2.Sonntag im Jahreskreis B Joh 1,35-42

2.Sonntag im Jahreskreis B 2015 – Die Begegnung,  die das Leben änderte

Einleitung

Es treffen sich zwei Kameraden. Der eine sagt zum anderen: „Ich habe gehört, dass du bald deine Silberne Hochzeit feiern wirst. Was für ein Geschenk wirst du deiner Ehegattin kaufen? „Sie wollte lange schon nach Australien reisen. Ich kaufe ihr ein Flugticket“, antwortete dieser. Ganz überrascht meinte der andere: „Wenn du deiner Frau schon zur Silberhochzeit so ein teures Geschenk kaufst, was wirst du ihr erst zur Goldenen Hochzeit schenken? Vielleicht ein Flugticket für den Rückflug?“

Manche Begegnungen bereichern unser Leben und andere wieder sind schicksalshaft. Es gibt auch Begegnungen, wo man in Zorn auseinandergeht. Interessant für uns sind solche Begegnung, die unser Leben positiv beeinflussen. Eine solche Begegnung mit Jesus beschreibt Johannes in seinem heutigen Evangelium.

Predigt

Johannes, der Evangelist spricht von seiner ersten Begegnung mit Jesus nach der Taufe im Jordan. Er war wieder am selben Ort und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Da ging Jesus vorbei und Johannes richtete seinen Blick auf ihn und sagte: „Seht, das ist das Lamm Gottes!“ Die beiden Jünger hörten, was Johannes sagte und sie folgten Jesus. Da drehte sich Jesus um und als er sah, dass sie ihm folgten,  fragte er sie: „Was wollt ihr?“ Sie antworteten darauf etwas verlegen: „Meister, wo wohnst du?“ Jesus sagte ganz einfach: „Kommt und seht!“ Daraufhin gingen die Jünger mit ihm und blieben an diesem Tag bei ihm. Diese Begegnung war für Johannes und die Jünger so entscheidend und bedeutend, dass sie ihr ganzes Leben beeinflusste.  Sie folgten Jesus ihr ganzes Leben lang.

Der deutsche Benediktiner Anselm Grün ist sicherlich vielen von euch bekannt. Ich habe von ihm gelesen, dass er jeden Tag vor einer Christus-Ikone sitzt, ein Kerze anzündet und Jesus einfach anschaut. Er wiederholt dabei folgenden kurzen Satz: „Jesus Christus, erbarme dich meiner.“ Das macht er folgendermaßen: Beim Einatmen sagt er: Jesus Christus, beim Ausatmen: erbarme dich meiner! Er hat dabei das Gefühl, dass die Güte Jesu in ihm einströmt, seine Barmherzigkeit und Liebe in sein Leben so ausströmt wie die Luft, die er ausatmet. Dadurch kann er seinen Arbeitsalltag, seine Konflikte mit den Mitbrüdern, seine Enttäuschungen mit Menschen, seine verschiedenen Sorgen gut bewältigen. Die Begegnung mit Jesus ist so stark, dass das hilft,  alle seine Probleme zu relativieren. Das, was ihn dann bedrängt, ist nicht so wichtig und entscheidend. Sowohl der Apostel Johannes als auch der Benediktiner Anselm Grün sprechen von der Wichtigkeit und Bedeutung einer Christusbegegnung.

Überlegen wir einmal: Wie bestimmt meine Begegnung mit Jesus mein Leben? Ändert es mein Leben? Wenn ich Jesus nicht kennen würde, wie würde mein Leben dann sein? Was lerne ich von Jesus? Hat Jesus etwas Bewegung in mein Leben gebracht? Welchen Stellenwert hat die Begegnung mit Jesus in meinem Leben?

Wenn diese Begegnung wahrhaftig ist, wird sie mein Leben bereichern. Die Gelegenheit, uns das bewusst zu machen, was eine Begegnung mit Jesus bedeutet, haben wir in zwei Momenten bei der Heiligen Messe. Der erste Moment ist bei der Wandlung, wenn der Priester die Hostie in seine Hand nimmt und sagt: „Das ist mein Leib… das ist mein Blut!“ Wir sollten uns dabei selbst wandeln lassen. Diesen Moment sollten wir nützen, um Jesus zu bitten: „Jesus, ich bringe dir meine Arbeit, meine Konflikte, meine Sehnsüchte, meine Enttäuschungen!“ Jesus kommt also nicht nur in Brot und Wein zu uns, sondern auch in allem, woran wir denken und was wir tun. Der zweite Moment ist die Heilige Kommunion. So wie ich verschiedene Lebensmittel auf ihren Geschmack hin koste, so kann ich bei der Heiligen Kommunion die Liebe Gottes kosten und werde dadurch gestärkt für alle meine Lebenssituationen. Die Begegnung mit Jesus ist die Antwort auf die Worte Jesu: „Folge mir nach!“

Eine Begegnung mit Christus kann auch über den Verlust eines geliebten Menschen hinweghelfen. Dazu ein Beispiel: Stefan und Klar war unzertrennliche Freunde. Plötzlich wurde Stefan krank. Die Diagnose war Krebs. Klara dachte: „Das kann doch nicht wahr sein!“ Aber die Krankheit schritt voran und ein Bein von Stefan musste amputiert werden. Einmal sagte Stefan zu Klara: „Ich weiß, dass ich bald sterben werde, aber ich habe keine Angst davor.“  Klara wollte Stefan Mut zusprechen, aber es war umgekehrt. Als Stefan starb, sagte Klara: „Ich verstehe nicht, warum er sterben musste.“ Aber es wurde  ihr bewusst, dass wir in eine Welt hinein geboren werden, die auch voll Schmerzen, Krankheit und Tod ist. Sie brauchte viel Ermutigung, Liebe und Kraft, dies zu verstehen. Mit Gottes Hilfe aber gelang ihr das und sie freut sich nun auf den Tag, wenn sie durch die himmlische Pforte gehen kann und sich bei Gott persönlich bedanken kann für die schöne Zeit und die gute Freundschaft, die sie gemeinsam mit Stefan erleben durfte.

Nur durch die Begegnung mit Christus erhalten wir Liebe und Kraft. Er wendet sich niemals von uns ab, für ihn sind wir nie fremd, wir sind immer seine Freunde.

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