Archiv für den Monat: Dezember 2013
Neujahr, Hochfest der Gottesmutter Maria 2014
Einleitung
Nach dem Auspacken der Weihnachtsgeschenke fragte kleiner Hans: “ Mutti, warum hat mir das Christkind Sachen gebracht, die wir auch im Geschäft kaufen können?“ Diese Kinderfrage kann uns dazu inspirieren, ein wenig nachzudenken. Mit zunehmendem Alter lernt nämlich ein Kind, zwischen Sachen und Werten zu unterscheiden. Sachen kann man kaufen, Werte aber werden gebildet. Kleider, Spielwaren, Computer und Sportgeräte kann man kaufen. Zeit, Liebe, Freude, Ruhe und den Sinn des Lebens kann man nicht kaufen. Das sind Geschenke Gottes. Wenn wir auch diese Werte kaufen könnten, würden wir nur Geschäfte aufsuchen, aber nicht unser Gotteshaus.
Predigt
Am Morgen des Weihnachtstages heißt es im Lukasevangelium: „Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: ‚Kommt, wir gehen nach Bethlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.“ Kommen wir nach Bethlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.“
Die Hirten, die das Kind betrachteten, haben sich vielleicht die Frage gestellt: „Was kann uns dieses Kind geben?“ Dutzende von Kindern wurden in dieser Zeit doch in dieser Gegend geboren. Die Hirten bestaunten jedoch gerade dieses Kind und beteten es an.
Wie geht es uns dabei? Sehen wir in dem kleinen Jesus den Sohn Gottes oder nur ein gewöhnliches Kind? Wenn wir wirklich glauben, dass der kleine Jesus in der Krippe der Sohn Gottes ist, dann erwarten wir von ihm auch etwas. Wir erwarten, dass er uns Werte vermittelt, die man nicht in einem Geschäft kaufen kann.
Am Beginn des neuen Jahres sollten wir uns jener Werte bewusst werden, die wir nicht kaufen können. Dazu gehört vor allem der Wert der Zeit. Die Zeit können wir nur als Geschenk annehmen, vom Geber der Zeit, vom Herrn der Zeit – von Gott.
Was für einen Wert hat die Zeit? Was für einen Wert hat etwa eine Sekunde? Da brauchen wir nur einen Menschen zu fragen, der einen Autounfall überlebt hat, der weiß das. Was für einen Wert hat eine Minute? Da müssen wir nur einen Menschen fragen, der die Abfahrt eines Zuges oder den Abflug eines Flugzeuges versäumt hat. Wenn wir den Wert der Zeit von neun Monaten wissen wollen, können wir eine Mutter fragen, die ihr Kind neun Monate lang unter ihrem Herzen trug, das Kind wurde tot geboren. Wenn wir den Wert eines Jahres wissen wollen, dann fragen wir einen Studenten, der eine Prüfung nicht bestanden hat und daher nicht in einen höheren Jahrgang aufsteigen konnte. Wenn wir den Wert von zehn Jahren kennen wollen, dann fragen wir ein Ehepaar, das nach zehn Jahren Ehe geschieden wurde. Durch diese Fragen nach dem Wert der Zeit wird uns bewusst, dass wir ihn erst erkennen, wenn wir die Zeit verloren haben. Darum sollten wir auf die Zeit achten, sie richtig einteilen und auch verbringen.
Ein weiterer Wert, den wir nicht kaufen können, ist die Zuneigung bzw. die Liebe Gottes. Gott ist uns viel näher als wir ihm. Wenn uns das bewusst ist, wird unser Leben mit viel mehr Optimismus erfüllt sein. Die Liebe und Zuneigung Gottes sind das ganze Jahr über mit uns und können unser Leben formen.
An der Schwelle zum neuen Jahr sollte uns auch bewusst werden, dass wir Gott mit mehr Ehrfurcht begegnen sollen, denn seine Größe übersteigt unsere Erwartungen und Vorstellungen. Da brauchen wir nur das Weihnachtsgeschehen zu betrachten. Der unsichtbare Gott wurde im Kind von Bethlehem sichtbar, der absolut unerreichbare Gott wurde im Kind erreichbar. Er, der reich war, wurde arm, denn er wurde in einem Stall geboren, ohne Strom und Heizung. Obwohl er mächtig war, wurde er schwach und ganz auf die Menschen angewiesen. In uns sind oft gegenteilige Tendenzen spürbar – wir träumen vom Reichwerden. Wir sehnen uns nicht danach, arm und schwach zu werden. Gott hat uns in seinem menschgewordenen Sohn das Gegenteil gezeigt.
Eine Frau erzählte von ihrem Mann: „Mein Mann ist so optimistisch, dass er mich manchmal aus dem Konzept bringt.“ Es ist vollkommen egal, ob es ihm gut oder schlecht geht. Manchmal kam mir schon der Gedanke, dass wir zwei nicht in verschiedenen Welten leben. Eines Tages waren wir beim Fischen und alles lief schief. Nach drei Stunden hatten wir noch immer nichts gefangen. Was sagte mein Mann dazu? „Anna, jetzt wissen wir endlich, wo es keinen Fisch gibt!“ Also, wie zuvor besprochen, war sein Optimismus unerschöpflich, was er auch tat.
Für das neue Jahr brauchen wir natürlich auch eine Portion Optimismus. Aber dieser Optimismus sollte darin begründet liegen, dass Gott mit uns ist und uns liebt. Das soll der Grund unserer Hoffnung sein. Wir sollten alle dankbar dafür sein, dass wir so vieles, was wir für das tägliche Leben brauchen, einfach in einem Geschäft kaufen können, aber noch dankbarer dafür sein, dass wir all jene Werte haben, die wir nicht kaufen können, sondern ein Geschenk Gottes sind.
Hl.Silvester-Ende des Jahres 2013
Eine Frau kaufte sich einen Wecker. Zu Hause stellte sie fest, dass der Wecker rückwärts läuft. Sie ging wieder ins Uhrengeschäft, um zu reklamieren. Die Reklamation wurde anerkannt, da es sich um einen Ausschuss in der Produktion handelte. Hätte sich die Frau nach diesem Wecker ausgerichtet, wäre sie Tag für Tag jünger geworden.
