Archiv für den Monat: März 2015

Gründonnerstag B 2015

Einführung
Jesus setzte die Eucharistie, die Heilige Kommunion, ein, um uns in der Liebe zu stärken. Er sagte: „Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Die Eucharistie ist
– Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi,
– eine Speise für das ewige Leben,
– eine ganz tiefe Gemeinschaft mit anderen Menschen. Vor allem aber will Jesus uns stärken, damit wir in der Liebe, im Opfer und im Dienst erstarken.
Predigt
Gründonnerstag ist der Tag der Einsetzung der heiligen Kommunion. Dienst, Liebe und die Heilige Kommunion hängen eng zusammen. Als zur Zeit Jesu Besuch kam, sandte der Herr des Hauses seine Sklaven, um den Gästen die Füße zu waschen. Einen solchen Sklavendienst hat auch Jesus vollbracht, als er seinen Aposteln die Füße wusch. Petrus verweigerte das zwar zunächst, da Jesus für ihn keinesfalls ein Sklave war. Jesus erklärte ihm jedoch die Notwendigkeit der Fußwaschung mit folgenden Worten: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße säubern. Jesus gibt uns nicht nur ein Beispiel, sondern auch die Kraft, es umzusetzen. Wenn wir die Quellen, die Jesus uns gibt, nicht nutzen, bleiben wir schwach in der Liebe, und der Egoismus, also die Eigenliebe, wird gestärkt.

Dazu passt folgende Geschichte: Eines Tages ging ein armer Student von Tür zu Tür, um Waren zu verkaufen und so sein Studium fortsetzen zu können. Einmal bemerkte er, dass er nur noch 80 Cent besaß. Er war sehr hungrig und klopfte an eine Tür, um sich Essen zu erbitten. Ein schönes Fräulein öffnete die Tür. Doch dann verlor der Student den Mut und begann zu stottern: „Kann ich ein Glas Wasser haben?“ Er traute sich einfach nicht, um etwas zu essen zu bitten. Das Fräulein sah jedoch, dass er hungrig war, und brachte ihm etwas zu essen. Der Student bedankte sich und fragte: „Was bin ich schuldig?“ Sie antwortete: „Nichts! Meine Mutter hat mich gelehrt, dass ich, wenn ich jemandem helfen kann, nichts dafür verlangen darf. Als der Student das Haus verließ, war er nicht nur gestärkt an Leib und Seele, sondern hatte auch seinen im Laufe der Zeit verloren gegangenen Glauben wiedererlangt. Dieser Student hieß Howard Kelly und konnte sein Studium schließlich fortsetzen. Er wurde Arzt. Mehrere Jahre später wurde das Fräulein ernsthaft krank und die Ärzte waren ziemlich ratlos. Man zog daher Howard Kelly zu Rate, der inzwischen ein berühmter Arzt war. Er erkannte die Patientin sofort wieder – es war das Fräulein von damals, das ihm geholfen hatte. Da beschloss er, alles für ihre Gesundung zu unternehmen, denn er wollte sie unbedingt retten. Schließlich gelang es ihm, sie gesund zu machen.   Als es zur Begleichung der Arztrechnung kam, schrieb Dr. Kelly folgenden Text auf die Honorarnote: „Es ist schon alles bezahlt durch das Essen, das Sie einem armen Studenten gegeben haben, als er sehr hungrig war!” Die Patientin begann zu weinen und sagte: „Ich danke Gott für diese Herzensgüte und bitte ihn, seine schützende Hand über Dr. Howard Kelly auszubreiten!”

Es lohnt sich also, gut zu sein – auch im 21. Jahrhundert, selbst wenn man durch bittere Enttäuschungen die Erfahrung gemacht hat, dass es sich nicht lohnt. Gerade deshalb sind wir immer wieder eingeladen, in der Heiligen Eucharistie zu Jesus zu kommen. Er hat sie für uns eingesetzt, ebenso wie das Priestertum, damit sein Gedächtnis nicht verloren geht. Und all das hat er für uns getan, obwohl er wusste, dass er sterben würde und allen Grund gehabt hätte, verbittert zu sein. Seine Liebe zu uns kann nicht ausgelöscht werden. Die Eucharistie gibt uns die Kraft, zu lieben und diese Liebe weiterzugeben. Ist das nicht eine Aufforderung an uns?

Dienstag -Der Karwoche Joh 13,21-38

Jesus Christus,verraten wurde von einem seiner Jünger, sei mit euch

Jesus sagte vor seinen Apostel, dass einer von ihnen ihn verraten wird. Das musste für die Apostel ein Schock sein. Judas musste wissen, dass Jesus um seinen gemeinten Verrat weißt. Sind wir uns dessen bewusst, dass Jesus von unseren beabsichtigten Sünden weißt ?

Du hast den Verrat, das Leiden und den Tod vorausgesagt, Herr erbarme dich unser

Du hast den Tod die Verherrlichung genannt, Christus, erbarme dich unser

Du hast uns in die Nachfolge deines Kreuzes  gerufen, Herr erbarme dich unser

Der Evangelist Johannes erklärt Judas Handlung mit dem Satz: Fuhr in ihm der Satan. Das bedeutet, dass die Judas Liebe zu Jesus  ganz und gar verflogen. Aber noch vorher, als in ihm der Satan betritt. Sonst konnte der böse Geist in ihn betreten. Der Verlust der Liebe zu Gott ist keine einmalige Angelegenheit. Das ist ein Prozess. Aber hier taucht eine Frage auch. Wie es möglich ist, dass die andere Apostel, nahmen Judas Änderung nicht wahr. Warum sie gingen nicht nach ihm, wenn Judas weggegangen ist. Warum ließen sie ihn allein. Weh dem Menschen, der mit seinen Problemen allein bleibt.

Jesus wurde verherrlicht, weil er sein Leben für uns dahingab. In seinem Namen dürfen wir zum Vater beten.

 Jesus Christus, den der Vater verherrlicht hat, hat der Welt den Frieden geschenkt hat. Um diesen Frieden bitten wir

 Selig, die  in dieser Welt bei Christus sind  und ihm folgen dürfen  zum Vater.

Jesus vor Pilatus.

 

Wenn ein vornehmer und würdevoller Mensch, der ein hohes Amt bekleidet, von seinen Mitmenschen verachtet, verspottet, geschlagen und schmählich misshandelt wird, ist das eine schreiende Ungerechtigkeit. Wenn aber selbst Gott, der Schöpfer, Erhalter und Ernährer der Menschen, die er ewig beglücken will, so grausam misshandelt wird, wie soll man eine solche Untat dann bezeichnen? So wurde Jesus, der Sohn Gottes, von Kajaphas behandelt.

Dem Herrn schmerzte aber noch mehr als all diese Misshandlungen, dass er auch von einem seiner Jünger verleugnet wurde, nämlich von Petrus. Petrus und Johannes waren doch voll inniger Liebe ihrem misshandelten und leidenden Jesus noch bis in den Vorhof des Gerichtshauses des Hannas und Kajaphas nachgefolgt. In diesem Vorhof hatten die Soldaten und andere neugierige Leute ein Feuer gemacht, um sich zu wärmen, während Jesus von Hannas und Kajaphas verhört und misshandelt wurde. Auch Petrus, ganz erstarrt von Kummer und Kälte, drängte sich zum Feuer, um sich zu wärmen. Und hätte er gewusst, was ihn hier erwarten würde, wäre er niemals dorthin gegangen. Er wurde nämlich von den Umherstehenden erkannt und gefragt, ob er nicht auch einer von jenen Menschen sei, die dem Galiläer nachfolgen. Petrus verleugnete Jesus und das nicht nur einmal, hier vor dem Feuer, sondern später noch ein zweites und ein drittes Mal. Er sagte, dass er nichts von diesem Menschen wüsste und ihn nicht kenne.

Nachdem Jesus diese schrecklichen Misshandlungen ertragen musste, wurde er aus dem Gerichtshaus herausgebracht und in ein Verlies gebracht, wo er die Nacht verbringen sollte. Dabei wandte sich Jesus um und sah Petrus traurig und mitleidig an. Da erinnerte sich Petrus an die Worte, die Jesus einige Zeit zuvor zu ihm gesagt hatte: „Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Petrus hatte also einen schweren Fehler gemacht, aber er bereute diese Verleugnung, tat Buße und  weinte sogar bitterlich über dieses Vergehen.   Er hatte die Warnung des Herrn ganz vergessen, zu sehr auf seine eigenen Kräfte vertraut und darum war er gefallen. Er war schließlich so ohnmächtig, dass er die Worte Jesu ganz vergaß. Jesus hatte ja auch einmal gesagt: „Betet und wacht, damit ihr nicht in Versuchung fallt.“

Nachdem Jesus Petrus so mitleidig angeschaut hatte und ihn dadurch zur Erkenntnis und Reue über seinen Fehltritt bewegt hatte, wurde er fortgeführt und in ein enges Verlies gebracht, in dem er den übrigen Teil der Nacht unter ständigen Verspottungen und Misshandlungen verbringen musste.

Nach Tagesanbruch führte man ihn zu neuen Richtern, nämlich zu Pilatus und Herodes. Auch dahin wollen wir Jesus begleiten. Obwohl Pilatus ein Heide  war, benahm er sich gegenüber Jesus viel menschlicher als  die Juden. Als er den Herrn so schrecklich misshandelt und entstellt sah, wurde  er mit Unwillen gegen die Juden  erfüllt. Sie hatten ihn schon in aller Frühe  sagen  lassen, er möge sich bereithalten. Sie würden ihm Jesus von Nazareth,   der schuldig sei und zum Tode verurteilt werden solle, überliefern. Er fragte die Hohenpriester: „Was für eine Schuld habt ihr denn gegen diesen Menschen vorzubringen?“ Sie erwiderten:  „Wenn er kein Verbrecher  wäre, so würden  wir ihn  dir nicht  überliefern.“ Hierauf  wurden falsche  Beschuldigungen   vorgebracht, wie: Er bringe das Volk in Aufruhr, er verbreite überall neue, unerhörte Lehren, er lässt sich den Gesalbten Gottes, den verheißenen Messias, den König der Juden nennen.

