Jesus hat den Menschen gelehrt, dass sie nicht von Sorgen um das tägliche Leben beherrscht werden. Zur Begründung seines Ratschlags diente er sich mit einem Bild, das vielleicht jemanden schockiert,weil Jesus’ Argumentation auf den ersten Blick den Eindruck hervorruft, dass Jesus zur Nachlässigkeit, zur Faulheit oder zumindest zur Leichtigkeit ermahnt. Solche Auffassung ist entschieden irrtümlich, falsch,
Einleitung
Im heutigen Evangelium sagt Jesus: „Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt.“ Ein bisschen anders ausgedrückt: Unsere Hauptsorge soll nicht die Lebensmittelindustrie sein. Weiters sagt Jesus: „Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Wenn der Leib also mehr wert ist als die Kleidung, dann steht Gott über allen materiellen Werten. „Sorgt euch nicht… Euer Vater im Himmel weiß, dass ihr das alles braucht.“ Damit will Jesus uns sagen: „Warum sorgt ihr euch um so vieles, was gar nicht so wichtig ist?
Predigt
Der ehemalige tschechische Präsident Václav Havel sagte einmal: „Nicht nur die Wirtschaft, die Landwirtschaft, der Wohlstand und die großen Unternehmen sind wichtig, sondern vor allem auch die Moral, die Beziehungen unter den Menschen, das Benehmen und eine gute Geisteskultur. Diese Werte soll man über die Wirtschaft stellen.“ Wenn wir diese Worte hören, soll uns bewusst werden, dass es sich dabei weder um neue Begriffe noch um Erfindungen handelt. Diese Worte des bereits 2011 verstorbenen Präsidenten haben viel gemeinsam mit dem Evangelium Jesu Christi.
Selbstverständlich darf uns auch die Sorge um das tägliche Leben beschäftigen. Jesus wird sicher nicht wollen, dass wir die Sorge um irdische Dinge völlig beiseiteschieben. Er will uns nur auf die geistlichen Werte aufmerksam machen, die wir bei der Sorge um die materiellen nicht vergessen dürfen. Darum sagt er im heutigen Evangelium: „Euch muss es aber zuerst um sein Reich und seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazu gegeben.““ Die Sorge um den Haushalt, unseren Beruf und Sonstiges sollte nicht all unsere Zeit und unser Denken in Anspruch nehmen. Wir sollen unsere Aufmerksamkeit auch den Menschen und dem Wachstum unseres geistlichen Lebens widmen.
Ein kluger Mann sagte einmal: „Der Lebensstandard bedeutet noch nicht den Standard des Lebens. Der Lebensstandard besteht aus Lohn, guter Haushaltsführung, Urlaub und Sozialversicherung. Das alles ist aber keine Versicherung für den Lebensstandard. Der Standard des Lebens bedeutet nicht, welchen Reichtum ich besitze, sondern wie ich als Mensch bin, wie viel Liebe ich schenke und wie reich mein Gefühlsleben ist. Es kann nämlich passieren, dass sich mein Lebensniveau erhöht, ich aber vergesse, mein Innerstes zu erhöhen.“
Dazu ein Beispiel von Daniel Russell, der 5 Jahre alt war und bereits wusste, was er einmal werden wollte. Gemeinsam mit seinem Bruder wollte er ein berühmter Ringer bei den Olympischen Spielen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, begann er bereits in der fünften Klasse mit einem intensiven Training. Daniel schrieb in seinen Aufzeichnungen: „Die Anfänge waren schwer. Ich war ziemlich mager und scheu und ich verlor viele Ringkämpfe. Oft blieb ich punktelos und weinte, aber am folgenden Tag trainierte ich wieder. Später gewann ich allerdings zusammen mit meinem Bruder die Weltmeisterschaft in Mexiko-Stadt. Der Ringkampf bedeutete mir immer sehr viel. Aber ich war auch ein gläubiger Mensch, da ich von meinen Eltern im Glauben erzogen wurde. Ich besuchte mit ihnen die Kirche, und so wusste ich auch viel über Jesus. Aber über Jesus zu wissen bedeutet nicht, ihn auch wirklich zu kennen. Schließlich erlebte ich zwei einschneidende Erschütterungen in meinem Leben. Das Erste war die Scheidung meiner Eltern. Darüber habe ich sehr geweint und mich in meiner Verzweiflung ganz Gott zugewandt. Ich lernte dadurch, dass ich Gott ganz vertrauen kann. Das Zweite war dann ein schrecklicher Unfall meines Bruders. Der Traum, dass wir nun gemeinsam wieder Ringkämpfe austragen könnten, wurde zerschlagen. Die Ärzte machten mir klar, dass mein Bruder sein Leben lang invalide sein wird. Hunderte Menschen beteten für meinen Bruder und es geschah ein Wunder: Nach einem Jahr war er wieder voll fit. Dieser Unfall half mir, mein Leben aus einer völlig ungewohnten Perspektive zu sehen. Ich stellte fortan Gott an die erste Stelle, dann kam als Zweites meine Familie und erst als Drittes der Ringkampf. Mein Leben erhielt ein neues Ziel: Ich arbeitete fortan mit jungen Menschen. Ich lehrte sie, die richtigen Schwerpunkte in ihrem Leben zu setzen, und überzeugte sie davon, wie wichtig ein lebendiger Glaube an Gott sei.
Es ist also notwendig, im Leben immer Gott vor Ruhm und Karriere zu stellen. Herr, hilf uns, zu begreifen, dass du wichtiger bist als alles andere, und dass wir uns bemühen, danach zu leben!
Feindesliebe ist eine strenge Pflicht und wir lesen davon in der Heiligen Schrift. Bereits im Alten Bund lesen wir:
„Wenn du dem verirrten Rind oder dem Esel deines Feindes begegnest, sollst du ihm das Tier zurückbringen.“ (Ex 23,4) „Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Weise deinen Stammesgenossen zurecht, so wirst du ihn nicht in Schuld ziehen. Du sollst dich an den Kindern deines Volkes nicht rächen und ihnen alles vergeben. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.“ (Lev. 19,17-18). „Hat dein Feind Hunger, gib ihm zu essen, hat er Durst, gib ihm zu trinken.“ (Spr. 25,21). Die Übertreter dieses Gebotes wurden mit der Rache Gottes bedroht. „Wer sich rächt, an dem rächt sich der Herr; dessen Sünden behält er im Gedächtnis.“ (Sir. 28,1).