Die Zeit passt sich uns nicht an; sie geht ihren Lauf ohne Rücksicht auf unsere Vorstellungen und Wünsche. Wir wollen nämlich, dass die Zeit manchmal schnell vergeht; ein anderes Mal wünschen wir die Zeit anzuhalten. Zu Silvester schauen wir auf das vergangene Jahr zurück und bewerten es. Ein gläubiger Mensch erkennt, wer der Herr der Zeit ist: Gott, der auch die Zeit bestimmt. Wenn wir das vergangene Jahr in Gottes Hände zurücklegen, können wir hoffen, dass er alles, was in diesem Jahr falsch gelaufen ist, bereinigt. Das bedeutet, dass wir mit frischem Mut ins neue Jahr aufbrechen können.
Dazu eine Begebenheit: Ein Junge beobachtete seine Großmutter beim Schreiben eines Briefes. Er fragte sie: „Schreibst du in deinem Brief etwas über uns?“ Die Großmutter schaute auf und antwortete mit einem Lächeln auf die Frage ihres Enkels: „Du hast recht, ich schreibe wirklich etwas über uns. Der Bleistift, mit dem ich schreibe, ist bedeutender als alle Worte, die ich in diesem Brief schreibe. Es wäre schön, wenn du bei deinem Heranwachsen so werden würdest wie dieser Bleistift.“ Der Junge schaute den Bleistift an, fand aber nichts Besonderes an ihm. Da sagte die Großmutter: „Dieser Bleistift hat fünf gute Eigenschaften, die dir ein zufriedenes Leben sichern, wenn du sie dir aneignen würdest.
Erstens: Der Bleistift folgt dem Tun meiner Hand. Du kannst bedeutsame Dinge bewirken, aber du sollst nie vergessen, dass es eine Hand gibt, die deine Schritte lenkt. Diese Hand heißt Gott, der dich nach seinem Willen führen wird.
Zweitens: Manchmal müssen wir aufhören zu schreiben und den Bleistift spitzen. Der Bleistift leidet dabei, aber schließlich ist er zufrieden, denn er schreibt wieder gut. Darum sollst auch du lernen, Schmerzen zu ertragen, denn aus ihnen kann auch wieder Gutes entstehen.
Drittens: Beim Schreiben mit einem Bleistift können wir, wann immer etwas falsch geschrieben ist, diese Fehler mit einem Radiergummi ausradieren. Du kannst daraus lernen, dass auch wir im Leben manches korrigieren müssen. Das ist nichts Schlechtes, im Gegenteil: Es kann für uns sehr nützlich sein, um nicht vom richtigen Weg abzuweichen.
Viertens: Es ist nicht wichtig, aus welchem Holz der Bleistift gefertigt wurde und welche Farbe er hat. Wichtig ist das Innenleben – die Grafitmine. Darum sollten auch wir immer darauf achten, wie es in unserem Innersten aussieht.
Fünftens: Der Bleistift hinterlässt immer Spuren. Vergiss nicht, dass auch das, was du machst, Spuren hinterlässt; daher sollst du jeden deiner Schritte überdenken!
Diese fünf Eigenschaften haben einen gemeinsamen Nenner – das ist Jesus und seine Anweisungen für ein glückliches, sinnvolles, gelungenes Leben. Diese fünf Eigenschaften hat auch Jesus in seiner Spiritualität.
1. Einen Bleistift führt jemand. Jesus wusste das, darum heißt es im Johannesevangelium: „Ihr werdet erkennen, dass ich nichts im eigenen Namen tue, sondern nur das sage, was mich der Vater gelehrt hat. Und er, der mich gesandt hat, ist bei mir; er hat mich nicht allein gelassen.“
2. Das Spitzen bedeutet für den Bleistift Schmerz. Jesus wusste, was Schmerz ist. Er wurde in Bethlehem abgewiesen; er war Emigrant in Ägypten und wurde schließlich in Jerusalem gekreuzigt. Jesus wusste aber auch, dass Leid und Tod nicht die letzten Worte haben.
3. Mit einem Radiergummi kann man fehlerhafte Texte löschen. Jesus forderte seine Jünger zur Buße auf, mit den Worten: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“, wie wir im Markusevangelium lesen.
4. Die Hülle des Bleistifts ist nicht wichtig, sondern die Grafitmine in seinem Inneren. Für Jesus sind geistliche Sachen bedeutender als materielle und daher hören wir in den Evangelien immer wieder die Aufforderung an uns Menschen, geistliche Werte zu suchen. Dazu heißt es im Johannesevangelium: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“
5. Ein Bleistift hinterlässt Spuren. Jesus bereitet uns auf das Jüngste Gericht vor. Dazu steht im Matthäusevangelium Folgendes: „Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde , in der ihr es nicht erwartet.““
Von diesen fünf Punkten kann ich auch Fragen für mich ableiten:
1. Glaube ich an die Vorsehung Gottes? Habe ich vertraut, dass er auch in meinem Leben Regie führt? Kann ich mich auf ihn verlassen, dass er mich leitet – oder verlasse ich mich nur auf mich selbst?
2. Da ist auch das Problem des Leidens und des Schmerzes. Mehrmals habe ich mich in diesem Jahr gefragt: Warum greift Gott nicht ein, wenn Kriege, Unfälle und Erdbeben unsere Welt bedrohen oder wenn unschuldige Kinder leiden müssen? Wie geht es mir bei solchen schwerwiegenden Fragen? Bin ich mir bewusst, dass es unmöglich ist, Schmerzen zu vermeiden? Ich kann aber darüber nachdenken, wie es möglich ist, diese Probleme zu überwinden oder zu beseitigen. Leiden könnte aber auch einen Sinn haben. Glaube ich, dass ein Schmerz auch meinem Heil dienen kann?
3. Ist es notwendig, Buße zu tun? Prüfe ich mein Gewissen jeden Tag? War ich in diesem Jahr bei der heiligen Beichte? Werde ich mir dessen bewusst, dass auch das Gebet, das Fasten und das Almosen Wege der Buße sind?
4. Die Grafitmine ist mehr als die Umhüllung. Die geistlichen Dinge sind bedeutsamer als die materiellen. Nahm ich an der heiligen Messe teil, um damit zu zeigen, dass Gott mir wichtiger ist als viele meiner anderen Interessen? Hatte ich Zeit für Gebet und Meditation?
