Archiv für den Monat: August 2014

Die Erklärungen der heiligen Messe II

Wenn wir die heilige Messe überstehen wollen, müssen wir pünktlich erscheinen und uns bemühen, uns zu konzentrieren. Dann erschallt die Glocke; wir stehen auf und beginnen, das Lied zu singen. Das Lied dient dazu, dass wir uns durch es zu einem Ganzen vereinen. Schon der heilige Augustinus sagte: „Wer liebt, singt.“ Der Gesang ist die Verständigungssprache zwischen Gott und den Menschen. Wer singt, betet zweimal. Der Gesang hilft uns, uns zu konzentrieren. Außerdem führt er uns in die Liturgie ein. Er ist in der Fastenzeit anders, in der Weihnachtszeit anders und in der Osterzeit anders. Vor allem aber vereint uns der Gesang. Wir sollten zu dieser Zeit alle unsere privaten Andachten ablegen und wirklich mitsingen. Während des Singens tritt der Priester zum Altar.  Der Altar symbolisiert Christus. Dies ist der Ort, an dem sich Vergänglichkeit und Ewigkeit treffen. Die tiefe Verbeugung und der Kuss des Altars sind Ausdruck des Respekts vor Christus. Sie sind der Ausdruck dafür, dass der Priester früher aus Christus schöpfen wird, als er zu den Menschen spricht. Der Priester ist dazu von Gott auserwählt. In der heiligen Messe ist Christus selbst im Priester zugegen. Wenn der Priester das Evangelium liest, spricht Christus selbst. Wenn der Priester das Brot und den Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt, dann ist es Christus selbst, der dieses Werk tut. Der Priester ist der Verwalter der Geheimnisse Gottes, durch Christus gesandt. Er vorsitzt die ganze Versammlung und tritt in seinem Namen auf. Er muss sich dessen bewusst sein, dass er nicht wichtig ist. Er soll den Menschen ermöglichen, sich mit Christus zu treffen. Die heilige Messe beginnt mit dem Kreuzzeichen. Das Kreuzzeichen machen wir zusammen mit dem Priester. Die heilige Messe ist nicht nur irdische Wirklichkeit, sondern berührt auch die Ewigkeit. Durch das Christuskreuz können wir zu Gott hinzutreten. Das Kreuz ist der Schlüssel, der uns die Schatzkammer der Gnaden öffnet. Diese Schatzkammer ist die heilige Messe. Der Priester öffnet dann die Hände. Das ist wie die Geste eines Hausherrn, der die Kommenden willkommen heißt und ihnen entgegnet.  Die Kirche ist das Haus für alle.  Alle sollten sich hier wie zu Hause fühlen. Der Priester begrüßt sie nicht in seinem eigenen Namen, sondern im Namen Christi. Und darum verwendet er den biblischen Gruß. Er wünscht den Anwesenden Gottes Gnade und Liebe. Dieser Gruß kann sehr kurz und einfach sein. Zum Beispiel: „Der Herr sei mit euch.“ „Der Herr sei mit euch.“ Anschließend soll der Priester die Versammlung willkommen heißen und das Geheimnis erklären, das wir bei der heiligen Messe wachrufen. Er erklärt kurz die Bedeutung des Festtages. Es soll keine Predigt sein, sondern nur eine kurze Einleitung. Danach folgt die Bußfertigkeit. Es ist notwendig, zu verzeihen und sich mit seinen Brüdern auszusöhnen, bevor wir Gott unsere Gabe anbieten. Die Formel des allgemeinen Bekenntnisses stammt aus dem 11. Jahrhundert und macht deutlich, dass die Sünde nicht nur eine private Angelegenheit ist, sondern auch die Kirche verletzt. Das Schlagen an die Brust bedeutet. „Ich verdiene die Bestrafung.“ Das ist meine Schuld. Ich bin wie der Zöllner, der sich an die Brust schlug und betete. Gott sei mir, Sünder, gnädig. Wir sollen nicht nur unsere Sünden, sondern auch unsere Versäumnisse bekennen. Wir sagen aber, dass wir sündigen, auch wenn wir nicht das tun, was wir tun sollten, wenn wir die Handlung des Wohls vernachlässigen. Sobald wir unsere Schuld bekennen, wird die Sünde für uns nicht mehr gefährlich. Maria und die Heiligen sind unsere Fürbitter. Sie bitten für uns. Wir sollen über unser Leben nachdenken und unsere Sünden bereuen. Die Kirche verpflichtet die Gläubigen, die sich ihrer schweren Sünden bewusst sind, zuerst zur Beichte zu gehen. Wenn sie sich ihrer schweren Sünden nicht bewusst sind, vergibt Jesus bei der heiligen Messe auch die alltäglichen Sünden. Allgemeines Bekenntnis stammt aus dem 11. Jahrhundert und will uns sagen, dass die Sünde keine private Sache ist, sondern die Kirche verletzt. Das Schlagen an die Brüste bedeutet. Ich verdiene mir die Bestrafung. Das ist meine Schuld. Ich bin wie der Zöllner, der sich an die Brust schlug und betete. Gott sei mir, Sünder, gnädig. Nehmen wir wahr , dass einige nicht zu bekennen sind. Wir aber sagen, dass wir sündigen auch damals, wenn wir das nicht machen, was wir sollten machen. wenn wir die Handlung des Wohls vernachlässigen. Sobald wir unsere Schuld bekennen, hört die Sünde auf , für uns gefährlich zu sein. Maria und die Heiligen sind unsere Fürbitter. Sie befürworten uns. Wir sollen über unser Leben nachdenken und unsere Sünden bereuen. Die Kirche verpflichtet die Gläubigen, die sich schwerer Sünden bewusst sind, zuerst zur Beichte zu gehen. Wenn sie sich der schweren Sünden nicht bewusst sind, vergibt Jesus bei der heiligen Messe auch alltägliche Sünden.

23. Sonntag A Mt 18,15-20

 

Einleitung

In einem makaberen Witz wird ein Mann, der für seine Freveltat zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt wurde, gefragt, was sein letzter Wunsch sei. Seine Antwort war: „Der Richter soll mich im letzten Augenblick meines Lebens an der Hand halten.“ Ist das  nicht ein ironischer Wunsch eines rächen Süchtigen?

In jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die Übles tun, und sie hat sich daher mit der Lösung dieses Problems auseinandersetzen zu müssen. Auch zur Zeit Jesu war das nicht anders. Im heutigen Evangelium werden wir hören: „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf diese nicht, dann sag es der Gemeinde.“ Diese Worte kann man aus einem juristischen, aus einem psychologischen und aus einem theologischen Blickwinkel verstehen.

Predigt

Vom rechtlichen Standpunkt aus ist es gut, das Gesetzbuch der Juden, die sogenannte Thora, zu kennen. Das sind die ersten fünf Bücher Mose in unserer Bibel. Im Buch Levitikus heißt es: „Weise deinen Stammesgenossen zurecht, so wirst du seinetwegen keine Schuld auf dich laden.“ Jede Übeltat hat Folgen für den Schuldigen und für die Gesellschaft. Menschen, die Böses tun, werden zu Gegnern Gottes.  Sie handeln gegen Gottes Absicht. Gott will nämlich eine gerechte und gute Welt. Als gläubige Menschen müssen wir wissen, dass es bei solchen Problemen nicht nur um Hinschauen und Nichtstun gehen kann.  Wir sollen uns  nicht wie ein Vogelstrauss benehmen, der seinen Kopf in den Sand steckt. Wir müssen unsere Stimme gegen das Böse erheben. Das ist die Aufgabe der Eltern, Lehrer, Leiter und Repräsentanten des Staates. Der Inhalt der religiösen Gesetze zielt nicht auf die Verurteilung von Menschen, sondern auf die Rückführung eines Übeltäters zu einem guten Leben.

