Einleitung
Es ist eine große Versuchung für uns Menschen, uns auf das zu verlassen, was wir besitzen. Man meint, man kann sich daran festhalten. Im heutigen Evangelium sagt uns Jesus, wie es um die Welt bestellt ist. Wenn ein Mensch sich an Vermögen und Erfolg klammert, bringt es die Gefahr mit sich, dass er hart wird gegen andere und gegen den Anspruch Gottes.
Er wird ein Mensch, der unfähig ist, die Wirklichkeit Gottes zu begreifen. Er verfehlt darum den Sinn des Lebens. Wir wollen uns deshalb zu Beginn dieser Eucharistiefeier auf den Herrn besinnen, auf den Grund und den Sinn unseres Lebens.
Predigt
Lange vor Christi Geburt beschlossen die Einwohner einer nicht weit von Spanien entfernten Insel, dass auf ihrer Insel kein Gold gelangen darf, dass die Menschen nichts aus Gold haben dürfen und dass sie auch keine goldenen Münzen verwenden werden. Auch die Einwohner, die im Tal des Flusses Tigris lebten, durchsuchten alle Häuser, nahmen alles Gold, das sie fanden, und warfen es ins Meer. Auch im alten Zeiten Sparta hatte man eine abweisende Haltung gegenüber dem Gold. Einer ihrer Gesetzgeber verteilte Grund und Boden zu gleichen Teilen an die Bauern und er beseitigte alle goldenen Münzen. Er verbot den Besitz von Gold und ließ Münzen aus Eisen anfertigen. Das machte er deshalb, damit die Menschen sich nicht in das Gold verlieben. Die Geschichte sagt, dass aber die Bewohner von Sparta, als sie die Bescheidenheit aufgegeben haben und reich und korrupt wurden, den Römern unterlagen.
An diese alte Geschichte knüpft die Belehrung aus dem heutigen Evangelium an.
Da hat es geheißen: „Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens in Überfluss lebt.“
Können wir verstehen, warum uns Jesus vor dem Reichtum warnt? Nicht deshalb, weil Geld selbst schlecht ist, sondern weil der Reichtum oft die Menschen zu Sklaven macht und sie sich dadurch ganz von Gott und den Mitmenschen abwenden. Ein Mensch, der zu sehr an seinem Reichtum hängt, kennt sonst niemanden, nur sich selbst und seinen Wohlstand.
Der Mann im Evangelium hat zu sich selbst gesagt: „Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens.“
Bemerken Sie, wie rücksichtslos und egoistisch dieser Mensch ist? Er hat kein Interesse an Gott und an den Mitmenschen. Er denkt an sich selbst und daran, wie viele Jahre er diesen Reichtum genießen wird. Er hat vergessen, dass unser Leben ein Geschenk Gottes ist. Wir haben auch keine Garantie dafür, wie lange wir leben werden.
Vielleicht denken jetzt einige von uns: „Mich betrifft diese Belehrung nicht.“ Ich bin nicht reich; ich habe weder Gold noch Schätze. In dieser Hinsicht bin ich frei. Das wäre ein Irrtum. Jesus verurteilt nicht den Reichtum; er verurteilt, dass der Reichtum uns von Gott abbringt. Das muss aber nicht unbedingt, Gold und Geld sein, das kann auch eine andere Sache sein – eine Vorliebe, Personen, die so unser Herz beherrschen, dass wir kein Interesse mehr an Gott haben. Also auch ohne Reichtum können wir etwas haben, was uns von Gott und den Nächsten entfremdet.
Noch eine kurze Begebenheit aus dem Lebenslauf des heiligen Gregor des Großen. Er erzählt von einem Einsiedler, der auf allen Reichtum, auf alle Freuden der Welt verzichtete und sich in die Einsamkeit zurückgezogen hat. Dort betete und meditierte er über Gott. Waldfrüchte dienten ihm als Nahrung. Er hatte eine Katze, mit der er oft spielte, sie streichelte und in seinen Armen trug. Einmal bat er in seinen Gebeten Gott, ihm den Ort zu zeigen, den er im Himmel für ihn vorbereitet hat. In der Nacht hatte er folgenden Traum: Er sah seinen Platz im Himmel neben dem Heiligen Gregor den Großen. Als er am Morgen erwachte, war er unzufrieden und beklagte sich beim Herrn mit den Worten: „Himmlischer Vater, was nützt mir meine Not und Armut, wenn ich an denselben Ort komme wie der Papst, der hier auf der Erde in Reichtum und Prunk lebte.“ Und er bekam von Gott diese Antwort: „Wie wagst du es, dich mit dem Papst Gregor zu vergleichen, wenn du mehr Zuneigung zeigst zu deiner Katze, als er zu seinen Schätzen, die er verwaltet. Er hielt diese Schätze nicht für die eigenen, sondern verteilte sie immerfort an die Armen. Er hing weniger an seinem Reichtum als du an deiner Katze.“ Der Einsiedler schämte sich und wurde daraufhin ein großer Verehrer Papst Gregors.
Auch aus diesem Beispiel lässt sich die Weisung des heutigen Evangeliums gut verstehen. Gibt es in unserem Leben etwas, was uns von Gott wegführt? Eine Person, eine Vorliebe, eine Leidenschaft? Sagen wir nicht, dass es uns nicht betrifft. Es betrifft uns vielleicht doch. Es ist unsere Aufgabe, unser Leben so einzurichten, dass Gott unser größter Reichtum ist.
Gott ist unser unsichtbarer Vater im Himmel. Er ist ein Gott in drei Personen, von denen die erste Person Gott Vater ist.
Du hast zu Hause einen Vater und du hast ihn, solange er und du auf Erden lebt. Er ist dein Vater auf Erden, dein irdischer Vater, dein sichtbarer Vater. Du kannst ihn täglich sehen, mit ihm reden und zusammen sein. Gott Vater ist noch mehr als dein irdischer Vater; er ist Gott für dich und für alle Menschen. Du verdankst deinem irdischen Vater das Leben, deine Kleidung usw. Er liebt dich und sorgt für dich. All dies und noch viel mehr verdankst du Gott, das tut er für dich. Er hat dich den Eltern geschenkt, dir das Leben gegeben – nicht nur das irdische Leben, sondern noch viel mehr, ein noch höheres Leben – das Leben der Seele, das Leben im Himmel. Er liebt dich unendlich mehr, als je ein Vater sein Kind geliebt hat. Er sorgt für dich und leitet dich an, ein braves Kind zu werden und einmal in den Himmel zu kommen. Und Gott tut dies nicht nur für dich, sondern auch für alle Menschen.
Wir nennen Gott unseren Vater, unseren unsichtbaren Vater, weil er im Himmel ist, also unseren unsichtbaren Vater im Himmel. Wir nennen Gott aber nicht nur unseren Vater, damit er unser Vater ist und wir seine Kinder sind. Gott Vater hat auch einen Sohn, der wie Gott ist.
Das apostolische Glaubensbekenntnis besteht aus drei Teilen. Zuerst heißt es: Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Dann glaube ich an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, und schließlich an den Heiligen Geist. Von diesen dreien wird also im apostolischen Glaubensbekenntnis gesagt, was sie uns getan haben: Der Vater hat uns erschaffen, der Sohn hat uns erlöst, der Heilige Geist heiligt uns.
Wenn wir also beten: Ich glaube an Gott, den Vater, so nennen wir die erste der drei göttlichen Personen. Gott ist aber in drei Personen und die erste Person ist eben Gott Vater.