Sehr streng fordert die Feindesliebe auch das Heilige Evangelium: Wer den Feind nicht liebt, übertritt ein Gebot und handelt direkt gegen den ausdrücklichen Befehl Jesu. In Mt. 5,44-48 heißt es: “ Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch liebt, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie auch euer himmlischer Vater es ist.“ Daran werden also alle erkennen, dass wir einander lieben. Wer jemanden hasst, kann Gott kein wohlgefälliges Opfer darbringen. Dazu Mt. 5,23-24: „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.“ Weiters können uns unsere Sünden dadurch nicht verziehen werden. Wir lesen in Mt. 6,15 dazu: „Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“ Im Vaterunser-Gebet beten wir: „Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. „
Von der Feindesliebe lesen wir auch bei den heiligen Vätern. Sie weisen auf diese vortreffliche Tugend hin. Der Heilige Bernhard sagt: „Feindesliebe ist die edelste Rache. Es kann an einem Feind keine edlere Rache genommen werden, als wenn man ihm großmütig verzeiht.“ Das hat sogar der Heide Seneca gefühlt: Feindesliebe ist eine heldenmütige Tugend. Der Heilige Gregor der Große sagte: “ Von einem Verfolger den Tod zu erleiden, ist ein Martyrium in offener Tat, aber Beleidigungen zu verzeihen und den Feind zu lieben ist ein Martyrium in der Stille des Herzens.“ Eine Aussage des heiligen Augustinus: “ Nichts in der Welt ist bewunderungswürdiger als die Feindesliebe.“ Der spätantike römische Staatsmann Cassiodor drückt es so aus: „Es gibt keinen größeren Edelmut, als Schmähungen zu hören und aus ihnen nichts zu erwidern.“
Was ist das Unterscheidungszeichen der Christen von den Heiden? Ein frühchristlicher Schriftsteller schreibt: „Christen lieben auch ihre Feinde, um sich von anderen zu unterscheiden. Heiden lieben ihre Freunde, der Christ muss aber auch seine Feinde lieben.“ Feindesliebe braucht der Verzeihung. Wir sind nie ohne Sünde und bedürfen immer der Verzeihung; wir können uns nicht selbst verzeihen. Dazu sagt der Heilige Chrysostomus: „Oh, lerne doch einsehen, dass du dadurch, dass du anderen verzeihst, dir selbst Verzeihung erwirbst.“ Vom heiligen Augustinus lesen wir Folgendes: „Wir haben viele Mittel, durch welche wir die begangenen Sünden tilgen können, aber eines der wirksamsten ist, seinen Feinden zu vergeben und sie zu lieben.“ Worte des Heiligen Bernhard: „Wer den Feind nicht liebt, schadet sich selbst am meisten.“ Lassen wir nochmals den heiligen Chrysostomus zu Wort kommen: “ Wenn du Rache übst, quälst du dich vor allem selbst, denn was gibt es Elenderes als einen erzürnten, feindseligen Menschen? Er hat nie Frieden.“ Sehr ausdrucksvoll sagt es auch der heilige Athanasius: “ Wie kannst du deine Hände zum Himmel erheben und zum Gebet falten, solange du in Feindschaften lebst?“
Alle Einwände, die man gegen die Erfüllung dieser Pflicht hat, sind Eitelkeit. „Feindesliebe ist unmöglich“, hört man oft sagen. Wie kann man so etwas behaupten? Man leugnet da entweder Gottes Befehle oder lästert Gott. Man hört auch, dass gesagt wird, Gott verlange von den Menschen so unerbittlich strenge Dinge, die man nicht zu leisten vermag. Es ist aber die Tatsache, und es gibt auch Beweise dafür, dass Feindesliebe wohl möglich ist, weil sie sowohl von Juden, Heiden und Christen geübt wird. Man widerspricht sich auch selbst, wenn man sagt, man sei nicht imstande, seine Feinde zu lieben und ihnen dann Zuneigung schenkt, wenn es gilt, einen Vorteil dadurch zu erhaschen. Oder man sagt: Das Leid, das mir zugefügt wurde, ist zu groß! Vielleicht sollten wir da auf unseren Erlöser schauen! Hat man Jesus nicht alle Lästerungen nachgesagt, die die Bosheit nur erfinden kann? Hat man ihn nicht ans Kreuz genagelt und verspottet? Das alles hat man Jesus angetan und er hat sterbend noch seinen Feinden verziehen. Und wir könnten jemandem nicht verzeihen! Da kommt auch gleich wieder ein Einwand: Der Mensch, der mich beleidigt hat, ist boshaft und es nicht wert, dass ich ihm verzeihe! Aber denken wir daran: Ist dieser Mensch nicht auch ein Ebenbild Gottes wie wir selbst? Macht Gott etwa eine Ausnahme und sagt, dass man boshafte Menschen nicht lieben darf? „Wenn wir uns nicht rächen, werden unsere Feinde immer boshafter und fügen uns neues Leid zu“, so meinen wir. Da sind wir im Irrtum. Rache nährt nämlich das Feuer der Feindschaften und die mit reichlich Zinsen zurückgegebene Kränkung ruft gewöhnlich eine neue hervor. Hingegen ist die Liebe ein wohltätiges Pflaster, das das Geschwür der feindseligen Gesinnung heilt. Denn wer ein erlittenes Leid stillschweigend hinnimmt und geduldig trägt, beschämt und gewinnt dadurch gegen seinen Gegner. Aber was würden die Leute sagen, wenn ich mich nicht rächen würde? Da ging doch meine Ehre verloren. Welche Torheit! Sich am Feinde zu rächen, ist schändlich und schmählich; den Feind zu lieben, ist der größte Edelmut. Und wenn auch deine Ehre verloren ginge, bist du deswegen von der Pflicht enthoben, das göttliche Gesetz zu erfüllen? Die Ehre Gottes hängt davon ab, dass du gehorchst: Ist deine Ehre mehr als des Gottes? Ich bin nicht der Schuldige! Soll nur jener, der zuerst beleidigt hat, auch zuerst an die Versöhnung denken. Aber so denkt auch dein Gegner – auch er will nicht zuerst beleidigt haben, sondern dein ganzes Streben soll dahin gehen, dass du dir das Verdienst und die Ehre, in der Versöhnung der Erste gewesen zu sein, nicht rauben lässt. Ich will meinem Feinde schon verzeihen, aber er muss sein Unrecht zuvor erkennen! Aber dann ist auf deiner Seite der Verdienst schon viel geringer – jener hat sich die Verzeihung gleichsam durch die Genugtuung, die er dir leistete, erkauft. Und wie dann, wenn er sein Unrecht nie erkennt, oder wenn dir ein weit größerer Teil desselben zukommt, willst du ihm dann auch nie verzeihen? Ich habe meinen Feinden schon einmal, ja schon öfters , verziehen, nun kann ich es doch gleichgültig nicht mehr nehmen. Das Evangelium kennt im Verzeihen keine Grenzen: Es genügt nicht, dem Feinde ein oder das andere Mal zu verzeihen, sondern so oft, als er dich beleidigt, sollst du ihm vergeben. „Also dann trat Petrus zu ihm und sprach: „Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“ (Mt 18, 21-22)
Der heilige Apostel Paulus schreibt im Römerbrief 3,23: „Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren.“ Das klingt für uns nicht angenehm. Wir haben gelernt, dass Gott ein gerechter Richter ist, der die Guten belohnt und die Bösen bestraft. Die Angst vor der Strafe bewirkt, dass wir uns herausreden. Wir leugnen unsere Sünden. Wir sagen, dass es nur Kleinigkeiten sind. Daher verdienen wir auch keine Strafe. Der heilige Apostel schreibt aber zuvor in Röm 3,21-22: „Jetzt aber ist unabhängig vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden, bezeugt vom Gesetz und von den Propheten: die Gerechtigkeit Gottes aus dem Glauben an Jesus Christus, offenbart für alle, die glauben.“ Weiter dann in Röm 3,24-26: „Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus. Ihn hat Gott dazu bestimmt, Sühne mit seinem Blut zu leisten, die wirksam durch Glauben ist. So erweist Gott seine Gerechtigkeit durch die Vergebung der Sünden, die früher, in der Zeit seiner Geduld, begangen wurden; er demonstriert sie in der gegenwärtigen Zeit, um zu zeigen, dass er fair und den Rechten gerecht ist, die an Jesus glauben. Hier wird die Gerechtigkeit Gottes ganz anders ausgedrückt. Die Gerechtigkeit Gottes bedeutet nicht, dass Gott grausam jede Sünde bestraft, sondern dass Gott den Menschen reinigt und von der Schuld befreit. Paulus verkündet Gottes Gerechtigkeit nicht als Drohung, sondern als frohe Botschaft, die voll der Hoffnung ist.
Er schreibt an seinen Schüler Titus. „Denn auch wir waren früher unverständlich und ungehorsam; wir gingen in die Irre, waren Sklaven aller möglichen Begierden und Leidenschaften, lebten in Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten einander. Als aber die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschienen, hat er uns gerettet – nicht weil wir Werke vollbracht hätten, die uns gerecht machen könnten, sondern aufgrund seines Erbarmens – durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist. Ihn hat er in reichem Maße über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter, damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden und das ewige Leben erben, das wir erhoffen.“
Damit das, was Jesus für uns getan hat, leichter zu begreifen ist, erkläre ich das mit einem Beispiel: Denken Sie an einen Fußballspieler, der in der Nationalmannschaft spielen will. Er bemüht sich, guten Fußball zu spielen, aber er hat niemanden, der sich für ihn einsetzt. So hat er auch keine Chance, in die Nationalmannschaft aufgenommen zu werden. Doch dann kommt jemand, der den Trainer gut kennt, und legt für ihn Fürsprache ein, und nun kann er in der Nationalmannschaft spielen. So ähnlich ist es mit Jesus: Er hat nicht nur Fürsprache für uns eingelegt, sondern er starb für uns. Die Gerechtigkeit Gottes ermöglicht uns, das zu erreichen, was wir früher nicht erreichen konnten. Das nennt man Gerechtigkeit aus Gnade, da wir diese Gerechtigkeit aus Eigenem verdient haben. Gott schenkt diese Gnade jedem Menschen, wenn er sie will. Das Einzige, was Gott will, ist unser Glaube.
