und wir müssen unser eigenes Antlitz entdecken. Im christlichen Leben ist es sehr hilfreich, das eigene Leben anhand der Seligpreisungen zu reflektieren. Wir sollten uns fragen: Bin ich arm? Weine ich?
Jesus Christus hat uns die Seligkeit des Himmels verheißen. In seinem Namen beten wir zum Vater.
Damit wir den Söhnen Gottes zugezählt werden, wollen wir uns um den Frieden bemühen und beten.
Selig,die Gottes Wort im Herzen bewahren und eingehen zu seinen Verheißungen.
Hl.Norbert von Xanten Lk 14,25-33
Jesus Christus, der den Grund gelegt und uns berufen hat ,sein Werk fortzuführen, sei mit euch.
Norbert von Xanten wurde um das Jahr 1080 in Xanten am Niederrhein in eine adlige Familie hineingeboren, die ihm Zugang zu Bildung, kirchlichen Pfründen und einem bequemen Leben verschaffte. Er war Kanoniker, ohne sich besonders um die Pflichten dieses Amtes zu kümmern – ein Mann der Welt, der die Vorteile des kirchlichen Standes genoss, ohne dessen Geist zu leben.
Du hast unermüdlich dein Wort verkündet. Herr,erbarme dich unser.
Du hast uns neues Leben geschenkt. Christus,erbarme dich unser.
Du erneuerst die Kirche im Heiligen Geist. Herr,erbarme dich unser.
Die Wende kam um 11:15 Uhr dramatisch, als Norbert zu Pferd ritt und ein Blitzeinschlag ihn zu Boden warf – eine Bekehrungsszene, die unweigerlich an Paulus auf dem Weg nach Damaskus erinnert. Er lag bewusstlos am Boden und hörte nach der Überlieferung die Frage: „Norbert, wohin gehst du? Kehre um und tue Gutes.“ Diese Erfahrung veränderte sein Leben von Grund auf.
Er verkaufte seinen Besitz, verteilte alles an die Armen und lebte fortan als Wanderprediger in radikaler Armut. Seine Predigten zogen große Menschenmassen an – er war ein Mann mit einer außergewöhnlichen Gabe, Menschen zu bewegen und zur Umkehr zu rufen. Päpstliche Genehmigung für sein Wanderpredigertum erhielt er 1115 von Papst Gelasius II.
Im Jahr 1120 gründete er im Tal von Prémontré in Frankreich eine neue Ordensgemeinschaft – die Prämonstratenser, auch Norbertiner genannt. Der Orden verband das kontemplative Leben mit dem aktiven Seelsorgedienst, was für die damalige Zeit eine wichtige Synthese darstellte. Die Regel des heiligen Augustinus bildete die Grundlage, ergänzt durch strenge Askese und gemeinschaftliches Chorgebet.
Norbert wurde 1126 zum Erzbischof von Magdeburg ernannt – gegen seinen Willen, wie die Quellen berichten. In Magdeburg traf er auf eine Kirche in tiefem Verfall: Klerus ohne Disziplin, Kirchengut in weltlichen Händen, religiöses Leben kaum noch erkennbar. Er reformierte unerschrocken, machte sich dabei viele Feinde und überstand mehrere Mordanschläge.
Er starb am 6. Juni 1134 in Magdeburg, erschöpft von einem Leben im radikalen Einsatz. Papst Gregor XIII. sprach ihn 1582 heilig. Sein Gedenktag ist der 6. Juni – also übermorgen. Die Prämonstratenser sind bis heute in vielen Ländern aktiv, darunter auch in Österreich, wo die Klöster Geras und Wilten zu den bekanntesten Häusern des Ordens gehören.
Was Norbert besonders auszeichnet, ist der Weg vom bequemen Kleriker zum radikalen Reformer. Es handelt sich um eine Bekehrung, die nicht bei innerer Frömmigkeit stehen blieb, sondern die ganze Lebensweise und schließlich die Kirche selbst verändern wollte.
Auf Christus, den Eckstein des Gottesreiches,sind wir aufgebaut. Deshalb wagen wir, zum Vater zu beten.
Da wir dem Gericht entgegengehen, wollen wir um den Frieden bitten.
Selig, die Gott über alles schätzen und Vollendung finden in seinem ewigen Reich
Herz-Jesu-Freitag Joh 10, 11-16
Jesus Christus,Davids Sohn und zugleich Davids Herr zur Rechten des Vaters ,sei mit euch.
Heute ist Herz-Jesu-Freitag. Seit über 350 Jahren stellen wir am ersten Freitag im Monat das Herz Jesu in die Mitte. Nicht als süßliches Bild, sondern als Wunde. Als durchbohrtes Herz. Als Zeichen: So sehr liebt Gott.
Jesus, du kamst als der von Gott verheißene Messias. Herr,erbarme dich unser.
Du bist der eingeborene Sohn des ewigen Vaters. Christus,erbarme dich unser. Deine Botschaft weist uns den Weg des Heils. Herr,erbarme dich unser.
Das Evangelium passt heute genau dazu. Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirt.“ Und dann sagt er, was diesen Hirten ausmacht: „Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe hin.“ Das ist Herz-Jesu-Theologie in einem Satz.
1. Ein Herz, das kennt
„Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.“
Wir leben in einer Zeit, in der man für Algorithmen ein Datensatz ist. Für Behörden eine Nummer. Für Social Media ein Profil. Kennen heißt hier: angeklickt, analysiert, eingeordnet.
Jesus meint etwas anderes. „Kennen“ ist in der Bibel ein Beziehungswort. Adam „erkannte“ Eva. Gott „kennt“ die Wege der Gerechten. Es heißt: Ich sehe dich. Ich weiß, wie müde du am Freitagabend bist. Ich weiß, wo du dich schämst. Ich weiß, wo du hoffst.
Das Herz Jesu ist kein Symbol für ein Gefühl. Es ist das Zeichen dafür, dass Gott ein Gedächtnis für dich hat. Du bist nicht vergessen. Dein Name ist ihm nicht egal. Am Herz-Jesu-Freitag dürfen wir uns das sagen lassen: „Ich bin gekannt.“ Mit meinem ganzen Leben.
2. Ein Herz, das kämpft
„Der Mietling aber, der nicht Hirt ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht.“
Der Mietling rechnet. Lohn gegen Risiko. Wenn es brenzlig wird, ist er weg. Wir kennen das. Systeme, die bei Schönwetter funktionieren. Freundschaften, die nur bis zur ersten Krise halten. Chefs, die Verantwortung delegieren, wenn es ernst wird.
Jesus rechnet nicht. Er sagt: „Ich gebe mein Leben hin.“ Das ist der Unterschied zwischen Vertrag und Bund. Zwischen Job und Berufung. Das Herz Jesu ist durchbohrt, weil es sich hat treffen lassen. Für uns.
Wo ist heute der Wolf? Einsamkeit ist ein Wolf. Scham ist ein Wolf. Die Stimme, die sagt: „Du bist zu wenig“, ist ein Wolf. Sucht, Zynismus, Gleichgültigkeit – sie reißen, wenn niemand dazwischengeht.
Herz-Jesu-Verehrung heißt: Ich glaube an einen Gott, der nicht flieht, wenn der Wolf kommt. Der dazwischengeht. Mit seinem Leben.
3. Ein Herz, das weitet
„Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall stammen; auch sie muss ich führen.“
Jesus denkt größer als unsere Stallmauern. Größer als „wir hier“ gegenüber „die dort“. Sein Herz schlägt auch für die, die wir nicht im Blick behalten. Die Ausgetretenen. Die Suchenden. Die Andersglaubenden. Die, mit denen ich nicht klarkomme.
Das tut weh. Denn wir hätten Gott gern exklusiv. Aber das Herz Jesu ist nicht exklusiv. Es ist durchlässig. Es weitet den Raum. „Sie werden auf meine Stimme hören. Dann wird es eine Herde und einen Hirt sein.“ Nicht: eine Uniform. Sondern: eine Stimme, die sammelt.