Einleitung
Eine orientalische Weisheit erzählt folgende Geschichte von einem Lehrer und seinem Schüler: Der Schüler träumte, er sei ins Paradies gekommen. Er war sehr überrascht, als er dort seinen Lehrer antraf, der versunken im Gebet war. „Das soll das Paradies sein?“, sagte er. „Aber genau das machen wir doch auch auf der Erde!“ Da hörte er eine Stimme: „Glaubst du, dass diejenigen, die beten, im Paradies sind? Im Gegenteil – das Paradies ist in denen, die beten!“
Predigt
Der Sinn des Gebetes ist nicht, eine Bevorzugung im Himmel zu erlangen oder Gott auf unsere Probleme aufmerksam zu machen. Der Sinn des Gebetes besteht darin, Gottes Wirklichkeit zu vergegenwärtigen. Das Paradies ist also in denjenigen, die Zeit für das Gebet finden und richtig zu beten verstehen. Die Frage: Was bringt ein Gebet? – und auch Schwierigkeiten mit dem Gebet gibt es so lange wie die Menschheit existiert. Auch zur Zeit Jesu wurde dieses Thema eingehend diskutiert. Im heutigen Evangelium hörten wir vom Verlangen der Apostel: „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seinen Jüngern beten gelehrt hat!“ Jesus lehrte ihnen daraufhin das Vaterunser. Es ist wahrscheinlich jenes Gebet, das er selbst schon als Kind in der Synagoge gehört hat. Im jüdischen „Kaddischgebet“ findet man die Gedanken des heutigen Vaterunsers. Da hat es geheißen: „Erhoben und geheiligt werde sein großer Name auf der Welt, die nach seinem Willen von IHM erschaffen wurde – sein Reich soll in eurem Leben, in den eurigen Tagen und im Leben des ganzen Hauses Israel schnell und in nächster Zeit erstehen. Das Vaterunser-Gebet ist somit auch Vorbild für jedes andere Gebet.
Was bedeutet zu beten?
1. Beten ist ein Sprechen mit Gott – mit eigenen Worten, wie es die Apostel taten. Da heißt es im Markus-Evangelium im 6. Kapitel: „Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.“ Das sollen wir auch machen. Alles Gott sagen, was wir getan und erlebt haben, von Begegnungen mit Menschen erzählen oder ihm auch unsere Sorgen anvertrauen. Ein Beispiel dazu: Im ersten Buch Samuel ist die Rede von einer Frau namens Hanna. Sie hatte keine Kinder, war sehr verzweifelt, betete zum Herrn und weinte sehr. Als sie lange Zeit im Tempel gebetet hatte, sagte sie zum Hohepriester Eli: „Halte deine Magd nicht für eine nichtsnutzige Frau, denn nur aus großem Kummer und aus Traurigkeit habe ich so lange geredet.“ Eli erwiderte und sagte: „Geh in Frieden! Der Gott Israels wird dir die Bitte erfüllen, die du an ihn gerichtet hast.“ Wir sollten also unsere Sorgen mit eigenen Worten vor dem Herrn ausschütten.
Der Theologe Karl Rahner hat einmal gesagt: „Bete den Alltag. Jeder unserer Tage ist eigentlich Gottes Tag, Zeit seiner Zuwendung, Zeit des Beschenktwerdens, Zeit der geteilten Sorgen, Zeit des mitgetragenen Leids. Das Gebet weiß darum, dass Gott an all unseren alltäglichen Erfahrungen teilnimmt. Diese Begegnung verwandelt, heilt, heiligt. Sie macht aus dem Alltag selbst ein Gebet, das nicht mehr von Worten, sondern von der Liebe geprägt ist.“
2. Beten kann auch ein Vortragen gelernter Gebete sein. Es ist gut, dass es auch diese Möglichkeit gibt, weil wir nicht immer die Kraft haben, mit eigenen Worten zu beten.
Im Tagebuch der Heiligen Theresa vom Kinder Jesu lesen wir: „Wenn mein Geist ganz ausgetrocknet ist und mir keine Gedanken mehr in den Sinn kommen, dann bete ich langsam ein Vater unser und ein Gegrüßet seist du Maria.“ Diese Gebete geben mir Flügel; sie geben mir mehr geistige Nahrung als hundert andere Gebete. In diesem Sinne zu beten, bedeutet, in Gott auszuruhen, mit ihm sich zu vereinigen.“
3. Beten kann auch ein Verweilen in Stille vor Gott sein. Sich in Stille zu begegnen, sind die glücklichsten Momente zweier sich liebender Menschen. Das tiefe Schweigen ist eine Aussage unseres Innersten. Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard sagte in einem Zitat folgendes: „Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist, ein Hörer. Ich meinte erst, dass Beten Reden sei. Ich lernte aber, dass Beten nicht nur Schweigen ist, sondern auch Hören. So ist es: Beten heißt nicht sich selbst reden hören, Beten heißt still werden und still sein und warten, bis der betende Gott hört.“
Zum Schluss noch ein Zeugnis eines Priesters, der seit vier Jahren von einem Magengeschwür geplagt wurde, das schließlich operiert werden musste. Nach einer Woche wurde er aus dem Krankenhaus entlassen und der Arzt verschrieb ihm Tabletten und eine strenge Diät. Die Tabletten nahm er regelmäßig. Er konnte die Diät nicht einhalten, da er viel reiste. Nach einem Jahr gab es erneut Schwierigkeiten mit dem Magengeschwür, und er musste erneut ins Krankenhaus. Da machte er Gott Vorwürfe: „Herr, ich verstehe dich nicht. Du weißt doch, dass ich die vorgeschriebene Diät nicht einhalten konnte, da ich viel reisen musste, um dein Wort zu verbreiten. Du hast doch die Fähigkeit, mich zu heilen.“ Doch dann kam ihm der Gedanke: „Warum fürchte ich die Nacht, die einen neuen Tag bringt.“ Er gab sich ganz dem Herrn hin und dem Plan, den er mit seinem Leben hatte. Er dachte nicht mehr an seine Gesundheit, sondern daran, Gottes Willen zu erfüllen. Dabei wurde er ganz ruhig und sagte zu Gott: „Mache mit mir, was du willst!“ Schließlich fühlte er sich nach einigen Wochen so gut, dass er keine Tabletten mehr nehmen musste und auch keine Diät mehr einhalten musste. Sein Magengeschwür war geheilt. Er war davon überzeugt, dass es einem, der sich Gottes Händen fügt, an nichts fehlen wird.
Christophorus
Christophorus ist einer der volkstümlichsten Heiligen des Morgen- und Abendlandes. Historisch ist nur sein Name und sein Martyrium, das er um 250 erlitten haben soll.
Er wurde in Palästina geboren. Er hatte sich in vielen Schlachten großen Ruhm erworben. Im Hochgefühl seiner Kraft und im Stolz auf seinen Heldenruhm wollte er nun dem mächtigsten Herrn auf Erden dienen. Mit Panzer und Schild zog er von Land zu Land, um einen Fürsten zu suchen, der sich vor niemanden fürchtete. Er fand keinen, denn alle Könige und Kaiser fürchteten sich, wenn nicht vor den Menschen, so vor den bösen Geistern. Deshalb
wandte er sich an den Satan, dem Fürsten dieser Welt. Als er aber einmal bemerkte, dass auch der Satan vor einem hölzernen Kreuze, welches am Wege stand, zitternd floh, verließ er dessen Dienst. Nun suchte er den König der zum Wappenzeichen das Kreuz gehörte.