Auf die letzte Anklage hin ging Pilatus einige Stufen hinunter zu Jesus und fragte ihn: „Bist du der König der Juden?“ Jesus antwortete: „Ich bin zwar ein König, aber mein Reich ist nicht von dieser Welt, denn wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so würden  meine Diener wohl für mich gekämpft haben, dass ich nicht den Juden überliefert werde. Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

Ja, Jesus ist in Wahrheit ein König, und zwar der König der Herrlichkeit. Als Jesus dem Pilatus geantwortet hatte, dass sein Reich nicht von dieser Welt sei, fragte Pilatus weiter: „Also bist du doch ein König?“ Und Jesus antwortete: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis gebe. Wer aus der Wahrheit ist, der hört auf meine Stimme.“ Da sagte Pilatus: „Was ist Wahrheit?Wie antworten nun Menschen auf diese Frage? Vielleicht meinen sie, dass Wahrheit alles sinnlich Angenehme sei, alles, was irdischen Vorteil bringt. Aber da irren sie sich. Das ist nicht die Wahrheit, die Jesus meint. Solche Wahrheiten sind oft vergebliche Wege. Nur bei Jesus und der Heiligen Kirche ist Wahrheit. Lasst uns daher niemals anderswo die Wahrheit suchen als bei Jesus und seiner Kirche!

Pilatus hatte nach den bisherigen Anklagen keine Schuld an Jesus festgestellt, die sein Todesurteil hätte rechtfertigen können. Er hatte gehört, dass er aus Galiläa sei und sie dort nur eine Gelegenheit suchten, um Jesus loszuwerden. Daher wurde Jesus, der ja ein Galiläer war, also ein Untertan des Herodes,  nun zu diesem geführt, der König von Galiläa war.  Er solle die Schuld feststellen, die Jesus vorgehalten wurde.

 

Palmsonntag, B Mk 14,1–15.

Palmsonntag 2015: Plus und Minus
Als Jesus feierlich in Jerusalem einzog, ahnte niemand, dass er am Karfreitag sterben würde. Heute werden wir die Leidensgeschichte Jesu, seine Passion, hören. Die Passion zeigt, dass Jesus Misserfolg und Verurteilung erleben musste. Alles, was Jesus tat, tat er im Vertrauen auf seinen Vater. Sein Vater weiß alles und hat die Kontrolle. Die Bosheit der Welt hatte nicht das letzte Wort. Jesus starb mit den Worten: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!“ Das Leben Jesu war weder das eines Schiffbrüchigen noch das eines Verzweifelten. Gott kann jeden Menschen, der nur Misserfolg sieht, auf den Beginn eines neuen Lebens vorbereiten.
Die Leidensgeschichte Jesu ist für uns eine Einladung, unseren alltäglichen, pessimistischen Blick zu ändern und alles aus Gottes Perspektive zu sehen. Das ist eine gewaltige Bereicherung. Was für uns ein Minus bedeutet, können wir mit den Augen Gottes als Plus erkennen. Gott hat schon in unsere aktuelle Situation den Anfang eines neuen Lebens hineingelegt. Mit anderen Worten: Betrachten wir unser Leben mit den Augen Gottes!

Ostergottesdienst für Schüler – kurze Predigt.

Vor ein paar Jahren wurde im Fernsehen ein Dokumentarfilm über das Ende des Zweiten Weltkriegs gezeigt. Ein militärischer Reporter filmte die Befreiung eines Konzentrationslagers. Es ist schwer vorzustellen, wie groß die Freude und Erleichterung der armen Sträflinge gewesen sein müssen. Die Befreiung bedeutete für sie die Hoffnung auf ein würdiges Leben, in dem sie nicht mehr gequält werden. Wir feiern einen anderen Sieg: die Auferstehung Jesu Christi. Dieser Sieg gibt uns die Hoffnung, dass auch wir auferstehen werden. Wenn wir die Auferstehung Christi feiern, bekennen wir, dass er wirklich von den Toten auferstanden ist. Dann werden wir uns bemühen, oft in die Kirche zu gehen, Jesus zu lieben und uns so auf unsere eigene Auferstehung vorzubereiten. Ostern kann man unterschiedlich feiern. Wir können fröhlich sein, leckeres Essen genießen und wunderbare Musik hören, aber all das können wir auch ohne Christus tun. Wir werden zwar Ostern feiern, aber die Auferstehung Christi wird uns nicht berühren.

Ein Autofahrer brachte das Holz zum Bahnhof. Es war bittere Kälte. Er legte das Holz aus und ging dann in ein Wirtshaus, um heißen Tee zu trinken. Er war ein guter Christ. Jeden Sonntag besuchte er die Kirche. Manchmal auch unter der Woche. Einer der Männer, die dort waren, sagte zu ihm: „Du solltest weniger in die Kirche gehen und öfter unter uns sein.“ Der Autofahrer antwortete ihm: „Wenn du stirbst und vom Tod auferstehst, werde ich sehr oft hier sein.“ Auch die Männer im Wirtshaus waren Christen. Sie feierten jedoch das Osterfest ohne Christus. Und das ist nicht richtig. Christus hat nicht für sich selbst gesiegt, sondern für uns, damit wir das ewige Leben erhalten.

Verkündigung des Herrn (Lk 1,26–38).

Verkündigung des Herrn 2015 – der Gruß und Verwandlung

Einleitung
Der Engel Gabriel besuchte Maria und sagte zu ihr: „Fürchte dich nicht, denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen und einen Sohn gebären. Dem sollst du den Namen Jesus geben.“ (Lk 1,30–31).
Wir fragen aber: Wie ist es möglich, dass eine Frau einen Sohn gebären wird, wenn wir wissen, dass Kinderkriegen von der Potenz des Mannes und der Frau abhängt? Wie können wir das alles wissen? Hat Maria diese Information manchem Apostel weitergegeben?

Predigt.
Die Evangelien wurden nicht wie Marias Lebenslauf geschrieben. Sie entstanden nach dem Tod Christi, als die Urkirche die Geschichte von Jesu Leben, seiner Wirkung und seinem messianischen Werk erzählte. Es ist nachvollziehbar, dass sich die Kirche für den Ursprung Jesu interessierte. Es war notwendig, zu erklären, dass Jesus eine göttliche Herkunft hat und über menschliche Fähigkeiten hinausgeht. Jeder Mensch hat seinen Anfang. Aber Jesus begann nicht, der Sohn zu sein, bis er in Bethlehem geboren wurde, weil sein Dasein mit dem Vater in der Dreieinigkeit von Ewigkeit her bestand. Wie sollte die Kirche die Wahrheit erklären, dass der Ursprung von Jesu Leben auf der Erde unterschiedlich ist von unserem? Der Evangelist Lukas vermerkte diese Geschichte nicht als Denkaufgabe für unser Denken, sondern als Ereignis, über das wir staunen sollen. Maria empfing Gottes Angebot, das sie erhob, verwandelte und vervollkommnete. Mit den Aufgaben gibt Gott auch Gnaden. Wenn wir auf Gottes Angebot zustimmend antworten, versuchen wir, seinen Frieden und Segen zu erlangen. Die Fleischwerdung Jesu muss nicht nur die Angelegenheit Mariens sein; Christus kann symbolisch in jedem von uns verkörpert sein. Wir können Jesus in unseren Herzen tragen, an unserem Arbeitsplatz, in unserer Familie, überall dort, wo wir hingehen. Es genügt, wenn wir Jesus in uns aufnehmen und nach seinen Lehren leben. Ein kluges Märchen erzählt von unserer Sendung.

von unserem unterschiedlich ist zunächst gelb und anschließend vertrocknet. Auch die kümmerlichen Sträucher und Buschbäume sind ausgetrocknet. Vom Himmel fiel kein Tropfen. Tausende kleine und große Tiere sind zugrunde gegangen. Selbst die alten und starken Bäume mit tiefen Wurzeln verloren ihre Blätter. Nur ein kleines Blümchen lebte noch, weil es von einem bescheidenen Sprudelwasser bewässert wurde. Doch auch das Sprudelwasser verzweifelte.  „Ich habe immer weniger Wasser und kann nichts dagegen tun.“ Ein gewaltiger Baum in der Nähe hörte seinen Jammer und sagte zum Sprudelwasser: „Niemand erwartet von dir, dass du das Leben der ganzen Wüste spendest. Deine Aufgabe ist es, dieses Blümchen am Leben zu erhalten. Nichts mehr. Auch wir müssen nicht die Erlöser der ganzen Welt sein. Es ist genug, wenn wir Christus in uns tragen und uns bemühen, diejenigen zu lieben, mit denen wir zusammenleben. Das verlangt von uns, Gottes Willen immer mit einem „Ja“ zu bejahren.

Joh 8,21–30.

Jesus Christus, der uns vor dem ewigen Tod retten will, sei mit euch

Jesus sagte den Juden, dass sie in ihren Sünden sterben würden, was für sie unvorstellbar war, da sie zum auserwählten Volk gehörten. Heutzutage denken viele Menschen, dass Gott unendlich liebevoll ist und jeden retten möchte. Das stimmt, doch auch der Mensch muss den Willen haben, gerettet zu werden. Wenn wir glauben, gestatten wir Gott, uns zu retten.  

Es wurde vorhergesagt, dass du leiden würdest. Herr, erbarme dich unser.

Du warst am Kreuz für alle Menschen erhöht, Christus, erbarme dich unser.  

Du bist gekommen, um den Willen Gottes zu erfüllen.

Den Israeliten, die von einer Schlange gebissen worden waren, dünkte es sehr sonderlich, wenn sie hörten, dass sie geheilt werden wollten; sie sollten auf die Kupferschlange schauen. Aber es funktioniert. Wenn sie leben wollte, mussten sie die Schlange ansehen. Verschieben wir uns in die Zeit Jesu. Jesus wusste, dass er erhöht werden musste, damit wir aus der Sünde und dem Tod befreit sind. Er wusste, dass eben das Werkzeug seines Todes für uns  zur Quelle des Lebens wird.