Herz-Jesu-Freitag fragt uns: Für wen weite ich mein Herz? Wen habe ich schon abgeschrieben, den Gott noch nicht?Drei Dinge nehmen wir mit vom Herz-Jesu-Freitag:
| Konkret | |
|---|---|
1. Mich kennen lassen |
Heute Abend 5 Minuten Stille. Nicht beten, nicht reden. Nur da sein und sagen: „Herr, du kennst mich. Das reicht.“ |
2. Nicht fliehen |
Wo bin ich versucht, ein Mietling zu sein? In welcher Beziehung, Aufgabe oder Verantwortung will ich stehenbleiben, auch wenn es unbequem wird? |
3. Weiten |
Für wen bete ich diese Woche, der nicht „zu uns“ gehört? Name auf einen Zettel. Ins Herz Jesu legen. |
Das Herz Jesu ist kein Andachtsbild für die Vitrine. Es ist ein Schlachtfeld, auf dem die Liebe gesiegt hat. Es ist der Ort, an dem der Hirt sein Leben gelassen hat, damit wir bestehen.
Und deshalb gehen wir heute nicht mit frommem Gefühl nach Hause, sondern mit einem Auftrag: Seid Menschen mit Herz. Menschen, die kennen, die bleiben, die weiten. So wie er.
Jesus Christus, unser Herr, sitzt zur Rechten des Vaters. In seinem Namen wagen wir zu beten.
Wenn wir festhalten am Wort Jesu Christi,werden wir teilhaben an seinem Frieden und dürfen beten.
Selig,die begierig hören auf Gottes Wort und geführt werden vom Heiligen Geist
Amen.
Hochfest des Leibes und Blutes Christi Joh 6,51-58
Jesus Christus,der uns in seinem Fleisch und Blut die Nahrung des ewigen Lebens schenkt,sei mit euch.
Heute, am Fest des Leibes und Blutes Christi, erinnern wir uns an die Wirklichkeit, in der wir die deutlichste und stärkste Berührung des lebendigen Gottes erfahren können. Nicht nur im Abbild Gottes in der Natur oder in anderen Schönheiten des Lebens, sondern hier ist es eine Begegnung mit Gott selbst, der sich in Brot und Wein verwandelt hat… Die heutige Lesung aus dem Johannesevangelium beginnt mit den Worten: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“ (Joh 6,51) und endet mit den Worten Jesu: „Wer von diesem Brot isst, wird ewig leben“ (Joh 6,58).
Jesus,du hast uns das Brot des ewigen Lebens geschenkt. Herr, erbarme dich unser.
Du nährst uns auf dem Weg , damit wir nicht ohne Kraft zurückbleiben. Christus,erbarme dich unser.
Du gibst uns von dem einen Brot,damit uns die eine Liebe mit dir verbindet. Herr,erbarme dich unser.
Im liturgischen Kalender der Kirche feiern wir zwei bedeutende Donnerstage. In der Karwoche begehen wir den Gründonnerstag und heute das Fronleichnamsfest. An beiden Tagen gedenken wir der Eucharistie. Am Abend des ersten Tages erinnern wir uns an die Einsetzung der Eucharistie. Sie fand am Ende des öffentlichen Wirkens des Herrn Jesus statt, kurz bevor er seine Mission auf Erden erfüllte, um für uns zu sterben. Heute, in der Woche nach Ostern, betrachten wir das Geheimnis der Liebe des Herrn Jesus, der die Eucharistie eingeführt hat. Weil Jesus uns so sehr liebte, beschloss er, bis zum Ende der Zeiten unter den Gestalten von Brot und Wein bei uns zu bleiben. Diese werden nach den Worten der Wandlung durch den Priester zum wahren, wirklichen und substanziellen Leib und Blut Christi. Der Herr Jesus ist daher wahrhaftig, wahrhaftig und substanziell in der Eucharistie gegenwärtig. Was bedeutet das? Der Herr Jesus selbst gibt uns im heutigen Evangelium eine klare Antwort: „Wahrhaftig: Jesus selbst sagt: „Mein Fleisch ist die wahre Speise und mein Blut ist der wahre Trank‘“ (Joh 6,55).
Wahrhaftig: Seine Gegenwart unter den Gestalten von Brot und Wein hängt nicht von unserem Glauben ab. Unser Glaube bringt ihn weder herbei noch entzieht er ihn uns. Der heilige Johannes Chrysostomus erklärt: „Dass die dargebrachten Gaben zum Leib und Blut Christi werden, bewirkt nicht der Mensch, sondern Christus selbst, der für uns gekreuzigt wurde.“
Substanziell: Er ist unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig. Wenn er in anderen Sakramenten durch Macht und Gnade gegenwärtig ist, so ist er in der Eucharistie in besonderem Maße, in seinem Wesen, gegenwärtig, und zwar so vollkommen, dass es falsch wäre, über das Wesen des Brotes zu sagen: „Hier ist der Leib Christi“, anstatt: „Das ist der Leib Christi“. Denn anders als in anderen Sakramenten, in denen wir der Macht und Gnade Christi begegnen, schenkt er uns in der Eucharistie sich selbst und den ganzen, lebendigen Christus, den wir empfangen.
Das Fronleichnamsfest hat seinen Ursprung in der mittelalterlichen Frömmigkeit. Die Eucharistiefeier wurde nicht nur als eucharistisches Abendmahl, sondern auch als sichtbare Gegenwart des Leidens Christi verstanden. Diese Entwicklung führte zu einer immer tieferen Verehrung der Eucharistie, insbesondere des eucharistischen Brotes. Unabhängig von der Heiligen Messe entstanden verschiedene Andachtsformen zur Verehrung des Allerheiligsten Sakraments. Dies führte zur Schaffung eines eigenen Festes zur Ehrung der göttlichen Gegenwart in der Eucharistie. Anlass hierfür war eine Vision, die Juliana von Lüttich im Jahr 1209 hatte. In dieser Vision sah sie einen Vollmond als Symbol der Kirche. Ein schwarzer Fleck darauf deutete jedoch darauf hin, dass dem Kirchenjahr ein Fest zur Verehrung der Eucharistie fehlte. 1246 führte der Bischof von Lüttich ein solches Fest ein, das sich rasch verbreitete und 1264, nach der Billigung und dem Dekret des Papstes, für die gesamte Kirche verbindlich wurde. Die Verbindung dieses Festes mit Gründonnerstag zeigt sich darin, dass es an einem Donnerstag gefeiert wird. 1277 wurde in Köln erstmals eine Prozession zu diesem Fest eingeführt. Seitdem ist die Prozession ein fester Bestandteil des Fronleichnamsfestes und gehört bis heute dazu. Dies ist keine Erfindung gegen die Häretiker der späteren Jahrhunderte.
Wir sind uns auch bewusst, dass dieses Fest eine andere Bedeutung hat als der Gründonnerstag. Am Gründonnerstag gedenken wir der Verurteilung und Kreuzigung Jesu, während wir am Fest des Leibes und Blutes Christi nicht an Jesu Leiden erinnern, sondern die Freude seiner Gegenwart in der Eucharistie unter uns erfahren. Jesus schenkt sich uns als „das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“ (Joh 6,51), damit er immer unter uns gegenwärtig sei.
Liebe Brüder und Schwestern, an der Heiligen Messe teilzunehmen und den lebendigen Jesus Christus darin zu sehen, sind zwei verschiedene Dinge. Es hängt allein von der Absicht und den Motiven ab, mit denen wir zur Heiligen Messe kommen.