Wenn wir zum Beispiel im Evangelium die Ermahnung gehört haben: „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht“, so bedeutet dieses Zurechtweisen eigentlich eine Rüge. Das bedeutet, den Menschen die Wahrheit vor Augen zu führen – und dies nicht im Zorn, sondern in Liebe. Erst wenn ein Frevler nach solchen Bemühungen nicht gehorcht, soll er seine gerechte Strafe erhalten. Das ist Gottes Wille, und das ist schon im Gesetz des Mose verankert. Man könnte diesen Blickwinkel als juristische Betrachtungsweise bezeichnen.

Vom psychologischen Herangehen betrachtet, kann man die Hintergründe der Untat sehen, z. B. Das Leben einer Person in ihrer Kindheit in einer fragwürdigen, unordentlichen Familie. Damit ist aber nicht alles entschuldbar. Aber man kann durchaus bemerken,  dass ein Mensch oft zum Übeltäter wird, weil er in seiner Familie nie Liebe erfahren und spüren durfte. Böse Taten geschehen oft aus Mangel an Liebe, denn wo sie nicht ist, kann das Böse Raum gewinnen.

Nach dem juristischen und psychologischen Blick möchte ich nun zum theologischen, also religiösen Blick kommen. Das Evangelium bringt etwas Neues. Dort heißt es: „Hört er aber nicht auf mich, dann nimm einen oder zwei Männer mit.“ Damit ist gemeint, dass sich ein sogenanntes Gerichtstribunal zum Fall äußern soll. Der Unterschied zwischen Zivilgericht und Kirchengericht besteht darin, dass die kirchliche Gemeinschaft bei Letzterem zu Gott beten kann. Es heißt ja: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Die kirchliche Gemeinschaft kann also im Gebet erbitten, dass sich der Frevler bekehrt. Die Absicht Gottes in dieser Situation ist in den Worten aus dem Buch Jesaja so ausgedrückt: „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus, ja er bringt das Recht.“  Oder an anderer Stelle – im Matthäusevangelium, Kapitel 18 –, als Petrus fragte: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt hat? Siebenmal?“, da antwortet Jesus: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzig Mal!“ Also gibt es weitere Stellen in der Bibel, die zu diesem Thema etwas aussagen. Wichtig ist dabei, dass unsere Zurechtweisung nicht von Hass und Rache begleitet wird, sondern von Liebe und Gebet. So wird Gott auch im Herzen eines bösen Menschen alles zum Guten führen.

Zum Schluss möchte ich noch eine kurze Geschichte erzählen. Irgendwo im Gebirge lebte ein Mönch, den die Leute für heilig hielten. Doch eines Tages erfuhren die Menschen, dass dieser Mönch mit einer Frau in seiner Einsiedelei lebte. Die gläubigen Menschen gingen zum Bischof, um dieses Ärgernis anzuklagen. Dieser sagte zu ihnen: „Die Sache müssen wir gründlich überprüfen.“ Nach einiger Zeit ging das ganze Dorf mit dem Bischof zur Einsiedelei hinauf. Als der Mönch sie kommen sah, versteckte er die Frau in einem Fass und setzte sich darauf. Die Menschen suchten die Frau, fanden sie jedoch nicht. Da sagte der Bischof zu ihnen: „Ich muss euch nun beim Mönch entschuldigen, weil ihr ihn falsch angeklagt habt.“ Zum Mönch sagte er aber: „Denk über dich nach und pass gut auf dich auf!“ Diese Geschichte spricht mehr von Barmherzigkeit als von Gerechtigkeit, denn der Bischof reichte dem Mönch seine Hand als Hilfe, während die anderen die ihren zu Fäusten ballten.

Wir sollten unsere Hände lieber zum Gebet falten. Wenn wir uns in jeder Situation an Jesus wenden, werden wir sehen, dass in der Welt weniger das Böse und der Egoismus regieren, sondern die Liebe und Barmherzigkeit die Oberhand haben.

   

22 Sonntag A Mt 16,21-27

22. Sonntag A 2014

Einleitung

Weltmeisterin im Weinen ist eine Amerikanerin.  Sie weinte zweieinhalb Stunden ohne Zuhilfenahme einer Zwiebel. Sie hat also eine  Medaille gewonnen. Am nächsten Tage hatte sie die Möglichkeit,  ihren Rekord zu überbieten, und zwar mit einem echten, nicht gekünstelten Weinen. Ihr Mann hatte sie verlassen mit all ihren Ersparnissen. Beim Wettbewerb hatte sie also ihre Tränen vorgespielt, am nächsten Tag wurden sie ernst. Im Leben jedes Menschen sind Tränen einmal Zeichen der Freude und des Glücks, ein andermal wieder Zeichen des Schmerzen und der Enttäuschung. Niemand auf der Welt kann immer nur lächeln. Jeder muss sein Kreuz tragen und auch darüber manchmal weinen.

So sind auch die Worte Jesu im heutigen Evangelium zu verstehen, wenn es heißt: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn,wer sein Leben retten wird es verlieren,wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“. Einfach gesagt,  ob man will oder nicht, unsere Wege sind nicht immer nur freudig, sie können uns auch schwer belasten und wir müssen sie als unser Kreuz annehmen. Von diesem Kreuz ist eben im heutigen Evangelium die Rede.

Predigt

Es ist leicht ,,Weltmeister“ zu sein,  wenn man gesund ist. Man ist berühmt und die Zeitungen berichten davon. Schwerer ist es, „Weltmeister“ zu sein, wenn man krank ist, wenn man verlassen wird, wenn man enttäuscht wird. Kraft zu haben, um Schwierigkeiten zu überwinden, ein Kreuz zu tragen,  ist keine  leichte Situation. Jesus ist aber immer an unserer Seite und will uns Kraft geben.

Wie ging Jesus mit seinem Leiden in seinem Leben um? Er hat es weder gesucht, noch vermieden. Es tat ihm weh, wenn die Pharisäer ihn ablehnten. Es tat ihm sicherlich auch weh, zu seinen Jüngern zu sagen, er müsse nach Jerusalem gehen und dort vieles erleiden.    Auch schmerzte es ihn, dass Judas ihn verraten h. Jesus erlebte also auch Verlassenheit und Verurteilung. Aber er erlebte sie in der Vereinigung mit seinem Vater. Er folgte und vertraute ihm.

Es war für Jesus leicht ein „Weltmeister“ zu sein, wenn alle auf ihn schauten, ihn zuhörten und sahen, dass er Wunder wirkte, wie zum Beispiel bei der Brotvermehrung oder wenn sie ihn zum König machen wollten. In Jesus aber zeigt sich der wahre „Weltmeister“ als er gegeißelt, gekreuzigt und zum Tode verurteilt wurde – und das alles für uns, für unsere Erlösung.

Zu jener Zeit aber begriff Petrus den Sinn des Leidens noch nicht. Darum sagte er zu Jesus: „Das soll Gott verhüten. Das darf nicht mit dir geschehen!“ Jesus antwortete ihn darauf: „Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen!“ Und was wollte Jesus damit sagen? Er wollte damit sagen, dass auch das Leiden im Leben eines Menschen einen Sinn hat.