Jesus vor Kajaphas.

Wie Anna war auch Kajaphas schon lange mit dem Hohen Rat versammelt und wartete ungeduldig auf die Ankunft Jesu. Endlich wurde der Herr unter Stößen beworfen und durch den Vorhof hinan zum Hohen Rat geführt. Kaum hatte Kajaphas Jesus erblickt, schrie er ihm wie vom Teufel gehetzt entgegen.  „Bist du da, du Sabbatschänder?“  Nachdem der Heiland auch hier mit allen möglichen Schimpf- und Schmähworten überhäuft worden war, begann das Zeugenverhör von Neuem. Es waren die alten falschen Beschuldigungen und Verdrehungen, die schon vor Annas vorgebracht worden waren, nur mit dem verheerenden Unterschied, dass sich die Zeugen häufig selbst widersprachen. Dadurch geriet Kajaphas selbst in erhebliche Verlegenheit. Beschämt und ergrimmt zugleich stand er von seinem Sitze auf, ging einige Stufen hinab zu Jesus und sprach: „Antwortest du nicht?“  Hörst du nicht, was diese von dir sagen? Jesus aber schwieg und blickte ihn nicht an. Da hob Kajaphas seine Hände empor und sagte mit furchtbarer Stimme: „Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du Christus, der Messias, der Sohn Gottes bist!”
Auf diese Frage konnte Jesus nicht mehr schweigen, denn es ging um die Ehre seines himmlischen Vaters. Große Stille herrschte in der ganzen Versammlung, als Kajaphas den Herrn im Namen des lebendigen Gottes aufgefordert hatte, zu sagen, ob er Christus, der Messias, der Sohn Gottes sei. Und Jesus richtete sein Haupt empor und sprach, von Gott gestärkt: „Ich bin es, und ich sage euch: Ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Allmacht Gottes und in den Wolken des Himmels kommen sehen.“ (Matthäus 26,64) Lernen wir von ihm, unerschrocken und großmütig zu handeln, wenn es um die Ehre Gottes geht! Kaum hatte der Herr auf die feierliche Frage des Hohenpriesters geantwortet, da ergriff Kajaphas den Saum seines Prachtmantels und schrie. „Er hat Gott gelästert! Was bedürfen wir noch: Zeugen? Nun habt ihr die Lästerung selbst gehört. Was dünkt euch nun?” Und alle Anwesenden standen auf und riefen mit furchtbarer Stimme. „Er ist des Todes schuldig!“
Doch das unschuldige Lamm hatte vor Kajaphas noch nicht genug für die Sünden der Menschen gelitten. Als die ganze Versammlung des gottlosen Rates daher das Todesurteil über Jesus gesprochen hatte, beeilten sich die Soldaten und Schergen, die ihn bewachten und an Stricken gebunden hielten, ihn mit allem Spotte zu überhäufen. Sie spien in sein heiliges Angesicht. Sie schlugen ihn mit ihren derben Fäusten, verbanden ihm mit einem schmutzigen Lappen die Augen und gaben ihm Backenstreiche ins Gesicht. Dabei sprachen sie mit teuflischem Hohn: „Weißage uns, Christus, du falscher Prophet, wer dir es getan hat, wer ist es, der dich geschlagen hat?”  Sie beugten ihre Knie vor ihm, um ihn als König zu verspotten. Und für diesen Mut trieben sie es mit Jesus im Angesicht des Kajaphas und seines Hohen Rates.

Wenn wir uns Jesus vorstellen, wie er diesen Unmenschen preisgegeben ist, wie er von diesem Auswurf der Menschheit ins Angesicht gespien, geschlagen, hin- und hergestoßen, mit Backenstreichen „bewirtet“, beschimpft und verhört wurde, dann können wir uns nicht vorstellen, was er gelitten hat. Oh, wir können uns nicht vorstellen, was Jesus da gelitten hat. Wahrlich. Wäre sein Herz nicht überfüllt von Liebe zu uns, hätte er das niemals gelitten. Hätten die Juden Jesus als den Sohn Gottes und Heiland der Welt erkannt, hätten sie ihn nie so behandelt.
So haben wir also Jesus in einem neuen Leidensstadium gesehen: Wir haben ihn vor Kajaphas gesehen, und seine Unschuld und Gerechtigkeit vor Ananas und Kajaphas. Lernen wir von Jesus, zu schweigen, wenn wir ungerecht beschuldigt und verklagt werden. Lernen wir aber auch von ihm, wenn es um die Ehre Gottes geht.  Schauen wir hin auf den misshandelten, verspotteten, bespielen und geschlagenen Heiland – welche Liebe von seiner Seite! O unschuldig misshandelter Heiland, richte uns nicht nach unseren Missetaten und Sünden, lass dein furchtbares Leiden an uns nicht verloren sein. Denn siehe, wir erkennen nun, was dich die Sünde gekostet hat. Wir haben die Absicht, dich zu lieben, der du uns so sehr geliebt hast.

5. Fastensonntag B Joh 12, 20-33

Das Leben lebt von der Selbsthingabe.
Einleitung
Ein Fräulein sagte seiner Freundin, dass es zwei Bewerber gibt, aber sie weiß nicht, wen sie auswählen soll. Der eine ist Bankier, der andere Arzt. Das ist ein Dilemma: Geld oder Leben? Dieses Fräulein richtet sich nach dem Motto:  „Bei wem wird es mir besser?“ Jesus aber sagt zu uns: „Wer sein Leben liebt, der wird es verlieren; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, der wird es bewahren bis ins ewige Leben.“ (Joh 12,25)
Verstehen wir dieses Gesetz? Dass wir durch Leid und Selbstverleugnung zum Leben und zur Verherrlichung gelangen.
Predigt

Der Evangelist Johannes hat nicht das Kapitel von Getsemani, in dem Jesus von Angst und Verlassenheit geplagt wird. Er hat jedoch das Kapitel über das Weizenkorn. Auch hier äußert sich Jesus Bange um das, was kommen wird: „Jetzt ist meine Seele erschüttert.“ Was soll ich sagen? Vater, erlöse mich von dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen! Vater, verherrliche deinen Namen!” Da kam eine Stimme vom Himmel. „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ (Joh 12,27-28)
Uns fällt ein: Hier geht es um einen Irrtum. Das, was kommt, wird die Stunde der Verurteilung, der Geißelung, der Erniedrigung und der Schande sein. Du nennst das die Stunde der Verherrlichung; wir sehen dahinter deine Demütigung, Beseitigung und Liquidation.
Jesus kann die Niederlage einen Sieg nennen, weil er das Geheimnis des Lebens, das Geheimnis des Weizenkorns, kennt. Jesus wollte sich nicht selbst retten. Er war bereit, sich für die anderen zu opfern. Kein Korn wird „Ehre und Erfolg“ haben, wenn es nicht stirbt, damit aus ihm eine Ähre aufwächst.

Auch nach 2000 Jahren stellen wir uns diese Frage. Wann kann der Mensch ein wirklich glückliches Leben finden? Jesus würde diese Frage so beantworten. Wer sich selbst liebt, ist auf sich selbst konzentriert und verliert sein Leben. Das ist ein Gesetz. Nur wer sein Leben opfert, kann es finden. Das ist das Paradoxon. Wer sein Leben verliert, der wird es gewinnen.
Jesus zu folgen bedeutet, das Gesetz des Weizenkorns anzunehmen. Das ist nicht selbstverständlich. Niemandem fällt es leicht und natürlich, für die anderen zu dienen und sich zu opfern. Wir alle sind wie das Fräulein aus der heutigen Einleitung: Bankier oder Arzt?  Wer wird für mich besser sein?  Das ist keine christliche Gesinnung.  Der Mensch befreit sich durch Selbstopferung vom Egoismus und findet das Leben. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. schrieb: „Das Maß, glücklich zu sein, hängt davon ab, vorbereitet zu sein, die Mühseligkeiten des menschlichen Lebens zu überleben.” Die Welt um uns herum verleugnet den Wert des geduldigen Ertragens von Leiden. Wir betrügen uns selbst, wenn wir glauben, dass wir ein glückliches und interessantes Leben haben werden, wenn wir das Leiden vermeiden. Aber der Papst fügt hinzu: „Wer dem Menschen sein Leid wegnehmen und ihn in das „Land der Träume“ führen will, der verliert sich selbst. In Wirklichkeit erlöst den Menschen nur sein Kreuz. Das Kreuz ist in diesem Fall die Fähigkeit, vom Egoismus zur Altruismus, zum Dienst und zur Liebe zu wechseln. Es reicht, sich zu fragen: Inwiefern sind wir bereit, zu dienen, zu helfen oder zu raten? Oder wir fragen uns: Wie viel Aufmerksamkeit widmen wir uns selbst?

Am Ufer des Meeres wuchs eine wunderschöne Palme. Gott spazierte dort gerne. Eines Tages sagte er zu ihr: „Würdest du mir deinen schönen Wipfel geben?“ Aber ja, du kannst ihn mir geben. Und so blieb der Palme nur der Baumstamm. Bald kam Gott wieder und sagte zur Palme: „Ich würde deine Wurzel brauchen.“ Und von der schönen Palme blieb nur der Stamm. Nach wenigen Monaten kam Gott wieder und sagte zu ihr. „Ich brauche dein Marktholz.“ Nimm, Herr, was du willst. Und so blieb von der Palme nur ein leeres Rohr. Als Gott wiederkam, sagte die Palme zu ihm: „Ich habe jetzt nichts.“ Gott nahm sie mit in die Wüste, wo sie dabei half, den trockenen Boden zu bewässern. Und alles um sie herum wurde grün. So viel zur Erzählung des unbekannten Autors. Sich zu opfern ist ein schwieriger Prozess, aber am Ende werden wir hundertfache Frucht sehen.

Hl.Josef, Bräutigam der Gottesmutter Maria.