Der Heilige Paulus schreibt ja, wie ich schon erwähnt habe: ,, Die Gerechtigkeit Gottes aus dem Glauben an Jesus Christus offenbart für alle, die glauben“. Es klingt wie ein Echo auf die Worte von Jesus: ,,Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist nahe. Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15) Bis dahin galt: Ihr habt gesündigt, bekehrt euch und ihr werdet erlöst. Jetzt gilt: Ihr seid schon erlöst, und darum bekehrt euch und sündigt nicht mehr. Gott sagt: „Ich verzeihe. Ich habe Jesus für euch in die Welt gesandt, damit ihr erlöst werdet. Von euch hängt es ab, ob ihr mein Angebot annehmt oder nicht.
Denken Sie nun an ein afrikanisches Land, an dem jeder Fortschritt vorübergegangen ist. Die Menschen leben dort in unvorstellbarem Elend. Es ist tausend Jahre zurückgeblieben gegenüber den hochentwickelten Ländern Europas. Das ist ein unvorstellbarer Unterschied. Jetzt denken Sie Folgendes: Jemand sagt den Einwohnern dieses zurückgebliebenen Landes, dass es woanders ein ganz anderes Leben gibt als bei ihnen. Ich zeige euch den Weg, dem ihr mir folgen müsst. Viele sagen: „Das glauben wir nicht, das ist nur ein Märchen. Diese Menschen werden nie ein hochentwickeltes Land haben, weil sie nicht daran glauben.
So ähnlich ist es auch mit unserem Glauben an Gott, der uns in sein Reich ruft und uns die Möglichkeit gibt, darin zu leben. Wenn wir dem Ruf nicht folgen und nicht an Gottes Reich glauben, werden wir niemals dorthin kommen. Schade, dass so viele Menschen dieses Angebot nicht annehmen.
Heute ist es nicht populär, über die Sünde zu sprechen. Viele Menschen erkennen ihre Sünden nicht einmal mehr. Sie reden sich ein, dass in ihrem Leben alles in Ordnung sei. Anders gesagt: Diese Menschen betrügen sich selbst, weil es keinen gibt, der ohne Sünde ist. Die Frage, unser sündhaftes Verhalten zu erkennen, ist entscheidend für unsere Beziehung zu Gott. Daraus ergibt sich, dass wir der Verzeihung und der Buße bedürfen.
Die Sünden werden in schwere (auch Todsünden genannt) und leichte, lässliche Sünden des Alltags unterteilt. Der Unterschied zwischen beiden besteht darin, dass der Mensch, der eine schwere Sünde begeht, Gott ganz verlässt. Begeht der Mensch eine lässliche Sünde, lebt er nicht vollkommen nach Gottes Willen. Der entscheidende Unterschied besteht auch darin, dass der Mensch nach einer Todsünde wieder angenommen werden muss, und das geschieht nur durch eine gründliche Beichte mit Reue und Wiedergutmachung. Allerdings dürfen wir auch die alltäglichen leichten Sünden nicht bagatellisieren, sondern nicht so tun, als ginge es nur um eine Kleinigkeit. In den Plänen Gottes gibt es keine Kleinigkeiten. Auch hier sollen wir die Sünde erkennen. Das ist oft problematisch. Wir sagen: „Wir haben keine Sünden. Aber besser gesagt: Wir wollen keine Sünden erkennen, sei es aus Hochmut oder aus Unwissenheit. Aber haben wir da oft genug Liebe? Kurz gesagt: Wer keine Liebe hat, sieht seine Sünden nicht.
Eine kurze Geschichte über einen im Gefängnis inhaftierten Priester will ich erzählen: Der inhaftierte Priester las den Mithäftlingen oft aus der Bibel vor, auch das Evangelium über die Frau, die beim Ehebruch erwischt wurde. Als er mit dem Lesen fertig war, schaute er die Gefangenen der Reihe nach an. In ihren Augen zeigte sich, dass sie sehr von dieser Geschichte berührt waren. Einige Tage später, bat ein Gefangener, der schon viele Jahre nicht gebeichtet hatte, bei ihm eine Beichte ablegen zu dürfen. Nach dem Beichtgespräch weinte er wie ein kleines Kind. Er fand durch diese Beichte den Weg zurück zu Gott.
Gott sandte ja seinen Sohn in die Welt, damit er suche und finde, was verloren ist. Gott weiß um unsere Sündhaftigkeit und will uns verzeihen. Stellvertretend für Jesus ist nun der Priester, der die Sündenvergebung in seinem Namen erwirkt.
7. Sonntag A- Von der Vergeltung
Einleitung
Heute hören wir im Evangelium die Worte: „Wenn dich einer auf die rechte Backe schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm… und: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“ Der tiefste Grund, warum Jesus diese Worte sagte, ist nicht nur für das soziale Handeln wichtig, sondern auch religiös und theologisch von Bedeutung.
Predigt
Jesus verlangt von uns, dass wir denen verzeihen, die uns verletzt haben. Jeder von uns weiß, wie schwer das ist, aber es ist nicht unmöglich. Jesus verlangt von uns, dass wir unseren himmlischen Vater nachahmen, denn wir sind seine Söhne und Töchter. Er sagt: „Ihr sollt also vollkommen sein, denn auch euer himmlischer Vater ist vollkommen. Gott lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ Gott liebt alle Menschen von Anfang an, obwohl sie oft im Bösen verhaftet sind. Wenn wir aufrichtig sind, müssen wir feststellen, dass wir in gewissen Phasen unseres Lebens sehr egoistisch waren. Gott liebte uns auch in diesen Momenten und er wirkte in uns. Sein Wirken gibt uns Kraft, um fähig zu sein, zu verzeihen, so wie auch er uns verzeiht. Leider ist nicht jeder Mensch fähig, zu verzeihen, was aber meist unangenehme Folgen hat.
Hören wir dazu eine wahre Begebenheit: In Spanien gedeihen viele verschiedene Südfrüchte und sie sind daher dort auch sehr billig. In Norddeutschland aber sind diese Früchte um vieles teurer. Lastwägen bringen das Obst von Spanien über Frankreich nach Deutschland. Diese spanischen Lastwägen wurden oft im Auftrag von französischen Obstbauern überfallen, die Lenker wurden entführt und die Lastwägen angezündet. Der Grund war, dass die französischen Obstbauern ihr Obst an Deutschland verkaufen wollten, aber zu einem höheren Preis als die spanischen Obstbauern. Sie wollten damit den Handel von Spanien nach Deutschland ausschalten. Eines Tages fuhr ein junger Spanier mit seinem eigenen Lastwagen mit Obst beladen durch Frankreich. Er wusste, dass es sehr gefährlich war, aber dachte, es werde ihm schon gelingen. Er nahm auch seine Frau mit. Auf dem Weg wurden sie angehalten und der Lastwagen angezündet. Der junge Spanier musste mitansehen, wie er sein Hab und Gut verlor und das Schlimmste war, dass seine Frau im Lastwagen ums Leben kam. Er konnte seiner geliebten Frau nicht mehr helfen. Wut und Hass entstanden im Herzen dieses jungen Menschen, als er sah wie ohnmächtig er gegen diese Bande war. Es reifte der Entschluss in ihm, sich zu rächen. Er beschaffte sich Sprengstoff, den er auf seine nächste Fahrt durch Frankreich mitnahm. Er wollte damit jene Menschen in die Luft sprengen, die ihm dieses große Leid zugefügt hatten. So geschah es auch. Als wieder die organisierte Bande ihn anhielt und seinen Lastwagen anzündeten, explodierte der mitgeführte Spengstoff und die Bande kam ums Leben. Nach dieser Tat kehrte er nach Spanien zurück und stellte sich der Polizei. Er erklärte, warum er das getan hat und was er von den Franzosen vorher erdulden musste. Die französische Regierung verlangte seine Auslieferung, um ihn für seine Tat zu bestrafen. Die spanische Regierung lehnte eine Auslieferung ab.