Wenn ein Mensch an der Hand einen Tumor entdeckt, dann fragt er sich: „Ist das ein Krebs? Was wird mit mir geschehen?“ Gerade in einer solchen Situation, ist es entscheidend,  sich Jesus zuzuwenden, denn er hat für uns ein Leben in Ewigkeit. Das ist nicht einfach, aber Jesus ist bei uns, auch wenn wir ratlos und traurig sind. Er liebt uns und gibt uns Kraft, ein Leiden anzunehmen. Aber es ist natürlich auch verständlich, dass da die Frage auftaucht: „Wo ist Gott? Warum greift er nicht ein?“ Auch Petrus dachte damals bei der Ankündigung des Leidens Jesu so: „Gott wird sicher eingreifen, er erlaubt nicht, dass Jesus leidet.“Petrus musste seine Ansicht allmählich ändern. Er stellte fest, dass Gott anders  denkt als wir Menschen.

Der Schweizer Psychotherapeut Carl  Gustav Jung verglich einmal die Einstellung zum Leiden aus der Sicht Buddhas und aus der Sicht Jesus.  Buddha hat das Leiden im Gegensatz zu Jesus ausgeklammert, das entsprach nicht seinen Gefühlen.  Aber ist das wirklich menschlich?

Jung begriff  welch  große Rolle die Einstellung   zum  Leiden  im Leben eines Menschen spielt. Er schrieb: In Europa wird versucht, das Leiden mit Tabletten und Drogen zu verdrängen. Im Osten ist man bemüht, den Kontakt mit der Welt zu unterbrechen und so das Leiden zu vermeiden. Weder die erste noch die zweite Einstellung ist richtig. Der einzig richtige Weg ist der Weg durch das Leiden. Leiden kann man nur dadurch überwinden, indem man es zu ertragen lernt. Das kann man nur vom Gekreuzigten lernen. Leiden zu unterdrücken führt zu Neurosen und das ist nicht gut. Ich sollte lieber die Verbindung mit Jesus suchen.

Liebe Schwestern und Brüder! Es gibt kein Leben ohne Leid, ohne Schmerzen, ohne Enttäuschungen, ohne Schuld, ohne Trauer, Einsamkeit oder Krankheit und am Schluss der Tod. Aber seien wir gewiss, wir sind nie allein, denn Jesus hat uns verheißen: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt. Der Herr ist also immer bei uns und geht alle Wege mit uns.

 

     

 

21 Sonntag A Mt 16, 13-20

Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes

Einleitung

In einer australischen Hafenstadt kam ein Tourist ins Arztzentrum, weil ein Fischhaken tief in seine Hand eingedrungen war. Es war aber gerade Wochenende; deshalb rief eine Schwester den zuständigen Arzt an. Da kam ein fescher, junger Mann im farbigen Hemd und mit Sandalen, und der Tourist sagte zu ihm: „Sie sehen nicht aus wie ein Doktor.“ Da meinte dieser: „Sie sehen auch nicht aus wie ein Fischer.“ Man kann sich also anhand des Aussehens eines Menschen kein bestimmtes Urteil bilden. Man kann sich da sehr täuschen. Es ist nämlich nicht wesentlich, welches Hemd und welche Sandalen ein Arzt trägt, sondern ob er ein guter Chirurg ist und diesen Haken wieder entfernen kann. Mein Vorschlag ist, einen Menschen lieber nach seinen Fähigkeiten zu beurteilen.

Vor 2000 Jahren stellte Jesus die Frage: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ Petrus hätte sagen können: „Du siehst nicht aus wie der Messias; du bist wie die anderen Menschen. Du kleidest dich wie die anderen, du isst und schläfst wie die anderen.“ Petrus aber konnte nicht beirrt werden. Er hatte die Wunder von Jesus gesehen, er hatte seine Reden gehört, und aufgrund dessen erkannte er und sagte: „Du bist der Messias , der Sohn des lebendigen Gottes.“

Predigt

Das Wort  „Messias“ bedeutet „der Gesalbte“. Wenn eine Mutter   ihr Kind badet, dann salbt sie es mit Kindercreme, um es dadurch vor dem Wundwerden zu schützen. Von der Mutter gesalbt zu werden, bedeutet also, von der Mutter geliebt zu werden. Wenn wir sagen, dass Jesus der „Gesalbte“ ist, dann bedeutet das: Er steht ganz unter dem Schutz seines Vaters und in der Fürsorge Gottes.

Aus der Geschichte wissen wir,  dass die Einführung in ein Amt durch Salbung erfolgte. Heute macht man das vielfach durch Ernennung und Verlesung eines Dekrets. In der Vergangenheit war man des Lesens weniger kundig; so war die Salbung notwendig, zum Beispiel,  wenn jemand zum König ernannt wurde.  Diese Salbung diente auch der Repräsentation und der Unterscheidung von anderen Menschen.

Für die Juden  war der Messias der zweite Moses, der Wichtiges  sagen und Wundertaten tun wird  wie Moses. Sie meinten, dass der Messias also jemand ganz Besonderer sein wird, der Gottes Wirken zeigen,  das Volk von aller Vorherrschaft befreien und die politische Situation  zugunsten des jüdischen Volkes ändern wird.

Schon im Lukasevangelium wird vom Messias des Herrn die Rede. Dort heißt es: „In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete  auf die Rettung Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Oder an anderer Stelle heißt es –  das war damals,  als Jesus am Kreuz starb und ihn die römischen Soldaten verspotteten: „Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen,wenn er der erwählte Messias Gottes ist.  “ Auch dort wird diese Wortverbindung ‚Messias Gottes‘ verwendet, obwohl Jesus in dieser Situation nicht wie ein  Messias aussah.“

Der Unterschied zwischen der menschlichen Salbung zum König  und der Salbung Jesu ist aber groß.  Bischof Petrus Chrysologus aus Ravenna schreibt, dass Jesus nicht nur von außen gesalbt ist, sondern in seine Person das Öl der Gottheit hineingegossen  wurde. Während seines Lebens bewahrte Jesus dieses Öl im Gefäß seines Leibes. Darum spüren die Menschen an seinen Worten und Taten,  dass er gut und liebenswürdig ist. Jesus bewies durch sein Leben, dass er der Messias Gottes ist.

Auch wir sollten uns mit Petrus bekennen: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes. Das bedeutet, dass wir von dir Hilfe erwarten können. Du bist der, der unserem Leben die ursprüngliche Schönheit zurückgibt.“

Der Heilige Augustinus schrieb in diesem Zusammenhang: „Wenn wegen der Sorgen und der Trauer auf unserem Gesicht Tränen erscheinen,  so trocknet der Glaube an Gottes Verheißungen diese Tränen.  Glaubt,  dass Gott unser Vater ist! Er kümmert sich um uns wie um seinen Sohn, weil wir seine Kinder sind. Dieser Glaube,  dass unser Leben unter Gottes  Schutz und Sorge steht, bringt Ruhe.