Da kam er zu einem Einsiedler, welcher ihm eine befriedigende Auskunft gab und ihn an Jesus glauben lehrte. Hocherfreut fragte er: „Wie soll ich nun meinem Herrn und Erlöser dienen?“ Jener erwiderte: „ Übe dich fleißig im Fasten, Beten und Betrachten!“ „Das Fasten erträgt mein Körper nicht“, meinte der von Gestalt riesig groß Mann, „auch zum Beten und Betrachten habe ich kein Geschick.“ Der Einsiedler riet ihm: „ Gut, so diene Christus durch leibliche Werke der Barmherzigkeit. Sieh, dort ist ein Fluss ohne Brücke. Trage die Leute durch den Fluss hinüber und herüber, ihr Dank und Gottes Segen wird es dir lohnen!“ Da legte er die Waffenrüstung ab und tat diesen friedlichen Dienst demütiger Nächstenliebe opferwillig bei Tag und Nacht.
Eines Abends bat ihn ein munteres Knäblein mit goldenen Locken und rosigen Wangen, dass er es über das Wasser trage. Freundlich hob er es auf seine Schultern und stieg in die Flut, aber mit jedem Schritt schwoll das Wasser höher und höher an, das Knäblein wurde schwerer und schwerer und schließlich zu einer erdrückenden Last. Schweißtriefend und keuchend erreichte er endlich das andere Ufer. Staunend fragte er: „ Kind, welch Wunder ist mit dir? Mir war als trüge ich die Welt.“ Das Knäblein lächelte und sagte: „ Mehr als die Welt! Du hast den getragen, der Himmel und Erde erschaffen. Du hast Barmherzigkeit geübt und Barmherzigkeit dafür gefunden. Deine Sünden sind dir vergeben, sei nun mein Apostel, und zum Wahrzeichen wird dein eiserner Stab blühen.“
So geschah es und er hieß fortan Christusträger- Christophorus.
Als einer der vierzehn Nothelfer wird es gegen einen unvorbereiteten Tod angerufen. Wer sein Bild am Morgen betrachtete, wird an diesem Tag vor jedem Übel bewahrt. Deshalb wurde sein Bild möglichst groß an den belebtesten Stellen angebracht. Bei allen gefährlichen Unternehmungen wird seine Hilfe angerufen.
Das Prinzip des Christentums ist sehr einfach. Ein konkretes Ziel und ein konkreter Weg, der ans Ziel führt. Wenn du den Weg gehst, der ans Ziel führt, gerätst du ans Ziel. Wenn du einen anderen Weg einschlägst, der nicht zum Ziel führt, kommst du nicht dorthin. Du gerätst irgendwohin, aber nicht zum konkreten Ziel. Die Bibel sagt: Am Ende der Zeit wird jeder Mensch vor Gottes Gericht stehen. In der Offenbarung des Johannes heißt es: „Ich sah die Toten vor dem Thron stehen, die Großen und die Kleinen. Und Bücher wurden aufgeschlagen; auch das Buch des Lebens. Die Toten wurden nach ihren Werken gerichtet, nach dem, was in den Büchern aufgeschrieben war.“
Das Gericht Gottes soll man nicht mit einem Verurteilen und Bestrafen vergleichen. Die schwere Sünde enthebt uns der Gemeinschaft mit Gott und macht uns dadurch unfähig zum ewigen Leben. Das nennt man die ewige Sündenstrafe. Aber auch jede andere Sünde, selbst eine geringfügige, zieht eine Läuterung nach sich – sei es hier auf Erden oder nach dem Tod im sogenannten Purgatorium, dem Fegefeuer. Diese Läuterung befreit von den zeitlichen Sündenstrafen. Das sollte man nicht als Rache verstehen, sondern als Strafe, die sich aus dem Kern der Sache ergibt. Jeder Mensch verurteilt sich selbst nach seiner Liebe. Im Johannes-Evangelium heißt es: „Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.“
Ein Beispiel: Wenn man jemanden ins Theater oder in die Oper mitnimmt, so wird es für die einen ein entzückendes Erlebnis sein – einfach himmlisch; für andere wiederum wird die Langeweile bedeuten: keine Handlung, ständiger Gesang und dazu kein Bier, keine Popcorns, kein Essen – also geht man lieber anderswo hin. Ähnlich ist es auch mit der Beziehung zu Gott. Einer ist begeistert von dem Gebet, der Liturgie, der Meditation und der Kontemplation und glücklich dabei. Für einen anderen bedeutet das Langeweile, denn er fühlt und erlebt nichts. Wenn ersterer stirbt, werden sich seine Wünsche erfüllen, und er wird die Gemeinschaft mit Gott erleben. Wenn der Zweite stirbt und in den Himmel kommt, wird er enttäuscht sein, weil alle nur dastehen und jemanden anstarren. Sie meinen, da sei es in der Hölle besser. Für Menschen also, die von Gott das ewige Leben nicht annehmen, bleibt der Himmel unverständlich. Sie verurteilen sich selbst zu einem Leben außerhalb des Himmels.
Das Gericht Gottes ist dann die Bestätigung dieses Entschlusses.
Wir können nicht mit Gott vereint werden, wenn wir uns nicht freiwillig dazu entschließen, ihn zu lieben. Wir können aber Gott nicht lieben, wenn wir uns gegen ihn, gegen unsere Nächsten und uns selbst schwer versündigen. Wer nicht liebt, bleibt im Tod. In einer Todsünde zu sterben, ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen, bedeutet, durch eigenen freien Entschluss für immer von Gott getrennt zu bleiben. Die Lehre der Kirche sagt, dass es eine Hölle gibt, die ewig dauert. Die Seelen derer, die im Stand der Todsünde sterben, kommen sogleich nach dem Tod in die Unterwelt, wo sie die Qualen der Hölle erleiden – das ewige Feuer. Das Schlimmste der Hölle ist die ewige Trennung von Gott, in dem allein der Mensch das Leben und das Glück finden kann.
Niemand ist von Gott vorherbestimmt, in die Hölle zu kommen, nur eine freiwillige Abkehr von Gott, in der man bis zum Ende verharrt, führt dazu.
Bei der Eucharistiefeier und in den täglichen Gebeten der Gläubigen erfleht die Kirche das Erbarmen Gottes. Gott will nicht, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle sich bekehren. Was hat für mich den größten Wert und ist das tiefste Erlebnis? Das Gebet, die heilige Messe, die Meditation? Oder: das Vergnügen, das Bummeln, das Fernsehen, das Essen und das Trinken? Was bevorzuge ich? Wenn uns das Angebot Gottes nicht anspricht, dann hat es keinen Sinn, Christ zu sein!
Wie kommt man zur Erkenntnis Gottes?
Durch die sichtbare Welt, durch die Stimme des Gewissens, vorwiegend durch die Offenbarungen, welche er uns durch die Propheten und zuletzt durch seinen Sohn gegeben hat.
Wir haben gelernt: Gott ist Geist, der unendlich, vollkommen und allwissend ist. Gibt es nun mehrere solche Götter oder nur einen Gott? Es gibt nur einen Gott, sagt der Katechismus. Durch die Propheten sagt er uns: Ich bin Gott und sonst keiner. Können wir Gott sehen? Nein, wir können Gott mit leiblichen Augen nicht sehen, weil er ein Geist ist. Wir können unsere Mitmenschen sehen und wir sehen an ihnen den Kopf, die Arme usw., also den Leib. Die Seele können wir nicht sehen. Warum nicht? Weil sie Geist ist. Gott aber ist auch Geist, also können wir ihn nicht sehen. Darum heißt es im 1. Timotheus-Brief: „…den kein Mensch gesehen hat noch je zu sehen vermag: Ihm gebührt Ehre und ewige Macht.“ Das heißt also, dass wir ihn mit leiblichen Augen nicht sehen können. Gibt es denn noch andere Augen?
