Archiv für den Monat: August 2014
23. Sonntag A Mt 18,15-20
Einleitung
In einem makaberen Witz wird ein Mann, der für seine Freveltat zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt wurde, gefragt, was sein letzter Wunsch sei. Seine Antwort war: „Der Richter soll mich im letzten Augenblick meines Lebens an der Hand halten.“ Ist das nicht ein ironischer Wunsch eines rächen Süchtigen?
In jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die Übles tun, und sie hat sich daher mit der Lösung dieses Problems auseinandersetzen zu müssen. Auch zur Zeit Jesu war das nicht anders. Im heutigen Evangelium werden wir hören: „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf diese nicht, dann sag es der Gemeinde.“ Diese Worte kann man aus einem juristischen, aus einem psychologischen und aus einem theologischen Blickwinkel verstehen.
Predigt
Vom rechtlichen Standpunkt aus ist es gut, das Gesetzbuch der Juden, die sogenannte Thora, zu kennen. Das sind die ersten fünf Bücher Mose in unserer Bibel. Im Buch Levitikus heißt es: „Weise deinen Stammesgenossen zurecht, so wirst du seinetwegen keine Schuld auf dich laden.“ Jede Übeltat hat Folgen für den Schuldigen und für die Gesellschaft. Menschen, die Böses tun, werden zu Gegnern Gottes. Sie handeln gegen Gottes Absicht. Gott will nämlich eine gerechte und gute Welt. Als gläubige Menschen müssen wir wissen, dass es bei solchen Problemen nicht nur um Hinschauen und Nichtstun gehen kann. Wir sollen uns nicht wie ein Vogelstrauss benehmen, der seinen Kopf in den Sand steckt. Wir müssen unsere Stimme gegen das Böse erheben. Das ist die Aufgabe der Eltern, Lehrer, Leiter und Repräsentanten des Staates. Der Inhalt der religiösen Gesetze zielt nicht auf die Verurteilung von Menschen, sondern auf die Rückführung eines Übeltäters zu einem guten Leben.
Wenn wir zum Beispiel im Evangelium die Ermahnung gehört haben: „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht“, so bedeutet dieses Zurechtweisen eigentlich eine Rüge. Das bedeutet, den Menschen die Wahrheit vor Augen zu führen – und dies nicht im Zorn, sondern in Liebe. Erst wenn ein Frevler nach solchen Bemühungen nicht gehorcht, soll er seine gerechte Strafe erhalten. Das ist Gottes Wille, und das ist schon im Gesetz des Mose verankert. Man könnte diesen Blickwinkel als juristische Betrachtungsweise bezeichnen.
Vom psychologischen Herangehen betrachtet, kann man die Hintergründe der Untat sehen, z. B. Das Leben einer Person in ihrer Kindheit in einer fragwürdigen, unordentlichen Familie. Damit ist aber nicht alles entschuldbar. Aber man kann durchaus bemerken, dass ein Mensch oft zum Übeltäter wird, weil er in seiner Familie nie Liebe erfahren und spüren durfte. Böse Taten geschehen oft aus Mangel an Liebe, denn wo sie nicht ist, kann das Böse Raum gewinnen.
Nach dem juristischen und psychologischen Blick möchte ich nun zum theologischen, also religiösen Blick kommen. Das Evangelium bringt etwas Neues. Dort heißt es: „Hört er aber nicht auf mich, dann nimm einen oder zwei Männer mit.“ Damit ist gemeint, dass sich ein sogenanntes Gerichtstribunal zum Fall äußern soll. Der Unterschied zwischen Zivilgericht und Kirchengericht besteht darin, dass die kirchliche Gemeinschaft bei Letzterem zu Gott beten kann. Es heißt ja: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Die kirchliche Gemeinschaft kann also im Gebet erbitten, dass sich der Frevler bekehrt. Die Absicht Gottes in dieser Situation ist in den Worten aus dem Buch Jesaja so ausgedrückt: „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus, ja er bringt das Recht.“ Oder an anderer Stelle – im Matthäusevangelium, Kapitel 18 –, als Petrus fragte: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt hat? Siebenmal?“, da antwortet Jesus: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzig Mal!“ Also gibt es weitere Stellen in der Bibel, die zu diesem Thema etwas aussagen. Wichtig ist dabei, dass unsere Zurechtweisung nicht von Hass und Rache begleitet wird, sondern von Liebe und Gebet. So wird Gott auch im Herzen eines bösen Menschen alles zum Guten führen.