Das  illustriert auch die folgende Geschichte: Während des Zweiten Weltkrieges  gerieten viele Deutsche in die russische Gefangenschaft. Diese Geschichte trug sich im Jahre 1946  in einem Gefangenenlager in Russland zu. Es war der Heilige Abend. Die Gefangenen legten sich nach der harten Arbeit auf ihre Liegen, um möglichst bald einzuschlafen. Einige versuchten jedoch, Weihnachten zu feiern. Sie erinnerten sich an einige weihnachtliche Melodien. Das aber war alles. Statt des Weihnachtsbaumes stand in der Mitte des Zimmers ein funkelndes Licht. Alle sehnten sich nach ihrer Heimat.   Plötzlich trat der Lagerkommandant ein  und sagte: “ Alle raus, auf den Hof!“  Die Gefangenen dachten: Jetzt kommt wieder  das Zählen der Gefangenen und wir werden stundenlang  in der frostigen Kälte stehen. Der Lagerkommandant sagte aber zu den Gefangenen, und der Dolmetscher übersetzte es auf Deutsch: „Gefangene,  in eurer  Heimat wird heute Weihnachten gefeiert. Hier in der Sowjetunion haben wir keine Zeit für dieses Fest. Hier wird für das Wohl des Weltproletariats gearbeitet. Darum werden wir  jetzt zum Zeichen der Verbindung mit allen Arbeitenden „Die Internationale“ singen. Der Kommandeur und der Dolmetscher begannen zu singen. Aber in den hinteren Reihen der Gefangenen begann jemand, ein anderes Lied  zu singen. Es war „Die stille Nacht, heilige Nacht“. Die übrigen Gefangenen stimmten sofort mit ein. Der Dolmetscher bemühte sich, mit den Worten der „Internationale“ sie zu übertönen.  Je lauter er schrie, desto lauter wurde das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Dann kamen die Worte: „Christus,  der Erlöser, ist da.“ Diese Worte klangen wie ein Glaubensbekenntnis. Dann ist eine unheimliche Stille eingetreten. Der Lagerkommandant verstand kein Deutsch und fragte daher den Dolmetscher: „Was singen die da für ein Lied?“ Der Dolmetscher war bestrebt, die Situation zu retten, und sagte: „Das war die Internationale nach der deutschen Melodie.“ Die Gefangenen sagten damals: „Jesus, du bist der Sohn des lebendigen Gottes.“ Es ist bemerkenswert, dass diese Gefangenen unter solchen schwierigen Bedingungen ihren Glauben bewahrten.

Lectio divina – die Meditation.

Probieren Sie, auf diese folgende Frage zu antworten:

Wenn Sie die Speise auswählen, wählen Sie sie danach, dass sie Ihnen schmeckt, oder nach den Nährstoffen, die Ihr  Körper braucht. Was ist bei Ihrem Entschluss stärker? Dass ihnen das Gericht schmeckt, oder dass das Gericht gebraucht, nutzbar, rational ist.  Was sich ihnen tiefer ins Gedächtnis eingeprägt und stärker ihre Handlung beeinflusst?

10 Sekunden, während derer sie mit dem Auto Höflings in die Kluft fallen, oder vier Stunden beim Auswendiglernen der lateinischen Pflanzen- und Bäumchen-Termine. Selbstverständlich 10 Sekunden, während wir… Warum ist das so? Schuldig  sind selbstverständlich unsere Gefühle, die  wesentlich an der Beherrschung unseres Lebens und unserer Handlungen teilnehmen. Unter unserem Herzen und unter unseren Gefühlen gibt es enge und vertraute Beziehungen. Unser Herz beherrscht uns durch unsere Gefühle. Die Gefühle reagieren schneller als unser Verstand. Je stärker die Empfindungen sind, die das, was wir erleben, begleiten, desto tiefer  schreiben sie sich  ins Herz. Wenn die Gefühle positiv sind (Erfolg, Freude, Wollust), reagiert das Herz mit Freude und Lust. Wenn die Gefühle negativ sind, sind die Reaktionen Unlust, Widerspruch und Angst. Dann, wenn wir in dieser Lage handeln  müssen, handeln wir mit Bemühung und Überwindung. Mit einem Wort: gegen unsere eigene Überzeugung.

Meditation

Die Meditation ist das Werkzeug, das die Emotionen darauf ausnutzt, dass die Information in unser Gemüt , in unser Herz, gelangt. Es muss sich nicht notwendigerweise um Emotionen wie Euphorie oder  Ekstase handeln. Die Meditation nützt eher den Gefühlen des Erstaunens, der Rührung, der Ehrfurcht. Das Wesen der Meditation ist zu der meditierten Information die Emotionen zugeben, die versichern, dass die Information in unser Inneres, in unser Unterbewusstsein, eindringt.

Funktionieren der Meditation

Am Anfang ist die Information, das Wort, die Musik, das das Bild, das Geschehnis, die wir stattdessen, indem wir sie  nur aufnehmen/erhören, intensiv bemühen, erleben. Wir lassen uns durch sie ganz entzücken und durchdringen. Das  Ziel der Meditation ist ein intensives Erlebnis, hervorgerufen durch die Emotionen und Gefühle. Ohne die Besänftigung und Relaxation widmen wir den  einzelnen Anlässen und Impulsen nur ein paar Prozent  der Aufmerksamkeit. Die übrigen Prozente unserer Aufmerksamkeit verschlingen die anderen Wahrnehmungen, Gedanken und unsere Tätigkeit. Das idealistische Ziel der Meditation ist der Zustand, in dem wir ihr 100 Prozent Aufmerksamkeit widmen. Vielleicht meditierte  schon jeder von uns/unwillkürlich. Aber die wirkliche Meditation kann für uns genug ungewohnt sein. Damit wir uns mit der Meditation befreunden, beginnen wir mit der Musikmeditation. Die Gründe sind nachfolgend. Die Musik hat meist eine stärkere emotionale Wirkung  als  ein Wort oder ein Bild. Sie erleichtert die Meditation.  Während der Meditation bemühen wir uns , nichts zu kontrollieren oder zu beherrschen. Auf der anderen Seite wehren wir uns nicht gegen die Gefühle und Reaktionen, die die meditierte Information in uns hervorruft. Im Gegenteil, lassen wir uns von ihr frei hinreißen.

Einige Tippen zum Schluss

Die Meditation ist etwas ganz Passives. Sie müssen sich noch vor der Meditation von der Versuchung, sich zu kontrollieren, abwenden. Künstlich in uns einige Empfindungen und Launen hervorrufen oder ablehnen. Bestreben wir uns nicht, die Meditation zu schätzen, ob sie gut war oder nicht? Lernen wir nichts mehr, sondern sind nur engagierte Beobachter, die es zulassen, dass die meditierten Gedanken sich entfalten, ähnlich wie Urlauber, die sich am Strand den Strahlen der Sonne aussetzen. Setzen wir uns dem meditierten Gedanken aus, wie die Urlauber sich auf dem Strand den Strahlen der Sonne, oder wie ein Segelboot  dem Wind und den Wellen. Bei der Meditation wählen Sie eine solche Körperlage, in der Sie maximal entspannt sind, aber zugleich wachsam. Heute bekommen wir für die Meditation verschiedene Hilfsmittel. Verschiedene Stühle: Meditieren kann auch liegend sein. Das hat seine Vorteile (Entspannung, Bequemlichkeit), aber auch seine Nachteile (Wachverlust).

Lectio divina-Das Phänomen der Wüste

Die Wüste

In der Bibel und im Christentum stoßen wir oft auf die Wüste. Durch die Wüste führte der Weg des Volkes Israels aus der ägyptischen  Sklaverei ins verheiße Land. Auf der Wüste lebten die größten Propheten, darunter Elija. Auch der Vorgänger Jesu – Johannes der Täufer – lebte in der Wüste. Vierzig Tage und Nächte verbrachte in der Wüste auch Jesus, und später begab sich das in einer Einöde. Und hier ist es die Tradition des Christentums. Was für eine Rolle spielte die Wüste im Leben der Menschen? Die Welt, in der wir leben, ist die Welt der ungläubigen Hektik, der Hetze, des Stresses. Heute noch mehr als in der Vergangenheit. In unserem Gemüt sind ungläubige Gedanken, eine Menge Emotionen, Pläne, Bilder aus Filmen und Illustrierten.

