2.Sonntag im Jahreskreis A Joh 1,29-34

2.Sonntag im Jahreskreis A 2014

Einleitung

Der Mensch neigt unter bestimmten Umständen sehr zu einer Kurzschlusshandlung. Wie könnte man sich sonst erklären, dass guten Kameraden eines Tages eine Auseinandersetzung haben und mit dem Messer aufeinander losgehen –  oder Eltern,  die das dritte Kind erwarten, sich für eine Abtreibung entscheiden – oder erwachsene Kinder ihre alte Mutter in ein Altersheim geben und dabei  vergessen, was sie für sie getan hat. Wie oft verabsäumen wir aber auch, einfach Gutes zu tun.   Manchmal stellt der Mensch  die Frage:  Kann ich jemanden verzeihen, der mich verletzt hat oder kann mir verziehen werden, wenn ich Unrechtes getan habe?  Gibt es jemanden,  der mich von dieser Last auf meiner Seele befreit? Die Antwort gibt uns das Evangelium des heutigen Sonntags.

Predigt

Der Evangelist Johannes erzählte  von Johannes dem Täufer, der uns auf den Messias verweist. Johannes der Täufer erklärte,  wer es ist, der uns von unserer Sünden befreit. Es  ist der Messias, das  Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt. Mit diesen Worten legte Johannes Zeugnis für Jesus ab. Das jüdische Volk, dem diese Worte galten, verstanden sie sehr gut. Die Juden kannten die Bedeutung des Wortes ,,Lamm“ . Sie erinnerten sich jedes Jahr an die große  Nacht in Ägypten, als sie durch das Blut eines Lammes, vor dem Untergang gerettet wurden und der Pharao sie aus der  Sklaverei befreite.  Sie erinnerten sich auch an die feierliche Opferung des  österlichen Lammes. Ein Lamm wurde zusammengebunden auf den Altar gelegt. Dann trat der   Priester hinzu, legte seine Hände darauf und betete so: „Herr,  wir alle haben gegen dich gesündigt, wir verdienen, dass du uns bestrafst. Wir aber bitten dich:  Erlaube, dass wir alle unsere Sünden und Schulden auf dieses Lamm legen. Möge es für uns bestraft und getötet werden.“ Dann tötete der Priester das Lamm und besprengte  mit dessen Blut das Volk. Die Menschen wussten, dass das Lamm an Stelle von ihnen getötet wurde  und sie dadurch  gerettet wurden. Darum verstanden sie sehr gut, dass Jesus dieses Lamm ist, der als ein Opferlamm die Sünden der ganzen Welt auf sich nimmt und sich eigentlich für sie bestrafen lässt. Das Zeugnis von Johannes hat also auch für uns die Bedeutung, nämlich dass das Lamm hin wegnimmt die Sünden der Welt. In Latein heißt das: Qui tollis pecata mundi. Tollis bedeutet ,,trägt“.  Johannes will damit ausdrücken, dass Jesus mit den Menschen solidarisch ist, denn er trägt ihre Sünden, Fehler, Verfehlungen, Verbrechen. Jesus trug sie,trägt sie und er wird sie auch in Zukunft tragen. Jeder Mensch, der Jesus um Verzeihung seiner Sünden bittet, dem wird verziehen.  Ja, so ist Jesus.  Er gibt unserer Seele und unserem Herzen   die Ruhe zurück.  Nur er kann uns helfen und uns retten. Er ist der Weg zum Frieden mit Gott. Ganz  wichtig ist es mir, zu bemerken: Es gibt keine Sünde, die nicht verziehen werden kann. Es gibt keine Sünde,  von der Jesus nicht befreien kann. Stalin und Hitler haben den Tod vieler Millionen Menschen auf dem Gewissen. Es wäre interessant, die beiden zu fragen, ob sie Gewissensbisse hatten. Wenn sie aber diese Sünden aufrichtig bereut haben – wir wissen es nicht – so würde ihnen auch diese schrecklichen Sünden vergeben.

Ich möchte noch Worte des Heiligen Augustinus hinzufügen: „Gott, du hast uns ohne unser Zutun erschaffen, aber du kannst uns nur durch  unser Zutun erlösen!“ Was will uns der Heilige Augustinus damit sagen? Wir müssen unsere Sünden bereuen und um Vergebung bitten. Wenn wir das nicht tun, werden uns unsere Sünden nicht vergeben. Leider gibt es heute Menschen, die sagen, es gibt keine Sünde, alles ist erlaubt. Ich denke da auch an die Bewohner von Sodom und Gomorrha, die auch kein Gespür für die Sünde hatten und Gott daher diese Städte vernichtete.

Der russische Schriftsteller Leo Nikolajewitsch Tolstoi gab in einem seiner Romane  in den Mund des als „eisener“ Kanzler bezeichneten Otto von Bismarck  diese Worte: ,,Mich schmerzt es in meinem Herzen, denn ich habe in  meinem ganzen Leben niemanden glücklich gemacht, weder meine Freunde noch meine Familie. Ich war der Verursacher von drei Kriegen.  Wegen  mir starben 800Tausend Menschen und   Hunderttausend Verkrüppelte verblieben auf den Kampfplätzen.      Das alles steht zwischen mir und Gott.“  Im Roman  verzweifelte Bismarck schließlich und das war sein Fehler, denn Vergebung ist möglich, doch muss  man Sehnsucht nach Verzeihung haben.  Uns muss klar sein, dass wir – solange wir die Vergebung unsere Sünden nicht erlangen –  wir nicht wirklich glücklich sein werden.

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