Zum Schluss möchte ich noch eine kurze Geschichte erzählen. Irgendwo im Gebirge lebte ein Mönch, den die Leute für heilig hielten. Doch eines Tages erfuhren die Menschen, dass dieser Mönch mit einer Frau in seiner Einsiedelei lebte. Die gläubigen Menschen gingen zum Bischof, um dieses Ärgernis anzuklagen. Dieser sagte zu ihnen: „Die Sache müssen wir gründlich überprüfen.“ Nach einiger Zeit ging das ganze Dorf mit dem Bischof zur Einsiedelei hinauf. Als der Mönch sie kommen sah, versteckte er die Frau in einem Fass und setzte sich darauf. Die Menschen suchten die Frau, fanden sie jedoch nicht. Da sagte der Bischof zu ihnen: „Ich muss euch nun beim Mönch entschuldigen, weil ihr ihn falsch angeklagt habt.“ Zum Mönch sagte er aber: „Denk über dich nach und pass gut auf dich auf!“ Diese Geschichte spricht mehr von Barmherzigkeit als von Gerechtigkeit, denn der Bischof reichte dem Mönch seine Hand als Hilfe, während die anderen die ihren zu Fäusten ballten.
Wir sollten unsere Hände lieber zum Gebet falten. Wenn wir uns in jeder Situation an Jesus wenden, werden wir sehen, dass in der Welt weniger das Böse und der Egoismus regieren, sondern die Liebe und Barmherzigkeit die Oberhand haben.
22 Sonntag A Mt 16,21-27
22. Sonntag A 2014
Einleitung
Weltmeisterin im Weinen ist eine Amerikanerin. Sie weinte zweieinhalb Stunden ohne Zuhilfenahme einer Zwiebel. Sie hat also eine Medaille gewonnen. Am nächsten Tage hatte sie die Möglichkeit, ihren Rekord zu überbieten, und zwar mit einem echten, nicht gekünstelten Weinen. Ihr Mann hatte sie verlassen mit all ihren Ersparnissen. Beim Wettbewerb hatte sie also ihre Tränen vorgespielt, am nächsten Tag wurden sie ernst. Im Leben jedes Menschen sind Tränen einmal Zeichen der Freude und des Glücks, ein andermal wieder Zeichen des Schmerzen und der Enttäuschung. Niemand auf der Welt kann immer nur lächeln. Jeder muss sein Kreuz tragen und auch darüber manchmal weinen.
So sind auch die Worte Jesu im heutigen Evangelium zu verstehen, wenn es heißt: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn,wer sein Leben retten wird es verlieren,wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“. Einfach gesagt, ob man will oder nicht, unsere Wege sind nicht immer nur freudig, sie können uns auch schwer belasten und wir müssen sie als unser Kreuz annehmen. Von diesem Kreuz ist eben im heutigen Evangelium die Rede.
Predigt
Es ist leicht ,,Weltmeister“ zu sein, wenn man gesund ist. Man ist berühmt und die Zeitungen berichten davon. Schwerer ist es, „Weltmeister“ zu sein, wenn man krank ist, wenn man verlassen wird, wenn man enttäuscht wird. Kraft zu haben, um Schwierigkeiten zu überwinden, ein Kreuz zu tragen, ist keine leichte Situation. Jesus ist aber immer an unserer Seite und will uns Kraft geben.
Wie ging Jesus mit seinem Leiden in seinem Leben um? Er hat es weder gesucht, noch vermieden. Es tat ihm weh, wenn die Pharisäer ihn ablehnten. Es tat ihm sicherlich auch weh, zu seinen Jüngern zu sagen, er müsse nach Jerusalem gehen und dort vieles erleiden. Auch schmerzte es ihn, dass Judas ihn verraten h. Jesus erlebte also auch Verlassenheit und Verurteilung. Aber er erlebte sie in der Vereinigung mit seinem Vater. Er folgte und vertraute ihm.