Probieren Sie ein kleines Experiment. Schließen Sie die Augen und denken Sie eine Minute lang an nichts. Nur sitzen schweigend. Wir sind so sehr auf das, was wird, oder auf das, was war, orientiert, dass uns völlig die Anwesenheit entgeht. Wir verfehlen uns mit Gott. Wir können Gott in der Hektik und Hetze nicht treffen. Gott ist der Gott des anwesenden Augenblickes. Wenn wir unser Leben in Träumereien von der Zukunft oder im Erinnern an die Vergangenheit verbringen , verfehlen wir Gott.

Die wichtigste Stunde ist immer die anwesende. Der bedeutendste Mensch ist der,der uns gegenübersteht, und die  notwendigste Tat ist immer die Liebe. Meister Eckhart.

Der Feind des Nachsinnens

Der Rummel und die Hast sind die Feinde der Betrachtung und der Meditation. Beide verlangen nämlich Konzentration, Wahrnehmen und Hören. Die Konzentrationsschwäche, wie wir sie verstehen, verursacht uns auch bei den üblichen Tätigkeiten Probleme. Bei  dem Lehren wissen wir uns nicht zu konzentrieren, manchmal etwas zu übersehen. Unsere Gedanken sind – überall, nur dort nicht, wo sie sein sollen.

Der heilbringende Wüste

Die Wüste ist ein öder Platz, weit von den Menschen, von der Welt, wo wir nichts schauen können, nichts hören können,  wo nur die Stille, die Leere herrschen. Die Wüste ist der Ort, an dem kein Lärm ist. Wo der Mensch sich konzentrieren kann. Die Wüste ist das Schlüsselwort der Befreiung. Der Mensch verzichtet auf „haben“ und konzentriert sich auf ‚sein‘. Die Wüste ist zugleich der Ort, wo dem Menschen nichts anderes bleibt,  nur jetzt und hier zu sein, allein mit sich selbst, ohne Zerstreuung, ohne die Möglichkeit, zu entkommen. Was aber können wir machen für die, für die, für die Wüste, die Einsamkeit unerreichbar ist? Zur Hilfe kommt die Relaxation.

Die Relaxation

Die Relaxation ist keine Wüste. Aber sie kann uns helfen, in die Lage zu treten, die der der Wüste ähnlich ist. Das Ziel ist, das  Gemüt zu leeren, zu beunruhigen und zu besänftigen und so es auf den weiteren Schritt vorzubereiten, und das ist die Meditation. Die Prinzipien, die sie ausnutzen: die Verbindung des Körpers mit der Seele. Wenn wir nervös sind, beschleunigt sich unser Atmen, und unser Magen krampft sich zusammen. Aber auch die Abstammung des Leibes hilft dem Gemüt nicht, sich zu beruhigen. Wenn wir  unseren Leib auf einmal entspannen versuchen, wird es uns nicht gelingen. Unseren Leib müssen wir allmählich entspannen. Die Relaxation bemüht sich, so viel wie möglich den Leib zu entspannen, und der entspannte Leib hilft uns, unser Gemüt zu lockern – das ist das Ziel. Außer der Relaxation gibt es auch die anderen überprüften Werkzeuge, die es ermöglichen, ein bisschen Stück der Wüste in unser Leben zu bringen. Es ist die Fastenzeit, im Sinne der leichten und mäßigen Kost, dann die Stille und das Schweigen. Das Ausweichen vom Gedärmen, vom unnötigen Quatschen.

Die Typen zum Schluss

Finden Sie Ihren Platz am besten im Zimmer, in dem Sie während des Gebets/der Meditation allein sein können. Versichern Sie, dass Sie während der Betrachtung von nichts und niemandem gestört werden, weder von Ihren Familienangehörigen noch vom Telefon.

Die Regel der Einsamkeit

1 Wenigstens eine halbe Stunde der Einsamkeit täglich

2 Wenigstens ein halber Tag der Einsamkeit wöchentlich

3 Wenigstens 3-7 Tage Einsamkeit/Geistliche Übungen/  jährlich

20. Sonntag im Jahreskreis A Mt 15, 21-28

Einleitung.

Das heutige Evangelium spricht über den Glauben. Jesus sagt zur kanaanäischen Frau: „Frau,  dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen.  Der Glaube dieser Frau überwindet viele Hindernisse. Der Glaube ist keine einfache Sache. Glauben – das bedeutet nicht, philosophieren, sondern das, was wir glauben,  sollen wir auch in unserem Leben verwirklichen. Das geht nicht ohne Opfer und ist daher nicht leicht. Viele moderne Menschen von heute meinen, wenn sie mit Glaubensforderungen konfrontiert werden, dass das nicht zeitgemäß sei. Wir leben heute in einer anderen Zeit. Es ist interessant, dass diese Aussprüche immer dann getan werden, wenn der Glaube ein Opfer verlangt. Es soll uns da  aber klar sein, dass wir den Glauben verlieren, wenn wir für ihn keine Opfer bringen. Davon spricht das heutige Evangelium.

Predigt

Die Frau, von der das heutige Evangelium spricht, stammt aus einer Region, die bei den Juden einen schlechten Ruf hat. Für sie ist das die Region der Heiden und der Gottlosen. Nun erlaubt sich diese Frau sogar, Jesus zu rufen. Doch vorerst wird sie von Jesus nicht beachtet. Das überrascht uns aber sicherlich, denn Jesus ist ein Mann voller Güte und Liebenswürdigkeit. Aber dieses Nichtbeachten seitens Jesu hat seine besondere Bedeutung.

Die Frau lässt aber nicht locker, sodass ihr Geschrei die Apostel ziemlich nervt. Sie verlangen daher von Jesus, dass er die Bitte der Frau erhöre. Jesus schaut die Frau an, aber er handelt hart. Er sagt: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Das bedeutet, er sei nur an die Juden gesandt, also macht er damit eine Anspielung auf die Herkunft der Frau.

Auch das hält die Frau nicht davon ab; sie lässt sich nicht so schnell abfertigen. Da wird Jesus noch härter und sagt: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Er meint mit den Kindern die Juden und mit den Hunden die Heiden, und die Frau verstand diese Worte sehr gut. Wahrscheinlich wären viele an ihrer Stelle beleidigt geworden und weggegangen. Die Frau entgegnet aber zur Überraschung aller: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Das heißt, sowohl die Kinder als auch die Hunde bekommen etwas; niemand ist ausgeschlossen. Daraufhin folgt die Belohnung Jesu. Er sagt zu der Frau: „Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen.

Ich fasse kurz nochmals zusammen: Die Frau sorgt sich also nicht, dass Jesus sie nicht beachtet. Sie macht Jesus darauf aufmerksam, dass sie nicht Jüdin ist, und er vergleicht sie mit den Hunden. Das alles hielt diese Frau aus, und zum Schluss kommt die Belohnung – die Genesung ihrer Tochter.

Was können wir aus dem heutigen Evangelium lernen? Der Glaube ist keine einfache Sache; er muss anspruchsvollen Prüfungen standhalten. Jesus legt uns Schwierigkeiten und Hindernisse in den Weg, damit unser Glaube stark  und widerstandsfähig wird. Er freut sich, wenn wir auch einige aushalten. Auf unsere Herkunft spielt Jesus nicht an, aber wir müssen mit unserer eigenen Bequemlichkeit kämpfen.  Wichtig ist dazu die heilige Messe, wo wir Jesu Wort hören und mit ihm ganz enge Gemeinschaft erleben können in der Kommunion, und unerlässlich ist auch das Gebet. Leider gibt es in Europa unendlich viele Menschen, die monatelang weder in die Messe gehen noch beten, weil sie scheinbar dafür keine Zeit haben.  Warum haben sie keine Zeit? Sie haben so viele Interessen, so viel Arbeit, so viele Pläne und da bleibt für ein geistliches Leben wirklich keine Zeit.