5. Ein Bleistift hinterlässt Spuren. Werde ich mir der Verantwortung für meine Taten bewusst? Glaube ich, dass nach dem Tod mein ganzes Leben vor meinen Augen wie ein Film abläuft? Kenne ich die Worte Jesu, die Matthäus in seinem Evangelium aufgeschrieben hat: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
Gott, wir wollen dir danken für alles, was uns in diesem Jahr gegönnt wurde. Wir wollen aber auch um deine Kraft bitten, damit wir unser Leben im neuen Jahr ganz nach deinem Willen ausrichten können.
Fest der heiligen Familie 2013 A
Einleitung
Eine Mutter fragte ihren Sohn: „Was habt ihr in der Schule gelernt?“ Er antwortete: „Über Sex.“ Die Mutter drehte sich überrascht um. „Ja, und hast du etwas darüber gewusst?“ Er sagte darauf: „Ja!“ Die Mutter stellte noch folgende Frage: „Und was für eine Note hast du bekommen?“ Eine Ohrfeige.
Jeder denkt, er sei ein Fachmann in Sachen „Ehe“, wenn er in einer Familie aufwächst und selbst eine Familie gründet. Er habe das Gefühl, in allen Fragen, die Ehe und Familie betreffen, ein Experte zu sein. Aber da kann man sich irren. Die Ehe kann man aus verschiedenen Sichtweisen betrachten: soziologisch, psychologisch, biologisch und religiös. Wenn ein Junge etwas über Sex weiß, bedeutet das bisher nicht, dass er viel über Ehe und Familie weiß. Wir wollen heute Ehe und Familie aus religiöser Sicht betrachten.
Predigt
Vor 2000 Jahren schrieb Paulus von Tarsus an die Kolosser in Kleinasien, das heutige Türkei, folgende Worte: „Ihr habt von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen.“ Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde und Geduld.“ Das bedeutet, dass man in Liebe zueinander leben soll, und das gilt für Mann und Frau gleichermaßen. Sie sollen Liebe zueinander haben, und der Grund dafür ist, dass sie und wir alle von Gott erwählt und geliebt sind. Die Eheleute sind in besonderer Weise auserwählt, diese Liebe zu leben und zu bezeugen. Einer soll den anderen den Weg zum Himmel weisen. Das Sakrament der Ehe erfüllt sich durch gegenseitigen Dienst, durch Liebe, Opfer und Barmherzigkeit. Der Mensch ist von Gott für bestimmte Aufgaben auserwählt. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. schrieb: „Der Mensch lebt von der Beziehung. Was für sein Leben wichtig ist, hängt davon ab, ob seine Beziehungen die richtigen sind. Die wichtigste Beziehung ist die zu Gott.“
Jeder Mensch lebt in seinem Leben in verschiedenen Beziehungen und er soll auch die Verbindung zu Gott pflegen. Der Glaube kann eine große Hilfe sein, zu erkennen, dass es wichtig ist, seine Frau, seinen Mann, seine Kinder und andere Menschen zu lieben und Verantwortung für die Familie zu tragen. Ohne die richtige Beziehung zu Gott ist auch eine gute zu den Menschen schwer möglich. Warum nicht? Deshalb nicht, weil der Mensch seine Beziehung zu seinem Nächsten nach seinem „persönlichen Geschmack“ ausrichtet, ohne dabei auf den Willen Gottes zu achten. Was ist der Wille Gottes in einer ehelichen Beziehung? Das schildert die folgende Erzählung: Ein heranwachsendes Mädchen hatte sein erstes Rendezvous mit einem jungen Mann. Als sie von dieser Begegnung zurückkam, fragte sie ihre Mutter: „Mutti, woran würdest du erkennen, ob du wirklich verliebt bist?“ Die Mutter lächelte und sagte zu ihrer Tochter: „Die wirkliche Liebe ist ähnlich zweier Flüsse, die zusammenfließen und sich verbinden – und so zu einem Fluss werden.“
So sollen auch Freude, Glück und Leid des einen zu Freude, Glück und Leid des anderen werden. Die wahre Liebe überlegt gut und macht nichts voreilig; sie ist niemals egoistisch, sondern soll zu einer ewigen Bindung heranreifen. Verliebtheit ist noch nicht die ganze Liebe, ihr fehlt noch die Verantwortung. Erst wenn die Sorgen, Gedanken und Freuden des einen zu den Sorgen, Gedanken und Freuden des anderen werden, kann man in einer Beziehung von Liebe sprechen. Alles andere ist nur Sympathie, Freundschaft und Verliebtheit. Liebe kann man nicht kaufen und auch keinen Vorrat davon anlegen. Liebe muss täglich erneuert werden. Eine wirkliche eheliche Liebe und familiäre Beziehung sind auch geprägt von Aufopferung für andere und der Bereitwilligkeit, sich um die anderen zu kümmern. Leider ist das heute nicht mehr ganz selbstverständlich. Die Beziehung zu Gott ist unbedeutend und nebensächlich geworden, und anstatt von wirklicher Liebe mit Opferbereitschaft spricht man von Rechten und Pflichten. Die Familien sind auch vielfach überlastet durch nicht familienfreundliche Arbeitsbedingungen und durch viele Interessen, die oft zu Freizeitstress führen.
Wir sollten uns auch manchmal fragen: „Gott, was verlangst du von mir? Was ist dein Wille? Vor allem sollten wir unsere Beziehung zu Gott erneuern und nach Jesu Beispiel lernen, zu lieben und Opfer zu bringen. Und wir sollten auch unsere Kinder dazu anleiten.
Noch ein Beispiel: Die Kinder hatten in der Schule einen Aufsatz zum Thema „Meine Eltern“ zu schreiben. Ein Schüler schrieb Folgendes: Meine Eltern bestehen aus zwei Teilen: erstens meine Mutter und zweitens mein Vater. Die Mutter ist berufstätig, führt den Haushalt und denkt gleichzeitig an vieles, was sie erledigt. Das sehe ich mit eigenen Augen. Sie kommt von der Arbeit heim, stellt den Kochtopf auf die Herdplatte und kocht Nudeln. Nebenbei schaltet sie die Waschmaschine ein, gibt Wäsche hinein und prüft gleichzeitig meine jüngere Schwester, indem sie das Einmaleins abfragt. Dann wickelt sie auch noch mein jüngstes Brüderchen und bereitet für ihn Milch mit Grieß. Wenn wir zum Abendessen kommen, ist das Essen schon fertig und auch mein Loch in der Trainingshose ist schon geflickt. Die Wäsche ist auch schon auf dem Balkon aufgehängt.