Wenn wir diese Geschichte hören, werden wir mit Schrecken feststellen, wie viel Hass in einem Menschen sein kann. Ein Hass kann so groß sein, dass er Menschen zu so schrecklichen Taten motiviert. Sie denken nur mehr, dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als sich zu rächen. Aber Rache rufte nur neue Rache hervor. Liebe Christen, Sie ahnen, wohin das führt.
Ich habe heute diese Geschichte des jungen Spaniers erzählt und ich denke dabei an Jesus. Hätte er nicht genug Grund gehabt, sich zu rächen? Er aber betete: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Ich möchte ihnen aber noch eine Geschichte erzählen, ein Vorkommnis, das belehrend ist. Doktor Cronin begann als junger Arzt in einem Krankenhaus in Nord Hammerland zu arbeiten. Eines Abends brachte man einen 6 jährigen Buben zu ihm. Er hatte Diphterie und er musste sofort operiert werden. Er führte eine Metallröhre in die Luftröhre ein. Als er die Wunde versorgt hatte, ging er schlafen. Vier Stunden später weckte ihn ein lautes Klopfen an seiner Tür. Da stand eine junge Schwester und sagte ganz aufgeregt: „Kommen Sie schnell, Herr Doktor. Die Schwester, die auf dem Bub aufpassen sollte, ist eingeschlafen. Als sie erwachte, war die Metallröhre vollkommen verstopft. Anstatt, dass sie versuchte, abzusaugen, begann sie panisch im Zimmer herumzulaufen und um die Hilfe zu rufen. Bis sie Hilfe fand, war es zu spät. Der Bub ist gestorben.“ Doktor Cronin war sehr zornig darüber und wollte die Krankenhausverwaltung, bitten, diese Schwester sofort zu entlassen. Damit war auch ihre weitere Berufslaufbahn vorbei. Er schrieb einen Bericht und lud dann die Schwester zu einem Gespräch ein. Er las ihr den Bericht vor und sie wurde blass, aber sie fand keine Worte der Entschuldigung oder der Ausrede. Es schien so, als habe sie nichts dazu zu sagen. Dann aber sprudelten ihre Worte nur so heraus: „Bitte, geben Sie mir noch eine Chance. Ich weiß und ich wurde auch so erzogen, dass jeder Fehler bestraft werden muss.“ Der Arzt befahl ihr, zu gehen. Den Bericht warf er in den Briefkasten der Verwaltung des Krankenhauses. Er konnte aber in jener folgenden Nacht nicht schlafen, denn in seinem Kopf klangen immer wieder die Worte der Schwester, ihr doch noch eine Chance zu geben. Er dachte darüber nach, ob seine Gedanken der Rache richtig sind. Er dachte auch an Jesus und an das Vater-unser-Gebet, wo es heißt: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Am Morgen, noch bevor der Briefkasten entleert wurde, holte er den Bericht wieder heraus und zerriss ihn. Seitdem sind 20 Jahre vergangen und diese Schwester ist nun Oberschwester in einem großen Krankenhaus und ihr aufopferndes Leben für viele Patienten wurde zum Beispiel für viele Krankenschwestern. Der Arzt aber hatte begriffen, wie wichtig es damals war, ihr noch eine Chance zu geben.
Ich denke, wir sollten uns bemühen, Menschen, die jemanden verletzt haben, die nicht richtig gehandelt haben, noch eine Chance zu geben. Vielleicht brauchen auch jemanden, der uns in schwierigen Situationen unseres Leben eine Chance gibt. Möge uns Jesus helfen, damit wir fähig werden, seine Worte zu verwirklichen: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne und Töchter eures Vaters im Himmel werdet, denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten.“
Wir bleiben in der Liebe Gottes, wir sind mit Gott eins, wenn wir das tun und verwirklichen, was Gott von uns will. Anders gesagt: Wir sollten uns nach Gott sehnen, so sehnt sich auch Gott nach uns. Wir verlassen aber Gott, wenn wir eine Sünde begehen.
Worin besteht die Sünde? Wir sündigen, wenn unser Wille und der Wille Gottes nicht übereinstimmen. Wir unterscheiden zwei Arten von Sünde:
Da sind einmal die lässlichen, die leichten oder alltäglichen Sünden. Diese Bezeichnung ist eigentlich nicht ganz richtig. Sünde soll niemals etwas Alltägliches sein. Man könnte eine lässliche Sünde auch irgendwie als ein Stolpern auf dem Weg der Erfüllung des Willens Gottes bezeichnen. Wir wollen zwar den Willen Gottes erfüllen, aber beeinflusst von Schwachheit, Zorn oder Angst gelingt es uns nicht, so zu handeln, wie wir eigentlich sollten. Wir begehen eine lässliche Sünde, aber können gleich wieder aufstehen, wenn wir Busse tun. Diese Sünde entfernt uns zwar für eine Weile von Gott, aber sie unterbricht nicht unsere Gemeinschaft mit Gott. Wir kehren gleich wieder um zu Gott.
Da ist dann aber als zweites die schwere Sünde, wo man den Willen Gottes vollkommen ablehnt. Atheisten lehnen überhaupt die Existenz Gottes ab. Viele Gläubige lehnen zwar nicht direkt die Existenz Gottes ab, aber sie lehnen vieles, was den Willen Gottes betrifft, ab. Warum eigentlich? Es kann sein, dass sie einfach nicht den Willen Gottes erfüllen wollen oder Gott nicht vertrauen oder sie glauben nicht, dass Gott ihnen hilft. Die Gründe sind verschieden, aber das Ergebnis ist dasselbe – es ist Sünde und daher schlecht. Vielfach wird aber auch ein Teil des Willens Gottes gutgeheißen und ein Teil abgelehnt. Wenn man aber Gottes Wille auch nur teilweise ablehnt, kann man im geistigen Leben nicht wachsen. So wird man nicht in der Gemeinschaft mit Gott bleiben.
Stellen Sie sich einen Sportler vor, der sich auf die Olympiade vorbereitet! Er trainiert eifrig, aber seine Lebensweise ist ziemlich schlecht. Er trinkt, er raucht, er isst zu viel. Glauben Sie, dass er unter diesen Bedingungen zu den Spitzensportlern gehören wird?
So ähnlich ist es mit dem Willen Gottes, wenn wir ihn ablehnen, auch nur teilweise, werden wir nicht in der Liebe Gottes bleiben.
Dienstag 6.Woche im Jahreskreis
Ein junger Mann sagte: „Ich habe eine interessante Arbeit gehabt. Die Arbeit war mein Hobby. Eines Tages war folgende Situation eingetreten: Es sollten einige entlassen werden. Ich war sicher, dass es mich nicht betrifft. Doch am anderen Tag habe ich die Mitteilung bekommen, dass ich zu den Entlassenen gehöre. Diese Nachricht hat mich zutiefst erschüttert.“
Eine solche Angelegenheit, auch ein Schmerz oder ein Unglück können unserer Innerstes schwer belasten. Das ist vergleichbar mit Mikroben, also kleine schädliche Bakterien im Körper, die unserer Gesundheit schaden. Unsere gute Laune ist weg und wir sehen alles negativ. Es gibt allerdings verschiedene Mikroben. Über einige freuen wir uns, denn sie bewirken, dass der Teig für unser Brot gut aufgeht und wir es knusprig backen können. Andere wiederum verderben das Essen.
Jesus warnt im heutigen Evangelium vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes. Er sagt: „Gebt acht, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Herodes.“ Sie aber machten sich Gedanken,weil sie kein Brot bei sich hatten. Ein Pharisäer ist ein Heuchler. Er zeigt sich von außen besser als er in seinem Inneren ist.
Jeder von uns weiß etwas besser als der andere. Ein alter Mann wohnte an einer Wegkreuzung. Die Leute fragten ihn immer wieder nach dem richtigen Weg. Er machte sich wichtig, weil er die Wege kannte. Wie wenig genügt eigentlich zum Hochmut! Der Sauerteig des Herodes ist die Zusammenarbeit auch mit dem Feind und das zu seinem eigenen Gewinn. Ich diene nur jemanden, wenn ich davon etwas habe.