Einleitung
Wir kennen ihn als einen gerechten Mann, der sorgfältig auf die Stimme Gottes hört und unverzüglich das tut, was der Heilige Geist ihm eingibt. Er ist sehr bescheiden und zurückhaltend. Er gehorcht jeder Anweisung vom Himmel. Bemühen wir uns, den Tugenden des heiligen Josephs zu folgen?
Predigt
Der heilige Josef war der Haupt der heiligen Familie.  Das ist zweifellos eine einzigartige Würde, mit der ihm niemand gleichkommt und für die er besondere Achtung verdient. Wir würden gern so viel wie möglich über sein Leben erfahren, haben jedoch nicht genügend Angaben, um seinen vollständigen Lebenslauf zusammenzustellen. Was wir wissen, finden wir in den ersten Kapiteln des Matthäus- und des Lukasevangeliums. Darin tritt der heilige Josef als Nachkomme des Königs Davids auf. Merkwürdig ist, dass die erwähnten Evangelien zwei verschiedene Stammbäume des heiligen Josef anführen. Von Abraham bis zum König David sind in beiden Stammbäumen dieselben Personen aufgeführt, bis auf eine kleine Ausnahme. Ab den Söhnen Davids geht es jedoch um zwei verschiedene Zweige seiner Nachkommenschaft. Das gravierendste Problem bleibt Josefs Vater. Nach dem Matthäusevangelium war Jakob (Vater von Josef) Sohn des Matan.  Nach dem Lukasevangelium war Heli der Sohn des Matan. Um diese Widersprüche haben sich schon die alten kirchlichen Väter bemüht. Nach Meinung des heiligen Augustinus war Josef der Sohn des Jakob, der Heli adoptierte, und somit bereits ein Sohn der alten kirchlichen Väter. Heli und Jakob waren leibliche Brüder.  Heli starb ohne Nachkommen und ehelichte laut seiner Verfügung seine Frau, die Schwägerin Jakobs, mit der er den Sohn Josef hatte. So war Josef der legitime Sohn von Heli und der natürliche Sohn von Jakob. Die Hauptbedeutung der Stammbäume besteht darin, dass sie auf Josefs Abstammung aus der Linie Davids hindeuten. Josefs Vaterstadt war Bethlehem; er wohnte aber in Nazareth, wo er armer Zimmermann war. Viele Bilder zeigen Josef als alten Mann. Das hat jedoch keine Stichhaltigkeit. Sicher war Josef älter als Maria, aber altersgemäß, um die Aufgabe zu meistern, die ihm von der Vorsehung Gottes bestimmt war. Insgesamt scheint es, dass Josef nicht sehr initiativ war. Die Evangelien führen kein Wort von ihm ein.  Auch bei der Auffindung Jesu sprach Maria in seinem Namen. „Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voller Angst gesucht.“ (Lk 2,48) Josef schwieg.  Wenn es jedoch notwendig war, wusste Josef ohne zu zögern, was von ihm verlangt wurde.

Wann und wie ist der heilige Josef gestorben? Die Evangelien schweigen darüber, aber wir können schlussfolgern, dass es in der Zeit war, in der Jesus noch ein Mann war, noch vor seinem öffentlichen Auftreten. Sicher ist, dass Josef beim Tod das Privileg hatte, das weder Maria noch ein Mensch hatte. Er konnte in Jesu Nähe oder in den Armen Jesu sterben. Jesus konnte gegenüber dem Mann, der ihn viele Jahre lang ernährt, beschützt und aufrichtig geliebt hatte, nicht gefühllos sein. Der heilige Josef nahm in der Atmosphäre der Liebe und Gnade Gottes Abschied von dieser Welt. Darum wird der heilige Josef zu Recht als Patron des seligen Todes bezeichnet.

Gewissenspiegel – Die Zehn Gebote

Geschwistern

War ich nicht naschhaft, leckerig?

Tat ich jemandem weh?

Ist mir jemand unsympathisch?

Warst du zu jemandem böse? Warum?

Schimpfte ich über jemanden?

Half ich jemandem. wenn ich konnte?

Habe ich mich mit dem anderen nach dem Streit versöhnt?

Bin ich für diejenigen  eingetreten, denen Unrecht getan wurde?

Verspätete ich jemanden?

Habe ich die Tiere nicht gequält?

War ich nicht stolz, egoistisch oder eingebildet?

War ich nicht neidisch?

Gab ich nicht ein schlechtes Beispiel?

Halte ich Fahrdienstvorschriften ein?

Bin ich vorsichtig, wenn ich Rad fahre?

6.Du sollst nicht ehebrechen!

9.Du sollst nicht begehren  deines Nächsten Frau!

Zog ich mich anständig an?

Habe ich nicht unsittliche Witze und Reden erzählt?

Schaute ich nicht unanständige Filme und Bilder  an?

Habe ich jemanden zur Sünde verführt?

Produzierte ich mich vor den Kameraden?

7. Du sollst nicht stehlen!

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut!

Habe ich etwas gestohlen?

Gib ich die geliehene Sache zurück?

Habe ich meine eigenen Sachen oder fremde beschädigt?

Habe ich die aufgefundene Sache zurückgegeben?

Geben die Eltern nach dem Einkauf alles Geld zurück?

Wenn ich etwas beschädigt oder gestohlen habe, kann ich dafür einstehen?

Habe ich meine Sachen in Ordnung gehabt?

War ich geizig?

Wusste ich, dass ich meine Sachen borgen kann?

Habe ich das Geld für eine unbrauchbare Sache ausgegeben?

War ich nicht faul?

8. Du sollst kein falsches Zeugnis wider  deinen  Nächsten geben.

 Habe ich immer die Wahrheit gesagt?

Habe ich jemanden angelogen?

Habe ich mich vorgestellt?

Habe ich mich ausgeredet?

Habe ich die Schuld auf jemanden abgewälzt?

Habe ich nicht über jemanden schlecht geredet?

Habe ich die Fehler auf die anderen übertragen?

Verstehe ich nicht jemanden?

Habe ich nicht das Geheimnis verraten?

Habe ich in der Schule beim Spielen geschwindelt?

Wurde  jemand für meine Schuld bestraft?

Habe ich eingehalten, was ich gesagt habe?

Noch einige Fragen

Habe ich die Buße aus der letzten Beichte gebetet?

Welche Sünde bedrückt mich am meisten?

Welche Sünde wiederholte sich am häufigsten?

Was für einen Vorsatz gebe ich mir?

Was werft mir das Gewissen vor?

 

Joh 4,43-54.

Jesus Christus, der Heil schenkt, wo der Mensch sich ihm im Glauben öffnet, sei mit euch!
Jesus sagte in Kana: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht.“ Es ist so. Nicht die Wunder rufen den Glauben hervor, sondern der Glaube ruft die Wunder hervor. Glauben wir, dass Gott auch heute Wunder wirkt, obwohl wir nicht bei diesen Ereignissen anwesend sind?

Wenn wir eine traurige Zeit oder Schwierigkeiten erleben, bemühen wir uns, dem Herrn aus Leibeskräften zu vertrauen. Dem königlichen Beamten sagte Jesus: „Geh, dein Sohn lebt.“ Ähnlich sagt Jesus auch zu uns, damit wir gehen und glauben, bevor wir sehen. Auf der Hochzeit in Kana war Maria voller Glauben. Sie wusste, dass Jesus eingreifen würde, um das Hochzeitsmahl zu retten.
Der königliche Beamte hatte nicht so viel Glauben wie Maria. Aber auch sein Glaube war ausreichend. Bitten wir Jesus, unseren Glauben in guten wie in schlechten Zeiten zu vertiefen.
Wir haben durch Jesus Christus zum Glauben gefunden. Durch ihn dürfen wir voller Vertrauen zum Vater beten.
Wir wollen nicht um Zeichen und Wunder bitten, sondern um den Frieden, den nur Gott uns schenken kann.
Selig, die glauben und das Leben empfangen, das Jesus für uns vorbereitet hat.

Jesus vor Hannas und Kajaphas.

Wir haben uns zuletzt mit der immensen Angst und Traurigkeit des Herrn bei seiner Gefangennahme am Ölberg beschäftigt und ihn in dem Moment verlassen, in dem er von seinen Feinden gefangen genommen wurde. An dieser Stelle wollen wir nun den Faden der Leidensgeschichte des Herrn wieder aufnehmen und weiterführen.
Bald nach der Gefangennahme setzte sich der grausame Zug in Richtung Stadt in Bewegung. Die Schergen zerrten und misshandelten Jesus auf die grausamste Weise und übten an ihm allen Mutwillen aus, teilweise aus eigener Bosheit, teils, um sich den Pharisäern, die als Abgeordnete des Hohen Rates beim Zug waren, gefällig zu zeigen.  Vom Ölberg aus führte der Weg nach Jerusalem über den Bach Cedron. Über diesen Bach führte eine lange Brücke.   Als die Schergen mit Jesus an denselben kamen, riefen sie ihn unter Spott und Hohn zu. Hier könne er sich satt trinken. Jesus trank auch im Bach Cedron, um seinen brennenden Durst zu stillen, und erfüllte damit zugleich auch, was der Prophet David im 109. Psalm schon Jahrhunderte zuvor über ihn geweissagt hatte: „Aus dem Bach am Weg wird er trinken.”

Aus dem Bach Cedron wurde der Herr weitergeführt. Die Soldaten und Schergen hatten den Auftrag, Jesus zu den Hohenpriestern Hannas und Kajaphas zu führen.  Während Jesus vom Ölberg nach Jerusalem gebunden und gefesselt geführt wurde, herrschte in der Stadt ausgelassene Lebhaftigkeit.  Die Hohenpriester sandten Boten in alle Teile der Stadt aus, um den Hohen Rat zusammenzurufen und Zeugen aufzubringen, die gegen Jesus aussagen würden. Es war ungefähr Mitternacht, als Jesus in den Palast des Annas geführt wurde. Die Schergen schleppten den Herrn unbarmherzig mit den Stricken, um ihn näher zu Hannas zu bringen, der auf einem erhabenen Stuhl saß. Hannas war schon voller Ungeduld und konnte die Ankunft des armen Heilands kaum erwarten. Jesus stand bleich im nassen, mit Kot befleckten Gewand, mit gebundenen Händen, von Schergen an Stricken gehalten, vor ihm.  O welch ein Anblick! Die Unschuld stand da, gebunden, während die Ungerechtigkeit auf dem Thron triumphierte.