Ein Mann kam zu einem Priester, der den Glauben verspotten wollte, und fragte: „Wie ist es möglich, dass Brot und Wein zum Leib und Blut Jesu Christi werden?“ Der Priester antwortete: „Wenn dein Körper die Nahrung, die du zu dir nimmst, in Leib, Blut und andere Substanzen verwandeln kann, warum kann Gott dann nicht auch andere Dinge tun?“ Doch der Mann gab nicht auf: „Aber wie kann der ganze Christus in einer so kleinen Hostie gegenwärtig sein?“ Der Priester erwiderte ihm: „Das Land, das vor dir liegt, ist so groß und dein Auge so klein, dass es unbedeutend erscheint. Und doch ist das Bild dieses ganzen großen Landes in deinem Auge. Warum sollte es dann nicht möglich sein, dass der ganze Christus in der kleinen Gestalt des Brotes gegenwärtig ist?“ Doch der Mann gab auch angesichts dieser Argumente nicht nach und stellte eine dritte Frage: „Wie kann derselbe Christus gleichzeitig in all euren Kirchen gegenwärtig sein?“ Daraufhin nahm der Priester einen Spiegel und ließ ihn hineinsehen. Dann ließ er den Spiegel zu Boden fallen, sodass er in nutzlose Stücke zersprang, und sagte zu dem Mann, um den es ging: „In jedem Stück des ursprünglichen, unversehrten Spiegels kannst du dein Bild sehen! Warum leugnest du hartnäckig diese Fähigkeit, Gott, dem Schöpfer von allem?“
Brüder und Schwestern, wir sehen, dass es letztlich nur davon abhängt, was wir von der Heiligen Messe erwarten und darin sehen. Manche gehen sonntags in die Kirche, um eine Stunde lang zu sitzen, einfach weil die ganze Familie das schon immer so gemacht hat, aber sie haben kein tieferes Interesse daran, was dort geschieht. Andere kommen, weil ihre Großmutter böse wäre, wenn sie nicht kämen. Wieder andere verbringen diese Zeit damit, auf die Uhr zu schauen, in der Hoffnung, dass es endlich vorbei ist und sie gehen können… Das sind die Menschen, die alles in der Heiligen Messe sehen, aber nicht den lebendigen Jesus.
Doch es gibt auch jene – und ich glaube, die meisten von uns gehören dazu –, die hierher gekommen sind, um den lebendigen Christus zu sehen und zu erfahren; die mit freudig brennendem Herzen mit dem Apostel Petrus auf dem Berg der Verklärung ausrufen können: „Herr, es ist gut, dass wir hier sind!“ Das sind jene, die nicht darüber spekulieren, wie dies oder jenes möglich oder unmöglich ist, die nicht an die Oberfläche, ans Äußere blicken, sondern in die Tiefe gehen wollen … Sie brauchen keine physische Erklärung für die Möglichkeit der Verwandlung in Leib und Blut Jesu Christi, die Ganzheit Christi in der kleinen Hostie oder die Gegenwart desselben Christus in jeder Kirche der Welt … denn es genügt ihnen, dass es so ist, und sie glauben es gläubig. Diese Menschen haben verstanden, dass es für ein wahres Erleben der Heiligen Messe nichts weiter braucht als den Blick auf Jesus zu richten und ihn in jedem Akt zu sehen und zu erfahren. Nur so können wir den ganzen Reichtum der Gnaden, den Christus seit langem für uns bereitet hat, voll empfangen.
Liebe Brüder und Schwestern, der Blick vom Gipfel der Alpen ist großartig. Doch er ist nicht annähernd mit dem vergleichbar, was wir in jeder heiligen Messe sehen, erfahren und empfangen dürfen. Denn während wir in der Tatra nur einen flüchtigen Eindruck von seiner Schönheit und Herrlichkeit gewinnen, haben wir hier auf diesem Altar die Möglichkeit, dem lebendigen, verwandelten Christus zu begegnen. Und wer würde sich mit einem kleinen Teil zufriedengeben, wenn alles erreichbar ist? Herr, wir bitten Dich daher um die Gnade, dass wir die heilige Messe in unserem Leben nicht gleichgültig oder oberflächlich erleben. Sondern lass uns die heilige Messe im Bewusstsein Deiner Gegenwart, Deiner Stärke und Deines Willens, uns zu kräftigen und zu erfüllen, erleben. Amen.
Der uns das Brot des Lebens geschenkt hat,hat uns zugleich gelehrt, um das tägliche Brot den Vater zu bitten.
Bevor wir zum Mahl, das der Herr uns bereitet, hintreten, wollen wir ihn um den Frieden bitten.
Selig,die unverhüllt schauen werden, was wir in diesem Brot schon jetzt empfangen dürfen.
Mittwoch der 9. Woche Mt 5,1-12
Gott,unser Herr,der nicht ein Gott der Toten,sondern der Lebenden ist,sei mit euch.
Interessanterweise sagt Jesus in seiner Bergpredigt nicht: „Selig sind die Armen, denn ihrer ist das Himmelreich“, sondern: „Selig sind die Armen im Geiste …“. Christus erhöht hier also nicht die Armen, sondern die Armen im Geiste. Worin liegt der Unterschied? Beginnen wir mit den Reichen im Geiste. Wie stellt man sich einen Menschen vor, der reich im Geiste ist? Ob er reich oder arm ist, spielt keine Rolle – beides kann im Geiste reich sein.
Jesus,du bist gekommen,uns die Auferstehung zu verkünden. Herr,erbarme dich unser.
Du hast uns ewiges Leben verheißen. Christus,erbarme dich unser.
Du wirst uns schenken,was menschlichem Bemühen unerreichbar ist. Herr,erbarme dich unser.
Die Haltung eines solchen Menschen ist: „Ich habe alles, was ich brauche; ich brauche nichts und niemanden.“ Unser Bruder Thomas sagte nach seiner Rückkehr aus Indonesien, nach einigen Monaten: „Hier in Europa sucht ihr Gott nicht mehr.“ Ihr verhaltet euch, als bräuchtet ihr ihn nicht mehr, weil ihr glaubt, bereits alles zu haben. Ihr seid in jeder Hinsicht abgesichert und sucht deshalb Gott nicht.“ Das trifft auf viele von uns zu.
Ja, ein Mensch, der reich an Geist ist, ist erfüllt von seinem Besitz – von dem, was er erworben hat und noch erwerben möchte. Er mag viel oder wenig besitzen, aber er ist buchstäblich an dem, was er hat, „festgeklebt“. Er ist ganz auf sich und seine Interessen konzentriert, sorgt sich um seinen Besitz, damit ihm niemand etwas wegnimmt, und sein Geist ist voller Pläne, seinen Besitz noch weiter zu vermehren. Manche Menschen mehren ihren Besitz nicht so sehr, weil sie damit viel Gutes für sich und ihre Lieben tun könnten, sondern oft nur, damit ihr Kontostand steigt, obwohl niemand etwas von diesem Geld hat. Ein solcher Mensch strebt nicht nach dem Reich Gottes, und die Interessen seiner Mitmenschen sowie die Interessen Gottes selbst sind ihm fremd. Deshalb werden solche Menschen das Reich Gottes nicht erlangen.
Der Arme im Geiste hingegen, selbst wenn er viel Reichtum besitzt, fürchtet ihn nicht, denn er weiß, dass der Herr, unser Gott, das, was er gegeben hat, auch wieder nehmen kann, wann immer es ihm gefällt. Sein Geist ist nicht erfüllt von Plänen zur Vermehrung seines Reichtums. Sein Geist und sein Wille sind frei – leer von materiellem Besitz, ganz für Gott und seine Pläne, sein Reich zu erweitern. Nur solche Menschen suchen wahrhaftig das Reich Gottes und wissen, wie sie ihren Besitz, ob groß oder klein, für Gottes Zwecke einsetzen können. Nur solche, die wahrhaft arm im Geiste sind, werden das Reich Gottes erlangen, weil sie es von ganzem Herzen, mit ganzem Verstand, mit ganzer Seele und mit all ihrer Kraft suchen. Wie kann man jemandem etwas geben, wenn man die Hände voll hat und keinen Platz dafür hat?
Er muss seine Hände leeren, damit du ihm etwas geben kannst. Wenn er sie nicht entspannt, kannst du ihn dazu zwingen. Er wird es nicht annehmen. Es ist wie mit jemandem, der sehr hungrig ist und an einem Tisch sitzt, vor dem ein Teller voller Steine, Sand und Schlamm steht. Er möchte essen, aber egal, wie viel er schöpft und kaut, kann er nicht. Wenn du ihm richtiges Essen geben willst, das ihn sättigt, muss er verstehen, dass er nicht von Steinen essen kann, sondern alles vom Teller auf den Teller werfen und ihn leeren muss. Nur dann kann er sich mit richtigem Essen wirklich sättigen. So ergeht es jemandem, der seine Seele mit Reichtum erfüllt und sich darüber Sorgen macht. Solange er nicht versteht, dass Reichtum ihn nicht glücklich macht, wird er vergeblich im ihm Erfüllung suchen. Er wird sich immer unerfüllt und unglücklich fühlen.