Auch mein Vater macht viele Sachen. Er kann auch kochen, er repariert zu Hause viele Dinge, spielt mit uns und erzählt uns viele interessante Geschichten.
So hat dieser Schüler seine Eltern beschrieben. Dazu können wir hinzufügen: Wer in sich die Liebe hat, ist fähig, große Leistungen zu vollbringen. Bitten wir den Herrn, er möge uns in unserer Liebe und Opferbereitschaft stärken!
Hl. Stephanus, erster Märtyrer. 2013
Herr Kohn wollte in einem Hotel ein Zimmer reservieren. Der Empfangschef lehnte ihn mit den Worten ab: „Wir nehmen hier keine Juden auf. Kohn wehrte sich. Er fragte: „Sind Sie ein Christ?“ Der Empfangschef antwortete: „Ja, das bin ich. Warum fragen Sie?“ Er meinte darauf: „Dann kennen Sie sicher die Geschichte von Jesus Christus. Seine Mutter war Maria, nicht wahr? Und er ist in Bethlehem geboren? Ja, und wissen Sie, warum er in einem Stall geboren wurde? Falls Sie es nicht wissen, kann ich Ihnen das genau sagen: Die Empfangschefs waren damals eben solche Lumpen wie Sie!“
Predigt.
Aus der Geschichte wissen wir, dass zwischen Christen und Juden manchmal Streit und Unzufriedenheit bestanden haben. Es gibt Gegenden, in denen die Juden etwas gegen die Christen haben, anderswo die Christen gegen die Juden. Ähnliche Streitigkeiten können wir im Irak und im Iran zwischen den Schiiten und Sunniten beobachten. In Belfast kämpften Protestanten gegen Katholiken. Fanatische Menschen führen im Namen des Glaubens und der Religion Religionskriege. Das ist das Problem der Andersartigkeit der Menschen. Anstatt dass ein Mensch anerkennt, dass andere eben anders sind und auch das Recht haben , anders zu sein, meint er vielfach , er müsse, andere umziehen, damit sie so werden wie er. Im Matthäus-Evangelium lesen wir: „Nehmt euch aber von den Menschen in Acht! Denn sie werden euch vor die Gerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen. Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt ,damit ihr vor ihnen und den Heiden Zeugnis ablegt.“ Jesus rechnete damit, dass auch die Apostel Widerspruch erleiden werden. Sie werden nicht überall angenommen und man wird sie auch verfolgen. Davon zeugt auch die Geschichte des heiligen Diakons Stephanus. Er bediente bei den Tischen und predigte außerdem. Er warf den Juden vor: „Ihr habt den Propheten aus Nazareth gekreuzigt, obwohl er die Menschen zu Gott führte. Ihr bekennt euch zu Gott, und trotzdem habt ihr ihn getötet.“ Der Satz des Stephanus: „Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur rechten Gottes stehen“ war für die Juden eine Lästerung. Sie meinten, Jesus wurde nach geltendem Recht verurteilt und als Verbrecher hingerichtet. Und dieser Stephanus erlaubt sich, zu sagen, dass er zur rechten Gottes steht, also verherrlicht ist. Wenn aber Gott seinen Tod erlaubte, so bedeutete das , dass er ein Übeltäter war. Er gehört in die Hölle und nicht zur Rechten Gottes. Es ist unmöglich, dass er unschuldig ist. Wegen dieses Religionsstreites musste Stephanus sterben. Ähnliche Geschichten wiederholen sich in jedem Jahrhundert. Es sind nur andere Personen, aber das Prinzip bleibt derselbe: Der Mensch hat noch nichts daraus gelernt und ist nicht tolerant. Statt Barmherzigkeit setzt sich der eigene Egoismus durch. Toleranz ist aber ein wichtiges Prinzip, um die Andersartigkeit von Menschen zu akzeptieren. Das Christentum geht sogar so weit, dass es verlangt, seine Feinde zu lieben. Anselm Grün schrieb: Die Liebe zu Gott ist anspruchsvoll, aber noch anspruchsvoller ist der Hass. Der Feind bestimmt unsere Laune und unser Verhalten. Durch Hass und Unverträglichkeit hören wir auf , frei zu sein. Die richtige christliche Einstellung ist nicht nur Toleranz, sondern insbesondere auch Liebe. Davon zeugt die folgende Geschichte. Ein Mann wollte in einem Kiosk eine Zeitung kaufen. Er begrüßte den Verkäufer freundlich, doch dieser schnauzte ihn an und hielt ihm die Zeitung frech vor die Nase. Der Kunde nahm die Zeitung und wünschte dem Verkäufer ein angenehmes Wochenende. Ein Freund des Kunden hatte die ganze Situation beobachtet. Er fragte ihn: „Ist dieser Verkäufer immer so unfreundlich zu dir?“ Er antwortete: „Leider immer.“ „Und warum bist du ihm gegenüber so höflich und freundlich, wenn er dir gegenüber so unfreundlich ist?“ „Ich möchte, dass er sich entscheidet, sich ebenso zu benehmen wie ich. Wenn ich ihn aber ebenso anschnauze, dann bedeutet das nur, dass ich seine Laune kopiere. Dann wird dieser so groß, dass er mir die Freiheit nimmt und für mich entscheidet, wie ich mich fühlen soll. “ Je größer der Zorn wird, umso mehr Unordnung gibt es in der Welt, und es entstehen „Feuerstätten des Krieges“. Deshalb ist es so wichtig, ein Beispiel an Stephanus zu nehmen, der die Liebe repräsentierte. Glauben Sie mir, es ist anspruchsvoller, zu verzeihen, als zu hassen. Der größte Feind ist oft in uns der Zorn. Besiegen wir den Zorn, so besiegen wir einen der größten Feinde. Bitten wir den Herrn, dass er uns hilft, tolerant zu sein! Beten wir für alle , die uns nicht verstehen, nur so können wir unser Leben im Geiste der Liebe verwirklichen!