Nein, aber wie wir mit den Augen leibliche Dinge erkennen, so erkennen wir mit dem Verstand geistige Dinge. Darum heißt der Verstand auch das „Auge des Geistes“.
Können wir vielleicht mit unserem Verstand Gott sehen oder erkennen? Etwas vom lieben Gott können wir wohl erkennen, aber so deutlich und klar wie wir die Dinge mit den Augen sehen, können wir Gott nicht erkennen; das kann auch der höchste Engel nicht. Im Himmel aber, da wird Gott selber uns erleuchten, sodass wir ihn dann so klar erkennen werden, wie wir ein körperliches Ding erkennen, wenn wir es mit den Augen sehen. Ja, aber wenn wir Gott nicht sehen können, wie wissen wir denn etwas vom Gott?
Gott hat sich uns selbst zu erkennen gegeben durch die sichtbare Welt, durch die Stimme des Gewissens, vor allem durch die Offenbarung, welche er uns durch die Propheten und zuletzt durch seinen Sohn gegeben hat.
Ein Beispiel: Ein Vater war verreist, weit fort, und er hat nicht genau gesagt, wann er wiederkommen wird. Eines Tages treffe ich seine drei Kinder, die ebenfalls unterwegs waren, etwas außerhalb ihres Hauses. Sie sagten voller Freude: „Der Vater ist da!“ Ich frage: „Habt ihr ihn gesehen? Woher wisst ihr denn, dass er da ist?“ Da sagte das erste Kind: „Als ich in die Nähe des Hauses kam, haben ich einen Kranz um das Kreuz am Weg gesehen.“ So schön kann ihn nur der Vater gemacht haben.“ Das zweite Kind sagte: „Das hat mir meine innere Stimme, die Stimme meines Herzens, gesagt.“ Ich freue mich, wenn ich ihn bald sehen werde.“
Das dritte Kind sagte: „Mir hat es mein Cousin gesagt, der hat den Vater kommen sehen und mit ihm gesprochen.“
So wie die Kinder auf dreifache Weise erkannt haben, dass ihr Vater da sei, so können wir auf dreifache Weise erkennen, dass es nur einen Gott gibt. Gott gibt sich uns durch die sichtbare Welt zu erkennen. Wir können ein wunderschönes Bild vom lieben Jesuskind betrachten. Es ist nicht von sich selbst entstanden, jemand hat es gemalt – ein geschickter Maler, wahrscheinlich ein guter Christ. Das lässt sich erkennen, obwohl man ihn nicht kennt. Aber seine Frömmigkeit kann man aus diesem sichtbaren Werk, das er geschaffen hat, erkennen.
So hat Gott auch ein sichtbares Werk gemacht, woraus wir ihn erkennen können, nämlich die ganze Welt. Wenn wir diese wunderschöne, herrliche Welt betrachten, wissen wir, dass sie nicht von selbst entstanden ist, sondern dass jemand sie geschaffen hat. Ein Mensch? Nein, denn die Welt war ja schon da, noch ehe es Menschen gab. Könnte es einen Menschen ohne Erde, ohne Sonne, ohne Pflanzen leben? Kein Mensch wäre fähig gewesen, diese riesige Welt zu erschaffen. Und wer hat den Menschen erschaffen? Es muss also jemand die Welt erschaffen haben, der da war, ehe es Welt und Mensch und Zeit gegeben hatte – jemand, der ewig ist. Man denke dann noch weiter. Wer hat die gewaltigen Berge und die Millionen von Sternen geschaffen? Wer ist es, der alles so wunderbar geschaffen, so geschickt eingerichtet hat – von den kleinsten Lebewesen bis zur prächtigen Sonne? Wer ist es, der allen Wesen ihre guten Eigenschaften oder Vollkommenheiten gegeben hat? Das kann nur Gott gewesen sein.
Es gibt allerdings Menschen, die behaupten, dass es keinen Gott gibt. Wenn man sie fragt, wer denn die Welt erschaffen habe, so sagen sie: Es sei vor uralten Zeiten nichts dagewesen als Nebel und daraus sei nach und nach die Welt entstanden.
In Mainz ist eine Uhr, die nicht nur anzeigt, welche Stunde, Minute, Sekunde es am Tag ist, sondern auch welcher Tag im Monat. Sie zeigt auch, ob es Vollmond ist und wie die Erde und die anderen Planeten zur Sonne stehen. Fragen wir nun die Uhr: „Wer hat dich gemacht?“ und sie würde antworten: „Niemand – es war einst ein dichter Nebel in diesem Saal und daraus ist diese Uhr von selbst entstanden!“ Was würden wir da denken? Wir lassen uns ja nicht zum Narren machen.
Als Zweites gibt sich Gott uns durch die Stimme des Gewissens zu erkennen. Was ist denn das Gewissen? Wenn du an einem ganz einsamen Ort schöne Sachen siehst und du Lust bekommst, davon zu nehmen, wie geht es dir da? Sagt dir dein Inneres nicht, das darfst du nicht? Und wenn du doch nimmst, wie geht es dir dann? Du machst dir Vorwürfe, denn dein Gewissen sagt dir: Du bist ein Dieb. Du wirst dafür gestraft. Aber auch wenn niemand es sieht, fühlst du dich von einem bestraft, der alles sieht – nämlich von Gott. Und wenn du ein armes, hungriges Kind siehst und ein großes Stück Brot hast. Was sagt dir das? Und wenn du dem armen Kind statt, selber alles zu essen, davon gibst, wie ist dir dann? Du bist froh und glücklich, wenn es auch niemand gesehen hat. Du fühlst in dir: Ich habe recht getan. Gott hat mich lieb, und ich werde dafür belohnt. Das Gewissen warnt vor Bösem, treibt an, das Gute zu tun, es macht traurig oder fröhlich.
Wer hat diese Stimme dem Menschen ins Herz gegeben? Der Mensch selbst? Nein, denn manche Menschen wären froh, wenn sie diese Stimme nicht hätten, die sie quält. Was in allen Menschen ist, das können sie nur von dem einen haben, der alle Menschen erschaffen hat, und der zugleich unendlich heilig und gerecht ist, der alles Gute liebt und belohnt, alles Böse verabscheut und straft. Das ist Gott. Die Stimme des Gewissens sagt uns, dass es einen gibt, der das Gute belohnt und das Böse bestraft. Er ist allwissend und allmächtig. Was eine Stimme, die in der menschlichen Natur liegt, allen Menschen sagt, dass kann nicht falsch, das muss wahr sein. Gott gibt sich uns also zu erkennen in der sichtbaren Welt und im Gewissen.