Auch ich wollte in meinen ersten Studienjahren meinen Geldbeutel füllen und mir ausmalen, wie glücklich ich wäre, wenn es mir gelänge. Dank einiger Nebenjobs und vor allem fleißigem Sparen gelang es mir nach etwa anderthalb Jahren endlich. Ich hatte es schon ganz vergessen, öffnete nur einmal meinen Geldbeutel und sah, dass irgendwie mehr Geld drin war als sonst – nicht viel, aber für einen Studenten reichte es damals. Plötzlich erinnerte ich mich wieder an meinen ursprünglichen Wunsch. Mir wurde klar, dass es mir irgendwie nichts bedeutete, egal, wie viel Geld ich hatte und mir kaufen konnte. Und so sagte ich zu mir selbst: „Robo, sei doch glücklich! Du hast endlich etwas mehr Geld, also solltest du glücklicher sein! Was stimmt nicht mit dir?“ Egal, wie sehr ich mich auch bemühte, ein Gefühl von Glück zu empfinden, es gelang mir nicht. Da begriff ich, dass es nicht Geld oder Reichtum ist, der mich glücklich macht, sondern Menschen, denen ich lieben kann und die mir freiwillig und ohne Zwang mit warmer und aufopfernder Liebe begegnen.
Antoine de Saint-Exupéry sagte einmal weise: „Der größte Luxus ist der Luxus zwischenmenschlicher Beziehungen.“ Nur solcher Reichtum ist wahrer Reichtum, und wir können sagen: „Wer Gott hat, hat alles, denn Gott ist Liebe.“ Nur wer im Geiste wirklich arm ist, ist wahrhaft reich. Denn er hat sein Herz, seinen Verstand, seine Seele und seine Kraft dem Einen hingegeben, der in Liebe alles gibt, was ein Mensch wirklich braucht. Und wer im Geiste reich ist, ist im Grunde ein großer Bettler, dem immer etwas Wesentliches fehlen wird, denn nur Gott – die Liebe – kann das bodenlose Herz eines Menschen füllen. Leider – oder besser gesagt: Welch ein Glück, dass wir so gemacht wurden – so wurden wir geschaffen. Amen.
Zum Gott der Lebenden,der unser Vater ist,wagen wir zu beten.
Damit wir im Frieden mit Gott auferstehen zum ewigen Leben,wollen wir zum Herrn beten.
Selig, die glauben an die Auferstehung und bei Gott sei werden im Land der Lebenden
Hl.Marcellinus und hl. Petrus, Märtyrer in Rom Joh 17,6.11-19
Jesus Christus,der uns seine ganze Freude mitteilen wollte,sei mit euch.
Hl. Marcellinus und Hl. Petrus waren zwei römische Märtyrer, die während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian um 304 n. Chr. starben. Ihr Gedenktag ist der 2. Juni.
Jesus, dein Name bleibt in Ewigkeit. Herr,erbarme dich unser.
Die dir vertrauen, finden zum Vater. Christus,erbarme dich unser.
Du krönst mit Ehre,die dir nachfolgen. Herr,erbarme dich unser.
Wer waren die beiden?
Hl. Marcellinus: Priester in Rom. Über sein Leben vor dem Martyrium ist wenig bekannt, aber er war wohl ein angesehener Seelsorger.
Hl. Petrus: Exorzist der römischen Kirche. Das war damals ein eigenes kirchliches Amt – er war zuständig für Gebete zur Befreiung von Besessenen sowie für die Taufvorbereitung der Katechumenen.
Ihr Martyrium
Beide wurden während der letzten großen römischen Christenverfolgung verhaftet. Der Legende nach wurden sie vom Richter so sehr gequält, dass der Henker selbst Mitleid empfand. Dieser Henker, Artemius, wurde von Marcellinus und Petrus bekehrt, ebenso seine Frau und seine Tochter. Daraufhin ließ man auch Artemius mit seiner Familie hinrichten.
Marcellinus und Petrus wurden schließlich enthauptet. Um die Verehrung ihrer Gräber zu verhindern, sollten sie heimlich im Schwarzen Wald an der Via Cornelia begraben werden. Doch die Christin Lucilla fand den Ort heraus, ließ die Leichname bergen und bestattete sie würdig in der Katakombe an der Via Labicana.
Verehrung und Bedeutung
Grab: Ihre Katakombe an der Via Labicana heißt heute Katakombe der Heiligen Marcellinus und Petrus. Papst Damasus I. ließ im 4. Jh. dort eine Inschrift anbringen. Er hatte die Geschichte noch von ihrem Henker selbst gehört.
Kirche: Über der Katakombe steht die Basilika Santi Marcellino e Pietro al Laterano in Rom.
Liturgie: Sie gehören zu den wenigen Heiligen, die namentlich im Römischen Messkanon genannt werden, also im ersten Hochgebet der Messe: „…mit Johannes dem Täufer, Stephanus, Matthias, Barnabas, Ignatius, Alexander, Marcellinus, Petrus…“
Reliquien: Einhard, der Biograph Karls des Großen, überführte ihre Reliquien 827 nach Seligenstadt bei Frankfurt. Deshalb sind sie auch in Deutschland sehr bekannt.
Patrozinien
Sie gelten als Patrone gegen Fieber und bei Unwettern. In Seligenstadt gibt es bis heute jedes Jahr eine große Prozession zu ihren Ehren.
Wir haben Gottes Wort angenommen. Damit wir in seinem Namen bewahrt werden,wollen wir zum Vater beten.
Die Welt kennt keinen Frieden. Der uns das Wort der Wahrheit brachte, schenkt den Frieden ,um den wir bitten.
.Selig, die vor dem Bösen bewahrt bleiben und nicht verlorengehen am Letzten Tag
Montag der 9.Woche im Jahreskreis Mt 6,13-19
Gott, unser Herr,der seinen Sohn sandte,um sein Eigentum in Besitz zu nehmen,sei mit euch.
Wer schon einmal salzige Speisen wie Kartoffelchips oder gesalzene Nüsse gegessen hat, weiß, wie durstig man davon werden kann. Jesus hatte eine ähnliche Wirkung auf die Menschen. Seine Worte und Taten waren wie Salz für die Menschen, denen er begegnete.
Jesus,du kamst zu uns als der Sohn des ewigen Vaters. Herr,erbarme dich unser.
Du hast uns den Willen des Vaters verkündet. Christus,erbarme dich unser.
Du bist der Eckstein ,auf dem das neue Reich der Gnade gebaut ist. Herr,erbarme dich unser. Sein Lebenszeugnis – seine Freude, sein Friede und sein Mitgefühl – war sehr anziehend. Sie sahen seine Beziehung zu seinem Vater und sehnten sich nach einer ähnlichen Beziehung zu Gott. Im heutigen Evangelium sagt Jesus, dass ihr das Salz der Erde seid! Das bedeutet, dass euer Leben eine ähnliche Wirkung auf eure Mitmenschen haben kann wie Jesu Leben auf die Menschen im Evangelium.
Was macht euch also „salzig“? Das Leben Christi in euch! Er ist es, der die Menschen anzieht. Er weckt in ihnen Durst, Neugier oder die Hoffnung, dass in diesem Leben etwas Größeres zu finden ist. Mit euren Gaben, euren Taten und sogar eurem Verhalten bringt ihr Gottes Güte in diese Welt. Wenn sie sehen, wie du inmitten der Höhen und Tiefen des Lebens standhaft bleibst, werden sie wissen wollen, was dich auszeichnet. Wenn sie den Frieden erkennen, der aus deiner Beziehung zu Jesus hervorgeht, werden sie denselben Frieden wünschen. Wenn sie sehen, wie du alte Sünden überwindest, werden sie Gottes Gnade in ihrem Leben erfahren wollen.