Weihnachten 2013 am Tag
Einleitung
Ein jüdischer Geschäftsmann wurde böse auf seinen Schwiegersohn, weil dieser erst nach der Hochzeit eingestanden hatte, dass er nichts besitzt und von der Mitgift seiner Tochter leben würde. Er sagte: „Wenn du ein anständiger Mensch wärest, hättest du mir das schon vor der Hochzeit mitgeteilt.“ Der Schwiegersohn antwortete darauf: „Das habe ich doch gemacht. Ich habe Ihnen doch klar gesagt, dass ich ohne Ihre Tochter nicht leben kann.“ Wenn diese Aussage „Ich kann ohne dich nicht leben“ im Sinne einer menschlichen Beziehung ausgesprochen wird, ist sie durchaus positiv. Wenn es aber um wirtschaftliche Aspekte geht, ist das eine Halbwahrheit, ein Versuch, jemanden zu täuschen.
Predigt
Gott wollte seine Zuneigung zu uns Menschen ausdrücken und uns seine besondere Liebe schenken. Das tat er mit Jesus, der als Kind in Bethlehem geboren wurde. Dieses Kind in der Krippe ist das Zeichen der Liebe Gottes zu uns. Diese Zuneigung Gottes hat die Kraft, die Welt zu verändern. Was ist das Wesen von Weihnachten? Jesus verließ seinen himmlischen Palast, um in einen Stall einzuziehen. Er verließ den Luxus des Himmels und nahm eine Wohnung bei Ochs und Esel, musste ihren Gestank ertragen. Statt der Engel und Erzengel kamen einfache Hirten zu ihm. Er verwandelte also die Allmacht in die Ohnmacht und nahm sie an. Der Gipfel dieser Wandlung erfüllte sich 33 Jahre später in den Ereignissen seines Leidensweges zum Heil für uns Menschen. Weihnachten bedeutet: Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott ähnlich werden kann. Er bietet uns diese Verwandlung an. Weihnachten zu feiern bedeutet nicht nur Erinnerung an den menschengemäßen Gottessohn, sondern auch Hoffnung auf Heil. Zwischen Erinnerung und Hoffnung besteht eine enge Beziehung. Also feiern wir die Erinnerung an Gott, der Kind geworden ist, und gleichzeitig die Hoffnung, dass Gott uns hilft, uns zu verwandeln. Unser Egoismus soll zu Liebe werden, die Krankheit sollen wir mit Liebe annehmen, die Sündhaftigkeit soll sich zur Heiligkeit umwandeln, die Sterblichkeit zur Unsterblichkeit. Jeder von uns könnte erzählen, was Weihnachten für ihn bedeutet. Erinnerungen sind essenziell. Sie geben uns die Hoffnung. Wer die Hoffnung hat, hat die Zukunft, erkennt den Sinn des Lebens.
Charles Dickens, ein englischer Schriftsteller, verfasste die Geschichte eines Mannes, der seine Erinnerungen verlor. Dieser Mann wurde gefühllos und kalt.
Die Erinnerung daran, dass wir zu Weihnachten ein Spielzeug bekommen haben, dass uns jemand geküsst hat, ist eine Quelle des Guten in uns. Auch die Erinnerungen an die Liebe, die wir von unseren Eltern und Großeltern erhalten haben, sind Quellen des Guten in uns. Nur so sind wir fähig, Liebe weiterzugeben und uns zu verwandeln. Wenn Menschen keine Erinnerungen mehr an Weihnachten haben, können sie das Wesen von Weihnachten nicht mehr erkennen. Auch in China und Japan feiern die Menschen Weihnachten, aber sie wissen von Jesus nichts. Das wahre Weihnachten braucht eine Beziehung zu Gott. Gott sagte „Ja“ zu den Menschen. Jetzt sind wir an der Reihe, „Ja“ zu Gott zu sagen. Jedes Gebet, jede heilige Messe, jede gute Handlung bedeutet ein „Ja“-Sagen zu Gott. In dem Ausmaß, wie wir fähig sind, Gott „Ja“ zu sagen, so weit werden wir uns verwandeln.
Antoine de Saint-Exupéry, ein französischer Schriftsteller, schrieb über einen Piloten, der gegen die spanischen Faschisten kämpfte. Dieser fiel in die Hände der Feinde und wurde ins Gefängnis gesperrt. Verächtliche Blicke und die harte Behandlung des Aufsehers ließen in ihm den Eindruck entstehen, dass er am nächsten Tag hingerichtet würde. Er schrieb in ein Tagebuch: Ich war sicher, sie würden mich töten. Ich war nervös und erschüttert und so tastete ich in meiner Tasche nach einer Zigarette. Ich habe eine gefunden, aber ich hatte keine Streichhölzer dabei. Ich habe über das Gitter geschaut, wo der Aufseher war, und unsere Augen haben sich begegnet. Aber warum sollte er sich für mich interessieren? Ich war doch für ihn schon so gut wie tot. Da schrie ich: „Herr Aufseher, haben Sie Feuer für mich?“ Er schaute mich an und kam zu mir, um die Zigarette zu entzünden. Als er das Zündholz über die Zündfläche strich, ruhten seine Augen auf mir. In diesem Moment lächelte ich und wusste nicht einmal, warum ich das getan hatte. Aber was geschah? In diesem Moment schienen die Funken überzuspringen – ich weiß, er wollte das nicht –, aber mein Lächeln entlockte ihm ebenfalls ein. Er zündete meine Zigarette an, blieb bei mir, schaute direkt in meine Augen und lächelte wieder. Es wurde mir bewusst: Dieser Mann ist nicht nur ein Gefängnisaufseher; er hat auch durchaus etwas Menschliches an sich. Dann fragte er mich: „Hast du Kinder?“ Ich antwortete: „Ja, hier sehen Sie!“ Und ich zog aus meiner Brusttasche ein Foto meiner Familie heraus. Auch er zeigte mir dann ein Foto und begann, von seiner Familie und seinen Plänen zu erzählen. Da begann ich zu weinen und sagte: „Ich habe Angst, meine Kinder nie mehr zu sehen.“ Da füllten sich auch seine Augen mit Tränen. Dann sperrte er plötzlich – ohne ein Wort zu sagen – die Zelle auf und führte mich hinaus. Wir gelangten über Nebenwege aus der Stadt hinaus. Dort am Stadtrand ließ er mich gehen. Exupéry endete seine Geschichte mit den Worten: „Sein Leben wurde durch ein einziges Lächeln gerettet.“ Die Erinnerung verwandelte sich also in Hoffnung. Die Erinnerung an die Liebe zu seiner Familie wurde zur Ursache für die veränderte Haltung des Aufsehers. Aus dem Aufseher wurde ein menschlicher Bruder und aus dem Gefangenen ein freier Mensch.