Wenn uns etwas zu erkennen gegeben wird, was wir nicht gewusst haben, so wird es uns geoffenbart. Darum kann man auch sagen. Gott hat sich durch die sichtbare Welt und die Stimme des Gewissens geoffenbart. Jeder Mensch kann also aus den Geschöpfen durch seine Vernunft, mit einer natürlichen Kraft, ohne dass ihm Gott noch eine höhere Kraft dazu gibt, Gott erkennen. Das bezeichnet man als natürliche Offenbarung. Gott hat sich uns noch deutlicher zu erkennen gegeben durch eine Offenbarung, die weit größer ist als diese natürliche Offenbarung. Man bezeichnet sie als übernatürliche Offenbarung. Gott hat sich uns zu erkennen gegeben – vor allem, wie schon gesagt – in der sichtbaren Welt, durch die Offenbarung, die er uns durch die Propheten und zuletzt durch seinen Sohn gegeben hat. Wenn du im Schnee oder auf weichem Boden Fußspuren siehst, kannst du erkennen, dass jemand hier gegangen ist – ob ein großer Mensch oder ein Kind. Viel deutlicher und genauer kannst du das erfahren, wenn es dir jemand sagt, der ihn genau gesehen hat. So hat Gott uns in der sichtbaren Welt und im Gewissen gleichsam nur Spuren gegeben, aus denen wir erkennen, dass es nur einen Gott gibt. Viel deutlicher, sicherer und genauer haben wir dies erfahren, weil es uns der Sohn Gottes, der Gott gesehen hat, erzählt hat und es vor ihm die Propheten, denen es der Heilige Geist, der auch Gott ist, gesagt hat. Er hat uns aber noch viel mehr von Gott gesagt, als der gescheiteste Mensch aus der sichtbaren Welt erkennen konnte. Die Heilige Schrift sagt: Darum konnte auch niemand uns so vieles und so genau vom lieben Gott sagen wie der einzige Sohn Gottes. Von ihm haben wir erfahren, wer und wie Gott ist, was er für uns tut und was er von uns will. Was wir also von Gott gehört haben, das haben wir von Jesus Christus!
Das ewige Leben ist vergleichbar mit dem Reich Gottes. Jesus verkündete seinen Jüngern das Reich Gottes. Im Markus-Evangelium lesen wir: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Jesus bezeichnet es als das neue Leben, das er verkündet hat. Da die Apostel in den Prüfungen ausgeharrt haben, vermacht er ihnen das Reich, wie es sein Vater ihm vermacht hat. Sie sollen in seinem Reich mit ihm an seinem Tisch essen und trinken, auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.
Wann kommt aber das Reich Gottes? Als Jesus darüber gefragt wurde, antwortete er: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es! Oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch.“ (Lk 17,20-21). Das Reich Gottes ist also nicht sichtbar, aber unter uns zugegen.
Worin besteht das Reich Gottes? Versuchen wir zuerst zu überlegen, was man sich nicht unter dem Begriff „Reich Gottes“ vorstellen sollte! „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken“ (Röm. 14,17a). „Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten.“ Lk 20,35). Der Heilige Paulus sagt im 1. Korintherbrief 15,50: „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben; das Vergängliche erbt nicht das Unvergängliche.“
Das Reich Gottes ist also kein Essen, kein Trinken, kein Sex. Wir müssen uns definitiv von der Vorstellung verabschieden, dass das Reich Gottes ein Ort ist, wohin der Mensch nach seinem Tod geht, um dort die leiblichen Lustbarkeiten zu genießen. Das Reich Gottes hat nichts gemeinsam mit den Genüssen dieser Erde.
Drei Aussagen von Psychologen:
David G. Myers, Professor der Psychologie, hält folgende Faktoren für wichtig, die dem Menschen das Gefühl des Glücks geben: physisch tüchtig zu sein, ein gesunder Leib, positive Selbstachtung, das Gefühl, das Leben zu bewältigen, Optimismus, Offenheit, eine anregende und interessante Arbeit, Gelegenheit zur Ruhe und zum Vergnügen, persönliche freundschaftliche Beziehungen, geistige Entwicklung.
Der Psychologe Frederik Herrberg: Verantwortlichkeit, persönliche Erfüllung, anregende und interessante Arbeit, Wachstum, Entwicklung, Leistung, Glück.
Der Psychologe Clayton P. Alderfer: Beziehung zu anderen Menschen, Anerkennung, Durchsetzungsvermögen, das Gefühl der Wichtigkeit, Wachstum, Entwicklung.
Worum geht es aber im Reich Gottes? Das Reich Gottes ist der Zustand des Daseins, es ist das Leben mit Gott, in Einheit mit Gott und in Gott. Es ist die Umwandlung des Menschen in die Söhne und Töchter Gottes. Im Christentum nennt man es die Vergöttlichung. Davon spricht ein Mystiker des 14. Jahrhunderts – Johann Tauler. Er sagt: Gott lebt, wohnt und wirkt in der Seele des Menschen. Hier wird die Seele Gott ähnlich. Sie ist mit Gott eng verbunden, in ihm tief eingesenkt.
Ein Bekenner, Hl. Maxim sagt: Alles, was Gott hat, nimmt der auf, der vergöttlicht ist. Jesus ist Mensch geworden, damit wir Gott ähnlich werden, um mit ihm in Gemeinschaft zu leben und den Anteil an seinem Leben zu haben. Durch ihn werden unsere Sehnsüchte erfüllt – ein positives Selbstbewusstsein, Optimismus, Offenheit, geistliche Entwicklung und Verantwortungsbewusstsein. Einzig und allein die Berufung zur Vergöttlichung gibt dem Evangelium Logik und Sinn. Sobald die Vergöttlichung im Christentum fehlt, werden die Worte der Bibel in großem Maße unbegreiflich.
Wie kann man das ewige Leben gewinnen? Das geht ohne uns Menschen nicht. Ohne unsere Zusammenarbeit. Wenn der Himmel ein wunderschöner Garten wäre, warum sollten wir uns bemühen, unsere Persönlichkeit zu verwandeln? Diese Leckereien kann jeder genießen, ohne Rücksicht darauf, wie der Mensch ist. Die Forderungen zur Vollkommenheit, wie sie das Evangelium verlangt, wären dann nicht notwendig. Wenn aber der Himmel die Vergöttlichung ist, dann ist eine vollständige und wesenhafte Umgestaltung unseres gesamten Lebens notwendig. Das Heil bedeutet, Gott ähnlich zu sein, und das geht nicht ohne unsere Verwandlung.
Das ist wie bei der Funktion des Präsidentenamtes. Ein Präsident sollte ein unbescholtener Mensch mit guter Moral sein. Aber das allein macht einen Menschen nicht automatisch zu einem Präsidenten. Man kann nicht sagen: „Ich bin gut und anständig, warum bin ich nicht Präsident?“ Man muss sich um das Amt des Präsidenten sich bewerben und er muss dann auch noch erfolgreich gewählt zu werden.
Ein unbescholtener, moralisch guter Mensch ist noch nicht automatisch ein erlöster Mensch. Wenn ein Mensch vergöttlicht werden will, muss er sich für Gott entscheiden, er muss sein Leben im Sinne Gottes gestalten, er muss sich das Leben, das Tun und das Verhalten Jesu aneignen. Ein Beispiel. Wenn ich ein guter Neffe bin, kann es sein, dass mir mein vermögender Onkel sein Eigentum vermacht. Das bedeutet, dass der Besitz mein ist. Aber wenn ich wirklich meinen Besitz benützen, gebrauchen will, muss ich nach Amerika reisen, und dort mein Eigentum übernehmen. Wenn ich das nicht mache, werde ich von meiner Erbschaft nichts haben. Ja. ich kann zu Hause bleiben, theoretisch werde ich den Besitz haben, aber praktisch nein. Jesus hat für uns das ewige Leben gewonnen. Dieses Leben aber müssen wir empfangen. Es ist wie mit der Schule. Die Aufnahme in eine Schule und ein gutes Verhalten bedeuten noch nicht, dass ich ein Ingenieur werde. Dann erst, wenn ich die erforderlichen Kenntnisse erworben und die Prüfungen abgelegt habe, werde ich ein Ingenieurdiplom bekommen. Wenn ich wirklich vergöttliche sein will, dann muss ich Gottes Leben empfangen und Jesu Art des Lebens aneignen. Vom Menschen hängt es also ab, ob er dieses Leben annimmt oder nicht, ob er Gott erlaubt, dass in ihm Gottes Macht wirksam wird, dass er vergöttlicht wird.