Vielleicht kommen sie sogar zu dir und bitten dich um einen „Trinker“! Jesus warnt auch davor, deine Würze zu verlieren. Wie kannst du also deine Würze bewahren? Indem du alles meidest, was die Essenz Jesu in dir schwächen oder mindern könnte. Sünde oder Spaltung können deine Würze schwächen. Strebe daher danach, Gottes Gnade zu finden. Wenn du jemanden verletzt hast, bitte schnell um Vergebung.
Lass die Sünde niemals in deinem Herzen nagen! Vor allem aber pflege deine Beziehung zum Herrn. Bleibe ihm nahe. Je mehr du Gottes Gnade empfängst und je fester du an seiner Liebe festhältst, desto „würziger“ wirst du sein und desto deutlicher wirst du den Menschen, denen du begegnest, Zeugnis geben. Es stimmt – ihr seid das Salz der Erde! Lasst das Leben Jesu in euch allen, denen ihr begegnet, die Sehnsucht nach einer persönlichen Begegnung mit ihm erfüllen.
Jesus, danke, dass du mein Leben verändert hast. Mögen deine Freude, dein Friede und deine Barmherzigkeit stets von mir ausgehen.
Gott hat seinen Sohn zu uns gesandt. In seinem Namen und Auftrag wagen wir zum Vater zu beten.
Christus will der Eckstein unseres Lebens,wenn wir mit ihm in Treue und Frieden verbunden bleiben. Wir bitten ihn.
Selig, die Gott den Anteil von der Frucht ihres Lebens geben und aufgenommen werden in sein Reich.
Sel. Otto Neururer Mt 10,28-33
Jesus Christus, der in der Vollmacht des himmlischen Vaters zu uns kam, sei mit euch,
Otto Neururer wurde am 25. März 1882 in Piller in Tirol geboren. Er wuchs in einer schlichten bäuerlichen Familie auf, die ihm den Glauben als selbstverständliche Grundlage des Lebens mitgab. 1907 empfing er die Priesterweihe und wirkte fortan als Seelsorger in verschiedenen Pfarreien Tirols, zuletzt als Pfarrer in Götzens.
Jesus, du kamst zu uns in der Vollmacht des Vaters. Herr,erbarme dich unser.
Du fandest kein Gehör bei den Führern des Volkes. Christus,erbarme dich unser.
Du kamst ohne Titel uns Amt und warst dennoch voll Kraft. Herr,erbarme dich unser.
Sein Leben verlief zunächst unspektakulär – ein treuer Priester, der seinen Dienst tat, seine Pfarrgemeinde kannte und liebte, und der in der Stille des Alltags das Evangelium lebte. Doch diese Stille sollte jäh zerbrechen.
Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1938 geriet Neururer ins Visier der Gestapo. Der Grund war bezeichnend: Er hatte einer jungen Frau von einer Ehe mit einem stadtbekannten NSDAP-Anhänger abgeraten – aus seelsorgerlicher Verantwortung, aus Treue zur christlichen Lehre über die Ehe. Für die Machthaber war das ein unentschuldbarer Akt des Widerstands. Er wurde verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, später nach Buchenwald verlegt.
Im Lager hörte er nicht auf, Priester zu sein. Er spendete heimlich Sakramente, begleitete Sterbende, stärkte die Mitgefangenen im Glauben – obwohl dies streng verboten war und er wusste, welches Risiko er damit einging. Als er einem Mitgefangenen das Sakrament der Taufe spendete, wurde er entdeckt. Die Strafe war grausam: Man sperrte ihn in den sogenannten Bunker und folterte ihn zu Tode, indem man ihn kopfüber aufhing Sein Tod wurde am 30. Mai 1940 gemeldet.
Was Otto Neururer auszeichnet, ist die unaufdringliche Konsequenz seines Lebens. Er hat keine großen Reden gehalten. Er hat keine Manifeste verfasst. Er hat einfach das getan, was ein Priester tun soll – auch dann, wenn es ihn das Leben kostete. Der Katechismus der Kirche nennt das Martyrium die höchste Form des Zeugnisses. Neururer hat dieses Zeugnis nicht gesucht. Es hat ihn gefunden, weil er nicht aufgehört hat, er selbst zu sein.
Am 24. November 1996 sprach Papst Johannes Paul II. Otto Neururer selig. Sein liturgischer Gedenktag ist der 30. Mai – der Tag seines Todes im Lager Buchenwald. Er wird als Märtyrer der Ehe und des priesterlichen Dienstes verehrt, als Zeuge dafür, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als das eigene Überleben.
Der selige Otto Neururer ist ein Heiliger der Stille und der Treue. Kein Redner, kein Reformer – ein Hirte, der bei seiner Herde blieb, bis zum letzten Atemzug.
Wir haben uns im Glauben zu Jesus Christus bekannt. In seinem Namen wagen wir, zum Vater zu beten. Die Welt streitet über viele Fragen.
Den Frieden finden wir nur bei dem ,der Vollmacht hat. Ihn bitten wir.
Selig, die auf den hören, der in der Vollmacht des Vaters kam und das Heil Gottes verkündete.
Dreifaltigkeitsonntag A Joh 3,16-18
Gott,der Vater ,der uns liebt, der Sohn , der uns rettet, und der Geist, der uns belebt, sei mit euch.
Einführung in den Gottesdienst: Wie jede heilige Messe begann auch die heutige Messe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, also im Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Der Priester begrüßte uns in ihrem Namen. Wir beginnen jeden Tag, jede Tätigkeit und auch unser heutiges Treffen mit einem Segen im Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, damit wir den dreieinigen Gott feiern.
Jesus ,du hast uns das Geheimnis deiner göttlichen Liebe offenbart. Herr,erbarme dich unser.
Du bist das Ebenbild des Vaters und Zeuge seiner Barmherzigkeit. Christus,erbarme dich unser.
Du hast den Heiligen Geist gesandt. Herr,erbarme dich unser.
Ich bin ein Abbild des dreieinigen Gottes … Ihnen ist sicher auch aufgefallen, dass Heilige mit Attributen dargestellt werden – also mit einem Symbol, das sie charakterisiert. Auf den Darstellungen des heiligen Augustinus findet sich häufig eine Muschel. Warum? Es ist eine Legende aus seinem Leben: Ein Junge (oder Engel) schöpft mit einer Muschel Wasser aus einem riesigen Ozean und will es abpumpen. Auf den Einwand, dass er das nicht könne, antwortet er: „Ich werde es tun, bevor ihr zum Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit kommt.“ Dies drückt die Unmöglichkeit aus, das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zu begreifen. So wie der Junge im Vergleich zum unermesslichen Ozean nur wenig Wasser aus dem Meer schöpfen kann, so sind auch unsere Worte über Gott und sein Leben, die wir im Allgemeinen verstehen und über ihn aussprechen können. In den letzten 2000 Jahren haben gelehrte Theologen Tausende von Büchern über Gott geschrieben. Doch all das ist, als würden wir den Ozean in eine kleine Schale gießen. Wir können das Leben Gottes niemals vollständig erfassen, selbst wenn wir ein ganzes Leben, ja die Ewigkeit, dafür hätten. Es wäre jedoch zu unserem Nachteil, wenn wir alle Anstrengung im Voraus aufgaben und uns damit zufriedengäben, zu sagen: „Es ist ein Geheimnis.“ Ja, Gottes Leben ist ein Geheimnis, aber nicht, weil es uns völlig verschlossen ist, sondern weil es ein unendlicher Reichtum, ein unerschöpfliches Wissen ist. Jedes bisschen Erkenntnis der Wahrheit ist für uns von unschätzbarem Wert, denn Gott ruft uns in sein Leben, weil wir ihm ähnlich werden sollen. Lasst uns daher in den nächsten Augenblicken über die Allerheiligste Dreifaltigkeit nachdenken. Schließlich sind wir heute hier versammelt, um das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zu feiern und zu bewundern. Bewundern ? Vielleicht denken Sie, dass das für Sie nicht ungewöhnlich klingt. Ich verstehe. Unsere Generation ist der Fülle an bewundernswerten Ereignissen, Entdeckungen und Informationen bereits überdrüssig – sie hat gelernt, sich zu wundern. Wäre da nicht diese Müdigkeit, müssten wir uns nicht nur wundern, sondern wären von der Fülle des göttlichen Lebens überwältigt. Ich weiß, es ist unwahrscheinlich, dass heute noch ein Kind in uns erwacht, das bei etwas Unbekanntem und Unbegreiflichem – selbst bei einem Ameisenhaufen – innehalten und die ganze Welt für einen Moment vergessen kann. Es kann auch nicht ganz darauf achten. Dennoch lade ich Sie ein: Kommen Sie heute mit der Hilfe des Heiligen Geistes und bestaunen Sie die geheimnisvolle Schönheit des göttlichen Seins in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit .
Wie ich bereits erwähnt habe, werden wir das ganze Geheimnis nicht verstehen. Das wird die Aufgabe unseres Himmels sein: Gott so zu entdecken, zu erkennen und zu bewundern, wie er ist. Jetzt können wir nur in menschlichen – nicht in göttlichen – Vorstellungen denken. Da wir aber wissen, dass der Mensch das Ebenbild Gottes ist, lassen wir uns diese Tatsache nutzen und versuchen, in uns Menschen etwas vom Göttlichen zu erkennen. Auch wir besitzen eine Dreifaltigkeit, drei wesentliche Eigenschaften. Wir haben die Fähigkeiten: 1. Sein (Leben) – auch eine Pflanze besitzt es. 2. Erkenntnis – auch ein Tier besitzt sie. 3. Fühlen (Liebe) – nur der Mensch besitzt es – das Ebenbild Gottes.
Aus der Harmonie dieser drei Komponenten entsteht ein harmonischer Akkord, ein harmonisches Ganzes des menschlichen Lebens. Musiker wie Laien wissen, dass in einem wohlklingenden Akkord alle drei Töne harmonisch zusammenklingen müssen. Genauso ist es mit dem Menschen. Wo es knarzt, wo es Störungen gibt, fehlt eine Komponente dieses Akkords. 1. Das Sein verpflichtet uns, das Leben zu schätzen, den Tod nicht zu begehren und den Selbstmord abzulehnen. Das Leben zu verachten – unser eigenes und das anderer – bedeutet, Gott, den Geber des Lebens, zu verachten. Leben zu zerstören, selbst das Ungeborene, ist ein schweres Verbrechen gegen Gott und die Menschen. 2. Die Fähigkeit zu erkennen, die Neugier, erfüllt das menschliche Dasein mit den größten Abenteuern: der Freude am Unbekannten, der Freude an Entdeckungen. 3. Das Fühlen – die Fähigkeit zu lieben – ist die stärkste Kraft im menschlichen Leben. Wer es verachtet, wer es ablehnt, entmenschlicht sein Dasein und entfernt sich dadurch von Gott.
Schließlich ist das Verständlichste, was uns je über Gott gesagt wurde: „Gott ist Liebe.“ Der Herr Jesus selbst erinnert uns heute im Evangelium daran: Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Schon im Alten Testament erweist sich Gott als barmherzig und gütig, geduldig, gnädig und treu (1. Lesung). Und denken Sie daran, dass er auch sagte: „Daran werden die Menschen erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt…“ Verstehen Sie? Sie sind in dem Maße ein Ebenbild Gottes, in dem Sie lieben können, in dem Maße, in dem Sie liebenswert sind. Das macht einen Menschen menschlich. Schließlich haben auch Pflanzen und Tiere Sein und Wissen.
Wir können nicht zu tierischen Wesen werden. Das ist keine Verbesserung der Lebensqualität, sondern ein Rückschritt in der Entwicklung zum Guten, wie die folgende Szene humorvoll zum Ausdruck bringt: Ein Mann sieht fern. Es läuft eine Sendung über einen Kranken, der ans Bett gefesselt ist, umgeben von vielen Geräten und Infusionen… Er ist sehr gerührt und sagt zu seiner Frau: „Wenn ich in so einen Zustand gerate, dann hilf mir da raus und beende es.“ Was ist das für ein Leben, abhängig von Geräten und sinnlosen Flüssigkeiten?! Die Frau steht auf, schaltet den Fernseher aus, trennt die Internetverbindung, schüttet sein Bier und seinen Kaffee weg, wirft seine Zigaretten in den Müll… Sie beginnt, ihm beim Sterben zu helfen.
Lasst uns wiederholen, was wir aus dem Geheimnis der Dreifaltigkeit gelernt haben: Gott, der Urheber allen Seins, ist Gott der Vater – dein Dasein ist ein Geschenk von ihm. Gott, das Wort, die Weisheit, ist der Sohn. – Sein Geschenk ist Offenbarung, Erkenntnis, die frohe Botschaft des Evangeliums. Gott, die personifizierte Liebe, ist der Heilige Geist. Dein liebendes Antlitz ist ein Spiegel der Liebe Gottes. Mein Sein wird göttlich, wenn ich in Erkenntnis und Liebe wachse. Dies ist das Leben der Heiligen Dreifaltigkeit im Menschen, Gottes Harmonie, ein harmonischer Klang. Wie schön ist das! Es ist wahrlich gerecht – wahrlich angemessen –, dass wir Gott heute mit bewundernder Freude für all dies danken.
Zum Vater,der uns liebt und seinen einzigen Sohn für uns hingab, dürfen wir voll Vertrauen beten.
Der Sohn Gottes wird kommen, um die Welt zu richten. Ihn wollen wir um seinen Frieden bitten.Selig,die glauben und zum Leben und zur Herrlichkeit des dreieinigen Gottes hinfinden.
Hl.Paul VI. Papst, Mt 16,13–19
Jesus Christus,der sein Reich auf den Felsen des Petrus aufgebaut hat,sei mit euch.
Lebenslauf des hl. Papstes Paul VI.
Giovanni Battista Montini — 1897–1978, Papst von 1963–1978
Kindheit und Ausbildung
-
26. September 1897: Geboren als Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini in Concesio bei Brescia, Norditalien.
-
Vater: Giorgio Montini, Rechtsanwalt, Zeitungsverleger, Politiker. Mutter: Giuditta Alghisi.
-
Jesus,du hast deine Kirche Menschen anvertraut Herr,erbarme dich unser.
-
Du machst Menschen zu Felsen und zum Licht der Wahrheit. Christus,erbarme dich unser.
-
Du bleibst die unüberwindliche Kraft deiner Kirche. Herr,erbarme dich unser.
-
Kränkliches Kind, oft zu Hause unterrichtet. Frühe Berufung zum Priestertum.
-
Priester und Diplomat
-
29. Mai 1920: Priesterweihe im Dom zu Brescia.
-
1920–1923: Studium an der Päpstlichen Universität Gregoriana und der Diplomatenakademie in Rom.
-
1923: Kurzer Einsatz an der Nuntiatur in Warschau.
-
1924–1954: 30 Jahre im Staatssekretariat des Vatikans. Engster Mitarbeiter von Pius XII. Während des 2. Weltkriegs organisierte er die vatikanische Hilfe für Verfolgte und Kriegsgefangene.
-
Erzbischof von Mailand
-
1. November 1954: Von Pius XII. zum Erzbischof von Mailand ernannt — damals die größte Diözese der Welt.
-
1958: Von Johannes XXIII. zum Kardinal erhoben.
-
Als Erzbischof: „Erzbischof der Arbeiter“. Ging in die Fabriken, sprach mit Nichtglaubenden, öffnete die Kirche für die moderne Industriegesellschaft. Setzte sich stark für soziale Gerechtigkeit ein.
-
Papst während des Konzils
-
21. Juni 1963: Nach dem Tod von Johannes XXIII. Zum Papst gewählt. Nimmt den Namen Paul VI. — nach dem Völkerapostel Paulus.
-
1963–1965: Führt das Zweite Vatikanische Konzil weiter und bringt es zum Abschluss. Vier große Konstitutionen werden verabschiedet: über die Liturgie, die Kirche, die Offenbarung und die Kirche in der Welt von heute.
-
Wichtigste Reformen: Liturgiereform mit Einführung der Volkssprache in der Messe, Erneuerung der Kollegialität der Bischöfe, Ökumene.
-
Der Reisepapst
-
Paul VI. durchbricht die Isolation des Papsttums und wird der erste „fliegende Papst“:
-
1964: Erste Papstreise überhaupt ins Heilige Land. Historische Umarmung mit Patriarch Athenagoras — nach 900 Jahren Schisma.