Wir sollten dankbar sein für das Lächeln des Gotteskindes in Bethlehem, durch das sich Gott allen Menschen geäußert hat.
Weihnachten 2013 in der Nacht
Einleitung
Wir leben in einer Zeit der Informations- und Intelligenzexplosion. Viele Informationen gibt es in den Büchern; alles ist auf den Webseiten. Man will uns sagen, welchen Lebensstil wir leben sollen, wie wir erfolgreich sein können, wie wir kommunizieren sollen, was wir essen sollen, und es werden uns viele andere Ratschläge gegeben. Wir haben Anteil an einem Wissen, das die Menschheit formen soll. Viele können sich ohne diese vielen Informationen das Leben nicht vorstellen. Ich glaube aber, dass die einfachen Hirten, die nach Bethlehem zur Krippe eilten, um Jesus anzubeten, für uns eher eine Bereicherung sein könnten.
Predigt
Die Hirten lehren uns, dorthin, mit Freude zu eilen, was uns wichtig ist – nämlich zu Jesus, zu Gott. Auch wir wollen heute im Geiste in Bethlehem sein. Wie könnten wir uns fühlen? Vielleicht sind wir müde vom vorweihnachtlichen Stress, der uns im Advent begleitet hat, der überall war – in den Städten, in den Geschäften, in den Medien, müde vielleicht auch von den vielen humanitären Aktionen und von Geschenken, die wir gar nicht brauchen. Manche feiern Weihnachten und sind gar nicht glücklich darüber, denn in ein paar Tagen hat der Alltag sie wieder eingeholt, und alles ist wieder beim Alten im persönlichen Leben, in der Familie, in der Welt.
Wir sollten uns bemühen, dem Weihnachtsfest einen tieferen Sinn zu verleihen. Das kann für uns zum Segen für das weitere Leben werden. Wir sollten uns im Angesicht des Kindes von Bethlehem fragen: Wo ist meine Freude und habe ich eine wahre und wirkliche Freude in mir, die von Dauer ist? Oftmals machen wir die Bemerkung: „Das Leben ist heute schwierig.“ Niemand gibt uns etwas gratis. Wenn wir überleben wollen, müssen wir kämpfen. Ab und zu kommt Freude auf, aber sie dauert nicht lange . Irgendwie ähnelt das einem Schnellimbiss, den man auf einer Tankstelle zu sich nimmt, um zu überleben.
Wir sollten niemals vergessen, dass es da noch etwas gibt – unseren Glauben an Gott. Dafür sollten wir mehr Zeit und Aufmerksamkeit aufwenden. Wir sollten nachdenken und uns fragen: Wo liegt unser Schwerpunkt in unserem Leben – sind es die vielen weltlichen Dinge oder ist es Gott? Wenn Ersteres bedeutender ist, wird uns die Leichtigkeit des Daseins fehlen. Wir werden weiterhin irgendwohin eilen, immer müde sein und nie glücklich und zufrieden sein. Wenn unser Schwerpunkt aber Gott ist, so ändert sich unser Leben und wir werden Freude empfangen und diese weiterschenken. Das haben uns die Hirten ganz deutlich gezeigt. Wir müssen unser Leben nicht gänzlich ändern, weder in unserer Familie noch am Arbeitsplatz noch in unseren persönlichen Interessen; unser Schwerpunkt sollte woanders liegen. Weihnachten zu feiern, ohne Christus, verliert seinen wahren Sinn.
Stellen wir uns folgende Fragen und geben wir darauf Antwort: Warum ist Gottes Sohn Mensch geworden? Er wurde Mensch aus Liebe zu uns, weil sich die Menschheit von Gott abgewandt hat. Er will uns wieder zu Gott hinziehen und dass wir unser Leben auf Gott hin ausrichten. Jesus’ Geburt ist ein Geschenk Gottes an die Welt. In Jesus ist jeder Mensch der Beschenkte. Leider hat die Welt das Weihnachtsfest degradiert zu einer profanen Sache – zum Fest des Geschäfts und der Werbung. Es ist unsere Aufgabe, diesem Weihnachtsfest wieder den eigentlichen Sinn zurückzugeben – das Licht, das in Christus erstrahlt.
Mt 1,18-25
Als Maria von ihrer Verwandten Elisabeth zurückkam, nahm Josef wahr, dass seine Braut in gesegneten Umständen war. Die Heilige Schrift sagt, dass Josef ein gerechter Mann war. Hat der Heilige Josef diesen Titel verdient? Josef wollte das Gesetz Gottes niemals verletzen. Da aber seine zukünftige Frau schwanger war, und das Kind nicht von ihm, konnte er sie doch nicht in sein Haus aufnehmen. Da gehörte sie doch schon einem anderen.
Joseph entschloss sich, Maria das Entlassungsdekret vor zwei Zeugen zu unterzeichnen und auf sie zu verzichten. Das war die einzige Möglichkeit, das Gesetz Gottes einzuhalten und die menschliche Ehre zu retten. Maria hat aber das Ja-Wort zu ihrer Mutterschaft gesagt. Dieses Ja-Wort hat sie nicht zu einem Menschen, sondern zu Gott gesprochen. Josef wusste nichts davon und hätte es ihm Maria gesagt, hätte er es nicht geglaubt. Wie kann nun diese Situation gelöst werden? Gott hat diese Situation durch einen Engel gelöst, der Josef alles erklärte. Da wurde aus Josef, dem enttäuschten und erniedrigten Mann, der glücklichste aller Männer. Er hat schließlich Maria zu sich genommen und ist damit zum Pflegevater Jesu geworden. Darin wird auch begründet, dass Josef wirklich ein gerechter Mann war.
Auch uns kann es passieren, dass wir, obwohl wir gerecht sind, uns den Menschen anders eingeschätzt werden und uns der Verlust unseres guten Namens droht. In solchen Fällen sollen wir einfach auf Gott vertrauen und die Wahrheit kommt ans Licht.
