30.Sonntag B Mk 10, 46-52

30.Sonntag B 2015  Die Blindheit des Herzens

Einführung

Der Evangelist Markus berichtet in seinem Evangelium von der Heilung  des blinden Bartimäus. Jesus ging es aber nicht nur um die Heilung der Augen, er wollte ihm  nicht nur körperlich helfen, sondern auch anders. Womöglich könnte es den Geheilten in eine Gaststätte führen, um mit den anderen zu feiern und sich vor Freude über seine Heilung zu betrinken. Jesus aber wollte ihn für das Reich Gottes gewinnen.

 Predigt

Es kann durchaus sein, dass wir mit dem Herzen blind sind, aber wir wollen das nicht eingestehen. Oftmals sehen wir nicht, was ein Mensch braucht, der niedergeschlagen und verletzt ist. Sind wir da nicht oft blind, wenn wir jemanden helfen sollen? Sind wir nicht auch blind, wenn wir Jesus nachfolgen sollen und wenn wir nicht unterscheiden können, was gut und böse ist?  Blind sind wir auch, wenn wir nicht über die Einmaligkeit unseres Lebens und der ganzen Schöpfung staunen können. Wenn wir Antworten auf diese Fragen geben sollen, wird uns klar, wie Jesus heilt. Diese Heilung führt zur Nachfolge Jesu. Ihm sollen wir unser Leben anvertrauen, und die Zukunft bekommt dadurch erst Sinn.

Im Jahre 1978 ist in Donezk in der Ukraine folgendes passiert: Eine 37 jährige Kranführerin erlitt einen Arbeitsunfall, verursacht durch den elektrischen Strom. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht und Arzt stellte ihren Tod fest. Als Studenten am Tag darauf in den Seziersaal kamen, stellten sie fest, dass die Frau ein Lebenszeichen von sich gab. Sofort fuhren sie sie in die Abteilung, wo sie wiederbelebt wurde. Nun begann ein mehrmonatiger, heilender Prozess. Sie hatte starke Kopfschmerzen und konnte nicht schlafen. Als sie endlich wieder gesund war, und einmal zum Einkaufen unterwegs war, bemerkte sie an einer fremden Person, wie dessen Herz und Magen arbeitete. Da dachte sie, sie sei von Sinnen. Und so etwas passierte aber immer öfter. Sie hatte die Gabe bekommen,  in die Menschen hineinzusehen und  zu diagnostizieren, was diesen Menschen fehlte. In einem Interview sagte sie: Ich bin kein Arzt, ich kenne mich auch bei der Anatomie eines Menschen nicht gut aus. Aber wenn jemand zu mir kommt – zum Beispiel mit einem Kind – und mich um Hilfe bittet, so sage ich, was ich sehe. Ist das Scharlatanerie oder ein außerordentliches Phänomen? Ein berühmter Professor meinte, dass infolge des Elektroschocks beim Arbeitsunfall, ihr Gehirn fähig wurde, infrarote Strahlen aufzunehmen und dadurch Organe in den lebendigen Organismen zu sehen. Sie hat also Röntgenaugen, die ihr ermöglichten, alles im Inneren eines Körpers zu sehen. Dadurch wusste sie, welche Organe gesund und welche krank waren. Jedoch die Frage, was in zehn oder zwanzig Jahren sein wird, konnte sie nicht beantworten. Trotz ihrer Fähigkeiten konnte sie auch das Lebensende eines Menschen nicht bestimmen.

Es gibt mehrere Arten des Sehens:  1. Das Sehen durch die Augen, wobei man mit einem Mikroskop besser oder einem Fernrohr weiter sehen kann.  2. Das Sehen mit dem Verstand. Damit kann man planen, spekulieren, rechnen, bewerten, theoretisieren.   3) Das Sehen mit dem Herzen, wobei es einer Liebesbeziehung bedarf. 4) Das Sehen im Glauben.

Mit der Blindheit beschäftigte sich das Evangelium mehrmals.

Die Apostel stritten sich, wer von ihnen der größte sei. Jesus  musste ihnen eine Lektion erteilen, indem er sagt: Wer der erste sein will, soll euer Diener sein. Ist nicht auch der Karierrismus eine Art von Blindheit?

Ein reicher  Mann wollte Jesus nachfolgen, aber er hatte  viele  Besitztümer. Jesus öffnete mit dieser Geschichte  den Aposteln die Augen, damit sie  die richtige Beziehung zum Reichtum bekamen.

Oder Jesus erklärte, warum ein Mann seine Frau nicht aus der Ehe entlassen kann, auch wenn das Mose erlaubt hat. Auch hier kann man die Blindheit des Herzens erkennen.

Wenn Jesus von seinem künftigen  Leid sprach, war das für die Apostel absolut unbegreiflich. Obwohl sie mit Jesus zusammenlebten, mit ihm aßen, waren sie dennoch ,,blind“. Erst  nach der Auferstehung Jesu wurden sie von ihrer Blindheit befreit. Da erst begriffen sie, worum es Jesus ging.

Und wie es ist mit uns?  Wenn wir nicht  gut sehen, gehen wir zum Augenarzt. Er verschreibt uns eine Brille. Aber sehen wir auch auf andere Weise  gut?  Mit unserem  Verstand, im Herzen, im Glauben? Wenn nicht, dann suchen wir den Arzt, der fähig ist, uns zu heilen – und das ist niemand anderer als Jesus Christus.

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