-
1965: Rede vor der UNO in New York: „Nie mehr Krieg!“
-
1967: Türkei, Fatima, Kolumbien, Genf
-
1969: Uganda — erster Papst in Afrika 1970: Asien und Ozeanien. Überlebt ein Attentat in Manila.
-
Wichtige Lehrschreiben
-
1964: Ecclesiam Suam — über den Dialog der Kirche
-
1967: Populorum Progressio — über Entwicklung der Völker: „Entwicklung ist der neue Name für Friede“
-
1968: Humanae Vitae — über Ehe und Weitergabe des Lebens. Sein umstrittenstes, aber prophetischstes Schreiben.1975: Evangelii Nuntiandi — über Evangelisierung in der Welt von heute LetzteZum Jahre und Tod
-
Regierte in einer Zeit großer Umbrüche: 1968er-Revolte, Kirchenaustritte, Spannungen nach dem Konzil.
-
Litt unter Kritik von links und rechts, blieb aber dem Konzil treu. Sagte: „Ich erwarte, dass ein Sturm über die Kirche hereinbricht.“
-
6. August 1978: Stirbt am Fest Verklärung des Herrn in Castel Gandolfo an einem Herzinfarkt.
-
Heiligsprechung 19. Oktober 2014: Seligsprechung durch Papst Franziskus
-
14. Oktober 2018: Heiligsprechung durch Papst Franziskus auf dem Petersplatz Gedenktag: 29. Mai — sein Weihetag
-
Sein Vermächtnis: Paul VI. war der Papst des Dialogs. Er hat die Kirche aus der Bastion herausgeholt und in die Welt geführt. Sein Wahlspruch: In nomine Domini — „Im Namen des Herrn“.
-
Gott hat uns in sein Reich berufen und auf den Felsen des Petrus gestellt.So wagen wir, zum Vater zu beten.
-
Die Schlüssel des Himmelreiches öffnen den Weg zum Frieden.Damit wir den Weg offen finden, bitten wir.
-
Selig, die auf Erden gelöst sind von aller Schuld und auch gelöst sein werden im Himmel
Donnerstag der 8.Woche Mk 10, 46-52
Jesus, der den blinden Bartimäus fragte: Was willst du,dass ich dir tun soll? Sei mit euch.
Als Jesus , umgeben von seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge, Jericho verließ, saß der blinde Bartimäus „am Wegrand und bettelte“ (Mk 10,46). Bartimäus, der wohl eine ruhigere Umgebung gewohnt war, war vom Trubel des Ortes überwältigt. Er konnte nichts sehen, aber wir können uns vorstellen, was er hörte: den Lärm der herannahenden Menge, die Schritte im Sand, die Klagen derer, die ihn zum Platzmachen aufforderten, und viele andere Details, die er durch seine Blindheit mit seinen Ohren wahrnehmen konnte.
Jesus, du kamst auf diese Erde als das Heil der Völker. Herr,erbarme dich unser.
Du hast die Kranken geheilt. Christus,erbarme dich unser.
Du hast uns das Leben in Fülle gebracht. Herr, erbarme dich unser.
Obwohl er sich eingeschränkt fühlte, blieb er der Realität gegenüber aufgeschlossen: Sein Herz war empfindsam, und er suchte weiter. Nachdem er erkannt hatte, dass Jesus von Nazareth der Grund für den Lärm war, rief er ohne Zögern aus: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ (Mk 10,47). Er antwortet mit einem Ausruf, der nicht nur ein Flehen um Gnade, sondern auch ein Bekenntnis ist: Er hat „Jesus von Nazareth“ gehört, verkündet ihn aber als „Sohn Davids“ und nimmt damit die Freude des Volkes vorweg, wenn der Herr in Jerusalem einzieht. Dies zeigt, dass seine inneren Sinne irgendwie darauf vorbereitet waren, den Meister zu erkennen.
Doch die Worte des Bartimäus wurden von den Anwesenden nicht gut aufgenommen: „Viele wiesen ihn zurecht und sagten ihm, er solle schweigen“ (Mk 10,48). Wir wissen nicht, warum die Leute nicht wollten, dass er den Mund aufmachte. Vielleicht dachten sie, der Blinde wolle nur Almosen, oder sie glaubten, der Meister habe keine Zeit, sich mit jemandem wie ihm abzugeben. Trotz aller ihrer Vorwürfe ließ sich Bartimäus nicht von der Stimmung mitreißen. Er wusste, dass der erwartete Messias vor ihm vorbeizog, und durfte diese Gelegenheit nicht verpassen. „Verspürst du nicht auch den Drang, so zu rufen, du, der du am Wegesrand stehst, am Wegesrand eines so kurzen Lebens, der du im Licht versunken bist, der du noch Gnade brauchst, um nach Heiligkeit zu streben? Spürst du nicht das dringende Bedürfnis zu rufen: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner? Welch ein schönes, kraftvolles Gebet, das man oft sprechen sollte!“
Heilung des Herzens…
Jesu Reaktion muss seine Begleiter überrascht haben: Er blieb stehen und ließ ihn rufen. Er hatte gerade das Gebet voller Glauben gehört und wollte mit dem Mann sprechen, ihm nahe sein, ihm zuhören, wissen, was er wollte. Alle seine Sinne waren auf Bartimäus gerichtet. Als die Umstehenden versuchten, den Blinden zum Schweigen zu bringen, antwortete ihm der Herr mit einem Ruf. Jesus hat nichts dagegen, wenn wir ihn um Hilfe bitten, denn er kam gerade, um uns zu retten, um unsere Sinne mit seinen zu heilen.
Inzwischen hörte Bartimäus, der unaufhörlich weinte, die Worte, die seine Hoffnung neu entfachten: „Fürchte dich nicht! Steh auf, er ruft dich!“ (Mk 10,49). Sein Beharren hatte bereits erste Früchte getragen, und diese bestanden nicht in der Heilung seiner Blindheit. „Ein Zittern ergreift sein Herz, denn er erkennt, dass das Licht ihn ansieht, jenes warme Licht, das uns einlädt, nicht in unserer dunklen Blindheit zu verharren. Die Nähe Jesu lässt uns spüren, dass uns fern von ihm etwas Wichtiges fehlt. Er lässt uns die Notwendigkeit der Erlösung erkennen, und dies ist der Anfang der Heilung des Herzens.“
Sobald Bartimäus den Ruf des Meisters vernahm, handelte er entschlossen: „Er warf seinen Mantel weg, sprang auf und ging zu Jesus“ (Mk 10,50). Dieser Mantel war nicht der einzige Besitz des Blinden: Er war sein Zuhause, ein Ort, an dem er die Nacht verbrachte, ein Unterschlupf, der ihn vor dem Unwetter schützte. Doch beim Ruf des Herrn erkannte er, was wirklich zählte. „Vergesst nicht“, sagte der heilige Josemaría, „dass der Weg zu Christus Opfer erfordert, bedeutet, alles abzulegen, was hindert: Decke, Rucksack, Wasserflasche.“[ Obwohl Bartimäus mit dem Aufgeben seines wenigen Besitzes verrückt erscheinen mag, tat er in Wirklichkeit das Vernünftigste: Er näherte sich demjenigen, der ihm den von seiner Blindheit zerrissenen Mantel seiner Menschlichkeit zurückgeben konnte. In Jesus fand Bartimäus sein neues Zuhause, seine neue Zuflucht, die seine verwundete Menschlichkeit heilen würde. Durch die Gnade der Sakramente erneuert Jesus selbst dieses Angebot. In dieser Vermittlung der Kirche hören wir erneut die Worte: „Fürchte dich nicht! Steh auf, er ruft dich!“ (Mk 10,49).
Eine Haltung, die Frucht des Glaubens ist …
Als Bartimäus Jesus gegenübersteht, fragt ihn der Meister: „Was soll ich für dich tun?“ (Mk 10,51). Der Glaube des Blinden mag in seinem Leben schon öfter geschwankt haben, und vielleicht war er immer schwach gewesen, ohne es selbst zu merken. „Ich weiß genau, was ich will“, mag er gedacht haben. „Wenn dieser Mann der Messias ist, sollte er es wissen …“ Bartimäus aber hatte keine solchen Zweifel und antwortete einfach: „Rabbuni, dass ich sehen darf!“ (Mk 10,51).