Es war für Jesus leicht ein „Weltmeister“ zu sein, wenn alle auf ihn schauten, ihn zuhörten und sahen, dass er Wunder wirkte, wie zum Beispiel bei der Brotvermehrung oder wenn sie ihn zum König machen wollten. In Jesus aber zeigt sich der wahre „Weltmeister“ als er gegeißelt, gekreuzigt und zum Tode verurteilt wurde – und das alles für uns, für unsere Erlösung.
Zu jener Zeit aber begriff Petrus den Sinn des Leidens noch nicht. Darum sagte er zu Jesus: „Das soll Gott verhüten. Das darf nicht mit dir geschehen!“ Jesus antwortete ihn darauf: „Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen!“ Und was wollte Jesus damit sagen? Er wollte damit sagen, dass auch das Leiden im Leben eines Menschen einen Sinn hat.
Wenn ein Mensch an der Hand einen Tumor entdeckt, dann fragt er sich: „Ist das ein Krebs? Was wird mit mir geschehen?“ Gerade in einer solchen Situation, ist es entscheidend, sich Jesus zuzuwenden, denn er hat für uns ein Leben in Ewigkeit. Das ist nicht einfach, aber Jesus ist bei uns, auch wenn wir ratlos und traurig sind. Er liebt uns und gibt uns Kraft, ein Leiden anzunehmen. Aber es ist natürlich auch verständlich, dass da die Frage auftaucht: „Wo ist Gott? Warum greift er nicht ein?“ Auch Petrus dachte damals bei der Ankündigung des Leidens Jesu so: „Gott wird sicher eingreifen, er erlaubt nicht, dass Jesus leidet.“Petrus musste seine Ansicht allmählich ändern. Er stellte fest, dass Gott anders denkt als wir Menschen.
Der Schweizer Psychotherapeut Carl Gustav Jung verglich einmal die Einstellung zum Leiden aus der Sicht Buddhas und aus der Sicht Jesus. Buddha hat das Leiden im Gegensatz zu Jesus ausgeklammert, das entsprach nicht seinen Gefühlen. Aber ist das wirklich menschlich?
Jung begriff welch große Rolle die Einstellung zum Leiden im Leben eines Menschen spielt. Er schrieb: In Europa wird versucht, das Leiden mit Tabletten und Drogen zu verdrängen. Im Osten ist man bemüht, den Kontakt mit der Welt zu unterbrechen und so das Leiden zu vermeiden. Weder die erste noch die zweite Einstellung ist richtig. Der einzig richtige Weg ist der Weg durch das Leiden. Leiden kann man nur dadurch überwinden, indem man es zu ertragen lernt. Das kann man nur vom Gekreuzigten lernen. Leiden zu unterdrücken führt zu Neurosen und das ist nicht gut. Ich sollte lieber die Verbindung mit Jesus suchen.
Liebe Schwestern und Brüder! Es gibt kein Leben ohne Leid, ohne Schmerzen, ohne Enttäuschungen, ohne Schuld, ohne Trauer, Einsamkeit oder Krankheit und am Schluss der Tod. Aber seien wir gewiss, wir sind nie allein, denn Jesus hat uns verheißen: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt. Der Herr ist also immer bei uns und geht alle Wege mit uns.
21 Sonntag A Mt 16, 13-20
Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes
Einleitung
In einer australischen Hafenstadt kam ein Tourist ins Arztzentrum, weil ein Fischhaken tief in seine Hand eingedrungen war. Es war aber gerade Wochenende; deshalb rief eine Schwester den zuständigen Arzt an. Da kam ein fescher, junger Mann im farbigen Hemd und mit Sandalen, und der Tourist sagte zu ihm: „Sie sehen nicht aus wie ein Doktor.“ Da meinte dieser: „Sie sehen auch nicht aus wie ein Fischer.“ Man kann sich also anhand des Aussehens eines Menschen kein bestimmtes Urteil bilden. Man kann sich da sehr täuschen. Es ist nämlich nicht wesentlich, welches Hemd und welche Sandalen ein Arzt trägt, sondern ob er ein guter Chirurg ist und diesen Haken wieder entfernen kann. Mein Vorschlag ist, einen Menschen lieber nach seinen Fähigkeiten zu beurteilen.