Unser Glück hängt nicht davon ab, was wir haben, sondern davon, was wir sind. In denselben Wohnungen leben glückliche und unglückliche Familien. Ihr Glück hängt von der Art ab, wie sie leben.
Kann ich mich auf Gottes Barmherzigkeit, auf seine Liebe und Vergebung verlassen? Ja, sicher, kann ich. Es geht aber nicht darum, ob mir Gott verzeiht, sondern darum, ob ich Gottes Leben empfange oder nicht. Es ist wie bei einem Studium an der Universität. Jemand lernt nicht. Der Professor kann ihm verzeihen, er kann mit ihm das Mitleid zu haben, aber das wird die Wirklichkeit nicht ändern, dass der Student die notwendigen Kenntnisse nicht hat, und deshalb, kann er Ingenieur nicht sein. So ist es auch mit dem Heil. Wenn ich das Leben Gottes nicht aneigne, bin ich nicht fähig, dieses Leben zu leben, und auch Gott kann daran nichts ändern. In das ewige Leben treten wir jetzt und hier ein, also schon während des irdischen Lebens.
In Lukas 13,24-25 heißt es: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: „Herr, mach uns auf!“ Er wird aber antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.
Das Schließen der Tür ist die Stunde des Todes. Ich empfehle jedem , seine Verantwortlichkeit für sein Heil sich bewusst zu werden.
Mt 12,1-8
Die Begebenheit, über die das heutige Evangelium spricht, begab sich an einem Festtag auf dem Weg, der durch Getreidefelder führte. Die Apostel mussten sehr hungrig sein, als sie die Ähren abpflückten und aßen. Die Pharisäer warfen das den Aposteln vor. Jesus aber setzte sich für die Apostel ein.
Was wollte Jesus den Pharisäern sagen und was will er uns sagen? Ja, meine Herren, ihr habt recht: Der Sabbat ist der Festtag, und das Gesetz erlaubt es nicht, an diesem Tag zu arbeiten. Was aber haben meine Jünger getan, das ihnen das Gesetz verbietet? Wenn ihr euch auf Mischna, das jüdische Gesetz, beruft, solltet ihr wissen, dass ihr eure Kompetenz überschritten habt. Ihr verbietet, was das Gesetz erlaubt. Nach dem Gesetz ist es erlaubt, die Vorschriften in der Not zu übertreten, wie David es zum Beispiel tat, als er und seine Soldaten hungrig waren und von den Broten aßen, von denen niemand essen durfte. Ihr wollt doch nicht, dass der Mensch wegen des Gebots des Sabbats stirbt. Ich bin dafür, dass der Sabbat lieber wegen des Menschen stirbt. Er wurde für die Menschen eingeführt und nicht umgekehrt. Und ihr wisst, was Gott sagte: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Lieber ist mir ihr liebevolles Mitleid mit den Hungernden als die Opfer, die ihr von ihnen verlangt.
Wir wissen, dass die Pharisäer die Worte Jesu und seine Erklärung nicht angenommen haben. Jesus will auch uns damit etwas sagen: Das Fest ist keine Pflicht, dem wir uns unterwerfen, sondern das Bedürfnis, auf das wir warten. Das Fest gab Gott den Menschen deshalb, damit sie sich bewusst werden, dass ein Mensch mehr ist als ein Tier. Normalerweise sollte der Mensch ein Fest feiern. Wenn aber drängendere Bedürfnisse kommen, dann müssen wir den Menschen den Vorzug geben vor dem Gesetz. Wir sollten aber nicht dem eigenen Egoismus den Vorzug geben, es muss wirklich das Bedürfnis des Nächsten sein.
Einleitung
Wir hören heute im Evangelium von Marta und Maria. Künstler stellen Martha dar als Hausfrau mit schnellem Gang, mit einem Schlüsselbund am Gürtel, mit einem Krug Wein in der Hand und einem Brathendl an der zweiten Hand. Auch das Evangelium beschreibt sie als eine fleißige Frau, die Jesus bewirtet. Maria, ihre Schwester, sitzt zu Füßen Jesu und hört seinen Worten zu. Jesus will uns mit diesem Evangelium ans Herz legen, wie wichtig das Wort Gottes in unserem Leben sein soll.
Predigt
„Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das besser gewählt!“ Wie sollen wir diesen Lehrsatz Jesu verstehen? Zuerst möchte ich daran erinnern, dass Jesus kein Sonderling war, der menschliche Werte verachtete. Wir wissen, dass er oft an einem Mahl teilnahm. Wir wissen, dass er mit seiner Mutter Maria und den Aposteln an der Hochzeit zu Kana teilnahm, bei der er Wasser in Wein verwandelte. Wir wissen, dass er in der Wüste die Brote so wunderbar vermehrte. Jesus hatte also Verständnis für menschliche Bedürfnisse. Allerdings verkündete er auch, dass man nicht nur vom Brot allein lebt, sondern auch von Gottes Wort. Jesus will, dass wir dem Wort Gottes Vorrang vor allen anderen Werten geben. Er sagte: „Sucht zuerst das Reich Gottes und alles andere wird euch dazugegeben!“ Er bestätigt im heutigen Evangelium klar seine Lehre, wenn er sagte: „Marta, Marta, du sorgst und kümmerst dich um vieles, eines nur ist notwendig. Maria hat den guten Teil erwählt, der darf ihr nicht genommen werden“. Maria erwählte das, was das Hochwertigste für unser Leben und für die Ewigkeit ist. Das ist eine sehr aktuelle Lehre auch für unsere Zeit, denn viele Menschen orientieren sich in ihrem Leben ausschließlich an irdischen Werten wie Nahrung, Kleidung, Wohnung, Auto, Unterhaltung und Sport. Dabei achten sie nicht auf Gottes Wort und oft fällt die Bemerkung: Warum braucht der heutige Mensch das Wort Gottes? Bedeutungsvoll ist vor allem der Sport, also die körperliche Erziehung. Sport aber erzieht den Leib und nicht die Seele.
Stella, eine vierzehnjährige Schülerin, war die beste Athletin in der Schule. Als sie eines Tages von ihrem Training mit der Straßenbahn heimfuhr, kaufte sie keine Fahrkarte. Als sie den Schaffner erblickte, wollte sie weglaufen. Bei der Flucht hat sie sich ein Bein gebrochen – schlecht für eine Athletin. Fernsehen, Theater, Sport genügen nicht, um den Menschen zu einem sittlichen Leben zu führen.
Pater Norbert Baumert schreibt in seinem Buch mit dem Titel „Die Gaben des Heiligen Geistes“ über einen Studenten, der mit Ende seiner Kindheit auch den Glauben hinter sich ließ. Er wurde ein überzeugter Atheist und begann Artikel in atheistische Zeitschriften zu schreiben. Einmal wollte er eine Jugendbewegung, die sich „Welle Jesu“ nannte, angreifen.
Um einen guten Artikel zu schreiben, ging er zu einer Versammlung dieser Jugendbewegung.
Im Saal, in dem sich die jungen Menschen trafen, wurde er herzlich empfangen. Viele junge Leute waren dort, tauschten ihre Erfahrungen mit Jesus aus und waren sehr fröhlich.