Ein Pfarrer erzählte die Geschichte seines Pfarrangehörigen namens Hans. Hans arbeitete in einem Betrieb für Holzbearbeitung. Der Pfarrer kannte die Arbeiter in diesem Betrieb. Dieser Betrieb hatte nicht den besten Ruf. Deshalb sagte er zu Hans: „Passe dich nicht den unguten Sitten in diesem Betrieb an, auch wenn du Schwierigkeiten bekommst. Bewahre deine christliche Einstellung.“ Nach einem Jahr traf er sich mit ihm, und fragte ihn: „Machten dir die Arbeiter an deiner Arbeitsstelle das Leben schwer?“ Er antwortete: „Überhaupt nicht, ich haben ihnen nicht gesagt, dass ich ein Christ bin.“ Der Pfarrer war ziemlich verblüfft, dass sein Pfarrangehörige sich so den Gegebenheiten anpasste. Die sogenannten ,, heimlichen Christen“ machen und sagen also nichts, womit sie sich von den anderen unterscheiden. Der Geist des heutigen Evangelium ist gegen jeden Zerfall und jede Bosheit.
Die Heilung eines Blinden bei Betsaida.
Die Heilung des Blinde geschieht nicht auf sofort auf Wunsch derer, die um seine Heilung baten. Jesus führte ihn weg aus der Menge hinaus aus dem Dorf. Er wollte mit ihm allein sein, um ihm seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Dort bestrich er seine Augen mit Speichel und legte ihm die Hände auf. Und Jesus legte ihm sogar noch ein zweites Mal die Hände auf. Brauchte Jesus wirklich diese zwei Versuche? Ich hat sie sicherlich nicht gebraucht. Er wollte uns damit nur etwas sagen. Vielleicht sagen wir zu oft: Wir sehen ganz klar. Aber wir können uns auch durchwegs irren und dann später wahrnehmen, dass es anders kam, als wir vorausgesetzt haben. Es gibt viele verschiedene Situationen in unserem Leben, die nicht immer sofort ganz klar sind. Wichtig ist es da, den richtigen Zusammenhang für alle Situationen unseres Lebens zu finden.
Kürzlich las ich in der Zeitung folgenden Artikel: Die Wissenschaftler fanden den fehlenden Teil des Weltraum-,,Tau neutrino“ eines unglaublich winziges Teilchen. Ein Wissenschaftler sagte: „Es ist so, als ob wir den Buchstaben ,,Z“ gefunden hätten.“ Diese Entdeckung wird aber unser Leben nicht retten. Es hilft den Wissenschaftlern die Teilchen zu kennen, aus dem alles zusammengesetzt ist. Aber noch viel bedeutsamer ist es, den zu kennen, der alles im Kosmos geplant hat, alle Teilchen der Materie und die Ursache, warum sie zusammenhalten – es ist Gott. Und Jesus ist derjenige, der uns hilft, alles richtig zu sehen. Nur durch ihn gelangen wir zum Vater.
Wie geht es uns dabei? Sehen wir klar und deutlich alle Handlungen Gottes im Weltall oder sind auch unsere Augen noch blind?
Wer wünscht sich nicht, einst mit den Gerechten ins Himmelreich einzugehen? Wenn aber einerseits die Ungerechten davon ausgeschlossen sind, so wird andererseits heute auch der Eintritt in die falsche Gerechtigkeit verweigert. Darum sage ich euch: ,,Wenn eure Gerechtigkeit nicht noch viel größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Mt 5,20). Halten wir uns daher fern von der falschen Gerechtigkeit. Diese Haltung repräsentieren die Pharisäer und ihre Gesinnungsgenossen, die damaligen Schriftgelehrten. Wie war ihre Gerechtigkeit, auf die sie so sehr pochten? Sie wollten niemanden töten, gaben dem Zorn und der Lästerung jedoch erheblichen Raum. So wurden sie letztlich zu Mördern an Jesus und an die Aposteln. Wenn man eine böse Gesinnung nicht bekämpft, führt sie zu boshaften Taten. Sie begnügten sich mit dem Buchstaben des Gesetzes: „Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen“ usw. Doch Jesus spricht bereits von Ehebruch, wenn dieser schon im Gedanken, in bloßer Begierde passiert.
Die Pharisäer und Schriftgelehrten taten das Gute ohne rechte Absicht, nicht um Gott zu lieben und zu loben, sondern nur um von den Menschen gesehen und gelobt zu werden. Ihr Almosengeben posaunten sie hinaus, ihr Beten war heuchlerisch und ihr Fasten ebenfalls. Sie waren engherzig beim Geben des Zehnten und brachten die Witwen um ihr Geld. Sie schmückten den Tempel, ließen aber die Eltern darben und hungern. Sie reinigten die Hände und die Schüsseln, aber nicht ihre Herzen. Sie mieden die Arbeit am Sabbat, aber nicht ihre Bosheit. Sie erregten sich für das Gesetz, wehrten sie aber gegen bessere Erkenntnis. Sie warben Menschen aus anderen Religionen ab, führten sie aber nicht zur Heiligkeit, sondern nur zu Schlechtigkeit. Sie suchten nicht nach der Gerechtigkeit, die von Gott stammt, sondern handelten nach ihrer eigenen Gerechtigkeit.
Das Wesen der wahren Gerechtigkeit beruht auf der Gnade Gottes. Ohne diese ist Gerechtigkeit unmöglich. Gott zu gefallen, das macht Kinder des Zorns zu Angehörigen Gottes. Wir sollten dieses Glück mit allen Kräften suchen. Die Gerechtigkeit ist der Inbegriff aller Tugenden, die Summe alles Guten. Der Gerechte, wie die heilige Schrift ihn nennt, ist mit ganzer Seele Gott ergeben, ein Freund Gottes, dessen Wohlgefallen er allein sucht, ein Feind der Sünde, obgleich die menschliche Gebrechlichkeit an ihm sichtbar ist. Diese Gerechtigkeit ist aber nicht des Menschen Werk, sondern Gnade Gottes – es ist jene Gerechtigkeit, mit der Christus aus Sündern Gerechte macht. Wir alle sind von Geburt an Sünder und wären in der Sünde geblieben, wenn nicht Gott uns zu Hilfe gekommen wäre. Er hat uns Sünder durch die Erteilung seiner Gnade gerechtfertigt, und wir wurden gerecht. Diese Gerechtigkeit ist ein uns eigentümliches Gut, es gehört wahrhaft uns, es ist ganz und gar in unserer Seele. Die Gerechtigkeit ist auch ein reines Gut, das mit nichts Schädlichem vermischt ist. Die Wissenschaft bläht auf , die, Ergötzungen machen weichlich, die Ehre verblendet, der Reichtum verhärtet, die Gerechtigkeit aber hat fast nichts als Tugend in sich und schließt alles aus. Die Gerechtigkeit ist auch das einzige, dauernde, bleibende Gut, das nicht verwest, das uns aus der Zeit in die Ewigkeit begleitet.
Wir freuen uns über die Wirklichkeit, dass Gott uns nie verlassen wird und dass uns auch nichts von der Liebe Christi scheidet. Aber wir können Gott verlassen. Diese Gefahr beunruhigte auch Jesus. Im Vaterunser beten wir: „Führe uns nicht in Versuchung.“ Wir beten nicht „Erlöse uns von allen Versuchungen“, weil die Versuchungen wichtige Werkzeuge unseres Wachstums sind. Aber hier geht es nicht nur um das Wachstum, sondern auch um die Einheit mit Gott. Woran liegt die Einheit mit Gott? Wenn wir darüber sprechen, dass sich Menschen einig sind, was meinen wir damit? Meinen wir, dass sie nah nebeneinander stehen oder aufeinander schauen? Sicherlich nicht. Nebeneinander stehen und aufeinander schauen, das können auch Todfeinde. Und einig sein können wir auch, ohne einander zu sehen. Worin liegt also die Einheit? Die Menschen sind einig, wenn sie in ihren Absichten, Zielen und Werken einig sind, also wenn sie in dieser Hinsicht dasselbe tun. Wir können sagen: Die Einheit, das ist die Einheit des Willens. Gott vereint sich mit unserem Willen. Wir sehnen uns danach, damit wir glücklich sind. Gott nahm unsere Sehnsucht wahr und arbeitete an deren Erfüllung. Er wurde deswegen für uns Mensch und starb für uns am Kreuz. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass wir uns mit dem Willen Gottes vereinigen. In Gott sind drei göttliche Personen, und diese drei leben in vollkommener Einheit. Wann leben wir in Einheit mit Gott? Wenn wir das wollen, was Gott von uns will. Was der Wille Gottes ist, das zeigte uns Jesus Christus. Er sagt: „Wer nach dem Willen meines Vaters handelt, der ist für mich Bruder, Schwester und Mutter.“ Das sagt für uns alles aus. Wenn wir in Einheit mit dem Willen Gottes sind, sind wir mit Gott eins. Der Evangelist Johannes schreibt im 1. Johannesbrief, Vers 3,6b: „Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht. Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, so gerecht er gerecht ist.