Jesus Christus hört die Bitte des Blinden und weist sie nicht ab. Er wollte seine Schwäche akzeptieren, aber noch viel stärker schien er sich danach zu sehnen, diesen Glaubensbeweis an seine Fähigkeit, ihn zu heilen, anzunehmen und zu erkennen, wer er wirklich ist. „Dann sagte er zu ihm: ‚Geh, dein Glaube hat dich geheilt.‘“ Und sogleich wurde er sehend (Mk 10,52). Mit diesen Worten deutet Jesus Bartimäus‘ Verhalten und erteilt den Beobachtern dieser Szene eine Lehre. Bartimäus‘ Beharrlichkeit im Gebet – trotz der Ablehnung durch andere – sowie seine Bereitschaft, dem Ruf zu folgen und alles aufzugeben, was er besaß, waren nicht Ausdruck von Leichtsinn, persönlichem Ehrgeiz oder Geltungsdrang, sondern seines Glaubens. Eines Glaubens, der in seinem Herzen allmählich Wurzeln schlug, nachdem er von Jesus gehört hatte. Wer weiß, ob nicht schon damals der Ruf nach Heilung in ihm erklang. Jedenfalls führte ihn der Glaube, der ihn zu dieser dringenden Bitte und zur Überwindung von Schwierigkeiten trieb, nachdem er durch Christi Wirken gestärkt worden war, auch dazu, sein Jünger zu werden: „Und er folgte ihm auf dem Weg“ (Mk 10,52), so endet die Geschichte.
Das Evangelium berichtet nichts Weiteres über diese Person. Wir können annehmen, dass er nicht länger am Wegesrand betteln wird, sondern zu den Menschen gehen wird, um ihnen von dieser Begegnung zu erzählen. Mit Jesus im Herzen. Wenn er schon vorher nicht schweigen konnte, im Wissen um die Nähe des Messias, was würde er dann erst tun, nachdem der Meister ihn gerufen und geheilt hatte? Die Jungfrau Maria hilft uns, ihrem Sohn mit dem Glauben des Bartimäus zu begegnen und ihn um Licht und Kraft zu bitten, um ihm auf seinem Weg zu folgen.
Da wir geladen sind,am Tisch des Herrn sein Brot zu essen, dürfen wir es wagen zu beten.
Wenn Gott sich uns annimmt,werden wir in seinem Frieden leben. Dazu bitten wir ihn nicht vergebens.
Selig, die ausharren beim Herrn und das Brot des ewigen Lebens empfangen werden.
Augustinus von Canterbury Mt 9,35-38
Philipp Neri, Gründer des Oratoriums Joh 17,20-26
Jesus Christus,der eins ist mit dem Vater und in seine Einheit gerufen hat,sei mit euch.
Philipp konnte das Leid nicht ertragen, und obwohl er Reichtum verabscheute, wünschte er sich stets, Geld für Almosen zu haben. Er konnte es nicht ertragen, Kinder in ärmlicher Kleidung zu sehen, und tat alles, um ihnen neue Kleidung zu besorgen.
Jesus, du kamst zu den Hilflosen und Armen.Herr,erbarme dich unser, Du hast uns die Güte des Vaters offenbart. Christus, erbarme dich unser.
Du bleibst im Geheimnis deiner Liebe. Herr, erbarme dich unser.
Am meisten beunruhigte ihn das Leid und die Unterdrückung Unschuldiger. Als ein römischer Kavalier fälschlicherweise des Mordes an einem anderen Mann beschuldigt und eingekerkert wurde, zögerte Philipp nicht, seinen Fall dem Papst persönlich vorzutragen und seine Freilassung zu erwirken. Ein anderes Mal erhoben mehrere einflussreiche Personen Anklage gegen einen Priester, und es war offensichtlich, dass er die Konsequenzen tragen musste. Philipp setzte sich mit solchem Eifer für ihn ein, dass es ihm gelang, die Öffentlichkeit von der Unschuld des Priesters zu überzeugen. Ein anderes Mal hörte er von Roma, die zu Unrecht zu harter Zwangsarbeit verurteilt worden waren. Daraufhin ging er zum Papst und erreichte ihre Freilassung. Seine Liebe zur Gerechtigkeit war ebenso groß wie seine Zärtlichkeit und sein Mitgefühl. Kurz nach seiner Priesterweihe brach in Rom eine schreckliche Hungersnot aus. Philipp erhielt sechs Brote als Geschenk. Da er wusste, dass in seinem Haus auch ein armer Fremder lebte, der Hunger litt, gab er ihm alle Brote und aß an diesem Tag selbst nur Oliven. Er kümmerte sich besonders um Handwerker und um jene, die Schwierigkeiten hatten, ihre Waren zu verkaufen. Nicht weit von ihm wohnten zwei geschickte Uhrmacher, die bereits alt waren und beide große Familien hatten. Philipp bestellte bei ihnen eine große Anzahl Uhren und verkaufte sie an seine Freunde. Besonders armen Mädchen gegenüber zeigte er seinen Eifer und seine Großzügigkeit. Er sorgte für ihren Lebensunterhalt, als sie sich selbst nicht versorgen konnten. Für einige besorgte er eine Mitgift, anderen gab er alles Notwendige für den Eintritt ins Kloster. Besonders gütig war er den Gefangenen gegenüber, denen er mehrmals wöchentlich Geld schickte. Seine Liebe zu den zurückhaltenden und schüchternen Armen kannte keine Grenzen, und er war umso großzügiger in seiner Bereitschaft, ihnen Almosen zu geben. Ein weiteres Objekt seiner besonderen Zuneigung waren die armen Studenten. Er versorgte sie nicht nur mit Essen und Kleidung, sondern auch mit den für ihr Studium notwendigen Büchern. Einem von ihnen verkaufte er sogar alle seine Bücher. Er war für jede ihm erwiesene Freundlichkeit sehr empfänglich, sodass einer seiner Freunde bemerkte: „Man kann Philipp nichts geben, ohne von ihm ein Geschenk im doppelten Wert zu erhalten.“ Auch gegenüber Tieren zeigte er große Zärtlichkeit. Als er sah, wie jemand eine Eidechse zertrat, rief er ihm zu: „Du Unmensch! Was hat dir das arme Tier getan?“ Als er einmal einen Metzger sah, der einen Hund mit einem Messer verletzte, musste er sich sehr beherrschen, um nicht auszurasten. Er konnte es nicht ertragen, auch nur die geringste Grausamkeit gegenüber Tieren unter welchem Vorwand auch immer zu sehen. Wenn ein Vogel ins Zimmer flog, ließ er das Fenster offen, damit er nicht gefangen werden konnte. Gebet:Heiliger Philippus, mein glorreicher Fürsprecher, lehre mich, nach deinem Vorbild alles um mich herum als Gottes Schöpfung zu betrachten. Lass mich nie vergessen, dass derselbe Gott, der mich erschaffen hat, auch die ganze Welt und alle Menschen und Tiere darin erschaffen hat. Erbitte mir die Gnade, Gottes gesamte Schöpfung um Gottes willen und alle Menschen um meines Herrn und Erlösers willen zu lieben, der sie am Kreuz erlöst hat. Hilf mir besonders, allen Christen, meinen Brüdern in der Gnade, mitfühlend und voller Liebe zu begegnen. Und du, der du allen auf Erden so gütig und barmherzig warst, sei uns besonders gnädig und trage mit uns unser Leid. Bitte erbitte uns von Gott, bei dem du im seligen Licht weilst, jede Hilfe, die wir brauchen, um sicher zu ihm und zu dir zu gelangen. Amen.
Da Jesus Christus uns den Namen des Vaters kundgetan hat,dürfen wir in seinem Namen und Auftrag zum Vater beten.
Da wir Brüder und Schwestern des Herrn sind,dürfen wir um den Frieden bitten, den er allen gibt, die ihn suchen.
Selig, die Christus angehören und seine Herrlichkeit schauen werden