Der atheistische Student beobachtete in den Gesichtern der jungen Leute Freude, Liebe und Glück. Sie feierten eine Andacht mit einigen rhythmischen Liedern. Alle beteten gemeinsam, und zum Schluss hielt ein junger Priester eine Predigt. In seiner Predigt sagte er: „Einige Leute investieren viel Kraft im Kampf gegen die Christen.“ Sie studieren Bücher, in denen der Glaube geleugnet wird. Wenn diese Menschen dieselbe Energie in die Suche nach Gott investieren würden, so würden sie bald mit dem alttestamentlichen Hiob sagen: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!
Der atheistische Student hörte die Predigt aufmerksam. Er fühlte sich tief beeindruckt. Er widerstand der Kraft des Wortes Gottes nicht. Er sagte sich: „Ab jetzt werde ich meine Energie nicht in den Kampf gegen Gott, sondern in die Suche nach Gott investieren.“ Gleich am nächsten Tag begann er in der Bibel die Evangelien zu lesen. Das Wort Gottes hat ihn wirklich gefesselt. Einmal als er über sein Leben nachdachte, sagte er: „Nicht Gott hat sich vor mir versteckt, sondern ich habe mich mit einer starken Mauer umgeben, durch die, Gottes Wort nicht durchdringen konnte. Jetzt reiße ich diese Mauer nieder.“ So begann er, in seinen Schriften den Glauben zu verteidigen. Er schrieb: „Ich danke, Herr Jesus, dass ich aus Gottes Wort über deine große göttliche Liebe erfahren habe, und in dieser Liebe will ich mein weiteres Leben gestalten.“ Ich bin ein neuer Mensch geworden.“
Nach dem Beispiel Marias im Evangelium sollten wir das Wort Gottes lieb gewinnen und ihm in unserem Leben die erste Stelle zuteilen, damit unser Leben richtig und glücklich ist.
Mt. 10,16-22
Warum löst ein Leben mit Jesus Widerspruch oder sogar Verfolgung aus? Das ist fast unbegreiflich. Wir haben es hier zu tun mit dem Geheimnis des Bösen.
Wie die Welt das Zeugnis Jesu nicht ertragen konnte, so ertragen Menschen auch heute nicht das Zeugnis jedes Christen. Zeugnisse haben verschiedene Inhalte, wie Aufforderung, Anklage, Wahrheitsfindung oder auch Warnung. So war es immer schon und so wird es sein bis ans Ende der Welt, dass Christen Ziele von Angriffen sind. Verfolgung gehört irgendwie zum Leben der Kirche dazu. Ich weiß, dass in Österreich die junge und mittlere Generation eine Verfolgung der Kirche noch nie erlebt hat. Ganz anders ist da die Situation in den osteuropäischen Ländern. Ohne Zweifel war die Verfolgung dort manchmal auch eine Folge des Versagens der Christen selbst. Wie bei einer Krankheit ist auch in dieser Hinsicht Unmäßigkeit die Folge. Doch kann man in den einzelnen Ländern nicht das ganze Ausmaß an Verfolgung dem Versagen der Christen zuschreiben. Es geht hier auch um den Kampf des Lichtes mit dem Dunkel, dem Kampf Gottes mit dem Satan. Die derzeitigen Verfolger kämpfen nicht gegen irgendein Modell Gottes, wie es in der Vergangenheit war, um es mit einem anderen Modell zu ersetzen, sondern gegen jede Vorstellung von Gott. Da die Verfolger aber Gott nicht direkt treffen können, wenden sie sich gegen diejenigen, die an Gott glauben. Sie glauben, dass die Verfolgung die Kirche vernichten wird. Sie vergessen aber, dass jede Aktion eine Gegenaktion hervorruft. In meiner Heimat habe ich die Verfolgung der Kirche erlebt. Wenn ich aber gesehen habe, wie viele Menschen für die Kirche arbeiten und kämpfen, wurde mir eines klar: Nein, es ist unmöglich, dass diese Kirche jemand vernichten kann.
Einleitung
Das heutige Evangelium lehrt uns das Gebot der Nächstenliebe. Wir werden das Gleichnis vom barmherzigen Samariter hören und erfahren, dass es notwendig ist, zur Verwirklichung der Liebe, Menschen richtig sehen zu lernen.
Predigt
Jesus verurteilt das Verhalten des Priesters, der den Verletzten sah und einfach weiterging. Gleicherweise verurteilt er auch das Verhalten des Leviten, der den Verletzten ebenfalls sah und trotzdem weiterging. Beide sehen den Verwundeten nicht richtig. Im menschlichen Leben ist es nicht genug, einen Menschen nur mit den Augen zu sehen – auch Tiere sehen –, ein Mensch muss aber auch mit dem Herzen sehen.
Das Schulbeispiel eines richtigen Sehens ist der Samariter im heutigen Gleichnis. Jesus sagte von ihm: „Als er ihn sah, hatte er Mitleid mit ihm.“ Richtig sehen bedeutet also auch, Mitleid zu haben und dem Nächsten Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn wir lernen, unsere Nächsten mit dem Herzen zu sehen, dann sind wir auch bereit zu Taten der brüderlichen Liebe wie die des Samariters.
Damit unsere Liebe, unser Dienst am Nächsten gelingt, gibt uns Jesus drei Regeln:
Erstens müssen wir bereit sein, jedem Menschen, ohne Unterschied, zu helfen. Der Samariter fragt nicht, ob der Verletzte Jude oder Heide ist, ob er ein vorbildlicher Gatte oder geschieden ist. Er hat nur eines vor Augen, dass dieser Mensch auf seine Hilfe angewiesen ist. Das ist so wichtig, dass alle anderen Umstände im Hintergrund bleiben.
Zweitens: Einen Dienst am Nächsten dürfen wir nicht unter der Bedingung tun, dass der Nächste sich irgendwann und irgendwie einmal revanchieren wird, dass er uns einen Gegendienst leisten wird. Jesus sagt einmal, dass wir auch zum Gastmahl solche Menschen einladen sollen, die sich nicht revanchieren und uns nichts zurückzahlen können. Jesus will, dass wir den Dienst so selbstlos tun wie der Samariter, der nicht prüfte, ob der Verletzte reich ist und ob er seine Hilfe ihm einmal lohnen wird. Die Belohnung für jede erwiesene Liebe ist Jesus selbst – ihm dienen wir, wenn wir den Nächsten dienen. Er sagte: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Wir sollten nicht dienen und eine Belohnung von Menschen erwarten; Jesus ist unser Lohn.
Drittens: Wir sollten dem Nächsten immer in Liebe dienen, nicht mit Abneigung, mit Nörgelei, nur darum, weil wir es eben müssen. Man kann nicht Gutes tun ohne Liebe und ohne Herz. Gott wertet nicht die Größe unserer Taten, sondern die Größe unserer Liebe in jeder unserer Taten. Das ist die Grundforderung Jesu.
Ich möchte Ihnen jetzt noch eine wahre Begebenheit erzählen, die die Sensibilität für die Not des Nächsten zeigt. Vor 161 Jahren wählte man im Dorf Weyerbusch im Westerwald den 29-jährigen Herrn Raiffeisen zum Bürgermeister. Gleich gab es Kritiker, die sagten: „Der ist doch viel zu jung, unsere Gemeinde zu leiten.“ Da geschah es, dass es in diesem Jahr Unmengen Regen gab. Dadurch wurde das Getreide unbrauchbar, die Kartoffeln verfaulten, aber auch die Vorräte waren zu Ende, und vielen Bauern drohte das Unheil, im Winter ohne Brot zu sein.