Vor 2000 Jahren stellte Jesus die Frage: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ Petrus hätte sagen können: „Du siehst nicht aus wie der Messias; du bist wie die anderen Menschen. Du kleidest dich wie die anderen, du isst und schläfst wie die anderen.“ Petrus aber konnte nicht beirrt werden. Er hatte die Wunder von Jesus gesehen, er hatte seine Reden gehört, und aufgrund dessen erkannte er und sagte: „Du bist der Messias , der Sohn des lebendigen Gottes.“
Predigt
Das Wort „Messias“ bedeutet „der Gesalbte“. Wenn eine Mutter ihr Kind badet, dann salbt sie es mit Kindercreme, um es dadurch vor dem Wundwerden zu schützen. Von der Mutter gesalbt zu werden, bedeutet also, von der Mutter geliebt zu werden. Wenn wir sagen, dass Jesus der „Gesalbte“ ist, dann bedeutet das: Er steht ganz unter dem Schutz seines Vaters und in der Fürsorge Gottes.
Aus der Geschichte wissen wir, dass die Einführung in ein Amt durch Salbung erfolgte. Heute macht man das vielfach durch Ernennung und Verlesung eines Dekrets. In der Vergangenheit war man des Lesens weniger kundig; so war die Salbung notwendig, zum Beispiel, wenn jemand zum König ernannt wurde. Diese Salbung diente auch der Repräsentation und der Unterscheidung von anderen Menschen.
Für die Juden war der Messias der zweite Moses, der Wichtiges sagen und Wundertaten tun wird wie Moses. Sie meinten, dass der Messias also jemand ganz Besonderer sein wird, der Gottes Wirken zeigen, das Volk von aller Vorherrschaft befreien und die politische Situation zugunsten des jüdischen Volkes ändern wird.
Schon im Lukasevangelium wird vom Messias des Herrn die Rede. Dort heißt es: „In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Oder an anderer Stelle heißt es – das war damals, als Jesus am Kreuz starb und ihn die römischen Soldaten verspotteten: „Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen,wenn er der erwählte Messias Gottes ist. “ Auch dort wird diese Wortverbindung ‚Messias Gottes‘ verwendet, obwohl Jesus in dieser Situation nicht wie ein Messias aussah.“
Der Unterschied zwischen der menschlichen Salbung zum König und der Salbung Jesu ist aber groß. Bischof Petrus Chrysologus aus Ravenna schreibt, dass Jesus nicht nur von außen gesalbt ist, sondern in seine Person das Öl der Gottheit hineingegossen wurde. Während seines Lebens bewahrte Jesus dieses Öl im Gefäß seines Leibes. Darum spüren die Menschen an seinen Worten und Taten, dass er gut und liebenswürdig ist. Jesus bewies durch sein Leben, dass er der Messias Gottes ist.
Auch wir sollten uns mit Petrus bekennen: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes. Das bedeutet, dass wir von dir Hilfe erwarten können. Du bist der, der unserem Leben die ursprüngliche Schönheit zurückgibt.“
Der Heilige Augustinus schrieb in diesem Zusammenhang: „Wenn wegen der Sorgen und der Trauer auf unserem Gesicht Tränen erscheinen, so trocknet der Glaube an Gottes Verheißungen diese Tränen. Glaubt, dass Gott unser Vater ist! Er kümmert sich um uns wie um seinen Sohn, weil wir seine Kinder sind. Dieser Glaube, dass unser Leben unter Gottes Schutz und Sorge steht, bringt Ruhe.