Menschen hören gerne gute Nachrichten. Eine besonders gute Nachricht für uns Menschen heißt: Gott liebt uns. Diese Nachricht schenkt uns einen großen Optimismus. Der Apostel Paulus schreibt in seinen Briefen an vielen Stellen über die Gottesliebe und lobt und preist Gott dafür.
Menschen stellen sich aber auch manchmal die Frage: „Warum hat Gott nicht die Macht, die Sünde zu verhindern? Dann hätte Jesus nicht leiden müssen.“ Sicherlich hätte Gott diese Macht gehabt. Aber das wollte Gott nicht, denn er hat den Menschen einen freien Willen gegeben. Das unterscheidet den Menschen von anderen Geschöpfen. Gott schuf den Menschen aus Liebe und für die Liebe. In der Liebe verwirklicht der Mensch gewissermaßen seine Gottähnlichkeit. Aus Liebe gab Gott dem Menschen den freien Willen, denn ohne freien Willen gibt es keine wahre Liebe.
Dazu ein Vergleich des katholischen Priesters und Religionsphilosophen Romano Guardini mit einer Schwangeren: Während der Schwangerschaft ist das Kind im Bauch der Mutter geschützt, aber die Frau wünscht sich, dass ihr Kind zur Welt kommt. Sie sehnt sich danach, dem Kind ihre ganze Liebe zu erweisen. Sie sehnt sich auch nach der Liebe, die das Kind ihr geben wird. Auch wenn das Kind also zuerst vollkommen geschützt war, so wird der Wunsch nach der Geburt des Kindes immer mächtiger, auch mit der Gefahr und dem Bewusstsein, dass eine Geburt mit Schmerzen verbunden ist.
Gott gibt uns also die Freiheit, aber leider missbraucht der Mensch diese Freiheit und wendet sich von Gott ab. Gott aber ist die Liebe und so hat er in Jesus das Werk der Erlösung vollbracht. Wie groß ist doch die Gottesliebe! Bemühen wir uns, dieses große Geschenk anzunehmen und nicht mit leichtfertigen Handlungen, diese Liebe mit Füßen zu treten!
Einleitung
Das Flugzeug rollte auf die Startbahn. Plötzlich blieb es stehen, wendete und rollte wieder zum Ausgangspunkt zurück. Nach einer Stunde Wartezeit wurde das Flugzeug wieder gestartet. Die beunruhigten Fluggäste fragten die Stewardess nach der Ursache. Die Stewardess antwortete: „Dem Piloten gefiel das Motorengeräusch nicht, und er ließ die Motoren des Flugzeugs nochmals überprüfen und den Fehler beheben.“
Wer will schon mit einem Piloten fliegen, dem es egal ist, wenn an seinem Flugzeug ein unangenehmes Motorengeräusch zu hören ist? Ein Pilot, der ein solches Geräusch wahrnimmt, weiß, dass etwas nicht in Ordnung ist. Er ist sozusagen ein Fachmann auf diesem Gebiet. Jesus Christus ist ein Fachmann für ein glückliches und gelingendes Leben. Es ist nicht genug, dass sich der „Motor des Lebens“ dreht; er muss auch den Klang der Liebe haben.
Predigt
Jesus kritisierte die Pharisäer und Schriftgelehrten, die ihre Religion zwar gesetzestreu, aber doch eher oberflächlich lebten. Auch zu uns sagt Jesus im heutigen Evangelium: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht noch weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer , werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.““ Was war das für eine Gerechtigkeit, die mit der Lehre Jesu nicht übereinstimmte? Was verlangt Jesus von uns? Der Evangelist Matthäus verwendete in seinem Evangelium eine literarische Form, die die Bibelexperten als „Antithese“ bezeichnen, also eine Gegenbehauptung zu einer Ausgangsbehauptung.
Was Jesus ganz konkret sagte, dazu möchte ich zwei Abschnitte als Beispiel der Antithese aus dem heutigen Evangelium herausnehmen: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten.‹ Wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt , soll dem Gericht verfallen sein.“ Oder weitersagte er: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ Und dann gibt es noch weitere Beispiele im heutigen Evangelium.
Mit diesen Aussprüchen wollte Jesus die alttestamentlichen Gebote nicht aufheben. Er war ja auch einer, dem die „Tora“ – die ersten 5 Bücher des Alten Testaments, die 5 Bücher des Mose – geläufig war. Die Art der Interpretation, die Auslegung der Schriftgelehrten von damals, war für Jesus nicht richtig. Sie waren zu sehr gesetzeskonform, zum Beispiel: „Wenn ich niemanden töte, bin ich gut – wenn ich nichts gestohlen habe, bin ich gut.“ Für Jesus ist das nicht genug. Ein Mensch soll auch eine gute Einstellung zur Liebe und Barmherzigkeit dem Nächsten gegenüber haben und vor allem die Liebe zu Gott. Es genügt nicht, nichts Böses zu tun; man muss auch Gutes tun. Jesus verlangt von uns, dass wir nicht nur gerecht, sondern auch liebenswürdig und barmherzig sind. Um nochmals zu wiederholen: Wenn ich sage, ich habe nichts gestohlen, niemanden getötet und nichts Schlechtes getan, also bin ich gut, so ist das ein sehr oberflächliches Leben.
Ein Beispiel dazu: Eine Mutter sieht, dass ihr Kind weint und weiß nicht, warum. Sie kann das einfach nicht verstehen, denn ihr Kind hat doch alles: zu essen, zu trinken, stets schön gewaschene Kleider, und sie macht doch alles für ihr Kind. Ich denke allerdings, dass das zu wenig sei. Ein Kind braucht auch jemanden, der es in die Arme nimmt, es liebkost und mit ihm spielt. Es muss auch ein Gefühl von Sicherheit haben. Für ein Kind genügen nicht nur materielle Werte; es braucht auch viel Liebe. So ähnlich ist es mit unserer Beziehung zu Gott. Es ist nicht genug, nur die Gebote Gottes zu erfüllen. Notwendig ist auch eine liebevolle Beziehung zu Gott.
Noch ein weiteres Beispiel: Sie kennen wahrscheinlich alle die Geschichte und das Leben von Mutter Teresa. Sie wissen, wie aufrichtig ihre Liebe zu den Armen war. Davon will ich jetzt nicht erzählen. Ich möchte Sie mit einem Priester aus der Slowakei bekannt machen, der ein ähnliches Leben wie Mutter Teresa führt. Er heißt Marian Kuffa und ist ein wenig über 50 Jahre alt. Er widmet seine Zeit und Energie den Obdachlosen, also Menschen, die in ihrem Leben gescheitert sind. Es ist ihm wichtig, dass diese Menschen Unterkunft und Kost haben, aber noch wichtiger ist es, sie geistlich zu betreuen. Er möchte versuchen, die Situation dieser Menschen mit Liebe zu verändern. Viele Menschen, die ihn kennen, bezeichnen ihn als sehr charismatisch. Ich hoffe, dass man auch im deutschsprachigen Raum einmal von ihm einen Film drehen wird. Um nochmals zu Mutter Teresa zurückzukommen: Ein Journalist hat ihr Leben einige Zeit lang beobachtet und dann zu ihr gesagt: „Was Sie machen, das würde ich nie schaffen!“ Ich denke, dass diese Worte auch für die Tätigkeit von Marian Kuffa gelten.
Warum ist es für uns aber wichtig, über diese wertvollen Menschen etwas zu wissen? Diese Menschen zeigen uns, dass sie diese Kraft für ihre so schwierigen Aufgaben nur durch ihren Glauben an Gott haben, den sie über alles lieben. Ein solcher Glaube kann auch uns erfüllen.