Dieser junge Bürgermeister rief jedoch die 50 größten Landwirte der Gegend zusammen und fragte sie: „Was können wir machen?“ Die Antwort war: „Herr Bürgermeister, sie sind jung und wollen die Welt ändern! Das Leben lehrt uns eben, dass es immer schon Hunger gab und auch geben wird.“ Aus dieser Antwort ging hervor, dass er mit diesen Landwirten anders sprechen muss.
Er sagte zu ihnen: „Erlaubt mir, euch zum Begräbnis der Kinder einlade, die im Winter infolge des Hungers sterben werden!“ Einer der Männer erhob sich und sagte: „Sie wollen uns doch nicht zu Mördern machen.“ Was können Sie vorschlagen?“ Raiffeisen sagte: „Ich schlage vor, dass wir eine „Gemeinschaft des Brotes“ bilden.“ Wir brauchen Freiwillige, die in einem leeren Gebäude einen Backofen bauen. Ihr bringt Mehl und wir beschäftigen einen Bäcker. Jeden Tag werden wir Brot an die ärmsten Familien austeilen.“
„Und wie werden wir das alles finanzieren?“, fragte der Mann. Raiffeisen sagte: „Ich verlange von niemandem, dass er etwas umsonst gibt, sondern ich verlange nur, dass ihr 6 Monate lang – also bis zur nächsten Ernte – denen borgt, die die ärmsten sind.“ „Wer verbürgt uns, dass sie uns alles zurückgeben?“, meinte er. „Ihr selber mit euren eigenen Höfen!“, so die Antwort Raiffeisens. Da gab es einen Raiffeisen, dann auch den, der anfangs widersprach, und schließlich alle weiteren. Und es ist wirklich alles so geschehen, wie es Raiffeisen vorausgesehen hatte. In diesem Winter hungerte niemand und nach der nächsten Ernte wurden die Schulden zurückerstattet. So entstand im Jahre 1847 das erste Kreditinstitut. Heute gibt es weltweit Raiffeisenbanken. Raiffeisen, er war der Enkel eines evangelischen Pastors und er hatte den guten Willen und ein wenig angespartes Geld, aber vor allem trug er die Liebe zu den Menschen in Not in seinem Herzen. Auch das ist ein Beispiel für Hilfe, in diesem Fall institutionell – auch das ist ein Samariterdienst. Ein Dienst am Nächsten kann verschiedene Formen haben.
Einleitung
Bei der Zahlung der Miete fragte der Besitzer den Studenten, ob er eine Quittung wolle. Der Student antwortete: „Das muss nicht sein, denn Gott sieht uns. Der Besitzer darauf: „Sie glauben an Gott?“ Der Student: Ich – ja, und Sie nicht? Der Besitzer sagte verächtlich: „ Ich – nein. Der Student darauf: „So geben Sie mir die Quittung!“
Zwischen Glaube und der Moral ist eine enge Beziehung. Wer glaubt, dass Gott ihn sieht, bemüht sich, für seine Taten verantwortlich zu sein. Der Atheist fühlt sich nur für sich selbst verantwortlich und er glaubt nur an sich selbst. Wenn es keinen Gott gibt, hat die Moral keinen festen Boden. Jesus wollte, dass die Menschen an Gott glauben. Darum sandte er die Apostel, damit sie seine Botschaft verkünden: Das Reich Gottes ist nahe.
Heute sind wir Zeugen der Destabilisierung der Moral. Die Krise liegt darin, dass der Mensch glaubt, dass er selbst das Gute, die Gerechtigkeit, die Liebe und den Frieden erreichen kann.
Gerechtigkeit wollen sowohl Gläubige als auch Ungläubige. Der Unterschied liegt darin, dass für den Gläubigen die Gerechtigkeit das Ergebnis des Glaubens und des eigenen Tuns ist. Der Ungläubige erwartet die Gerechtigkeit nur aus seinen eigenen Taten. Die Anwesenheit Gottes lehnt er ab. Wer eine Blume pflanzen will, braucht dazu geeignete Erde, in der die Pflanze gedeihen kann. Wenn die Erde beseitigt wird, verwelkt die Pflanze. Wenn die Anwesenheit Gottes abgelehnt wird, wird die Moral. Moralisch ist für manchen das, was der besseren Zukunft dient. Der Traum von einer besseren Zukunft erlaubt dem Menschen auch Gewaltaktionen zu unternehmen. Dafür gibt es genug Beispiele.
Eine Frau sagte: „Meine Karriere verlangt eben eine Schwangerschaftsunterbrechung. Ich habe das Recht auf eine bessere Zukunft.“ Der Zerfall der Ehen, Euthanasie, Abtreibung, Korruption, das alles entsteht, wenn die Moral nicht von Gott abgeleitet ist, sondern allein vom Menschen. Der Mensch belügt sich selbst.
Auch heute ist es notwendig, die Moral in die Gegenwart Gottes zu stellen. Es soll uns bewusst werden, dass Gott uns sieht und liebt. Aus diesem Glauben können wir dann die richtigen Entscheidungen treffen. Gott wird uns am Ende unseres Lebens nicht fragen, wie groß unser Haus war, sondern wie viele Leute wir bewirtet haben. Gott wird uns nicht fragen, wie viel Geld wir verdient haben, sondern auf welche Art. Gott wird uns nicht fragen, welche Ansichten wir vertreten haben, sondern wie wir gearbeitet haben. Gott wird uns nicht fragen, wie viele Freunde wir gehabt haben, sondern wie viele wir wirklich Freunde waren. Gott, wir uns nicht fragen, in welchem Viertel wir gewohnt haben, sondern wie wir mit unseren Nachbarn ausgekommen sind. Gott wird uns nicht nach der Farbe unserer Haut fragen, sondern nach der Farbe unseres Charakters. Eine Moral, die auf Gott beruht, führt zur Verantwortung.
Darüber zeugt die folgende Erzählung: Auf dem Schiff Bounty kam es zu Aufruhr. Der Grund dafür war, dass die Matrosen dem Kapitän und seinen treuen Offizieren den Gehorsam verweigert hatten. Da Aufruhr üblicherweise mit dem Tod bestraft wurde, setzten sie sich in einen kleinen Kahn und segelten davon. Die Rebellen wussten, dass die einzige Chance, die sie hatten, war, sich auf einer verlassenen Insel ansässig zu machen. Sie wählten die Insel Pitcairn. Damit sie die Spuren hinter sich verwischten, haben sie das Schiff angezündet. Fletcher, der Führer der Rebellen, er war Christ, hatte eine Bibel von seiner Mutter. Er las sie heimlich in einer Grotte. Einmal kam John Adams zu ihm und bat ihn, auch in der Bibel lesen zu dürfen. Nach einer Zeit kam es auch unter den Rebellen zu Streitigkeiten und Gewalttätigkeiten, wobei Fletcher getötet wurde. Von den Matrosen blieben nur John Adams, die Frauen und Kinder seiner Kameraden am Leben. Die Bibel wurde John Adams zum geistlichen Lehrer. Sie hat nicht nur John geführt, sondern auch die anderen. Sie gab ihnen die Ruhe zurück, sie erzog sie, sie lehrte sie, sie lieben und verzeihen zu lassen. Nach vielen Jahren sind dort Missionare hingekommen. Sie haben dort nicht Wilde getroffen, sondern Christen, die nach dem lebten, was die Bibel lehrt.
Der heilige Augustinus sagte einmal: „Wenn wir richtig denken, sind wir in Gott, wenn wir richtig leben, ist Gott in uns.“
Bitten wir: Herr, erfülle uns mit deiner Gegenwart. Wenn du in uns lebst, wird unser Tun richtig und unser Leben gelingen!