Das illustriert auch die folgende Geschichte: Während des Zweiten Weltkrieges gerieten viele Deutsche in die russische Gefangenschaft. Diese Geschichte trug sich im Jahre 1946 in einem Gefangenenlager in Russland zu. Es war der Heilige Abend. Die Gefangenen legten sich nach der harten Arbeit auf ihre Liegen, um möglichst bald einzuschlafen. Einige versuchten jedoch, Weihnachten zu feiern. Sie erinnerten sich an einige weihnachtliche Melodien. Das aber war alles. Statt des Weihnachtsbaumes stand in der Mitte des Zimmers ein funkelndes Licht. Alle sehnten sich nach ihrer Heimat. Plötzlich trat der Lagerkommandant ein und sagte: “ Alle raus, auf den Hof!“ Die Gefangenen dachten: Jetzt kommt wieder das Zählen der Gefangenen und wir werden stundenlang in der frostigen Kälte stehen. Der Lagerkommandant sagte aber zu den Gefangenen, und der Dolmetscher übersetzte es auf Deutsch: „Gefangene, in eurer Heimat wird heute Weihnachten gefeiert. Hier in der Sowjetunion haben wir keine Zeit für dieses Fest. Hier wird für das Wohl des Weltproletariats gearbeitet. Darum werden wir jetzt zum Zeichen der Verbindung mit allen Arbeitenden „Die Internationale“ singen. Der Kommandeur und der Dolmetscher begannen zu singen. Aber in den hinteren Reihen der Gefangenen begann jemand, ein anderes Lied zu singen. Es war „Die stille Nacht, heilige Nacht“. Die übrigen Gefangenen stimmten sofort mit ein. Der Dolmetscher bemühte sich, mit den Worten der „Internationale“ sie zu übertönen. Je lauter er schrie, desto lauter wurde das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Dann kamen die Worte: „Christus, der Erlöser, ist da.“ Diese Worte klangen wie ein Glaubensbekenntnis. Dann ist eine unheimliche Stille eingetreten. Der Lagerkommandant verstand kein Deutsch und fragte daher den Dolmetscher: „Was singen die da für ein Lied?“ Der Dolmetscher war bestrebt, die Situation zu retten, und sagte: „Das war die Internationale nach der deutschen Melodie.“ Die Gefangenen sagten damals: „Jesus, du bist der Sohn des lebendigen Gottes.“ Es ist bemerkenswert, dass diese Gefangenen unter solchen schwierigen Bedingungen ihren Glauben bewahrten.
Lectio divina – die Meditation.
Probieren Sie, auf diese folgende Frage zu antworten:
Wenn Sie die Speise auswählen, wählen Sie sie danach, dass sie Ihnen schmeckt, oder nach den Nährstoffen, die Ihr Körper braucht. Was ist bei Ihrem Entschluss stärker? Dass ihnen das Gericht schmeckt, oder dass das Gericht gebraucht, nutzbar, rational ist. Was sich ihnen tiefer ins Gedächtnis eingeprägt und stärker ihre Handlung beeinflusst?
10 Sekunden, während derer sie mit dem Auto Höflings in die Kluft fallen, oder vier Stunden beim Auswendiglernen der lateinischen Pflanzen- und Bäumchen-Termine. Selbstverständlich 10 Sekunden, während wir… Warum ist das so? Schuldig sind selbstverständlich unsere Gefühle, die wesentlich an der Beherrschung unseres Lebens und unserer Handlungen teilnehmen. Unter unserem Herzen und unter unseren Gefühlen gibt es enge und vertraute Beziehungen. Unser Herz beherrscht uns durch unsere Gefühle. Die Gefühle reagieren schneller als unser Verstand. Je stärker die Empfindungen sind, die das, was wir erleben, begleiten, desto tiefer schreiben sie sich ins Herz. Wenn die Gefühle positiv sind (Erfolg, Freude, Wollust), reagiert das Herz mit Freude und Lust. Wenn die Gefühle negativ sind, sind die Reaktionen Unlust, Widerspruch und Angst. Dann, wenn wir in dieser Lage handeln müssen, handeln wir mit Bemühung und Überwindung. Mit einem Wort: gegen unsere eigene Überzeugung.
Meditation
Die Meditation ist das Werkzeug, das die Emotionen darauf ausnutzt, dass die Information in unser Gemüt , in unser Herz, gelangt. Es muss sich nicht notwendigerweise um Emotionen wie Euphorie oder Ekstase handeln. Die Meditation nützt eher den Gefühlen des Erstaunens, der Rührung, der Ehrfurcht. Das Wesen der Meditation ist zu der meditierten Information die Emotionen zugeben, die versichern, dass die Information in unser Inneres, in unser Unterbewusstsein, eindringt.