Nun begann Hannas das Verhör von Jesus. Er tat so, als wisse er nicht, dass der ihm vorgeführte Gefangene Jesus sei, und redete ihn mit höhnischen Worten an. „Ja, sieh da, Jesus von Nazareth. Bist du es?  Wo sind denn deine Jünger, dein umfangreicher Anhang? Wo ist dein Königreich, von dem man so viel gehört hat? Du wünschst, eine neue Lehre aufzubringen. Wer hat dir das Recht gegeben, zu lehren?  Was ist deine Lehre, die alles empört und in Aufruhr bringt?  Sprich.  Nach diesen Reden richtete Jesus sein müdes Haupt empor, sah Hannas an und sprach: „Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen, und ich habe nichts im Verborgenen geredet.  Was fragst du also mich?   Frage diejenigen, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; sie wissen, was ich gesagt habe.  Joh 18,20–21: Als Jesus dies gesagt hatte, schlug einer von den Dienern, die dastanden, Jesus ins Angesicht und sprach:  „Antwortest du so dem Hohenpriester?”  Jesus antwortete: „Habe ich Unrecht geredet, warum schlägst du mich? Dann forderte Hannas die Anwesenden auf, sie sollten nun sagen, was sie von ihm gehört hätten, was seine Lehre sei. Daraufhin erfolgte ein verwirrtes Schmähen und Schreien von dem versammelten Gesindel. Die einen schrien, er habe gesagt, er sei ein König. Gott sei sein Vater. Andere schrien, er lasse sich den Sohn Gottes nennen. Wieder andere schrien.  Er habe „Wehe über Jerusalem” gerufen, lehre den Untergang der Stadt und halte die Fasten nicht. Und was machte Jesus auf den Aufruf?  Sprich, antworte, wenn du kannst. Und Jesus schwieg. Um den Herrn noch mehr zu beschimpfen, gab Hannas ihm ein Stück alten Moosrohrs in die Hand und sagte höhnisch: „Hier hast du den Zepter deines Reiches.”   „Hier hast du den Zepter deines Reiches. Trage ihn hin zu dem Hohenpriester, damit er deine Sendung und dein Reich daraus erkenne und dich entsprechend behandle. Bindet ihm die Hände, sprach er zu den Schergen, und führt diesen König vor den Hohenpriester.  Und Jesus wurde fortgeschleppt zum Palast des Kajaphas.

Mk 12,28–34.

Jesus Christus, der uns geboten hat, unseren Nächsten zu lieben, sei mit euch.
Die heilige Tora enthielt 613 Gebote. Wenn der Hauptauftrag vergessen wird, vermehren sich die Nebenaufträge. Und wo sich die Gesetze vermehren, dort verkleinert sich die Freiheit. Es ist klug, das erste Gebot einzuhalten und frei von allen anderen zu sein. „Liebe und mache, was du willst”, sagt der heilige Augustinus.
Du lernst uns, Gott, unseren Vater, zu lieben. Herr, erbarme dich unser.
Du lehrst uns, unseren Nächsten zu lieben. Christus, erbarme dich unser.
Du bist zu uns gekommen als Zeuge der Liebe Gottes.

Dass wir Gott lieben sollen, der uns so viel gegeben und uns noch mehr versprochen hat, der so groß, mächtig und schön ist, das verstehen wir. Wir gestehen, dass er den Anspruch auf unser ganzes Herz hat. Aber wenn wir den Menschen lieben sollen, der uns Frieden und einen guten Namen bringt, dann widersetzt sich etwas in uns. Diese beiden Lieben sind jedoch untrennbar. Wenn wir eingestehen, dass Gott unsere Liebe verdient, können wir sie unserem Nächsten nicht verweigern. Aus einem einfachen Grund. Wir können Gott nur so lieben, wenn wir seine Gebote einhalten.
Da wir Gott aus ganzem Herzen lieben wollen, wagen wir, zum Vater zu beten.
Damit wir das Beispiel und Gebot der Liebe des Herrn nicht missachten, wollen wir ihn um seinen Frieden bitten.

Selig, die Gott und den  Nächsten  lieben und nicht fern  sind vom Reich Gottes.

4. Fastensonntag B: Joh 3,14-21.

 Veröffentlichung der Güte Gottes
Einführung
Im heutigen Evangelium werden wir von Jesus die folgenden Worte hören: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“    Sind wir uns dessen bewusst, was diese Worte für uns bedeuten? Sehnen wir uns nach dem ewigen Leben? Ist uns das ewige Leben wertvoll?

Predigt
Wenn die Wahrheit über einen Menschen, der in seinem Leben einen schweren Fehler begangen hat, veröffentlicht wird, dann ist das eine Art von Gericht. Meistens möchten diese Menschen einige Seiten ihres Lebens am liebsten verheimlichen.  Auch in der Schule gibt es Situationen, die nicht so drastisch sind, aber ebenfalls unangenehm. Der Lehrer macht öffentlich kund, dass ein Schüler sehr fleißig ist und daher die Note 1 verdient. Das baut ihn auf. Erwähnt er allerdings auch, dass ein anderer Schüler wegen seiner ständigen Unvorbereitung die Note 5 erhält, ist das peinlich für ihn.

Jesus bemüht sich immer wieder, die Wahrheit über Gott zu verkünden. Gott ist unser Vater, der uns liebt und alles versucht, um uns zu retten.  Jesus erinnert uns nicht nur theoretisch an das Handeln Gottes, sondern stellt es uns auch vor Augen. Ich denke dabei vor allem an den Tod Jesu am Kreuz.  Jesus sagte damals: „Auch wenn ihr mich töten werdet, werde ich euch lieben.” Jesus will, dass wir eine richtige Vorstellung davon haben, wie Gott ist.

Für uns Menschen ist es wichtig, die richtige Einstellung zum Glauben zu haben. Glauben bedeutet, das Dasein Gottes anzuerkennen und von seiner Güte zu sprechen. Wir müssen zu unserem Glauben stehen und davon erzählen. Wenn wir die Heilige Messe besuchen, dann bedeutet uns Gott viel und wir widmen ihm deshalb unsere Zeit. Durch unseren Glauben erwarten wir viel von Gott: Wir erwarten, dass unser Leben gesegnet und erfüllt ist. Wenn wir nicht glauben, haben wir kein Interesse an Gott und dem, was er uns sagt. Dann brauchen wir Gott nicht, wir verneinen ihn. Jesus ist unser Licht. Wenn wir ihn ablehnen, bleiben wir in der Finsternis.   Das Licht kam in die Welt, aber die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Taten waren böse, so heißt es im Evangelium.

Der Weisheitsspruch sagt: „Wer will, sucht Wege, wer nicht will, sucht Gründe.”  Gott sucht nicht nach Gründen, um uns zu verurteilen, sondern nach Wegen, um uns zu retten. Die Reaktion der Menschen sollte ähnlich sein. Wir sollten nicht nach Gründen suchen, warum wir dem geistlichen Leben nicht mehr Zeit widmen können, sondern nach Wegen, es zu verwirklichen. Wer will, findet einen Weg.

Im Jahr 2003 wurde Ladislaus Fürst Batthyány-Strattmann von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Er wurde in Dunakiliti in Ungarn geboren. Da die Donau in seinem Geburtsort oft über die Ufer trat und den Ort überflutete, siedelten seine Eltern nach Kittsee im Burgenland um.  Als er zwölf Jahre alt war, starb seine Mutter. Seitdem träumte er davon, Arzt zu werden, um arme, kranke Menschen zu heilen. Er studierte in Wien Medizin.  Sein Traum wurde also wahr. Er wurde Arzt. Er heiratete Maria Theresia Gräfin von Coreth, und aus dieser glücklichen Ehe entstammten 13 Kinder.
In Kittsee, wo sie das alte Schloss bewohnten, errichtete er 1902 ein Krankenhaus mit anfangs 25 Betten.  Anfangs war er praktischer Arzt, dann auch Chirurg und schließlich Augenarzt. Täglich behandelte er 80 bis 100 Patienten. Batthyány wollte ganz bewusst Arzt der Armen sein. Er behandelte seine Patienten unentgeltlich und gab den Ärmsten auch Geld. Den größten Teil seines ererbten Vermögens verschenkte er.r.

Nach dem Ersten Weltkrieg übersiedelte die Familie nach Körmend in Ungarn. Auch hier errichtete Batthyány ein Krankenhaus.  Wenn Leute zu ihm kamen, die sich die Behandlung nicht leisten konnten, sagte er zu ihnen: „Beten Sie für mich ein Vaterunser.”  Vor jeder Operation betete er gemeinsam mit dem Patienten, damit Gott seine Hand führe. Wenn der Patient nach Hause ging, schenkte er ihm das Büchlein „Öffne die Augen und schau”. Das war ein Büchlein über das religiöse Leben. In seiner Familie war es so: Sie gingen jeden Morgen zur heiligen Messe. Nach der Messe beschäftigte sich Batthyány mit seiner Familie noch kurze Zeit mit Glaubensthemen. Am Abend trafen sie sich zum Rosenkranz und sprachen auch darüber, welche gute Tat sie heute vollbracht hatten..

Später wurde Batthyány schwer krank. Er musste viel leiden. Er schrieb an seine Tochter: „Gott gab mir ein glückliches Leben. Jetzt aber muss ich auch meine erheblichen Schmerzen annehmen. Das tue ich mit Dankbarkeit. Ich bin glücklich, dass ich meine Schmerzen mit Christus ertrage.“
Batthyány wurde nicht nur deshalb seliggesprochen, weil er sehr sozial lebte, sondern auch, weil er den Menschen half, ihr Leben nach Gott auszurichten.  Jeden Tag zeigte er mit seinem Tun, wie gut Gott zu ihm war. Richtiger Glaube bedeutet, sich dessen bewusst zu sein, wie sehr Gott uns liebt.  