Doch unser Glaube verlangt, dass wir Gott in unserem Leben an die erste Stelle setzen. Lassen wir uns nicht von den Menschen beeinflussen, die ganz ohne Gott leben, sondern wirken wir unseren Glauben auch nach außen, auch wenn das nicht immer leicht ist. Mögen uns dazu die Beispiele vieler Menschen, die den Glauben lebten, ermuntern. Ich möchte hier ein Beispiel eines berühmten Erfinders anführen, der festen Glauben hatte. Sein Glaube war aber nicht ohne Hindernisse, die er mit Gottes Gnade überwinden konnte. Bei einem Besuch in Paris bestieg der den Eiffelturm und schrieb Folgendes ins Gedenkbuch: Herrn Eiffel, dem Ingenieur und Baumeister, gehören meine Bewunderung und Achtung. Aber noch größere Bewunderung und Achtung gehört Gott, dem Schöpfer des Weltalls.

Immer – zu jeder Zeit – müssen Menschen um ihren Glauben kämpfen – so auch heute. Lassen wir uns von unserem Glauben nicht abbringen. Bitten wir den Herrn, er möge unseren Glauben stärken, damit wir das ewige Ziel im Himmel erreichen können.

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Maria Himmelfahrt 2014 Lk 1,39-56

Einleitung

Touristen kamen an einer Almhütte an.  Sie waren unterwegs müde  und hatten  Blasen an den  Füßen.  Sie fragten daher nach einem Arzt. Der Hirte auf der Alm antwortete darauf:  „Nein, wir sterben hier ohne fremde Hilfe!“  Eine sehr knappe Antwort. Kann man mit eigener Hilfe sterben? Wir wollen nicht sterben und tun alles, um wir leben. Das ist eine bewundernswerte Tatsache, aber auch eine sehr begrenzte. Bei Olympiaden bewundern wir die Leistungen der Sportler, die Schönheit und Kraft des menschlichen Körpers. Aber wir wissen auch, dass diese Schönheit und Kraft nicht auf ewig bestehen.

Das heutige Fest Mariä Himmelfahrt zeigt uns, welche Perspektive Gott auf die Menschen hat und wie nahe er ihnen in ihrer Unfähigkeit und Ohnmacht ist.

Predigt

Im Evangelium lesen wir die Worte Marias: „Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.“ Es war für Maria sicherlich eine bedeutende Sache, ein so besonderes Kind zu haben. Das Wunder zu Kana und die Wunderheilungen ihres Sohnes waren bedeutende Ereignisse in ihrem Leben. Aber die größte Sache war wohl, dass sie mit Leib  und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Ihr Leib war unverwest, und das Grab musste nicht schauen.  Sie wurde mit Leib und Seele  in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen. Und diese große Sache wünscht Gott jedem Menschen sie anzubieten. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, einmal im Himmel zu leben, dort, wo Christus ist. Das bedeutet aber, dass wir hier auf Erden schon christusverbunden leben müssen. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. sagte, dass Gott uns in Maria ganz nahe wurde. Er wurde Mensch; er nahm alle Bedingungen einer Geburt durch eine menschliche Mutter an. Maria sagte ihr Ja dazu und deshalb verdient sie die Herrlichkeit des Himmels. Gott ist den Menschen nah; das bedeutet, dass der Mensch nicht von Gott entfernt ist. Die Erkenntnis der Gottesnähe führt in uns auch dazu, anderen Menschen nahe zu sein. Leider ist oft um uns herum Individualismus, Egoismus und das Sich-Fühlen als Einzelmensc zu spüren. Das Evangelium aber ruft uns dazu auf, den anderen nahe zu sein, wenn es heißt: Habt Mitleid, Verständnis den Menschen gegenüber. Nur wenn wir fähig sind, anderen Menschen nahe zu sein, können wir verstehen, wie eng uns Gott ist. Maria ist uns ein Vorbild, an das wir uns halten können, um Gott und den Menschen nahe zu sein.

Ich erzähle ihnen dazu ein Vorkommnis, das sich in Amerika ereignet hat. Eine Psychologieprofessorin bekam eine Einladung, den Abiturienten in einer fremden Stadt einen Vortrag zum Thema „Das blaue Band“ zu halten.   Über dem Eingang des Vortragssaales war ein großes Begrüßungsplakat mit ihrem Namen angebracht. Die Professorin sagte zum Direktor: „Das ist lieb. Ich danke Ihnen für die Organisation und diese höfliche Einladung.“ Da meinte dieser: „Danken Sie nicht mir, sondern dem Organisator dieser Veranstaltung, dem Vertreter des Studentenrates,  Robert Balen!“ Als die Professorin ihre Sachen vorbereitete und versuchte, das Mikrofon zu richten, hörte sie hinter ihrem Rücken eine Stimme, die sagte: „Brauchen Sie etwas? Kann ich Ihnen helfen?“ Sie dachte, dass dies sicherlich der Schulwart dieser Schule sei, der ihr behilflich sein wollte. Aber als sie sich umdrehte, sah sie einen jungen Mann, vornehm gekleidet, und er stellte sich vor: „Guten Tag, ich bin Robert Balen.“ Dann sagte die Professorin zu ihm: „Nach dem Vortrag werde ich einen Freiwilligen brauchen. Kann ich da mit Ihnen rechnen?“ „Warum nicht“, antwortete dieser.

Worum ging es in diesem Vortrag? Es ging darum, wie oft wir unsere Gefühle verheimlichen und wie schwer es uns fällt, danke zu sagen oder jemandem mitzuteilen, dass er mir wichtig ist.  Dazu nahm sie nun ein einfaches Beispiel. Sie stellte die Frage in den  Raum: Wie kann ich jemandem meine Anerkennung äußern? Ich brauche einen Freiwilligen. Einer meldet sich. Ich weiß, dass er für mich ein Plakat gestaltet hat und auch das Angebot seiner Hilfe hat mich berührt. Ich will ihn mit einem blauen Band belohnen, auf dem steht: „Du machst mein Leben anders“. Ich will, dass er es zu seinem Spiegel legt, damit es ihn jeden Morgen daran erinnert, dass jemand dankbar für seine Aufmerksamkeiten war. Nun fragte sie den jungen Mann: „Was ist das für ein Gefühl für Sie, wenn Ihnen jemand seine Dankbarkeit zeigt?“ Er erklärte ihr, dass er ein solches Gefühl noch nie erlebt hatte. Dann fragte ihm die Professorin: „Möchten Sie jemanden einladen und ihm sagen, was er für Sie bedeutet?“ „Ja, gerne“, sagte Robert. Dann rief sie einen Mitschüler von Robert zu sich. Da sagte Robert spontan: „Chat, ich möchte mich bei dir bedanken. Du hast mein Leben gerettet. Erinnerst du dich, als ich vor ein paar Monaten zu dir kam und stark betrunken war? Du hast das gesehen, mir meine Autoschlüssel abgenommen und sie liegen gelassen, und ich habe gedacht: Was werden sich die Menschen denken? Was wird in der Schule sein? gesagt, ich dürfe in diesem Zustand nicht fahren. Du hast meine Mutter angerufen und ihr gesagt, dass ich diese Nacht bei dir bleibe. Aber warum habe ich getrunken? Meine Eltern erzählten mir, dass sie sich scheiden ließen, und ich habe gedacht, was die Menschen denken werden, was in der Schule sein wird. Da war ich so verbittert, dass ich Alkohol getrunken habe mit der Absicht, mit dem Auto zu verunglücken.“ Da umarmte ihn Chat und alle begriffen, warum dieser ein blaues Band bekommen hat.  Die Professorin fuhr fort: „Chat, sprich jemanden an, dem du das blaue Band geben willst!“ Er sagte zu seiner Mitschülerin Jennifer: „Ich möchte dir sagen, was du für mich bedeutest. Ich bin kein Einstein. Im letzten Schuljahr war ich nur dank deiner Anwesenheit da und habe es geschafft. In den letzten beiden Jahren ging ich nur zur Schule, weil ich wusste, dass du da bist! Ich danke dir dafür.“   Und dann sprach Jenifer Susi an und so weiter. Dieses Treffen hatte eine ganz tolle Atmosphäre.