Funktionieren der Meditation
Am Anfang ist die Information, das Wort, die Musik, das das Bild, das Geschehnis, die wir stattdessen, indem wir sie nur aufnehmen/erhören, intensiv bemühen, erleben. Wir lassen uns durch sie ganz entzücken und durchdringen. Das Ziel der Meditation ist ein intensives Erlebnis, hervorgerufen durch die Emotionen und Gefühle. Ohne die Besänftigung und Relaxation widmen wir den einzelnen Anlässen und Impulsen nur ein paar Prozent der Aufmerksamkeit. Die übrigen Prozente unserer Aufmerksamkeit verschlingen die anderen Wahrnehmungen, Gedanken und unsere Tätigkeit. Das idealistische Ziel der Meditation ist der Zustand, in dem wir ihr 100 Prozent Aufmerksamkeit widmen. Vielleicht meditierte schon jeder von uns/unwillkürlich. Aber die wirkliche Meditation kann für uns genug ungewohnt sein. Damit wir uns mit der Meditation befreunden, beginnen wir mit der Musikmeditation. Die Gründe sind nachfolgend. Die Musik hat meist eine stärkere emotionale Wirkung als ein Wort oder ein Bild. Sie erleichtert die Meditation. Während der Meditation bemühen wir uns , nichts zu kontrollieren oder zu beherrschen. Auf der anderen Seite wehren wir uns nicht gegen die Gefühle und Reaktionen, die die meditierte Information in uns hervorruft. Im Gegenteil, lassen wir uns von ihr frei hinreißen.
Einige Tippen zum Schluss
Die Meditation ist etwas ganz Passives. Sie müssen sich noch vor der Meditation von der Versuchung, sich zu kontrollieren, abwenden. Künstlich in uns einige Empfindungen und Launen hervorrufen oder ablehnen. Bestreben wir uns nicht, die Meditation zu schätzen, ob sie gut war oder nicht? Lernen wir nichts mehr, sondern sind nur engagierte Beobachter, die es zulassen, dass die meditierten Gedanken sich entfalten, ähnlich wie Urlauber, die sich am Strand den Strahlen der Sonne aussetzen. Setzen wir uns dem meditierten Gedanken aus, wie die Urlauber sich auf dem Strand den Strahlen der Sonne, oder wie ein Segelboot dem Wind und den Wellen. Bei der Meditation wählen Sie eine solche Körperlage, in der Sie maximal entspannt sind, aber zugleich wachsam. Heute bekommen wir für die Meditation verschiedene Hilfsmittel. Verschiedene Stühle: Meditieren kann auch liegend sein. Das hat seine Vorteile (Entspannung, Bequemlichkeit), aber auch seine Nachteile (Wachverlust).
Lectio divina-Das Phänomen der Wüste
Die Wüste
In der Bibel und im Christentum stoßen wir oft auf die Wüste. Durch die Wüste führte der Weg des Volkes Israels aus der ägyptischen Sklaverei ins verheiße Land. Auf der Wüste lebten die größten Propheten, darunter Elija. Auch der Vorgänger Jesu – Johannes der Täufer – lebte in der Wüste. Vierzig Tage und Nächte verbrachte in der Wüste auch Jesus, und später begab sich das in einer Einöde. Und hier ist es die Tradition des Christentums. Was für eine Rolle spielte die Wüste im Leben der Menschen? Die Welt, in der wir leben, ist die Welt der ungläubigen Hektik, der Hetze, des Stresses. Heute noch mehr als in der Vergangenheit. In unserem Gemüt sind ungläubige Gedanken, eine Menge Emotionen, Pläne, Bilder aus Filmen und Illustrierten.
Probieren Sie ein kleines Experiment. Schließen Sie die Augen und denken Sie eine Minute lang an nichts. Nur sitzen schweigend. Wir sind so sehr auf das, was wird, oder auf das, was war, orientiert, dass uns völlig die Anwesenheit entgeht. Wir verfehlen uns mit Gott. Wir können Gott in der Hektik und Hetze nicht treffen. Gott ist der Gott des anwesenden Augenblickes. Wenn wir unser Leben in Träumereien von der Zukunft oder im Erinnern an die Vergangenheit verbringen , verfehlen wir Gott.
Die wichtigste Stunde ist immer die anwesende. Der bedeutendste Mensch ist der,der uns gegenübersteht, und die notwendigste Tat ist immer die Liebe. Meister Eckhart.