Jesus am Ölberg 2.

Jesus kam zu den drei Jüngern zurück und fand sie wieder schlafend. Da sprach er zu ihnen: „Schlaft nur und ruht, es ist genug. Die Stunde ist gekommen. Sieh, der Menschensohn wird in die Hände überliefert.” Steht auf, lasst uns gehen! Seht, der mich verraten wird, ist nahe. Und tatsächlich näherte sich schon Judas, der Verräter, mit einer gewaltigen Schar, die Schwerter und Prügel bei sich trugen. Es entstand aber ein Gezänk zwischen dem Verräter und den Kriegsknechten. Judas wollte nämlich getrennt von den Kriegsknechten ganz allein wie ein Freund zu Jesus hineingehen und sie sollten dann nachfolgen, als wären sie zufällig dazugestoßen. Aber dieser Plan gefiel den Kriegsknechten nicht, sie hielten Judas fest und sagten: „Nicht so, du sollst uns nicht entlaufen, bis wir den Galiläer haben.“

Jesus ging nun selbst der Rotte der Soldaten entgegen und Judas näherte sich dem göttlichen Heiland. Er gab sich als aufrichtiger Freund aus und gab dem Herrn den Verräterkuss mit den Worten: „Meister, sei gegrüßt.” Oh, die entsetzliche, teuflische Bosheit! Jesus aber begegnete dieser furchtbaren Vermessenheit mit den liebevollsten Worten und sprach zu ihm: „Freund, wozu bist du gekommen?  Mit einem Kuss verrätst du den Menschensohn?“ Jesus nennt Judas, der doch sein Feind war, noch seinen Freund. Er bietet ihm noch einmal seine Gnade an und erinnert ihn liebevoll an sein furchtbares Vergehen. Aber alles ist vergebens.  Wir sind äußerst entrüstet über den Verrat, den Judas an seinem Herrn begangen hat. Aber wir zürnen nicht so sehr über Judas, sondern über uns selbst. Denn wie oft sind auch wir schon zu Verrätern an Jesus geworden? Er hat uns, wie Judas, in die Zahl seiner Jünger aufgenommen und uns mit dem Gewand der Unschuld und der Kindschaft Gottes bekleidet. Er hat uns in seiner heiligen Kirche großgezogen und uns an seinem heiligen Tisch gespeist. Und zum Dank für diese Wohltaten haben viele ihn verraten. Alle, die absichtlich sündigen, sind Jesu Feinde geworden.

Nachdem Judas Jesus den Verräterkuss gegeben hatte, trat dieser den bewaffneten Kriegsknechten entgegen und fragte sie: „Wen sucht ihr?”  Sie antworteten ihm: „Jesus von Nazaret.“ Er sagte zu ihnen: „Ich bin es.” Da wichen sie zurück und fielen zu Boden. Sonderbar. Was war es, das diese Kriegsknechte zu Boden warf? Jesus wollte auch die Kriegsschar warnen. Er zeigte ihnen, dass keine Hand an ihn legen, ihm kein Haar seines Hauptes krümmen könnte, wenn er sich ihnen widersetzen wollte, wenn er sich ihnen nicht freiwillig hingeben wollte. Jesus fragte die Kriegsknechte noch einmal.  „Wen sucht ihr?” Sie antworteten: „Jesus von Nazareth.” Da sprach er zu ihnen, ohne mehr einen Strahl seiner göttlichen Majestät durchblicken zu lassen. „Ich habe es euch ja schon gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr also mich sucht, so lasst diese da – er meinte seine Jünger – gehen.”  So hatte sich der Herr selbst in ihre Hände gegeben. Der Augenblick war gekommen, den die Propheten Jahrhunderte vorher verkündeten und den er selbst deutlich vorhergesagt hatte mit den Worten: „Der Menschensohn wird in die Hände der Sünder überliefert und den Heiden übergeben werden.” Und nun wurde der Herr Himmels und der Erde wie der größte Verbrecher und Missetäter gefangen genommen, weil er sich ihnen freiwillig in die Hände gegeben hatte. Sie legten ihm eine schwere Kette teils um den Hals, teils um den heiligen Leib und befestigten an derselben vier Stricke. So sehen wir also Jesus am Ölberg gefangen genommen, gleich einem Räuber und Mörder, wir sehen ihn grausam gebunden in den Händen seiner Feinde. O welch ein schmerzlicher Anblick! O Jesus, ist es möglich? Täuschen mich meine Augen? Du, der ewige Sohn Gottes, der Herr des Himmels und der Erde, der allmächtige und unermessliche Gott, der das unendliche Weltall geschaffen hat, der mit einem Wink die ganze Welt vernichten kann. Ja, das ist so, in den Händen der Verächtlichsten unter den Menschen. Ja, so ist es. Meine Augen täuschen mich nicht. Die Sünden der Welt, auch unsere Sünden, haben Jesus so grausam gebunden und gefesselt. So haben wir Jesus also im Anfang seines Leidens, in seiner Angst und Traurigkeit, in seiner Gefangennahme am Ölberg geschaut. Das ist erst der Anfang seines Leidens. Vergessen wir dieses Jammerbild von Jesus am Ölberg nicht, sondern behalten wir es im Gedächtnis und noch fester im Herzen.

3.Fastensonntag B Joh 2,13-25

Einleitung
Vieles kann missbraucht werden, sogar Heiliges.  Davon werden wir auch im heutigen Evangelium hören. Die Händler und Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben hatten den Tempel in eine Markthalle verwandelt und ihn so zur Quelle für ihr Einkommen gemacht. Was bedeutet die Kirche für mich? Was suche ich dort?
Predigt
Jesus kam nicht in die Welt, um zu befehlen und Verbote auszusprechen. Er verkündete die Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen. Im heutigen Evangelium aber trat er anders auf. Er war sehr ungehalten über die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben. Sie hielten sich im Tempel auf, um Geschäfte zu machen.  Da hieß es: „Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus.“
Vor dem Jerusalemer Tempel gab es einen Vorhof mit Verkaufsständen für die Pilger. Die Pilger kauften dort Opfertiere, um sie im Tempel zu opfern.  Es gab dort auch Geldwechsler, die den Menschen aus Ägypten, Syrien und anderen Ländern ihr Geld wechselten, denn die Tempelsteuer konnte nur mit jüdischem Geld beglichen werden.

Für die vielen aufrichtigen Gläubigen war der Tempel ein Ort des Gebets. Es gab dort aber auch oberflächliche und gleichgültige Menschen, denen der Tempel nichts bedeutete. Sie brachten ihr Opfer dar, zahlten die Steuern – und damit war für sie alles erledigt. Gott war ihnen egal. Sie fanden kein Wort des Lobes, kein Wort des Dankes und kein aufrichtiges Gebet für ihn. Jesus wollte ihnen mit seiner eher schroffen Haltung zeigen, dass die Liebe zählt, nicht das Geld. Geld ist für den Markt, vor Gott zählt das Herz.
Wo Liebe ist, zahlen Menschen für geleistete Dienste nichts. In der Familie verlangt die Mutter schließlich auch nicht jedes Mal 10 Euro, wenn sie für sie bügelt. Auch der Vater verlangt kein Geld, wenn er eine Glühlampe auswechselt, die Wasserleitung oder die Klinke repariert.  Jesus ging es um solche Einstellungen in Bezug auf Gott. Da sind Liebe und Dankbarkeit wichtig, Lob zählt. Es reicht nicht aus, den Tempel zu besuchen, man muss auch in seinem Herzen Platz für Gott haben. Jeder Kirchenbesuch soll unsere Beziehung zu Gott vertiefen.

Weil Jesus die Geldwechsler und Verkäufer aus dem Tempel vertrieben hatte, machte er sich Kajaphas und Hananias zu Feinden. Warum? Er brachte sie um ihre Erträge. Die Verkäufer und Geldwechsler mussten ihnen nämlich hohe Steuern abgeben. Kajaphas und Hananias waren fest davon überzeugt, dass ihre Beziehung zu Gott in Ordnung sei. Dass sie im Irrtum waren, wollten sie in keiner Weise zugeben.
Auch wir haben immer zwei Möglichkeiten, unsere Beziehung zu Gott zu leben – und es ist ganz egal, ob wir Laien oder Priester sind.
1. Unsere Beziehung kann eine persönliche und lebendige Beziehung zu Gott sein.     2. Unsere Beziehung ist nur zum Schein, nur nach außen hin, ohne persönliches Engagement.                                                                                                                                      Wenn wir keine persönliche Beziehung zu Gott haben, werden wir bald das Interesse an ihm verlieren.

Dazu ein Vergleich: Zwischen einem Haus und einem Daheim besteht ein großer Unterschied. Ein Haus besteht aus Mauern und ist mit Möbeln eingerichtet. Ein Daheim sind die Beziehungen, die das Leben mit sich bringt. Dazu gehören Eltern, die sich lieben und ihren Kindern Halt und Stütze geben.  In ein richtiges Daheim kommen alle immer wieder gerne. Es gibt perfekt eingerichtete Häuser, in denen das Daheim fehlt.  Es gibt bescheidene Häuser, in denen man sich wirklich daheim fühlt.                                              Diese Unterscheidung gibt es auch im religiösen Leben. Es gibt Menschen, die eine persönliche Beziehung zu Gott haben, die einen lebendigen Glauben haben, der ihrem Leben Geschmack gibt und es bereichert.   Es gibt allerdings auch eine andere Gruppe von Menschen, für die der Glaube nur Pflichterfüllung ist. Sie finden in der Religion nur ein Haus, aber kein Daheim.

Zum Schluss möchte ich Folgendes sagen: Jesus kam nicht in die Welt, um uns zu lehren, wie man ein erfolgreicher Unternehmer wird.  Er kam, um uns zu lehren, unser Leben in Liebe zu leben. Das müssen wir während unseres irdischen Lebens lernen. Gott hat uns dieses Leben geschenkt, damit wir immer Lernende im Hinblick auf Liebe sind.

