4. Adventsonntag A Lk 1, 26-38

4.Adventsonntag 2014 A    Die richtige Wahl

Einleitung

Bei der Millionenshow“ kann ein Spieler in wenigen Minuten Hunderttausende von Euros gewinnen. Er muss nur die  Fragen richtig beantworten. Der Spieler antwortet aufgrund seiner Kenntnisse oder er ratet, wenn er sich seiner Antwort nicht ganz sicher ist. Bei einer unrichtigen Antwort ist der Gewinn allerdings wieder weg. Nicht alle Entscheidungen  in unserem Leben können wir erraten oder sie dem Zufall überlassen. Ich denke da an die Wahl der Schule oder des Lebenspartners. Da müssen die Entscheidung bewusst getroffen werden. In diesem Sinn können wir auch das heutige Evangelium verstehen. Maria wurde angeboten, die Mutter Jesu zu werden und sie musste sich entscheiden. Sie konnte da nicht einfach alles dem Zufall überlassen und sie war sich auch ihrer Verantwortung bewusst. Die Antwort war: Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe , wie du es gesagt hast.

Predigt

Marias Entscheidung war nicht einfach und sie befand sich in einer schwierigen Situation. Es wurden zur damaligen Zeit von Rechts wegen Verträge in den Familien geschlossen was die Eheschließung  betraf. So war sie für Josef bestimmt, wurde mit ihm verlobt, wohnte aber noch nicht bei ihm. Diese Verlobungszeit dauerte ein Jahr, dann erst zog die Braut in das Haus ihres Bräutigams. Doch diese Zeit war noch nicht verstrichen, als sie schwanger wurde. Nach dem Gesetz des Mose war es üblich, dass eine Frau, die untreu war und ihre Schuld bewiesen wurde, gesteinigt werden sollte. Und in dieser Situation muss man die Entscheidung Marias für die Geburt von Jesus sehr hoch werten. Maria riskierte viel für Gott. Doch Maria bewahrte ihre Jungfräulichkeit und wurde so zur Mutter des Gottessohnes. Mutterschaft bedeutet eine tiefe Erfahrung der Liebe und Freude, aber ist auch mit Bangen und Schmerzen verbunden. In Maria ist die Jungfräulichkeit und die Mutterschaft in einer Person.

Die Prophezeiung des Jesaja hat sich durch sie erfüllt. Bei Jesaja heißt es im 7. Kapitel: „Seht die Jungfrau wird  ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären.“ Das Unmögliche wurde also möglich. Maria stellt sich durch ihre Entscheidung Gott  zur Verfügung und Gott vollbringt durch sie  große Dinge. Maria dankt dafür in ihrem Lobpreis. Sie sagt: ,,Denn der Mächtige hat Großes an mir  getan und sein Name ist heilig“. Was wichtig ist,  ist einerseits der Gedanke Gottes, andererseits das menschliche  Sich-zur-Verfügung-Stellen. Wenn sich beides verbindet, geschehen Wunder. Der Gruß des Engel: „Der Herr sei mit dir“ bezieht sich auf jeden Menschen. Gott hat für jeden Menschen seine Sendung, seine Mission. Zu dieser müssen stehen. Wie ist unsere Antwort? Stellen wir uns zur Verfügung?

Von einer richtigen Lebenswahl spricht  das folgende Vorkommnis: Ein Mann stieg in den Zug ein. Er wählte ein Abteil, wo eine junge Frau mit ihrer siebenjährigen Tochter saß. Der Mann legte seinen Koffer ins Gepäcksnetz, nahm eine  Zeitung und begann zu lesen. Währenddessen stellte das Mädchen immer wieder Fragen. Die Mutter antwortete ihrer Tochter sehr  ausführlich.  Die Kleine wurde immer mehr aufdringlich, die Fragen waren immer persönlicher, sie berührten das Privatleben der Mutter. Der Mann dachte: “ Das Kind ist zwar aufrichtig, aber doch ein bisschen verwöhnt.“ Er schaute auf die Frau und ihre Tochter und sie gefielen ihm. Er erinnerte sich an seine Kindheit, wenn seine Mutter Zeit für ihn und für seine Brüder fand,  Zeit fürs Spiel, Zeit für Erzählungen. Dann dachte er an seine Frau. Ihnen wurde nicht vergönnt,  eigene Kinder zu haben. Sie wollten ein Kind adoptieren, aber sie erlebte das nicht mehr, weil sie an Krebs starb. Er blieb alleine. Er seufzte und sprach leise den Name seiner Frau aus. Das Mädchen wandte sich zu ihm und sagte: „Du redest immer so leise mit dir selbst.  Ich habe dich nicht verstanden.“ Der Mann wurde ein bisschen rot und dann erklärte er dem Mädchen, dass er eigentlich nichts sagen wollte, dass es aus ihm nur so herauskam. Das Mädchen sagte zu ihm: „Mir kannst du alles sagen. Auch meiner Mutter kannst du alles sagen. Sie ist sehr gut.“ Die Frau sagte: „Wissen Sie, meine Tochter Sonja erzählt sehr gern. Seitdem ihr Vater gestorben ist, würde sie am liebsten  mit allen Männern auf der Welt plaudern.“ Der Mann nickte ihr verständnisvoll  zu. Durch dieses Gespräch verging die Zeit der Zugsfahrt  schneller. Als die Frau mit ihrer Tochter ausstieg, reichte er ihnen die Hand. Die kleine Sonja sagte zu ihm:  „Meine Mutter war heute zum erstenmal nicht traurig,  seit Vater gestorben ist.“ Der Mann dachte lange Zeit nach über diese Begegnung. Zuerst dachte er: „Das sollte ich eigentlich alles vergessen.“ Aber dann überlegte er und schrieb einen Brief.  Die Adresse legte er unauffällig  auf den  Koffer der Frau. In seinem Brief lud er sie zu ihm ein. Ihre  Schicksale haben sich verbunden. Das ist eine schöne Geschichte einer richtigen Wahl.  Die Entscheidung für die Liebe ist immer eine richtige Wahl. Das Umwerben ist  die Aufforderung:  Entscheide dich für mich! Auch die Verkündigung des Herrn ist ein Umwerben, und zwar ein Umwerben Gottes an den Menschen:  Entscheide dich für mich, und du entscheidest dich für das eigene Glück.

Dieser Beitrag wurde unter Sonntagpredigt veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.