Der Feind des Nachsinnens
Der Rummel und die Hast sind die Feinde der Betrachtung und der Meditation. Beide verlangen nämlich Konzentration, Wahrnehmen und Hören. Die Konzentrationsschwäche, wie wir sie verstehen, verursacht uns auch bei den üblichen Tätigkeiten Probleme. Bei dem Lehren wissen wir uns nicht zu konzentrieren, manchmal etwas zu übersehen. Unsere Gedanken sind – überall, nur dort nicht, wo sie sein sollen.
Der heilbringende Wüste
Die Wüste ist ein öder Platz, weit von den Menschen, von der Welt, wo wir nichts schauen können, nichts hören können, wo nur die Stille, die Leere herrschen. Die Wüste ist der Ort, an dem kein Lärm ist. Wo der Mensch sich konzentrieren kann. Die Wüste ist das Schlüsselwort der Befreiung. Der Mensch verzichtet auf „haben“ und konzentriert sich auf ‚sein‘. Die Wüste ist zugleich der Ort, wo dem Menschen nichts anderes bleibt, nur jetzt und hier zu sein, allein mit sich selbst, ohne Zerstreuung, ohne die Möglichkeit, zu entkommen. Was aber können wir machen für die, für die, für die Wüste, die Einsamkeit unerreichbar ist? Zur Hilfe kommt die Relaxation.
Die Relaxation
Die Relaxation ist keine Wüste. Aber sie kann uns helfen, in die Lage zu treten, die der der Wüste ähnlich ist. Das Ziel ist, das Gemüt zu leeren, zu beunruhigen und zu besänftigen und so es auf den weiteren Schritt vorzubereiten, und das ist die Meditation. Die Prinzipien, die sie ausnutzen: die Verbindung des Körpers mit der Seele. Wenn wir nervös sind, beschleunigt sich unser Atmen, und unser Magen krampft sich zusammen. Aber auch die Abstammung des Leibes hilft dem Gemüt nicht, sich zu beruhigen. Wenn wir unseren Leib auf einmal entspannen versuchen, wird es uns nicht gelingen. Unseren Leib müssen wir allmählich entspannen. Die Relaxation bemüht sich, so viel wie möglich den Leib zu entspannen, und der entspannte Leib hilft uns, unser Gemüt zu lockern – das ist das Ziel. Außer der Relaxation gibt es auch die anderen überprüften Werkzeuge, die es ermöglichen, ein bisschen Stück der Wüste in unser Leben zu bringen. Es ist die Fastenzeit, im Sinne der leichten und mäßigen Kost, dann die Stille und das Schweigen. Das Ausweichen vom Gedärmen, vom unnötigen Quatschen.
Die Typen zum Schluss
Finden Sie Ihren Platz am besten im Zimmer, in dem Sie während des Gebets/der Meditation allein sein können. Versichern Sie, dass Sie während der Betrachtung von nichts und niemandem gestört werden, weder von Ihren Familienangehörigen noch vom Telefon.
Die Regel der Einsamkeit
1 Wenigstens eine halbe Stunde der Einsamkeit täglich
2 Wenigstens ein halber Tag der Einsamkeit wöchentlich
3 Wenigstens 3-7 Tage Einsamkeit/Geistliche Übungen/ jährlich
20. Sonntag im Jahreskreis A Mt 15, 21-28
Einleitung.
Das heutige Evangelium spricht über den Glauben. Jesus sagt zur kanaanäischen Frau: „Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Der Glaube dieser Frau überwindet viele Hindernisse. Der Glaube ist keine einfache Sache. Glauben – das bedeutet nicht, philosophieren, sondern das, was wir glauben, sollen wir auch in unserem Leben verwirklichen. Das geht nicht ohne Opfer und ist daher nicht leicht. Viele moderne Menschen von heute meinen, wenn sie mit Glaubensforderungen konfrontiert werden, dass das nicht zeitgemäß sei. Wir leben heute in einer anderen Zeit. Es ist interessant, dass diese Aussprüche immer dann getan werden, wenn der Glaube ein Opfer verlangt. Es soll uns da aber klar sein, dass wir den Glauben verlieren, wenn wir für ihn keine Opfer bringen. Davon spricht das heutige Evangelium.