Der heilige Kasimir.

Von dreizehn Kindern des Königs  Kasimir IV. von Polen und seiner Gemahlin Elisabeth, einer Tochter Albrecht II. von Österreich, war Kasimir  das Dritte, geboren zu Krakau am 5. Oktober 1458, an demselben  Tag, an welchem ein Vater einen glänzenden  Sieg  über die Deutschherrn davontrug. Seine sehr fromme Mutter flößte ihm  frühzeitig eine große  Liebe  zum göttlichen  Heiland und der allerheiligsten Jungfrau ein.  Seine  wissenschaftliche Bildung  erhielt der jugendliche Kasimir von dem durch seine Gelehrsamkeit und Frömmigkeit berühmten Johannes Longinus, welcher den empfänglichen Geist seines Zöglings und  dessen zartes Gemüt zur schönsten  Blüte entwickelte.

Wie eine Lilie unter den Dornen wuchs der fromme Knabe auf.  Statt den Spielen und Genüssen des Hofes zu frönen, suchte er seine einzige Freude am Altar im Verkehr mit Gott. Er schlief nicht in seinem weichen Flaumbett, sondern auf dem harten Boden, stand in  aller Frühe auf,  verrichtete sein Morgengebet und  eilte zur Messe. War die Kirche noch nicht geöffnet, so kniete er  vor  der Kirchentür und betete, bis sie geöffnet  wurde. Während  des heiligen Opfers glaubte man einen Engel in ihm zu sehen, so glühend  war seine Andacht.

Eine besondere Vorliebe hatte Kasimir  für den Armen. Er sparte als Knabe sein Taschengeld, versammelte die Notleidenden im Palast und verteilte seine Almosen. Einige  Hofherrn schüttelten den Kopf und meinten, es stehe einem  königlichen Prinzen schlecht an, mitten unter  die Bettler  zu gehen. Kasimir  gab ihnen die treffende Antwort: „Der Herr hat gesprochen: Wer den Armen  diene, diene ihm selbst.“ Stieg Gottes Sohn vom Himmel  herab  zu den  elendsten  Menschen, um  sie reich zu machen, so verlange  ich keine  größere  Ehre, als  Jesus in den  Armen zu dienen.

Als Kasimir dreizehn Jahre zählte, boten ihm die Ungarn die Krone dieses  Landes an. Auf Befehl seines Vaters zog er mit  zwanzigtausend  Mann nach  Ungarn. Als ihm aber  ein mächtiges  Heer entgegengrückte und er vernahm , dass sich Papst Sixtus  IV. für  den entthronten König  Matthias entschieden   habe, kehrte er  mit  Freuden heim, um in stiller Einsamkeit seine frommen Übungen zu leben. Als ihm die Ungarn zum zweiten Male die Krone antrugen, schlug er mit aller Entschiedenheit ihr Anerbieten aus, denn die Dornenkrone Christi galt ihm mehr als eine Königskrone. Ihm wollte er dienen, um einst mit ihm zu herrschen.

Im Alter von vierundzwanzig Jahren ergriff ihn eine  schwere Krankheit, welche aller ärztlichen Kunst widerstand. Die Ärzte erklärten, es gebe nur ein Mittel, um dem königlichen Prinzen das teure Leben zu erhalten: Er müsse sich verheiraten. Die Eltern und Geschwister rieten  ihm, dem Rate zu  folgen, er aber  rief in heiligem Unmut aus: „Ich habe die Jungfrauschaft  gelobt: Lieber will ich sterben, als mein Gelübde brechen.“ Seinen Todestag sagte er voraus  und bereitete sich durch den Empfang  der Sakramente. Sterbend  küsste er zum letzten Male  das Bild  des Gekreuzigten und mit  den Worten . O Jesus, in deine Hände empfehle  ich meinen  Geist. Seine  reine  Seele  stieg   zum Himmel empor   am 4. März 1488, nachdem  er  das  25. Lebensjahr  kaum  überschritten  hatte. Auf seine Fürbitte geschahen viele Wunder, weshalb ihn Papst Leo X. im Jahre 1522 heiligsprach.

Mt 23,1-12, Di 2. Fastenwoche.

Gott, der selbst unser Vater im Himmel ist, sei mit euch.

Jesus kritisierte die Pharisäer wegen ihrer Einstellung. Sie wollten seine Kritik aber nicht annehmen. Wissen wir, wie man begründete Kritik empfangen kann?

Jesus, Du selbst bist unser Meister und Lehrer, Herr, erbarme Dich unser.

Jesus, du hast dich erniedrigt und bist Mensch geworden. Christus, erbarme dich unser.

Jesus,  du kennst die Menschen, vor  dir ist nichts  verborgen, Herr , erbarme dich unser.

Wir wissen aus der Geschichte, dass, als die Römer  die Stadt Jerusalem umzingelten, alle politischen und religiösen Parteien verschwunden waren. Außer den Pharisäern. Sie waren bestimmt die eifrigsten und ausdauerndsten Verteidiger des Gottesgesetzes. Aber woher kam dann die Feindschaft zwischen ihnen und Jesus?  Warum sagte Jesus ihnen: „Wehe euch,des Pharisäers“, und warum lag ihnen so sehr an Jesus’ Beseitigung? Die Pharisäer eiferten zwar für das Gesetz, aber unrichtig. Sie blieben beim Buchstaben des Gesetzes, auch dann, wenn die Liebe zu Menschen verlangte, etwas aus diesem auszulassen, oder die zu Gott verlangte, etwas zu geben.

Nur einen sollen wir auf Erden  unseren Vater nennen, zu ihm dürfen wir voll Vertrauen beten.

Die Ehre der Welt ist vergänglich.  Der Friede des Herrn ist  die bleibende  Kraft. Darum beten wir.

Selig, die sich  selbst  erniedrigen und im Reich des Vaters erhöht werden.

Gibt es Gott? 2.

Die Atheisten glauben, dass es außer der sichtbaren Welt nichts gibt. Das ist ihre Voraussetzung bzw. Hypothese. Darum behaupten sie, dass eine Vorstellung von Gott irrational und unvereinbar mit dem Verstand ist. Das gilt jedoch nur im Rahmen ihres Religionsbekenntnisses und des reduzierten Ausschnitts aus der Realität, an den sie glauben und den sie für die gesamte Realität halten.
Achtung! Nur weil etwas möglich und annehmbar ist, bedeutet das noch lange nicht, dass es wirklich existiert.  Die Rationalität der Idee Gottes in ihrer christlichen Ausprägung ist nicht der Beweis für die Existenz Gottes, sondern nur dafür, dass die Existenz Gottes rational vorstellbar ist.
Manche interessante Folgerungen:
Gott ist der Geist und hat daher keinen Leib. Daraus würde folgen, dass Gott weniger wäre als ein Mensch, weil Letzterer einen Leib hat und Gott keinen. In Wirklichkeit ist es jedoch genau umgekehrt. Der Geist ist mehr als die Materie. Der Programmierer ist viel realer als die virtuelle Figur im Spiel, die er selbst ausgedacht hat. Aus Sicht dieser Figur hat der Programmautor jedoch keinen virtuellen Leib und ist in diesem Sinne immateriell und geistlich.
Gott ist unsichtbar – warum? Warum zeigt er sich nicht? Aus der Sicht der virtuellen Welt des Computerspiels sind Computer und der Programmautor unsichtbar. Es gibt keine Möglichkeit, wie ein Programmautor in die virtuelle Welt hineingehen könnte. Die Figuren leben in einer virtuellen Welt; er selbst in der realen Welt. Gott wurde als virtuelle Figur wie wir/Jesus Christus dargestellt, aber er selbst, wie er ist, ist für diese Welt einfach nicht aufnehmbar.

Ist die Vorstellung von Gott  wahrscheinlich?

Der atheistische Einwand ist im Wesentlichen der folgende:
Einst konnten die Menschen die natürlichen Ereignisse wie Gewitter, Wind und Erdbeben nicht erklären, aber auch verschiedene Ereignisse im Leben. Sie dachten, dass dahinter mächtige Geschöpfe stehen.  Heute aber hat die Wissenschaft alles erklärt. Grundsätzlich gibt es nichts, was wir nicht wissenschaftlich erklären könnten. Wir müssen uns nicht mehr mit den naiven Vorstellungen von einem Gott, der irgendwo oben über den Wolken ist, befassen. Die Vorstellung von Gott ist unnötig. Warum sollten wir an einen Gott glauben, wenn wir alles auch ohne ihn erklären können? In der Praxis ist das jedoch nicht so einfach. Sicher beziehen sich viele der Dinge, die Atheisten behaupten, auf heidnische Religionen. Die Wissenschaft hat viele Geheimnisse erklärt und so sind viele heidnische Religionen untergegangen. Der Gott der Christen ist nicht der „Gott der Lücken“. Das bedeutet nicht, dass wir Gott dort anwenden, wo die Wissenschaft etwas nicht erklären kann. Die Dinge sind bei Weitem nicht so klar, wie die Atheisten es gerne darstellen. Das zeigt auch die Geschichte des prominenten Atheisten Anthony Flew.  Er wurde 1923 als Sohn eines methodistischen Pastors geboren. Den Glauben verlor er im Alter von 15 Jahren. Flew war immer ein sehr rationaler Mensch. Er vertrat den sogenannten negativen Atheismus, nach dem theologische Aussagen nicht verifizierbar sind. Seine Schrift „Theology and Falsification“ aus dem Jahr 1950 wurde nicht nur von Atheisten breit zitiert. Flew wurde zu einer der prominentesten intellektuellen Autoritäten. Flews Übergang zum Glauben war schrittweise. Im Jahr 2004 gestand er offen ein, dass einige der neuesten wissenschaftlichen Erfindungen von der Existenz eines Schöpfers zeugen. Auf die wütenden Angriffe seiner ehemaligen atheistischen Mitstreiter reagierte er mit dem Vermächtnis des Sokrates: Man muss dem Beweis folgen, wohin er auch führt. Da er sich dessen bewusst wurde, welche erhebliche Wirkung er als atheistischer Denker auf die Menschen hatte, nahm er sich vor, den angerichteten Schaden wiedergutzumachen.
Paleys Uhr.
Der englische Theologe William Paley führte in seinem Buch „Natural Theology“ das Argument für das Wesen Gottes an, das hundert Jahre lang als unwiderlegbar galt. Wenn ich im Wald an einen Stein stoße und jemand fragt mich: „Woher kam dieser Stein?“, kann ich ruhig antworten: Der Stein liegt dort von jeher, weil nichts bekannt ist, was dieser Behauptung widersprechen würde. Paley setzte jedoch fort. Stellen Sie sich vor, ich hätte eine Uhr gefunden. Hier könnte ich nicht behaupten, dass die Uhr von jeher hier lag. Wir wissen, dass sie von jemandem konstruiert werden mussten. Wir wissen zwar nicht, wer das war, aber wir wissen, dass es jemand war. Paley entwickelte seine Theorie weiter und argumentierte, dass das Universum, die Erde und die Menschen die Anwesenheit eines Architekten belegen, den wir als göttlichen Uhrmacher betrachten können. Das Wesen der paley’schen Argumentation bestand in der Analogie zwischen den lebenden Geschöpfen und der Uhr.   Die moderne Wissenschaft. Heute liefert uns die Molekularbiologie noch klarere Analogien. Wenn wir in der Wüste ein Buch oder eine Diskette gefunden hätten, wäre es unvernünftig, den Inhalt dem Wind und der Erosion zuzuschreiben. Wenn die Ausfertigung eines Buches den Anteil des Verstandes verlangt, verlangt auch die „Nachricht“ im Molekül DNA den Anteil des Verstandes. Heute können wir mit Sicherheit sagen, was Atome und Moleküle tun werden und was nicht: Sie werden nicht die komplizierten, geordneten Strukturen des Lebens gestalten. Das ist wirklich logisch.