Haben Sie schon den Zusammenfluss zweier Flüsse aus der Vogelperspektive gesehen? In der Slowakei gibt es die Flüsse Orava und Váh. Der Fluss Orava ist relativ rein, und darin leben viele Fische. Der Fluss Váh ist bei seiner Quelle auch rein, da er jedoch durch mehrere Städte mit umfangreichen Industriebetrieben fließt, wird er schmutziger. Bei Kralovany vereinen sich diese beiden Flüsse zu einem umfangreicheren Wasserlauf. Nach wenigen Metern ist vom reinen Wasser des Flusses Orava nichts mehr zu sehen. Er hat sich mit dem schmutzigen Wasser des Flusses Váh vermischt und ist nun ebenfalls verunreinigt. Leider ist das nicht umgekehrt. Der reine Fluss Orava kann den Fluss Váh keinesfalls reinigen.
So ist es auch bei den Menschen, die sich auf das Böse einlassen. Dieser Einfluss ist nicht zum Besten für den Menschen. Jesus warnt uns im heutigen Evangelium mit folgenden Worten: „Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen, Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. Die Aufzählung dieser gefährlichen Übel mahnt uns, sie zu meiden und uns im Innersten gegen diese Einflüsse zu festigen.
Berechtigterweise stellen sich viele Christen die Frage: Wie soll ich rein bleiben in einer Welt, die so voller unreiner, selbstsüchtiger und sinnlicher Einflüsse ist, die ständig auf die Menschheit einwirken? Hier gibt uns Jesus die Zusicherung: „Ich habe die Welt besiegt.“ Ich bin stärker als alle bösen Einflüsse. Meine Anwesenheit sollte euch immer mehr bewusst werden.
Als Beispiel möchte ich Shakespeares Drama „Othello“ anführen. Othello war ein sehr ehrlicher und aufrichtiger Mann, der eines Tages seine Frau des Ehebruchs verdächtigte. Er kämpfte gegen diese Verdächtigung allerdings nicht an, sondern seine Eifersucht wuchs immer mehr. Sie wurde schließlich so groß, dass er sogar in der Lage war, seine Ehefrau zu töten. Dieses Drama sollte uns eine Warnung sein, denn böse Gedanken und Einflüsse lassen uns oft nicht mehr los. Es ist zu spät, eine Medizin einzugeben, wenn sich das Böse schon ausgebreitet hat.
Bleiben wir immer in Verbindung mit Gott und seiner Gnade, die er uns zuteilen lässt. Nur so vermischt sich das Böse nicht mit dem Guten. Böse Gedanken machen unrein. Gott soll immer tief in unserem Innersten verwurzelt sein, denn er ist der Garant unseres Heils.
Nichts scheidet uns von der Liebe Christi. Diese erstaunliche Aussage des heiligen Paulus hat zwei Ausmaße:
1. Nichts scheidet Gott von uns aus. Wir lesen im zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus: „Wenn wir untreu sind, so bleibt er treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen“ (2).Tim 2,13 . Der Apostel Paulus berichtet hier über etwas, das aus dem Alten Testament bereits bekannt ist. Wir lesen im Psalm 89: Wenn seine Söhne meine Weisung verlassen, nicht mehr leben nach meiner Ordnung, wenn sie meine Gesetze entweihen, meine Gebote nicht mehr halten, dann werde ich ihr Vergehen mit der Rute strafen und ihre Sünde mit Schlägen. Doch ich entziehe ihm nicht meine Huld, breche ihm nicht die Treue . Meinen Bund werde ich nicht entweihen, was meine Lippen gesprochen haben, will ich nicht ändern.Eines hab ich geschworen, so wahr ich heilig bin, und niemals werde ich David belügen: Sein Geschlecht soll auf ewig sein, habe Bestand vor mir wie die Sonne, er soll ewig bestehen wie der Mond, der verlässliche Zeuge über den Wolken. Im Psalm spricht Gott über David. Was Gott einmal versprochen hat, das er einhalten wird. Oft haben wir die Versuchung zu denken: Wenn wir die Gebote Gottes nicht erfüllen, wenn wir Sünde begehen, verlässt uns Gott. Der Apostel Paulus behauptet etwas anderes. Auch die größte Sünde, die wir begehen, kann nicht dazu führen, dass Gott aufhört, uns zu lieben. Er bleibt treu. Er bleibt immer neben uns. Der Evangelist Johannes drückt das mit den anderen Worten aus: ,,Aber wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gütig, er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von jedem Unrecht, denn das Herz uns auch verurteilt, Gott ist größer als unser Herz und er weiß alles“ 1 Joh 1,9, 3,20 Jesus malt diese wunderschöne Wirklichkeit im Gleichnis von verlorenen Sohn aus. Der Sohn vergeudete alles, was der Vater ihm gegeben hatte, und trotzdem erwartet ihn dieser mit geöffneten Armen, mit dem Herzen voller Liebe. Wir können in absoluter Sicherheit leben. Es gibt keine Sünde, die dazu führen kann, dass Gott uns verlässt. Zu jeder Zeit ist genug anzurufen: „Vater“, und aus der anderen Seite erklingt augenblicklich vertraulich: „Sohn“.
Die zweite Sicherheit ist: Nichts scheidet uns von der Gottesliebe aus. Der Apostel Paulus schreibt. Was kann uns von der Liebe Christi scheiden? Bedrängnis oder Not, Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert. In der Schrift steht . Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tag ausgesetzt: Wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss. Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges , weder Gewalten der Höhe oder der Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. Röm 8,35-39. Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen, denn die Liebe Gottes ist durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist, in unsere Herzen ausgegossen. Solange wir in Gottesliebe bleiben, kann man sich von dieser Liebe nichts scheiden. Gott ist treu; er wird nicht zulassen ,dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet . Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen , sodass ihr sie bestehen könnt. Die Macht des Satans ist durch die Liebe Christi gebrochen.Den Satan dürfen wir wie einen Riesen nicht vorstellen. Sicher, er ist stärker als wir. Aber nur dann, wenn wir ohne Heiligen Geist sind. Mit dem Heiligen Geist sind wir stärker. Fragen wir uns jetzt. War in unserem Leben ein Moment, an dem wir an der Gottesliebe und der Vergebung zweifelten. Es war in unserem Leben ein Augenblick, in dem wir sehr intensiv Gottesliebe erlebten. Was ergibt sich daraus für unser Leben?