Predigt
Die Frau, von der das heutige Evangelium spricht, stammt aus einer Region, die bei den Juden einen schlechten Ruf hat. Für sie ist das die Region der Heiden und der Gottlosen. Nun erlaubt sich diese Frau sogar, Jesus zu rufen. Doch vorerst wird sie von Jesus nicht beachtet. Das überrascht uns aber sicherlich, denn Jesus ist ein Mann voller Güte und Liebenswürdigkeit. Aber dieses Nichtbeachten seitens Jesu hat seine besondere Bedeutung.
Die Frau lässt aber nicht locker, sodass ihr Geschrei die Apostel ziemlich nervt. Sie verlangen daher von Jesus, dass er die Bitte der Frau erhöre. Jesus schaut die Frau an, aber er handelt hart. Er sagt: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Das bedeutet, er sei nur an die Juden gesandt, also macht er damit eine Anspielung auf die Herkunft der Frau.
Auch das hält die Frau nicht davon ab; sie lässt sich nicht so schnell abfertigen. Da wird Jesus noch härter und sagt: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Er meint mit den Kindern die Juden und mit den Hunden die Heiden, und die Frau verstand diese Worte sehr gut. Wahrscheinlich wären viele an ihrer Stelle beleidigt geworden und weggegangen. Die Frau entgegnet aber zur Überraschung aller: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Das heißt, sowohl die Kinder als auch die Hunde bekommen etwas; niemand ist ausgeschlossen. Daraufhin folgt die Belohnung Jesu. Er sagt zu der Frau: „Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen.
Ich fasse kurz nochmals zusammen: Die Frau sorgt sich also nicht, dass Jesus sie nicht beachtet. Sie macht Jesus darauf aufmerksam, dass sie nicht Jüdin ist, und er vergleicht sie mit den Hunden. Das alles hielt diese Frau aus, und zum Schluss kommt die Belohnung – die Genesung ihrer Tochter.
Was können wir aus dem heutigen Evangelium lernen? Der Glaube ist keine einfache Sache; er muss anspruchsvollen Prüfungen standhalten. Jesus legt uns Schwierigkeiten und Hindernisse in den Weg, damit unser Glaube stark und widerstandsfähig wird. Er freut sich, wenn wir auch einige aushalten. Auf unsere Herkunft spielt Jesus nicht an, aber wir müssen mit unserer eigenen Bequemlichkeit kämpfen. Wichtig ist dazu die heilige Messe, wo wir Jesu Wort hören und mit ihm ganz enge Gemeinschaft erleben können in der Kommunion, und unerlässlich ist auch das Gebet. Leider gibt es in Europa unendlich viele Menschen, die monatelang weder in die Messe gehen noch beten, weil sie scheinbar dafür keine Zeit haben. Warum haben sie keine Zeit? Sie haben so viele Interessen, so viel Arbeit, so viele Pläne und da bleibt für ein geistliches Leben wirklich keine Zeit.
Doch unser Glaube verlangt, dass wir Gott in unserem Leben an die erste Stelle setzen. Lassen wir uns nicht von den Menschen beeinflussen, die ganz ohne Gott leben, sondern wirken wir unseren Glauben auch nach außen, auch wenn das nicht immer leicht ist. Mögen uns dazu die Beispiele vieler Menschen, die den Glauben lebten, ermuntern. Ich möchte hier ein Beispiel eines berühmten Erfinders anführen, der festen Glauben hatte. Sein Glaube war aber nicht ohne Hindernisse, die er mit Gottes Gnade überwinden konnte. Bei einem Besuch in Paris bestieg der den Eiffelturm und schrieb Folgendes ins Gedenkbuch: Herrn Eiffel, dem Ingenieur und Baumeister, gehören meine Bewunderung und Achtung. Aber noch größere Bewunderung und Achtung gehört Gott, dem Schöpfer des Weltalls.
Immer – zu jeder Zeit – müssen Menschen um ihren Glauben kämpfen – so auch heute. Lassen wir uns von unserem Glauben nicht abbringen. Bitten wir den Herrn, er möge unseren Glauben stärken, damit wir das ewige Ziel im Himmel erreichen können.
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