4. Adventsonntag A Mt 1,18-24
Einleitung
Jeder von uns braucht in seinem Leben jemanden, auf den er sich verlassen kann. Zum Beispiel braucht ein kleines Kind seine Eltern. Ohne sie würde es sterben. Die Studenten benötigen die Lehrer; die Ehegatten brauchen einander. Denken wir jetzt einmal nach: Welcher Mensch könnte für uns eine Stütze sein? Wem könnten wir uns immer anvertrauen und würden wir nicht enttäuscht werden? Sicher sind wir dankbar, dass wir einen solchen Menschen haben.
Predigt
Das Evangelium spricht heute von der Situation, die sich nach der Verkündigung ergeben hat. Maria war mit Josef verlobt, und nun sollte sie ein Kind empfangen, das nicht von ihm stammte. Josef war aber ein gerechter Mann, der Maria, seine ihm anvertraute Frau, nicht so einfach freilassen wollte. Er wusste, dass das Kind, das Maria unter dem Herzen trug, nicht von ihm sein konnte, sondern von einem anderen Mann sein musste. Vorerst wollte er Maria die Freiheit schenken, damit sie den Vater ihres zukünftigen Kindes heiraten konnte. Maria wusste aber gut, auf welche Weise sie schwanger geworden war. Sie wusste, dass ihr das niemand geglaubt hätte, was wirklich geschehen war – auch der heilige Josef nicht. Darum griff Gott ein und sandte einen Engel zu Josef. Wörtlich sagte der Engel zu ihm: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns“. Josef reagierte daraufhin so, wie Gott es wollte. Er wusste genau: Das ist der Wille Gottes.
Wenn wir den Willen Gottes annehmen, ist Gott mit uns. Er ist der sicherste Halt in unserem Leben. Er enttäuscht uns nie. Das ist der Grund, warum Gott uns erschuf. Gott gab uns Menschen die Teilhabe an seinem göttlichen Leben. Der Mensch zerstörte jedoch durch Ungehorsam diesen göttlichen Plan. Gott aber verließ die Menschen nicht. Schon im Paradies sagte er dem Menschen einen Erlöser zu. Später, in der Geschichte des auserwählten Volkes, kann man klar sehen, dass Gott immer mit den Menschen ist. Obwohl der Mensch wegen seines Ungehorsams Strafen ertragen musste, hat Gott ihn nie verlassen. Eine wichtige Rolle spielten hier die Propheten, die im Namen Gottes verkündeten, dass Gott sein Volk nie vergessen habe. Als dann die Fülle der Zeit kam, kam Gott selbst unter die Menschen. Gott wurde Mensch und lebte unter ihnen. Wieder ist klar, dass Gott sein Volk nicht verließ. Das äußerte auch der heilige Apostel Paulus, als er in Athen einen Altar mit der Inschrift „dem unbekannten Gott“ fand. Paulus sagte dazu: „Was also sie verehren, das verkünde ich ihnen. Gott, der die ganze Welt erschuf und alles , was in ihr ist, wohnt nicht in einem Tempel, durch menschliche Hände erstellt, als er etwas bräuchte. Doch er gab das Leben allen. Gott. Er machte von einem Menschen das ganze Menschengeschlecht, damit es die ganze Tagesoberfläche bewohnt, damit die Menschen Gott suchen und finden. Gott ist von niemandem weit. In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. Von diesen Worten des Paulus sehen wir, dass Gott mit uns ist, dass es ihm an uns liegt, dass er für uns Hauptstütze sein will. Er weiß am besten, was wir brauchen. Werden wir aber aufrichtig? Wirklich glauben wir an das? Sehr viele Menschen glauben, sie wüssten, was sie brauchen. Gott soll ich Ihnen dabei helfen, Ihre Wünsche zu erfüllen. Wenn es geschieht, haben sie das Gefühl: Gott ist mit ihnen. Die Wirklichkeit, dass Gott für sie das ewige Leben vorbereitet hat, bedeutet für sie fast nichts. Viele leben so, als gäbe es keinen Gott. Sie rechnen in ihrem Leben nicht mit Gott. Diese Menschen fühlen , dass etwas nicht in Ordnung ist. Sie reden sich ein, dass sie sehr beschäftigt sind und für Gott keine Zeit haben. Das ist ein großer Fehler. Maria und Joseph fordern uns auf, damit wir sein Leben mit ihm erleben. Gott verlangt von uns nicht so viel. Ein bisschen weniger Fernsehen oder Radio hören, mehr Zeit den geistlichen Sachen zu widmen. Glauben Sie, dass es sich lohnt? Als Professor Doktor Antonio dem Papst Johannes XXIII mitgeteilt hatte, dass er ein bösartiger Tumor hat, reagierte der Papst mit dem Worte: ,, Es geschehe Gotteswillen. Meine Koffer sind bereit. Ich bin auf den Weggang vorbereitet. Am Abend zelebrierte Kardinal Traglia die heilige Messe für den kranken Papst. Als er die Worte sagte: Ite, missa est. Der Papst ist verstorben. Das ist das Bild des Menschen, der sich sein ganzes Leben lang auf Gott stützte. Er war immer vorbereitet. Sind auch wir vorbereitet. Wenn wir uns auf Gott stützen, werden wir unser Leben ruhig und glücklich verleben und vor allem zum Aufbruch in die Ewigkeit vorbereitet sein.
