11.Sonntag B – Mk 4,26-34

11. Sonntag B 2018 – Wie es ist mit dem Gottesreich?

Einführung

Heute erzählt Jesus das Gleichnis von Samen. Ein Samen keimt, wächst und der Mensch weiß nicht wie? Er weiß nur das, dass einmal der Samen zu einer Pflanze heranwächst, die  der Mensch als Ernte einbringen kann.  Wenn der Mensch den Samen in die Erde sät, macht er das im Vertrauen darauf,  dass  in dem Samen  eine innerliche Kraft ist, dass der Samen geeignete  Bedingungen dazu  hat, damit etwas daraus wachsen kann. Jesus sät den Samen des Wortes Gottes in der Hoffnung, dass dieser Samen in unserer Seele einmal eine geistliche Ernte bringen wird.

Predigt

Die Menschen sehnen sich danach, ihre Zukunft zu kennen. Es gibt sogar Institute, die auf die Frage, was uns erwartet, eine Antwort finden. Aber unter ihnen besteht keine Übereinstimmung. Einige sehen die Zukunft optimistisch, die anderen pessimistisch. Auch in der Religiösen gibt es verschiedene Ansichten. Einige behaupten, dass die Religion nicht genug Kraft hat, um die Welt zu beeinflussen. Die anderen geben der Religion wieder eine große Chance. Es liegt aber nicht in den menschlichen Kräften, genau zu sagen, was uns in der Zukunft erwartet. Die Geschichte der Welt, wie auch die Geschichte der Kirche sind voller Überraschungen. Vom menschlichen Gesichtspunkt her, hatte  die Kirche keine Chance zu überleben. Und doch hat die Kirche nicht nur überlebt, sondern sie verbreitete sich auf der ganzen Welt. Aber nicht nur in der Geschichte gibt es Überraschungen. Sie kommen auch in Sport vor. Wer hätte  gesagt, dass die deutsche Hockey-Mannschaft bei der Olympiade den Weltmeister Kanada besiegt? Oder wer hätte gesagt, dass in  vorigen Fußballweltmeisterschaft die Slowakei Italien 3:2 besiegen wird? Alle Analysen und Prognosen sagten, dass Italien siegen wird. Auch die Prognose über die Zukunft der Kirche, obwohl sie sehr logisch ist, muss sich nicht erfüllen, weil wir nicht alle Faktoren kennen. Und was das Wichtigste ist, das ist die innere Einstellung der Menschen und wir wissen nicht, wie diese Einstellung in der Zukunft sein wird. Ja,  unter dem Einfluss der Gnade Gottes kann sich der Einfluss des Menschen ändern. Selbstverständlich gibt es auch andere Einflüsse. Wenn wir in die Zukunft schauen, können wir fragen: Warum wurde  Jesus während der Regierung des Kaisers  Augustus geboren und gerade in Palästina? Wenn Jesus zum Beispiel in Japan geboren wäre, hätte heute das Christentum eine ganz andere Form und auch seine Verbreitung wäre anders. Aber auf dieses „Warum“ haben wir keine Antwort. Das Christentum entstand aus dem jüdischen  Milieu, das müsste eigentlich die Voraussetzung dafür sein, dass es sich im Osten verbreitet. Und doch verbreitete sich dort der Islam und die Christen wurden verdrängt.  Wieder können wir  sagen, dass da etwas Unvorgesehenes geschah. Und als die Kirche im Mittelalter eine große Krise hatte und viele Nationen  von der Kirche abgefallen sind, wer hätte damals vermutet, dass der katholische Glaube,  Mittel-  und  Südamerika geradezu  „überschwemmte“.  Heute erwartet man, dass Europa,   auch das christliche Europa genannt, helfen wird, den Lauf der Geschichte zu verbessern helfen. Europa aber hat große gesellschaftliche und moralische Probleme und es sieht aus, dass Europa die Hilfe  anderer erwartet. Das ist auch überraschend. Wie sollen wir die Christen  in die Zukunft sehen? Die Geschichte lehrt uns, dass wir keine Angst zu haben brauchen.  Das aber bedeutet nicht, dass wir um das Schicksal des Gottesreiches, um unsere Gegenwart und unsere Zukunft  nichts befürchten haben. Dabei dürfen wir nicht auf die Quantität schauen – wieviele Gläubige es auf der Welt gibt, sondern jeder soll auf sich selbst achten. Ist das Reich Gottes in uns? Auch in dieser Richtung gab es in der Geschichte der Kirche interessante und unerwartete Vorkommnisse.

Vor mehr als 300 Jahren  wurde die junge Kirche  in Japan verfolgt. Die Jesuiten  sandte darum von Europa  nach Japan  einen jungen und begabten Ordensbruder namens  Kristof  Ferreire. Er sollte japanischen Christen stärken und ermutigen. Er kam nach Japan, war verkleidet als Kaufmann und begann zu arbeiten.   Er gründete  die Gesellschaft der Freunde des Tees und die Gesellschaft  der Freude, im Rahmen dessen sich die Christen  treffen konnten. Später wurden die Christen bei einer Heiligen Messe entdeckt und sie wurden gemeinsam mit Kristof gefangen genommen.  Niemand von den Christen verleugnete – auch nach einem schrecklichen Martyrium – seinen Glauben.   Nur  Kristof verleugnete seinen Glauben, um  sein Leben zu retten. Später forderte er dann  die Christen auf, ihren Glauben auch zu verleugnen. Das ging 19 Jahre so. Nach so vielen Jahre – als er schon ein alter Mensch war, stand er wieder fest zu seinem  Glauben. Er wurde verhaftet, gemartert und hingerichtet.  Sein Name befindet sich unter den 111 japanischen Märtyrern.  Das was er im Jugendalter nicht geschafft hat, hatte er im Alter geschafft. Seine Lebensgeschichte beweist,  dass Gott den Samen des Glaubens wiederbeleben kann und es ihm ermöglich kann wieder zu keimen – in jedem beliebigen Augenblick eines Lebens.

Es geschah in der Vergangenheit, es geschieht in der Gegenwart und es wird auch in der Zukunft so geschehen. Wir wissen nicht, was über die Welt und über die Kirche  kommen wird. Aber eines wissen wir sicher: Jesus wird sich immer um seine Kirche sorgen. Und wir wissen, dass Christus auch für uns sorgen wird. Nur  wir dürfen ihm darin nicht hindern!

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