Dawkins‘ „Blinder Uhrmacher”
Vor etwa 25 Jahren gab der Biologe Richard Dawkins sein Buch „Der blinde Uhrmacher“ heraus.  In diesem Buch behauptet er, Paley habe sich grundlegend irrt. Dawkins erklärt, dass die natürliche Auslese blind, unbewusst und automatisch ist. Die natürliche Auslese ist der „blinde Uhrmacher“.
Diese Ansicht ist Teil unserer Kultur geworden. Bernhard Cohen schreibt in seiner Publikation „Revolution in Science“: „Klingt allen theologischen Argumenten vom Plan im Weltall und in der Natur ab.“
Die Evolution kann den Ursprung des Lebens nicht erklären.  Darwin versuchte das gar nicht. Er setzte den ersten lebenden Organismus voraus.

Lk 6,36-38 Mo der 2. Fastenwoche.

Möge Gott, der uns mit reichem, vollem, überfließendem Maß beschenken will, mit euch sein!
Gott ist uns gegenüber freigebig. Er verlangt jedoch auch von uns, dass wir freigebig sind. Das bedeutet, dass wir offene Herzen gegenüber Gott und unseren Mitmenschen haben. Denken wir nach: Um wie viel mehr können wir erreichen, wenn wir nicht nur an uns selbst denken?
Sei barmherzig gegenüber den Barmherzigen, Herr, erbarme dich unser.
Du kamst, um all unsere Schuld zu tilgen. Christus, erbarme dich unser.
Du gibst allen Hoffnung, die guten Willens sind.
Der bengalische Dichter Rabindranath Thakur erzählte die Geschichte von einem Bettler, der Maiskörner auf den Straßen sammelte. Eines Tages kam der König zu ihm. Der Bettler erwartete, vom König etwas zu bekommen. Doch der König streckte seinen Arm aus und bat den Bettler, ihm etwas zu geben. Der Bettler gab dem König das kleinste Maiskorn. Am Abend, als er seinen Sack ausschüttete, fand er ein Goldkorn. Genauso groß wie das Maiskorn. Der Bettler bereute, nicht großzügiger gewesen zu sein. Da er nur wenig gegeben hatte, hatte er auch nur wenig zurückerhalten. Gott verlangt von uns, dass wir ihm alles geben.
Er ist uns gegenüber barmherzig. Darum beten wir voll Vertrauen.
Das Maß, das wir von Gott erwarten, ist der Friede der Versöhnung. Um diesen Frieden müssen wir bitten.

Selig, die zu geben bereit sind  und von Gott mit gleichem Maß bekommen werden.

Jesus am Ölberg 1.

Es war am Donnerstagabend gegen 9 Uhr, als Jesus mit den Jüngern am Ölberge ankam. Er war sehr traurig und warnte vor der nahe Gefahr. Er ließ acht der Jünger nahe am Eingang des Gartens zurück, nahm den Petrus, Jakobus und  Johannes mit sich, ging tiefer in den Garten hinein und sprach dann zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis zum Tode; bleibet hier und wachet mit mir, betet, auf dass ihr nicht in Versuchung fallet. Er aber ging  noch etwas vorwärts, fiel in unendlicher Traurigkeit und Angst zu Gott flehend , auf sein  Angesicht nieder. Er sah da alle Sünden der Welt und ihre Abscheulichkeit in unzähligen Bildern,  nahm sie alle auf sich und erbot sich wiederholt in seinem Gebet, der Gerechtigkeit seines himmlischen Vaters für all diese Sündenschuld durch sein Leiden und Sterben genugzutun. Der Satan aber, der sich in furchtbarer Gestalt zwischen all diesen Gräueln mit grimmigem Hohne bewegte, erbitterte sich immer heftiger  gegen  Jesus und rief. Wie auch dies willst du auf dich nehmen? Auch für sie willst du die Strafe erleiden? Wie  kannst du für alles genug tun?

Die heilige Menschheit Jesu erschrak auch vor der Menge und Abscheulichkeit der Sünden und des menschlichen Undankes gegen Gott, und es überfiel ihn eine  so zermahlene Trauer und Herzensangst, dass er zitternd sagte: „Abba,Vater, ist es möglich, so lass diesen Leidenskelch vor mir  vorübergehen.“ Dann fasste er sich wieder und sagte. Nicht, was ich will  , sondern  was du willst. Sein göttlicher  Wille war  eins mit dem Willen des Vaters, aber sein menschlicher Wille erbebte in dieser Angst vor dem nahen,schrecklichen Tode. Ja, seine  beim Anblick aller Sünde, aller Bosheiten, aller Laster, alles Undankes  der Menschen stieg  so hoch, dass blutiger Schweiß sein heiliges  Angesicht bedeckte. Nachdem er so ungefähr zwei Stunden in äußerster Angst und im Gebet zugebracht hatte, richtete er sich auf. Seine Knie schwankten und trugen  ihn kaum, und so wankte er öfters niederfallend und von Schweiß gebadet, zu den drei Jüngern zurück.  Er kann zu ihnen teils  wie ein schwer beängstigter, den der Schrecken zu seinen Freunden treibt, teils wie ein treuer Hirt, nach seiner  Herde sieht, die er in Gefahr weiß, denn er wusste,  dass auch sie in Angst und Versuchung waren. Aber er fand sie schlafend. Jesus sagte: „Simon, schläfst du? Also könntet ihr  nicht eine Stunde  mit mir wachen?  Jesus ermahnte  die Jünger  wiederholt  , wachsam zu sein und  zu beten, damit sie  bei  der nahenden  Versuchung  nicht unterliegen. Jesus ging dann wieder  etwas von ihnen weg und  betete zum zweiten und dritten  Mal in höchster Angst  und Betrübnis.

Wenn wir Jesus am Ölberge in so großer Angst und Traurigkeit erblicken; wenn er selbst sagte: „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod. So müssen  wir notwendig  fragen: Was hat Jesus, den Sohn Gottes, in so große Angst und Furcht versetzt? Musste er ja doch im Voraus wissen, dass er furchtbare Qualen  leiden und selbst am Kreuze sterben müsse? Hat er ja  all dieses Leiden  freiwillig übernommen?  Allerdings wusste Jesus  , dass er namenloses  Leiden und am Kreuze sterben  werde; allerdings hatte er dieses  Leiden freiwillig auf sich genommen. Allein da dieses Leiden in seiner furchtbaren, schauderlichen Größe vor seiner menschlichen  Seel stand, da ward er von der Last desselben zu Boden  gedrückt, und die Angst preßte ihm die Bitte aus: Vater, wenn es möglich ist, so lass diesen Leidenkelch an mir vorübergehen. Aber was seine Angst und Traurigkeit noch vermehrte, was blutigen Schweiß ihm auspresste, war dieses, dass Jesus wußte und voraussah, wie ihm all dieß Leiden von den Menschen vergolten werden werde. Wie die Sündenlast vom Anfange der Welt her schwer auf Jesus lag und ihn zu Boden drückte, so sah er auch die ungeheure Masse von Sünden und Lastern voraus, die nach der Erlösung  zum Ende der Welt begangen werden. Er sah den Unglauben und die Verblendung  der Juden und Heiden deutlich anders. Er sah  deutlich vorher alle Irrlehren, die seine geliebte Braut, seine heilige Kirche, zerfleischen und zerreißen werden. Er sah deutlich vorher alle Sünden und Laster, die von den eigenen  Kindern seiner Kirche begangen werden; er sah voraus  alle Gleichgültigkeit im Glauben, allen Missbrauch der heiligen Sakramente, alle Trägheit im Guten, alle Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit gegen den Nächsten; er sah deutlich  vorher, wie also an Tausenden und Millionen sein Leiden und Sterben fruchtlos sein werden. Er sah deutlich vorher, wie Tausende und Millionen, ungeachtet  dieses furchtbaren   Leidenskäfigs, den er nun leeren sollte, eine Beute der Hölle werden. Und dies war die drückendste Last für ihn; sie verursachte ihm so furchtbare Angst und Traurigkeit, dass blitige Schweitropfen über sein heiliges Angesicht rannen.