Mt, 21,23-27, 3. Advent-Montag
Als Jesus in den Tempel ging und dort lehrte, kamen die Hohepriester und die Ältesten des Volkes zu ihm und fragten: “ Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dir dazu die Vollmacht gegeben?“ Diese Frage stellten die ? r an Jesus, nachdem er im Tempel von Jerusalem Ordnung gemacht hatte. Jesus hatte alle Händler und Käufer aus dem Tempel hinausgetrieben und die Tische der Geldwechsler sowie die Stände der Taubenhändler umgestoßen. Die Mitglieder des Hohen Rates dachten, dass Jesus dazu keine Befugnis hatte. Sie wussten hervorragend, dass Jesus keine rabbinische Schule besucht hatte. Sie hielten sich für die Tempelverwalter. Unter diesem Aspekt ist ihre Handlung vollständig begreiflich. Wie reagiert Jesus? Er hätte ganz einfach sagen können: „Ich bin Gottes Sohn. Das ist das Haus meines Vaters. Er hat mir die Vollmacht erteilt.“ Jesus aber handelt nicht so. Warum nicht? Er hatte sehr gut gewusst, dass die Mitglieder des Hohen Rates das nicht geglaubt hätten. Es war schwer zu erwarten, dass sie den Worten Jesu geglaubt hätten, wenn sie nicht einmal den Wundern geglaubt haben, die Jesus vor ihren Augen getan hatte. Darum gab Jesus ihnen eine ausweichende Antwort. Die Situation aber wiederholt sich. Auch heute gibt es viele Leute, die so denken: Die Kirche hat kein Recht, sich in das Leben der Menschen einzumischen, die Menschen zu belehren oder zu führen. Wenn wir ihnen sagen: Christus hat der Kirche dieses Recht gegeben, dann glauben sie das nicht und sagen, das seien nur Märchen. Hier muss eines klar sein: Wie es zur Zeit Jesu war, so ist es auch heute eine Frage des Glaubens. Wenn wir glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist, dann wird es für uns kein Problem sein, die Wirklichkeit anzunehmen, dass Jesus seiner Kirche die Macht gegeben hat, die Menschen zu lehren und zu führen. Wenn die Hohepriester geglaubt hätten, dass Jesus der Sohn Gottes ist, hätten sie das Handeln und Tun Jesu verstanden.
Der Pastoral plan einer Pfarre
Ziel: Die Pfarre soll die Gemeinschaft aller Gemeinschaften und Gruppierungen sein, in der jeder die Gemeinschaft finden kann, die am besten seinen Vorstellungen entspricht. Das Ziel ist eine gut funktionierende lebendige Pfarre, die die Möglichkeit bietet, die Persönlichkeit des Menschen zu formen, damit er fähig ist, seine Mission in der Welt zu erfüllen. Es ist nicht das Ziel, viele Aktivitäten anzubieten. Bei zu vielen Aktivitäten verliert sich der Mensch leicht.
Viele sehen die Pfarre nicht als ein Amt, das man nur bei Bedarf besucht. Wenn mein Kind krank ist, gehe ich mit ihm zum Arzt; brauche ich Milch, gehe ich ins Geschäft, nur brauche ich eine Taufe, gehe ich ins Pfarramt. Eine Pfarre ist mehr als ein Pfarramt. Die Pfarre ist der Ort, an dem unser Glaube wachsen und sich entwickeln kann. Glaube ist nicht nur meine Privatsache. Heute ist die Pfarre nicht nur der Raum, in dem die Menschen leben, sondern darüber hinaus: Manche wohnen zwar in der Pfarre, arbeiten aber an einem anderen Ort. Es gibt auch einige Menschen, für die nur die materiellen Werte zählen. Für sie ist nur Geld, Reichtum und eine gute Stellung, wichtig. Andererseits gibt es aber auch Menschen, die Hunger haben nach geistlichen Werten. Die Pfarre soll daher für jene Menschen diese Werte anbieten. Sie soll Menschen dafür gewinnen und ihnen vermitteln, dass der Glaube an Jesus Christus ihrem Leben Erfüllung geben kann. Der Priester kann das alles nicht alleine machen. Er braucht Helfer. Darum ist es bedeutsam, Menschen zu befähigen, Verantwortung für einzelne Gebiete des Pfarrlebens zu übernehmen. Jeder von uns hat seine speziellen Gaben, jeder kann etwas beitragen. Man muss überlegen: Was für eine Gabe habe ich bekommen? Was kann ich anbieten? Viele Menschen machen deshalb nichts für die Pfarre, weil sie meinen, sie könnten Fehler machen, weil sie nicht vollkommen sind. Jeder Mensch hat aber seine Fehler, niemand ist vollkommen. Wer etwas macht, wird durchaus Fehler machen. Nur Menschen, die nichts machen, machen keine Fehler. Der Erfolg der Pastoral in der Pfarre hängt nicht von der Menge der Aktivitäten ab. Jede Aktivität muss ein höheres Ziel haben. Sie soll den Menschen zu Gott führen, die Persönlichkeit des Menschen entwickeln und Gemeinschaft bilden. Wenn in einer Pfarre nur ein paar aktive Menschen sich engagieren, dann besteht die Gefahr, dass die anderen nur Konsumenten sind. Darum ist es notwendig, möglichst viele Menschen in jede Tätigkeit einzubeziehen. Diese Menschen werden sich dann mit diesen Tätigkeiten identifizieren, und ihre Talente werden sich weiterentwickeln. Man muss sich bewusst werden, dass es nur möglich ist, etwas zu verwirklichen, wenn wir mitarbeitet. Jede Pfarre sollte einen Pastoral plan mit ihren Tätigkeiten erstellen. Er soll die konkrete Situation darstellen und auch die Möglichkeiten aufzeigen, die die Pfarre hat. Diesen Plan kann man dann auch von Zeit zu Zeit ändern und, wenn es notwendig ist, an die gegebene Situation anpassen.
Eine Pfarre ist wie eine Familie. In jeder christlichen Familie sind für das harmonische Zusammenleben drei Bereiche essenziell:
* Die Beziehung zu Gott, das Gebet, die Hl.Messe, das geistliche Leben und alles, was dazu gehört.
* Die Arbeit, um die Möglichkeiten und Dinge zu schaffen, die die Familie zum Leben braucht.
* Unterhaltung durch Ausflüge, Feiern, Hobbys, Sport
Wenn die Familie einen dieser drei Punkte vernachlässigt, beginnt sie zu zerfallen. Professor Vladimir Satura sagte: „Damit der Mensch gesund leben kann, braucht er für ein ausgewogenes Gleichgewicht diese drei Bereiche:
* Kontakt mit Gott, Meditation, Kontemplation
* Leistung, Arbeit
* Extase, Unterhaltung, Feiern, Hobbys
Eine Pfarre ist mehr als nur eine gut funktionierende Organisation. Die Pfarre soll die Gemeinschaft der Menschen sein, die miteinander und vor allem mit Christus verbunden sind. Das sollte die erste Aufgabe jeder Pfarre sein, nur so kann sie gut funktionieren. Möglich ist das aber nur mithilfe des Heiligen Geistes.
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