Auch zu Gott können wir sagen: „Gott,  ich möchte dir ein blaues Band geben, weil du mein Leben änderst, weil du all meine Ohnmacht in Hoffnung verwandelst und ich einmal im Himmel verherrlicht werde. Nicht zufälligerweise hat das heutige Fest die Farbe Blau. Das blaue Band gehört auch Maria, weil sie unser Leben anders macht.

Lectio Divina – die Gebetsform

Lectio Divina ist so alt wie das Christentum. Das ist das Gebet meditativ, kontemplativ. Es verkettet verschiedene Aktivitäten eines betenden Menschen, Lesen, um ihn zu Gott zu führen.

Vorgang

Das  – der Ausgangspunkt ist der Text der Bibel.

Die Betrachtung – die Analyse des Lesens und die Bestrebung nach dem besten Verständnis.

Die Meditation – es ist das tiefe „Überleben“  und das Bewusstsein der erkannten Wahrheit. Die Meditation  erweckt die Gefühle, die das Innere des Menschen  treffen.

Die Kontemplation – das ist das Schauen ins Gesicht des Bräutigams und das Ruhen in seinen Armen.

Das Lesen – Der biblische Text soll klar, lesbar und angemessen verständlich sein. Die Gottesliebe ist in ihm offenbart und sichtbar. Außerdem ist das Wort Gottes lebendig und wirksam. Wir wählen einen kurzen  Ausschnitt mit einem geschlossenen Gedanken aus.

Ziel: Den Text zu verstehen. Wir werden uns dessen bewusst werden, dass die Bibel in einer ganz anderen Kultur geschrieben wurde – von Menschen, die vor 2000–4000 Jahren lebten. Ihre Sprache zu verstehen und Zusammenhänge zu erkennen, ist nicht immer leicht. Lassen wir uns durch den Text ansprechen und damit den Boden für einen weiteren Schritt  vorbereiten,  und das ist die Betrachtung. Wir lesen den ausgewählten Text. Viele Wörter, Termine und Wortverbindungen werden uns gleich nicht klar. Die verschiedenen biblischen Kommentare werden uns helfen. Versuchen wir, die Parallelstellen zu finden, die von derselben Geschichte  aus einer anderen Perspektive erzählen. Zur Illustration. Ein Priester sagte einmal. Im Evangelium lesen wir: „Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen zum Zeugnis gegen ihn.“ Mr 6,11 Der Priester sagte. Wir haben die Absicht, mich nicht zu hören und so gehe ich von euch weg.  Davon spricht auch Jesus in Mr 6,11. Hat dieser Priester recht? Ist das die biblische Einstellung? Lesen wir das Evangelium: „Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen.“ Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben. Außerdem gebot er ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen: kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Mr. 6,7-11. Hat dieser Priester recht? Nein. Die Worte Jesu beziehen sich  auf  die Wanderevangelisation, wenn wir zu den fremden Menschen kommen, die nicht gerufen werden. Die Hilfe, damit wir den Text verstehen. Die Hilfe kann für uns  die Software BibleWorks sein. Wenn wir den Text schon gelesen haben, fangen wir ihn langsam zum zweiten Mal an. Beim Lesen suchen wir nicht nach etwas Interessantem oder Besonderem, sondern nach etwas, das uns persönlich anspricht. Wenn wir angesprochen sind, hören wir mit der Wiederholung des Lesens auf und kommen zur Betrachtung. Ein Gedanke, das Bild  – das ist etwas, was uns persönlich ansprach. Wir sollten entdecken, was die Hauptaussage des Textes ist, anstatt abstrakte theologische Konstruktionen zu entwickeln, und stattdessen auf die Frage zu antworten, was mir persönlich an diesem Text spricht. Das Ziel ist nicht die abstrakt-theologische Konstruktionen zu  entwickeln, aber antworten auf die Frage was spricht zu mir persönlich dieser Text. Während der Betrachtung kommen uns verschiedene Informationen in den Sinn: Was sollen wir tun? Was sollen wir vermeiden? In Zukunft werden diese Informationen eine große Rolle spielen. Jetzt aber konzentrieren wir uns darauf, was der durchgelesene Text zu unserer persönlichen  Situation spricht. Fassen wir diese Aussage in einen kurzen, mit Emotionen gespickten Satz zusammen. Es ist wichtig, dass dieser Satz für uns verständlich ist. Das ist ein sogenannter meditativer Satz.

Christentum.

Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm“ 1Joh 4,16. Das Christentum ist der Bräutigam und die Braut. Das ist die Geschichte der gegenseitigen Liebe zwischen dem Menschen und Gott.

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihm glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ Joh 3,16.

Gott ist der, der den Menschen bis zum Äußersten  lieb ist. Von seiner Seite ist kein Problem . Der Mensch ist der, der die Liebe zu Gott nicht angeboren hat. Das ist der Mensch, der in diese Beziehung das Problem  bringt. Der Mensch muss in sich die Liebe zu Gott erwecken und nach dieser erlernen, zu leben. Wie erzielen wir, dass der Mensch auf die Gottesliebe antwortet, um ihn in Gott wirklich  zu verlieben? Die Schlüsselrolle spielt  in diesem Prozess das,was die Bibel als Gottesfurcht und Ehrfurcht vor Gott bezeichnet. Anfangs ging es wirklich um die Angst vor Gott. Die Gottesfurcht, die so unbegreiflich und gefährlich war. Die Angst vor der Gottesstrafe für die Sünden und die bösen Taten. Im Laufe der Zeit wechselten die Gottesfurcht , das Staunen und die aus ihm entstehende Ehrfurcht vor diesem unsichtbaren Gott. Seh ich den Himmel, das Werk deiner Finger. Mond und Sterne, die du befestigt hast: Was ist der Mensch, an den du denkst, das Menschenkind, das du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott und ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Du hast ihn als Herrscher über das Werk deiner Hände eingesetzt, hast ihm alles zu Füßen gelegt. All die Schafe, Ziegen und Rinder und auch die wilden Tiere, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht. „Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!“ Psalm 8.4-10

Die Liebe zu Gott entsteht aus der Ehrfurcht. Die Liebe entsteht aus dem Staunen, das der Mensch ,dem unendlichen Gott, gegenüber spürt. Das Ehrfurchtrezept erhält drei wichtige  Ingredienzien:

1. Das verblüffende Bewusstsein von Gottes Größe und Heiligkeit. „Seht, Gott, der Herr, kommt mit Macht; er herrscht mit starkem Arm. Seht, er bringt seinen Siegespreis mit. Alle, die er gewonnen hat , gehen vor ihm her. Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide; er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm; die Mutterschafe führt er behutsam. Wer misst das Meer mit der hohlen Hand? Wer kann mit der ausgestreckten Hand den Himmel vermessen? Wer misst den Staub der Erde mit einem Scheffel? Wer wiegt die Berge mit einer Waage und die Hügel mit Gewichten? Wer bestimmt den Geist des Herrn? Wer kann sein Berater sein und ihn unterrichten? Wen fragt er um Rat und wer vermittelt ihm Einsicht? Wer kann ihn über die Pfade des Rechts belehren? Wer vermittelt ihm das Wissen und zeigt ihm den Weg der Erkenntnis? Seht, die Völker sind wie ein Tropfen am Eimer; sie gelten  viel wie ein Stäubchen auf der Waage. Ganze Inseln wiegen nicht mehr als ein Sandkorn. Der Libanon reicht nicht aus; sein Wild genügt nicht für die Opfer. Alle Völker sind vor Gott wie ein Nichts, für ihn sind sie wertlos und  nichtig. Mit wem will Gott vergleichen und welches Bild an seine Stelle setzen? “ Jesaja 40, 10-18

 2. Die erniedrigende Erkenntnis eigener Schwachheit und Sündhaftigkeit.

3. Trotzdem liebt Gott den Menschen ganz und unbegreiflich. Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren ,für uns gestorben. Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben, vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch  ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet werden. Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Gottes Feinde waren,  werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind , gerettet werden, durch sein Leben“Röm 5,6-10

Das Gottesgrößenbewusstsein und die eigene Schwachheit und Sündhaftigkeit. Der Fakt, dass Gott den Menschen trotzdem liebt, ruft  im Menschen Ehrfurcht hervor und führt zur Liebe. Die dämonischen Vorstellungen von Gott können wir aus diesem Gesichtspunkt heraus definieren als Verabsolutierung  einiger von diesen drei Ansichten;

1. Nur Gottesgröße – Gott entfernt, eigenwillig, anspruchsvoll.

2. Nur die Sündhaftigkeit des Menschen, Strafender Gott, Gott der Richter,

3. Nur liebender Gott, harmloser Großväterchen auf dem Wolkchen.

19. Sonntag A, Mt 14,22-33

19. Sonntag A 2014 – die irdische und die göttliche Anziehungskraft.

Einleitung

Wenn zwei junge Leute einander lieben, könnte man sagen, dass sie die Anziehungskraft der Liebe erleben. Diese Kraft kann jedoch auch gestört oder verletzt werden. Ein Auszug aus einem Brief beweist das.  Da schreibt ein junger Mann seiner Geliebten: „Verzeih mir, meine Liebste, dass ich vorige Woche nicht gekommen bin. Ich war mit Kameraden in einer Kneipe, und danach war ich zwei Tage so fertig, dass ich nicht zu dir kommen konnte.“ Wegen der großen Kraft des Alkohols wurde das Kraftfeld der Liebe gestört.

Predigt

Vor 2000 Jahren erlebten die Apostel die anziehende Kraft der Liebe Jesu. Jesus zeigte ihnen, dass seine Liebe stärker ist als alle irdische Liebe. Das heutige Evangelium erzählt davon, dass Petrus über das Wasser zu Jesus ging, was in der Regel nicht möglich ist.  Man würde untergehen. Petrus aber war so stark von der Liebe Jesu angezogen, dass er Zeuge dieses Wunders wurde. Solange er auf Jesus schaute, ging er problemlos über das Wasser. Doch als sich seine Aufmerksamkeit auf das Wasser und den Wind konzentrierte, begann er zu sinken und zu ertrinken. Er hatte also den Weg des Glaubens an die Liebe Jesu verlassen.

Petrus zeigt uns damit, was der Mensch kann, solange er Jesus folgt. Was bedeutet „Jesus folgen“? Es bedeutet, auf dem Weg zu gehen, wo irdische Kräfte nicht gelten – wo Egoismus und andere üble Dinge nicht die Regel sind. Jesus zu folgen, ist aber auch ein Weg durch einen stürmischen See. Diesem Weg können wir nur folgen, wenn wir in der Liebe Jesu bleiben, wenn wir also unseren Blick auf den Himmel richten. So werden wir von der anziehenden Kraft Jesu getragen. Es heißt, Jesus zu folgen, bedeutet, mit seinem Programm eins zu sein. Nur im Glauben können wir den Zusammenhang von Kreuz und Auferstehung verstehen und die Verbindung zwischen Leid und Verherrlichung erkennen. Es ist entscheidend, was in unserem Leben bedeutend ist – zu sehr das Irdische oder auch das Göttliche. Oft ist uns Irdisches bedeutender, etwa der Fernseher, das Vermögen, der Erfolg bei der Arbeit und die Karriere, Sport, Kunst und Unterhaltung. Uns soll aber bewusst werden, dass auch das Göttliche, die göttliche Liebe, bedeutend ist.

Über dieses Thema schrieb ein slowakischer Dichter namens Milan Rúfus. Er schrieb Folgendes: Wie wäre es, wenn es keinen Gott gäbe? „Es ist hoffnungslos leer, Gott ohne dich, du fehlst uns. Leer ist der Raum ohne Kinder, aber auch ohne alte Menschen. Leer ist das Grab, wenn dein Kreuz fehlt. Gott, nicht Du, sondern wir sind weggegangen. Gott, alles, was ist, wäre nicht, wenn du nicht wärst.“ Der Dichter bestätigt die Erfahrung der Menschen: Ohne Gott wäre eine gewaltige Leere, weil Gott die Liebe ist und ohne Liebe eine große Leere herrscht. Gottesliebe ist für uns eine Bereicherung, ein Geschenk. Wir müssen dankbar dafür sein, dass die Gottesliebe uns hilft, die Schwierigkeiten unseres Lebens zu überwinden.

Noch eine andere Geschichte eines Arztes aus Kalifornien: Das Geländer des Balkons seines Hauses war beschädigt und so fiel er in die Tiefe und wurde bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert. Als seine Verletzungen geheilt waren, erzählte er, was er während seiner Bewusstlosigkeit erlebt hatte. „Seine Seele haben den Leib verlassen und ist an einen wunderbaren Ort mit wunderschönen Blumen gekommen. Er wollte so einen Strauß dieser Blumen in Händen haben und das geschah. Dann wollte er in einem entfernten Tal sein und unmittelbar darauf war er dort. Es genügte also,  im Himmel an etwas zu denken, und man bekam es.“ Fortan entwickelte sich das Leben des Arztes aufgrund dieser Erfahrung. Er hatte begriffen, dass im Himmel unsere Wünsche alle erfüllt werden, ohne dass wir sie auszusprechen brauchen. Hier auf der Erde ist es notwendig, etwas zu beantragen oder etwas in eine andere Sprache zu übersetzen. Im Reich Gottes ist das ganz anders. Seine Erzählung beendete er schließlich mit den Worten: „Eines Tages werden wir weder Telefon noch Massenverkehr noch Computer brauchen. Wie anders ist der Himmel gegenüber der Erde? Im Leben Gottes gelten andere Gesetze als unsere menschlichen.“

Ja, und ein bisschen von seiner Welt  gibt Gott uns schon jetzt, wenn wir Platz in unserem Leben geben,  in unseren Wünschen und Freuden, in unserer Sehnsucht nach Glück und Liebe.  Aber vieles, was wir jetzt nur erahnen, wird in Zukunft im Reich Gottes Wirklichkeit.

Petrus erfuhr, dass die Anziehungskraft der Gottesliebe stärker ist als die der Erde. Danken wir Gott dafür, dass wir nicht nur dem Chaos ausgesetzt sind, sondern auch den Kräften der Liebe Gottes. Das ist die rettende Liebe für uns.

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