Nachdem Jesus in der Bergpredigt die acht Seligpreisungen ausgesprochen hat, welche uns bewundernswürdige Tugendhöhen zeigen, die der wahre Jünger Jesu Christi zu erklimmen trachten soll, wendet sich Jesus zu seinen Aposteln, sie belehrend über ihre Würde sowohl,als über ihre Pflichten: Denn sie sollen den übrigen Christen als Führer dienen, und durch ihre Hilfe soll es allen möglich werden, zu jener Vollkommenheit sich aufzuschwingen, die da selig macht. Überhaupt feierlich, ernst und erhaben sind die Worte, mit denen Jesus seine Apostel und in ihnen alle Vorsteher seiner Kirche anredet. Ihr seid das Salz der Erde … Ihr seid das Licht der Welt … Wie inhaltsreich sind diese Worte. Will man diese Ausdrücke näher erklären? Wir verstehen wohl, was diese Bilder sagen wollen. Ihr seid die Lehrer der ganzen Welt durch Wort und Beispiel. Das Salz ist die Würze der Speisen. Wie unschmackhaft wären so viele Speisen ohne Salz. Das Salz bewahrt das Fleisch vor Fäulnis und erteilt gleichsam dem, was dem natürlichen Tode, der Auflösung, verfallen scheint, neue Kraft und neues Leben. Was ist grauenvoller als die Auflösung? Was ist abscheulicher als Fäulnis? Noch abscheulicher ist die Sünde, die in die Welt gekommen ist, die die ganze Menschheit in den Zustand einer geistigen Fäulnis versetzt hat .Wer wird die Menschheit von dieser Fäulnis , von diesem geistigen Verderben erretten? Nichts anderes als die Gnade unseres Herrn Jesu Christi. Sie ist das einzige Heilmittel für dieses allgemeine Übel , das Salz für die Fäulnis der Seele, wodurch sie vom Tode zum neuen Leben gebracht wird. Und dieses göttliche Salz ist in die Hände der Apostel niedergelegt. Also sind doch nicht die Apostel selbst das Salz der Erde, sondern Christus und seine Gnade? Ja, freilich sind die Apostel nicht Christus selbst, sondern die Stellvertreter Christi: Sie sind nicht die Gnade selbst, sondern die Organe der Gnade, so zwar, dass ohne Apostel, ohne Priester, auch kein Priester ,auch kein Opfer, keine Gnade ist. So eng ist das Heil der Menschheit mit der Person der Apostel und ihrer Nachfolger verbunden, dass, wie sie ohne Christus nichts tun können, auch Christus ohne sie nichts tun will. Denn ihre Hände sollen die Arznei des Lebens auspenden und die Ketten der Sünde lösen. Ihre Zunge soll das Wort des Evangeliums verkünden und durch die Predigt des Glaubens die Finsternis des Unglaubens aufheben. Darum wird ihnen gesagt: „Ihr seid das Salz der Erde , ihr seid das Licht der Welt. Bezeugt dies nicht die Weltgeschichte, seit der Geburt Jesu Christi? Wohin die Apostel und Boten des Evangeliums kamen, verschwand da nicht die Herrschaft der Sünde, die Finsternis des Irrtums. Aber dieses Licht, diese erfreuliche Umwandlung, würden weder die Apostel noch ihre Nachfolger bewirkt haben, wenn sie bloß gepredigt hätten; sogar die Wunder, die Viele unter ihnen wirkten, hätten diesen glücklichen Erfolg nicht gehabt, wenn sie nicht selbst, selbst durch ihr Beispiel , durch die Heiligkeit ihres Lebens, das Licht der Welt, das Salz der Erde gewesen wären. Und dieses ist es, was Jesus in der Bergpredigt zunächst und hauptsächlich den Aposteln und ihren Nachfolgern einprägt: dass sie nämlich durch ihr tugendhaftes Beispiel dem Volke vorleuchten und auf diese Weise eine ununterbrochene faktische Predigt halten sollen. Das Lehramt über alle Völker zu verwalten, wurde ihnen später feierlich aufgetragen, mit den Worten: Lasset euer Licht vor den Menschen leuchten, auf dass sie eure guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen. Die Apostel müssen durch ihr gutes Beispiel nicht bloß leuchten wie jedes Licht,nicht bloß ein gutes Beispiel geben, sondern mit ihrem Beispiel vorangehen , vor Ausleuchten, damit andere ihnen auf dem Weg des Heils folgen.
Einleitung.
Während eines gewaltigen Schneesturms in New Hampshire verbarrikadierten umgefallene Bäume die Straße. Eine Frau, die mit dem Auto aus Hillsborough kam, konnte ihren Weg nicht mehr fortsetzen. Auch ein entgegenkommendes Fahrzeug einer Frau aus Standard musste stehenbleiben. Die beiden klugen Frauen fanden aber eine Lösung. Sie tauschten die Autoschlüssel und konnten so ihren Weg fortsetzen und ihr Ziel erreichen. Nach der Beseitigung des Hindernisses haben sie die Schlüssel und die Autos wieder zurückgegeben. Es ist erfreulich, wenn Menschen einander helfen und nicht gleich über Hindernisse schimpfen. Wir sollen Salz der Erde und Licht der Welt sein, so lautet die Aufforderung Jesu an uns. Im letzten Vers des heutigen Evangeliums nach Matthäus heißt es: So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Predigt
Die Christen wussten von Anfang an, dass die Anwesenheit Gottes nur durch die Liebe der Menschen zur Geltung kommt. Je weniger Liebe und Dienst in der Welt, desto weniger ist Gott in der Welt anwesend. Wir sind aufgefordert, durch unsere Liebe Gott dazu zu ermöglichen, dass er in der Welt zugegen ist.
Dionysios, ein bedeutender Bischof des 3. Jahrhunderts , hat in Briefen eindringlich über die Pest in Ägypten geschrieben. Er verglich dabei die Einstellung der Heiden mit der Christen in dieser Situation. Er hob hervor, dass die Heiden in dieser Zeit aus Angst vor Ansteckung ihre Freunde und Angehörigen verlassen hätten. Sie hatten allerdings mehr Tote zu beklagen als die Christen, die einander treu geblieben waren. Die meisten Christen waren so voller Liebe zu ihren Nächsten, dass sie nicht einmal auf ihre eigene Sicherheit und Gesundheit Rücksicht nahmen. Sie besuchten die Kranken und behandelten sie mit Liebe, wobei viele dabei auch sterben mussten. Man könnte sie durchaus als Märtyrer bezeichnen. Die Heiden benahmen sich ganz anders. Sie verjagten die Kranken, liefen auch von ihren Liebsten weg und warfen sogar Sterbende auf die Straße. Alles geschah nur, um eben eine Ansteckung zu vermeiden, und trotzdem entgingen auch manche dem Tode. Dieses Zeugnis aus Alexandria erklärt also, was es heißt, in unseren Nächsten Jesus zu sehen. Darum sagt Jesus: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.“
Zwischen Jesus und unserer heutigen Zeit sind über 2000 Jahre vergangen. Aber das gilt auch für uns heute noch. Wir sind seine Kirche und sollen lebendige Zeugen seiner Liebe sein.
Der Unterschied zwischen der römisch-griechischen und der christlichen Welt zeigt uns auch Interessantes auf. Die Christen gingen in ihrer Liebe zu den Kranken so weit, dass man die Heilkunst in Griechenland als Kunst der Liebe bezeichnete. Als die Heiden allerdings die Christen beobachteten, wie sie die Kranken liebevoll betreuten, nannten sie das Christentum die Religion der Kranken. Im Römischen Reich war ein kranker Mensch uninteressant, er wurde aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Das soziale Empfinden der Christen äußerte sich jedoch im Interesse der Armen und Kranken. An ihnen konnte man erkennen, welch ein mächtiger Gott es sein muss, an den sie glauben. Er zeigte sich in den Taten der Liebe durch sie.
Im Mittelalter bauten die Orden, zum Beispiel die Benediktiner und die Zisterzienser, aber auch andere Orden, nicht nur Klöster, sondern auch Krankenhäuser und Gärten, in denen sie Heilpflanzen anbauten, sowie Waisenhäuser. Daraus kann man erkennen, wie diese Menschen die Liebe Gottes verkündeten – nicht nur mit Worten, sondern vor allem auch mit Taten der Barmherzigkeit. Durch dieses Licht ihrer Liebe preisen sie den Vater.
Die bekannte dänische Schriftstellerin Karen Blixen, die von 1885 bis 1962 lebte, schrieb in ihrem autobiografischen Buch „Erinnerungen an Afrika“ über mehrere Jahre ihres Lebens, die sie in einer Kakaoplantage in Kenia verbrachte. Sie schrieb: Eines Tages kam zu mir ein junger Mann namens Kit. Er war sehr gescheit und erfüllte seine Pflichten sehr gründlich. Ich habe ihn rasant liebgewonnen. Nach drei Monaten bat er mich, ihm ein Empfehlungsschreiben für Scheich Ali bin Salim zu verfassen. Ich wollte aber nicht, dass er weggeht, und habe ihm vorgeschlagen, sein Gehalt zu erhöhen. Er sagte zu mir: „Mir geht es nicht ums Geld. Ich überlege nur, ob ich Christ oder Muslim werden soll.“ Er kam also zu mir, um das Leben der Christen zu beobachten. Jetzt wollte er zu Scheich Salim gehen, um dort das Leben der Muslime zu beobachten. Dann wollte er sich entscheiden, was er wählen würde. So endete die Schriftstellerin ihr Buch.
Fragen wir uns nun ganz aufrichtig: Würde jemand gerne Christ werden, wenn er drei Monate in meiner Familie mit lebt? Oder würde er lieber zu einer anderen Familie wechseln? Wir werden in Kürze wieder das Glaubensbekenntnis sprechen. Wir wollen in dieses Bekenntnis auch die Sehnsucht und die Bitte einschließen, stets Salz der Erde und Licht der Welt zu sein.